Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 9 (4.3.1940)
- Date
- 1940-03-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2424658-2424686-2424695--452-2425210- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 4. Min 1M0 Gläubiges Ausharren ZU EINEM VORTRAG VON LEO BAECK Als einzige jüdisch« Zeitung in Deutschlandphet. aus Immer w»!e«fer verkünde; er darum, erscheint noch immer da* ,JÜdim;hc Sachrichula er »fehl, wfe das Volk und s«)ne Herrscher IcnblaW Im Verlag dm Jüdischen Kulturbünde» j gegen da* Gebot handeln, Ihnen Oven Umer- Dicse* Blatt sieht Jetzt noch armseliger aus als j gang früher. IS« enthält überhaupt nur Mitteilungen ' M** r er sieht doch zugleich einen Kreis von jüdischer Gemeinde-Stellen über Wohlfahrt saktioj Monsrhen. die in allen Tagen, in allem Wechsel nen, Winterhilfe etc., sowie ein Verzeichnis von jdor -Geschicke, dem Ewigen treu bleiben Er verschiedenen Rechts- und Wirtschaftsvorschrif- (.«stellt die, die auch unter götzendiener Ischen K#- ten. Politik oder Tagesfragen sind in der Ze>i-j nicen. unter falschen Priestern und trügerischen [sicherlich Immer wieder das Wort erklungen, tung mit keinem Wort erwähnt. Einen grossen; Propheten um den Bund Gottes wissen und seine j das ihm, als er Jung war und das Wort de« Ewi- Teü de* Blatte« nehmen die Ankündigungen von j Gebote erfüllen So wird ein Kern des Volke» j gen ihn ium ersten Mal ergriff, zuteil wurde. Filmveranstaltungen des jüdischen Kulturbundes I bleiben, wie schon Jeoaia es verkündet hatte. 1 Und erklungen ist in ihm sicherlich auch das ein. Das Theater des Kulturbundes ist geschlosi Wenn auch der Stamm fälH. aus der Wur/e!;andere Wort, dass Gott gedenkt. .Gehe hin und sen, dagegen werden Füine in Berlin und in an- Iwlrd neuer Schoss treiben. Auch da« ist Gottes rufe vor den Ohren Jerusalems also: so spricht deren Städten aufgeführt, und zwar meist ältere Gesetz, auch das ist Gottes Bund, der niemals jder Ewige: Ich gedenk« dir der Liebe deiner Judeutsche Filme, z.B „Unsterblicher Walzer" aufhört. Seine schönsten, Innigsten Worte hat gend, deiner bräutlichen Innigkeit, da du mir rück; er blieb bei den Leuten im verwüsteten Lande. Und unter diesen brach der Hader aus, dem einer der Besten, Gedalja, zum Opfer fiel, und die Letzten flüchteten darauf nach Ägypten, gegen Mahnung und Weisung des Propheten, und sie schleppten ihn mit sich in dem Glauben, das» sie einen letzten Rest des Segens in ihm mit sich nähmen. In Ägypten Ist er dann gestorben Wie eine spatere Sage erzählt, als Märtyrer. Aber mit sich hat er auch nach Ägypten genommen die Gewissheit des Bundes, den der Ewige geschlossen, in sich behalten darum die leUte Zuversicht, die Stetigkeit der Hoffnung, die innere Kraft und die innere Zuversicht in aJler Tragik seines Lebens. In seinem Herzen ist bis zuletzt oder ,,Wer küsst Madeleine". Ferner wird zB. eine Revue gespielt unter dem Namen „Quer durch Ernst und Scherz", bei der u.a Alfred Berliner, Willi Prager und Steffi Hlnzelrruann mitwirken. Zu Chanukkah fand in Berlin eine Feierstunde in der Synagoge Oranienburgerstr. statt, wobei der Vorsitzende der Gemeinde, Heinrich Stahl, einen Vortrag hielt. Interessanter Weise besteht über die Hälfte dos 4^6 Selten starken Blattes aus Infertilen, davon sehr viele Jeremias gefunden, wenn er davon spricht, wenn (nachgingst durch die Wüste, durch Land. In dem er die Zukunft verkündet, die trotz allem bleibt. | nicht geait wird:* Das Ist in ihm Gewiesheit Der Bund wird dann neu werden, denn er wird;?j»bUeben. denn er hat Immer gewollt, was der nun ein Bund sein, in dem alle stehen, alle dem i ÜCwlge nie», ihn wollen hlees, er hat gesprochen, Gebote Gottes gehorchend | nur wenn der Ewige ihn zu sprechen gleichsam Das Leben des Jeremias verlauft in der Tragik ' zwang. Er hat um den Bund gewusst, den der bis zum letzten Tage Er wurde verkannt und j Kwige geschlossen hat mit der Welt, mit der misshandelt. Er sah Jerusalem fallen und den i Menschheit und mit dem Volke seiner Offen- Tempel in Flammen aufgehen Er aah, bis auf barung Sein Leben wat voller Tragik, aber er war und blieb der tragische Sieger, so wie es ihm der Sinn der Geschichte war. und er es gelehrt hat, da.se sie Tragik ist in ihren Tagen, aber eine kleine Zahl, das Volk und seinen König nach Todesanzeigen, aber auch noch Anzeigen von Babel In Gefangenschaft geführt. Ihm bot der jüdischen Hotels und Pensionen, von Unterrichts- . König von Babel, der vom Ihm gehört hatte, und Erziehungsanstalten, sowie in beschranktem j Ruhe und Ehre in Babel an, aber er wie» es zutragischer Sieg in dem. was von Ihr bleibt." Umfang Ankaufs- und Verkaufsanzeigen, ferner ' Wohnungs- und Stellengesuche. Interessant sind auch eine Reihe von Anzeigen von Ärzten, die mitteilen, dass sie wieder praktizieren; natürlich sind sie ausschliesslich zur ärztlichen Behandlung von Juden berechtigt. In einer der Nummern dieses „Jüdischen Nachrlchtenbiattes", das uns von einem in Holland wohnenden Freunde zugänglich gemacht wird, finden wir einen Vortrag von Rabbiner Dr. Baeck, dem Präsidenten der Reichsvertretung, wiedergegeben. Er heisst jetzt „Leo Israel Baeck". Dieser Vortrag Uber den Propheten Jeremias erscheint als ein Dokument tiefer Gläubigkeit und jüdischer Grösse, und wir glauben, dass es unsere Leser interessieren wird, wenn wir au» diesem Vortrag, mit tiefem Respekt vor dem Mann, der eine schwer geprüfte Jüdische Gemeinschaft unter einzigartigen Verhältnissen führt und seelisch zu stärken sucht, ein Bruchstück hier wiedergeben: JEREMIAS „...Alte Geschichte der Menschheit ist für den Propheten ein Bund. Geschichte bedeutet die Aufgabe, die der Menschheit und in ihr den einzelnen Völkern gesetzt ist. In den grossen sittlichen Aufgaben offenbart sich Gott den Menschen, tut er ihnen seinen Willen und sein Gebot dar. ,Es i*k dir gesagt, o Mensch, was gut ist, und was der Ewige voi dir verlangt: Recht zu tun, Liebe zu üben und in Demut zu wandeln mit deinem Gotte.' So ist die Offenbarung Gottes, die in der Geschichte verwirklicht werden soll, der Bund, den er mit der Menschheit geschlossen hat. da*t Gesetz, durch das und kraft dessen allein die Menschheit bestehen kann. So sind Welt und Menschheit in eine Einheit hineingestellt, in die des Bundes, den der ewige Gott gestiftet hat. Dass Tag und Nacht wechseln* dass auf den Sommer der Winter folgt, ist dieser Bund und das grosse gebietende ,Du sollst' der Gerechtigkeit und des Rechts, ist ebenso dieser Bund des Ewigen, Weltgeschichte ist die Geschichte de* Bundes. Alle Fragen der Geschichte sind so für Jeremias Fragen des Gesetzes, und Gesetz, von Gott gegeben, kennt in seiner Antwort keine Ausnahme. Mit der tiefsten Erbitterung und mit all der Glut seiner Inbrunst wendet «ich der Prophet gegen die, welche meinen, für das judische Volk, für Jerusalem, für das Haus Davids soll eine Ausnahme geschehen Das Gesetz ist der Bund von Gott, und darum gibt es für keinen eine Ausnahme. ..Auch wenn'', so sagt der Prophet, „Moses und Samuel hintruten und vor Gott für dieses Volk bäten, Ich würde sie, so spricht der Ewige wegschicken von meinem Antlitz, sie weggehen heissen." Wenn das jüdische Volk, wenn seine Könige, die Nachkommen Davids, sündigen, sie müssen untergehen, das Gesetz bleibt Gesotz. Immer wieder ruft es so der Pro- DEUTSCHE ALMAU UND J1S0HUW Zur Frage der Eingliederung der westeuropäischen AÜjRh stellt ein«. Olah nus Deutschland L- 8chhnr*p'tth in der Monatsschrift der arbeiterden Frauen ,,Devar hapoeleth" Betrachtungen an: Ist Jetzt, sieben Jahre nach dem Beeinn cl«r grossen Einwanderune aus Deutschland, dfrse All Jan bereit mit Ihrer Anonvmltät hervorzutreten und die volle Verantwortung für das öffentliche Lehen auf »ich zu r.ehmcn, die von ihr in dieser Stunde gefordert wird? Ist sie bereit, dio äusseren und Inner»« Hindernisse zu üb^rwin^n die fhr<jr vollen Eingliederung entgegenstehen? Zwei Hindernisse psvcholoei scher Natur sind es, d»r es verhindern, dass Ostluden und Westiuden in Palästina eine premeinsohaftllehe Sprache finden: Der deutsche Einwanderer ist gewöhnt, nn eine sehr systematische O r g ani s a t i on in allen ndv}ini*tratir>f>n Dingen. Aber andererseits ist er pewöhnt, an eine grosse geistige Freiheit fn allen orundxHtzlichen Angelegenheiten, seien s'e nra'<tischer oder kultureller Art. Die Juden in Deutschland waren vor Beginn der Nazi-Herrschaft an volle Freiheit in j?elsti?ren Dingen gewöhnt: auch diejenigen, die einer Partei, wie etwa der sozialistischen Partei, angehörten, taten dies aus freier Wahl nnd eenossen die Freiheit der Anschauungen. Hier im Lande ist das Verhältnis umgekehrt: In administrativen Angelegenheiten herrscht Anarchie, ..TTnördnuntr", dagegen verlangt man in den Bezirken der Politik, der Kultur und der Moral strenge Disziplin. Man vergisst aber, dass wir für die Durchsetzung dieser Disziplin kein „priores Mittel haben als die Aufklärung in Frel- Hltekeit. Staatlicher Zwang steht nn«? nicht zur Verfücim«?, Fs ist schwer, die Forderung nach nationaler Disziplin" in Einklanir zu bringen mit ler Notwendigkeit der Selbstkritik und der inneren Ernenerunsr. Auf diese Weise entsteht der Konflikt m't der Einwanderung aus Deutschland, dessen Fol*e DEUTSCHE ZIOÜfSTE» IM USA Kurt Blumenfeld hielt in New York innerhalb des ..German Jewish Club" einen Vortrag über das Thema „Die Judenfrage nach Hitlers Untergang " Dr Georg Landauer hielt in der Theodor Herzl Society (Vereinigung der deutschspreehenden Ziontsten) in New York einen Vortrag über das Thema ,.Dle Wirkung des Krieges auf die zionistische Idee", wobei er die Frage erörterte, welche jüdischen Kriegsziele aufgestellt werden m(tasten, und vor allem eine Organisierung der Judenheit Amerikas für die Jüdischen Palastinabestrebungen forderte. — Zum Präsidenten der ..Jacob Ehrlich Society" (Zlorüsten aus Österreich) In New York wurde Professor Dr. Bernhard Geiger gewählt. Die „Theodor Herzl Society" (Zionismen aus Deutachland) und die „Jacob Ehrlich Society" (Zionisten aus Österreich) veranstalteten gemeinsam einen Empfangsabend für den in Amerika eingetroffenen Dichter Richard Beer-Hofmann. HITLER UND DIE ARABER Der Pariser „Temps" macht in «einer Wochenausgabe einige sarkastische Bemerkungen Uber die Bemühungen der deutschen Propaganda, die Araber für sich zu gewinnen. Die deutsche Rassentheorie habe die Araber als Semiten ab eine minderwertige Rasse erklärt, jetzt aber stellen sich die Nazis so, als ob sie aus den Arabern eine Elite machen wollten, natürlich nur zu dem Zwecke, um sie von England zu trennen Der „Temps" führt aus, das» dieses Manöver zum Scheitern verurteilt ist, denn nachdem eine arabische Übersetzung von „Mein Kampf" erschienen ist, werden sich die Mohammedaner wohl kaum einer Täuschung darüber hingeben, welches Schicksal sie im Falle eines deutschen Sieges erwartet. Ferner weist die Zeitung darauf hin, dass die Ideale des Islam von Gerechtigkeit und Menschenliebe denen der Demokratie entsprechen Die arabischen Völker, so schreibt der .Temps", haben seit Krlegabeginn unzählige Beweise ihrer aufrichtigen und es ,sf. dass der Einwanderer aus ItoiMlan* ruhpemien Ännanglichkell an die Sache der -ich von dem S*™;^ gegeben. Es sei aber charakteristisch, wählt ,n dem Konflikt den Weg des leichtesten , Deutschen es nicht verschmähen, an Widerstands«: Er zieht Jeh vom öffentVchen Le-s appellieren, die sie als minderwertig V»n zurhok, Dieser Zustand der Passivität .... f . . 'r einer Gemeinschaft. d«e jetzt schon mehrere erKm" naoen. ____^ Zehntausende zählt, bedeutet ober eine schwel Gefahr für den ganzen Jischuw. Die Gleichgültigkeit und Indifferenz von heute kann sich morgen in Hass i»nd Feindschaft umsetzen. Das Oesamtinteresse forderte deswegen vom westeuropäischen Einwanderer, das» er seine Passivität aufgibt, und vom ostlüdischen Einwanderer, dass er der besonderen Schwierigkeit der Einwanderung aus Deutschland Rechnung trägt. Das Parlament von San Domingo hat einstimmig den Vertrag ratifiziert, den die Regierung mit einer jüdischen Corporation zwecks Ansiedlung von Flüchtlingen abgeschlossen hat (vergl. die Bemerkung in unserem Artikel „Zwei Missionen" in Nr. 7 der „JWR"). Das amerikanische Staatssekretariat beschäftigt sich gegenwärtig mit einem Gesetzentwurf, der die Öffnung Alaskas für die Einwanderung von Flüchtlingen zum Gegenstände hat.