Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 8 (26.2.1940)
- Date
- 1940-02-26
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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M. Tttumr IM» JCDBKHX WCLT-RUNDSCHAU Professor OttoToeplitz MJnzettgemäsee Bücher HUMttCNE LITERATUR URO JOMttHC lUEHWMT Am 10. Februar Ist in Jerusalem Professor Otto Toeplitz im 69 Lebensjahre gestorben, «in Jahr nach Miner Einwanderung in Eres Israel- Toeplitz. der erst in Kiel, dann in Bonn ordentlicher Professor der Mathematik geweeen ist, galt ein hervorragender Vertreter seines Fache*, über «eine fach wissenschaftlich« Bedeutung hinaus war er «ine geistige Persönlichkeit von hohem Range; Neben seinen rein matheiuaUsehen Forschungen, trisb er ausgebreitete Studien Uber die Geschichte der Mathematik und war auf diesem Gebiet eine massgebende Autorität. Dabei interessierte ihn nicht nur die inner - mathematische Entwicklung als solche, sondern vor allem ihr Zusammenhang mit der nUgemtinen Entwicklung des Geiste«. Von Jugend auf philosophisch interessiert ging er mit hseand»- rer Liebe dem Zusammenhang der griechischen Mathematik mit der griechischen Phlloeophie nach. Seine Untersuchungen über die mathematischen Kiemente im Denken Piatos sind in ihrer Verbindung von philologischer, philosophischer und mathematischer Interpretation ebenso vorbildlich in ihrer Methode wie ergebnisreich. Im Fortgange seiner geschieh Lachen Studien bemühte er sich darum, die besondere Form der mathematischen Entwicklung bei den verschiedenen Volkern als Ausdruck einer Jeweils besonderen geistigen Haltung überhaupt su begreifen und die Mathematik in diesem Sinne geiatesgeschichtlich su verstehen. Auch in diesen weitauagespannten Untersuchungen ging er mit kritischer Besonnenheit zu Werke und vereinte Weite der Gesichtspunkte mit Feinheit und Präzision der Forschung. Das humanistische Interesse, das diese Richtung seiner Forschung bestimmte, fand seinen Ausdruck auch in seinem aufgeschlossenen Verständnis für alle Fragen akademischen Unterrichts. Seit 1933 hat er sein Können und seine Erfahrung auf diesem Gebiete in den Dienet des Judentums gestellt Die Reichs Vertretung d .* Juden in Deutachrand betraute Ihn mit der Leitung der Studentenfürsorge, vor allem mit der Auswahl der Studenten, denen man die Fortführung Ihrer Studien im Auslande su er möglichen suchte. Überall In der Welt lebet* heute junge Menschen, die sich seiner verständnisvollen Fürsorge in Dankbarkeit erinnern werden. Auch an dem Aufbau des Judischen Unterrichts- und Erslehungewssens in Deutschland hat er mitgearbeitet, u.a. hat er viel dasu beigetragen, die in der. letzten Jahren eingerichtete allgemein-wiseenschafueb» Abteilung der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums auf die Höhe ihrer Aufgabe su erheben. Nach J er u s a - lern hat ihn die hebräische Universität berufen« in einer Form, die für das besondere Charisma seiner Persönlichkeit ein deutliches Zeugnis ist. Als er im Frühjahr lfttt besuchsweise im Lande war, hielt er an der Universität eine Gastvorlerung aus dem Gebiete seiner historischen Studien, die durch ihren Ideenreichtum und die Eisgans ihrer Gedankenführung eine ausserordentliche Wirkung übte. Unter dem Eindruck dieser Vorlesung lud der Vorsitzende des leitenden Ausschusses der Universität, Herr Schocken, ihn ein. swel Monate in Jerusalem au bJerbea, um sich su einigen, die Universität betreffenden Fragen gutachtlich su äussern In dieser kurzen Zeit hat er sich soviel Schätsung und Sgrmpathie erworben, dass die Universität ihn dauernd für sich gewinnen wollte. Die Vielseitigkeit seiner wissenschaftlichen Interessen machte Um tum Mittelpunkt eines Kreises, in dem es su einem ungewöhnlich fnicntfcaren und anregenden Gedanksnaustausoh kam und sugleieh fand er sich mit klarem und sicherem Back in die schwierigen Problem« der Universität hinein. Im Februar des Jahres 1999 kehrte er nach Jerusalem zurück, um als akademischer Berater der Universttätaleetung tätig su sein. Die Zelt bis tum Ausbruch der schweren Erkrankung, dar er Jetst erlegen ist, war su kurz, um ihn in seinem neuen Wirkungskreis heimisch werden su lassen, aber sie hat genügt, um ihm ein reiches Mass von Freundschaft und Uebe su erwerben. Der Ge« lehrte und der Mansch Toeplit* werden auch in Jerusalem unvergessen bleiben. Prof. JuMu» Qnttmna» (Jerusalem) In La Pag (Bolivien) wurde) dieser Tage der erste jüdische Friedhof Bolivien» eingeweiht In der hebräischen Presse Palästinas wird Jetst eine Frage erörtert, die für das Verhältnis von Literatur und Gegenwart (und im besonderen für das Verhältnis der äebrüitchen Literatur sur ßditche* Gegenwart) von Bedeutung ist Bsi der letalen Jahresversammlung de* Verbandes der hebräischen Schriftsteller klagt« Professor Josef Klausner — der Professor für hebräische Literatur an der Universität Jerusalem - das hebräische Schrifttum unserer Tage an, dass es sich der Wirklichkeit entfremdet habe: Zur Zeit wo die Judenhelt von Deutschland, Oaterreich, der Tschechoslowakei und Polen vernichtet wird und tausende Jüdische Flüchtlinge in allen Häfen und an allen Grenzen vergeblich um Gastrecht bitten, beschäftigt »ich das hebräisch» Schrifttum mit dem Leiden des Einseinen oder mit Fragen dea Weltgeheimnlssea, aber vergeblich sucht man darin einen Ausdruck für die Tragik unserer Zeit und unseres gegenwärtigen Schicksals. Klausner sucht hierin die Ursache dafür, dass die hebräische Literatur von heute kein Echo findet. Der Leser sucht in dem Buche, da» er liest, das Spiegelbild der Probleme, die ihn bewegen, und wendet sich von der Literatur ab, wenn er es nicht findet Die heutige Literatur habe ungleich grössere Talente als die hebräische Literatur vor einer oder zwei Generationen, und trotzdem fehle ihr das schöpferische Pathos, das sich an den Fragen der Gegenwart entzündet Der Rede Klausners stimmte auf der Schriftsteller-Versammlung der Dichter BcMmoncnvici zu. der darüber klagte, dass die hebräische Literatur sich selbst stumm gemacht habe. Aber die Rede blieb auch nicht unumstritten, in der Uterarischen Beilage („Mussaf"). Jer Tageszeitung „Davar", trat der Romanschriftsteller A. K Kabak dem Standpunkt Klausners entgegen. Die Seele des Dichters — so führt Kabak aus — sei keine photographische Platte und der Dichter habe nicht die Aufgabe der Reportage. Der Dichter braucht nicht Bilder der Gegenwart zu geben, um Ausdruck seiner Zelt su sein. Künftige Geschlechter können vielleicht finden, dass ein Dr. W e I s m a n n hat seinen Pkw, Südamerika zu bereisen, aufgegeben. Er wird wahrscheinlich noch dieeen Monat aus Amerika nach London surückkehren, wo er dringend erforderlich ist Dr. Nah um Gold mann wird an der Keren Hayessod-Kampsgne in Südamerika teilnehmen. Dominionminister Eden hat in der vergangenen Woche einem Konzert dea PalästlnsvOrcheatar» in Kairo beigewohnt Auster Eden war auch der britische Botachafter Sir Mills Lampson und ein» Raine hoher Offiziere anwesend. Das Konzert war überfüllt und gestaltete eich zu einem gross« Erfolg da» Orchesters. Die Jahreskonferenz des Keren Kajemeth in Chicago beschloss, Dr. Weismann ein Album su überreichen, worin eein Name hundert Mai in das Goldene Buch des Keren Kajemeth eingetragen wird. Bei der 21. Jahreskonferens des sogenannten „Jüdisch-amerikanischen Kongresse s", die in N«w York stattfand, sprachen drei christliehe Senatoren, die erklärten, das Schicksal der verfolgten Juden in Kuropa kann» trotz der Neutralität Amerikas den Amerikanern nicht gleichgültig sein. Von Jüdischer Seite sprachen Dr. Stephen Wise und Louis Lipsky, die betonten, dass die «urüerikanisenen Juden Jetst zwei Ziele su verfolgen haben, erstens Kampf um dl» Wiederherstellung der jüdischen Rechte In Europa und Palastina und zweitens Organisierung dea amerikanischen Judentums sur Verteidigung der Demokrat!«. In New York bei der Tagung der amerikanischen Abteilung dea ^iamsch-wlssenschaftlichen Institutes" Clvo), das sich In Wllna befindet, führte der bekannte Journalist Leachlnsky (früher Warschau) den Vorsitz. Das Hauptreferat hielt Dr Ar Jen Tartakowar (früher Loa»). Wie uns mitgeteilt wird, hat die TlomstJatas Vereinigung in Bombay in lauter Zeit ein« aktive Tätigkeit entfaltet; u*. wurda ein Oneg Sehebbath veranstaltet, bei dem Vorträge) miieuheute geschriebener Roman, auch wenn er stofflich gar nicht mit der Gegenwart su tun hat, wenn er ein historischer Roman ist, der ferne Jahrhunderte sunt Stoff hat, oder wenn er die Uebe eiaee Jüdischen Jünglings su einer Christin in einem galisisehen fltädtchens sum Gegenstand hat <di«s sind Anspielungen auf kürzlich erschienene hebräische Romane - A.d.R.), In unterirdischen Tiefen der Seele und der Darstellung das heutige judische Schicksal spiegelt. Im „Davar" selbst nimmt SUe^er Mammon», einer der führenden hebräischen Essayisten, Stellung zu dem von Klausner aufgeworfenen Probitin. Er furchtet, dass die Folgen von Klausners Rede für die Literatur keine guten sein werden. Wir werden „bestellte Ware" bekommen, die nicht gut sein wird. Ee gebe historische Ereignisse, die so furchtbar sind, dass das Wort ihnen gegenüber verstummen mus». Wir können vielleicht noch fluchen, aber nioht besingen oder beweinen. Ja auch unserem Fluch Ist die Kraft benommen, weil wir nicht wie frühere Geselligen ter an die magische Kraft des Fluches glauben. Tranen allein, auch wenn sie wie Ströme fllessen, erzeugen noch keine Dichtung. Eine grosse Dichtung braucht su ihrem Entstehen ein gewisses Mass von Schöpferfreude. Die grossen nebraisf.-h«n Dichtungen des Mittelalters, so erklärt Steinmann, waren nicht die Slichot (Klagegesange), deren dichterischen Wert Steinmann nicht hoch einschätzt, sondern die Schöpfungen der Dichter in Spanien, die in einer Umgebung von Menschlichkeit und Welte leben durften. Kabak verweist auf das Beispiel der französischen Literatur in der napoleonlschen Zeit und auf das der deutschen Literatur um die Wende des 1H. Jahrhunderts und in der Zeit nach dsm deutsch-französischen Kriege. Diese Literatur, so .sagt er, war weit entfernt davon, Zeitdichtung zu sein. Professor Klausner repliziert auf diese Einwendungen in der neugegründeten Zweiwochenschritt „Safrut ze'lra" (.Junge Literatur") Im Sinne seiner oben dargelegten Ausführungen. Mulm Inhalts gehalten wurden. Aus den Veranstaltungen der leisten Zelt erwähnen wir u.a. einen Vortrag von Dr. Hanns lUtininar .Jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich in Indien". Hans Galiand „Eindrücke aus «inem Kon. zentrationslager", H. Neumann „Jüdische Jugendbewegung in Europa", Frau Petzall „Geschichte der Juden in Deutschland". Die Veranstaltungen zeigen ein harmonisches Zusammenwirken von altansaseigen Juden und eingewanderten Juden aus Deutschland. Wie „Palcor" aus Paris meldet, haben die «00 in der tschechischen Legion an der Westfront dienenden p a 1 ä s t i n e n nia c h o n Juden die hebräische Sprache als ihr« Umgangssprache «ingeführt, um deutlich als Juden kenntlich zu s«in. Bei der „New School for Social lUeearon" in New York, in der sahlreicbe aus Deutschland ausgewanderte Gelehrte eine neue Stätte den Wirkens gefunden haben, wurde 1*4© ein Dramatisch** Studio unter Leitung von Erwin Piscator eingerichtet. Unter den Dozenten dieser Institution finden wir als Leiter von Kursen zahlreiche Personen, deren Namen uns aus Deutschland bekannt sind. So z.B. leitet Kurt Pinthus den Kurs Uber Theater, Carl Zuckmayer über Humor im Drama, Hanns Eisler Uber. Bühnenmusik, Jaacha Horenetein über Dirigieren, Paul Zucker und Mordechai GoreUk Über BUhnendekorntion. Im 61. Lebensjahr starb ir M«xiko Professor Alfons G o I d » e h m i d i. Der Verstorbeee, der politisch weit links stand, hat schon früher Mexiko besucht und in Deutschland «in Buch darüber veröffentlicht 1*30 war er nach New York ausgewandert und hat dort gelegentlich auch an Judischen Veranstaltungen teilgenommen. In Ungarn starb Im 82. Lebensjahr der ehemalige Chefredakteur des „Pester Lloyd", Joeef Veezl. einer der charakteristischen Gestalten der nunmehr längst versunkenen UbtraJen Aera, Die Pest*»- Kultuegemeinde hielt eike Trauersstsung ab. Nachrichten aus aiier Welt