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Jüdische Weltrundschau · 1940-02-26 · 8 (26.2.1940) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
8 (26.2.1940)
Date
1940-02-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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JOUUKSUE WB/r*RUIfD8CIIAU 99. Fehrw 1M0 BEI DER ARBEIT Zweitauaend jüdische Arbeiter sind jetzt mit Regierung«arbeiten In Pnläntinn beschäftigt. Der „Dawar" gibt folgende Darstellung der hierfür eingerichteten Arbeitslager: Hundert« von Chnluz-Zelten und Baracken sind jetzt Lager an Lazer Uber die weiten Ebenen des Tuendes vemtreut. Haufen von Balken. Röhren. Pflöcken, Stein und Baumaterial. Und zwischen alldem arbeiten Tausende von Händen. 8, 9, 10 und 12 Stunden, graben und bauen, sägen und himmern. Vor dem Besucher, der fm Auto dl« Chaussee entlang fährt, entrollt eich da» Schauspiel der Arbalt — Rücken beugen »Ich und richten «Ich auf, es ertönt der klangvolle Chor der Töne der Hammerschläge auf den Nagel, de* Axthiebe« in da« Hohr du Krelachen der Sag« im Brett In unserem Herzen ruft diese Klang» fülle die freudige Erinnerung an dl« Errichtung neuer Sledlungwpunkte wach. Doch diese Freude haben wir dleemal nicht. Und doch l«t ee auch jetzt ein Fest — ein Feat dar Arbelt. „Nach 7 Monaten Arbeitslosigkeit", so sagt einer aua dem I^sger „und wer welae. waa mir noch bevorsteht!" Sein abgehärmte« und das Geeicht vieler «einer Genossen trägt deutlich den Stempel langer Arbeitslosigkeit Nur ein ganz kleiner Teil, die vom „Solei Boneh" beschäftigten, sind Fachleute, die auch vorher Arbelt hatten Alle anderen rekrutlerer eich au« dem groasen Heer, der Arbeitslosen aus allen Teilen des Landes und aua jenen, die schwer um ihre Einordnung und Existenz kämpfen — Flüchtlings-Einwanderer. Jetzt arbeiten aie alle tusammen - der seit Jahren Ansässige und neue Einwanderer, der Arbeitslose und der Facharbeiter, d«r orientalische Jude und der Junge aua Deutschland und der Tschechoslowakei. Die Arbeit Ist nicht leicht, die Bedingungen sind schlecht, man lebt In Zehen fern von zuhaus in einem Lajfer im Winter und bei vielen Stunden schwerer Arbeit. Die Feldküche, die in wenigen Tagen aufgebaut wurde und für die Verpflegung von Tausenden sorgen nruss, hat es schwer genug Die Mädeia in Ihren Gummischuhen tun, waa ale können, schuften Tag und Nacht. Trotzdem gibt es Beschwerden. Und ea gibt Fragen der kulturellen Arbelt in jedem Lager vom ersten Tage an; die Ausnutzung dieses gemeinsamen Lagerlebens für kulturelle Arbeit vom Vortrag und Unterriebt bis zum Film und Kontert ist eine Notwendigkeit. Es gibt also auch Klagen, aber trotz allen Schwierigkeiten l*i die Gründetimmung in den Lägern: Alles in Ordnung, die Arbeit soll nur lange dauern! Und das Wichtigste ist seh lies« lieh, daas 2000 Manschen in Arbeit gebracht sind und sich ihr Stück Brot verdienen Mhu Berflvotk von Aionlm OK „HUTES- OER JUOENOAUMH Mit DEUTMNUIO Unter dem Thema: Jugend-Ahjnh am ZürFdtz, der 'n nächster Nähe von Scheich Abrek veröffentlicht dos Londoner Mitteilung tblait der l liegt, verbraefit« die Kwuzah die ersten Monate, Jugendalijnh Berichte von HiedlungepunStlen, die bis ihr eigenes Lager errichtet war. in der Hauptsache von auegelemten übewerim der Juacnd-AUjah gegründet worden wind Wir entnehmen diesen Berichten die nachtuenden Abführungen: ZEmCHRIFTEilCHÄU Das soeben erschienene Hef; der vorzüglichen Wirtachaftsreitachrlfi ..haietttn« and Mtdtl'n Baet" gibt einen etwas freundlicheren Eindruck von den Wirtsohaftsperspektiven als man in den letzten Monaten gewohnt war. Die Zeitschrift enthält einen allgemeinen (Überblick Uber die Wirtschaftslage von David Horowitt. dem Leiter der Wlrtsrhaftsforschungsstelle der Jewish Agency, sowie Übersichten Uber die einzelnen Gebiete, so zB. Uber die industrielle Entwicklung vom Dr. Schmorak (Leiter des Industrie Departments der Jewish AgencyO, über die städtische Entwicklung vor. Bürgermeister Rokach, über die ausser« ordentliche Entwicklung der gemischten Landwirtschaft von N. VerUmkfi. dem Direktor der ..Tnuvah". Dieser letztere Artikel enthält besonders interessante Vergleiches!ffern. So z.B. beträgt die Milchproduktion 193» 94 Millionen Liter pegen swei Millionen im Jahre 193!; 89 Millionen Eier g«<gen 5 Millionen 1938: 15,000 to Gemüse gegen 1500 to im Jahre 1929. Nach der Meinung des Verfassers besteht auch Aussicht auf den Export landwirtschaftlicher Produkte, s.B sind im vorigen Frühjahr M to Frühkartoffeln von der Tnuvah nach England transportiert worden. „Aionlm" bedeutet Elohen. Cin eigenartiger Name für eine Kwuzah im Emefc. Aber wenn man einmal dort gewesen ist, dann begreift man, das« diese Bezeichnung nicht nur einem charakteristischen Merkmal des Ortes gilt, sondern daas aie in einer symbolischen Beziehung fleht zu den Menschen, die dort siedeln. Nicht lange, nachdem man Haifa verlas»« fc hat gelangt man mtt dem Autobus an eine Stelle, die ein natürliches Tor zum Emek Jesreel bildet: die Berge des Karmels und Untergaliläas treffen ■ich hier In ihren Ausläufern und zwischen Ihnen windet sich die Strasse, die In die Talebene hineinführt. Die Hügel dort sind bedeckt von Wäl ~ nicht neu gepflanzten, sondern aolchen, die zu den wenigen, aus früherer Zeit stehengebliebenen gehören. Zum grossen Teil sind es Elchen, Auf einem Hügel, inmitten eines Eichenwaldes, Hegt die Siedlung Aionlm. Sie schmiegt steh In die Landschaft ähnlich jenen schönen arabischen Dörfern, deren Steinhäuser wie ein Teil des felsigen Gelindes erscheinen, auf dem sie aufgebaut sind. ..Wir sind ein Bergvolk", sagte eine Chawerah von Alonim, als sie die Geschichte ihrer Gruppe erzählte. Wer ist dieses ..Bergvolk", das jetzt 175 Menschen zählt? Die Kerngruppe stammt aus Deutschland und war die erste Gruppe, die von der Jugend-Alijah nach Palästina gebracht wurde. Zwei Jahre waren sie in Bfn Charod, der grossen Siedlung Im Emek. Das folgende Jahr verbrachte aie in Kirfath Charo- »chet,, einer Siedlung, die im Emek am Fusse des Karmelgebirges liegt und von da an blieb sie diesem Landstrich dauernd verbunden. Sie vereinigte sich mit einer Gruppe des „Noar Owed". der palästinensischen Arbeiterjugend. Bald sog die neue Kwuzah an einen nicht weit entfernten Punkt, in wundervoller Berglandschaft inmitten dichter Wälder gelegen. Über zwei Jahre blieb man dort. Es war ein harter Kampf, den man zu führen hatte, um den Lebensunterhalt der Kwuzah zu gewährleisten. Eine Ziegenherde hatte man von Kirjath Oharoschet mitgebracht, und sie fand auch in diesem Bergland ihr Futter. Scheich Abrek war der Name dieses Punktes. Der Aufenthalt in Scheich Abrek brachte die Gruppe in enge Beziehung zu einem Mann, der dort Ihr väterlicher Berater und Helfer war und dessen reine Persönlichkeit als Vorbild in Ihrem Gedächtnis fortlebt. Alexander Seid, der alte Pionier aus der Sehomerzeit der Im Jahre 19S8 ein Leben der unermüdlichen Arbeit für sein Volk als Opfer einer arabischen Kugel endete. Auf seinem Be- Aber eine dauernde Ansiedlung an diesem schönen Ort erw?a# sich ala nicht möglich. Für eine landwirtschaftliche Siedlung von fast 190 Menschen — sowohl aus Deutschland wie aua anderen Ländern waren dauernd neue Chawerim dazugekommen — konnte das kleine Stuck, daa zu Scheich Abrek gehörte, nicht ausreichen. Die endgültige Erwerbung der Böden von Ku*ku»- Tabun, um die der Keren Kajemeth einen jahrelangen Rechtsstreit geführt hatte, gab der Kwuzah *J>ren endgültigen Siedlungeort Im Juni 1968 v«tlegte Kwuzah Alonim ihr Lager auf den Hügel, der Schelk Abrek gegenüber jenseits der Emek- Strasse liegt Nach allen Richtungen wird der Auabau der Wirtschaft mit Tatkraft und Erfindungsgabe betrieben. So hat man den glücklichen Einfall gehabt, einfaches, aber ansprechendes Spielzeug aus Holz, wie Tiere, Wagen tisw. herzustellen Und der unerwartete Erfolg, den man von Anfang an mtt dem Absatz gehabt hat verspricht gute Entwlcklungsmögllchkelten für diesen Zweig. Dazu wird auch eine Weberei kommen. Man hat eine Ohawerah nach Tel Aviv geschiokt um sie in diesem Fach gründlich auszubilden. Wenn man den Beratungen der verantwortlichen Chawerim zuhört oder die „Zeitung"' liest die wöchentlich der Kwuzah Rechenschaft ablegt über die Entwicklung der Wirtschaft und des Gemeinschaftslebens, dann begreift man die Schwere der Verantwortung und die Grösse der Aufgabe, die der Aufbau eines solchen Werkes bedeutet Auch bei einem flüchtigen Besuch wird es klar, das» die Kwuzah zu einer engen Einheit zusammengeschlossen ist. Nichts trennt diejenigen, die in Palästina geboren oder aus dem Osten Europas gekommen sind von den Chawerim, welche die Jugend-Alijah au« Deutschland gebracht hat. Balde Teile sind im selben Alter, die meisten sind sieht über 21 oder 22 Jahre. Die Zeit der Erziehung der Jugend-Alijah- Gruppe in Ejn Charod, die in den entscheidenden Entwicklungsabschnitt dieser jungen Menschen fiel, hat ihre Fruchte getragen. Die enge Verbundenheit mit der „Mutteraiedlung" ist nicht geschwächt. Chawerim aus Ejn Charod hatten die junge Siedlergruppe bei ihren ersten Schritten begleitet und einer von ihnen ist bis jetzt in Alonim geblieben. Als mit Kwuzah Alonim zum ersten Mal eine Gruppe der Jugend-Alijah den Weg der selbständigen Ansiedlung beschritt da konnte man dieses Werk noch für ein kühnes erzieherisches Experiment halten. Der Versuch ist gelungen. Kwuzath Alonim hat starke Wurzeln geschlagen zwischen den Eichen im Bergktnd von Kuskus- Tabun. fiatBclit. Zwaeka Vollendung einer schaftltchen Arbeit wird dar frühere Lehrer der Jüdischen Gemeinde München -Gladbach, der gegenüber der Synagoge wohnte und die Anlegung des Brandes an dl« Synagoge als Augaaseuge miterlebt hat gebeten, seine Adresse unserer Redaktion bekan; DAS fAUITMA-ORCHESTDI Im Hause das Chefredakteurs der ,,Palest Ine Post", Gerahon Agrontky, empfing Hubermamm die Vertreter der palästinensischen Presse. Trotz seiner überaus knappen Zelt hat Hubermann auch diesmal, wie bei allen anderen Besuchen, eine Zusammenkunft mit der Presse ermöglicht. Hubermann hat wahrend der 20 Tage seines Aufenthaltes In Palästina, wie er selbst erzählte, 10 Konzerte, ö Orchesterproben, 5 Klavierproben und daneben noch eine Reihe von Sitzungen abgehalten Ausserdem Hess er sich es nicht nehmen, einige Siedlungen zu besuchen. In der Besprechung mit der Presse rühmte Hubermann die Leistungen des Orchesters. Zweifellos verstehe auch das Publikum, was es an diesem Orchester besitzt. Nach der Aufführung de« Mendelssohns-Konsertee in Jerusalem hat Hubermann gleich geaagt, er habe dieaea Konzert mehrere hundert Mal mit den berühmtesten Orchestern der Welt gespielt, davon waren vielleicht IS Aufführungen befriedigend, und von diesen konnte man etwa 3 oder 4 Mal sagen, daas die Leistungen des Orchesters hundertprozentig vollendet waren. Zu diesen oder 4 Mal so sagte Hubermann, rechne auch dl« Auf* fuhrung mit dem PaJäetJna-Orcheeter Bas Solan« iMUtutksi sst Rieht nur für PaJftstina wichtig, sondern für das Prestige des ganzen jüdischen Volkes, und es wäre traurig, wenn die Juden nicht bewiesen, dasa sie dies zu schätzen wissen Hubermann sprach sich auch mit grosser Genugtuung darüber aus, welches tiefe Verständnis und welches grosse Entgegenkommen das Orchester bei dar englischen Gesellschaft Im Lande gefunden hat. Er hofft, so sagte er, daas in zunehmendem Masse auch Araber tu den Konzerten kommen werden, denn dieses Werk soll ein Geschenk an das ganze Land sein. Als ein Symbol bezeichnete Hubermann das Konzert, das dieser Tage in Kairo stattfindet: Das PsUästina-Orcheater spielt unentgeltlich zugunsten des ägyptischen Roten Halbmonde, der eine Aktion für die Opfer des Erdbebens in der Türk«! eingeleitet hat. König Farouk von Ägypten mit seiner FamiHe wird dem Konzert beiwohnen. Ich hoffe, so sagte Hubermann, dies wird im ganzen Nahen Osten aufgefaaat werden als eine Kundgebung der Solidarität und als ein Zeichen dafür, dass die Juden, die in dieses Land kommen, bereit sind, alles Wohl und Wehe dieses Länderkomplexes zu teilen Es zeigt sich dabei auch die Rolle der Musik als eines Instrument» internationaler Zusanunenarbek. Hubermann selbst hat seine Reisedispoaitionen so geändert daas er bei diesem WohHätigktttslronzert in Kairo anwesend sein kann.

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