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Jüdische Weltrundschau · 1940-02-26 · 8 (26.2.1940) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
8 (26.2.1940)
Date
1940-02-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ftbtw 1M0 JOPaSCH» WELT-kt Die Woche in Palästina unami pmoheme Jerusalem, 23. Februar. In vielen Teilen des Lande« ist Immer atlrker die Innere Beruhigung spürbar, die sieh in Verbesserung der Besiehungen zwischen den verechiedenen Teilen der Bevölkerung äussert Man •itht wieder Araber in jüdischen Landeatellen, in Tel-Aviv und den Judiechen Siedlungen; geschäftliche und persönliche Bestellungen, die Jahre lang unterbrochen waren, werden allmählich wtsderhergeetellt. Bei manchen Gelegenheiten epürt man deutlich eine Atmosphäre de» gegenseitigen Wohlwollen», die erkennen liest, daas beide Teile im Grunde froh »Ind. au» der unnatürlichen Spannung der letsten Jahre herauszukommen In gemischten Besirken und in Städten wie Jerusalem kann man wieder ausserhalb des engsten B« spasierengehen. über das Persönliche hinaus haben «He Dinge natürlich eine p o 1 i t i e c h e und wirtschaftliche Seite, und es gibt noch genug offene Probleme. Im Wirtschaftsleben a. B. Ist der eich wieder anbahnende Warenaustausch ein gutes Zeichen, und die jüdische Industrie wünscht gewlts eine Öffnung der arabischen Wirkte nicht nur im Lande selbst, sondern auch In den Nachbarlindern. Man kann aber nicht ubersehen, daas eine besondere Schwierigkeit des Warenverkehrs In dem oft diskutierten Problem des ungleichen Lebensniveaus der beiden Bevölkerung» teile (und damit zusammenhangend dar Produktionskosten) besteht — eine Schwierigkeit, deren Losung bisher noch nicht gelungen Ist Ein besonders schwieriges Kapitel Ist das der arabischen Arbelt in den Kolonien, das schon seit fast 40 Jahren ununterbrochener Gegenstand des Streites ist In den letsten drei Jahren war dieses Problem praktisch gelöst, aber aus einer Zwangslage heraus, die mit den abnormalen Verhältnissen im Lande zusammenhing. Wie wird e» sieh gestaltsn. wenn die Dinge sich wieder normalisieren? Schon hört man von einem Konflikt inRechovoth, wo jüdische Orangenpflanser arabische Arbeiter beschäftigen, wogegen von den offiziellen jüdischen Instanten Stellung genommen wurde. Mit Rücksicht auf die grosse judische Einwanderung und die Notwendigkeit, für Tuu-j sende von völlig unversorgten jüdischen Menschen Arbeitspütze su schaffen, kann nicht zugelassen werden, daas uie Zahl der jüdischen Arbeitslosen noch vermehrt wird. Das Problem der jüdischen Arbeit, das in ssinsn Anfangen vor allem einen moraJiecJt** Charakter hatte (man lese das nach bei A. D. Gordon), hst jetzt vor allem sosiate bedeutung bekommen. Es hat aber auch eine pok tisch* Seite, und von da her droht immsr wieder eine Verschärfung der nationalen Gegensätze. Man kann aber nicht übersehen, dass dieses! Problem, da es ja auch mit den Arbeitslöhnsn zusammenhingt, sin Teil des allgemeinen Arbeitsproblem» ist, das im Lands noch seiner I Losung harrt. Seit Wochen befasst sich der Wa-| ad Leuml mit dieser brennendsten und schwie-1 rigsten aller innerjudlaohen Fragen. Die betraf-! fände Sltsung wurde von Mal su Mal verschoben! und soll nun dies» Woche stattfinden, um da» Arbeitsstatut endgültig su verabschieden. Da» Problem besteht aus swei Teilen, erstens darj Frage der ArbaUebm^mgunaen Uberhaupt, über die bereits ein — von den Pflansern noch nicht angenommener — Schiedsspruch vorliegt, und zweiten» der Schaffung von neutralen Aroeife- Mroe, 4, h. die völlige Trennung der Arbeitsvermittlung von aller Art Partei politik. Es wurde vor einigen Tagen mitgeteilt, dass die Mlstadruth die Vorschlage Ruten he -s bezüglich der Reform der Axbeiisbüros anr-oommen hat. Damit wäre ein wichtiger Schritt zur Ausschaltung von Konfliktstoffen gegeben, die zum Teil garnicht in Palästina ihre Wurzeln haben, sondern auf die Perteipolitik der Zionistischen Kongresse zurückgehen. Kompliziert wird die Sache noch durch die schwere Krise der PflaiUEungswirtsehaft. die noch nicht behoben ist. WmTSCHAmiACHmCMTEl Eine gemischt jüdisch-arabische Delegation von Orangenpflani e r n legte der Palistina-Regierung ein an den Kolonialministsr gerichtetes Memorandum vor, in welchem eine Regierungsanleihe in der Höhe von LP. 4 - - per ( Dunam für fruchttragende Plantagen und LP,I — I für J'lngere Plantagen gefordert wird Die Dej legation wurde vom Schatzmeister der Palastina- Regierung empfangen. Der Direktor der Jaffa Orangen Gesellschaft. 9. Tolkowsky. teilte mit, dass in letzter Zeit! mehrere neue Experten von den Einwanderern j aus Mitteleuropa engagiert worden sind, die »ich lrr.it der Frage der Verwertung von Nebenprodukten von Orangen beschäftigen. I Es wird behauptet, das» nach einem amerikanischen Rezept Orangenmehl auoh als Zusatz für Brot-Herstellung verwandt werden kann. Im englischen Unterhaus gab der Versorgungaminister Burgin auf eine Anfrage die Antwort, dass i sich die Herstellung von Aceton au» Orangen i zwar technisch bewerkstelligen lies»«, aber wirt- I »chaftlich nicht lohne, da es andere geeignete ■ Rohstoffe für diesen Zweck gebe, j Die Gesellschaft „Aviron", die in Palästina j Flugwesen und Flugunterricht betreibt, plant j jetzt die Einrichtung eines Paasasierverkehrs! zwischen Tel-Aviv und Tiberias. Die Gesellschaft unterhält In Palästina die einzige Flugschule des Landes, deren Unterricht sowohl auf dem Flugplatz Ludd erteilt wird als auch auf dem Flugfeld der Gesellschaft in Aschdoth Jaalt ov im Jordantal (südlich von Daganls). Dort; wird Jetzt ein grosser Hangar gebaut mit verj schiedenen Werkstätten und anderen Gebäuden. Bisher haben 30 Personen die Fliegerschule absolviert und eine Fllegtrllzenz der Palästlna-Rej tjlenmg erhalten. Der arabische Bürgermeister von S a f e d, sowie der jüdische Vizebürgermeister haben gemein-: »am ein Telegramm unterschrieben, das im Namen der Stadtverwaltung an Lord Samuel gerichtet wurde, worin er gebeten wird, ala Präsident der Palestlne Electric Corporation für die Einbeziehung von Safed in das elektrische Versorgungssystem zu sorgen. Safed ist eine der letsten Städte Palästinas, die noch keine Elektrizität besitzen.! Dr. I. Roaner, der ehemalige Leiter eine» Saj natoriums in PUttyan, dem tschechoslowakischen j Badeort, teilte mit. er habe Mineralien, die für I Schlammbäder zur Heilung der meisten! rheumatischen und einiger Frauenkrankheiten j geeignet sind, in den Huleh-fHimpfen entdeckt. : Das Assuta-Privatkrankenhaus in Tel-Aviv wird; auf diese Entdeckung hin eine besondere Abteilung unter der Leitung vor. Dr. Rosner eröffnen. Gemäss der neuesten Statistik hat im Jahre 1939 der Export von Industrieprodukten zum ersten Mal die Ziffer von einer M1111 on Pfund Uberschritten. Überhaupt zeigt die Statistik des Jahres 1939 ein aufsteigendes Bild gegenüber dem vorausgehenden Jahre. Die Importe waren um 90% höher, was allerdings auf die forcierten Lebensmittel- und Rohstoffimporte angesichts des Kriegsausbruchs zurückgeht. Die Abgabe von elektrischer Kraft für Industriezwecke ist um 20% höher als 193«. Das Technikum im Haifa hat für besonders geeignete Absolventen die Möglichkeit einer Wekerarbeit als Forschungs-Studenten eingeführt. Die Bsdsutung dieser Neueinrichtung liegt darin* dass die Probleme der palästinensischen Industrie hier unterzucht werden können. VOB DEN GEEICHTEN Der jüdische Pohaeikorporal Chaim Leitner, au» einer Siedlung in Untergalll, wurde vom Militärgericht Haifa wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu acht Jahren Qefanvni» verurteilt. Leitner besass den Schlüsse» zu dem Raum, wo die der Kolonie von der negierung erlaubten Waffen untergebracht waren, man fand aber unter dem Fussboden versteckt noch zahlreiche andere Schusswaffen und 60 Bomben« Der Vertreter der Anklage erkürte, der von der Regierung besoldete Leitner hätte die Pflicht gehabt die Regierung von den illegalen Waffen zu unterrichten. Vier Araber, die am 1«. Oktober 1939 swei arabische Potiststen am Markt in Haifa erschossen hauen, wurden vom Miktargsricht in Haifa zum Tode verurteilt. Vergangene Woche wurden im Jerusalemer Gefängnis fünf Araber hk%geriiht»t, die am M.t 198t den britischen Polizeioffizter Stephen» in Ramien ermordet haben. mi „uaatssi on ümtmutei* Seh Gor elf h befaa*t »Ich In einem Artikel im ..Haare«" mit den Erscheinungen des ..Kfbbuz Galujoth" (-Zusammenströmen von Juden aus aller Welt in Palästina) und macht dazu eine Reihe von „betrübten Bemerkungen", die auch unsere Leser interessieren werden. Gorelik geht davon au», daas viele die Vorstellung hatten, bei der Rückkehr nach Palästina würden - alle bitteren Begleiterscheinungen des Galuth verschwinden In Wahrheit sei da» anders. Unzihlige negative Erscheinungen, die historisch begründet sind, stören das einheitliche Bild. Dazu gehört z B die Sprachen- Verwirrung, aber auch die Verschiedenheit der I^benegebräurhe und der Denkweise, auch die Verschiedenheit dee geistigen Niveaus. So entsteh» ein schmerzliches Paradox: In Lindern, | wo die Juden In Massen zusammen gewohnt haben, wie s. B. Im vor-bolschewistischen Russland, i hatten sie die Einheit, Kraft und Harmonie einer ' Nation in stirkerem Masse empfunden, als hier! in Palästina während des Prozesses des Zusam- \ menströmen» In jenem vor •bolschewistischen! Russland »aas eine kompakte judische Mass« von sechs Millionen Seelen. Von Eydtkuhnen bis Pol- : tawa. drei Tagereisen per Elsenbahn, konnte man : durch eine grosse jüdische Welt fahren, in der j nur zwei Sprachen herrschten, nämlich die Staatsj spräche, das Russische, und die Sprache der jüdischen Massen (Jiddisch) Di» Verwirrung der 70 Sprachen entsteht in Palästina gerade durch \ den Klbbuz Galujoth, und ebenso andere Schönheitsfehler, die das historische Schauspiel der Volkswerdung entsteilen. Und dieser Prossss kann Generationen lang dauern. Den Leuten, welche Immer rufen „Wehs den Verächtern der hebräischen Sprache" kann man entgegenhalten: „Wehe den Verächtern der Jüdischen Geschichte". Es le», schön, ein Patriot zu sein, aber ein Patriot muss zunächst die Geschichte seinee Volkes kennen. Und die jüdische Geschichte hellst Zerstreuung und Diaspora von zweitausend Jahren, Zerstreuung zwischen 70 Nationen der Erde. Und daher spricht unsere Nation In allen Sprachen der Welt, und wenn sich kleine Gruppen aus diesen grossen Galuthlindern in Palästina zusammenfinden, dann wird dieses Volk unwillkürlich noch viele viele Tage in allen den Sprachen der Welt reden und denken In Palistina haben sich bisher nur kleine Bruchteile des jüdischen Volkes versammelt, und sie schreiben an Ihre Freunde In allen Lindern der Wek auch heute Brief» In allen Sprachen. Es ist biUig und leicht, über das Galuth die Nase su rümpfen, aber es ist sins Torheit, und nicht gerade eine schöne Torheit. Aus dieser Galuth beziehen wir bis zum heutigen Tage den Lebensunterhalt, in die»» Galuth reisen unsere Delegierten in jeder Notlage E» Ist verständlich, das» der Zionismus su dem Glück der Elnaprechitrkeif hinstrebt und dabei die Augen vor der Logik der Geschichte verschlussen möchte. Aber diese Sache ist nicht im Bsreich der Möglichkeit Solange der Prosee» des Zusammenströmens andauert, werden wir in sprachlicher Beziehung In unglücklicher Lege sein. GOETHE AUF HEBRÄISCH Die hebräische Tageszeitung „Haares" veröffentlicht in ihrer letsten Freitagsausgabe eins hebröitche Übersetzung von Goethe» Gedieht ,J*rometh0us". Dazu schreibt das Blatt: ..Schon drei hebräische Dichter haben uns den Prometheus in einer schönen hebräischen Form geschenkt, David Frischmann, Saul Tschernlchovski, und Jakob Kahan. Wenn wir hier einen vierten Test wiedergeben, dessen Verfasser sin junger Einwanderer au» Deutschland, Menschern Levja, ist, so tun wir es deshalb, weil es das erste Mal ist, dass uns eine geiungene hebräische Übersetzung von einem aus dem deutschen Kulturkreis stammenden, in die hebräische Kultur eingedrungenen Mann geschenkt wurde." In Tel-Aviv wurde das 9. Semester des von dem verstorbenen Jakob Sandbank gegründeten Hebrübchen Seminar» der Hitachdut Olej Germania eröffnet, wobei Martin Buber Uber „Nationale Erziehung" und Felis Ro»euMüth über den Zweck de» Seminar» sprachen. Ee handelt »Ich um eine Art Volkshochschule, die starken Besuch aufweist Am kommenden Samstag findet ein Funballweitspiei zwischen den Schülern einer arabischen Schule in Jaffa und dem Makkabi Tel- Aviv »tau, das erst« Wettspiel «wischen Juden und Arabern seit Isnger Zeit.

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