Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 8 (26.2.1940)
- Date
- 1940-02-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 JÜDISCHE WKLT.RUNDiCHAU 26. Februar 1M0 Ein „Kampf der Götter" Auf dorn Hilter SehrlH für Schritt Ist man «Jatm g«*wunttn, die politische und wirtschaftlich« Ordnung ••betragen und »ich den neuen Ideen der btologiechen Der Aittt«*mitt»mu» m rragk» das bedeu* Inf /* dc/u toi» mim tervM« tru*ftnte* Jfuch ^/«icr «9*0*0" fTOomfcm Mferwerf* KtvMf £**• dowy, «Vr >cfsf aiu» m einer frmntoeUchen Med <„ der dl—fec»n Ori§ina»mu$gabe vor* (deepttkrhe mit Hitler, Von Herrn*** Mauechntng. Bnropa-VarHg, Strich und New Yarkß, M cm t>v*«.%d<rt H Kapitel den Juden gewidmet. Auf Grund einer Unterhaltung berichtet ( JtuuMihnfru übe, dte tieferen Grundlagen de» Antieemitiemut bei Hitler, •osueagen »eine anti- )üdt*ehv Xe«iphu*ik. Ute IktriteUung ut in vielen Hinsichten erleuchtend, zum Betipiel die Tatsache, dann Hitler dte Uezepte »einer machiaveüi*ti»r.hen IntrigmpnMik an» den sogenannten „rroiokoUt*» Oer Weii„n von Zion" bezogen hat, twr Fälschung, die bekanntlich da» erschienene Ltuh von toaurke Joly „Ue»prache zwischen Montesquieu und MaehiavelH in der Hölle" imraphnvixert. Wu glauben, da*» t* untere ueeer intereteieren wird, wenn wir au* dem ~~ •*•*«»» »*4*r«i feiten uberau* aufec/aueeruielum — Buch da* MmpUei über die Juden gekürzt u;\«üergcbvn.- lied. Hittor als Schültr dmr ,,W*U#n von Zion " Hitler gitkuHt mn den bösen Charakter dtsewi gen Juden Für Hitler ist der Jude da« »chlechtlün Uose. Kr hat ihn au dem Herrn «einer liegen wek emporge»teig«rt. Er aieht ihn mit d mythischen Aug« und er braucht ihn, um «ich seluat iin ihm zu »urigern. Aber dahinter Ii***, für jeden tastbar, ein höchst persönliches, höchst priiuiiivcs i-iim»- und Hacnegeiuni. Mag man dafür Erklärungen in «einem persönlichen itwieoen auchen, mag man Hitler aeibet <»;«. iiucii uej« JSürnberger Kassengeseuen nicht arisch bezeicfiiien, die Nachhaitigkeit seines An uueniitiHinua wird erst durch die mythische Ü b 11 r « l n ( c r u i) g de« Juden * u ei nt m e w 1 a e n k' r o t o l y p des M e n a c ii e 11 v<jr*utndiich. Streng genommen irrt Hitler damit sogar nicht einmal. Von Keiner geheimen Lein* buk muHa er zum Juden einen gerade nieiM|iny«iKciien Hase haben. Israel, das historische Volk de» geistigen tiottes, musste zum neuen; deutlichen uuserwählten Volk, dem Volk der (JötUiatur, des neuen Baals, des Stiers der Fruchtbarkeit abgründiger Feindschaft stehen. Ein (Jotl »chloas den anderen aus. Hinter dem Hillerachen Antisemitismus wird wirklich ein Kampf der Götter sichtbar. Nur Hitler »ah da» freilich so. Sein« Parteigenoasen hatten keitt« Ahnung von den phantastischen Perspektive«, in denen ihr Meister ihren handgreiflichen Kampf sah. War nicht überdies der von seinen Vätern abgefallen« Judo immer und überall der Vertreter des' seibstbewussten Geistes, des Todfeinde« des kwmmenden Zeitalters? War er nicht der Meistar der verhassten Ratio, der Beherrscher Jener selbstherrlichen Wissenschaft, die nach Hitlers Ansicht das Leben zerstört anstatt ihm zu halfen? Und ging nicht das ganae verhagle Christentum, der Erlöserglaube, die Moral, das Gewissen, dar Begriff dar Sunde auf uas Judentum zurück? War nicht im politischen Leben der Jude immer auf der Seit« der zersetzenden, kritischen Tätigkeit? Hitler brachte viele Gründe vor, um seinen Haas au rechtfertigen. Wie sehr Hitler von seinem Judenhass besessen war, beweist, daas er kaum ein Gesprach beenden konnte, ohne daas er in ihm nicht wenigstens auf die Juden exemplifiziert hatte. Einmal hat er mir seine intimeren Gedanken im Zusammenhang entwickelt. Gewiss sei der Antisemitismus ein gutes revolutionäres Hilfsmittel. Er habe es wiederholt mit Erfolg angewandt und dächte es noch oft antuwenden. Sowohl als kräftige Bedrohung der allzu selbstsicheren deutschen Spiessburgei als auch zur Warnung der bornierten Demokratien. „Meine Juden sind mir ein kostbares Pfand, das ich von den Demokratien besitz«. Die Propaganda des Antisemitismus ist in allen Ländern das geradezu unentbehrliche Hilfsmittel für die Verbreitung unseres politischen Kampfes. Sie werden sehen, tn wie kurzer Zeit wir die Begriffe und Maastäbe der ganzen Welt einzig und allein mit dem Kampf gegen das Judentum umstürzen werden, übrigens unterstützen uns die Juden am meisten dabei, ie mischen sich trotz der für sie gefährlichen Lage immer in die Reihen der Ordnungsfeinde und Aufwiegler, sofern sie arm sind, und sie sind die weithin sichtbaren Inhaber der Riesen vermögen, die man beneidet, ist es ein leichte«, dem Kampf gegen daa Juitum überall durch populäre und sinnfällige Beispiele aus der nächsten Umgebung seine handgreifliche Berechtigung nachzuweisen. Ist aber erst einmal dem Grundsatz der Rasse durch die besondere Blosstellung der Juden Einläse verschafft, dann folgt alias andere sehr schnell. der eich als undurchdringlich erweisen wird. Die Ankunft des Australischen ExpexUtk>oakorp» iu Palästina bildet in dieser Hinsicht eisen Wendepunkt. Wie im vorigen Weltkrieg Ägypten, so ist diesmal Palästina die Operationsbasis der britischen Ost-Armee geworden, im Bunde mit der in Syrien stehenden französischen Armee. Schon gehören die baundangen Gestalten der „Aussies" zum Straseenbild Jerusalems und Tel-Avivs und sie gemessen bei der jüdischen Bevölkerung grosse Sympathien. Sollte es wirklich zu Verwicklungen kommen, dann wird auch die jidiäche Bevölkerung des Landes (und wohl auch die arabische, für die au sprechen wir aber nicht berechtigt sind) ihre gante Kraft für die Verteidigung einsetzen. Jeder ist sich hier bewusst, welche Bedeutung diesem Bollwerk im Osten heute zukommt; schon nach der Zerstörung der. Tschechoslovakei war es klar, daas für den eventuellen Entscheidungskampf die Front weit nach Osten verlegt worden war. Es gibt wohl niemanden im Nahen Osten, der nicht die Gefahr einer Nasi- Invaaion (oder Soviet-Invasion) erkennt, und diese Einsicht sollte auch zu einer Solidarität von Juden und Arabern führen, die beide ihre Freiheit tu verteidigen haben. Hoffentlich wird diese Erkenntnis sich bei beiden Völkern immer weiter durchsetzen. Vorläufig sind hier .»normale" Veriutltnisee und eine Stimmung des Wartens. Zugleich fühlte man (mit aller inneren Ruhe), daas nach dem Mars die Situation ganz anders sein kann. Man weiss aber auch» dass der moderne Krieg nicht nur mit militärischen, sondern auch mit wirtschaftlichen Mitteln geführt wird, und in dieser Hinsicht kann Palästina ein wichtiges Zentrum werden, wozu die jüdische Bevölkerung in besonderem Masse beitragen kann. Worum es in diesem Krieg geht, hat dieser Tage Jaques de Lecretellt, Mitglied der Academie francaise (dessen Judenroman,»Silber* mann44 auch in deutscher Übersetzung vor 10 oder 15 Jahren bekannt geworden ist), etwa folgendennassen ausgedruckt: Jede Nation hat kraft ihrer autonomen Persönlichkeit, des Erbes ihrer Vorfahren und ihrer Eigenart das Recht zu bestehen; es kommt nicht auf die Grösse ihres Territoriums oder die Kraft ihrer Armee an. Die ExittenM solcher Gruppen und ihre Teilnahme am Kulturleben genügt schon, um uns, so sagt er, Respekt vor ihnen flnwinössen und ihre Zukunft garantieren zu u 8ellen die kleinen Nationen weiterleben oder mit einem Säbelhieb von der Karte gestrichen werden? Die Märze der letzten Jahre brachten nige Beispiele, Im kommenden Märt « sich wohl seigen, dsss dieses Ende wetteigeht. tungAvollate gftück nein«-» |>r<i|M«aaHiistk*,-hen Arsenals und fast überall voa loastefcarer Wirkung. Darum habe er auch dem Streicher freie Hand sei seiner Arbeit gelassen La sei Seesen •int amüsante Weist und sehr geschickt. Wo der Streicher bloss immer wieder das neue *tateital barnahme. Er sei auf jede neue Nummer des „Stürmers" geradezu gespannt. Es sei daa einzige Blatt, das er gerne und von der ersten bis zur letzten Zeile läse. Aber damit dürften wir uns nicht beruhigen. Daa sei alles erst der Anfang einee erbarmungslosen Kampfes um die WeltharrachaXt. „Denn nur zwischen uns beiden wird der Kampf um die Weltherrschaft ausgefochten, zwischen Deutschen und Juden. Ailea andere ist trügerischer Schein. Hinter England steckt Israel, hinter Frankreich, und hinter USA. Auch wenn wir den Juden aas Deutschland vertrieben haben, bleibt er immer noch unser Weltfeind". Ich fragte, ob das etwa bedeute, dasa der Jude überhaupt vernichtet werden solle. „Nein , erwiderte Hitler. „Dann müssten wir ihn erfinden. Man braucht einen sichtbaren Feind, nicht bloss einen unsichtbaren." „Übrigens sind die Juden bereit gewesen, mir meinem politischen Kampf zu helfen. In den . Anfängen unserer Bewegung haben mich sogar einige Juden finanziell unterstützt. Ich brauchte nur den kleinen Finger auszustrecken und sie hätten sich alle um mich gedrängt. Sie wussten schon, wo etwas Neues und Lebendiges war. Der Jude ist es doch gewesen, der dieses Wirtschaft der dauernden Bewegung und Steigerung erfunden hat, die man Kapitalismus nennt. Diese geniale Schöpfung mil einem raffinierten und doch simplen selbsttätigen Mechanismus. Machen wir uns nicht« vor, es ist genial, es ist ttufuach genial. Die moderne Wirtschaft ist eine Schöpfung der Juden. Sie wird von ihnen ausschliesslich beherrscht. Da« iat ihr Oberreich, daa sie über alle Reiche dar Welt und ihre Herrlichkeit ausgespannt haben. Aber uun sind wir es, die mit der Weltanschauung der ewigen Revolution ihnen Konkurrens machen. Ist ihnen nicht aufgefallen, wie der Jude in allem und jedem das genaue Gegenspiel des Deutschen ist und ihm doch wieder so verwandt ist, wie es nur zwei Brüder sein können? Ich habe seinerzeit mit wahrer Erschütterung die „Protokolle der Weisen von Zion" gelesen. Diese gefährliche Verborgenheit des Feindet, seine Allgegenwärtigst! Ich erkannte sofort, dass wir dies nachbilden müssten, auf unsere Weise natürlich. Denken Sie diese ewig beweglichen Menschen und wir mit unserem neuen Glauben an die ewige Bewegung, wie so verwandt, und im anderen völlig verschieden. Es gilt wahrhaftig den Entscheidungskampf über das Schicksal der Welt!" ich warf ein, ob Hitler nicht den Juden überschätze. „Nein, nein", schrie er. „der Jude ist als Feind gmr nicht zu überschätzen." Aber die Protokolle der Weisen von Zion wären doch offensichtlich gefälscht. Ich hätte sie schon im Jahre ltttu von einem gewissen Müller von Hausen kennen gelernt Und es wäre mir schon damals klar gewesen, data daa nicht acht sein könnte. „Warum nicht", erboste sich Hitler. Ob daa nun im historischen Sinne echt sei, berühre Ihn gar nicht. „Wir müssen den Juden mit seinen Waffen schlagen. Das stand für mich sofort fast, als ich das Buch gelesen hatte." „Sie haben sich von den Protokollen für Ihren Kampf aartgen lasten," fragt ich. „Bit in daa Detail hinein, Jawohl Ich habt aus ditttn Protokollen enorm gelernt. Ich habe immer sehr viel voa meinen Gegnern gelernt Ich habt dit revolutionäre Technik bei Lenin und Trotski und anderen Marxisten studiert Und Ich habt bei der katholischen Kirche wit bei den Freimaurern Einsichten gewonnen, die ich nirgendwo anders hätte erfahren können. Ein Narr, der nicht gerade von seinen Feinden lernt Nur dar Schwachfürchtet dabei vtrUerea." .AJnd was der Weisen von Zloa übernommen?",___ •Dit politische Intrige, die Ttcaaia. die Iftas» •sAretioe, dit rtvoluUceslrt ,?areefiiiag. die Ver-