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Jüdische Weltrundschau · 1940-02-19 · 7 (19.2.1940) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
7 (19.2.1940)
Date
1940-02-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JODISCHE WELT-RUNDSCHAU 19. Februar 1940 Judcnfrago und auch zum Zionismus das Wort ergriffen und einmal vor Jahren ir einer schönen Hede, anspielend auf die jttdi sehen Beuern im Heiligen Land, von den „gc meinsamen Träumen" von Juden und Ameri kanern, die beide eine Verjüngung der Eide und geistige Erneuerung erstreben, gespro eben ~~ während dieser Haan sich nach Europa begibt, kreuzt ein europäischer Staatsmann in umgekehrter Richtung den Ozean, in einer Mission, die uns Juden direkt angeht. Der ehemalige belgische Ministerpräsident Van Zeciand, einst bekanntlich mit einer besonderen weltwirtschaftlichen Studien aufhabe betraut, ist in seiner neuen Funktion als Direktor der „Coordinating Corporation" für Fluchtlingshilfe nach USA gefahren. Es handelt sich um die Corporation, die das bisher einzige recht magere — Resultat der im Juli 1938 in Evian zusammengetretenen interstaatlichen Konferenz ist. Van Zeeland, der auch im Oktober zugleich mit Lord Winterton und Sir Herbert Emerson bei Roosevelt im Weissen Hau» war, erklärte, dass die Siedlungspläne in San Domingo und in den Philippinen jetzt zur Verwirklichung reif seien; er wird die Durchführung dieser Projekte überwachen. Und in der Tat hört man, dass ein Vertreter des amerikanischen Joint, James N. Rosenwerg, sich nach San Domingo begeben hat, um den Vertrag mit dem Diktator dieser mittelamerikanischen Republik, Rafael Tmjillo, zu unterschreiben. (Die dominikanische Republik umfasst den grösseren Teil der westindischen Insel Haiti zwischen Cuba und Puertorico). Rosenberg, Vorsitzender des Agro-Joint, war früher einer der Befürworter des (inzwischen längst vergessenen!) sogenannten „Krim-Projekts", dann der Siedlung in Biro Bidschan, jetzt ist er Präsident der „Dominican Settlement Corporation", die die Finanzierung der Flüchtlingsansiedlung in San Domingo zum Ziel hat. San Domingo gab am 19. Oktober 1939 eine Art< „Paatoriza- Declaration", indem der dominikanische Gesandte in Washington, Andres Pastoriza, sich verpflichtete, dass seine Regierung den Flüchtlingen volle bürgerliche Gleichberechtigung und religiöse Freiheit gewähren, sie nach 2 Jahren naturalisieren und ihnen gewisse Zolletc. Privilegien erteilen wird. Man muss hoffen, dass dieses Projekt die Hoffnungen erfüllt, die manche darauf setzen. Nichts wäre erfreulicher, als dass wenigstens für einige tausend Flüchtlinge ein Ausweg aus verzweifelter Lage und eine produktive Arbeit gefunden wird. Mit Recht sagte Dr. Weiimann bei dem grossartigen Empfang, den ihm die amerikanische Judenheit in einer Riesen Versammlung im „Mekka Tempel" in New York bereitete, in seiner Rede, die Zionisten seien bereit, bei jedem Werk zur Erleichterung des Loses der Flucht linge mitzuarbeiten, man dürfe aber wohlgemeinte Hoffnungen nicht mit deren Realisierbarkeit verwechseln. Van Zeeland war vor seiner Abreise bei einer Tagung der Foundation in London, an der auch Vertreter des Joint und anderer jüdischer Verbände teilgenommen hatten. Bei all diesen Sitzungen, die sich auf Unterbringung von Flüchtlingen beziehen, herrscht freilich, wie eine jüdische Zeitung Englands bemerkt, in bezug auf Palästina eilte „Verschwörung des Schweigens". Inzwischen werden wir besonders alle jene Pläne neutraler Länder begrüssen, die eine Auswanderung der jetzt noch in Deutschland, Tschechoslo - vakei und Deutsch-Po le n lebenden Juden ermöglichen. Die Überführung dieser Menschen in Länder, die mit Deutschland in Kriegszustand sind, stösst auf naheliegende Schwierigkeiten, und man muss, da die Zeit drängt, einen andern Autweg fin Weizmtfnns Rede in New York Der volle Text der Rede, die Dr. Well ■ach seiner Aakuaft to USA im pel fei New Yotfc gehalten hat, Ist Jet* la Palästina etefettvffea. Es tot ekse »ade von tiefem Erna* und Gefühl für <fie BHanllsn, eine Ntaatsmännkche Kundgebung ersten Range». Hie zeigt alle die Vorzüge, die Weltmann zu dem unbeachrlttcscs Ftthrer des jüdischen Volke* machen: Besonnenheit und Massigung, Realitätsslna und Phantasie, gebändigt« und doch nie erlöschende l>ldenftchaft, Zuversicht bei klarer Erkenntnis aller Schwierlgs Wir geben nachstehend einige charakteristische Abschnitte aus Weizmanns Rede wieder. I Vor 25 Jahren und heute Der Glaubt an eine kim re Welt ist ei, d«r das Jtteische» Volk trots unsagbarer Leiden aufrecht erhält. Ein Denkmal und Beweis dieses Optimismus ist Palästina, mit all seinen Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten. Palästina . . , - 4 _ . . _ war niemals nur ein Zufluchtsort, es ist für uns,den Alra^r1n d" ist, versteht nicht die Lage. Was für Nutzen bringt so ein Kampf? Auf der anderen Seite, hier sind vor uns die Juden. Sie sind nicht alle so, wie Hitler sie besehreibt. Sie haben um nicht wirklich so viel angetan, wie manche Laute uns Kneeden möchten. Die Araber Meiden unter einem Mangel an Bevölkerung. Sie leiden auch nnter einem Mangel technischer Entwicklung. Und so lange sie unentwickelt bleiben, werden sie immer für politische Abenteuer zu haben sein. Sie werden also denken: Wir wollen versuchen, mit diesen unangenehmen Juden zusammen zu arbeiten. Sie sind in gewissem Sinn unsere Vettern, und Familienkonflikte sind meist bitter; aber ein Familienkonflikt kann vielleicht leichter beigelegt werden. Wenn wir sie hinnehmen müssen, so müssen sie uns hinnehmen." Ich sage nicht, dass dies alles klar in ihren Köpfen in dieser PV>rmuherung vorhanden ist, wie ich es hier vorbringe. Nein.. Es nimmt viel Zeit, die Bitternis wegzuräumen. Wer meint, das ein leichter Weg für eine Verständigung mit ein Nattonalheim. Man vergleiche das Land vor 25 Jahnen mit dem Lande heute. Wir begannen unter üen ungünstigsten Bedingungen, es gab Schwierigkeiten im Lande und auch ausserhalb, in der jüdischen und nichtjüdischen Welt. Die palästinensische Judenheit hat gezeigt, dass sie Widrigkeit in eine grosse Chance umwandeln kann. Heute steht der Jischuw gestählt und erprobt da. Was das jüdische Netionalheim einzigartig macht, ist die Kultur, die in Palästina von Tag zu Tag wächst, symbolisiert durch die Entwicklung der Universität Jerusalem sogar in diesen schweren Zeiten, und durch die anderen wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen. Das Welssbuch Ich glaube, wir haben ein Recht zu sagen, das« das jüdische Nationalheim eine feststehende Tatsache der jüdischen Geschichte und der Weltgeschichte ist. Obwohl ich das letzte Weissbuch sehr bedauere, das ich mit all meiner Kraft bekämpft habe und das wir nicht akzeptieren werden, so bin ich doch überzeugt, dass dieses Weissbuch nicht das letzte Wort staatsmännisoher Weisheit ist. Die Weit ändert sich. Es kann eine neue Wendung der Verhältnisse kommen. Unsere Sache ist es, dann nicht den Zug zu versäumen. Die judische Geschichte war oft wie eine Kette versäumter Gelegenheiten, sie saugt oft von Wehklagen statt Handeln. Mit Wehklagen kann man kein Land aufbauen. Sogar mit Protesten kann man kein Land bauen. Man baut es mit den harten, undankbaren täglichen kleinen Anstrengungen, die in ihrer Summierung ein grosser Schritt vorwärts bedeuten. Die Araber Ich wage zu denken, dass auch die arabische Mentalität sich wandelt. Diese 31/2 Jahr Verwirrung haben uns eine Lektion erteilt, welche, wie ich glaube, auch denkende Araber zu verstehen beginnen. Ich spreche nicht von der kleinen Gruppe von Arabern, die geleitet sein mögen von der gleichen Hand, die uns in Polen und in Deutschland vernichtet hat. Ich spreche von der grossen Mehrheit der Araber, welche ihr Land lieben, und welche ihr Zion lieben wie wir das unsere. Ich glaube, diese Menschen beginnen die Sinnlosigkeit von Zerstörung einzusehen. Ich will nicht sagen, dass die Anzeichen dafür völlig sichtbar sind. Aber wenn man etwas um sich blickt, kann man bemerken, dass vielleicht im arabischen Denken sich etwas anzeichnet, dass ich folgendermassen in Worte fassen möchte: „Das jüdische Nationalheim ist vorhanden, ob wir es mögen oder nicht. Wir haben versucht, es auszumerzen, ohne besonderen Erfolg. Es gibt kein Rezept für ein schnelles Ergebnis. Es ist ein langer Weg und ein Ersiehungsprozese. Und jeder von Ihnen weiss, dass Erziehung langsam geht. Aber der Anfang ist da. Die Zukunft der Welt Dr. Weizmann schloss mit folgenden Worten: „Die Zukunft der Welt ist in Dunkel gehüllt. Von Tag zu Tag wissen wir nicht, welche Wendung die Dinge nehmen werden. Aber ich hoffe, dass eines Tages der Frieden kommen wird — und wir alle beten, dass er bald kommen möge. Das jüdische Problem wird dann noch in all seiner gespenstischen Blosse dastehen, als eine Herausforderung für jene bessere Welt, von der man so viel spricht. Und der Prüfstein dieser besseren Welt wird es sein, wenn die Nationen die Lösung des jüdischen Problems ernst nehmen. Wir selbst wollen unser Bestes tun, aber man muss uns helfen. Und ich glaube, dass sowohl unsere Leiden in Europa als auch unsere Leistungen in Palästina dazu dienen werden, den Weg für die Lösung des Problems zu zeigen." Weizmann bei Roosevelt Dr. Weizmtnn wurde In Amerika vom Präsidenten Roosewelt empfangen. Er wurde dem Präsidenten durch den britischen Botschafter Lord LothIan vorgestellt und hatte mit ihm eine Unterredung von einer Stunde, über den Inhalt der Unterredung wurde nichts bekannt gegeben, doch helsst es, dass am Schluas Präsident Boosevelt der Überzeugung Ausdruck gab, das» am Schiusa diese« Krieges eine Speslallösung für das Palastlnaprobiem gefunden werden wird* Wie aus Amerika gemeldet wird, hatte Dr. Weizmann eine Zusammenkunft mit dem SSjährigen Louis Brand eis. Es war die erste Begegnung seit der Entzweiung der beiden Minner im Jahre 1920. Bei der Unterredung war auch der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas Dr. Solomon Goldman anwesend. Kurz nach der Ankunft Dr. Weizmanns in New York fand ein von den amerikanischen Freunden der Hebräischen Universität veranstaltetes Dinner im Hotel Commodore statt Den Vorsitz führte Dr. Rosenbach und unter den Rednern waren ausser Dr. Weizmann auch Salmann Schocken, der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Universität. Dr. Stephen Wise. Prof. K1 i e g 1 e r von der Medizinischen Fakultät und der Vorsitzende des amerikanisch-jüdischen Artte-Komitees Dr. Ratnoff. Hitler-Reich, deren Auswanderung von Deutachtand erzwungen wird und die auch dort nicht atmen können, in neutrale Länder! Dies geht nur nach einem systematisch ausgearbeiteten Plan, der die Menschen sofort an eine Arbeits-Stelle bringt, da kein neutralen Land heute Flüchtlinge ohne feste Garantien hereinliast. Wenn das Domingoden. In diesem Punkt gibt es sicherlich keine Projekt und andere derartige Pläne die Aus¬ Meinungsverschiedenheiten zwischen allen j Wanderung aus dem Hitlerreich fördern und jüdischen Gruppen, ürmgf die Juden aus dem j beschleunigen, dann ist ihre Bedeutung ausserordentlich. Wir wissen freilich nicht, ob dies tatsächlich der Fall ist. Die Reisen von Weltes und van Zeeland sind — jede in ihrer Art — ein Symptom für den aerriaaenen Zustand der Welt und für den Kampf der Menschen gegen das Gefühl der Ohnmacht angesichts der sich türmenden Leiden und der annehmenden Verwirrung. Man möchte beiden Glück und Gelingen wünschen und doch, ach, ea fehlt der Glaube.

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