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Jüdische Weltrundschau · 1940-02-19 · 7 (19.2.1940) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
7 (19.2.1940)
Date
1940-02-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JUDISCÄ JAHRGANG 11 / Nr. 1 K«4»mion, Verls« u« AAtei«anVer«>altaaf: /ifiwlw P O. B flgö; 5. B«* ,/*h.i<l» Str. T>l*phoii »07S» Für nii%^rlM>»cii> M»nu»krti>t<9 wird kf»ln<- Osrwnii* ttb*r nomm*rj. Je-Ier Kini^adunj otf>r Anfragp int »in ln»«r ■Stioasler AntvorUrheln beliuflif »n. Zu«chr'»ft--n Mr dl* R«dskUon werden nicht *n £tni«)p<>rtoB*n imHnn »n di* R*<i«ktlon, Jennslem P. O. H. 6itt erb«Ua. 4KKI «ALEM 19. FEBRUAR 1940 ST H " DSCHAU Erscheint «Inmal * «aessnthes. Anse<*«ii*nu*äm« r*r »il« l.Ao<t*r. »u»«fhil«»»lkh J«rut*i«s P.O.» «••. - An*«i*»nt«>il«i prr I-uftpon» «rbotrn IM» An»fl|Pit 8»IU ••rffttlt In 6 Hp.U*n. J« ».» cm br»it. Urunilprv.lt I Inöh .. | rm th 3/. im H»>»lt« Mlnlmtisfäse» I« Ines (,i,7 5 rm) »*»ugtpr»i»»?«rfl. lAnlm mm Hchlu«« >l nistl«* des Grauens Wa* in Polen vorgehl Die Berichte, die über die Lage der Juden in Polen über die verschlossenen Grenzen dringen und zun» Teil den offiziellen deutschen Quellen selbst entstammen, geben da* Bild eine« beispiellosen Martyriums. Innii« U«n dieses Kriege», der wie jeder Krieg Uber viele Tausende Leid und Opfer bringt, haben wir hier ein Kapitel von besonderer Grausigkeit vor uns, das auch durum wichtig ist, weil es zeigt, mit welcher furchtbaren Geissei der Menschheit wir es zu tun hüben. Denn hier int nicht Krieg und offener Kampf, sondern zynische Grausamkeit und Barbarei, die Ihren Heldenmut an wehrlosen Opfern ausläset, gegen alle Begriffe von Kriegsrecht oder sonstige menschliche oder zivilisatorische Grundsätze. Die Einzelheiten, die zu uns gelangen, hier wiederzugeben, würde ganze Spalten füllen und unser« jüdischen Leser, die ohnedies von dem jüdischen Unglück unserer Tage niedergedrückt sind, noch mehr zermürben. Aber wir dürfen nioht aus Seibatschonung dio Augen vor dem was geschieht, verschUessen Während einig« Jüdische Grufcsje«. - rrAa JtHmU fuMfejra: dswofc Zufall — in Sicherheit und äusserer Kühe leben, werden in einem weiten Gebiet Hunderttausende in der unmenschlichsten Weise gepeinigt. Das sofern wir nicht vergessen, und das werden wir nicht ver- ,,ltM»*BraliMMle" in laufenden Band Die Juden in Polen sind praktisch vogelfrei. Das Nazi-Regime erkennt Ja überhaupt keine Rechtsgrundsätze an, am wenigsten natürlich in Feindesland. Es herrscht völlige Willkür An manchen Orten sind die Militärbehörden noch ein gewisser Schutz vor der Gestapo, aber oft hat die Bevölkerung auch unter der Soldateska genug zu leiden. Unter andern Umständen, d.h. wenn nicht der Vergleichamasstab der Gestapo und der Nazi-Banden da wäre, würde man wahrscheinlich schon das Benehmen des Militärs als haarsträubend bezeichnen, wie es ja auch schon im vorigen Krieg gerade in diesen Gebieten war. E i n Punkt verdient hervorgehoben zu werden, weil er die ganze Verlogenheit des Nasi-turna am deutlichsten zeigt. Die ganze Nazi-Religion ruht bekanntlich auf der Rassentheorie, die in Deutschland zu einem System von Gesetzen ausgearbeitet wurde. Angeblich ist eine Berührung mit Menschen anderer Rasse eine „Schändung der deutschen Zhre", und man hat zJ3. Arier, die mit jüdischen Mädchen gesehen wurden, bastraft Nach dem was uns aus Polen berichtet wird, sieht die arme .deutsche Ehre" traurig aus. Jüdische Mädchen und Frauen sind ein beliebtes Jagdwild von Offizieren und Soldaten. Oft werden jüdische Mädchen auf der Strasse gefangen und zu Orgien in Offiziers Wohnungen gebracht; ein besonders widerlicher Bericht dieser Art liegt uns vor. Die Nürnberger Gesetze sind anscheinend für diese Bestien aufgehoben. Man müsste solches Material sammeln und in allen Zungen der Welt veröffentlichen. Ob der Tag kommen wird, wo auch das deutsche Volk sehen wird, wie man es sogar mit den „heiligsten Grundsätzen" belogen und betrogen hat? Die „Rassenschande" ist nicht ihre sinzige Schande. Im polnischen Städtchen Hrubiessow war ein deutscher Mihtärkominandant, der ein menschliche« Verhalten tu den Juden zeigte. Kr wurde entfernt und durch einen „bewährten" ersetzt. Dieser Herr ii«»s «00 Männer zwischen 1« und 6ü Jahren auf dem Marktplatz antreten und gab ihnen den Befehl, zu laufen. Wer nicht rasch genug lief, wurde kurzerhand erschossen. Man berichtet, duss 83 Tote auf der Landstrasse geblieben sind. Einer christlichen Delegation, die den Militärkommandanten um Gnade für die Ju- | den bat, erwidert« dieser. Ich hoffe, das.« die : Juden nach dieser Lektion auf den weitern j Aufenthalt in Hrubieszow ohnedies verzichten \ werden. Man konnte noeh viel erzählen, von grundlosen Erschliessungen, Vertreibungen. Verschickungen, von erfrorenen und verhungerten Kindern, die aus Eigenbahnguterwagen gezogen wurden, die mit Menschenfracht irgendwo auf der Strock© im schärfsten Frost stehen blieben, von Beraubungen aller Art und zwar in Füllen, die in die vielen tausende gehen. Man kann sich auch vorstellen (oder besser gesagt: nicht vorstellen», wie Juden in Warschau jetzt wohnen, da doch ganze Strassenzüge völlig zerstört sind und In den wenigen Wohnungen jftl* *U«m zusammendrängt, was In Warschau blieb und was aus der Provinz zugezogen ist. Die Entjudung von Lodz Am schlimmsten war das Los der Juden natürlich dort, wo es I o k a 1 e N a z i s gab, die von den deutschen Truppen „befreit" wurden, also vor allem in Lodz, wo es 70.000 Deutsche (unter 800.000 Einwohnern) gegeben hat. Vorn ersten Tage an wurde alles darauf angelegt, die Juden aus Lodz entweder direkt auszutreiben, oder „herauszuekeln". Lodz war die erste Stadt, wo Juden die gelbe Armbinde, später einen gelben Fleck an der Kleidung vorn und hinten tragen mussten. Alle jüdischen Geschäfte wurde» unter Nazi-Kommissare gestellt und allmählich enteignet, die Wohnungen der reicheren Juden mussten unter Zurucklaasung der Einrichtung, Bettwäsche etc. geräumt werden. Die völlige Entjud u n g von Lodz soll nach dem deutschen Programm am 1. März vollendet sein. Di« Leiden, die gerade die ärmere Bevölkerung bei dieser Vertreibung im Winter zu erdulden hat, sind kaum zu schildern. Natürlich ist auch nirgends ein Platz, der sie aufnehmen könnte. In Lodz selbst sind Verhaftungen und Folterungen aller Art von Juden und Bedrängung sowie Schändung jüdischer Frauen an der Tagesordnung. Dies ist die Methode, die Juden zur „freiwilligen Abwanderung zu bewegen.; Gestellte Filme Kurz bevor die Synagoge in Lodz niedergebrannt wurde, befahl man der Jüdischen Gemeinde. 400 Juden mit Tallis in der Synagoge zu versammeln und einen Gottesdienst mit Gesang Abzuhalten. Das ganze wurde gefilmt. Nachher wurden die Juden in ein Restaurant gebracht, vor gedeckte Tische und mussten dort tanzen. Auch das wurde gefilmt. Dann wurden die Anwesenden zur Arbeit verschleppt. Der Film aber wird in Polen der polnischen Bevölkerung vorgeführt, um Ihr zu zeigen, wie gut es den Juden geht und wie sie sich aber die Niederlage der Polen freuen...! Unglaublich, aber wahr. Welches Strafgericht wird einmal di«M blinden und verirrten Geschöpfe treffen, dl« heut« im tJbermut Ihre Macht so missbrauchen! Zwei Missionen Ohne im Einzelnen zu wissen, was Präsident Roosevelt veranlasst hat, den Unterstaats -SekreUir Summer W e I 1 e h nach Europa zu schicken, fragt man sich unwillkürlich, welche A u h s i e. h t diese Mission nahen kann. Kann ein schneller Friede kommen? | Sicher ist, dass die Welt sich nach ihm sehnt; und drtsti alle beten, da« gro.'cse Vernichtungs-! werk einer Entfesselung von Massentod und "\ Zerstörung in Kuropa möge vermieden werj den. Aber wie kann die« erreicht, werden? i Niemanden kann man doch heute mehr einreden, dass dieser Krieg wie jeder andere durch i Friedensvereinbarungen beendet werden kann, j Dies würde ja nur bedeuten, Hitler freie Hand für seine Eroberungen und für die Festigung seiner Position zu geben, die schliesslich alles j untergraben muss, was man Zivilisation nennt. | Noch zur Zeit der Konferenz von München \ konnte man so tun, als könne es Vereinba- I rungen geben, die die I^age stabilisieren. I Nach den Enthüllungen des bfi tischen ItUm- , buches, des franzÖ.viftchen Gelbbuche*, nach i solchen Veröffentlichungen wie Rausch ninga „Hitler speaks", ist die Maske endgiltig gelüftet; die Öffentlichkeit weiss jetzt, dann (die Regierungen genau Bescheid wissen, mit! wem sie es zu tun nahen. Was also lasst sich i davon erhoffen, dass Welles in Berlin verhandelt? Hitler hat offen genug gesagt . Ich werde jeden Vertrag unterschreiben, der mir im Augenblick nützlich scheint, aber ich denke nicht daran, ihn zu halten. Nützt, es etwa», wenn er etwa versichert, von nun an werde es anders sein? Viele meinen, die Mission von Welles sei ein Schachzug der inneren Politik im Jahre der Präsidentenwahl. Die breiten Massen der amerikanischen Bevölkerung hassen uriid verachten zwar den Hitlerismu«, aber sie halten auch fest an ihrer Isolierungepolitik und widerstreben leidenschaftlich der Hereinziehung Amerikas in den Krieg. Die Nazi-Propaganda in USA ist sehr aktiv und sehr geschickt, maskiert sich hinter allen möglichen Namen, um die Kriegs-Abneigung der Amerikaner zu bestärken. Von uns aus gesehen, steckt ein gutes Stück Naivität in dieser Haltung, die darauf baut, der Feind werde durch andere geschlagen werden. Hätte Amerika von vornherein seine Bereitschaft zum Eingreifen kundgetan, dann wäre es sicher nie zu diesem Krieg gekommen. Hitler liess sich in das Abenteuer ein. weil er der Neutralitat Amerikas sicher zu sein glaubte, ja er baute auch auf die Kriegsabneigung Englands, die man ihm schilderte. Es scheint, dass Roosevelt die Dinge tiefer sieht als die meisten seiner Landsleute, und die Zusammenhänge begreift, vor allem auch die Gefahr, die USA droht. Die Absendung seines Emissärs kann den Sinn haben, den Amerikanern zu zeigen, dass er nichts unversucht gelassen hat, um den Frieden zu erhalten. Wahrend Welle« — übrigens den Juden kein Fremder, hat er doch wiederholt zur

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