Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 6 (12.2.1940)
- Date
- 1940-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sttt«6 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 12. februar 1M0 Wie ich den Bar-Kochba-Fund wiederentdeckte Von Dr Gerhard /m £usrtmmc»t&rt»!?/ »nf den im ATr. 4 d/»r ,JWR" nnvähntm Attrrtihnrrn nu* drr Zeit Httr Kochlut* erhalten Wr rtnchzfrhrmdr intrrr**rtntr Dnrttttttunft: Wie r<o mancher, Kloster in Jerusalem, so besitzt auch die Benediktiner-Abtei „MAria Heimgang" fDormitio) mit dem f{<rg Zion am Hüdrand der Mauer eine wunderbare archäologische Bammlung. Jahrzehntelang haben die Mönche mit unendlichem Fiel«* und Gelehrsamkeit g<*- wimmelt. gr* rdn >t und (Iber ihr»? Funde publiziert. Ein»; Fülle von Stehen, die für die jüdische Archäologie von bcach'liebem Interesse sind, ] finden «ich «'ort. zusnrnmien, um] das neue Mu- ■ scum der Universitär und das Kockcfeller-Mu-! »cum haben aus diesen wertvollen Bestanden eine '■ anaehn liehe Reihe von Ausstellungsmaterial über- | nomm«n. Darüber wird sicherlich noch bei pas- | Ron der Gelegenheit, gesprochen werden Ein besondere* Schicksal «her hnt'i n eine; Reihe von EueiuiMleken, die in einem verschlösse- \ neu Schrank verborg«n waren und die den «eij tenen Güsten nicht gezeigt wurden. Weil sie | jedes äusseren Glanzes entbehrten, standen sie 'u r h * (.Unumlrm ) Vor ungefähr einem halben Jahr erhielt ich «eine Erlaubnis, die Gegenstände sämtlich mit 1n meine Wohnung zu nehmen, und nachdem jede» St (Ick mit dem Hiegel des Klonten» versehen war, ging ich an die Verpackung. Ks war eine schwere Arbeit, weil die jahrzehntelang unangetastet im Schrank gelegenen Eisenstucke nun bei der kleinsten Berührung an Substanz verloren. Eine dicke Rost- und teilweise sogar Sandachicht lag über dem Eisen und löste «ich unendlich leicht. Ks gelang mir. die Gegenstände gnnz unversehrt zu mir zu befordern Nun konnte eine genauere Prüfung und Sichtung des Materials in Ruhe erfolgen und den Archäologen Jerusalems wurde Gelegenheit gegeben, den Fund zu besichtigen und ihr Urteil abzugeben. En handelt »Ich um die folgenden Gruppen: Waffen (Lanzenspitzen. l>olche uow.», landwirtschaftliche Gerat« <Hacken, .Spaten usw >, Schmiedewerkzeuge (Ambosse, Hammer und. Zangen) Besondere Aufmerkmimkeit erregte ein kleiner Ambos» in hervorragendem Erhaltungszustand, und Dr. Bruno K*r*ch~ n<tf, der als Beschauer zu mir kam. bemerkte AUS DEM KUNSTLEDER Hubertnann in Jerusalemj Ein junger Maler auch nicht hinter Glas und hatten sowieso neben j auf Ihm eine Verliefung in Münzgrösse und kam der PrHcht der »chlllernden und wunderbar gej ■1 ■ 1 1 ■ 11 ■ "■ *" formten römischen Gläser und Vasen die ästhetisch« Konkurrent nicht ertragen können. Wohl wussten die Mönche, das« säe Rai;« aus der Barkochba-Schlacht in Ihrem Kk)»ter beherbergten, Aber sie bewerteten diese Gegenstände kühler und, ohne die Innige historische Vorbindung, die wir Juden daml-, haben, und ohne den Gedanken an ihre zionistische Aktualität Ich hatte den Vorzug, mich mit dein Museum der Dormitio beschäftigen zu dürfen, ein Vorzug, für den ich dankbar bin. Immer und immer wieder öffnete ich den Schrank mit den Sachen au* Bittlr und Hess mir vom Pater Mauritius Giealcr Uber die Herkunft der Gegenstande berichten. Pater Mauritius, der Architekt und Achhologe i*t. Jetzt ein alter Mann von Uber achtzig" Jahren, hat ungefähr um das Jahr 1910 diese Eisengerate von Fellachen aus Bittir bekommen. Seine urkundliche Vcrburgung dieser Fakten Hegt vor uns Er hat übrigen« die Gegend von BitUr topographisch studiert und auch eine Kartenskizze publiziert, auf die Idee das* es sich vielleicht nicht nur um eine Schmiede-, sondern sogar um eine MOnzwerk5'A*te handeln könne Die Tatsache, das« bislang aus der Barko^hba-Zeit nur Münzen und kein*» Utensilien aufgefunden wurden, mag ihn auf diese interessante Annahme gebracht haben Wir Tineen sogleich daran, in dem Material nach Gegenständen zu suchen, die diese Thew» stützen können und fanden dann ein in diesem Zusammenhang ausserordentlich wertvolle» Stück, eine Mcallarhe-ibe in Münzgröswc. die aller Wahrscheinlichkeit nach eine Münse in unfertigem Zustand Ist. femer den Balken einer Wage und eine Anzahl Grnviergcrate, nicht zuletzt die beiden schon erwähnten Ambosse und Zangen Bis jetzt wurde jedoch kein .Schriftzeichen oder Münzbild entdeckt. Eine Beschreibung und Reproduktion der zur Münzwerk«tatt gehörenden Gegenstände bereit** Dr Kirschner vor Die Jewish Agency hat diese Kollektion beinahe vollständig erworben, und nur acht 8tlkke kommen in das Department of Amiquitles (Rockefeller-Museum) in Jerusalem Die Jewish Agency lat durch diese Erwerbung zum ersten Mal Be- »i'zerin von Antiquitäten. Sie wird eine Ausstellung in ihren Räumen veranstalten. Da» Motiv für diesen neuartigen Erwerb ist wohl die Gcwiüsheit, d*MH» der Fund über die Grenzen de» archäologischen Interesses hinaus für das Jüdische Volk von aktueller Bedeutung i»t. Nur sehen gibt es im künstlerischen Leben ] Ereignisse, die restlos dun Attribut Vollkommen- \ heit verdienen. Bei manchen Darbietungen Toscaninis (etwa bei dem FnUtaft der letzten Salzburger Festspiele) hatte man dieses Erlebnis In; einer überwältigenden und beglückenden Welse! hatten die PaUtetlnenscr als H\ibermann vergangene Woche in dem 8. Konzert de« Symphonie-Orchesters daa MendeLssohn'JK-ho Violinkon- Di? Generalion von morgen — nein? die von festern - spricht In den Zeichnungen von Woif Ffildcthrimcr. einem Zwelundzwanzigjahrigen, einer echVn und legitimen Begabung d«r Umrisszeichnung. Sein Strich „Ritzt". Ein paar Typen, in einem Züricher Caf^haus erwischt: ausge- 7eichnet in der Präzision und Eindringlichkeit der Linie. Ein Bpontaner Strich, hingeworfen ohne viel Besinnen, und diese Spontanität in seiner Bezert »plelto. Hier haben sich ein Mann, ein Werk j srp.bung brachte Ihm wohl zum Surrealismus, der und «ine Situation zu ktzter Vollendung durch-! letzten, nun allerdings airch schon mit dem ehrdrungen Hubermann hat dieses Konzert wohl! wfirdisren Alter von fünfzehn Jahren belasteten viele hunderte Male in allen Ländern gespielt, j atilschonfung einer revolutionär sein wollenden und so mancher der palästinensischen Zuhörer j Generation, die an der Kritik verzweifelte, die in mag es in den letzten 40 Jahren von ihm gehört haben. Abor noch nie empfand man ein so beseligtes und beseligendes Aufgehen des Meisters in dem Werk, noch nie hat es seine Schönheiten so ergreifend und packend dargeboten, wie jetzt auf dem Boden Jerusalem, in dieser Zeit, in dieser Not, vor einem Saal dichtgedrängter Menschen mit vor dem Entsetzen des Judenschicksals unserer Zeit fast erlahmender Lebenskraft. Es war wie eine trostreiche Botschaft au» einer andern Welt, eine seelische Erhebung sonderglei tragend Und mit mancher verschleierten Haremsdame in schwnrzcr Robe und schlanken Stiefeletten betrachte ich die Schaufenster der Streets. .Die Einwohner Jerusalems schlafen viel und. schon früh am Abend legen sie sich nieder. Verschlafen kleine Streitigkeiten gerne, aber auch grimmige Feindschaft und - erst - künstlich! chen. für die kein Superlativ zu hoch 'ist Hubererzeugte Mit Vorliebe steige ich himib In die j m<inn spielte so bewegt und hingegeben wie je AraberwUdt und betrachte auf den berauschenden , Kanz nnch innen gekehrt aufwühlend, verströ bunten Strassen und Gassen die malikalten memi in überirdischer Süseigkeit Neben ihm das I Häuser Dem nimmermüden herzlichen Rabbiner Doktor Kurt Wilhelm hier in Jerusalem verdanke ich meinen wirklichen Ausflug vor zwei Jahren unten zum arabischen Stadtteil Ich zündete vchon bei meinem Gang, drei Jahre vorher, im Gottum der Klagemaudr, der Mauer der Barmherzigkeit, eine liebe Kerze an. Heute aber verdanke ich den Anblick der unteren himmelnahen Stadt dem geistlichen Dokior, dessen Predigten und Lehren frei von Schlacken und Aberglauben, ehrlich und durchlHutert wie er selbst Ihm ewig Dank, da ich schaute die noch dcmanischim mernde Davidstadt. Es ringeln iich Ulafterticf Im innersten der Altstadt Haus in Haus. Häuser werden Geschwister auf der Erdtiefe Wir betreten Lurjas Geburtshaus. Jeschuruns heiHgsten frommKttlhendHivii Rabbuni» Eltcrnhauä. Ich .setze mich in die kleine Nische, darin der Heilige seinen ersten Schlaf geschlafen. Wieder im oberen Stadtteil Jerusalems, erschüttert, auch vom Burgunder der Sonne berauscht, brach ich zusammen. Was ich selbst im Traume nicht hoffte zu erschauen, erfüll c sich in Wirklichkeit am End*? der Erde. Der Himmel leuchtete purpur wie heute, man bückt in einen feiertäglichen Himmel, in das Her» des Ewigen für jeden wei; geöffnet überall (Sott und Seine Engel.., Evs erzählt der Doktor im Freien die Wunder der Bibel in der Zeit die blühende hohe Cypresse, die grünende Thora mit den Sternen »pielt. ihrem Intellektualismus anti-intellektuell war und s-wisarrcn die direkte Aktion der seelischen Erlebnisse auf der Malfläche forderte. Die halb- und vorhewussten Vorstellungen seien spontan, und ohne von der Instanz des Verstände» aufgehalten zu werden, in eine malerische Form umzusetzen. Tm' Grunde angewandte Psychoanalyse, und in der Tat habe« die Werke der Originamurrenüsten. der Ernst, Miro. D»M. Tanguy bisweilen etwas von der Brutalität der Träume. Hildesheimer muss allerdings schon sehr freundliche und domestizierte Träume haben, seine Kompositionen vermelden samt und sonders die Heftigkeit der Diagonale, Heben die gleiche Höhe der Formen, n . , „ T m, , und was den Inhalt angeht, so kann man nicht Orchester geleitet von Ignatz Neumark einem j MWn> Ams eine Hftnd dic n<?ben aiu Galhticn stammenden, Jetzt in Holland leben-; rhpn<.n HnUM Br<>ht sie beilelb4(> nlcht BVm- <km jüdischen Dirigenten, sichtlich ergnffen -! h()]]nch Hn 7iCichcn unteren Welt ver- Hubermanns Schbpfung. Künstler und Orche- . sUndcn Wcr(1en soll. besonders grausig wirkt, und ster, Darbietende und Pubhkum .,e alle yvaren , srhf)n Jcht ,n dem ^nU*un<i süifSen strich Lins verschmolzen In einer Munde jenselt* der; Hnd^hftimwil. würde, so könnte man meinen. Abgründe des Tages. Der Abend Höhepunk der : ^hon yu den TlmslrÄtionen der „Fleurs du Saison, brachte noch ander« hohe kür*tlerische j Ma,.. von BftudHaire g9h6nn. Doch dafür fehlt Genüsse: Hubermann» Darbietung des Brahms- , ^9t>m Jf KÜBJrtIeP noch dms Ver»tändnis der Violinkonzertes, eine sehr gelungene Wiedergabe , z<>rrL,sennHt d„ Wehtm der tragischen Span- .ii^^ OVv»r^n _i^nv<.rf iir« fiifiu»r >in W«>rU *^i>« rkai . , .... 7 . nung zwischen seiner fast klassisch strengen der Oberon-Ouvertüre, ferner ein Werk des palästinensischen Komponisten Ernst Walter Stern- 1 b-'rp ,Josef und »eine lirihder". Aber alle» wurde ' übertroffen von der triumphalen im wahrsten j Sinne hinreissenden Apotheose dos Mendelssohn- ' Form und der romantischen Groteske »einer Visionen von der Verwesung alles Fleisches. Um das zu illustrieren, muss man auch wohl schon ___. rp^^^w-o-c katholischer sein als Hildesheimer es nun In der Konzertes. Steht dje Magie diese» Ereignisses _ . .„ . „„„ xt;„v» ^.ic^~ ,is^*.a t^n^. t« Tu. Tat i* kann N cht **nT or[Vn mit Boden und Atmosphäre dieses Landes in Zu sammenhang? Jedc-rifaHs Ist Mubermann diesmal enger mit Palästina verbunden worden ab er es schon gewesen ist. R. Das PaJästina-Si/mphonie-Orchtxtvr stattete dem Militärlager in Sarafaiui einen Besuch ab, wo ein besonderes Konzert für die englischen Truppen veranstaltet wurde. Die Zuhörerschaft, die aus beinahe IKK» Mann bestand, gab dem Orchester einen enthusiastischen Empfang, Das P a 1 ä s 11 n a ü c h e s t e r begibt sich diese Wochv auf seine jährliche Tour nach Ä<jyptt'ti. Das Orchester wird unter der Leitung von nell aber formal se.hr beherrHcht sind seine Klebebllder und au* abstrakten Formen montierten Malereien. Ein Könner zweifellos, dieser junge Mensch, und bei streneer Selbstkritik, also dem G*f?ent#i] des«*n. was der Surrealismus ihm vorschreibt, auch »icher eine Hoffnung. Wichtig aber ist, das» die Palästit*fi(ipr einen Vertreter solcher Kunst zu sehen bekommen. F. Schiff (Jerusalem), An der Universität in L e m b e r g wurde die ilddische Sprache als vollberechtigt anerkannt. Demnächst, soll ein Professor für jiddische Literatur ernannt werden. Alle Aufschriften erfolgen vom nun *n auch in jiddischer Sprache. Man er- Igna'z Neumark zwei Konzerle 4n Kairo und zwei j wartet, das» Jiddisch zu einer der offiziellen Sprain Alexandrien geben ohen in Ostgallzien erklärt werden wird.