Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 6 (12.2.1940)
- Date
- 1940-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Ftbruiir 1940 JÜDISCHE WKLT RUNDSCHAU Mt«ft Nachrichten aus aller Welt DAS KIMBEftLEY-PROJEKT Seit längerer Zeit werden Berichte ober die Australien-Reise von Dr. J. S f. e in b p r g, SekretAr der territorialislisohen Vereinigung ..Fre-land" In London, vorbereitet, der cm Projekt für die AnaicdluriK der Juden in Kimberley iWesla.ustrallen) propagiert. Dr. Stcinbcrgs Tätigkeit in Australien hat tn der Welt-Press«» erhebliche Beaehtunjr gefunden und z. U. die Londoner ..Times" hat wiederholt berichtet, das« das Projekt in Australien günstig beurteilt wird, Umso peinlicher ist es jetzt, einen Bericht über eine Debatte im australischen Senat zu lesen, wonach auf die Anfrage eines Senator« der Innenminister der australischen Bundesregierung feinende« gesagt hat: „loh weiss von keinen Vorschlagen, die der Regierung in dieser Hinsicht gemacht worden sind, aber die allgemeine Politik der Regierung tat der Ansiedlung von grossen Mausen von Ausländern In irgendeinem australischen Gebiet abgeneigt. Die Regierung hat eine derartige Ansiedlung nicht ermutigt, aber wenn mir offiziell Vorschläge unterbreitet werden, werde ich sie prüfen." Auf weitere Fragen betreffend die jüdische Einwanderung nach Australien antwortete der Innenminister: ..Seit Kriegsauabruch ist die jüdische Einwanderung nach Australien praktisch tum Stillstand gekommen, hauptsachlich infolge der Tatsache, dass eine grosse Zahl dieser unglücklichen Flüchtlinge sich in Feindesland befinden. Die einzige Art Einwanderer, die jetzt hierher kommen, sind Verwandte oder Eltern von den bereits Eingewanderten, die in neutralen oder britischen Landern sich aufhalten." Gerüchten zufolge plant die Sowjetrefierung eine Auffrischung des alten Kokml-satlonaplans in Blro Bi dach an Es helaat, das» demnächst jüdische Familien aas Ostgallzien hingebracht werden »ollen. Auch die Sowjet - presse ist voll von Propaganda für dieses Projekt. Ein Seminar des Hechaluz in Schweden fand vom 27.12 bis 8.1. im Wandererheim Finja (Schweden) statt. Ee wurde eine groase ' Reihe von Kursen abgehalten, darunter zahlreiche hebräische Kurse und Paiäatinakunde, ZUR FLUCHTLWQSFRA9E Mi* besonderer Dankbarkeit wird in jüdischen Kreisen die Haltung 1er belgischen Regierung gegenüber dem Hilfswerk für die Flüchtlinge gewürdigt Trotz allen Beschränkungen finde; noch immer ein gewisser Zuwtrom von Flüchtlingen nach Belgien statt, was man verstehen kann, wenn man bedenk', «las* die Menschen um jeden Preis nu* der Nazi-H<'üie entfliehen wollen Trotzdem die belgische Regierung diese Zuwanderung mit Gefängnisstrafen bedroht ha*, legen die belgischen Gerichte ein menschllche,f Verhalten an <len Tag und zeigon Verständnis für die Besonderheit der furchtbaren! jüdischen Situation; Hl* Ifuidwirtschaf:Siehe KommissUm de» eng- I tt*ch-tiidtmh*?n FlüchtlinQ*~K<>mitecn befass* »ich I mit der Frage, wie die landwirtschaftliche Ausbildung jüdischer Flüchtlinge (Hachachamh, In! England eingebaut werden kann in die Plane der! englischen Regierung fiir die intensivere Eni-; Wicklung der englischen Landwirtschaft. Zu dlc- 1 sem Zweck sind Verhandlungen mit Vertretern I des Arbeits- und LandwirtscluiftsminLiterlums I sowie mk den landwirtschaftlichen Verbänden; angeknüpft worden. j Die „Liga für Menschenrechte" in der [Schwei z veröffentlicht einen mit. Unterschrlf-! ten zahlreicher angesehener Persönlichkeiten vor- \ sehenen Aufruf an die Schweizer Regierung, das ' Li« der in der Schweiz weilenden FlücktUnye, \ während der Krieg.«<zeit zu mildern. Die zahlref- | eben Auweixuntjfin seien ein Make! auf dem Ehs rensehlld der Schweiz. Der Aufruf nimmt auch i Kege.N die Internierungsiager Stellung.; Nach Meldungen au» Italien sind bei dem Un-;glück des im Mlttelmeer verbrannten üidieniiachen Dampfers „Orazio", der nach Südamerika unterweg» war, 9 Juden um» Leben gekommen, davon einer bei der Explosion und 8 zusammen mi-. den TO Ertrunkenen Insgesamt waren 100 jüdische Auswandererfamilien an Bord dieses Schiffes, die nun ihre gewarnte restliche Habe verloren haben. Auf dem in der Oat*ee torpedierten Dampfer „Emthonia" sind HO Kisten mit Decken und Kleidern für Jüdische Flüchtlinge in Wilna, die ans Amerika geschickt wurden, untergegangen Aus einem Brief Aus finftil Privatbi i>f uns PSA, den ein in eine klein/» College-Stad: eines der «üdUrhen Staa- '.en ausgewanderter WVm-r Pr>«f.r .-w> einen Freund schreibt, entnehmen wir folgende itrteressan;© Stelle -.Unlängst war ich eingeladen, in einem Klub pensionierter [Jiuversität.*tprofessnrcn über nwlne Wiener F.r!obnis»c 7.u sprechen Ich habe es vorgezogen, zum Zionismus bzw tum gel- | »Ugen Leben Palästina* hinüberzuleiten. Was; ich da an S'/mjmrhU-, für Judentum und Palästina i vorgefunden habe ch gab dann eine lange Dls- | k'.uwion hat mich t.ef erschüttert Gestern | lernte ich bei einem UniUricf-G<rt.esdlenst In O j eine Dame kennen, die <,m Auftrüge der Kirch« j In Prag gearbeitet ha:. Ich werde nächsten* i von ihr genauer© Auskünfte über ihre Eindrücke ( in der C*R erhalten. Vor kurzem gab tv, ein j Symposium der verschiedenen » hri ttllchen und | jüdischen Richtungen in der Synagoge In O , bej merkenswert war natürlich weniger, uvm gaaagt j vvurdoi als der versöhnliche ff' in dem man sprach Ausser Dr. Welzmann befinden «jr.i, in USA Jetzt auch Dr Nahum Gold »Mann, der nls Gas? des „Amerikanisch-jüdischen Kongresses" hinkam und Rev. P e r I z w e I g, der londoner liberale zionistische Rabbiner, der im Auftrag der Zionistischen Organisation alle Chs-rseeländer zu besuchen beabsichtigt Diese Reisen zeigen da* Bestreben, mit allen jüdischen Gruppen in dieser schwierigen Zeit Kontakt zu behnüen. Nach Präger Zeltungsrncldungen beabsichtigt die deutsche Regierung ungobllch, die Juden des Protektorats auch formell direkt der deutschen Polizei fOestapci» zu unterstellen. Damit würde freilich nur der tatsächliche Zustand legalisiert werden, denn faktisch hat die tschechische sogenannte Regierung auch jetzt nichts zu sagen. Im Amtsblatt der f r n n t d s i s c h e n Re - gierung Ist eine Verordnung veröffentlicht, wodurch alle männlichen Ausländer zwisc hen 20 48 Jahren, die .staatenlos sind und die französische Gastfreundschaft genleaseu, zur Meldung für den nationalen Dienst verpflichtet werden. Die Mobilisierten »ollen in eigenen Abteilungen / u sam rn e n ge fas nt we rden. Die Ausstellung von Krle^skarrlkatureh fh'S jüdischen Maiers Arthur Rchirk in Ltm4<itt fand lebhafte Anerkennung in der englischen Preaas, ETWAS VON JERUSALEM (Aua meinem kommenden zweiten Palästinabuch: Tiberin st Von Else Laiker-Schüler (Jerusalem». Ich wandele so für mich hin über den Jaffaroad über die King Georgestreet nach Rchavia. Komme an der schönen Jeschurun-iS>Tiagoge vorbei,überlege, ob ich den kleinen Erdhügel beateige, auf dem der fromme Juwel gerade schimmernd leuchtet? Oder ungekürz das Ziel, das Haus der Keranoth und der JewLsh Agency erreichen soll? In meinem ersten Buch: „Da» Hebrierland", verglich "ich das wundervolle Gebäude des hebräischen Ministerium« mit einem Rabbuni, dessen Arme liebevoll die Pilger empfangt. Nach dem Vorbild des Halbmonds gebaut, glaubt man von Ferne, da« herrische Haus bewege sich ab und zunehmend, schäumend rotgelblich beleuchtet in der Abendstunde- Im Vorraum des mächtigen Palastes, immer gleich artig jedelnen beschirmend, mar* ein liebreicher jüdischer Mann-im-Monde. .So ein schlichter bebar- : teter Wächter. Er weiws schon zu der lieben | nimmermüden Gewerett Kümmel will ich. j Ich komme mitten aus der Stadt Jerusalem j Ich liebe es. mitten in der Stadt jeder Stadt zu I wohnen und — erst in Jerusalem! Gemütlich Mn:cr den Hecken irgendwo, käme mir wie eine Flucht' vor Begebenheiten vor Ich möchte eben weder I Erfrischendes, aber auch mehr Schmerzendes j v*r#&um«n, nicht das L#id noch das piotzlicft \ strahlende Lächeln eines beschenkten Kinde*, i Nicht den Anblick der entzückenden kleinen fleLssigen Zeritungsverkäufer, „Haäirez!" ,,Davar!" \ „Palestine Po<fC!" „Tamzit Itonejnu!" Ich hab die niedlichen Adom» schon angehende gros«»; Kaufleute in mein Herz geschloaeen Und ich bin; »tolz, altzt wenigstens einer von ihnen auf den; S3tufen unserer Flurtreppe, vertrauend auf mich > wartend. Uns schmeckten doch ein.it auch Bon-; bona!!? Da« ich nur keine Begebenheit versäume, nicht einen iÄut, nicht einen Forss wier Hufschritt! Ungeaehen von mir, Überschreitet kein Bael, noch weniger eine Kameelkirawane den Jaffaroad Und ich beantworte oft die Frage: warum ich nicht in Rehavla wohne, oder in einem anderen Vorort Jerusalem», mit einer Ausrede die nicht ganz unwahr. Man kann Ja auch nicht den ganzen Tag nur grüne» Deasert easen! I,ieb' ich doch unsäglich die Bäume gerade, mir wahiverwandt wie der Bach Bis spiegeln sich doch so viel« Menschen tn meinem Angesicht. Selbst Vogel leben mit mir im Gewoge der Stadt Jerusalem», und es »tändö ihnen frei, von ', ihrer laubigen Urgrossmama eingeladen, unter; schattigen Zweigen in den Gärten Rehaviaa zu | residieren. So viel Grün Ist immer noch da!: j Und pflanzte man in die Krd© mich Ein Johanntsbrotbaum würde Ich; Und freute mich »chon königlich. Auf den Mai, auf den Mai! Hifr in Asien, wo weniger Immergrün, jagt der nach Palästina Verpflanzte ehrlicher und begehrlicher nach einem laubigen Ort. Ja was man mcht hat oder verloren hat! Hingegen die Bauern unter den Juden, die Fürsten Jeschurun* besuchen mit Vorliebe daa Innere der Heiligen Stadt: erst am späten Abend helmzukehren, gottwohigefällige Kinder Israels zu ihren Äckern und Hainen, mit deren Wurzeln sie alle verknotet. Diese Bauerngemeinden schlagen die rostige Erde, ein Testament, auf, und beleben die vergilbten Erdschichten. Wir, die wir das Kmek besuchen, blättern nur In den Erdaelten Ich erröt«... Diese Gottgräber stoftsen auf Gott beim ernten SchAufeUtos» jeder neuen Siedlung Die starke wortlose Andacht erfreut Adonaj 1«^. flott etwa ein eitler Gott, «in eitler Vater, der Sein« Kinder in die Weh setzte, ihn nur mit Worten zu lobpreisen? Der Herr war Selbst ein götthch*r Bauer, der die erste Cyprease pflanzte und die Granate; Noah, dem Winzer, den Welnatock im Keim verpachtete. Vor allem säeie Gott: DIE HEGKK DER BARMHERZU rKElT um die Ihm teure Stadl Jerusalem traben wieder Kameele über den Damm, edle Krtrvige E» drängt mich, ihne-n Ehr» zu erweisen, einige Augenblicke zu verweilen. Zwischen Hügel und Hügel der adeligen W ästen- :lere, ttlizt im gestreiften Atlasklc>ide der Beduine. Vor ihm geborgen »ein junger Sohn. Wenn er jfros» sein wir»l reichen sich Sarahs Kinder und Haga» Nachkommen dtie Hand geschwisterlich Vielleicht aber schon morgen oder h«ute Abend unter den Himmeln Denn viele Himmel schweben in der Dunkelhell hernieder auf Flügeln; Engel in flaumiach tAubenblau unl lllagefied^r' tern Kleid Und go(tenüber Gottosterui ein zweiter Himmel: Em« weite Feuerschwinge breitet sich über die bräutliche, Stadt des Herrn ,.Trö»{.e uns Jerusalem und einer deiner Menschen den zweiten, der Ihm andächtig begegne;, auf den Wegen öffne deine Tore allen, die Einlaas begehren!!" ODER SOLI. VIELLEICHT GOTT HELBttT DIE TORE OFFNEN?' j Streichle da« Tier, deinen Esel, der den Btein; unermüdlich zum Bau trägt. Ihre Eratickungs- I schreie, da wie des öfteren überbürdet, verwunden; mein Herz Dem gering en Tiere sei milde, ■schmeckt dir doch sein Fleisch Dem Manne dea Orients, Jude und Araber, I bedeutet das Kamee!, dasi ihn trägt, »in treuw«- iiiur Freund Vor &i'sm über nimm dich '<Um hllfkwen hungernr' n Kindes an. MIT JEDEM KINDE WABTVMT GOTT NEU AUF DIE : ERDE! Die Urenkel Abrahame reichen sich die Hand,; vielleicht gegenwärtig, da Ich es ersehne mit; ganzt-m Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kr«ft Sc:hon begegnet man wieder Sohne Allah«, grotuten malerischen Gestalten; auch »tolzschrel- :end«n Araberinnen im oberen Stadtteil auf dem Jaffaroad; ihr« niedlichen Klndiain odre Körb« 'mit Ob»', gefüllt wie In Vonelten, auf dem Köpft