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Jüdische Weltrundschau · 1940-02-12 · 6 (12.2.1940) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
6 (12.2.1940)
Date
1940-02-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Mi« 4 JÜDISCHE WELT RUNDSCHAU 12. Februar 1M0 Die Woche in Palästina ZWEI NEUE SlKDI.t'N'CiSPDNKTK Eine n*Mi*> j iWt I ,h r h r S I ed 1 u n g in «Irr Haifa-Ray erhielt d**ri Numeri de* verstorbenen Präsidenten Masaryk. Der Ort heiwt ..Mssaryk-Dorf" (Kfar Masaryk» Ks handelt sich um eine Siedlung des Hnschomer Ifazair, der hier ein interessantes Unternehmen gegründet hat. nämlich eine moderne Ziegelei, die dir; Ton-Krdc des Sumpfbodens von Na'amen zus-ammen mit dem Dünensand verarbeitet. Die Fabrik steht in der Mitte zwia-rhen beiden und ist nach beiden .Seiten (zum .Sumpf und zum Sand) mit piner »Schwebebahn verbunden, der ersten dieser Ari in Palastina. Auch die soziale .Struktur des Unternehmen* int Oberau* Interessant. Dm Kapital stammt zum grossen Teil von Juden nun Deutschland tin<l der Tscheehoslovakei, die ihr transferiertes (leid hier investiert haben und dafür einen Arbeitsplatz zugesichert erhielten. Die „Kapitalisten" arbeiten jetzt als einfache Arbeiter. Die neuen .Siedler von Masaryk-Dorf gehören zu diesem Typ von Arbeltern .Sie stammen aus der Tschechoslovakei und haben sich in der Nahe der Fabrik angesiedelt. Die von uns bereits gemeldet« Ansiedlung der Gruppe „Schear Jisehuw" im Norden des Hule- (Jebieten in der Reih« der nach Usslschkin benannten „Mezudat Ussischkln" bei Daphne und Dan wurde am 7. d.M. gefeiert. Ks handelt sich um einen ..Moschaw Owdim" (Kooperative E!nzelsiedlung» nach dem Muster von Nabalal, und der alte Vorkämpfer dieser Siedlungsart Zwä Jehuda hielt die Einweihungsrede. Ausserdem sprach der Dichter Tschernichowski und andere. Der Boden bildet den Toil eines Ktfren Kajemeth- Gebietes von 25.000 Dunam an einer <1er landschaftlich schönsten und fruchtbarsten Stellen Palästinas, nahe der syrischen Grenze. I>E1JTSCH-IIERRA ISCHE TAGESZEITUNG EI WO ESTEIXT Die deutsch-hebräische Tageszeitung <>J«- «iioth Chadasehot h" hat nach wenigen Nummern Ihr Erscheinen eingestellt. In einer Erklärung der Verleger heisst es, dass nach dem Protestbeschluss der Stadtverwaltung von Tel-Aviv gegen dl* Zeitung die Verleger beschlossen »haben, ..ihre Bemühungen, die deutschsprechenden Juden Palästinas der hebräischen Sprache nahezubringen, aufzugeben". Selbst die begreifliche Bitterkeit des Augenblick* sollte freilich nicht die Verleger zu einer Darstellung veranlassen, «I» ob nur die Sorge um das Hebräische ausgerechnet sie zum Einspringen veranlasst hätte. Durch die Einstellung der neuen Zeitung ist dieses Kapitel Vorlauf ig abgeschlossen. In der Frage selbst sind, wie bekannt, die Meinungen Innerhalb der Einwanderer aus Deutschland geteilt. Es wäre unrichtig, die Augen vor dsr Tatsache zu verschliessen. dass Tausende von Einwanderern aus Deutschland, die besonders *n den letzten Jahren in vorgerücktem Alter und unter besonders erschwerenden Verhältnissen hierher gekommen sind, und die sich zumindest zum grossen Teil sehr ernsthaft um die hebräische Sprache bemühen, doch nicht schnell genug - - In vielen Fallen auch zweifellos überhaupt niemals— die Sprache so erlernen können, um ihr Informationsbedürfnls in Bezug auf die Weltvorgange aus der hebräischen Presse zu decken. Es gibt in dieser Frage unter den Einwanderern aus Deutschland und unter den alten deutschen Zlonisten viele Abstufungen und Nuancierungen des Standpunktes. Die Meinung der Mnhrh+j* der verantwortlichen aus Deutschland stammenden Klonisten dürfte wohl so formuliert werden, dass für die Massen der deutschsprechenden neuen Einwanderer eine der jüdischen Beeinflussung und politischen Willensbildung sowie der spezifisch jüdischen und palUstinensisehen Information dienenden und diese zum Teil entfremdeten Menschen ins jüdische Leben hineinführend», sie auch j mit den jüdischen Weltproblemen verbindende j ..Zeitschrift tu begrüssen wäre, dass dagegen eine! in Palästina erscheinende Tageszeitung in deut-1 scher Sprache abzulehnen ist. Neben dieser; (rrundsätzlichen Stellungnahme gibt es natürlich j eine Fülle von Meinungsverschiedenheiten über j die Methoden der Hebraiaierung und überhaupt j über die für nationale Angelegenheiten anzuw«nj denden Methoden auch dort wo man sich über j das Ziel einig ist. j Wir dürfen uns auch nicht verhehlen, daai i jdurch die Ausschaltung deser Zeitung das Projhlem selbst keineswegs aus der Welt ge-! schafft i»t VERMISCHTE NACHRICHTEN Mose he S c h e r t o k. Leiter des Polltischen i Departments der Jewish Agency in Jeni/mlem, hat «ich Im Flugzeug nach t/OtuUm begeben Er wird von Dr. B. Joseph vertreten. f!h Bar las. der seit Kriegsausbruch die Genfer Zweigstelle des Einw»nderun|pi-Denartments der Jewish Agency leitet ist In Jerusalem eingetroffen. Oberrabbiner Herzog von Palästina hat sich zu einem kurzen Besuch nach London begeben Der britische Oberrabblncr Dr Hertz wird zu einem längeren Aufenthalt privater Natur In Palästina erwartet Zum ersten Mal seit der Begründung der Radiostation Jerusalem hielt in der vergangenen Woche ein Ar a her eine Rede in hebraisr h r> r Sprache. Der arabische Gelehrte Riwchi Kamel, I^ehrer an der Berlitz Schule, begann im Rahmen der ..hebräischen Sendestunde" einen Vortragszyklus über die Geschichte der moslemischen Kultur und den Einfluas der Juden auf diese. Nach Darstellung der Quellen des Islam verweilte der Redner besonders bei der jüdischarabischen Zusammenarbeit in der spanischen Knoche. Es wäre zu wünschen, dass dieser Vortrag auch in der arabischen Sendestundc gehalten wird. Zu Ehren der 105 Palästinenser, die als ernte nach dem Weit krieg » in(jfruxindvri sind, wurde dieser Tage bei Gan Schmucl bei Chedera ein Hain zu pflanzen begonnen. Die Kolonie Rechovoth feien am 24 Marz Ihr 50-Jähriges Bestehen. Aus diesem Anlas* hat der Gemeinderat eine Sammlung aller Briefdokumente und Bilder, die sich auf die Gründung beziehen, eingeleitet. ■Rin Wächter namens Ephraim Schulz, der 193* als Flüchtling aus Wien eingewandert war. wurde in einem Dorf bei Jaffa erschossen aufgefunden. Er gehörte der revisionistischen Gruppe an und war einarmig. Untersuchungen sind im Gange. GEDENKFEIERN IN JERUSALEM Anlassüch des Ablaufes der „.10 Tage" fanden In Jerusalem in der vergangenen Woche 2 Gedenkfeiern für Hugo Herr mann statt, die eine veranstaltet von der Hitachdut Olej Czechoslovakia (Redner Robert Weltsch und Siegfried Schmitz^ und eine vom Hauptbüro des Keren Hajessod (Redner Dr. Viktor Kellner und Dr. HantkeK Für Alfred Berger wurde in den Räumen der Bibliothek Schocken eine Gedenkfeier abgehalten, zu der die Universität Jerusalem, die Gesellschaft der Freunde der Universität und die Hitachduth Olej Germania gemeinsam eingeladen hatten. Es sprachen für die Universität Prof. Hugo Bergmann, für die Gesellschaft der Freunde Dr. Rokach und für die HOGOA Dr. WoJfsbcrg. Das Streichquartett der P.B.S. trug den „Tod und das Mädchen" vor. Unter dem Vorsitz von Gerson Stern fand in Jerusalem eine Trauerfeier nach dem verstorbenen Frankfurter Rabbiner Dr. Jakob Horowltz statt. Ansprachen hielten Prof. Dr. Heinemann. Ernst Simon, Riwhn und Rabb. Unna. In Tel-Aviv starb im 59. Lebensjahre J. S. L a z k i - B a r t o 1 d i, ehemals einer der führender. Jiddischisten, und in der Nachkriegszeit kurze Zeit Minister für jüdische Angelegenheiten Im damaligen kurzlebigen ukrainischen Staat. Lazki- Bartoldi, der auch in seiner ..antizionistischen" Periode Sympathien für Palästina hatte, übersiedelte 1935 nach Palästina, nachdem er die Hoffnung auf die ..autonomistische" oder territorialistische Lösung der Juden frage aufgegeben hatte. Er schloss sioh im Lande besonders der Arbeiterpartei an. für die er wirkte und die ihm auch ein imposantes Begräbnis bereitete; aber er genoss in allen jüdischen Kreisen persönliche Sympathien, Auch mit deutschen Juden hat er vielfach zusammengearbeitet. z.B. in der „Welthilfskonferenz" und den Emigrationsorganisationen der vorhltlerlaehen Zeh. An seiner Bahre sprach Berl Katzenelson. Chefredakteur der Arbeiterzeitung „Davar'\ und Josef Sprintak. WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN GENERAL MORTOAGE RANK In der am 4 Februar 1940 abgehaltenen Generalversammlung der General Mortgage Bank of! Patent ine, Ltd., wurde die Bilanz nebst Gewinnend Verlustrechnung per 31 Dezember 1939 ge- | nehmigt und die vorgeschlagene Dividende I von insgesamt "<S% auf die .Stammaktien und \*>i% auf die Vorzugsaktien beschlossen Es wurde! t*>m«r beschlossen, die Dividende, wie in den Vori jähren, am 1 März li»40 zu zahlen. Die turnuai gemäss zurücktretenden Herren des Direktorium* | E Lcvontin, A. Brudni und H. Salomon wurden I wiedergewählt | In der Jahreskonferenz der arabischen ' H a n d c 1 h k « m m c r n Palästinas wurden ver- | schiedene Forderungen an die Regierung formu-! Herl, u.a. Hilfe für die Orangenwirtschaft, ferner | zollfreie Einfuhr von Weizen aus Syrien, Me»hr- | beschäftigung von Arabern bei Regicrungsarbei- I ten. Es wurde gesagt, dass nur 10* V der techni- | sehen Arbeiter Araber sind und dass bei öffent- | liehen Arbeiten die Beschäftigung gemäss dem \ Prozenrs;itz der Bevölkerung erfolgen solle, I Nach langwierigen Verhandlungen zwischen I der Fabrikantenvereinigung in Haifa und dem lokalen Arbeitcrrat wurde eine Teuerungszulage von 10^ zu den Industriellen Arbeitslöhnen vereinbart Dabei wird der Lebenskosten-Index der Statistischen Abteilung der Jewish Agency zu Grunde gelegt. Die Stadtverwaltung von H a i f a beabsichtigt, I mit Hilfe der Regierungsanleihe von LP. »0.000 j ein neues städtisches Verwaltungsgebäude zu errichten. Von anderer Seite wird vorgeschlagen, | die Gelder lieber für Strassenbau zu verwenden, i der einen grösseren Prozentsatz für Arbeltslöhne 1 abwirft. . Diese Woche wurde zum ersten Mal der Weg | von Kairo nach Haifa auf der neuen Autos'.rajx*; in der Rekordzeit von 9 Stunden 2fJ Minuten zurückgelegt. In der Woche vor Purim veranstaltet die Stadtverwaltung Tel-Aviv iAbteilung für Wirtschaft und Statistik) eine Woche der Ernährung, deren Zweck es ist, die Bevölkerung in Bezug auf rationelle Gestaltung des Speisezettels zu unterweisen. Auf dem Programm steht ein wissenschaftlicher Kongresä, der die Sache von der ärztlichen Seite beleuchten wird, eine Ausstellung, verschiedene Frauenversammlungen, Lehrerversammlungen, Vorträge für Schüler, Herausgabe einer Publikation usw. Die Veranstaltung beginnt j am ]6. März 1040. In Tel-Aviv wurde ein neues Gebäude für | das Arbeiter-Theater „Ohel" fertiggestellt, das j Ende nächsten Monats eingeweiht werden soll. { Das Theater hat einen Fassungsraum von 600 j Sitzen und die Kosten betragen LP. 11.500.-- Es j befindet sich im zweiten Stock des Arlosoroff-; Hauses in der Nähe <kv* Dlzengoff Platzes. Zur j Eröffnung findet eine Premiere des Stückes; „Batia" vor. Falek Halnrin statt, das ein palästij nensisches Thema behandelt. | PERSÖNLICHES | Dieser Tage feiert in Tel-Aviv ein Mann seinen 70. Geburtstag, der aua Deutschland eingewandert, eine populäre Figur in Tel-Aviv geworden ist: Dsr Gründer und Leiter des Zoologischen Gartens. Dr. Max Schornstein. D4« Eigenart des Jubilars geht schon aus den Etappen seiner Laufbahn hervor. Geboren in Böhmen, kam er nach Absolvierung de« Breslauer Rabbiner-Seminars in mehrere Rabbinersteüen in j Österreich und war dann 1906 i91S Rabbiner in i Kopenhagen. Nach dem Krieg kam er nach | Deutschland und führte in Dresden ein Antiquij tätengeschäft. In dieser Zeit hat er sich lebhaft | mit der dortigen jüdischen Gemeindepolhik be- |Schäftigt, wie vielen Juden aus Deutschland noch j in Erinnerung sein dürfte. Nachdem er 1938 j nach Tel-Aviv eingewandert war. kam er auf j die Idee, hier einen ZooloyincKen Garten zu gründen. Au» k!eins:en privaten Anfangen hat sich | diese Institution heule so entwickelt, da&s sie! zwar nicht mit den Zoologischen Gärten europäi-! scher Städte vergleichbar Lsi, aber immerhin eini-; ge Attraktionen enthält und vielen Besuchern , Spass macht. Die zentrale Figur tst Dr. Schorn - j stein, der mit seiner Liebe für die Tierwelt, mit ungewöhnlicher Geduki und Ausdauer die* alles : geschaffen hat Viele werden anläßlich «1» 70. Geburtstage* diesem Zoobesitzer gratulieren, dar- I unter gewiss nicht zuletzt viele Einwanderer ' aus Deutachland.

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