Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 6 (12.2.1940)
- Date
- 1940-02-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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12, Februar 1940 jöDISCHE WI- LT*R UNDSC \ f A U Seit? 9 General Mortgage Bank of Palestine Rückblick auf 1939 und Ausblick Von s. JIOOI im Die nachfolgende Veröffentlichung gibt in tollem Wortlaut die Hede nieder, die Herr S. Hoof um bei der Genera! tersammlung der General Mortgage Bank in Tel Aviv am 4. Februar gehalten hat. und die nicht nur darum ein großen Interesse verdient, weil gerade die Kreise der Einwanderer aus Deutuhland einen großen Teil der Pfandbrief Inhaber stellen, sondern auch weit der Redner dabei zu einigen dllgemeinen Uirtsrlutftsfragen Stellung genommen hat. Seit Jahren ist es meine Aufgabe bei der Vorlage der Jahresabrechnung und des Geschäftsberichtes auf die Schwere der Zeit hinzuweisen; und mehr als jemals ist dazu jetzt Anlass gegeben, da sich zu all unseren nur allzu bekannten lokalen Schwierigkeiten noch die Sorgen der K r i e g s z c i t gesellt haben. Geschäftslage der Hank Ich bin glücklich, auch diesmal wieder gleich im Anfang meiner Ausführungen hervorheben zu können, dass die Bank auch im Geschäftsjahr, über das heute Bericht zu erstatten ist, alle Schwierigkeiten in durchaus befriedigender Weise überwunden hat und dass ihre Geschäftslage uns in jeder Hinsicht zufrieden stimmen kann. Dabei denke ich nicht in erster Linie an die Tatsache, da:**» das Gewinn- und Verlustkonto nach durchaus vorsichtigen Rückstellungen mit einem Gcwinnsaldo abschliesst, der wiederum den Saldo des Vor jahres übertrifft. Was mehr ins Gewicht fällt, ist: dass Kapitalrückzahlungen und Zinsen in einem Unitange eingegangen sind, der angesichts der schwierigen Verhältnisse äusserst befriedigend genannt werden kann; dass eine konservative Bewertung aller unserer Pfandobjekte unsere Aussenstände als durchaus gesichert erscheinen läist; und dass wir die Hoffnung hegen dürfen, dass auch das neue Geschäftsjahr indieser Hinsicht wesentliche Aenderungen nicht bringen wird. Man wird, wie ich hoffe, Verständnis dafür haben, dass diese Resultate uns dazu ermutigen, die von uns in der Vergangenheit befolgten Geschäftsprinzipien im grossen ganzen für r i c ht i g zu halten und unter diesen Umständen dürfen wir wohl auch Verständnis dafür erwarten, dass wir an diesen Geschäftvprinzipien, von denen wir glauben, dass sie sich bewährt haben, wesentliche Aenderungcn nicht ohne wiederholte und gründliche Prüfung vorzunehmen bereit sind. Es ist in letzter Zeit so viel über die Verhältnisse im Hypothekenwe>en geschrieben und gesagt worden, dass es von Nutzen sein dürfte, unsere leitenden Prinzipien einmal kurz auseinanderzusetzen. Leitende Prinzipien Erstem: Wir geben nur Amortis.itionshypotheken. Das entspricht nicht nur unseren Geschäftsprinzipten, es ist auch eine uns gesetzlich auferlegte Verpflichtung. Die Annuitäten für Zins und Kapital sind so bemessen, dass sie im allgemeinen 6c % der vorsichtig geschätzten Netto-Einnahmen (d. h. Mietseinnahmen nach Abzug der geschätzten Unterhaltungskosten und Steuern, sowie einer Reserve für Lecrstand) nicht überschreiten. Wir wissen, dass wir uns mit diesem Svstcm im Gegensatz befinden zu dem, das von der Mehrzahl der altctablicrtcn Hypothekenbanken im kontinentalen Europa befolgt wird, welche die verhältnismässig kurzfristige, auf einmal rückzahlbare Hypothek häufig vorziehen. Diese*» System mag seine Vorzuge haben, da, wo eine Reihe von Hypothekenbanken miteinander in Konkurrenz stehen, wo auch ausserhalb der Banken ein reicher Kapitalmarkt den Hausbesitzern offensteht, und wo schliesslich die Hausbesitzvcrhältmssc sich wesentlich anders entwickelt haben, als in Palästina. Wie schwierig heute die Situation, sowohl für die Darlehensnehmer wie auch für die Bank gewesen wäre, wenn die Hypothekenbank nicht strikt das System der Amortisationshypothcken eingehalten hätte — dafür bedarf es keines Beweises. " Zweitens: Wir schätzen vorsichtig, lassen bei der Schätzung den Wert des Bodens ausser Acht und gewähren Darlehen bis etwa 60% des Schätzungswertes. Man hat uns öfters vorgeworfen, dass diese Schatzungsmethode übertrieben konservativ und daher der Entwicklung des Bauwesens abträglich sei. Dass unsere Methode konservativ ist, gebe ich zu. Das ist . unsere klare Absicht. Dass dieser Konservatismus übertrieben weit geht, gebe ich nicht zu. Man möge sich einmal in unseren letzten Jahresberichten den Totalvcrkaufvwcrt freihändig verkaufter, bei uns verpfändeter Grundstücke ansehen und' ihn mit dem totalen Schätzungswert vergleichen. Jahr Totalei Verkaufswert Totaler Sdui/ungiwcrt 1936 LP. 224.275.— LP. 156.460.— 1937 LP. 1 1 5.366.— LP„ 92.M0.- 1938 LP. 141.255.— LP. 118.227.- '939 LP. »75-779- — LP. .50.697.- Es stellt sich dabei heraus, dass im Durchschnitt wahrend der letzten vier Jahre der Marktwert 27% über dem Schätzungswert lag. Aber es stellt sich gleichfalls heraus, das.%, wie bei ruckgängiger Konjunktur nicht anders zu erwarten war, die i endenz eine absteigende ist. Im fahre 1936 betrug die Differenz 43%, im Jahre 1939 — 17'vj. Das sind eben die Dinge, die die Leitung einer Hypothekenbank vorauszusehen hat, wenn sie auf 15 oder 20 Jahre ihr Gehl hergibt. Das ist der Grund, weshalb sie nach vorsichtiger Schätzung noch eine reichliche Marge nehmen "•hü. Kann man angesichts die>er Zahlen ihren eingestandenen Konservatismus für übertrieben und wirtschaftsfeindlich halten? Ein drittes Prinzip, an dem w;r unverbrüchlich festhalten, ist, dass wir nur dort Darlehen geben, wo wir an die Existenz eine«, freien Grundstücke warviei glauben. Ein Grundstück, von dem wir nicht glauben, dass es sich gegebenenfalls in der Zwangsversteigerung zu einem Preise veräußern hisst, der sich irgendwie dem Schätzungswerte nähert — solch ein Grundstück beleihen '.vir nicht. Wir nehme« sowohl die geographische Laue in Betracht wie auch die Natur des Grundstückes. In Dörfern und Kolonien, wo e*i nach der ganzen Natur der Dinge keinen freien Grundstücksmarkt gibt, können wir keine Darlehen geben. Aber auch in den grösseren Städten können w.r öffentliche Gebäude, Schulen, Sv nagogeis, Krankenhäuser und andere derartige Anstalten, die nicht zum Verkauf gestellt werden können, nicht beleihen. Dasselbe gilt tur l'abrikgcbäudc, liefen Wert davon abhängt, dass die betreffende Industrie mit. Erfolg arbeitet, Gebäude, die meistens nur einen Bruchteil ihres Bauwerk--, bringen — falls sie überhaupt einen Kauf er finden — wenn :11c /um Verkauf gestellt werden müssen. Viertens: Wir vermeiden unverhallmtminnft grosse Risiken. In unserem ganzen Hypotheken» bestand findet man nur sieben Darlehen über LP 5.0;-;.-- im Gesamtbeträge von LP. 59.424.-- und es handelt sich dabei durchweg um grosse Mictthäu.cr, die, Agglomerationen kiemer Ob-, jektc darstellen. Grosse Objekte, die auf den wirtschaftlichen Erfolg einzelner Betriebe angewiesen sind, wie Kinos und Hotels vermeiden wir. Dies Mild unsere vier grundlegenden Prinzipien. Daneben gibt es noch eine Reihe von Richtlinien, von denen sich nicht sagen läs^t, ob sie sich nicht im Laufe der Zeit veränderten Verhältnissen anpassen müssen, Aus der Anwendung dieser Grundregeln ergibt sich, dass der Durchschniiiibeirag unserer Darlehen ein verhältnismässig niedriger ist, dass wjtr nio-mals in die Lage kommen, übermässig schwere Anforderungen an unsere Darlchcn-mchrner -.teilen /u müssen und das-» Besitzer grosser Objekte an den Hauptgeschäft tsstrassen unserer aufffreuenden Städte gelegen, naturgernäss Privathypo-, theken unseren Darlehen vorziehen müssen. Nfc'ir haben in kaum nennen »wertem Umfang Hypotheken in der Her/1- und Alienbystravvc in Tel- Aviv, in der Ben - jebudastrassr in Jerusalem oder m der Herzlstras'.c tvs Hadar-Haearmcl und keine einzige in: reklamierten Hafengebiet Haifa's. Es ist nun erlaubt, .um die. f rage zu stellen und man stellt sie uih auch — ob u>ir in du'ser Vorsicht nicht zu weit gehen und üb wir überhaupe Ar, unserer GcscnUr t\- methode uns wohl genügend dessen bcwuvvt -and, dass wir ein halb-öffentliches Institut sind, da-» öffentlichen und nationalen Zielen zu dienen hat. Auf die'Gefahr hin, dass diesmal meine Em- Icttungsredc recht lang werden wird, mochte ich auf die-iC Trage eingehen Die Öffentliche Aufgabe Untere Antwort t>>t: Ja, wir und uns unserer oflentiuhtn Aut^f'nlollkummcri bewusst und •Air glauben, ihr :m sollen* Umfange gerecht-zu * erden innerhalb der Grenzen, die uns gezogen sind durch die Natur der OucMc, aus der wir unsere Mittel beziehen. Der weitaus grösstc Teil