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Jüdische Weltrundschau · 1940-02-05 · 5 (5.2.1940) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
5 (5.2.1940)
Date
1940-02-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 5. Februar 1940 »teilt. Daher muss der Nachdruck darauf gelegt werden, dass auch andere die Opfer Hitlers Bind. Die Juden wurden nur als Aushang« - schild für die wirkliehen politischen Ziele vt-iwendet. Mit welcher frivolen Offenheit das geschieht („wenn es die Juden nicht gäbe, mauste man Hie erfinden...";, kann jeder au« Hitlers eigenen intimen Äusserungen entnehmen, die Hermann Rauschning in seinem aufsehen-erregenden Buche „Hitler spricht' („Hitler speaks", Verlag Thornton liutteiworth Ltd. London, 10/6) wiedergibt, auf da» wir noch zurückkommen werden. An der Methode, die ihm feindlichen Länder innerlich durch antisemitische Propaganda zu zerrütten, hält der Nazismus fest. Ks ist eine seiner stärksten Waffen. Heute noch unbemerkt und von vielen geringgeschätzt, kann es morgen zu einer Macht gerade in den breiten und dumpfen .Schichten der Massen werden. In einem der letzten Hefte der Londoner Zeitschrift „New Statesman and Nation" erzählt der Verlasser der ständigen Rubrik „Londoner Tagebuch" von Unterhaltungen, die er mit Leuten aus dem Volke über die Juden hatte. Ein Mitglied der faschistischen Union, die sich jetzt nur noch „British Union" nennt, sagte, er habe Ver-j trauen zu dem Worte „liefujew", das in Städten wie Manchester und Leeds, aber auch dem vorwiegend proletarischen Lastend Londons in zahlreichen Aufschriften prangt und mehr wirkt als Argumente. Es ist eine Verballhoraung des englischen Wortes „Ketugee", politischer Flüchtling, dessen letzte Silbe statt des i-Vokals einen u-Vokal erhält und dadurch das Wort „Jude" („Jew") in seinen Ausklang bekommt. Die Flüchtlinge Bind nicht beliebt, abenteuerliche und phantastische Lügen über ihre Zahl und ihre Geschälte werden verbreitet. Antisemitische Agitatoren gehen in die Kneipen der niederen Volksschichten („pubs") und verbreiten dort von Mund zu Mund verleumderische Äusserungen gegen die Juden, die an dem Krieg profitieren, volkstümliche Witzworte, deren Wahrheit nicht nachgeprüft werden kann, und wenn das Wort in Zirkulation gesetzt ist, geht der Mann weiter ins nächste „pub" und beginnt seine Arbeit von neuem. Man kann sich vorstellen, wie viele tausende Menschen auf diese Weise von der Propaganda erreicht werden, ohne dass die ernste Presse davon Notiz nimmt und die intelligente öffentlich keit überhaupt davon etwas erfährt, in aller Stille arbeitet man ton unten, die bewährte Nazi-Methode. Der Journalist des „New Statesman" fragte seinen Gewährsmann, ob ei denn die von ihm verbreiteten Nachrichten selbst glaube, und erhielt die Antwort, es sei völlig gleichgiltig, ob die Behauptungen wahr seien oder nicht, die Hauptsache sei, sie wirken. Ein Satz, der geradezu wie eine Paraphrase aus „Mein Kampf" oder aus Rauschnings Hitler-Gesprächen klingt. Man darf die Gefährlichkeit dieses Maulwurfs- Kriegs der Nazis nicht unterschätzen. Auch musa man wissen, dass mit intellektuellen Methoden da nichts auszurichten ist, da sie in jene Spelunken des Wahns gar nicht dringen. Auch die andere Seite wird inj» Volk gehen müssen, von Mann zu Mann und von pub zu pub, wenn sie der Vergiftung Einhalt tun will. Es gäbe da genug zu erzählen über Hitler und über Deutschland, und sogar Wahres. Aber wenn man dem Gegner dieses Feld überlässt, so riskiert man, plötzlich vor einem Aufstand dunkler Kräfte zu stehen, die sich ihr Reich in der Unterwelt geschaffen haben. Die Juden selbst können freilich diese Arbeit nicht oder fast nicht tun. Aber die Mächte, die die heutige Zivilisation erhalten wollen, mUsaten sich dieser Mühe unterziehen, denn sie müssen ja inzwischen gelernt haben, dass der Kampf der Dunkelmänner nur scheinbar gegen die Juden gerichtet ist, in Wahrheit gegen die Zivilisation und die JischuwundEinwanderer In Tel-Aviv /and eine Kvnlnm* der Vere4niynn(f der füdixrhen hinvnmi .fr ntm Dcutxfh- Uind und Österreich (Ilitachduth Olej Germania \re ole) Austritt; ntait, be% der die Iamqi der Sinuxinderer ausführlich besprochen wurde. Referate Kielten Dr. Herbert Focrdrr Uber die Lage der Kinwanderer und über die Forderungen der HOOÖA, Benno Co/m Uber organmitorterhe Fragen, Felix ftoaenblüth über politinehe und wirt*ehajtlir:hc Probirmr. Wtr neben nac-hntehend einige Abnehmt ti: «w* dem Referat wm Dr. Frtcrdcr wieder. R«mI, Die Arbeitsunterbrechung der verschiede-S i» c h a w wie allen anderen tut Verfügung nen Institute, die für die wirtschaltlicne Ein- > »(eben müssen, ohne die wir gezwungen »lad, ordnung der deutschen Alijah von wesent-1 unsere BetreuunK»arbeit, die sich auf Tätlicher Bedeutung waren, trifft uns in einem i send» von Menschen and gerade die tfedirfwirtschaftlich besonders kritischen Moment, j tigsien er*treckt, einzustellen. Es ist ein natürliches soziologisches Gesetz, | Ich erinnere an eine besonders wichtige dass Wirtschaftskrisen immer Neucin-J Frage: Die Fortbildung Jugendwanderer als wirtschaftlich schwächste 1 i c her. Auch diese Arbeit ist ohne jede Schicht des gesamten Jischuw am schwersten j finanzielle Hilfe undurchführbar. Wenn wir treffen müssen, | schon nicht alle alteren Menschen wirtschaft- Es kamen Hunderte und Tausende neue | lieh einordnen können, niemand sollte es zu¬ Menschen, zum Teil ohne jede Mittel, ins j lassen, dass es junge Menschen gibt, für Land. Niemand wird bestreiten können, dass! deren berufliche und geistige Fortbildung es nicht Aufgabe eines speziellen Kreises j nicht das Notwendigste getan wird sein kann, diese Menschen einzuordnen, son-1 Wr werden aber diese Forderung, deren dern, dass hier eine Gesamtverantwor-! Berechtigung niemand bestreiten kann, nur tung des Jischuw besteht. Wir müsj durchsetzen können, wenn wir im Gesamtsen mit Nachdruck verlangen, dass es eine jischuw als politisch relevanter Instanz gibt, die sich für das Schicksal die- Faktor empfunden und anerkannt sind, ser Menschen voll verantwortlicn fühlt. j Es ist nur natürlich, dass jeder'Teil des Ji- Dazu kommt, dass sich im Kähmen unse-! schuws, ohne dass dauei die Gesamtinterrer Arbeit, insbesondere unserer Arbeitsverj essen vernachlässigt zu werden brauchen, zumittlung herausgestellt hat, dass sie sich j nächst einmal seine speziellen Interessen immer mehr als eine solche weitester Schichj wahrnehmen muss. Wir müssen dies tun ten von Nichtpoalim und aller der M e n -! gegenüber der Jewish Agency, gegenüber den sehen über 30 Jahre, die im Au-! Munizipalitäten, wir müssen dies insbesongenblick nicht in die H i s t a d r ut h Jdere auch tun gegenüber dem Waad Leein t r e t e n können, entwickelt hat. u in i. Die Arbeit des Waad Leumi hat eine steigende Bedeutung und wir sind sicher, dass er bereit ist, im Rahmen seiner Möglichkeiten auch einen nicht unwichtigen Teil des Jischuws —der deutschen Alijah - bei ihrer Fussfassung im Lande zu helfen. Wir wollen nicht nur als Petenten bei unserer Mitarbeit im Waad Leumi erscheinen, sondern als Koordinierte in Rechten und Fluchten. Es gibt bei uns spezifische Begabungen auf bestimmten Gebieten. Wir werden ein konstruktives Programm ausarbeiten und sind überzeugt, dass es von Bedeutung werden kann, weit über unseren Kreis hinaus. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in einer Kriegszeit leben. Es ist eine selbstverständliche Forderung, dass alle Bürger dieses Landes loyal mithelfen, unter allen Umständen die Intentionen der Regierung zu erfüllen, selbst, wenn dies im einen oder anderen Falle dem Einzelnen Nachteile wirtschaftlicher Art bringen mag. Die Stellung der Juden im Lande, soweit sie aus Deutschein erheblicher palästinensische Schliesslich haben wir Hunderte von Intellektuellen zu versorgen, und gerade Juden sollten die Sorge um diese nicht allzu gering einschätzen. Wir sind, obwohl wir alles versuchen, was getan werden kann, einem solchen Ansturm nicht mehr gewachsen. Über die Arbeit unserer Organisation einige wenige, aber vielleicht charakteristische Zahlen: Im Jahre 1930 nahmen 70.000 Besucher die Büros unserer Organisation in Anspruch, darunter 19.000 Arbeitsuchende. Es wurden 2.000 Stellen vermittelt. Ca. 2000 Arbeitsuchende wurden Ende Dezember 1939 nur in Tel-Aviv registriert. Es wurden Hunderte von Krediten — trotz der sich schon bemerkbar machenden Knappheit der Mittel— mit Hilfe der Deutschen Abteilung zur Verfügung gestellt. Unsere Kupalh-Eser bearbeitete ca. 1500 Fälle und hat in 1250 Fällen Kredite von insgesamt LP.4900 bewilligt. Wenn wir aber keine eigenen Geldmittel iand eingewandert sind, mehr zur Verfügung haben, so sind wir an-:Teil von ihnen sind schon gewiesen auf die Quellen, die es gibt, and die ans als einem im Jischuw Staatsbürger Teil desjdeutig. ist in dieser Beziehung eingeistige Ordnung von heute, die mit den Juden mitbegraben werden soll. Was uns Juden betrifft, so dürfen wir uns gewiss keinen Illusionen hingeben, wo immer wir heute wohnen. Dieser Weltkampf, der jetzt an seinem Anfang steht, und der bei längerer Dauer gewiss noch wildere Formen annehmen wird, entscheidet auch das Schicksal der Juden, und zwar in jeder Hinsicht und überall. Jetzt darf keiner abseits stehen. Es geht darum, ein vernünftiges, mit den Realitäten vereinbares, konstruktives Programm für die Regelung der Judenfrage vorzubereiten, und wir rufen die Juden aller Richtungen und ohne Unterschied von Herkunft und sozialem Rang (wie schnell kann der sich ändern!!) zur Besinnung und zur Zusammenarbeit. Eis gibt heute für uns alle nichts wichtigeres, als uns zum Kampf für unser Lebensrecht ziiiammenwiacnlloaifn. Niemals noch war es so offenbar wie jetzt, dass die Judenfrage die ganze Menschheit angeht, denn niemals noch ist dieses Motiv in der Hand eines Bösewichts so sehr zum Instrument seiner Machtziele geworden. Aber die Judenfrage ist mehr als nur ein Element, im Kampf um Hitier, Sie ist vor allem die Sache der Jude selbst. Wir sind mehr als je in alle Winde zerstreut, oft ohne Nachrichten, aber so weit es geht, müssen wir die Verbindung aufrecht erhalten, auch über die Vielfalt unserer Sprachen und unserer Interessen hinweg. Ein einheitlicher jüdischer Wille, der überall zu erkennen ist, und ein mit der praktischen Vernunft und mit den Grundsätzen der Menschlichkeit im Einklang stehendes Judenprogramm, das überall in der Welt von Juden mannhaft vertreten wird, wird sich Beachtung erzwingen in einer Welt, die sich in steigendem Mass der Notwendigkeit bewusst werden wird, vernachlässigte Probleme zu entwirren. Zu einer solchen Haltung, die den Lebensnotwendigkeiten und der Ehre entspricht, wollen wir beitragen.

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