Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 5 (5.2.1940)
- Date
- 1940-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDISCflf Ksasfctioa, Verls« anal Ansät«««Verwaltung: linMiMi t. O B 6«0; 5. JUn Jthnda Str., T«l*pSoe 107». Fiir i)n*rrl»n«t* Manuakriftp wird k*ln* Garant!« üb#rn^mmen. J#d«r Kinaandunt: oder Anfrtf« iat «in iittfnational»? AntworturriMn h<uiifü»>n Zutchrtft-n für 4I# Redaktion wftdtn nicht an Ktn*'!»*r»oft«i. aonaVrn k PITRPTTAR IQ.ln an 41, Reaktion. J#ru.al,.m. I*. O H. 6»* 5 HibKÜAK 1910 «lERIJSiMJsM JAHRGANO 11 / Nr. » ms ra SCHAU Brachalnt slnsial «teaaaUlcb: AutalzaBSunaJuna ftr »IIa Lln««r" •ttM«h)l"««Uch Jaruaelem F.O.B. ei». — Aturl(rnl««t* p»r t,uft|x>»t rr!.. l. n - - Di« Ana*l*»n H#U« i*rfäM In Spalten, J<« 9.« an br*it Orundpr*!» 1 t*eh ,-.-a» <-m »h $/, j» Hp»U*. Mlstmalcrease l| lach (3,75. cm) IUiMga»t»tM T»rfl Mal« am HeMttna d. ItlaitM .Sfürmer-Melhoden in Prag Dunkle Mächte Seit der Besetzung Böhmens und Mährens durch die Nazi-Truppen übt /Jrvrftc/ibtfKi ch> tatsächliche Gewalt in diesen Gebieten aus Alle»; ursprüngliche Gerede von einer „kulturellen Autonomie" der Tschechen war natürlich barer Schwindel. Wenn man bedenkt, wie ein grosser Teil der Welt sich von der deutschen Propaganda '< Uber angebliche Unterdrückung der deutschen ' Minderheit in der CSR (später auch in Polen) i tauschen und fangen lies», muas man fragen, was i diese Kreise jetzt zu der Art und Weise sagen, | wie Nazi-Deutschland »eint Minderheiten: (Tschechen und Polen) behandelt.. Sie sind völ-; iig rechLlos, werden beraubt und vertrieben, und auch ihre Kultur schreibt Naai-Deutechland vor, nämlich brutaler Zwang zur „GleichscJuiltung", der da« tapfere tschechische Volk mit. äiiAser.iter Energie Widerstand leistet. Sämtliche tschechischen Hochschulen sind Jetzt gesperr,, in allen tschechischen Gebieten wird rückäichtaio* germanisiert — da» ist da« Resultat der ..Verteidigung" der deutschen Minderheit in der CSR, der es, verglichen mit der jetzigen Lage der Tschechen, geradezu paradiesisch g«~ gangen ist. Zu den Kulturgütern, die Deutschland den Tscbechen aufdrängt, gehört auch der Antisemitismus. Die Tschechen wurden mit Drohung, Gewalt und Zuckerbrot zur Annahm« des brutalen Antisemitismus deutscher Prägung verhalten. Mit welchen Mlüein mar. dabei arbeitet, geh-c hervor aus der in Böhmen gegründeten antisemitischen Presse Ks lohnt sich, einmal eine Oberlicht über diese Machwerke zu geben. Arn 12. Mai litt» erschien in Prag die erate Nummer der Zeitung „Stit Nanoda", zu deiMSch „Schild d*s Volkes". Der Chefredakteur Karel Kaaanda weist darauf hin, das* das Blatt bereits im Jahre 1919 zur Verteidigung der Intel eisen des tschechisch-slowakisch arischen Verbandes gegründet worden sei. Bezeichnenderweise wird die ganze erste Sei;e des Blattes ausgefüllt durch ein Bild HiUer*. das von einem Gedichte Kasan das an den „Arischen Adler" begleitet wird. Kasanda veröffentlicht dann eine proe^anunatiache Erklärung, worin es heisst: „...Die Juden benutzten unsere Republik aU geeignet« Bastei gegen Hitler und die arischen Deutschen, Ich bin Tscheche, Angehöriger eines grossen Stammes der Sktven ich kann nicht und will auch nicht ein anderer sein. Ich bin auch Arier und die*« arische Verwandtschaft erlaubt mir, wenn ich auch einer anderen Naüon ab der der Deutschen angehöre, mit den arischen Deutschen zu wetteifern. Der Mephisto, der Jude, iat verschwunden... Ich glaube, daes der Führer, der an Gott glaubt,... auch ein Schutz Korr unserer nationalen und religiösen Getühie sein wird Ich glaube nicht nur an den absoluten Huy de* Panarvrmus, sondern auch an die Auferstehung der (Sktven" In der Niv 2 des „Stit Näroda" wird auf der ersten Seite dieses Blattes die Karikatur eines Juden gas* nach dem Muster de» .Würmer*' veröffentlicht Wie sehr die Methode Streicher* auf. Kasanda eingewirkt hat, beweist auch die 3. Nummer seiner Zeitung, denn hier seh*« wir «in Bild unter dem Titel „Juden — Vampyre und Verbrecher". Auf der Zeichnung erblickt man einen Juden im Zimmer eines halbnackten Mädchens, Immer wieder wird auch in dieser Ausgabe die Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen auf der Basis des Antisemitismus gepredigt. Auch die KUualmordfrmge wird als antisemitisches Kampfmittel in diesem Blatt« aur Sprache gebracht In einem Artikel „Manaryk und die Ursache der moralischen Zerrüttung des tschechischen Volke«" wird dem großen Staatsmann vorgeworfen, er hnhc überall die Juden begünstigt und «ein Amt su seinem eigenen Vorteil verwaltet Es wäre ermüdend, noch weitere Artikel dieses Blattes zu besprechen, von dem acsi 16 Dezember erat die Nr 13 erschienen ist. Das Blatt dürfte durch den Hinv/eU auf seine ersten Ausgaben genügend charakterisiert sein Die Tageszeitung ,.V I n j k »", zu deutsch ..Die Fahne" ist das Butt; des „T.schechischen Nationalen Lagers", der stärksten antisemitischen Gruppe in Böhmen und Mahren, das ursprünglich von Jon Ryn gefaltet wurde Für XttrnbrrKcr (ivvtim Wenn auch die Sprache der „Vlajka" nicht mit dem „Stürmer"-Ton des „Sti:, Näroda" verglichen werden kann, so tst *ie nicht minder antisemitisch eingestellt als das Biati Kasanda* Auch diesen Blatt verlangt immer wieder die Einführung der Nürnberger Gesetze im Protek- Und jüdische Aufgabe Eft ist vielen aufgefallen, das« Churc hMI in seiner grossen Kede, die eine Abrechnung mit Hitler war, unter den Opfern der Hit ler- Barbrtrei /war die Tschechen und Polen, aber nicht die Juden genannt hat. Ähnlich verhüll es sich mit einer Hede Daladlers aus den letzten Tagen. 80 wie da» englische Blaubuch und das franz<ie»i»ehe Gelbbuch mit ihrer Darstellung der Vorgeschichte des Krieges in einer Offenheit, die vor Kriegsausbruch unmöglich war, neben der politischen auch eine moralische Bewertung des Nationalao- «ialismu» enthalten, so haben jetat die Ijeiden StaaUsmänner ohne diplomutiache Rücksichten Uber den kulturellen Aspekt dieses Kriegen sprechen können. Hie haben da so manches gesagt, aber nicht alles. Denn Nazi-Deutachland hat zu einer fteit, wo es noch auf das Aualand Rücksicht nahm, vor allem die J u - den. die seine eigenen Staatsangehörigen töi&t. in einem Artikel „Der dritte RituaJmord j ^ar-eri und daher keinen Sehuti genosuen, zum la Polna" wird dieser birtbmii.Fall von n«uem(obj€kt t Grausamkeit gemacht, und hm behandelt und du, Rltuaimord-Beschulchgung 1 fc { Tag suchen sie die Juden al« gegen die Juden erhoben .. *» , ... . . « Uhren Hauptfeind darzustellen; sie verbreiten 1 k ST X UtU* »A r'J * k a Lr °#n m*" ' 8°eTar in den feindlichen Ländern die Meinung. Är^Ä,T. Sr ^iai»^pftcn ^c vo; a,,T Kcr r ren Zeitung nahesteht, hat der Prager Regierung! und *is Ä1'M?n (li<lBe die g^'hoimnisvollen Erreimmer wieder Vorschläge unterbreite, die dara»tf! S** diese» Krieges. England selbst hat In hinzielen, uie Judenfrage in Böhmen und Mähj seinem Weisshuch von Oktober 1939 die Boren zu einer radikalen Läsung zu •bringen. Da*» (••richte seiner Konsuln über die Behandlung zu den Punkten des Programme* diese» Verj der Juden im November 1938 veröffentlicht, bände» die Einführung der Nürnberger Gesetze Warum also erwähnt Churchill diese MiMhandgehört i*t selbstverständlich. In ein«m Artikei i ,ungen und die3e Täuschungsmanöver mit :d!: ÄÄiSsr;^ r i «^»« r «visn5f erbittuche Kampf gegen die jüdischen Parasiten, j *ber hftt Ursache in Jener bewußten die unser Volk su tragischen Abenteuern ver- ' unbewussten Scheu, jüdische Angelegenführt haben Das Motto des Arischen Kultur- ' heilen in politischen Reden zu behandeln; die Verbandes ist: „Geyen die Juden bim tum letzten j demokratischen Staatsmänner des Westens Juden".! anerkennen natürlich nicht die Einteilung der Auch die antisemitische Tageszeitung , Nas tu p Menschen in , .Arier" und Juden, und sie be- Cer venobi ly ch" trägt einen symhoüschen i trachten als politische Kategorie zwar Völker Namen Er bedeutet nämlich „Dvr Au(»tif»j de, \ Wle Poicn und Tschechen, die gerade erflt ihres Rot.WeU«*'; d h aiao derjenigen, die sich j»iStaatM berauht Worden „ind nichJ aber die d>* rot-weisse tschechische fahne schare«. \ Juden. Auch will man offenbar alle« vermei dakteur dieses BlaUes. das ebenfalls in Prag erscheint, ist Dr. Zd Zäsfera Mit kleinlichsten wa» den Eindruck erwecken könnte, als ob man um der Juden willen diesen Krieg führte. So wie früher in manchen Ländern sofort jede staatliche Unterstützung und die ihnen Mitteleuropas liberale Parteien Angst davor hatten, als ..Judenschutzparteien" zu gelten Mitteln wird auch in diesem Blatt gegen die Juden operiert. Auch wird verlangt, dfws den Juden zustehenden Pensionen entzogen werden. Von der Konjunktur getragen, erschienen tn und sich daher lieber nicht zu deutlich für die Prag und auch in anderen böhmischen und mäh riacben Städten noch weitere derartige Zeitungen, von denen wir «ur noch die „S a r o d n i V y s - v a " („Voikaaufruf') Prag und die ... N h r o d n \ Tabör" «„Voikslager") Brünn nennen woilejn Juden exponierten, so ähnlich verhält es sich heute im internationalen Leben. K» zeigt un», wie stark die suggestive Kraft de» Antisemitismus selbst Uber seine Gegner ist. Und hier Jaroslav Veverka, der Autor dt* im Sommer 1936 beginnt die Sache für uns interensant zu werin Prag erschienenen Buches „Odbidovsffci", zu , flcn. Wir wissen m nicht, aber wir können deutsch „Mnifuden", setzt ihm das Motto voran:; vermuten, da»s selbst in England, wo die un- „Soll ein Garten bHihen. muss man das Unkraut ent.; terirdigehe Nazi-Propaganda besonders aktiv fernen- In der Binleitang erklärt er, er sei auf die die Tendenz vorhanden Lst, den Hörern zu Ida« daa^n^dens-oaiÄderTragödi« des uche-1 wa« die Hitlerherrachaft auch abgeehUehen Volke, gekcz^men, er hake die Ursache , h y bekannten Schandtaten yeywi dtesss Unglücks gasucht und sie auth gefunden.: . . ... . . r.^r, ... , r, . * <m So wie ehT Haus, das «inen schiechten Unterbau:^'» bedeutet. Denn du- Bekämpfung .ler hat. zusammenfällt, so bricht das Volk zuaam-1 Juden geben die Nazis zu, ja aje rühmen sich man. dessen GrundJagen schlecht und morsch; ihrer; durch deren Brandmarkung also Lh\ sind. „Die Juden wissen warum" meint er. 1 der Feind in den Augen vieler nicht hlostfge-