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Jüdische Weltrundschau · 1940-01-29 · 4 (29.1.1940) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
4 (29.1.1940)
Date
1940-01-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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29. Januar 1910 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Seif e 5 Eine hebräische MonatssehidU ,„, "»J^J™?™ Unter den hebräisohen Zeitschriften, dir in Palästina erscheinen, nimmt die Monatsschrift ..Mosnnim" eine «an/, besondere Stellung ein Sie ist das Organ des hebräischen Schnftstellerverbandes Palästinas und knüpft an die alte bewahrte Tradition der hebräischen Publizistik und Dichtung an. Die Zeitschrift erscheint mtt Unterstützung des ..Biahk-Ins'itutes bei der Jewish Ageney". Der geistige Einfluss von Bialik ist in der ganzen Führung der Zeitschrift bis heute zu spüren. Diese ..konservative" Haltung hat auch rchon zu einer kleinen Revolution innerhalb der hebräischen Seh riftste Hervel t geführt, dehn die jüngeren Elemente möchten eine stärkere Aktualisierung und haben überhaupt auf manchen Gebieten anderen Ansichten. Diese* Thema hat bei der letzten Konferenz des Schriftsteller^ Verbandes vor einigen Wochen eine grosse Rolle! gespielt und wurde so formuliert, dass die Oppo-: sition die Ausgabe einer lebendigen Woehennchrift1 anstelle der schwerfälligen Monatsschrift forderte.: Trotzdem ist die Monatsschrift unter der vorrügi liehen Redaktion von Jacob h'u-hnmnn erhalten geblieben und die Resolution, die daneben die; Gründung einer Wochenschrift empfiehlt, dürfte \ bei den heutigen äusserst schwierigen Verhält-; nissen zuniit.rh.st wohl nur auf dem Papier bleiben.; In dem letzten Heft der Zeitschrift (1. Heft | des 10. Bandes) sind der Konferenz manch« Bej merkungen gewidmet und auch die Eröffnungsrede! dea Präsidenten Schimonowhz abgedruckt. Dfis | vorzügliche Heft enthält an leitender Stelle einen Aufr&tz über die künftige Gestaltung der zio-j ni« tischen Politik von H. Zemaeh, über) den wir an anderer .Stelle berichten. Aus dem \ übrigen Inhalt der Zeitschrift sei erwähnt ein, Aufsatz von Martin Buber über »ein* BlbelUber-! setzung. ferner eine Arbeit von Professor Ja»ef \ Klausner über Paulus und die Juden. Klausner, dessen Jesus-Buch auch in deutscher j Übersetzung erschienen ist und sehr bekannt; wurde, ha* soeben sein hebräisches Paulus-Buch j beendet. In dem hier abgedruckten Kapitel weist Klausner darauf hin. da'--! d:u« Judentum mit Recht die Lehre von Paulus abgelehnt habe, obwohl bei ihm Worte von grosser Erhabenheit und Tiefe stehen, die Gemeingut der Menschen «worden sind "Klausner erwähnt z.B. die herühm.'en V\orte über die Liebe > Ks wäre aber fafs-fh. da.s Verhältnis von Juden zu Paulus einfach auf die Tatr-n-he zu beschränken, das.« das Judentum die paulmis.-he Wendung nicht mitgemacht hat Wir dürfen daran nicht vorbeisehe i. dass die Figur des Paulus von der allerfjrösxten Bedeutung für die Weiteresutten.: dr.t Judentum* wurde, denn durch seine Botschaft an die Welt der Heiden ist die jüdische Bibel Besitz der christlichen und später auch mohammedanischen Weit geworden, und die Möglichkeit der Existenz der Juden unter den Volkern im Gallith ist zum grossen Teil auf diesen Umstand zurückzuführen. Nur wo dieser Einfluss der jüdischen Bibel neben der Kultur Roms und (iriecheniands zu spüren ist. in-der christlich-europäischen und islamischen Kultur, konnten die Juden als eigene Gruppe überhaupt bestehen bleiben; auch wir Juden müssen daher den Paulus als einen der „Wegbereiter des Messias" betrachten. Eint« grosse literarischkritische Studie über Jules Romain veröffentlicht A. Reuben; »n dern Heft. Andere literarische Mitarbeiter sind Fichman selbst. Jizehnk Schoenborg, Dov Stock und I. L. Baruch (der eine Szene aus Goethes Faust beisteuert), In Fortsetzungen erscheint ein Sigmund Freud-Roman von Jochanan \ Twersky. Eine Reihe von Aufsätzen sind dem verstorbenen hebräischen Schriftsteller Reuben Hrutntn gewidmet, ein anderer Teil der Würdigung des palästinensischen hebräischen Romanschriftsteller.1* Asi'hi'r War*«'.'.* anlässlich seines 50. Geburtstages. Daneben enthält das Heft noch zahlreiche andere wissenschaftliche und literarische Arbeiten und Bemerkungen. Man würde wünschen, dass eine solche Zeitschrift auch eine internationale Verbreitung findet. Musik in Palmtina IMS KONSERVATORIUM BERICHTET Uber das „Palästina-Konservatorium" in Jeru salem wurden in der letzten Woche in einem Presse-Tee von Frau Dr. Helene Kasan überaus interessante Mitteilungen über die Entwiek hingen des Instituts gemacht Der Leiter des Konservatoriums. Emil Ummer, befindet sich gegenwärtig in Amerika, um finanzielle Beiträge für den Bestand des Konservatoriums zu «Ammeln. —Es^wurde' "rriUgcteül. dass demnächst rln Konzert unter der Leitung von Toncanini in New York stattfinden wird, dessen Einnahmen vollständig für das Konservatorium in Jerusalem .gewidmet sein werden. Bei diesem Konzert wird auch der Geiger Adolf Busch mitwirken, der gleichfalls bereits in Palästina aufgetreten ist. Auch Jehudi Menuchin hat versprochen, im Herbst in Amerika ein Konzeit zu Gunsten des Konservatoriums iu geben. Die gesammelten Gelder sind bestimmt für den Bau eines *:iijen*nr Hnuitr.it, für das der Kirren Kaieinith bereits den Boden in Hechavia neben der Terra Santa zur Verfügung gestellt hat. Die Kosten des Baus sollen sich auf LP 32.000.- belaufen. Hierzu haben auch die Erben des vor einiger Zeit in Amerika verstorbenen jüdischen Pianisten Josef Gabrilowitsch beigetragen. Heute ist das Konservatorium provisorisch in unzulänglichen Räumen untergebracht. Bei der Gründung im Jahre 1933 hatte das Konservatorium 9 Lehrer und 85 Schüler. Heute hat es 37 Lehrer und 317 Schüler (davon 103 Pianisten, 62 Streicher, 12 Bläser. 38 Sänger, 14 Tanzschülerinnen und 38 Schüler des Seminars für Musiklehrer >. Frau Dr. Kagan teilte mit, dass beabsichtigt ist, im neuen Saal der Histadruth in Jerusalem jeden Monat Konzerte für Hehiilt r zu veranstalten. Interessant ist die Zusammensetzung der Studentenschaft. Die Hauptmasse der Studenten bilden Neueinwanderer, da das Institut jahrlich 75 Zertifikate erhält. Gegenwärtig sind 160 Schüler Fituktltnoe aus d> m tlUU r-liei t u h. Aber es gibt unter den Schülern auch Palästinenser aus allen Kreisen der Bevölkerung z.B. Engländer. Araber, Armenier etc. Ks ist leider unmöglich, all« die interessanten Einzelheiten wiederzugeben, die Frau Kagan über das Konservatorium erzählte. Die palasttuenai. sehe Öffentlichkeit und darüber hinaus die Judenheit der Welt ist sien bewusst. dass hier in zäher Aufbauarbeit ein wichtiger Mittelpunkt geistigen und künstlerischen Tabens geschaffen wurde, von wo vielleicht einmal bedeutende Kunstler ausgehen werden. Eine Anzahl von Studenten bewiesen im Anschluss an den Vortrag von Frau Dr. Kagan durch eigene Darbietungen ihr Können. Auf Initiative von Emil Häuser wurde in Amerika eine Gesellschaft der Freunde des Palästina-Konservatoriums gegründet. „BAJAZZO" IN TKIoAVIV Die „Opembühne". die unter k iin-sf. Jerisc-iv'r Leitung von Walter Eberhard und unter musikalischer Leitung von Georg Singer im kleinen Jascha Heifez Saal ihr« Tätigkeit vor einiger Zeit mit einer überaus erfolgreichen Troubadur-Aufführung begann, brachte ihre zweite Elrurtudierung, Leoncavallo's ..Bajazzo" im ,.(>hel Schein" vor <mit mehr als 1000 Personen» dichtgefülltem Haus. Dieses Publikumsinteres.se scheint erneut zu beweisen, dass eine grosse Nachfrage nach Opern-Darbietungen im Lande besteht. Anstelle de» Orchesters begleiten wieder Singer und Frank poüak an zwei Flügeln. Heidt- Künstler verdienen höchste Anerkennung für ihr musterhaftes, fein differenziertes Spiel, vor allem auch die eingangs zu Gehör gebrachte Ouvertüre! zu Rossini's ,,Barbier" zu eiviv.'m besonderen Ge-1 nuss werden Hess. Die Regie führte Alfred!>u-\ mendorf, der selbst in der Bariton-Partie des J Tonio eine stimmlich ausgezeichnete Leistung bot. j Stephan Hzüez iCaniot verfügt über ein wunder-; schönes Timbre und strahlende Höhe, während! Unsauberkeiten und in der Mittellage und ver-1 mutlich au» „Schonungs'-Grunden angewandte ■■ | Maniriertheiten noch auszumerzen wären. Diej Sopranistin in Margot Feinzak zeigt ais Neida [ erneut Geschmack und Gesangskultur, wenngleich i iie den stimmlichen und schauspielerischen An-1 forderungen der Partie nicht durchgehend gei recht werden konnte. Der Prolog war dem Darj steiler des Silvio (statt wie im Original dem des! Tonio» anvertraut. Otto fieteh bewahrte sich i auch diesmal wieder als Bariton von ausserge-; wohnlich schönen Mitteln und grosser musikaii-: schsr Zuverlässigkeit. Nach dem ersten Teil undi am Schluss gab es starken Applaus und ,;«ihl~ j reich» Hervorruf«. Manfred Gein. Im letzten halben Jahr haben sich Orchester. Chor sowie ein ausgewählte:! En-wmble von Singftinunen beträchtlich entwickelt. Die drei ständigen Dirigenten Karl .S'u/mmoi. Cruwford MrS'ittr und Hain Sihlf«tn>jrr leiten jeden Dienstag 'nach dem Muster anderer Senden ein öffentliche;» Konzert. das übertragen wird. Von den repräsentativen Programmen (teilweise mit verstärktem Orchester und vorzüglichen Solisten! seien genannt Haydns ...Schöpfung". Carlssimi's Jcphtah". Milhnud's „Concertino de Printemps', Honcggers .,K()nig David", E. W Sternbergs ..Dolittle", Einest, Blochs ..Concerto Grosso ", Kurl Salonv>ns ..Phantasie über ein palästinensisches Volkslied" sowie dessen Orrhesterbearbeltung des „Grand Duo" von Schubert. Smetanan ..Moldau'' und „Tribor", Itrahrns i Symphonie, Handels (1. Concerto Grus *o Auszüge aus Verdis „Rigolef.to". Aufzuge aus- Händel s Messias", zwei Mo/.artnbende. Als Solisten dieser Konzerte, die stets interessante Programme mit guter Ausführung verbinden, traten u.n, auf; Alfred Sehröder, Gerhard Jaretzky, Rone Sander-Sternberg. Rüben Lnznr, Siegmund Lehmann, Edith Boroschek, Judith Esther Snlomon, Nelly Pirker. Marcel Noe. William von Blaese. Daniel Hofttu-kler, Zwi Zeltlin, Dein Gotthelft. Sascha Parties. Hram de Blez. Heinrich Zimmermann, Leon Szulc, Horst Snlomon, Ephraim Goldstcln. Philipp Scharf. Anstelle <les letzten <»rchsterkonzertps wurde Mahler.«i ..Vierte" i Palästina Orchester» ubertragen. Zu Pesach ist eine 'AutTührung von Eruenl Bloch'« „Avodath Hakodesch" geplant. Alice Jnrob-Lneirt-nson. AliTSSTE EL Ii NO EI *S E I .ASKEK-SC11VI .Ell \v ir, il.c wir die seitsamen mürehenbeglänzten Buclier der Dichterin Khe l.uskcr-Xehitlcr kennen und liehen, wissen, das« sie eine Dichterin in zw-fH Künsten ist. Sie dichtet, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Linien und Farben. So sehr sind ihre bunten Zeichnungen eins mit ihren Dichtungen, das« die Künstlerin mit recht mgen konnte: Meine Zeichnungen sind die Überschriften meiner Gedichte. Immer schon war die Seele der Dichterin ver- »ehwistert mit Jerusalem, Gottes heiligster Stadt. Aber Jetzt wohnt Kiic IKisker-Schüler auch irdiseherseits in Jerusalem und hier -entstanden neu« Zeichnungen, die zu ihren alleraehönsten gehören. Nun sind sie in den biicherschwereri neuen Räumen lies Antiquariats ffeatid, Salingre A Co. in Jerusalem zu sehen. Manche von diesen Bildern bekannt aus der leider unfarbigen aVledergäbe in <lem Palästina-Buche „Das Hebräerland" glitzern irn Original wie kostbares Geschmeide, andere sind gemalte Träume im Palmenschatten, und bekannte Gesichter hebräischer Schriftsteller des Lande« grüs.Hcn von manchem Blatt, umgoldet vom Zauherglan* dieser Maler- Diciiterm, Kunst ist immer, so ernst sie sich geben mag, Spiel. Und die Holdheit de« zweckloa-unbewussten Spiels ist allen Blättern der Lasker-Schiiler eigen Das Vertraute lehrt sie uns ganz neu seilen mit ihren wunderbaren Augen, die die Lichtgestalt der Dinge durch ihre irdisch« Hülle hindurch erblickt. Und ihre Blätter verglühen „in Abendiarben Jerusalems" Hchalom licn-t'h'.iriti Ben-Zion Ben Sehal-oru hat das Werk „RulMUjef von Onuir Khayyam, dem persischen Dichter, der Ende des Ii, und Anfang des 12. Jahrhunderts A. D. lebte, und dessen Werke zuerst von Edward Fitzgeruld in eine europäische •Sprache (und später mehrfach in.s Deutsche; übersetzt, wurde, in.>i Hebräische übersetzt. Das Werk wurde vorher bereits von Imben (Dichter der ^.Haiikwah"» und. Vladimir Jabotinsky übersetzt. Ben Schalom's (Übersetzung ist aus dem persischen Original Das Werk ist von „Gazil", Ttd-Aviv, herausgegeben und wunderschön gebunden und illusirierl. Eine 11-jährige Einwandererin aus Deutschland, mimen» Inge Hcnoch, die mit. dam Kindertransport aua Deutachland nach England kar<7 und bei Auwbruch des Kriege« in eine kleine Stadt bei Wale» einquartiert wurde, erhielt jetzt in der dortigen Orf.x»i:huh» den ersten Preis für Deklamation in u:nlmim:h*:r Hpruehe. Der Lehrer der Schule wagte zu ihr: In meinem ganzen Leben " habe ich niemanden gesehen, der mit. einer .sol* eben Schnelligkeit wallisisch gelernt hat. (Wir würden wünschen, dass junge und al.'e Einwanderer sich ehenao schnei! der Sprache des Lande» anpassen, insbesondere z.B. in Palästina der hebräischen Sprache. Anm. d. Ii.),

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