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Jüdische Weltrundschau · 1940-01-22 · 3 (22.1.1940) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
3 (22.1.1940)
Date
1940-01-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE WELT RUNDSCHAU 23. Januar 1940 Im neutralen Holland Von unserem Knrrrspondentm RL. Den Ffnnft, 12. Januar. J Holland ist in diesem Kriege neutral. Es Hegt aber mitten zwischen den kriegführenden Staaten und so ist die weitgehende Mobilmachung kennzeichnend für das äussere Bild de» Landes, während die bange Frage, ob da« Land auch in Zukunft vom Kriege vorschont bleiben wird, die Holländer ständig beschäftigt. Für die Juden in Holland ist. diese Frage von besonderer Bedeutung, da die rtnr der kriegführenden Parteien, f*> wechselnd ihre Feinde und Freunde im übrigen mich gewesen sind, arn erbarmungslosen Kampf gegen die Juden immer festgehalten hat. Es ist bezeichnend für die Situation in Holland, das« eine der führenden Tageszeitungen, die immer gut über Ereignisse in der jüdischen Welt informiert int, in einer Polemik mit dem Organ des Niederländischen Einnisten-; bunder: »ich gegen die Einführung eines Gegen- \ satzes zwischen jüdischen und nlehtjüdischen; Bürgern wendet Für die zum Heeresdienst einberufenen hollänj dlsehan Juden hat man in verschiedenen Städten Helme eingerichtet, in der sie sich aufhalten : können. Dagegen wurde bisher kein jüdischer; Feldrabbiner angestellt. Es handelt, sich insge-; «amt. urn etwa iOOO jüdische Heere.fangehörige. i Die Grundlinien der Judenfragr als einer Weltj frage skizzierte der neue Bundesvorsltzende des i Niederländischen Zionürtenbunde.s in einer An- | spräche, die er im holländischen Radio hielt, j Diese Kode diente zugleich der Unterstützung j der von allen Jüdischen Instanzen und Organisaj tionen durchgeführten Oberbrückungsakilon für Palästina. Die tlachseharah-Arbeit geht weiter. Aus dem Auslande werden zwar keine neuen Chaluzim zur Ausbildung zugelassen, aber aus Holland, selbst kommen noch ab und zu neue Mensehen zur Ausbildung Im Wieringer Meer-Ausbildungslager befinden sich zur Zeit etwa 300 Men; -;hcn Für diejenigen, die «ich für Palästina vorbereiten, hält der Hcehalüz zur Zeit ein Seminar. Die Deventer-Vereinigung betreut jetzt 125 Landwirte, wovon stwa 100 Nichtholliinder. 55 Handwerker, wovon 15 Nichtholliinder und 50 Mildchen, wovon 37 Niehl Holländerinnen. Die Fremden kommen überwiegend mm Deutschland, aber auch aus Ungarn, Polen, Rumänien und der Tscheehoalovakei. Die Jugend-Alija unterhält zwei Heime, eines in Loosdreclu bei Hil ver.su m, das andere In Mljnheercnland bei Rotterdam Die Fertigstellung des zentralen FHlfihtlittyslagerx hat .sich verzögert Da» Gros befindet .sieh noch in den verschiedenen Kamps Neue Immigranten werden nieh; zugebissen, obwohl nach Mitteilung des Innenministers bis zum November 2.200 Emigranten wieder ausgewandert waren. Der Kriegsausbruch hat es mit sich gebracht, dass manche Transmigranten in Holland vorläufig bleiben mussten Die nicht geringe Zahl der früheren Juristen hat in Amsterdam und im Haag Vorträge und Sprachkurse organisiert, die auf die spätere Weltcrwanderung vorbereiten sollen, Lublin - ja oder nein? Dir letzten Nachrichten über den geplanten Judenrayon bei Lublin sind widerspruchsvoll. Eis ist nicht klar, ob dieser Plan noch offiziell besteht oder nicht. Dies« Unklarheit Ist aber verständlich, wenn man bedenkt, dass in Deutschland ein Chaos von Behörden vorhanden Ist, von denen die rinrn gegen di> ändert n arbeiten. In wessen Hirn die Idee diese« Jndenrayons eigentlich gewachsen Ist, ist bis heute nicht klar. Grösstenteils hängt sie zusammen mit dem Bestreben, das ..Protektorat. Böhmen und Miihren". das wegen seiner ethnographischen Zusammensetzung einen »Sonderfall innerhalb des deutschen Machtbereichs darstellt, so schnell als möglich judenrein zu machen. In diesem I^and, das die Deutschen zynisch ..Protektorat" nennen und wo sogar eine eigene Schattenregierung und eine Art Staatspräsident existiert, üben die deutschen Behörden eine brutale Gewaltherrschaft aus. ohne sich im geringsten um die Tschechen zu kümmern. Was in manchen ehemaligen tschechischen Städten geschieht, so z. B. in Mdhrineh Ostrau, wird vielleicht einmal so berühmt werden wie die deutsche KriegHgrcuel in Belgien 1914. Es ist ein ungewöhnliches Beispiel brutaler Grausamkeit und j Mensehensehindung im 20. Jahrhundert, Die Juj den aus dem Ostrauer Bezirk und auch aus anderen böhmischen und polnischen Bezirken wurden zunächst einmal zu Tausenden in den Bezirk Lublin gesandt. In den letzten Berichten ist die Rede nicht mehr von Lublin, sondern von N i s k o, einer kleinen Stadt im Kreise Lublin. denn die Htadt Lublin sollte ja von dem Schema ausgeschlossen sein. D::«vs« Absendung tausender Menschen in «in zur Aufnahme nicht bereitetes Gebiet erzeugte naturlich bei den dortigen lokalen Behörden grosse Verlegenheit. Auch waren die I Transportmittel der Aufgabe nicht gewachsen. Strassen und Bahnen waren durch dir Beförderung der Judenmassen verstopft. Viele sind, wie gemeldet wird, unterwegs auf russisches Gebiet entkommen. Die deutschen Okkupatinnsbehördrn!n Polen haben gegen die weitere Zusendung von Juden anscheinend protestiert. und so ist die ganze Angelegenheit jetzt in der Hehwrbe. M;»n kann nicht wissen, welche Richtung schliesslich stärker sein wird. Manche behaupten, dass im Frühjahr die Verschickung der Juden nach dem Lubliner Bezirk wieder beginnen soll, andere meinen, dass das ganze Projekt plötzlich aufgegeben werden wird. Eine Voraussage ist sehr schwer, wenn man mit einer so unberechenbaren Welt wie dem heutigen Nazi-Deutschland zu tun hat Jedenfalls lastet nach wie vor auf den Juden in Böhmen und Mähren der furchtbare Druck dieser Drohung des Abtransportes nach Polen, ein Mittel, dessen sich die Deutschen auch bedienen, um die Beschleunigung der jüdu-iehen Auswanderung zu veranlassen. Im Bezirk Lublin sind alle Synagogen und öffentlichen jüdischen Gebäude als Unterbringungslokale für Juden, die zwangsweise hierher gebracht wurden, eingerichtet worden. In Lublin sind die Juden auch aus ihren Wohnungen in christlichen Wohnvierteln verjagt worden und ihre Häuser wurden den Polen zugewiesen, die von den Deutschen aus Schlesien und Pommern vertrieben worden sind. Nach neueren Berichten soll es zu einem Überfall von polnischen Bauern auf die zwangsverschickten Juden gekommen «ein. wobei 15 Juden getötet worden seien. Vermischte Nachrichten Tal-Avivs Budget Das vom Bürgermeister Kokach in der Stadtvorwaltung Tel-Aviv eingebrachte Budget für das Jahr 1910 41 enthält u. a. folgende Posten: ft) E i Ii iui h m escitt : Besitzsieuer LP- 124.000. Erziehungssteuer LP. 82.000. Allgemeine Steuer LP. 26.000. Müllabfuhr LP- 23.000. Steuer für freie Bauplätze LP. 12.000. 3% Zusatzsteuer LP. 30.000. Hündelslizenzen -»-' LP. 12.000. Vergnügungssteuer -- LP. 11.000. Strassen lizenzen LP. 7.000. Baulizenzen -..... LP. 4.000. öffentliche Anschläge — LP. 4.000. Gerichtsgebühren LP. 1.000. Verwaltungsdienste - ca. LP. 72.075. Wasserversorgung LP. 92.000. Städtischer Besitz LP. 5.800. b) A u s g a b e seile : Schuldentilgung (einschliesslich Abzahlungsrate an die Regierung) LP. 87.750. Administrative Ausgaben LP. ' 36.238. Gesundheit«- und Sanitätszwecke LP. j 136.413. Erziehung LP. 12.*.21«). Wasserversorj gung LP. 38.426. Soziale Fürsorge LP. 31.426. j öffentliche Arbeiten LP. 15.300. Ausserordent- 1 liehe Ausgaben LP. 12.580. Strassenbeleuehi tung LP. 6.450. Polizei LP. 4.100. Kulturelle j Zwecke LP. 3,632. Verschiedenes LP. 12.065. j Die Gattin des Präsidenten Roosevelt sprach in einer Veranstaltung der „Gesellschaft für gute Nachbarschaft" und wandte sich nachdrücklich gegen die Propaganda, die in bestimmten Kreisen gegen die Gewährung eines Asyls für Flüchtlinge in USA getrieben wird. Die Rednerin trat dafür ein, dass die Regierung der USA eine Anleihe für die Ansiedlung der Flüchtlinge gewährt.' Der französische Politiker Henry de Kerillis veröffentlichte in der „l'Epoque" einen Leitartikel, worin er auf die Gefahren der antinemitwhen Propaganda hinweist und von den Regierungen Frankreichs, Englands und USA ihre energische Bekämpfung fordert. Dabei betont er, dass die antisemitische Propaganda ein wirksames Mittel der nationalsozialistischen Politik gegen andere Staaten ist. Das belgiiM'he Parlament hat 8 Millionen francs als Beitrag für di« im Lande befindlichen Flüchtlinge votiert. Der Justizminister teilte mit, dass auch jetzt noch wöchentlich 10Ö jüdische Flüchtlinge aus Deutschland kommen, trotz der militärischen Besetzung des Gebietes. Wie aus I n d i e n gemeldet wird, sind jetzt so gut wie alle jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland, die zu Beginn des Krieges interniert worden waren, wieder freigelassen worden. Die Internierung zu Kriegsbeginn beruhte auf der Notwendigkeit eine gründliche Durchprüfung der Ausländer, die feindliche Angehörige sind oder waren, durchzuführen. Die Jahreskonferenz «Her jüdischen Institutionen in Argentinien beschloss eine grosse Kampagne für die Sammlung von Mitteln für Palästina und für die Flüchtlingshilfe. Zur Eröffnung der Kampagne wird Dr. Weiimunn in Buenos Aires erwartet. Wie verlautet, beabsichtigt Dr Weizmanr. während seiner Anwesenheit in Amerika auch Kana-i« zu besuchen Der gegenwärtige Generalgouverneur von Kanada, Lord Titvodsmiiix. war früher, als er noch unter dem Namen John Bucha« Mitglied des Unterhauses' war, Präsident de s Par lamen t arischer» Pro-Palas tina -Korn itees der Freunde des Zionismus. Bin Mitarbeiter des Keren Kajemeth in Frankreich, Morris Stern, Sergeant in einem französi-1 sehen Infanterieregiment, erhielt das Kriegskreuz j für besondere Tapferkeit, die er auf einem Pa- \ trouillengang gezeigt hat. Hauptmann May, ein | aus Lothringen stammender Jude, wurde zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Die Zeitung „Der Stürmer'' veröffentlicht einen Angriff auf die französische Armee wegen ihrer jüdischen Offiziere, wobei er eine Namensliste von jüdischen Generälen in Frankreich anführt. Aus Rumänien wird gemeldet, dass 600 polnische Juden in der Donau-Mündung auf türkischen Schiffen sich befinden, ohne dass eine Weiterreise möglich ist Die Flüchtlinge sind in grosser Not. Die ägyptische Handelskammer in Kairo hat an die Apotheken und Spitäler ein Zirkular geschickt, worin auf Grund der Mitteilung der ägyptischen Regierung darauf hingewiesen wird, dass durch Vermittlung der Industrie-Abteilung der Jewish Agency verschiedene pharmazeutische Präparate und Artikel au* Palästina bezogen werden können. Eine Spende von f 6.900 ist in Palästina aus Südafrika eingetroffen. Es handelt sich um das Legat der 1937 verstorbenen Frau Rosie Levin, die je ein Drittel dieses Betrages der Hebräischen Universität, dem Keren Kajemet und der Mädchenfarm Ajanot vermacht hat. Mr. F. C. H o 11 a n d e r. der die Provinz Natal im südafrikanischen Senat zum ersten Mal vertritt, war 20 Jahre lang Präsident der Jüdischen Gemeinde Durban. Er war der erste Jude, d*r zum Bürgermeister von Durban gewählt wurde. Dieses Amt bekleidete er 3 Jahre lang. 1910—1913. Zum Vorsitzenden der jetzt neu orraniaierten jüdischen Gemeinde Florenz wurde Zeno Vita, früher Professor in Turin und Träger des grossen Preises der Italienischen Akademie, gewählt. Professor P r a t o, der frühere Oberrahbiner von Rom. der jetzt in Tel-Aviv lebt, hat sich im Flugzeug nach Italien begeben. Der Generalsekretär der Zionistischen Organisation in London, Israel Cohen, ist nach 30iähriger Dienstzeit in den Ruhestand getreten. Mr. Cohen war schon unter Wolfsohn in Köln zionistischer Beamter. Ein Film über die Medizinische Organbaliön der Fladaxsah in Palästina wurde von Lazar Duenner fertiggestellt. Aufnahmen wurden in Jerusalem, Tiberi.'ts, Safed, Meir Schefeja und Tel-Aviv gemacht, in Krankenhäusern, Kliniken, Pflegerinnenschulen und Wohlfahrtseinrichtungen für Kinder,

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