Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 3 (22.1.1940)
- Date
- 1940-01-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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22, Januar 1940 .TODTSCHfl WET/T RUNDSCHAU Sehe 3 Die Woche in Palästina Jerusalem 10. .fiumar RIJHK IM l,V\DK Die Bemerkung dos Primcministers am J6. d, M. im britischen Unterhaus, dass Palästina trotz aller deutschen Propaganda jetzt ruhiger sei als wahrend vieler Jahre, gib;, die Lage im Lande richtig wieder Man weiss hier, da«.«« die deutsche Propaganda fieberhaft arbeitet und dass Palästina noch immer eines ihre Haupt-Steckenpferde ist. in immer neuen Radioreden, in Artikeln und Sonderpublikationen greifder deutsche Propaganda-Dienst die engli-'" he Verwaltung im Lande an und tut so, als ob Deutschland der Verteidiger arabischer Rechte war*1 Ks i"-t auch bekannt, üms sich neue Zentren deutscher Agententätigkeit im Nahen Osten gebildet haben und daw »ich dort Twente befinden. die aus Ägypten und Palästina ausgewiesen wurden Trotz all dieser Bemühungen ist der Erfolg der Unruhe-Stifter gering. Die Araber ' ixind zweifellos reif gentig, zu verstehen, was sie von Deutschland zu erwarten haben, und sie werden wohl auch die Verhältnisse in deutschen „Protektoraten" mit den Zuständen in ihren eigenen Land«™ vergleichen Die seit Kriegsbeginn immer mehr sich festigende öffentliche Sicherheit findet u. a auch ihren Ausdruck darin, dass der Verkehr auf den Strassen, die jahrelang gesperrt waren, wieder normal wird So hat die jüdische Autobus-Kooperative soeben die Eröffnung des regelmässigen Verkehrs auf der Strecke Haifa-Akko-Safed-Tiberias angekündigt, auf einer der landschaftlich schönsten und daher früher von Touristen stark besuchten Strecken, die aber bis vor kurzem nicht befahren wurde. Auch die Strasse zum Toten Meer hat wieder ihren regelmässigen Autobusdienst vo" Jerusalem und gerade um die**? Jahreszeit entwickelt sich an dem mild-warmen Strand eine Art Kurleben; das neue Hotel von modernstem Komfort, übrigens bewirtschaftet von einem ehemals deutschen Juden, zieht besonders am Wochenende viele Erholungsuchende an. darunter auch höh? englische Beamte NOTRUF DER PFLANZER Diane Bemerkungen sollen nicht den Anschein erwecken: als ob Palästina ein Orr der IdyUc wäre D'e Anspannung ist nach wie vor sehr gross, und alle Kraf-, ist darauf gerichtet, die \v i r t s c h a f 11 i c h e Krise zu überstehen. Ein S O.3. wurde eben wieder vor der wichtigsten Indu.?tric des lindes, der Orangenwirtschaft, nusgesiossen In einer Taffumr in' Petarh Ttkwa, dem ältesten jüdischen Orangen-Zentrum, haben etwa 800 jüdische und HO arabische Pflanzer vor der Öffentlichkeit ihre Lage dargestellt und wie einer der Redner sagte ..im Namen von 16 Millionen Bäumen" an die Regierung appelliert Es war ein überaus eindrucksvolles Ereignis j Die Orangen Wirtschaft stehr vor dem völligen j Ruin, wenn ihr nicht geholfen wird. Die Par-j dessim (Pflanzungen) sind mit Hypotheken überj lastet, deren Zinsen nicht gezahlt werden können, ' da die Einnahmen aus der diesjährigen Ernte j ausfallen Die Versuche des teiiweUen Exportes \ der Früchte sind bisher nicht geglückt, da die! Transponmöglichkeiten minderwertig und überj trieben teuer sind, so da** die Früchte oft nach l langer Reise in schlechtem Zustand ankommen j und Preise bringen, die nicht viel mehr als Traav \ portkoscen und Zoll decken, sodass der Pflanzen an jeder Kiste paar Schillinge verliert. Zwar hofft man noch auf Besserung aber die Ursprung-; liehen, schon bescheidenen Hoffnungen auf Export wenigstens der Hälfte der Ernte sind wohl nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die Pflanzer verlangen von der Regierung, da>ss sie, wenn schon nicht durch direkte Zuwendungen wie sie es im Falie der städtischen Wirtschaft tat doch durch einschneidende Maasnahmen hilf , voi allem durch ein Moratorium für Hypotheken und deren Zinsen bis nach dem Krieg, ferner durch aktive Einschaltung der Regierung beim Abschluss von Handelsverträgen. Narhlass des; Zolles in England. Organisierung der Verschiff \ 'ung etc Ein arabischer Redner in Petaeh Tikwa sagt« dast die fr(inu>*i*rfif Regierung den -iurisrhrn Pflanzern beim Kxpnr? geholfen und >le dadurch gerettet habe. Man könnte auch darauf hinweisen, dass England und Frankreich neben einen Wirtschaftsvertrag mit der Türkei abgeschlossen haben, der sich auf 2f> Millionen Pfund beläuft; Palästina wäre mit einem kleinen Bruchteil zu helfen, wenn die Regierungen einen Teil der Orangenemto bezw Orangensäfte für die Armer übernehmen würden, wie Hin türkische Rosinen für mehrere Millionen gekauft haben Die Tagung entsendet eine aus Juden und Arabern gemischte Delegation zum High Oommis- •doner. Man muss im Interesse des I^mdes hoffen, d-a.»» der Appell der Pflanzer Erfolg haben wird. Denn nicht nur die Fixistenz der Pflanzer und ihrer in die Tausend«" zählenden Arbeifer nebst Familien hängt von einer Sanierung ihrer Wirtschaft ab, sondern es besteht kein Zweifel, nass deren Zusammenbruch noch viel weitere Kreise ziehen würde. Die Tatsache, dass in dieser Sache Juden und Araber rjfym.rinx<im vor die Regierung hintreten, ist ein Zeichen der Zeit und wird der Regierung ein aktives Eingreifen erleichtern. Der High Oommissioner. der schon of» Verständnis für die Lage des T minder» bewiesen hat. wird zweifellos auch einsehen wie wichtig das ökonomische Durchhaltet: Palästinas für das Prestige der britischen Verwaltung ist, < gerade in dieser kritischen Zeit i DAS RMfMiFT TFL-AVIVS j , Die Stadtverwaltung Tel - Aviv ist; m dieser Woche in die Beratung ihre« R u d y e t s | eingetreten. Tel-Aviv int der «rösste Selbstver-f ^valtungakörper des Landes und auch der grosste i jüdische HnhHf liehe Verwnlf MnK^bv-jrlrk. F.f Int l •ozusagen. was Verwaltung betrifft, ein Juden-! •>aat" im Kleinen, und daher ist die Art und I Weise wie Tel-Aviv die Angelegenheiten seiner! Bevölkerung von 150,000 Seelen führt, ein Prüfstein für die fiidische Autonomie überbaut»!. Schon j "tis diesem Grunde hat die Budgetberatungin Tel-Aviv eine weit über das J/>ka!e hinaufgehen-: de Bedeutung. Wenn man bedenkt. das.M das vom Zionistischen Kongress für die Gejomtarheif der Jewish Agency im ganzen Lande aufgestellte Budtret «ich auf un-srefähr eine Halbe .Million Pfund stellt, dessen Einkommen vor» der Judenh'dt aller Tander bestritten wurde und da.* so gewaltige ] Arbeitszweit'e wie Tmmhrration. landwirtHchaft-' liehe Ansiedhing etc. einHchliesst, wird man er-, kennen, dass das Budget von Tel-Aviv; "da/f für , das Jahr 1040/41 mit einer Summe von LP. 527.0*7.- veranschlagt ist. für Palästina eine grosse Rolle; mielt. In den letzten vier Verwaltungs'lahren be-: 'rüg da». Budget iährüeh e», f 46O0O0.- bis 470 000, ' Der Bürgermeister Kokach schlägt eine netto; y*> ige Zusatzsteuer auf Grundbesitzeinnahmcrt und Mieten vor. Bisher haben die Mieter 12rfr Steuern auf ihre Mieten gezahlt und die Hausbesitzer 8i'i auf ihre Mietsefnnahmen. Die neue Steuer fand lebhaften Widersnrurh sowohl bei der Hausbesitzernartei als auch bei den Vertretern der Arbeiterschaft, die darauf hinweisen, das« die niedrig besoldeten Menschen den Hauptanicil einer , solchen Micts-Steuer zu trssen hätten In der: Tat ist die Steuerlast, die auf einem der Hista- [ An alle Erntender! Alle nach Palästina L'eH« hteti n Brief« sollen auf dem Couvert Namen und trenaue VdresM» Absender«} sowie einen ent;ll*''hen Vermerk Uber die Sprache der darin enthaltenen Korrespondenz trafen, also x.B, <rIVr!tten In rnf»H«h" oder "WHMen In (lerm'An" ete. Wir bitten unsere Mitarbeiter und Abonnenten, sich an diese Vorschrift zu halten. Mltteiltint»en sowie nicht /um Abdruck bestimmte Zuschriften bitten wir nach Möglichkeit englisch, hebräisch oder französisch abzufassen, da bei anderen Sprachen Verzögerungen der Zustellung eintreten können. VBRLAG JJXI) REDAKTION' ,Jt IHM HK WKLT-RIJXDSCHAU" ■irufh angeschlossenen Arbeiter Ue^rt, jetzt sch«»n eine sehr (trow, <1» Ihm die von der Hi^tadruth vorgeschriebenen Abgaben v»m I/*hn abgezogen 'v'-rden und er auch verpflichtet ist, die alltreniei- ■M'ti nationalen Abgaben B Ma.is ^"henirn» zu entrichten. Die-J bewirkt eine starke Herabsetzung des Lebensstandards Auf der anderen Helte ver» 'angt die Regierung, ohne deren Bestätigung das Budget nicht in Kraft treten kann, die Flirrtet zun g fines Betrages von LP. wono als rrsie Rate zur : Pückzahlurtg <ler der Stadt Tel-Aviv gewährten Anleihe Bürgermeister Rokach lehnt r* tr«»fz der ' trken < ippo.»ition a.b. die l«n anderer Stelle im fvn/.elnen angeführten» Pns'en zu ändern. f>as 'f tzte Wort hat die Regierung. RIX IC HRITSCIIR T A <« RSZ KIT t' N'Ci? Kine Angelegenheit, die manche 1 nter*'H.«tenterr nfid vor allem die deutschnpreehenden Kreise des 1 indes weit einiger Zeit Im Stillen beschäftigt, durfte «lemnäch.Ht au die Öffentlichkeit ^Hangen I*'h handelt sich um die Absicht, eine Tages- ■ z e l tu n g in de u t n c h v r H p r n c h e heruttjizubriugen. ein Vorhaben, tregn iinn der Jlsehuw bekanntlich «chnrf opponiert. Der IniHalnr de» neuen Unternehmens i«t Herr Leo L o n h m a n n. früher Htürnusgeber des ,J.Hraelitls?chen PnntiUeM' blatte«" fer^t- Hamburg, dann Berlin» Lehmann ftshrt weit Monaten Verhandlungen mit dem sogenannten ..Waad Ziburi", einer Körperschaft, die •ich den Kampf für die hebräische Spruche zum Ziel gesetzt hat und In der z. B. die hebräischen Zeitung.Mverlagc und Redaktionen vertreten »Ind. I Me.ner Wand hat vor einiger Zeit »eine Bedingungen formuliert: Die Zeltung müsse rto</,; hebräisch-sein und dürfe dann deutsche VVorterklai rttngen und 20% deutschen Text enthalten, Im Laufe der Verhandtungen hat das .-Projekt die mannigfachsten flentalten angenommen, z R. ,'foll- . ten zwei AuMgnben erscheinen, eine hfibrniftehe für j die Stra-fse, und eine deutsche fürs Haus. F.Im? j Rlnlgung flarüber wurde nicht erzielt. Inzwischen | gab ea schon recht unschöne Veröffentlichungen; in den hier üblichen üiml tolerierten) hektogrnfler-! ten Nachrichtenblitttern, die «ich gegen die MUtrd | " ehrten, mit denen Lehmann sie zum Verkauf /.wingen wollte. Die Wurmchbarkoit einer detttHch- L^praehl^en. Tngeazeitung ini auch unter den Einwanderern au« Deutschland um«trltten. Man naiSH also auf die weiter« ICntwickliing dieser Sache gespannt sein, ßa hei.sHt, da.'m die eratc Nummer der Zeitung Kode Januar heraioikommeri »oll. Fortschritte der Wirtschaft Die Olraffirivrir in Haifa, die kürzlich bereits tothvei«e in Betrieb genommen wurde, wird im September HMo Vfjllemlet neiti. Die Ko» ten der Anlage belaufen rtieh auf ca. 44 Millionen Pfund, wovon ntwn eine Million für Arb*.dt-«lohUt!, lokale ProdifUte etc. im Lande auMj^egebers wird. Dax Wirtschaft«jähr. 1030 ateigt eine starke F5rhöhung der Kali- und Brom-Produkt. I on den Toten Meres. Die Palentlne Potaah verkaufte 03.B27 Tonnen Knii fgegen 47.«W in 103«), der Wert de« Fixport« stieg von LP. 323 0ou (1938.) , auf i.P, ZSS'ÜOO. ••--Tn© Brorn=Äwsfnhr stieg von 481 Tonnen auf n«t» Tonnen Eine Fabrik zur HernteUung von Alkohol au« Orangen wurde bei Tel-Mond fnordlich Tel-Aviv) von ungarischen Juden gegrünriet, Man beabsichtigt auch Verwertung der , Abfülle für Viehfutter etc. DU: A utostr a h h e z w i h c h c n A gy p - i e n u n d P a i ii « t i n a, die die Slnai-Halbinael durchquert, ist. jetzt fertig Hierdurch Urt eine zusammenhangend« Auto«traj»se.nverbifw.l.ung rings um (Im Becken de« östlichen Miitelrneere« geschaffen DU St.ra.vKvon H ul t a n a c h Bagdad quer durch die ayrüsche Wü*te näher* «ich glcichfalLH der Vollendung Nach ihrer Fertigsifcilung wird dift Strasse in 12 Stunden zurückj?t-legt' werden konntsri und für den Hafen ein ünubtsräehbArfti Hinivrmiu!' «r««?hlie»ä«h. Wie die Zeitschrift ,Pab:fttinv und MuidUi Enxt" anv.n:iit, hat ein jüuwciier Gek-hrer in Pa- 1/Utina eine neue MVth*xte der Gewinnung von Aluminium aus bestimmten Bodenaren gefunden Die Krfindunj{ wird jetzt patentiert und eröffnet Au>w*ichtfcn auf indu«trleUe Verwertung in PaUiAtlna l^r Druükrehfarteufcl hat in der fetzten Nummer auf B « t:>. Sp. unten) aus der „hehriii* achen" Fuu*r-Übeni<;tzung eine „lebhafte" ühör- .H«t/.ung gemacht.