Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 3 (22.1.1940)
- Date
- 1940-01-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 JÜDISCHE WELT-KUNDSCHAU 22. Januar 1940 Spaltung Mitteleuropa« in nationale Kleinstaaten. Dieser Irrtum beruhte offenbar auf einem Verkennen der Tatsache, das« der Nulionulismus sich schon damals in einem UbergangHZUstand befand aus seiner humamstischiiberalen JCpochc zu einer aggressiven destruktiven Form. Präsident koosevelt, der die Mitwirkung der anderen neutralen »Machte anstrebt, ist sich dessen bewussl, dass es \ unprovoz sich um eine ycuttiye und rvAiyime Frayc |eintreten ernten lianyv.a handelt. 1.0r erstrebten Kontakt mit dem Papst Situationsbericht aus Ungarn Von unserem B<hrhtcrhtatter. Budapest, im Januar 1&40. Ungarn .«steht - gleich Italien - Gewehr bei Fuss, auf alle Eveni unlitüten gefasst. ohne jedoch iktiv in eine WnfTeminternehmung vollen. In wirtschaftlicher Beziehat den von ihm|nuM# Kflh C'Ä anfangs einen. kleinen Schreck, em Papst, einem der A'lZip|'«n <»er normalisierten sieh 1-iber die VerhauniK.se und in manchen Bezirken eigenes ■tzes n* ne veritabie , u Folge der Bodtirfni^e ucingestellten, grossen Fürsprecher des Friedens in unserer Zeit, einem Mann übertrugen, der der jüdischen Öffentlichkeit als eine grosse humane Persönlichkeit bekannt geworden ist, Myron Taylor, dem Präsidenten der Konlerenz von iOvian vom Juii llKi*. Taylor ist mit einer der' schreckliehüten Begleiterscheinun-!j| gen der heutigen Wcltunordnung, nämlich!'4 dem FluchtlingBproblem. besonders gut vertraut. Die Wahl dieser Persönlichkeil deutet darauf hin, dass Koosevelt, was sich schon | .vüwsui stark beeinfluß bei anderen (iokgcnheiten zeigte, der Flüeht- \ Nichtsdestoweniger zieht das .1 u d e u g v » v i z lingslrage, die eine tiesondere .Seite des Jaj minier weitere Krci.se. Seit seiner Verkündigung dcnproblcliiN ist, besondere Bedeutung beilegt. I vorige VVeihnaehten ist kaum ein Monat ver- Koosevelt hat auch eine Kommission Voll I gangen, in dem ni< hl. irgendeine partielle I/urrh Vertretern verschiedener Religionen eiligeiJ^hntnguccrordnung die Existenz neuer jüdischer setzt, mit denen er über die Fragen des Frie-! Schichten od<!r Kategorien erschwert oder unmogö/fentln hin und priva <t geh! da.s Leben .se I/uide herrweht Huhe,!<»("' .scheint in allen rungen Boden verlor.n zu dem Parlament, mehrere und Misserfolge bei den t Konjunktur zu verzeieh- Krieg* bei riebe und der inet infolge de« Judenaurh sonst favonsieruen Beamten.srhaf, An- •inen gewohnten Gang; auch das ,J*)eilkr*'uzseinen J'arielttchaUiehaben: Ihr Auszug nun .strenge Ger»chtaurteile «ach wählen dürften die haben dena und der geistigen Grundlage der neuen Weltordnung beraten will. . Als jüdischer -Vertreter wurde Dr. Cyrus Adle r aus Philadelphia gewählt, der gegenwartige Präsident des American .Jewish Committee und des! teil; New Yorker jüdisch-theologischen Seminars, eine der führenden Personen der ..nichtzionistischen" amerikanischen Judeiiheit nach dem Tode von Marshall und Felix Warburg. Dr. Adler spielt eine wichtige Holle im nichtzionistischen Teil der „Jewish Ageney für Palästina", doch bestanden in den letzten Jahren Jiaulig Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und anderen Teilen der Ageney. Roosevelts Bestrebungen werden von den Juden allerorts mit grosser Anteilnahme ver | Schichten oder Kategorien erschwert oder i lieh gemacht hätte. Abgesehen davon, dit«s ein j zelrie Unternehmungen in libereifriger Wei.se noch! vor dem gesetzlich vorgesehenen Termin ihre | jüdischen Angestellten enthessen, um desto eher laatlichen Aus.'Schreibungen und Lieferungen folgt. Man wird sich hüten müssen, bei der Vorbereitung eines geistigen Weltfriedens allzu optimistischen Stimmungen zu verfallen und sich mit alten Formeln von „Mission" etc. zu begnügen. Der Weltfriede wird nur von Dauer sein, wenn den Problemen der Wirklichkeit mit Energie zu Leibe gegangen wird. Vielleicht kann, was da« Jüdische betrifft, die Anwesenheit von Dr. W e i z m a n n in Amerika dazu beitragen, den Umfang und die Bedeutung der r e a 1 e n Probleme zu unterstreichen, die gewiss nicht im Gegensatz stehen zu den Bemühungen um eine neue ycistiye Weitordnung, sondern deren Bewälti foigendermassen vernehmen: „Dieses Gesetz berühre «ahlreiche katholische Individuen und Familien. Die christliche Nächstenliebe und katholische Solidarität erfordern es, dass wir diese unsere katholischen Bruder und Schwestern nicht verlassen, sondern ihnen beistehen in den .schweren Stunden ihres Lehens. Die Kirche macht keinen Unterschied zwischen ihren Kindern und erfüllt ihre Pflicht ihnen gegenüber." Wie gross die Anzahl der jüngeren T a u f 1 i n g e sein mag. ersehen wir aus einer Studie der „Ungarischen Statistischen Hundschau". lauk der in den letzten 20 Jahren 30 77» Personen diu Judentum verlassen,wohingegen 4.211 es angenommen haben. JU<li*rhc Aktivität Wie «teilt »ich nun das ungarische Judentum zu diesen Bedrängnissen von innen und aussen? Manche Anzeichen weisen darauf hin, da&a es sich zum Teil selbst gefunden hat. und dem Prophetenworte folgend in .seine eigenen Gemächer zurückzieht Heine politi.sche Betätigung wurde ihm ja durch Einstellung der meisten „jüdischen" BiäUer schon sei Neujahr 1Ö31» .stark beschränkt, wie seither auch die liberalen TageshJätter des Zeitungskonzerns „4: E.it" ihren Platz räumen mussten So ist denn das Iiueress* für alles Jüdische in biKleutendem Masse gewachsen. Im Kähmen der Pester Isralitischen Gemeinde hat sich unter Vorsitz des neuen Vizepräsidenten, Dr. Geza lixhäryt eine „(icxcllxrhttftiif'hc Ar\>t:it*ifemf~innchtijt" gebildet, die sich die kulturelle, künstlerische und gesellschaftliche Er~ Ziehung der dem Judentum bisher fernstehenden judischen Kreise zur Aufgabe gemacht hat. Ihre literarischen und musikalischen Veranstaltungen sind .stets überfüllt. Nach dem Muster d*?r Protestanten, die im Herbst eine reichhaltige „Protest Woche" veranstalteten, haben .sich jetzt auch hmen zu können, dass jede Unterlassung (Hier Ungenauigkeit bei der Anmeldung mit drakonischen Strafen belegt wird, werden von den neuen Instruktionen auch -solche Erwerbe erfjus^t, die in keiner Wei.se den intellektuellen Berufen zugezählt werden können, s. ii Kellner, Marktfahrer. Besonders im rivUcrworbenen Ober" und KarpnihtmUuut nahm die Revision der Handels- und, Gewerbescheine verhängnisvolle Di- , _ . .... . . mensionen an: Wie der Minister selbst inj Abj die J"*»^«* Kunstler -;- /.um ers.en iw.*ie ~ geordnetenhau.se miiteihe. seien von 10.768 judi- 2U C1T Jud?vn*n K^t(^telhtH'-' in Iittu* schen Lizenzen 6.286 ..wegen unpatriotiachen i m<in?es '^"j^f Landesmu.seuni.s zusammen- Verhaltens während der tschechischen ße- «efu"d?n- . Jhdisches mt wohl noch wenig darin seizung " entzogen worden Arzte. Kechu*an- *u finde"' ^f'? n V^«uch Ist walte sollen in Neuungarn ebenfalls einer (Je-1 ^he jedenfalte bemerkenswert iSoch viel sinnungs-Untersuchung unterworfen werden, wäh-1 •sc«c^^iCher *rw*!431 *fh d!e Zusmnmenfassung rend die Juden, die in den verschiedenen städl.! »^^cher judischen Organisationen des Landes sehen und Komitatsverwaltungen Sitze inne< (Neologen, Orthodoxe, Status quo sowie Zionisten) in Hozitiler Hinsicht. dEine mit beiiördlicher Erlaubnis eingeleitete allgemeine Sammelpropaganda, eine „Ungarisch.-jüdische Land*'.'saküon" sollte di? materielle Parität mit den von den internationalen jüdischen Organisationen geleisteten Hiifsbeiträgen sichern; das „Landestümorgeamt dt*r Juden in Ungarn" aber wurde nunmehr als Zentralbehörde für jede jüdische Wohlfahrtsangelegenheit anerkannt. Unter anderem hat dieses Büro unter Leitung von Dr. Dezsö Weisz und Frau Sötet und alimentiert von dem Joint und Jugend-Arbeit mitgefnr das u n - Wie von der Zionistischen Exekutive teilt wird, wurde ein Budget von LP.4.5(K>. laufende Halbjahr für zionistische Arbe t er der J u g e n d festgesetzt. Das Budget wird verwendet von dem gemeinsamen Aussehuss für Jugendangelegenheiteu, in welchem auch die Vertreter der Zionistischen Exekutive, sowie der Hauptbüros des Koren Kajemeth und des Keren Hajcssod sitzen. Der Ausschuss arbeitet zusammen mit dem oberston Rat der Weltorganisationen der Jugend. Landeskomitees der Jugendorganisationen bestehen in Palästina. England, Argentinien, Beii l>roK"»nuert, bei gien, Bessarabien, Südafrika. Holland, Transyivanien. Jugoslavien, Frankreich, Schweiz und ftu mänien. Diese Landoskomltees timfnsseu hatten, im ganzen Lande einfach gestrichen wurden. So u. a der greise Ob<!rrabbiner von Szeged, Immanuel Low. der der Kepräs^ntans; -seiner Vaterstadt .seit Jahrzehnten als Ehrenmitglied angehört. Die Hauptstadt Budapest hat dreien ihrer - „neuchristlichen" Stadtväter Gnade gewährt Die Getauften Letzterwähnte Kreise, die sich durch manche Vorschriften des Judengesetzes, auch durch die Erlangung des i oeaunaers Wahlrechtes stark beeinträchtigt fühlen, haben i di*chen Auswanderung in sein Programm aufsich jüngst zu einer eigenen Organisation zu-1 «enommen, und zwar nicht nur nach Übersee sammengeschlossen, und man spricht viel davon, S sondern — Hand in Hand mit dem Palastmaamt— dass in ihrem Interesse an dem JudengeseU |auch nÄch Erez Israel leerer Ze»t »ind manche Modifikationen vorgenommen werden i aU8Ser den ..Maapilim" allmonatlich etwa sollen. Ein im Auftnigo des ungarischen Kle- ' Studenten und Zerüfikaisir^aber nach Palästina rus vom Kntbischof von Kalocsa. Grafen Julius \ ausgewandert und *ind von obiger Quelle mit Ziehy verfasster Aufruf lässt sich aus Anlas« I «^n Kosten ihrer Überfahrt unterstutzt worden. gung eine der Voraussetzungen dafür ist, das«' vorgeschriebene Prozedur zur Erlangung d*s | b«a<m<lersi^<lem^^Hicemv die Erleichterung^der jüdie Weltordnung eine gerechte und gut gegründete wird und nicht wieder an dem Gegensatz zwischen abstraktem Idealismus und harten Tatsachen zerbricht. der ersten Jahreswende des Judengeseues u.a, j A. F. zionistischen Jugendorganisationen des betreffenden Landes. Die betreffenden Jugendorganisationen sind folgende: Brüh Hakanaini, Gordoma, Dror, Hechahiz Hazair, Makkabi Hazatr, Noar Zioui Aleph, Noar Zioni Both, Hasohomer H:ur.air, Akiba, Linke P<x>ile Zion, Torah-we-Awodah. Die , Hauptaufgabe des Ausschusses ist organisatorische! -.bürgerliche Steuer' du snisnesinnrain in jischüw Wieder einmal droht in den Geldsammlungen im Jischuw eine völlige Verwirrung einzutreten. Nach monatelangen Verhandlungen wurde die „Not-Steuer" (Mass Cherum) des Waad Leuml der alle Gruppen mitzuwirken ersprachen, freilich erst nachdem manche ihre Bedingungen gestellt hatten. Die Sammelaktion alle i hat begonnen. Jetzt hat, wie gemeldet, die Arbeiterorganisation ihren Mitgliedern gleichfalls eine Steuer zur Linderung der Arbeitslosigkeit auferlegt, freilich mit dem Zusatz, dass deren Erfüllung nicht von der Verpflichtung gegenüber der allgei meinen Jischuw-Steuer befreit. Nun hat auch die C„Mifdeh Esrachi") -Aktion und erzieherische Tätigkeit a n ge 1 sä c h s i sch e n Lände rn. Jugend in den wieder eingesetzt, und auch deren Leiter haben erklärt, dass sie nicht mit „Maas Cherum" zu konkurrieren gedenken. Im Publikum haben sich . aber Zweifel erhoben, ob die Zahlung beider Steuern praktisch möglich ist, zumal da es «ich ja meist um Zahler mit kleinerem Einkommen handelt. Diesem Zweifel scheint sich auch der Präsident des Waad Leumi, Rutenberg, angeschlossen zu haben, der energisch erklärte, dass die allgemeine Steuer des Jischuw den Vorrang vor allen anderen jüdischen Abgaben haben müsse. Diese Forderung ist sicherlich berechtigt, wenn man dem Waad Leumi die Last der Gesamtfürsorge aufbiirden und ihn zu grossen Notstands- Hilfsmassnahmen ermutigen will. Jeder versteht den ungeheuren materiellen Druck, der auf allen einzelnen Gruppen lastet, aber es ist unerläßlich, dass auch in den Geldsammlungen eine Ordnung durchgeführt wird, die bei aller berechtigter Anspannung der Kräfte doch Im Bereich dem Möglichen bleibt.