Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 2 (12.1.1940)
- Date
- 1940-01-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 12. Januar 1940 später haben werden. Dazu gehört der Ii e -1 Völker u n g h a u s t a u h e h, der jetzt zwischen Russland und Deutschland anseheinend in immer grosserem Umfang vollzogen) wird. Von der im letzten Frühjahr ang<>kün- I digten Aussiedlung der Detitschen aus tiiidj Ural der ersten »il»crrafl<-h<'rideri Aktion diej Genf als zionistisches Zentrum Von nttnrrrm Korn .Hjmndrntcn Genf, im Januar 11*40 ser Art. hört man jetzt wenig anseheinend haben die meisten es vorgezogen, sieh zu italianisieren, denn hier gilt ja im Ogensatz zu den Juden kein „objektives" Kassen moment, sondern frei«- Wahl der Nationalität. In diesem Kriege kam alte« anders, ab» *'\< h die kiihnatc Phantasie vorgestellt hatte. Da* gilt nicht nur vom eigi-ntiichen Kriegsverlauf. w>ndern auch von mittelbaren Knegswirkungen. Ho flirte e* «ich, <J<u»ä Genf im Lnufe der letzten ' Monat« neben Jerusalem, I/mdon, dem neuorgn- . ,. . ,, . . ' nisierten New-York zum 4. Zentrnlpunkt der Dagegen wurde die Aussiedlung der l>mtxchj,,wi„h Ageney wurde Niemand kann vorauslialtf H wenigsferjH teilweise vollzogen. man j Aagen. wann der Krieg enden wird und welche gab ihnen polnisches und jüdisches geraubten j Priedenasteto aufgestellt »ein „wenden Da« heftigen tum in Gdynia »nid im Korridor, und zi« i>; nuf diu Groden und er.ni recht auf die jetzt wild mitgeteilt, dass (iie Hussen die in Ostpolen wohnenden Deutschen ins Reich zurückschicken (es sind dort teilweise jahrhunderte-alte Kolonien), wogegen die in Ostpolen und Gulizicn beheimat eten Nichtdeutschen, also vor allem Juden, aus dem Dritten Reich nach ihrem Ursprungsort, also I zi unter Sovjetherrschaf't, zurückkehren dürfen Auch da* jddiHcht: Volk kiinn heute weder in IVzug auf l'ahuuir.a noch in Hcziig auf die I)ias|>oia endgültig formulierte Forderungen erheben. Grös,ste Aufmerksamkeit ist jedoch nmig, die Kntwirklung zu verfolgen und die \V"rk/.cu(,'e der Meinungsbildung und Klärung zu schmieden. Diesem Zwecke dienen die neuen isiischei. Rüm-i in New York und in (Jenf Augenblick j«; die Frage, wer die jüdischen Wie immer man diese Volksvcrsehicbungcn j Wortführer in den kommenden Jähren »ein wer beurteilen mag, vom jüdischen Standpunkt j,1,,n aktueller *d» da*, was diese Menschen zu rnuss man sich darüber freuen, das« auf f"r<l<,rn ,mbon wenlcn diese Weise eine Anzahl Juden es dürfte sich, wenn iHait östem-ielr berücksichugt, um viele Tausend handeln aus dem Nazi- Bereich erlöst werden. Durch den Rücktritt des englischen Kriegsministers H o r e B e 1 i s h a ist der dritte Jude, der in den letzten Jahren in der politischen Arena Kuropas eine Rolle ersten Ranges spielte, zunächst einmal von der Bildliche verschwunden (manche prophezeien ihm eine baldige Wiederkehr in dieser oder jener Form). Die andern beiden waren B 1 u m und L i t w i n o w. Keiner von den dreien ist als ein Kxponent des Judentums zu betrachten, und selbstverständlich ist keiner „als Jude" in sein Amt berufen worden, sondern jeder wegen seiner persönlichen Qualitäten und Fähigkeiten sowie seiner Parteistellung im eigenen Land. Dennoch gab das Vorhandensein dieser Männer in den Regierungen dreier Grossmächte der deutschen Propaganda Anlass zu den unsinnigsten Konstruktionen in Bezug auf das .Jüdische Weltkomplott", das von diesen Männern unter Missbrauch ihrer Stellung geschmiedet werde; gewöhnlich wurde dabei noch der amerikanische Bankier Bernard Baruch hinzugefügt. In den ersten Jahren haben die Nazis sich eine gewisse Zurückhaltung in Bezug auf Staatsmänner anderer Völker auferlegt - mit Ausnahme von Sovjet.russland. dessen Führer vom ersten Moment an unflätig beschimpft wurden, wobei „Litwinow-Finkelstein", wie ihn die deutsche Presse nannte, besonders schlecht wegkam. Im letzten Jahre kam dann der überraschende Rücktritt Lit winows, für Klarsichtige ein deutliches Symptom der veränderten deutsch-russischen Be Genf beherbergt gegenwärtig neben dem ,J*crmnnrnren üuro (irr J. A. ttri tu Völkerbund" unter Leitung von Nahum (ioUlmaiui, ein „Zentrol* büro dr> J> icish Ajfrnrtt und der Zionistischen OraatM.sHtutn unter Leitung von Richard Lichtheim. Während «las erste Büro sozusagen die zionistische GetandUschaft beim Völkerbund ii»t, der möglicherweise wieder zu einem wichtigen Faktor im internationalen Leben werden kann, ha. Iie zweite Stelle die Verrnittlung.mufgAbe zwischen den einzelnen zionistischen Zentren in dc.i verschiedenen Ländern. Der Jikitxche Weitkont/n <m ha; de fa^to, wenn auch nicht pro forma seinen HauptMU von PatLs nach Genf, verlegt und dem Druck der Notwendigkeiten nachgebend, die Wahrnehmung .sozialer Aufgaben und die Vermittlung zu philantro|>i*chen jüdischen Institutionen übernommen Kr vermittelt Anfragen alR aller Weh nach Personen in dem von Deutschen bezw, Russen besetzten Gebieten Polen* (itk-r nm-h Küiciniingen au* jenen Gcgen- «U'm. Von besonderer Bedeutung »st da» ,,Proitsnnsrhi Huro dir lmmiijr»tionmtbtcÜung tU:r Jnrish Aarnrij" unter Leitung von Chaim Barlas, das »ozuwtgen zum zentralen europäischen l'aliwtinaanit geworden ist. Hinher ist es diesem Ann gelungen, au.«* dem Naziherrachaflabereich mehr aLs 2iMX) Menschen mit J&crÜfikmen mich I'ala.Hima zu bringen Knie „IlttHptHtvlU; den Krrrn Kujrmtth Lrjisratl nimmt die finanziellen Interessen diese« l«ond,s in den Devisen-bewirt- .schafteten lindern Kuropas wahr. Ausserdem sind Vorbereitungen im Gange, um Vertretungen der grossen judisrjien ..Hilfsorganisationen . in... Genf zu schaffen. Auf diese Weise Ist in Genf ein „Gerüst für den Aua bau von Arbeitsstätten errichtet worden, die im Laufe der Kriegsenlwicklung eine* beaondere Bedeutung erlangen können. K* ist durchaus möglich, da*s Genf einst in der Geschichte des Zionismus eine Rolle spielen wird. s, n. Judenvertreibung *.us Böhmen 1)1* Na/1-Behordeii in der Tschecho« n I o v a k e I haben eine WeKung ausgegeben, da* »amtliche Männer unter ßO Jahren da» „Protektorat Böhmen und Mähren" Ms Ende 1910 verlassen mitosen, Männer unter 87 Jahren müssen bis xum 28. Februar da* Land \ e r I a » * e n, und solche, die bereit» Vlfia besitzen, »ollen M* zum 1. Februar auswandern. Die Juden, denen es nicht gelingt, bis zu diesem Termin das Land zu verlassen, werden, so heisst es. in ein Konzentrationslager gebracht werden. Weiter wird berichtet, dass das gesamte j U d is c he V e r m ö g c n in einem Fonds zusammengefitsst wird, aus dem die Kosten der Emigration bestritten werden sollen, nachdem zuerst e:ne '£>'.'< ige Auswanderungssteucr abgezogen wird. Im I'rotektorat befinden sich Schätzungen zufolge noch 70.000 Juden. Das böhmische und mährische Judentum ist seit Jahrhunderten in dem Land verwurzelt und eng mit der Geschichte des Landes verbunden. Eine Austreibung dieser Art übertrifft die schwersten Judenverfolgungen des Mittelalters. Vor allem ist die Frage, wohin die auagewiesenen Juden sich wenden sollen, völlig ungeklärt. „Wirtschaftlich wertvoller Jude"... Deutsche Fabrikanten bekamen der Befehl, unter allen Umständen den Export ihrer Waren?u betreiben, um Devisen hereinzubringen. Dabei, so heisst es in dem Erlas«, dürfe man »ich sogar der Dienste von „wirtschaftlich wertvollen" Juden als Agenten bedienen.-. junge Politiker gerade ins War Office berufen wurde und gerade in dieser Domäne des Konservativismus seine Reformen durchführte. Wir Juden sind an dieser Sache unbeteiligt, oder höchstens nur insofern beteiligt, als die Welt aus jeder Affaire, die sich um einen Juden entspinnt, sofort alle möglichen Folziehungen. denn mit Litwinow konnte Herr j gerungen zu ziehen geneigt ist. Ein Vergleich Ribbentrop seinen Freundschaftspakt nicht j rnit der Affaire Litwinow ist ja der Sachlage schliessen, man hatte dann ja in der deut-{nacn ausgeschlossen. Aber wie wurde die sehen Presse statt Molotowa das Bild des!Welt durch den Nazi-Geist vergiftet, wenn Juden Litwinow bringen müssen... Seit Lit-! jede Sache, die mit dem Judentum nichts zu winows Verschwinden und vor allem seit | tun hat, auf ihre „jüdische" Seite hin unter- Kriegsbeginn war in Deutschland Höre Be- |aucht wird! Jedenfalls kann es der jüdischen lisha der Reorganisator der britischen Arj Gemeinschaft zur Genugtuung gereichen, das» mee, der meistgehasste Jude. Die deutsche | einer ihrer Angehörigen auf schwierigem Presse erfand das (von ihr in tausendfachem 1 Posten Fähigkeiten bewiesen hat, die auch in Chorus wiederholte) Märchen, der eigentliche; dieser Stunde anerkannt werden. Name des aus sefardischer Familie stamj menden Kriegsministers sei ,,Horeb Klisha", \ und er habe einfach das H umgestellt. In I Wahrheit handelt es sich um die Zusammen-! Der Kntschluss der p a 1 ä s t i n e n s i - Stellung von zwei ganz verschiedenen Namen jse hon Regierung, aus den finanziellen „Höre" und „Belisha", Vaters- und Mutter»-; Reserven einen Betrag von 750.000 Pfund namen des Ministers. Aber solche lächerliche für yotstamharbeiten zu verwenden, hat in Mittel wirken in dem systematisch verdumm-; Palästina, und darüber hinaus bei allen am ten Deutschland. Der Rücktritt Höre Beli-1 Schicksal Palästinas innerlich Anteünehmenshas, über den noch Aufklärungen fehlen, hat! den. grosse Befriedigung hervorgerufen. Wie gewiss nichts mit Außenpolitik zu tun, viel-1 wir böt en, hatte die Jewish Ageney schon mehr vermutet man Gegensätze innerhalb der'seit Monaten der Regierung verschiedene Vor¬ Generalität. War es doch seinerzeit schon als j Schläge in bezug auf Bekämpfung der Arbeits- Scnsation empfunden worden, dass dieser losigkeit gemacht, die aueh- -mit Verständnis aufgenommen wurden. Die Palästina-Regierung zeigt deutlich ihren Willen, aus der bisherigen Passivität auf wirtschaftlichem Gebiete herauszutreten, und es ist zu hoffen, dass sie das nicht nur in der Arbeitslosenfürsorge tun wird, sondern überhaupt bei der jetzt notwendig gewordenen offiziellen Manipulierung der Wirtschaft, die z. B. in der Regelung des Imports, in der Anregung der Produktion, Rohstoffversorgung und insbesondere in der Sanierung der für das Land entscheidend wichtigen Zitruskultur besteht. Vom jüdischen Standpunkt ist besonders interessant die positive Haltung, die bei der Regierung gegenüber dem Wtkid Leumi und deren Präsidenten erkennbar ist. Bisher hatte der Waad Leumi eine geringere Rolle im Lande gespielt, aber durch die neue tatkräftige Führung Rutenbcrgs hat er Eich ein grosses Prestige erworben. Er wird in zunehmendem Mass die Vertretung der palästinensischen Judenheit, und neben der Zusammenarbeit mit der Jewish Agency als Vertretung der an Palästina interessierten Gesamtjudenheit ist eine Kooperation der Regierung mit dem Waad Leumi besonders wünschenswert.