Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 2 (12.1.1940)
- Date
- 1940-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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SIEHE SEITE 9 MIIRG WO II / Nr. 2 JODISC Redaktion. VftrU« und An>«t-en.V»rw*ltun-: J-rttMlem 1\ 0. B «80. r,. B.» N-hu.i,vStr. T*l..phon 3071» Für unv-rt-iut* M »n; »k ri M,- wird k.-in„ (Ur*.>tl„ «».„-. ■,..l.-r Anfinge i*t .'in $r»i-,- <if.itc.ii Z«,*. hrifi-r. für d!o Hfi itionaK-r ..ti.»i dl.- K<-, Irlit .Irr Kid KontU-rn .IMII SAIJ< M 12. JANUAR 1940 T DSCHAU Erscheint einmal wöchentlich: Aui-l«-ni»nn-hm» f«r »Ilc Linder: *<i»*cl>li»*all<'h J«m»*l*m TOB. «"9. —- Wi^i^-nO-ti.. j,..r I...Mp.».| .t!..»» A»»..•!«..« S«it- /rrfsllt In c> H[.»l(..ti. j,- ,l,fi rin tir-it. Oru»nh»rrlii l Inch -» cm «Ii .1/. j.- Mi'Altr MliiinialgrO»»» lj| In.'h (:i,7'> oii) HoitigtproUe vrrtfl. UM» »u> Hchltm» d. HUtt»>». Die zerstörten Synagogen jM>«*«« «•«■ Woche ^i^P Jii<l«>iivf>rlr<»iliiiiiir »um lti>hm«>n uml Müh« Wir gelangen in den Besitz einer Statistik über Synagogen. ..die. bei den Pogromen -in Deutschland am <J, und 10, November 1»38 sowie in der darauf folgenden Zeit in Deutschland bezvv dem deutschen Protektorat zerstört worden sind. Bei der Zusammenstellung der Statistik sind nur diejenigen Fälle aufgezahlt worden, die von Awjcnz' uit* n hvstatujl worden sind. Man muxs daher annehmen, da«« die wirkliche Zahl der vernichteten Gotteshäuser erheblich hoher ist. Die von Augenzeugen bestätigten Falle geben folgendes Bild: J, D e u tschln n d : 1 P r e u s s e n a) Provinz Brandenburg .(ausseht'.' Berlin) 14 b) Beriin 17 e> Provinz Pommern 5 d) Provinz Ostpreußen 8 e) Provinz Obersehlesien 13 f) Provinz Niederschlesien Ö g) Provinz Sachsen 4 h> Provinz Hessen-Nassau (ausschl. Fran kfurt a.Main) 6 i) Frankfurt a. Main 6 k> Provinz Westfalen 22 Ii Provinz Hannover 7 rn i iineinprovinz (ausseht;- Köln) _ 33 n) Köln 3 o> Grenzmark 2 2. Anhalt 1 3. Baden 23 4. Bayern (aussehi, Pfalz) ''IT r"'y .■- 34 n. Pfalz .8 6. Braunschweig ■"'n'"'-: 7, Hansastädte: a) Hamburg 3 ... hJ Hi"tim«n .........- — c> Lübeck 1 8. Hessen •' ^/'"'!"] 6 0 Mecklenburg -;:.:...■ - ■ 1 lü. Oldenburg f "; f 11. Sachsen 12. Thüringen 13. Württemberg II. österrei c h : a> Österreich (ausehl. Wien) b> Wien III. Sudeten-Bezirk IV. Tschechoslowakei ~ V. Danzig und Danzig-Distrikt Gesamtzahl: 1. Deutsehland 2. Österreich?,. Sudeten-Bezirk 4. Tschechoslowakei r>. Danzig 107 11 4 413 Wenn wir annehmen, dass ausser diesen ausdrücklich bestätigten Fällen noch etwa 50 Synagogen vernichtet worden sind (in Wahrheit sind es zweifellos viel mehrt, so kommen wir zu einer «vorsichtig berechneten) Ziffer von rund 4 60 zerstörten S y n a g o g e n. Inzwischen sind die Berichte über den Vanda- Hsmuä im besetzten P o 1 e n noch nicht gesammelt. Wenn wir von Zerstörungen absehen, die dem Krieg zuzuschreiben sind, .so bleiben noch immer jene Fälle übrig, in denen nach der Besetzung bestimmter Orte und nach Aufhören aller Kriegshandlungen die Synagogen von unbekannten toder bekannten) Tätern in Brand gesteckt wurden. Dies wurde z. B. von der grossen Synat goge tri L o d z berichtet, wo genau wie in j f -Deutschlami «in 1 ö. November ivl\$ -: die -Fetter» r I wehr angewiesen worden war, nur die umhegenj j den Gebäude zu schützen, nicht aber das Feuer! | zu loschen. Wir erinnern ferner an die kürzlich! i wiedergegeliene kurze Notiz in einer offiziellen j! deutschen Zeitung ober den Brand einer Synaj! goge in Tomasehow. Man kann wohl ohne | weiteres annehmen, das« solche Fälle nicht veri einzelt waren. Ein besonders krasser Fall von; Synagogensehändung ist dieser Tage aus Wlozla- \ wek berichtet worden. | Man muss bedenken, dass nach der Macht-' Übernahme der Nationalsozialisten, nachdem die j Rassengcsetze bereits eingeführt und die Konj zentrationslager üblich geworden waren, die füh-; renden Nationalsozialisten mit grosser Emphase | und sittlicher Entrüstung jede Andeutung der ausländischen Presse über „RelifiUmttverfolißunfjen" in Deutsehland zurückwiesen. Stets wurde gesagt, dass das nationalsozialistische Deutachland zwar die Juden aus dem deutschen Leben ausmerzen will, gegen die Betätigung der jüdischen Religion aber keine Einwände erhebt. Dies ist auch tatsächlich In den ersten Jahren so gehandhabt worden, wie ja fjerhaupt der Nationalsozialismus in seinem Verniehtungswerk — genau wie in der Äussenpolitik Schritt für Üvhrili vorgeht, sodass bei jedem Schritt immer mehr die Möglichkeit bleibt, durch Dementierung des noch nicht Vollzogenen einen Schleier über das Ausmass des bereits Vernichteten zu breiten. In den ersten Jahren des nationalsozialistischen Regime waren die Synagogen eine Zufluchtsstätte der deutschen Juden. Am Freitag Abend und an den Feiertagen waren die Synagogen überfüllt wie es nie zuvor in Deutschland der Fall gewesen war. Dajs Bedürfnis, die jüdischen Zusammenhänge, die als einziger innerer Halt den gemarterten Menschen geblieben waren, zu stärken, äusserte sich auch in dieser Form, wobei sich die Frage schwer j beantworten lasst, ob es sich um eine wirkliche j ernsthaft'- Ruckkehr zur Religion als Massener-! scheinung handelte. Der erste Fall der Zerstörung j einer Synagoge ereignete sich in Münehe/i im Junij 1938. Damals wurde berichtet, dass Mittler auf 1 seiner Fahrt durch München das imposante Ge- { bäude gesehen hat und wütend erklärte, dieses | '4 j Gebäude müsse sofort verschwinden, worauf die j 1 j jüdische Gemeinde München den Befehl erhielt,; * | die Synagoge innerhalb von 24 Stunden „freiwillig"! 4 j zu räumen und das Kultgerat zu entfernen, und! [ es wurde sofort mit dem Abbruch begonnen. Kurz j f darauf wurde die Synagoge in Nürntmry abgej J broehen, was zum Gegenstand einer grossen ofi j fentliehen Volksbelustigung gemacht wurde, woj bei Julius Streicher selbst den ersten Spatenhieb j; zwecks Vernichtung des Gebäude» tat. Damals i \ erregten diene Vorgänge grösste Erregung in der; deutschen Judenheit, aber es war nur ein Vor-; , spiel; bald darauf kam die Vernichtung des 10.• : November. j JÜDISCHE ARBEITERBATAILLONE AN OER WESTFRONT Die emjliHchi: H*:iju run(j hat ca. lü.üOÜ jüdmehe Fiw hihnijf' in Engtand, denen die Einreise nur gegen die Verpflichtung, keine Arbeit anzunehmen, gestattet worden war, für Arbeitsdiennt an der französischen Front zugelassen, wobei «ie in jeder Hinsicht <auch bezüglich Lohnung; den I Engländern gleichgestellt sind. Die Leute werden j in jüdischen Arbeiterbataüionen zusammengej fasst.! •JurirnVertreibung au» llohm«>n und Mäh* rmi? — Kevolkeruiig*ttUNtttU<«'h In I*oi«»n — Höre iteü«h» — Mr. i'»l»»tin»- K*>gM>ruiiK greif! ein Jerusalem, 11. Januar, Böse Nachrichten erreichen una nun dem Hitler-Bereich. Schien es anfauga, al» ob durch den Krieg mit «einen allumfassenden Sorgen die Judensache zunächst etwas in den Hintergrund gerückt .iei (was man verstehen könnte, wenn man bedenkt, was für Deutschland auf dem Spiel steht), so zeigt sich jetzt, dass davon nicht die Hede sein kann, und besonders in den widerrechtlich annektierten Gebieten werden immer neue tiewaltukte und Quälereien ersonnen. Die Juden in der T s c h e c h o s 1 o w a k e i, jetzt in Deutschland ,,Protektorat. Böhmen und Mahren" genannt, sind seit einem halben Jahr die Zielseheibe besonderer Grausamkeit. Ks wurde schon im Sommer lange vor Ausbruch des Krieges verkündet, dass die Juden aus Böhmen und Mähren auswandern müssten, die schon bekannten Gesta|>o-Beamten begannen ihr Henkerswf»!*k, die Juden aus der Provinz wurden nach Prag gejagt, eine raffinierte nervenzermürbende Prozedur (12 Fragebogen mit 600 Fragen!; für sie ausgedacht; sie wurden systematisch beraubt und bestohten, schliesslich schon ohne aiie Hemmungen und sogar ohne den leisesten Schein einer „Legalität"; dann kam, nach der brutalen Unterwerfung Polens, die Idee des „Judenrayons" bei Lubiin. wohin-vor-a-iiem die Juden au» Böhmen und Mahren abgeschoben werden sollten, und soeben wird ein neues Dekret gemeldet, das den Juden die Auswanderung bis spätestens Knde 1940 vorschreibt. Wie man hört, soll die Gestapo den verantwortlichen jüdischen Stellen mitgeteilt haben, sie müssten monatlich eine bestimmte Mindestzahl von Juden zur Auswanderung bringen, sonst werde die Gestapo selbst diese Sache in die Hand nehmen. Überflüssig zu sagen, dass die Drohung mit dem Konzwmtrationslager zur Alltäglichkeit geworden ist. Wer kann sich dieses quälende Leben unter solchem Druck ausmalen, ganz abgesehen von den materiellen Sorgen der Beraubten? Auch die Tschechen und Polen seufzen heute unter dem wahnsinnigen Unterdrücker, aber für sie ist die Situation wie die der Schweizer in Schülers „Teil". Die Juden dagegen sollen zu richtigen Parias gemacht werden. Sie sind wehrlos und müssen das Loa auf sich nehmen; aber es ist keine Schande, gepeinigt zu werden. Innerlich bleibt das Judentum ungebrochen. Und die Judenheit der Welt, soweit sie es noch kann, wird diesen Opfern ihres Jüdeweins nach. Kräften helfen. Und schliesslich sollte jeder übermütige Tyrann de» „Mene Tekel" gedenken. # Während der Krieg im Gange ist, der u.a. auch das künftige Schicksal Pulens entscheiden wird, werden Massnahmen getroffen, die in jedem Fall eine Nachwirkung auch für