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Jüdische Weltrundschau · 1940-01-05 · 1 (5.1.1940) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
1 (5.1.1940)
Date
1940-01-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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5. Januar 1940 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Seite 3 Tagung der Histadruth Tagungen der jüdischen Arbeiterorganisation sind stets ein Ereignis, das im ganzen Land Auf- [ merksamkelt findet, denn die Arbeiterorganisation (Histadruth» ixt der grösste und stärkste gesehloss sene. Verband innerhalb de« Jischuw und Ist; schon durch die Verbindung mit der Zionistischen! Exekutive von grossem Einfluss Die letzte Ta-! gung (Moezah», die in Jerusalem stattfand, drehte sieh vor allem um zwei Gegenstände, die politl- ' sehe Lage und die Arbeitslosigkeit. Die fiolitixchc DcbatU: ging, den Zelt Verhältnissen entsprechend,; in einer geschlossenen Sitzung vor «ich» wobei ■ Ben Gurion, Vorsitzender der Palästina-Exekutlvi? der Jewish Ageney und zugleich Führer der Ar- : bcitcrpartel, ein ausführlieht?» Referat hielt. Die stürmische Debatte, so wird berichtet, drehte .sich \ hauptsachlich um die internationale .Situation, also weniger um die internen Fragen des lindes, i die früher stet» im Mittelpunkt derartiger Aus- \ einaridersetzungen standen. Ks ist verständlich, j „dass. ..angesicht!» der . internationtilsin.. V.&r.wick- hingen, in die auch der Nahe Osten einbezogen ■ werden kann, das Bedürfnis besteht, sich über I diese Dinge auszusprechen, wenn auch notwendij gerweise eine solche Debatte, die mit zahlreichen r Unbekannten zu rechnen hat, einen vorwiegend j akademischen Charakter hat. Dem gegenüber J ist die andere Hauptfrage, die Bekämpfung der 1 Arbeitnlnsiokfit, von eminent praktischem Chaj rukter. Die Histadruth hat immer schon die j Verantwortung für die Probleme der Arbeltsbej Schaffung auf .sich genommen, und auch diesmal ) appelliert sie nicht nur an andere, vor allem an die zentralen Körperschaften den Jischuw und der zionistischen Bewegung, sondern sie greift selbst mit ihrer Initiative ein. Der wichtigste Beschlus« der Tagung ist die Proklamierung einer Sondersteuer für die Mitglieder der Histadruth, die zum grossen Teil durch Lohnabzüge eingesammelt wird. Insgesamt will die Histadruth 100.000 Pfund aufbringen. Dadurch wird den Mitgliedern der Histadruth eine sehr schwere finanzielle Belastung auferlegt, besonders wenn man bedenkt, dass dieselben Menschen auch noch allgemeine Notsteuer des Jischuw (Masscherum) bezahlen sollen. Die Notzelt aber, so heisst es in dem Aufruf, macht solche Opfer zur Pflicht, da ja alles auf dem Spiel steht. Der Ertrag dieser Besteuerung »oll für Arbeitsbeschaffung verwendet werden. Von Unterstützungen, so wird gesagt, muss man zu produktiven Arbeiterfürsorgen übergehen. In dem Besehluss der Histadruth, der sich an die Öffentlichkeit wendet, wird gesagt, dass trotz der Unruhen, des Krieges und der Not Palästina Zehntausende von Neueinwanderern aufgenommen hat. und dass viele und sichere Möglichkeiten zur völligen Beseitigung d st -Arbeitslosigkeit und zur Schaffung von Raum für weitere Massen jüdischer Einwanderer vorhanden sind, wenn nur die zionistische Bewegung Mittel dafür mobilisiert. Die Opferwilligkeit der Arbeiterschaft, die ein Vorbild der Solidarität und der Gesamtverantwortung gibt, verdient die grösste Bewunderung. Es ist nicht zu bezweifeln, dass im Lande noch viele unausgenützte Möglichkeiten vorhanden sind, und da die Einwanderung unter dem Druck der Judennot weitergeht, besteht gar keine Wahl, als mit aller Energie neue wirtschaftliche Möglichkeiten und Arbeitsplätze zu schaffen. Meinungsverschiedenheiten bestehen jedoch (wie auch aus der hebräischen Presse hervorgeht) über die Frage, w i e diese» Ziel am besten erreicht werden kann. Denn auch die grösste Anspannung von Geldsammlungen und Eintreibung freiwilliger Beitrage hat ihre Grenzen, und die ungeheuere Not der Judenheit in der Diaspora, die einen Teii der bisher für Palästina geiuycmmuc« jüdischen Gruppen in Geldnehmer verwandelt hat, wirkt notwendig auch auf die Chancen des an die Diaspora gerichteten Appells um zusätzliche Geldspenden ein. Es wird daher darauf hingewiesen, dass wichtiger als alles andere die Entwicklung der Produktivkräfte des Lande» ist, wozu eine solche Gestaltung der Produktionsbedingungen gehört, die für das Privatkapit a 1 eine rentable Wirtschaft möglich macht. Im Zeichen der Not werden alle Schichten der Bevölkerung sich zu diesem Ziel zusammenfinden müssen. Das bisher herangezogene Kapital is» zum grössten Teil nicht in diesem Lande entstanden, sondern von aussen hereingebracht Die Bedingungen für eine normale Kapitalbildung Kind bisher im Lande nicht vorhanden. Eine Ge- Deutsche Juden als Bauern Eime Fahrt im Schafon Wenn von landwirtschaftlichen Siedlungen In Palästina die Rede ist, so denken weite jüdische Kreise, auch selbst die. die gut über Palästina informiert sind, vorwiegend an zwei Typen, einerseits an die PfUinzungswirtschaft. hauptsächlich an Orangen bau, andererseits an die Arbeiterwirtsrehnft in ihrer individuellen (Monchaw öwdim) und kollektiven (Kwuzah und Klbbuz» Form. Besonders über die Arheiter*v <llungrn tat seit 1920 viel gesprochen und viel geschrieben worden, denn sie waren es, die in der heroischen Zeit nacl dem Weltkriege die grossen Flächen vorher vernachlässigten Bodens wieder urbar machten und besonders besiedelten, zum Fielspiel das Emek Jesreei. in detrietzten Jahren t.tt aber ein-nnirr Typ landwirtschaftlicher Siedlungen entstanden, zum grossen Teil im Zusammenhang mit den Judenverfolgungen in Mitteleuropa, nämlich iunduHrt' xehajtliche tikdluwn den Mitttslittandt;*. Es handelt «ich dabei meist um gcmiachwjrU*chn.ftliche Bauerngüter, die Hühnerzucht und sonstige Kleintierzucht und Gemüsebau als Haupt Wirtschaftszweige pflegen. Die Siedler sind zum grossen Teile sogenannte „U rn s c h l c h t 1 e r". d.h. Leute, die in Europa einen ganz anderen Fieruf gehabt haben, In Palästina aber zur Landwirtschaft übergingen. Das Hauptkontingent dieser Siedler »teilen die Einwunderer aus Deutschland. E» war eine vorzügliche Idee der Gesellschaft j RASSCO (Rural and Suburban Settlement Co.; Ltd.», Vertreter der Presse und sonstiger am j öffentlichen Leben interessierten Kreise zu einer Besichtigungsfahrt ins S c h a r o n ein- | •iuladen, um einige solche Plätze zu zeigen. Das; Scharon ist die fruchtbare Ebene nördlich von j Tel-Aviv zwischen Mittelmecr und den Bergen; Judäas, die noch vor etwa 12 Jahren eine weg lose j Wildnis war, jetzt aber eine der schönsten Gegenj den Palästina* geworden ist, in der sich Dorf an 1 Dorf und Pflanzung an Pflanzung reiht Die Bej sichtigungsfahrt umfasslo drei SledlungspunJcte, j die mit gutem Instinkt herausgegriffen worden \ waren, weil sie die Arbeit in ihren einzelnen j Stadien erkennen Hessen. Am neuesten ist der i Punkt Nachlath J t z c h a k, auf dem Wege J nach Nathanla, wo jetzt erst der Boden abgesteckt j wird und die Häuser gebaut werden. Dan Gebiet \ ist von der liasseo parzelliert worden und diel Siedler sind Einwanderer au« Deutschland und j CSR, die zum grösslen Teil erst in der letzten i Zeit angekommen sind und entsprechend den j jetzigen Verhallnissen nur ein relative» kleine«! Kapital transferieren konnten, auch wenn sie in j Deutschland reiche Leute waren. Zur Erleichj terung der Ansiediung dient ein Kreditfonds in ' Höhe von LP. 10.000. , der aus dem Nachlas*! des; zu friih verstorbenen deutschen Zionisten Jlx-j chak Feuerring gestiftet wurde. Im Ein-! vernehmen mit der Familie ha!, der neue Ort zum! Andenken an Feuerring den Namen Beth Jlzchak \ erhalten. Die Vertreter der Rassco und der Landi wirtschaftlichen Abteilung der Exekutive <Dr. Förder und Dr. L. Pinner) gaben ausführ-\ liehe Erklärungen über die Art der Anlage der Siedlungen, über die Finanzierung und über die \ bisherigen Erfahrungen Einzelheiten, die vor: allem für unmittelbar Interessierte wichtig sind' und die hier wiederzugeben zu weit führen würde.' Was auf den Beobachter einen besonders starken; sundung der palästinensischen Wirtschaft, die auch ein«:!! allmählichen Abbau der Arbeitslosigkeit gestattet, kann jedoch, so wird geltend gemacht, nur von dieser Seite kommen. Inzwischen wird durch die grosszügige Aktion der Histadruth gewiss viel von dem unmittelbaren Elend gelindert werden können, und die Geschichte Palästina* beweist, dass gerade aus der Initiative der Arbeiterschaft gewaltige wirtschaftliche Unternehmungen entstanden sind, die als Aufnahmebecken für Einwanderer dienen. Eindruck macht, Li! die Art und Weise, wie diese Städter sich auf das l*andieben umstellen und wie sie bei der Arbeit zugreifen. Sehr wohl fühlen sich augenscheinlich die Kinder; einige 12-Jährige Jun* gros, die sich auf dorn Platz herumtreiben und beim Bau helfen, sprechen schon ganz gut Heb- Deutschland jüdische Schulen besucht haben, s.B. die Theodor Herz! Schule «m Kniserdamm In Berlin; mehrere Kinder sind aus Oborschleslen und ein Junge aus Ostfriesland... Drei Stadien Ein Stadium weiter, für das Auge des Beschauersunvergleichlich weiter, Ist die Siedlung S d e W a r b u r g < Warburgsfeld>, so genannt zum Andenken an Otto Warburg, den ehemaligen Vorsitzenden des Zionistischen Aktions Komitees <HM1 -18), später Leiter des Botanischen Instituts an der Universität Jerusalem (gestorben 19.18). Die Siedler von Sde Warburg haben schon Häuser und bebaute Felder, sie sind mit ihrer Arbeit schon .tehr vertraut und das saubere und blühend« Dorf In einer überaus lieblichen Landschaft (In der Nähe von Kfar Saba und Ramnt Hakoweseh gelegen) scheint zu beweisen, das» hier «In richtiger Weg beschritten worden ist. Die Älteste der Rassco-Sledlungen ist das Dorf Kfar Shmaryahu bei Herzlla, nördlich von Tel-Aviv. Hier wurde die Gesellschaft in dem neuen kürzlich eingeweihten Volkshaus Beth Leyln smpfangen und bewirtet. Da» Beth Levin, errichtet zum Andenken an den unvergeßlichen Hhnmrynhu Ltnrin, dem Kfar Shmaryahu seinen Namen verdankt, liegt auf einer Höhe in einem noch in den ersten Anfängen steckenden Park, der von dem früheren High Commlssioner Sir Arthur Wauchope gestiftet worden ist Von hier sieht man auf der einen Seite auf das Meer ...... Kfar Shmarjahu hat einen, bisher freilich noch nicht leicht zugänglichen, herrlichen Strand und wird vielleicht einmal ein Seebad werden auf der anderen Seite über die Eben* mit ihren unzähligen Dörfern und grünen Pardesvim bis zur Gebirgskette. Im Saale des Beth Levin war eine Ausstellung landwirtschaftlicher Produkte, ein farbenprächtigen Bild, das zeigte, welche hohe Stufe Insbesondere dee Gemiiseh&ti hl&r bereits erreicht hat. Dr. Abraham Landsberg, der die Gäste namens der Rassco begrüsste, wie» darauf hin, welche menschliche und ideelle Bedeutung abgesehen von allem Wirtschaftlichen - die eng« Verbindung mit dem Boden hat, die hier bei Menschen entsteht, die den grossen inneren Entschiuss einer Umstellung vollzogen haben. Kfar Shmaryahu selbst Ist ein schon sehr entwickelt«» Dorf und jeder mu.» diesen F*latz und seinen Menschen eine gute Zukunft wünschen. Nach den Angaben der Veranstalter sind in die Siedlung«« der .,Rassco" bisher an Kapital LP. 2.10.000.' - investiert worden, teils au« Privatkapital, teils zusätzlich aus öffentlichen Mitteln. Im Ganzen sind In den Siedlungen der Ftaasco jetzt 700 Menschen angesiedelt Selbstverständlich wissen wir. dass auch diese Menschen ihre Sorgen haben, aber eine Besichtigungsfahrt wie dies« gibt ,4-..-t- _i~ ..»,-v.u;*»^...»,,... pn.» j.»*..,^ it^^^u^y* uv/v.11 vt«< »t"i unt..i.iiu(!jl Dilti (Miua, "iv uiciiavii«li titiA Mitteistandes aus Deutschland steh In oft vorgeschrittenem Alter (manche haben mit 80 Jahren angefangen) In aufreibenden Arbeit und ehrlicher Bemühung für sich und Ihre Kinder ein neues I.«eben erobern. Gegenüber den Nöten und Schwi«- ngkuiten, denen man häufig in der Stadt beg«gn«t, ist dieser Abstecher zu den Landjuden, dl« das Gerüst des künftigen Palästina bilden, «in« Ermutigung und Bestärkung. Was hier geleistet wird, hat seine Bedeutung nicht nur für dl« beteiligten Meii»< hen selbst, und nicht nur für Palästina, sondern für die rjemmte Betrat:ktung der Judenfraye. Und der qualitativ« Ma—tab ist hi«r viel bedeutungsvoller «Ja der quantitativ«,

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