Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 1 (5.1.1940)
- Date
- 1940-01-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 JÜDISCHE WELT-RUNDßCHAU 5. Januar 1940 absolutrn Souveränität, da« jedem Staat völlige Freiheit in seinen „inneren Angelegenheiten" (einschliesslich der Behandlung seiner eigenen Bürger) einräumt, in der bisherigen Form bestehen bleibt. In den boflonders in England jetzt sehon leidenschaftlich vo nachgehenden Erörterungen der „Kriegszicle" sfossen wir immer wieder auf diese Frage. Das Haltmachen vor den ,,inneren Angelegenhciten" hat sich im Fall der deutschen Juden besonders krass gezeigt und hat auch den Minderheitenschutz zu Fall gebracht. \i>......,„.„^r,...;i..«!,»~ C?„»,J„I,,.„1 »tun v«tfi ijti^iimtii m-uivilnnl Uvi .«t-U«.- sehen Juden betrifft, so gibt es übrigens darüber widersprechende Nachrichten. Nicht alles, was die Zeitungen bringen, ist wahr, und aus Berichten Neu-Angekommener erfährt man oft ganz anderes. In einem aber stimmen alle Uberein: das» die Judenheit in „Grossdeutachland" wirtschaftlich ru- 4 rU-e r t ist,- Ungeheure Werte sind hier vernichtet und geraubt worden. Gegen diese widerrechtlichen Akte bestehen zweifellos E r s a t z a n«priic h c, die in einer künftigen, auf Recht aufgebauten Welt geltend gemacht werden können. In der letzten Zeit hiess es, dass das Projekt einer Abschiebung von Juden in den Lubliner Bezirk (wobei, wie man jetzt erfährt, die Stadt Lublin ausgenommen werden sollte, aufgegeben wurde, anscheinend wegen der ungeheuren organisatorischen Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben; vermutlich spielt bei der widersprechenden Nachrichten auch das Durcheinander der deutschen Behörden eine Rolle, da ja bekanntlich verschiedene Instanzen in Deutschland gegeneinander arbeiten und auch oft entgegengesetzte „Befehle" ausgeben. Das geschieht so in einem Lande, wo es keine Gesetze gibt, sondern jeder ein (grösserer oder kleinerer) „Führer" ist. Wir haben noch vieles vorzubreiten und man kann nicht früh genug anfangen. Aber es kommt darauf an, das« nicht alle an einander vorbeireden, sondern dass ein wirkliches Zusammenwirken durch wirkliche Aussprache gefördert wird. Dazu wollen wir beitragen. Arbeitslosenhilfe der Regieruno; Erweiterung der Exekutive Da« sogenannte „K re t n c- A k t! o n h K ö m it e e" (der aus den palästinensischen Mitgliedern bestehende Teil de» Zionistischen Aktion« Komitee«) versammelte Mich am 27.12. in Jerusalem, wo die politische Debatte, die bereit« in der vorausgegangenen Sitzung begonnen hatte, fortgesetzt wurde. Mouche Schertok, der gerade aus London zurückgekehrt ist, belichtete über die politische Tätigkeit der dortigen Exekutive seit Ausbruch des Krieges. Nach einer längeren Aussprach« hielt B e n (I u r I o n das Schlusswort. Die Behandlung der organinatoriachen Fragen wurden au» Zeitmangel auf die nächste Sitzung verschoben. Es handelt sich dabei vor allem um die Brwttitcrung der Palästina-Exekutive. Dies« Aufgabe wurde beim Genfer Kongress dem kleineren Aktions Komitee übertragen, weil der Kongress wegen des bevorstehenden Kriegsausbruch» vorzeitig »eine Arbeit abschlössen musste, sodase die sonst die letzten Tage (und Nächte) ausfüllenden Verhandlungen über die Zusammensetzung der Exekutive nicht mehr vorsichgehen konnten. Wie wir verschiedenen Berichten entnehmen, gibt es mehrere Kandidaten für die Exekutive und zwar den Vertreter des Hapoel Hamisrachi Mosch« Schupira, der gegenwärtig als stellvertretendes Mitglied der Exekutive fungiert, Kandidaten sind auch Dr. Benzion Mossinson und Berl Locker (letzterer in London). Gerüchten zufolge soll auch eine Kandidatur von Berl Katzenelaon bestehen. G e g e n eine Vergrößerung der Exekutive opponiert der ntchtsioniatische Teil der Jewish Agency, der schon seit Jahren daran erinnert, dass gemäss dem Agency-Statut, die Hälfte der Exekutive aus nichtzionistischen Ageney-Mitgüedern bestehen sollte. Mit Rücksicht auf diesen Widerspruch der Nichtiionisteu besteht die Absicht, nur die „Zionistische Exekutive", nicht aber die „Ageney-Exekutive" zu erweitern. Jerusalem, 3. Januar. In einer vom High Commissioner einberufenen Versammlung von etwa HO rcpre.sentativen Bürgern Palästinas gilb der High Commissioner am 3. 1. 1940 eine Erklärung über die von der Regierung beschlossenen Massnahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit ab. Anwesend 'waren die hohen Beamten des Landes, einschliesslich der Mi Ii tärkom man d ante n, d i e Di st. r i k ts- Ko m m issärc und Leiter der Ver*s 11u ngs«D«partmen t s, die -Spitzen der religiösen Gemeinschaften, einschliesslich der Oberrabbiner, der Bürgermeister von Jerusalem, Mitglieder des Obersten Moslemischen Rates sowie der Jewish Agency und des Waad Leumi, der Präsident der Universität Jerusalem, sowie eine ganze Anzahl von arabischen und jüdischen Notabel n. Der High Commisvioncr hielt eine Ansprache, worin er d!* Verhall!ni.««'< im U»nde schilderte, wo Arbeitslosigkeit. Elend und Hunger herrscht als Folge von 3* Jahren Unruhen, wozu jetzt der Ausbruch des Krieges kommt. Hätte nicht die englisch« Regierung die ganzen Kosten des Sicherheitswesen übernommen, dann hätte Palästina seine Verwaltung nicht weiter führen können. Es gibt aber auch, so sagte der High Oommissioner. freundlichere Umstände, insbesondere das Bestcj hen einer finanziellen Reserve und Anstrengungen zu äusaersten Sparsamkeit. Auf Grund dieser Sachlage, so fuhr der High Commissioner fort, habe ich mich an die englische Regierung gewandt und gefordert, dass von den für bestimmte gebundene Zwecke zurückgelegten Reserven von 14 Millionen LP. etwa die Hälfte, das sind LP. 750.000, für Erleichterung der gegenwärtigen Lage freigemacht werden. In besseren Zeiten können die Fonds wieder aufgefüllt werden. Die englische Regierung hat diesen Vorschlägen zugeatim m t. Der Redner gab dann eine Darstellung der VERWENDUNG DER GELDER I. LP.20.000 sollen dem W a a d L cumi in monatlichen Raten von LP. 5.000 ausgezahlt -werden, für direkte Unterstützung an Juden in Palästina. Bei dieser Gelegenheit erklärte der High Commissioner, er wolle besondere Anerkennung der Umsicht und Energie zollen, mit der der Waad Leumi unter Rutenbergs Leitung die Angelegenheiten in die Hand nimmt. LP. 5.000 werden in den nächsten drei Monaten auch der Stadt Jaffa für Unterstützungen zur Verfügung gestellt werden. II. Als Anleihen werden gegeben: LP. 25.000 an die Stadt Tel -Aviv und LP. 10.000 an die Stadt Jaffa für Strassen bauten als Arbeitslosen fürsorge. III. Als freie Zuwendungen werden folgende Beträge verteilt: LP. 50,000 für die Araber, zur Verteilung durch die Distrikts-Kommis*ionäre, LP. 50.000 an den Waad Leumi. für die Juden Palästinas, LP. 50.000 für kleinere Dorf- und Strassenarbeiten in arabische Gegenden, LP.50.000 für die kleineren Gemeindeverwal-: tungen für wichtige öffentliche Arbeiten, i LP. 15.000 für anerkannte Wohltätigkeits-An-j stalten. { IV. Abgesehen von diesen freien Zuwendungen 1 folgende Anleihen: j LP. 75.000 an die Stadtverwaltung Tel Aviv,! LP. 50.000 an die Stadtverwaltung Haifa, j LP. 50.000 an die Stadtverwaltung Jerusale m. LP. 25.000 an die Stadtverwaltung Jaffa, j LP. 30.000 an andere Stadtverwaltungen grÖs-' serer Städte. j sämtlich für wichtige Öffentliche Arbeiten, die ' eine Erleichterung der Lage bringen. j Die bisher aufgestellten Zuwendungen betragen j ungefähr LP. 500.000. Dazu kommen aber noch j andere Aufgaben. Die bisherige Verschu 1-; d u n g der Stadt Tel -Aviv muss liqui- ' diert werden und da eine private Anleihe nicht j zu erhalten ist, wird der Stadtverwaltung unter \ bestimmten Bedingungen eine! Summe von LP. 130.000 zur Verfügung gestellt' werden. An die a n d e r e n Municipahtäten hat die ■ Regierung für dieses Jahr LP. 75.000 al* Beihilfe; budgetiert und hat jetzt für diesen Zweck noch: weitere LP. 30.000 bestimmt. j Weiter wird die Regierung LP. 151.000 für notj wendigt Regierungsbauten ausgeben, die| dem Lande zugute kommen werden. Der High Commissioner fuhr fort: „Ich brauche kaum zu «igen, dass durch diese Zuwendungen noch nicht alle Berit) rfiihw befriedigt werden Grosse und wichtige Unternehmungen sollten mit Regicrungshilfe ausgeführt werden, z.B in Tel-Aviv, Haifa und Hule- Gebiet. Diese müssen leider warten. Wir werden auch sonst wahrscheinlich mit unzähligen Anträgen bezüglich Arbeits- und Hilfswerke überschwemmt werden, aber wir werden nur ein«? kleine Anzahl davon ausführen können. Unsere Aufgabe wird nein, dafür zu sorgen, dass «las Geld dort ausgegeben wird, wo Hilfe am meisten notwendig ist. Die jetzigen Pläne werden das Land bis März 1941 über Wasser halten. Unter den Kritiken, die zu erwarten sind, muss vor allem eine erwähnt werden, nämlich, dass die Regierung nicht* für die Cltruft-Industrle tut. Aber die Regierung hatte die Wahl, entweder das ganze Geld für die Zitrusindustrie zu verwenden oder aber das zu tun, was sie getan hat, nämlich das Netz der Unterstützung soweit auszubreiten wie nur möglich. Einige tausend Pfund für die Zitrusindustrie auszugeben, wäre zwecklos gewesen. Der High Commissioner versichert aber, dass die englische Regierung alles tun will was möglich ist, um der Zitrusindustrie in der jetzigen Krise zu helfen. Auch die Palästina-Regierung hat eine Kommission eingesetzt, die die notwendige Organisierung der Zitrusindustrie prüfen soll. Zum Schluss erwähnte der High Commissioner, dass es sich bei den Zuwendungen nicht um einen regelmässigen Beitrag handelt, sondern um eine einmalige Summe, und wendet sich dann an die Versammlung mit folgenden Worten. „Ich möchte Sie zum Schluns erinnern, dass Sic Hilfe nicht nur von der Regierung a n nehmen sollen, sondern sie ihr auch gewähren müssen. Man kann nicht nagen, doxa bereits Friede ntxd Ordnung in Palästina hergestellt isf und ich glaube Sie werden mich verstehen, wenn ich sage, dass ein übermaMM von Politik in der Luft liegt und zu viele interne Streitigkeiten; dies ist nicht gesund und hindert d«n Fortschritt des Landes. Es trägt auch dazu bei. die englische Regierung beschäftigt zu halten zu einer Zeit, wo der Kampf für die Sache der Freiheit alle ihre Macht in Anspruch nimmt, wobei sie für uns alle ihre Schlachten schlägt und v o » u n s .«. 1! e n jede Unterstützung verdient, die wir ihr geben können, fias» Sic alle hier heute zusammen erschienen sind, ist, so hoffe ich, ein günstiges Vorzeichen und es bleibt nur übrig, Ihnen allen' nochmals Glück und Wohlstand im kommenden Jahr zu wünschen, ich kann dabei nur das Versprechen machen, dass die Regierung helfen wird, dl« heute verkündeten Zuwendungen in weiser Sparsamkeit und für die ärmsten Mitglieder der Gemeinschaft in nützlichster Form zu verwenden." Die Ankündigung des High Commissioners ist in Palästina mit grosser Genugtuung aufgenommen worden, obwohl, wie der Redner voraussah, besonders in den Kreisen der Orangen- Industrie eine gewisse Enttäuschung festzustellen ist. PalSstiaa-Konfereaz in USA Am 6. Januar und 7. Januar findet in W a - , s h i n g to n die grosse amerikanische Palästina- Konferenz statt, bei der Dr. Weiintann Ehrengast sein wird. Die Versammlung hat die Aufgabe, das amerikanische Judentum auf «eine Pflichten gegenüber Palästina aufmerksam zu machen und wird die Möglichkeiten Palästinas insbesondere im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsproblem erörtern. Unter den angekündigten Rednern befindet sich auch der Präsident der Hitachduth Olej Germania aus Palästina, Kurt B1 u m e n f e 1 d, sowie der Direktor der Deutschen Abteilung der Jewish Agency, Dr. Georg Landauer.