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Jüdische Weltrundschau · 1940-01-05 · 1 (5.1.1940) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
1 (5.1.1940)
Date
1940-01-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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SIEHE SEITE § %*fktlo,x Vcriftf «ni AflWl««i>V«nraJtan« JmHltm F. 0. B. «I»; 5. Bi-n .i»hu<1» Htr , TMophtm »079 Für nnv. rUngU M*nu«kr1p!>> wIH h'Snf Otrantl* tibor mtinmofl. ,r.»dkr Ffn«*nffunf o<J*f Anfraß l»l Hn lnt<«r B*tii>Hftl#r Antwort»rh*ln b^iinfiifo« Zimrhrlft«-!» für dt« Redaktion w*f<1»fi nicht «n F,lfla*lp«r«on«n. iond»rn •n tii« K*<l»ktloi». JmMlom. P O B 0H0 orb«ti>n 4KRITSALKM JANUAR 1940 r wao n*a Er#rh«l»it «Inmal »ÄchnntHrh- Anwü«r.»nn»hm« Mr •II* L*nH»r *:i«*rhlin<Ml!rh J*ruMl«»n POM «*9. ■- \t\*«\t*r\\*\l« V«r T.nftp.m *r»..-t-n!M<" An■ »Ion Kalt» «rrf;»ilt Im ft S^lt-n, Jo :i ft rm brHt Ornn<l{ir*t« t t»»«b - •„'» .-in «h .1/ jf. 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Zwei Menschen aus dem eng! in Anlehnung an das Denken des Zeitalters sten Kreise, der diesem Blatte nahesteht, sind j bei uns an „Assimilation" und „Nationalis unmittelbar hintereinander gestorben. Mit mus" produziert wurde, revisionsbedürftig und Bestürzung werden viele unserer Freunde in neu zu durchdenken ist, sowohl auf Grund der der Welt die Nachricht aufnehmen, dass Hugo Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, als auch Herrmann und Alfred Berger nicht aus dem Lebensgefüh! des neuen Jahrhunmehr da sind. Beide haben — in Mitteleuro-; derts heraus. Es rächt sich bitter, wenn wir pa - ihr ganzes Leben in den Dienst des jügedankenlos alte Formen und Routine weiterdischen Volke« gestellt und haben zuletzt in schleppen. Wir sehen, wie Dinge, die uns Jerusalem gelebt und gearbeitet, in Zusam-j einst gross und teuer waren, zu kleinlichem, menhang mit den meisten der Gefährten, die horizontlosem Getriebe werden, das ausser auch in Europa schon mit ihnen verbunden waren. Nun steigen wir zweimal an einem Tag den steilen Abhang zum ölberg hinauf, zu dem eigenartigsten und grossartigsten Bogräbnispiatz der Welt, um den Freunden das den Beteiligten kaum mehr jemand innerlich ergreift, das nicht erschüttert und mitreisst, schwunglos und ideenlos zu werden droht. Fluten wir uns, selbstzufrieden auszuruhen auf Errungenschaften, die 30 Jahre oder letzte Geleit zu geben. Die Landschaft liegt (mehr zurückliegen? Die Lage der Juden von in traumhaftem Sonnenlicht; es ist eine Landschaft von aufwühlender, unbeschreiblicher Grösse ringsum, die das ewige Lied von Untergang und Auferstehung versinnbildlicht wie^ain Ort in der Welt: die blauen Berge Moabs und die mild glänzende Fläche des Toten Meeres in der Ferne, davor die wilden heute hat keinen Präzedenzfall und zwingt zu neuen Erkenntnissen und Schlussfolgeningen. Was lehrt uns der Zusammenbruch der Emanzipation in Deutschland, was lehrt uns das Versagen der Minderheitsrechte, was bedeutet die neue Wanderung und Zerstreuung und schliesslich die Entwicklung Palästinas Hügel der Wüste Judas, zu Füssen das ro-; Wir wollen vorurteilslos dies alles prüfen mantische Kidrontal und der Berg Getsemane, j und bitten unsere Leser, uns zu geheiligte Stätte für fast die Hälfte der j h e 1 f e n. Dabei müssen wir auf einen wich- Menschheit, und drüben das alte Jerusalem! tigen Teil der Judenheit verzichten, denn in in seinen Mauern, der grosse Tempelplatz mit j P a 1 ä s t i n a darf unsere Zeitung weder ver breitet noch gelesen werden — dies ist die Bedingung, unter der die jüdischen nationalen Instanzen ihre Zustimmung zum Druck in Jerusalem gegeben haben. Die in Palästina lebenden Juden haben hier ihre Presse in hebräischer Sprache, und nichts soll geschehen, was ein Präjudiz bilden könnte für jüdische Zeitungen in Palastina in andern Sprachen. In diesem Faktum der Nicht-Gemeinsamkeit dem herrlichen Bau der Omarmoschee. VÖl ker und Religionen begegnen einander hier. An dem Abhang bis ganz hoch hinauf, erstreckt sich das Gräbenneer. Aller täglichen Mühen Ärgernis schmilzt dahin vor diesem Bück in die Ewigkeit. * Wir nehmen Abschied, und müssen zurück in die Wirrnis des Tages. Wir alle tragen unsern Kampf, und wir suchen den Sinn und! liegt ein wirkliches Problem (für unsere Zei-j das erlösende Ziel. Der Boden, auf dem wirjtung, aber auch weit darüber hinaus) vor, das { hier stehen, ist ein historischer und religiös! sich nicht verheimlichen lasst. verklärter Boden, aber es ist auch eine Stätte Wir glauben, dass die jüdischen Aufgaben; des Denkens und Plauens, des Werdens der|der nächsten Jahre allumfassende sind, Gegenwart. Je mehr wir uns, in diesem Zen- ] und darum interessiert uns nicht nur das trum des Judentums, mit allen fernen! undi Schicksal jüdischer Volksteile überall (und versprengten Brüdern verbunden fühlen, um-! besonders der emigrierten Juden in allen, so stärker empfinden wir alle Not und allesj Ländern), sondern auch ihr Denken und Wal- Ringen, alles Unglück und alles ehrliche Stre-1 len, denn wir haben ja gelernt, dass unser ben der Juden und Juden heuen in der Welt i aller Weg, wenn auch in verschiedenen Förmig Darum senden wir diese Zeitung, die j men und unter verschiedenen Himmelsstrichen jetzt ihren zweiten Jahrgang eröffnet, hinaus f ein einheitlicher ist. Die noch Fernstehenden in die Welt und warten auf Antwort und Re-; müssen in den Kreis der aktiv Mitwirkenden sonanz. Wir wollen die Dinge nicht einseitig, treten, müssen die Gesamtverantwortung mitbetrachten, wir wollen ohne Voreingenommenempfinden. In dienern Sinne appellieren wir heit dazu helfen, dass am Ende dieser kriti-lan unsere Leser und Freunde. Es gilt jetzt, alle Kräfte zusarnmenzu-? fassen. In dieser Hinsicht können wir dem j neuen Führer der englischen Juden, Prof. Ißrodetsky. seit 2 Wochen Präsident des i Board of Deputlcs der britischen Juden, bei- | stimmen, der in einer (wenn wir nicht irren.! der ersten) Rede nach seiner Wahl die For- [ derung einer geeinten Front fiirnlle künftigen j ßrurferuw/en der Juden] rage vor intematio-- l nalen Instanzen aufstellte. Wie immer die; Kriegsereignisse weitergehen. <<m wird ange- I nommen, dass nach einiger Zeit ein interi nationaler Kongress zusammentreten wird, . wie es nach früheren Kriegen der letzten j Jahrhunderte der Fall war. um alle schwebenden Fragen auf Grund der durch den Krieg I neu entstandenen Machtverhältnisse zu regeln i und in eine Form zu bringen. Wird dies so kommttn. dann wird fraMtu« auch di« Juden frage vor dieses Forum gebracht werden, denn wenige Welt-Probleme sind inzwischen so brennend geworden und haben sich in solcher Dringlichkeit, enthüllt wie dieses. Dabei werden die Juden m i t s p r e c h e n müssen, denn keine Neugestaltung indischen Leben* kann ohne ihre eigene verantwortliche Mitwirkung gelingen. Darum int. auch für uns selbst die Vorbereitung für diesen Moment so wichtig und diese Arbeit dürfte nicht vernachlässigt werden, auch nicht angesichts der noch so dringlichen Verpflichtungen des Tages und seiner Not. Es genügt aber nicht, eine Einheitsfront zu fordern, sondern man muss ein Programm haben, für das ein einheitliches Eintreten erreichbar ist. Noch bestehen auch innerhalb der Judenheit grosse Meinungsverschiedenheiten gerade in wesentlichen Punkten, schon weil wir ja die alten Parteiungen mitschleppen, die zum Teil durch die Wirklichkeit überholt sind. Das einheitliche Auftreten wird nur erfolge^ wenn es gelingt, vorher die Probleme zu klären und zu einer allumfassenden Realpolitik zu gelangen, die die Mehrheit für sich gewinnt, weil sie tatsächlich die Volksinteressen vertritt. * Wahrscheinlich kann man heute noch gar kein konkretes Programm aufstellen, denn niemand Weins, wie sich die Dinge konkret gestalten werden, bis der Krieg zu Ende ist. Es hängt dies von seiner Dauer ab, aber nicht nur davon. Wer weiss z.B. was bis dahin aus der noch in Deutschland verbliebenen Judenheit geworden sein wird? Dies ist ja ein wichtiger Punkt bei der Erörterung jüdischer Zukunftsfragen. Die wichtigste aller Fragen ist die nicht nur für die Judenfrage, sondern weit darüber hinaus bestimmende Frage, ob nach dem Krieg eine überstaatliche, allen gemeinsame Rechtsordnung anerkannt werden wird, oder ob das Prinzip der

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