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Jüdische Weltrundschau · 1939-12-15 · 27 (15.12.1939) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
27 (15.12.1939)
Date
1939-12-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 15. Deiember 1939 RETTUNG VON KINDERN Der „Pidjon Jla5ohwujfm" („Erlösung der befangenen") veranstaltete kürzlich im Hause Dr. Israel Weidmann, Jerusalem, eine Pressekonferenz, auf der Dr. Ahr. Katanclson von der Leitung de* Wand Lcumi, sowie Frau Wronskl und Dr Meir Waldmann von den Mitarbeitern de» Pidjon Uber die bisherige Arbelt de« Pld Jon berichteten Vor etwa Ii Jahren, In der Zelt nach dem Anschluas Österreichs, durch die Initiative der HOGOA gegründet, stellt« der „Pidjon Haschwujim" wich die Aufbringung von Geldmitteln speziell ftir die Einwanderung von Kindern au* Österreich und später «uch aus Deutachland zur Aufgabe Ein Teil des Geldes sollte fUr sociale Hilfe unter Einwanderern verwandt werden. Im Winter vorigen Jahres wurde er vom Waad Leumi übernommen, der auf Grund dieses Finanz* Instrumentes die Versorgung der Kinder garantierte und eine besondere Abteilung unter Leitung von Frau Wronskl zur Unterbringung und Betreuung der Kinder einrichtete. Die Arbeit de* „Pidjon" wurde damals dadurch erschwert, dass Zertifikate zunächst überhaupt nicht und auch spater nur In sehr geringem Umfange gegeben wurden. Auf Grund der Sommer-Schedule sind Jedoch 500 Kinder teils bereits hier eingetroffen, teils In der nächsten Zeit zu erwarten. Ausserdem hat der „Pidjon" die Sorge für mehrere hundert Kinder von Flüchtlings-Einwanderern auf sich genommen, aie untergebracht und für Ihre Einschulung, Erstehung usw. gesorgt. Diese Aufgaben konnte er auf Grund der Mittel erfüllen, die er bis Jetzt gesammelt hat Das Zeichnungsergebnis beträgt fast LP. 40 000, wovon Jedoch nur LP. 11,000 bisher in bar eingegangen sind Die Darstellung der Fursorgebeamten Uber den Zustand der Kinder bei der Ankunft rollten ein erschütterndes Bild Uber da» Schicksal Jüdischer Jugend aus Deutschland, und Österreich auf. Wenn man demgegenüber von geglückten Versuchen des Pidjon hört, Kinder in Ramoth Haschawim unterzubringen, so sieht man, daas man auch in unseren bescheidenen Grenzen Möglichkeiten hat, konstruktive Hilfe zu leisten. Der „Pidjon" hätte zu einem der wichtigsten eozlalen Finanzinstrumente werden können und müssen, um die Not innerhalb der Alijah aus Deutschland und Österreich zu lindern Diese Aufgabe hat er nicht ganz erfüllt Diesen Fehler gilt es heute gut m machen In der Leitung des Pidjon sind die Einwanderer aus Deutschland und Osterreich Jetzt durch aktive Repräsentanten vertreten. Es gilt, die Arbeit fortzuführen und dem Werk des Pidjon Haschwujim dadurch die Mittel zur Erfüllung seiner Autgaben zu schaffen II. Gerling (Jerusalem). LUDWIG TIETZ-HANDWERKERSCHULE Im Februar ISMO wird in der Ludwig Tietz Hundwerkcrschule in Jagur «ine neue KLaase er öffnet werden. Wahrend die Schule bisher nur der Aufnahme von Jugendlichen aus Deutach land diente, die mit der Jugend-Alijah in« Land kamen, werden Jetzt sum ertten Mal auch Jungen aufgenommen werden, dke mit ihren Eltern nchvn längere Zett im Lande wohnen. Die Ludwig TieU-Schule tat die Jüngste unter den handwerklichen Schulen das Lande«. An fang Februar 1937 kam zum ersten Mal eine Gruppe von 60 Jungen aus Deutachland, 40 Schloeaer und 20 Tischler, um in der Schule Ihre Ausbildung zu fachlich qualifizierten Handwerkern zu beginnen Zwei Jahre später, im Frühjahr IM», folgt« ein« zweite Gruppe von wiederum 60 Jungen, Je sur Hälfte Jugendlicher aus Deutschland und Osterreich, So umfasst die Schule gegenwärtig 120 Jungen, die in zwei Tischler, und zwei Schloaserklaaaen eingeteilt, sich auf ihren zukünfügen Beruf als Handwerker vorbereiten. Mit dem Wachsen der SchUlereahl ging die räumliche Vergröseerung der Schul« Hand in Hand. Während bei der Eröffnung der Schule zwei Gebäude die erste Tischlerei und die erste Schlosserei mitammt dem Verwaltungsgebäude den Hof umgaben, öffnet sich vor dem Besucher heute ein weiter, gro.w zügig angelegter Gebäudekomplex, der in seiner schönen und einfachen Gliederung ein eindruckevolles Bild bietet. Die Schule bietet vorläufig Aunbüdnngnmoglichkeittm in Schtoanerci und Ti«chierei mit ihren verschiedenen Zweigen. (Bauschlosserei, Bau und Ausbesserung von Maschinen, Dreherei, autogenes und elektrisches Schwelasen, Bautischlcrei, Möbeltischlerei, Bootabauerei.) In dreijährigem Kurs werden die Jungen unter fachmännischer Leitung zu selbständig arbeitenden Handwerkern erzogen, die, vertraut mit den Ardarauf verwendet, den Schüler mit aßen Arbeiten vertraut zu machen, die mit landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten und deren Reparatur verbunden sind, denn das Erziehung*- ziel der Schule ist in erster Linie der Handwerker, der in der Erkenntnis der Notwendigkeiten de» Aufbau« des Landes auf dem Land, .se! ca im Kibbuz, in der Kwuzah, im Moattiaw Owdim oder in der Moachawa leben will. Neben der praktischen Arbeit in der Werkstatt, die mit 4} Stunden im ersten Halbjahr beginnt und schliesslich km dritten Lehrjahr sechs Stunden täglich um/aert, erhalten die Schüler eine theoretisch« Auabildung in ihrem Fach, die in engem Zusammenhang mit der praktischen Arbeit stehend, seine Fachkenntnisse erweitert und vertieft Für die Jugend aus Deutachland steht natürlich besonders im ersten Jahr dar hebräisch« Unterricht stark im Vordergrund. Aber neben ihn treten bald alle Jüdischen und zionistischen Bildungsfachcr, die sie mit der hebräischen Kultur verbinden, und ihr helfen sollen, nicht nur in beruflicher, sondern auch in geistiger Beziehung ein produktives Glied der psiaWtlnensischeo Gesellschaft zu werden Die Schüler wohr.cn in besonderen Gebluden, die der Schule gegenüber im Gelände des Kibbuz Jagur liegen Ihre Mahlzeiten nehmen sie zusammen mit allen anderen Gliedern dieser grossen Gemeinscliaft in dem grossen schönen Eseraum des Kibbuz ein. In Verbindung mit dem Leben des Kibbuz gestalten aie an den freien Abenden ihr gesellschaftliches Leben, dessen Ziel es ist, selbständige, verantwortliche Menschen heranzubilden, die nach Beendigung hrer Ausbildung in der Schule verstehen werden, nicht nur als tüchtige Handwerker, sondern auch beltsbedingungen des Landes, besondere Sorgfalt als aufrechte, zielbewußte Menschen ihren Weg auf Sauberkeit und Korrektheit in der Ausfühj zu gehen und ihren Platz im Aufbau des arbeirung ihrer Arbeit legen. Besondere Sorgfalt wird J tenden Palästina zu finden. Ariele an die Redaktion DIE „EX-ASSIMIUNTEIT Sehr geehrte Redaktion, j Die in der „Jüd. Welt-Rundschau" vor einiger Zeil erschienenen „Bekenntnisse [eines Ex-Aasimilanten" von Tristan Leander und die daran anschliessende Diskussion berunren Themen, die in der hebräischen Presse im allgemeinen nur wenig Beachtung finden. Dabei sind diese Themen durchaus nicht so unaktuell, nicht nur für Neueinwanderer und „Ex-Assimilanten". son- __________________ dem »uch für dio Entwicklung des ganzen Vor etwa 9 Jahren kam Max Pomcram nach! Jwchuw, und daher sind sie der Erörterung durch¬ Wiesbaden, um dort die Leitung eines grossen iaus Wörti umaomehr, als man dadurch indirekt Kaufhauses zu Übernehmen. Bald trafen wir una! aui weitere wichtige Fragen des palästinensischen in gemeinsamer zionistischer Tätigkeit. Er war Lebens geatossen wird. ein hingebungsvoller Mitarbeiter, getreu den i So z. B., wenn man den „literarischen Streif- Traditionen der Familie und dem Beispiel von j zwischen den Herren Leander und Kroker liest. Bruder und Schwester. Schlicht und bescheiden; Herr Uuuidor möchte, dass an der neuen hebrai- MAX POMERANZ erfüllte er seine zionistische Pflicht und in seltener Disziplin ordnete er sich in die gemeinsame Arbeit ein, :hen Literatur nichts ausser der Sprache Jüdisch;i, und Herr Kroker erwidert ihm, es liege im Wesen der erzählenden Dichtung, dass der Dichter Lange vor dem Umschwung in Deutschland j Stoffe' aus dem Leben seines Volkes behandeil dachte er an eine Übersiedlung nach Palästina, und in kleinem Kreise wurden Pläne geschmiedet. Neidlos nahm er Anteil, wenn anderen gelang, die Übersiedlung früher zu verwirklichen. Alsbald nach dem Umsturz folgte er nach. Im und duss die Literatur somit stets national sei. Beide haben recht. Ganz gewiss ist, uni bei einem der von Herrn Kroker angeführten Beispiele zu bleiben, der Inhalt der Dichtungen Tolstois russisch, aber er ist nicht, wenn man Lande blieben ihm zuerst Enttäuschungen nicht j so sagen kann. ..programmatisch-russisch". Und erspart, aber mit Mut und hingebungsvoller Liebe j das ist wohl eben das, was Herr Leander wünscht: zu Eres Israel wurde er aller Schwierigkeiten i dass auch die neuhebräiache Literatur nicht Herr und fand bald den Platz in der Palästina-; ..programmatisch-jüdisch", nicht gezwungen- Wirtsehaft, der Ihm eine erfolgreiche und für j jüdisch, nicht pathetisch, nicht leitartikelhaft sein das Land wichtige Arbeit ermöglichte. In seij soll; duss sie zum Zionismus nicht im gleichen ner Arbeit in der „Haavara" hat er den Interessen Verhältnis stehen soll, in welchem die sowjetder vielen beteiligten Einzelnen ebenso wie dein Ganzen wichtige Dienste geleistet. Als die tückische Krankheit seine Angehörigen und Freunde bereits mit schwerer Sorge erfüllte, schmiedete er noch Pläne für die Zukunft. Ein gütiges Geschick und die Fürsorge seiner Angehörigen ersparten ihm, der nie die Zuversicht verlor, zu ahnen, dass seine Tage gezählt waren. Wir werden das Andenken dieses gütigen Menschen und treuen Freundes in Ehren bewahren. Abraham Landslxrg russische Literatur der „sozialen Bestellung" zum Kommunismus oder die deutsche „Blubo"-Llteratur zum Nazismus stehen; dass sie unprogrammatisch, unbefangen, unphrasenhaft sein soll. Und hier kommen wir zu einem ganz allgemeinen Gesichtspunkt: könnte es nicht überhaupt eine der Funktionen all der „Ex-Asslmilanten", all der Vertriebenen, Unglücklichen, aus Not gekommenen sein, den Fanatismus, das abgeschmackte Pathos, das Programmatische im Leben des Jischuw zu bekämpfen? Für eine Besänftigung, Intimisierung, Entheroisierung de» Alitags einzutreten, für all das, was ihnen in ihren bisherigen Wohniändern verdorben und versaut worden ist, - - und dadurch erst den Gedanken der Heimat verwirklichen (der ja etwas Intimes ist)? Das wäre eine der für einen sinnvollen und erfolgreichen Aufbau wichtigsten, aber auch am wenigsten beachteten Aufgaben, — ebenso wichtig wie Siedlung und wie Erschliessung wüster Gebiete. Es ist möglich, dass die „Ex-Assimiianten", die von aussen ins Land und zur Bewegung Gekommenen, die durch das unerträgliche falsche Pathos im Privatleben des Jischuw entstehenden übelstände klarer zu sehen vermögen als die mitten darin stehenden und mit anderen, ebenso wichtigen Dingen beschäftigten „alten Zionlsten". Die Hauptsache ist, daa« sie ihre Gedanken und Empfindungen ruhig aussprechen, ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber den alten Zioni&ten, die die Grundlagen des Aufbaus gelegt haben. Schliesslich haben doch die in ein Haus einziehenden Mieter kein Minderwertigkeitsgefühle gegenüber dem Architekten, dem Bauleiter und den Bauarbeitern. Hochachtungsvoll Dr. -Alexander Zak' (Tel-Aviv) ALTERSHEIM IN HAIFA Das in der A c h u * Wir Herbert Samuel ba- «tchende Alt< r«htim wurde durch ein«« Dt-pcnS.net »rwiij-rt Dir D.-prrnUncc tat nahe d-iü Heilt, gelegen, Di« Mahlzeiten werden itn U»im »elb»t eingenommen. Jadoch ist Vorkehr»«;; s»\™W»n, <!**» h> Krankhe-itafällMi Jio MahlieiUn tu eh in der U'jundauc« eingenermnea werden Uinnen. Trou den gestiegenen Lebenahaltungakoalen halten wir d.-n I'reia von LP 3,750 pro I'uraoa b-A »i«**fth5ivog ein«* ItoppeUtrnowra vr.i vm 5.-> H\ monatlich bei Bewohnung iine» Elnteliinimer» »ufrecht. Wir haben nocli Piatie frei und bitten Uta Anmeldungen. Älaehare Awoda Ir OanUa. l>i* 100 In»a»«* n de«!—if*r» »lud faul ohne Gepäck in« Land £ek»u)riun. Kür ihr« drini;>-ndaton H. durfnlt»- an Kleidung und Schuh« konnte ab«T noch geaorgt werden. — Ihre kulturell«« ltedürfiiUiie, vor allem d.-r Wunich nach Lektüre, können au» olteittHchen Mitteln nicht erfüllt werden. Wir bitte» daher uuker.» MKfUeder dringend um tf«eiffurte« L<--»anitttr-rtal Auf «inen telefonU^hen Anruf hin la*»en mit <i»«.'her. Brest-hu;-r., ai;? JahTfange »uu Zciisehrtrtea, Kleidung und 8chu he abhole«.

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