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Jüdische Weltrundschau · 1939-12-15 · 27 (15.12.1939) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
27 (15.12.1939)
Date
1939-12-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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15. Dezember 1939 JÜDISCHE WELT RUNDSCHAU Seite 5 JI2CHAK GRÜNBAUM 60 JAHRE Da« Mitglied der Exekutive Jizchak Gruenbäum feierte dieser Tage »einen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlas» wird seine zionistische und jüdisch-politische Vergangenheit in den palästinensischen Zeitungen ausführlich gewürdigt. Gruenbaum hat auf die Entwicklung de« Zionismus in Osteuropa einen grossen Einfluas gehabt. In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, unmittelbar nach der russischen Revolution von 190S, als die Bestrebungen nach einer realen Volksarbeit unter den jüdischen Massen Im damaligen Rußland immer mehr umsichgrlffen, war Gruenbaum einer der Vorkämpfer dieser Idee der „Gegenwart», arbeit" Im zionistischen Lager und einer von denen, die auf der Konferenz in Helstngfors (190*1) diesen Gedanken zum Siege führte. AI* dann nach dem Kriege daa selbständige Polen entstand, war Gruenbaum der gegebene Führer der um ihre nationale Existenz ringenden jüdischen Minderheit in diesem Lande, besonders in den stürmischen Tagen der Anfangszeit. Nicht nur in der Politik, als Führer des jüdischen Sejm-Klubs, sondern auch auf allen Gebieten der kulturellen Arbeit hat Gruenbaum stets in der hingebungsvollsten Weise für die jüdischen Interessen gearbeitet. Spater erwies sich allerdings seine Politik des radikalen Minderheits-NationaJismus als undurchführbar. Auf den zionistischen Kongressen war Gruenbaum eine markante Figur und seit seiner Wahl in die Zionistische Exekutive (1935) ist er einer von denen, die, im hebräischen Leben Palästinas wurzelnd, zwischen Palästina und der Diaspora eine Brücke zu schlagen versuchen. Gruenbaum erfreut sich grosser Beliebtheit bei den fortschrittlichen Gruppen und auch bei der Arbeiterschaft und auch seine politischen Gegner respektieren seine Integrität und Prinzipientreue. Die Zionisten aus Deutschland, die seit Jahrzehnten mit besonderem Anteil die innere Entwicklung dos osteuropäischen Zionismus verfolgen, beglückwünschen Jlzchak Gruenbaum zu seinem 60. Geburtstag und wünschen noch viele Jahre in gemeinsamer Arbeit für das jüdische Volk mit ihm in enger Verbindung zu stehen. Zugleich mit diesem Führer der „Allgemeinen Zionistengruppe A" feiert auch der palästinensische Führer der „Gruppe B"\ J. Supratki, seinen 60. Geburtstag. Auch Supraski ist ein alter Zionist des Vorkriegs-Russland und steht seit seiner Übersiedlung nach Palästina an dar Spitze des „rechten" bürgerlichen Flügels, der gegenwärtig in Opposition zur Exekutive steht. Auch Supraski ist eine nicht wegzudenkende Figur des palästinensischen onentliehen Lebens, und an seinem Geburtstag wenden sich ihm die Glückwünsche von „rechts" und „links" zu. AUS DER ZIONISTISCHEN ARBEIT SITZ UM* llft» ACTIONcMXIMlTKK» IN JERUSALEM Vergangene Woche fand In Jerusalem unter; dem Vorsitz von Ussischkin eine Sitzung des Engeren Zionistischen Aktionskomitees statt, in der der Vorsitzende der Palästina-Exekutive Ben Gurion ein Referat Über die politische; Situation und über die Arbeit der Exekutiv« erstattete. Die Debatte wird in einer der nächsten Sitzungen des Komitees fortgesetzt werden. AKTIVITÄT IN ALLEN LÄNDERN Die Arbeit der Zionistischen Organisation anj wie der Fonds (Koren Kajemeth und Keren Hajesj sodiundder übrigen zionistischen Verbund», z.B.' Wizo und Hechaluz, wird, wie zahlreiche berichte; beweisen, trotz der durch den Ausbruch des Kriege* entstandenen anormalen Situation in allen Ländern der Welt fortgesetzt. Die j grösstc Bedeutung kommt natürlich der Arbeit; in den Vereinigten Staaten von Amerika zu, wo (wenn man von Russland absieht) die gegen- : wart ig grosste jüdische Gemeinschaft lebt. Die Ziontaten in Amerika haben durch verschiedene \ Kundmachungen nach Kriegsbeginn gezeigt, das« sie Verständnis dafür haben, welche erhöhte Verantwortung jetzt auf ihnen liegt. Es wurde [ cm spezielles zionistisches Komitee ais Leitung? eingesetzt. Die erste grosse zionistische Konfc-; renz, die nach Kriegsausbruch stattfand, war die j von 1500 Delegierten beschickte Konferenz der j zionistischen Frauenorganisation H a d a s s a h, I bei der ah neue Präsidentin Mrs. de 8ola-j Pool gewählt wurde, die Gattin des Rabbiners, j der schon 1919/20 als Mitglied der damaligen j ,.Zionistischen Kommission" in Palästina tätig war. Die neue Präsidentin, die in einem besonfltrs verantwortlichen Moment das Amt Übernimmt, wird gewiss die grosse Tradition fortnetzen, die durch Vorgängerinnen wie Miss Saold, Mrs. Lindheim. Mrs. Jacob* und zuletzt Mrs. Epstein geschaffen worden ist. Die amerikanischen Zionisten bereiten Rieh jetzt auf den Bestich Dr. Welzmanns vor. Welzmann wurde eingeladen, auch Argentinien Im kommenden März zu besuchen. Bei der Eröffnung der vierzigsten Jahreakonferenz des Zionistischen Verbandes Holland im Konzertgeboow von Amsterdam waren 2500 Menschen anwesend. Mos« he Schertok und I^eo Herrmann vertraten die Exekutive der Jewish Agency und den Keren üajessod. Herr M. L Kau führte den Vorsitz. Eine Ansprache hielt Jacobus H. Kann, eine der früheren Gestalten der Bewegung, Herr A, J. H e r z b e r g, Präsident des Verbandes In den letzten fünf Jahren, wünschte nicht wiedergewählt zu werden. Darauf wurde M. L. Kan einstimmig zum Präsidenten gewählt. In Rumänien, dessen Judenheit durch den Zustrom jüdischer Flüchtlinge aus Polen besonders akute Pflichten zu übernehmen hatte, wurde die *ionl«ti*rh* Ijindeskonferenz. die den einheitlichen Territorialverband des ganzen Lande* repräsentierte, Ende November abgehalten. Als Vertreter der Exekutive nahm Jizchak Grünbaum teil. Auch in Jugoslavlen ist die Arbeit der Fonds mit grosser Energie und ohne Unterbrechung weitergeführt worden. JÜDISCHE FlÜGHTLiKGE IM ENILAND Die Londoner Wochenschrift „T he Spectat o r " veröffentlicht einen Artikel von Derrick Sington, der sich mit den Diensten beschäftigt, die während des Krieges von den zahlreichen Flüchtlingen vor Nazi-Unterdrückung in England geleistet werden könnten. Es gäbe in England 1,300 junge Männer und Frauen über 18 Jahre, die in Deutschland und Österreich auf HechaiuU- Farrnen ausgebildet worden sind, von denen 600 bereits der Arbeitcrimappheit von britischen Farmern abhelfen und die sich durch ihre bewunderungswürdige Anpassungsfähigkeit - wie in Palästina — als ausgezeichnete landwirtschaftliche Arbeiter bewährten. Auf einigen Gütern seien sie als kollektiv-bezahlte Gruppen von zwölf oder mehr angesiedelt worden. Auf anderen lebten sie zusammen mit dem Landwirt oder mit den englischen Farmarbeitern. Der Artikel nimmt weiter Bezug auf die Hechalutx-Trainingsgr uppen in Bedfordshire, Süsses und South Wales, wo es 700 solcher Landarbeiter gibt, auf die Jugendalijah und auf das Notstandskomitee der Society of Friends, das ungefähr 300 landwirtschaftliche Lehrlinge in verschiedenen Teilen des Landes untergebracht hat. Mr. Sington glaubt, dass die Regierung wahrscheinlich Im Laufe der Zeit die augenblicklichen A r Delta» beschrinkungen für Flüchtlinge Aufheben und sie in die nationalen Arbeit*. anstr« «gungen einschüessen wird. Er erwähnt, dass beinahe 20.000 Flüchtlinge, darunter 0000 mit hohen Qualifikationen, sich freiwillig tum Nationaldienst gemeldet haben. KLEINE AMERIKA-NACHRICHTEN j Eine katholische Gesellschaft in Amerika hat i eine Million Dollar für jüdisch-religiöse Erziehung gestiftet, die dazu verwendet werden; wird, ein grosses jüdisches Erziehungsprogramm \ in USA durchzuführen. Die Leitung dieses Werkes j liegt in den Händen von Dr. Alexander Duschi k I n, der bis zum vergangenen Sommer Direktor j der jüdischen Mittelschule in Beth Hakerem und j Professor der Pädagogik an der Hebräischen Ünif versität In Jerusalem war und sich jetzt in den j Vereinigten Staaten befindet.;! Die amerikanisch-jüdische Zeitung in engli-; scher Sprache „American Hebrew' veröffentlicht: ein Interview mit dem aus Deutschland be- } kannten Musiker Chemjo Winawer über! Pflege jüdischer Musik und insbesondere jüdi- ' sehen Chorsingens. Die Aufführungen aer Winaj wer'schen Chöre (vieien Juden aus Deutschland bekannt) haben in Amerika bei Publikum und 1 presse "lebhaften Anklang gefunden. Die Proj gramme enthalten stets auch hebräische und paj lastinensische Gesänge. I Der jüdische Historiker Simon Dubnowj hat sich aus Riga nach Amerika begeben. [ Dr Fritz Bamberger, früher Schulreferent der Jüdischen Gemeinde, Berlin, Ist gegenwärtig j als Rabbiner in der Gemeinde des Ernl! G. Hirsch! Center in Chicago tätig. Für die Congregation 1 Temple Sholem wurde Dr. Manfred S w a r - i s e n s k y engagiert, früher liberaler Rabbiner j und Prediger in Berlin. Das Jewish Center gibt j für seine Mitglieder ein Bulletin in deutscher I An alte Erntender l Alle nach Paliatlna gerichteten Briefe j sollen auf dem Coavert Namen und genaue' Adre*«e de« Abwenden« mtwle einen eng Hachen Vermerk über die Sprache der darin enthaltenen Korrespondenz tragen, also z.B. "Wrttten in EnjrihU»" oder "Written In Ciemiaa" etc. Wir bitten nnaere Mitarbeiter und Abonnenten, äkh an diene Vorschrift zu halten. Mitteilungen sowie nicht zum Abdruck bestimmte Zuschriften bitten wir nach Möglich-! keit engllach. hebrikich oder frajuoalach ab-; lafaaaea, da bei anderen Sprachen Verzogermagea der Zufttellung eintreten können. VEKLAG UND REDAKTION »JÜDISCHE WELT-BUNÜSCHAir Sprache heraus, worin Gottesdienst sowie Veranstaltungen etc. angekündigt werden. In New York wird gegenwärtig ein Stück von Clara Brntth „Margin for Error" aufgeführt, das die Rolle des jüdischen Polizisten F I n k e I - »teln behandelt, der seinerzeit mit dem Schutz der, deutschen Konsulats beautragt wurde. Die deutsche Gesandtschaft in Washington hat gegen die Aufführung des Stückes Protest erhoben. Professor Rudolf Samuel (früher Breslau), jfttst Professor am Technikum In Haifa, hat sich in den Angelegenheiten des Technikums nach Amerika begeben. PREISAUSSCHREIBEN Ein amerikanisches Komitee veranstaltet «in Preisausschreiben für die beste Arbelt, die in Form einer Autobiographie die gesellschaftlichen und seelischen Wirkungen des Nationalsozialismus auf das deutsche Volk darstellen. Die Arbeit soll den Titel haben „Mein Leben in Deutschland vor und nach dem 30. Januar 1933." Es wurden folgende Preis« ausgesetzt: 1/ Preis S 500, . 2. Preis $250,—. 3. Preis $ 100.—, 4. Preis $50, , 3 fünfte Preise je t 20,—. Die Manuskripte können deutsch oder englisch geschrieben sein und der Umftvng soll ein Minimum von 20.000 Worten betragen. Das Preisausschreiben schliesst am 1.4.1940. Die Adresse des Komitee» lautet S. B. Fay, 778 WIdener Library, Cambridge, Massachusetts, USA, Nähere Angaben erteilt auf Wunsch die HOG, Tei-Aviv, POB. i4»ö. WARUM $0 VIELE DELEGIERTE? In einigen jüdischen Zeitungen Amerika» und Englands wird die Frage aufgeworfen, ob es wirklich nötig ist, dass so viele Delegierte jüdischer Institutionen aus Palästina zur Durchführung von separaten Geldsaramelaktionen nach Amerika fahren. Das jüdische Publikum Amerikas wird, so wird hervorgehoben, durch die Vielheit der Aktionen verwirrt und vielleicht auch in seiner Gebefreudigkeit beeinträchtigt. Ausserdem wird der Eindruck erzeugt, als ob die Beziehung zu Palästina nur in Geldgeben für diesen oder jenen Zweck bestünde. Statt dass Palästina Im Namen einer grossen Idee auftritt, wird durch das ungeordnete und undisziplinierte Auftreten vieler Einzeldelegierter der sicherlich unberechtigte Eindruck erzeugt, als ob die Geldsammler »ich gegenseitig Konkurrenz machen wollten. In manchen Zeltungen wird daran Kritik geübt, daa« nicht die Zionistische Organisation oder sonst eine verantwortliche Instanz dafür gesorgt hat, eine einheitliche Delegation zustande «u bringen, die ohne Zersplitterung tn würdiger Vorm die Interessen und Bedürfnisse der palästinensischen Judenheit in dieaer Notzeit repräsentiert

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