Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 27 (15.12.1939)
- Date
- 1939-12-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 15. Deserober 1939 Neue Führung der englischen Juden! PAiisnNA-NACHRianiN O C3 In der letzten Woche ist ein italienische* In London wurde nach langwierigen Ver-. Prinzipien abgelehnt Diese Kreise waren der i 8cfalff "jjt jüdischen S*™?*?^ haiidlungen die Schaffung eine« jüdiachen Sonder-1 Meinung, das* die Maschinerie des „Board of De-! f*"S£*f, ' f*******™* *** ^5l5^J^ ausschusses beschlossen, der mit der Führung puties" auch für die JeUige Zeit auareicht. Wie ( |TenTlh auÄ WmTer de" j£i£Xk der jüdischen Angelegenheiten wJihes acheint, wurde Jet« ein Ausgleich der wider-; mcUten der Einwanderer hatten ihre früheren rend des Kriegen und bei der F r i e -j strebenden Meinungen gefunden.! Wohnlander Ende November vertaaaen. Die Eindenskonferenz betraut werden soll. Der j Für Palästinenser ist es interessant, daas in Wanderer wurden In Tel-Avir von Hunderten von Ausachuss soll bestehen uns fünf führenden lies-1 der englisch-Jüdischen Gemeinschaft ähnliche Proi Freunden und Verwandten abgeholt, sortleitern der englisch-jüdischen Gesamtorganij bleme auftauchten wie in Palästina, wo gleichfalls j Während der ersten Hälfte des Jahres 1030 sind gemäss der offiziellen Statistik Ii. 130 Jüdische Einwanderer in Palästina eingetroffen, darunter 3600 Flüchtlinge, die von der Regierung legalisiert wurden. Von der genannten Ziffer kam etwa ein Drittel auf sogenanntes Kapitalistcnzertlfikat Aus Deutschland kamen MOS Gemäss dem Statistischen Delation ("Board of Deputier"), fünf weiteren von j die Einsetzung einer starken, aus wenigen Perdiesem Board yrwtfhitrn Mitgliedern, und drei i sonen bestehenden Leitung des Jiachuw gefordert Notabcln. die ausserhalb de« Bjtud «Udiim, Der | wurde, an deren Stelle »her schliesslich ein 18- Ausschus.H soll dem "Board o; Dcpuiiea" verant- \ gliedriges, in der Hauptsache nach dem Parteiwortlich »ein Diesem B^chha^ ist c:a lfingwieri- . Schlüssel zusammengesetztes Komitee gebildet gar Kampf in der englisch-Jüdiadien Gemeinschaft j wurde. Der Vertretung der englischen Judenheit mnwmnforn _ ~ vorausgegangen. Schon zu Krj«g*heglnn wurde I wird - neben der amerikanischen - eine ent-j pftrtement der j^mh Agency a7nd"im"'Ntwembs'r von bestimmter .Seite die Forderung erhoben, scheidende Rolle bei der künftigen Gestaltung: g71 jüdische Einwanderer angekommen, darunter einen kleinen Ausach uss zu bilden, dem die Ftihj aller Jüdischen Dinge zufallen. Es ist zwar ver-\ 375 Studierende und 105 Kapitalisten, rung der englisch-jüdischen Angelegenheiten an-! früht, jetzt schon an die Friedenskonferenz zu pas zentrale Komitee des hebräischen Weitvertraut werden soll. Man war «ich klar darüber, j denken, aber dass nach dem Kriege die jüdischen j bundes veröffentlicht einen Aufruf, der zum Kauf das» die englische Judenheit vor praktischen Auf-! Probleme in weit grösserem Umfang einer grund-1 hebräischer Bücher auffordert. Die begaben steht, wie noch nie zuvor, denn auf der; legenden Neuordnung bedürfen werden als nach einen Seile hat .sie schon durch die in England j dem letzten Kriege, ist nicht zu bezweifeln. Spielt befindlichen Flüchtlinge eine ungeheuere ma-j doch - infolge der nationalsozialistischen Propaterielle Last zu tragen, auf der anderen Seite ist j gauda - - die Judenfrage bei diesem Krieg eine eine aktive Bekämpfung der umsiehgreifenden Rolle, wie nie zuvor in der Geschichte, antisemitischen Agitation für das englische Judentum zu einer Lebensfrage geworden. Dazu kommt noch die Verantwortlichkeit der englischen Juden für jüdische Angelegenheiten in anderen Ländern, vor allem in Palästina. Die Einsetzung einer kleinen, .sogenannten "diktatorischen" Leitung wurde jedoch von einem Teil der englischen Juden unter Berufung auf die demokratischen Der bisherige Präsident des Board of Deputies, Nevillc Laski, hat sein Amt aus persönlichen Berufsgründen niedergelegt. Die Neuwahl des Präsidenten soll in der nächsten Sitzung (Sonntag) vor aich gehen und als aussichtsreichster Kandidat gilt Prof. Brodetsky, Mitglied der zionistischen Exekutive. Ein anderer Kandidat ist das Unterhausmitglied Major Nathan. DIE NOT DER REFUGELS RÜCKKEHR EMIGRIERTER ARABER Ein Leser aus Shanghai «endet uns einen Ausschnitt aus der „North China Daily News", in der der Brief eines Einwanderers aus Deutachland abgedruckt ist, der sich über die Schwierigkeiten beschwert, die den Kefugccs bei ihrem Versuch einer Einordnung ins wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben entgegengebracht werden. Diese Menschen, die unschuldig ins Elend geraten sind und siel» unter überaus schwierigen Verhältnissen eine neue Existenz aufbauen müssen, werden, so heilst es in dem Artikel, als unerwünschte Eindringlinge betrachttet, denen man jede Arbeit, oft auch Zimmer- \ Amnestie ausgeschlossen, miete, versagt und dadurch die ohnedies schon j schwere Einordnung in ein neues Leben fast j unmöglich macht. Der Schreiber des Briei fes führt einige Beispiele von Akten der Menschj Hchkeit an, die in seinem eigenen Hause während ) \de« vorigen Weltkrieges gegenüber sogenannten „Feinden" ausgeführt worden sind und appelliert an die öffentlichkeit und an die freiheitsliebenden Länder, mehr Verständnis für die Lage der Flüchtlinge zu haben, die bei nützlicher Einordnung auch den Ländern ihres neuen Aufenthaltes wertvolle Dienste leisten können. Der High Commissloner hat angekündigt, dass die arabischen Emigranten, dl« Palästina in den letzten Jahren verlassen haben und jetzt zurückzukehren wünschen, nicht an der Rückkehr behindert werden. Sie müssen Jedoch versprechen, bei der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Lande zu heilen, in der Kundmachung wird darauf hingewiesen, dass Hunderte derartiger während der Unruhen ausgewanderter Araber bereits zurückgekehrt sind; Personen, die für Gewalttaten oder Anstiftung zu Gewalttaten verantwortlich sind, werden von der dauerliche Stagnation auf dem hebräischen Büchermarkt, so heisst es in dem Aufruf, ist eine Gefahr für die lebendige hebräische literarische Produktion. Zu Chanukkah findet zur Förderung der Verbreitung hebräischer Bücher eine Buchnussteiiung statt. Die jüdische Arbeiter-Organisation (Histadruth Haowdim) hat zur Feier des 19. Jahrestags ihrer Gründung eine „H istadruth- W o c h e" proklamiert, die unter grosser Anteilnahme in hunderten Versammlungen irn ganzen Land durchgeführt wird. Auf Garantie des Wasxi Lcumi wurden 6» Flüchtlingskinder Im Alter zwischen ein und sechzehn Jahren, die als illegale Immigranten ins Land gekommen sind, aus dem Internierung»- lager in Sarafand befreit Ihre Eltern sind noch interniert Die Kinder werden vom Kinderhiifswerk des Waad Leumi betreut. Nach einem offziellen Bericht kam es in der Nähe von Dschenin zu einem Kampf britischer und transjordanischer Soldaten gegen 14 Mitglieder einer bewaffneten Bande, wobei 5 Mitglieder der Bande, einschliesslich eines bekannten Anführers, getötet und 6 gefangen wurden. Zwanzig junge Juden aus Deutschland, die sich kürzlich in Nathania niederliessen , und sich mit Fischerei beschäftigten, erhielten von dem Maritimen Departement der Jewish Agency-Exekutive Boote, Netze und andere Ausrüstungen für ihre Arbeit. Habimah Premiere 'Wie „Palcör" aus Paris »neidet, haben die französischen Behörden gestattet, dass eine Delegation der Jüdischen Emigrations-Organisation „Hicem" die Internierungslager in Frankreich besucht, um zu untersuchen, welche der dort internierten Juden die Möglichkeit der Auswanderung haben. Man rechnet damit, dass auf diese Weise 2000 Personen die Lager werden verlassen können. Interniert sind sämtliche männlichen Inhaber deutscher und öüterreichischer Pässe (einschliesslich der jüdischen Refugees) bis zum 65. Lebensjahr. | OBERRABBIHER MIEMIROWER | In Bukarest *ta»b Oberrabbiner Dr. Niemiro w e r, Vertreter der Juden im rumänischen Senat. Nlemirower ist auch in der zionistischen Bewegung seit langer Zeit bekannt und war Delegierter bei vielen zionistischen Kongressen. Seine mutige Verteidigung der jüdischen Interessen hat ihn öfter in Konflikte verwickelt und vor einigen Jahren wurde von einem antisemitischen Fanatiker ein Attentat gegen ihnj verübt. Sein Hinscheiden bedeutet einen schweren Verlust für dl« rumänische Judenheit j "DIR MUTTER" von Karol Capelt Die Frau neben mir - selbst eine Mutter — protestierte leidenschaftlich gegen den Ausgang des Stückes. Ist es möglich, dass die Mutter, die durch drei Akte gegen den Männer-verzehrenden Heroismus — heroisch ringt, zum Schluas seihst der Suggestion erliegt und ihren letzten Sohn freiwilig hergibt? Selbst diu erschütternde leise Melancholie der Rowina ab der einst glücklichen und kinderreichen, nun völlig vereinsamt zurück bleibenden, aller ihrer Lieben t gleich Hiob und Niobe) beraubten Mutter vermag das (für die Frau) nicht glaubhaft zu machen. Und doch ist dies vielleicht der tiefe Sinn des Stückes, dass ein Aufbäumen gegen diese Weitordnung und gegen dun menschlichen Trieb nach Hingabe an eine Idee vergeblich ist Die Tragödie des „Stirb und Werde", Capek, der liebende Menschenfreund, Masaryks Eckermann, nimmt nicht „Partei" gegen das gepeinigte und schliesslich sich ergebende Muttertum, sondern zeigt die Verworrenheit und das Paradox menschlichen Leidens in seiner Ausweglosigkeit. Es ist ein Drama ohne viel äussere Handlung und szenische Bewegtheit; das Problem wird greifbar durch den Dialog, dar zwischen der Mutter und den Toten (Mann und Sohns) geführt wird, in einer halbwirklichen Sphäre, deutbar als Traum, als Selbstgespräch oder als gespenstische Realität Die schwierige Aufgabe wird von dem Regisseur der Hablma, Fi ivHm4, glücklich gelöst, der die Gestalten der Toten in einer halb traumhaften Atmosphäre bildhaft verklärt und doch real wirken lässt Die Hauptlast des Stückes trägt die Rowina, die hier alle Töne ihres weichen Frauentums und ihrer Menschlichkeit zur Geltung bringen kann. Sie vermeidet die Gefahr übermässigen Lamentieren« und trägt mit edler Geste des Nichtverstehena den ihr bestimmten Schmerz. Den jüngsten Hohn Toni gibt Fanni Lubitach als Hostenrolle, gelungen in der verträumten Jungcnhaftigkeit des kaum der Pubertät Entwachsenen. Gnexsin als der Vater, Wurschawer, Bruck, Klatskin und Kutai als die erwachsenen Sohne versinnbildlichen eindrucksvoll den über den Tod hinaus beständigen Typ ihres Wesens und führen den heiklen Dialog mit diskreter Würde, Friedland weiss den Abend mit einer inneren Spannung zu erfüllen, die seiner Regie alle Ehre macht. Es ist eine ausgezeichnete Leistung der Habima und ein guter Auftakt zu der neuen Saison, die unter dramaturgischer Beratung des erfreulicher Weise immer mehr im Lande verwurzelnden Max Brod steht Auffallend ist aber — dies rnums ausgesprochen werden — wie wenige „deutsche" Juden man im Theater sieht (wenigstens gilt das für Jerusalem). Sollten nicht die Juden aus Deutschland, die immer ein enges Verhältnis zum Theatsr hatten, die ersten sein, auch hier durch aktiv« Teilnahme und lebendiges Interesse auf die Gestaltung der palästinensischen Bühne einzuwirken? Und wenn sie dadurch auch der hebräischen Sprache näherkommen, so wäre das sicher nicht tu bedauern. R. T. * Das Theatsr „Obel" bereitet «ine hebräisch« Aufführung von Schiliers „Kabale umd Liebe" vor Dt* Rsgie führt Fri«drica Lobs (frtlasr Breslau). Di« Ubers«Liung stammt von Avigdor Hameiri. Di« Premiere findet am 21. Dezember statt