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Jüdische Weltrundschau · 1939-12-15 · 27 (15.12.1939) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
27 (15.12.1939)
Date
1939-12-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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15. Dezember 1939 JÜDISCHE WELT RUNDSCHAU Seite 3 Aus Industrie und Landwirtschalt MUSTIMS WIRTSCHAFT Aus Veröffentlichungen der leisten Tage geht hervor, dass Palästina reichlich mit Lebensmitteln versorgt Ist. Wahrend der totsten zwei Monate ist an Mehl und Getreide k> viel eingeführt worden, Wie sonst während \2 Monate, da die Regierung tu Kriegsbeginn den Lizenzzwang für die Einfuhr dieser Artikel aufgehoben hat, um die Versorgung dieses Landes su erleichtern Infolge der reichlichen Vorräte sind rtie Mehlpreise in Palistina sogar gefallen, während sie auf dem Weltmarkt gestiegen sind. Das Hauptlieferungsland für Getreide und Mehl ist Australien, von wo die Ware bis Surs verschifft und dann per Bahn nach Palastina transportiert wird. In einer Sitzung des Verbands« der Importeure unter dem Vorsitz von Dr Schmorak (von der Jewlsh Agency) wurde erklärt, daas die Importeure Imstande sind, das Land mit allen Bedürfnissen su versorgen, doch müsston grosse Lagerhäuser errientet werden. Der Verband sprach sich gegen eins senfraie ImportgeaelUchaft aus. Der Gedanke einer zentralen Importgeseilscbaft wurde kürzlich in verschiedenen HOG Vorträgen von Dr. Werner Feilchen fei d, dem Direktor der Haavara, vertreten, der darauf hinwies, dass durch die Devisenzwangswirtschaft in Palästina eine ganz neue Situation geschaffen worden ist, die zu einschneidenden Massnahmen zwecks Einschränkung und Organisierung de» Importes führen müsste. Die Verordnung vom 11. Dezember betreffs Import-Lizenzen bedeutet bereits eine Art Kontrolle des Imports seitens der Regierung. In einer Sonderausgabe des palästinensischen Amtsblattes wird der Import von Gütern nach Palästina geregelt. Es wird eine Liste von Gütern veröffentlicht, zu deren Einfuhr eine Lizenz erforderlich ist, wenn sie nicht vor dem 11. Dezember 1939 nach Palästina bereits abgesandt waren. Es werden von Jetzt ab nur noch begrenzte Mengen dieser Waren zugelassen werden. Es handelt sich um 422 Warenkategorian. Dieselbe Nummer des Amtsblattes veröffentlicht auch eine Verordnung, die dem High Commissioner die Berechtigung gibt, durch einfache Verfügung jeden Import nach Palästina und Export aus Palästina zu verbieten oder zu regulieren, einschliesslich jeder Art von Verschiffung von Waren. Jeder Exporteur ist verpflichtet, auf Aufforderung nachzuweisen, dass die exportierten Waren nicht für Feinde oder Feindesland bestimmt sind. In den letzten vier Jahren wurden in Palästina 10 Millionen Rasiermesser von der Fabrik „Okawa" in Rischon Lezion hergestellt, wie anlä&sUch des vierjährigen Bestehens dieses Unternehmens mitgeteilt wurde. In der Fabrik arbeiten 56 Arbeiter und es gelang, die Rasiermesser aus Deutschland und Japan vom Markt zu verdrangen. Auch ein Export nach verschiedenen Ländern Europas, Asiens, Afrikas, Südamerika«, Kanada, Indien etc beweist den Erfolg des Unternehmens In der Fabrik „Schemen" bei Haifa wird neuerdings ein festes Pflanzenöl erzeugt, das zur Herstellung von Margarine dient. Es wurde eine neue Fabrik zu diesem Zweck errichtet. Diese Erzeugung ist die einzige ihrer Art in Palästina und Nachbarländern Die Fett- und Margarineproduktion in Palästina nimmt in der letzten Zeit einen merklichen Aufschwung. In den letzten Tagen kamen aus Ägypten und der Türkei grössere Bestellungen ph & r rn a z e u - tische r Produkte an palästinensische Fabriken. Es handelt sich um Medikamente, die | früher hauptsächlich aus Deutschland bezogen \ wurden. In manchen Industrien Palästinas hat sich in; der letzten Zeit ein gewisser Rohstoff-; man gel fühlbar gemacht, wofür mehrerei Gründe vorhanden *ind, u.a. die Verteuerung der Rohstoffe auf dem Weltmarkt und die Schwie-: rigkeiten der Zufuhr, wodurch in manchen Industrien die Gefahr besteht, das* die Produktionskosten zu hoch werden, um eine Konkurrenzfähigkeit aufrechtzuerhalten, da der lokale Markt in Palästina zu schwach ist, um diese Industrie vollständig zu erhalten Durch die Bej strebungen, den Export der Paiästinaprodukte zu \ fördern, würde, wenn sie gelingen, die Stellung! der Industrie bedeutend verbessert werden In 1 der letzten Zeit hat sich in verschiedenen Nach-! barländern, u.a. auch in der Türkei, starkes Interesse für eine Verstärkung der Handelsbe- | Ziehungen mit Palastina geseift. Für den Export von Orangen au« Pa- < lästina ist jetzt eine besondere Lizenz erforder- : lieh, well verhindert werden soll, dass durch i Verschiffungen nach neutralen Landern die paj lästinenslschen Orangen auf Umwegen in Felndes-; land gelangen. Aus diesem Grunds wird auch! die Menge des Exports In gewisse neutrale; Länder limitiert dite sind von den Pflanzern turttekzuzahlen aus den Ersparnissen, die durch eine eventuelle Ermässigung des Orangenzolte in England ent- »tehen. ferner aus 25% der Einnahmen, die einen Preis von 325 mils per Kiste übersteigen odor aus den überschüssigen Einnahmen der kommenden drei Jahre Der Schiedsspruch bezieht «ich nur auf die Oraugensaison 1930/40. Der Pflanzerverband hat den Schiedsspruch in dieser Form bisher nicht angenommen, sondern will nur W% <l#r Arbeiter durch die Arbeitsburos beziehen aow-ie bezüglich der «liesjährigen Lohnfestsetsung ♦•ine völlige Befreiung von den xunätzlkhen drei Piaster pro Arbeitstag. Die Arbeiterorganisation hat trotz der den Arbeitern zugemuteten Opfern den Schiedsspruch Ruter. bergs nomnien AUS DER BANKENWELT Die Ashrai-Bank In Tel-Avlv, die In finanziellen Schwierigkeiten Ist, hat ein Moratorium beantragt. Die ungedeckten Verpflichtungen der Bank öelaurfen sich auf ungefähr LP 560 000 Die Depositen unter LP. 100, ferner Einlagen, die nach dem 27J.1939 gemacht wurden, und die Guthaben derjenigen Einleger, die noch nicht 15% ihres Guthaben abgehoben haben, geniessen Priorität bei der Auszahlung, die beginnen wird, sobald 5% der Geeamtschulden wieder vorhanden sind Die Bank wird voraussichtlich liquidiert werden. Vier palästinensische Banken haben kürzlich ihr Aktienkapital erhöht, um dem neuen Erlaas des Bankgesetzes zu entsprechen. Die Ellern Bank Ltd. erhöhte ihr Kapital von LP.30.000 auf LP. 50.000; die Palästina-Industrie-Bank Ltd. von LP.50.000 auf LP.75.000, die Jordan Bank Ltd. von LP. 25.000 auf LP. 52.000; und die Palästimt- Credit Utility Bank Ltd. von LP. 25.000 auf LP. 50.000. RUTENBERGS SCHIEOSSPRUCH i | Nach langwierigen Verhandlungen kam es in : dem Disput zwischen den O r » n g c n p t \ a n - zern und den Arbeitern zu einer Entscheidung \ des Präsidenten des Wand Leumi, Rutenberg, : bezüglich der Arbeitsbedingungen in der Pfiück- \ saifton Der Schiedaspruch Rutenberga lautet wie j folgt: l) Die Orangenp/lanzer sind verpflichtet,; 75 % ihrer Arbeiter durch die lokalen Ar bei Ui büros zu beziehen, während sie bezüglich 25% 1 ihrer Arbeiter frei sind. 3} Wenn die Pflanzer ■ einen Arbeitslohn von 16 Plaster täglich bezahlen, j wird aus einem Fonds, den der Waad Leumi | und die Jewian Agency schaff er., 2 Piastsr zu- ' tzüch für den Arbeitstag gezahlt. Diese Kre- 54 neue Dörfer OER K Ell ER HJUESSOD RERICHTET In einer Pressekonferenz des Keren Hajesaod gab der Direktor des Fonds, Leib J n f f e, interessante Ziffern über die Einnahmen «lex letzten Jahres Wie schon gemeidet, war das vergangene Arbeitsjahr (30.» 193» 30 ft 1939) ein Rekord und erbrachte LP 627 000 Seit seiner Gründung! hat der Keren Hajesaod LP. 2.700 000 für Kolo- I nisatlon, LP 1 000.000 für Immigration, LP. \ 1.600 000 für ErziehunKswesen, LP 990.000 für \ öffentliche Arbelten. LP. 720.000 für Industrie j und Handel und LP. 375 000 für Gesundhelts- | wesen ausgegeben Im heutigen Moment, sagte ' Herr JafTe, «teilen wir vor wachsenden Aufgaben, insbesondere in B*zug auf Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Unterstützung der Industrie, Kon-! solidierung der 54 in den letzten Jahren neugo- | schaffenen Siedlungspunkte usw. Ober diesen | letzten Arbeitszweig, die Schaffung von neuen > Siedlungen, wohl das interessanteste und wichtig-! sie Kapitel in der Tätigkeit des Keren Ilajeasod \ und Keren K&jemeth, gab der Leiter der LanJj wirtschaftlichen Arbeiterorganisation, Abraham! Harzf eid, ein lebendiges und eindrucksvolles I liild iit t:iii«m cirmtündigen Vortrag. Harzfeid zeigte wie Überall im Lande nach bestimmten j geographisch und wirtschaftlich motivierten : Prinzipien Siediiingspunkte entstanden «lad, wie! die Siedler allmählich in den entlegensten Teilen I des lindes Fuss fassen und ihre Wirtschaften | unter groa.-en Entbehrungen befestigen. Der | Keren Hajesaod hat bisher für diese Siedlungen! LP 325.000 ausgegeben Im Ganzen »ollen 4000; Familien dort untergebracht werden. In »einem | SchluAswort verwies Herr Jaffe nochmals auf | dl« Notwendigkeit, für dies» einzigartig* Auflmu- I arbeit die notigen Gelder zu beschaffen. FREIWILLIGE AN DIE WESTFRONT In Palästina wurde mitgeteilt, das« 1200 Freiwillige für das britische Hilfskorps in Frankreich angeworben werden sollen. Diese in England neugeschaffene Formation führt den Namen „Militärisches Iii! f s- Pioni ercorpa" (Auxiliury. Military Pioneer Corp«) und "hat, wie es in der Ankündigung hei&st, die Aufgabe, entsprechend der Form des modernen Krieges, der in der Frontlinie für die Bedienung von Kriegsma.vhinen hoch-ausgcbildete Truppen benötigt, diese Trupp«; mit allen ihren Bedarfsgegenständen (Munition, Verpflegung, allerlei Kriegsmaterial) zu verborgen, .sowie bei der Aufrechterhaltung aller Verbindungswege und beim Bau neuer .Strassen mitzuwirken. Die Angehörigen dieses Corps werde?» in Bezug auf 'Verwendungsbedingungen, Bezahlung etc. auf voltständig gleicher Höhe wie die britische Infanterie gehalten. Für das A.M.PC. sind in England bereits umfangreiche Rekrutierungen vorgenommen worden, die jetzt auch auf die Kolonien auagedehnt werden. In England haben sich zahlreiche jüdische Emigranten für diesen Dienst gemeldet. In P a I a a ti n a werden zunächst zwei K o m p a g n i e u aufgestellt. In Betracht kommer» Männer bia zum 35. Lebensjahr, die die körperliche Eignung besitzen. Ein Bildungsgrad iat nicht vorgeschrieben. Nach einer Ausbildungszeit von fünf Wochen in Palästina sollen die zwei Kompagnien nach Frankreich abgehen. In der Verlautbarung wird nichts Uber die volksmüsäige Zusammensetzung gesagt, sodass , anzunehmen ist, dass die Kompagnien au« Juden! und Arabern bestehen werden. Auch ist nicht gesagt, ob nur palästinensische Staatsbürger zugelassen werden. Bekanntlich haben sich bei einer von den Jüdischen Instanzen vorgenommenen Itegiatriwrung 135.000 Juden in Palästina freiwillig zu irgend-'' einer Ar* von Dienst gemeldet. In jüdischen Kreisen Palästina» wurde eine Diskussion o>.ruher gefuhrt, ob in Palästina eine jüdische Freiwilligen-Abteilung für den Di&mu an der Westfront gebildet werden soll, ein Plan, deuten Durchführung natürlich von der Zustimmung der kriegführenden Mächt« abhängt, die. bisher kein« Neigung zur Aufstellung gcschloawener jüdischer Abteilungen zeigen. Wahrend in der jüdischen Öffentlichkeit der «ledunke, jüdische Frontkämpfer-l^gionen innerhalb der englischen und französischen Armee an der Westfront zu bilden, allgemeine Zustimmung findet, wurde umstritten, ob solche Abteilungen nur aus Juden m der Diaspora oder auch aus PaUUtina gebildet werden sollen, da von manchen geltend gemacht wurde, das» die fMitä*tiiun»Ucht:n Juden in erater Keihe für etwaige Notwendigkeiten In Palästina selbst in Betracht kommen. Inzwischen hit vor einiger Zeit in Palästin» eine tschechische Legion gebildet worden, von der 400 Mann Ins französische Bereich abgegangen aind. Wie wir hören, Hieben weitere Aushebungen für die tschechische Legion bevor. Ea bedarf kaum eintr besonderen Hervorhebung, dass diese tschechische Legion aus Palästina fast ausschliesslich aus Juden besteht.

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