Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 23 (18.8.1939)
- Date
- 1939-08-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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letti i JÜDISCHE WBUMtUNDftCItAU Hr. dt it. vm. tm An einen „Ex-Assimilanten u Wir brachten in Nr. HO vom 28.7. IU.VJ einen Aufsatz iv im". Mit dieser Vcrvfftmttir huttff bfitb*ichtigtcn vAr, dir tung in*b**<mtUrr in Paläst in«, aber auch außerhalb nach*trh> nde EruHdrru ngen. 8*hr geehrter Herr Leander, Ich freu« mich über Ihre „iM<ennlnh;ne eines Ex'A<<Htmilsnten", well »i« eine Diskussion ermöglichen, die sonnt hier im I«*md* ktuim Keführt werden kann. Für Ihre Problematik gibt es hier keine Tribun«». Denn uir»cre Publizistik Ist h«?bm$«M»h, und »Ins Iicisut: ibro Autoron und f;ro:..*t.pntcils auch ihre Li'ser nirul ihrem Hcricomrnm nnch d-r jüdischen V«ißangenhelt verbundene, von Jüdischen Kenntnissen •rfuiito Men.icin.il, die mich bei moderner Bildung doch nief»i »1k As « i m I i a n t e n im w c s t o u r cj p U lachen «Inno waren; für die Zlonlstuiüi wohl auch rjntrm? ein grosses Erlebnis, aber nicht der (ibetgaiig von einer Welt in tn\ ander* gvweseu ist. Im Hebräischen aho existiert das Problem Ihrer „Bekenntnis" «ar nicht. Aber im Lande esüstiert cit trotsd««m, und «Jenbalh k;t cn »tut, du«s Sie ^bekannt" und nicht gleich Tausenden von Anderen geschwiegen haben. Es herrscht hier ein etwnw beängstigende* Schweigen,' das nicht ttUB Einverständnis kommt, sondern aus Unsicherheit, ans Opportunltatrgründcn und «um Teil such «us» «Iner stumpfen Gleichgültigkeit geKerübcr Wesen und Kern de« umgebenden Leben*. Früher mochte man »Ich vielleicht mit der Annahme (an war auch damals nur eine Annahme), de., der Zionismus in Palästina «in« selbstverständlich« Voraussetzung sei, nocii zufrieden geben können; wtW einer linsten Reihe von Jahren ist es nichts als Fiktion. Aber wer kümmert sich Wer um die Klärung der geistigen Welt, die dem Zionismus zugrundeliegt, wer behandelt hier andere Fragen als die der Organisation und der Wirtschaft? Dabei ist es doch höchst wichtig, das* gerade auch liier im Lande wieder einmal wirklich über Zionismus geredet wird, lind Ihre „Bekenntnisse" «eben dazu erwünschten Anlas«. Sie nennen eich einen „Ex-Assimiianten". Sic »»gen also, Wae Sie nicht oder nicht mehr sind, und lassen mit gutem Recht offen, was Sie nun eigentlich sind. Ich glaube, Sic sind ein Z ioni« t i m allerersten 8 t a d i u m. Sie haben gleichsam einen Anlauf genommen, aber es scheint mir noch f,ar nicht «o Richer, wie weit Sic dabei kommen werden. Denn im Anlauf int Ihr Blick noch nach hinten gewandt, und Sie könnten dabei leicht die Ilalance verlieren. Sic sind nicht au» äusseren Gründen hierhergekommen, Sie haben die Wahl gehabt, aber Sie wollten eine Heimat und Sie wussten, das« Sie die nur hier finden könnten. Das ist der zionistische Teil Ihrer Bekenntnisse. Alks andere, was Sie sagen, steht 7.11 dieser Grundthese noch in einem auffälligen Gegensatz. Ich kann mich nicht mit all den mitunter erheiternden Einzelbemerkungen abgeben, die Sie so reichlich zwischen die Hauptlinien verstreuen. Ich will mich an ein paar entscheidende Punkte halten. Da ist ivnächst die Haltung, die Sie zur Nation einnehmen. Sic nennen Sie «ine Summe von Individuen, die durch „irgendetwas" zusammengehalten werden, und «0 ein Irgendetwas kann nach Ihnen sogar gemeinsam „erhaltene Truger sein. 81c kontrastieren diese Auffassung dem „»iMs/isr»-»wN«wflsrJtan" NatH>Hnb*j(jriff, den Sie für „Unfug und Humbug" erklären. Wenn Sie das hinschreiben, denken Sie an Deutschland, cumni an das von heute. Ihre Leser tun das Gleiche., und so tragen Sie einen billigen Sieg davon. Aber so einfach liegen die Dinge nicht. Es ist vielmehr wahr, dass die Deutschen (schon Herder hat damit angefangen) dorn von der Aufklärung bestimmten Begriff der Nation als einer Summe gleichberechtigter Individuen den sehr fruchtbaren „romantischen" Gedanken von den besonderen Urkräften jedes Volkstums, von seiner Einzigartigkeit und seinem Sonderwert hinzugefügt haben. Das* die Deutsehen dann diesen Gedanken schnell entstellt haben Ernst Troeltseh hat 1922 geschrieben, die Deutschen seien In Ihrem politischen Denken zwiespältig und besonders geneigt, „die Romantik zu brutallsicrcn und den Zynismus zu romantisieren" — das« sie heute auch nicht mehr zwiespältig, sondern inzwischen sehr eindeutig geworden wind — das ist ein Kapitel für sich, aus dem keinesfalls die Gleichsetzung romantischer Geistigkeit mit rohem MachtwiHen gefolgert werden ifiarf. Sie sitzen heute in Palästina, empfinden es als Heimat und lernen hebräisch. Dabei haben Sie offenbar ganz übersehen, dann auch Palästina Romantik bedeutet. Und das* man »ich durchaus romantisch benimmt, wenn man hebräisch lernt. Es ist nämlich nicht einzusehen, weshalb ©ine Summe zusammengeprügcltcr Individuen sieh ausgerechnet dieses kleine und schwierige Land aussuchen musstc, und weshalb sie nicht als Sprache das so viel leichtere und •o viele Tore der Welt «rschllessendc Englisch gewählt hat Sie selbst find schon mitten drin in der Romantik, die Sic a\s Unfug bezeichnen. Ist Palästina etwa deshalb „Heimat", weil efl hier ein paar hunderttausend Juden, unigeben von einem Vielfachen an Arabern, unter »ir.t»r englischen Verwaltung gibt, die das Recht auf die jüdische Heimat mit dauernd cln- »chränkenden Auslegungen versieht? ' Nein, nicht deshalb toc-trachten Sie ea als Heimat, sondern weil Sie ein Romantiker sind; oder anders: weil Sic verstehen, dass nicht irgendein Land — selbst bei politischen Rechten — einem Volk, das eben mehr und anderes ist als eine Summe geprügelter Individuen, Heimat sein kann. Heimat ist hier nur deshalb, «weil eh einmal geschichtliche Heimat war und weil sich daraus der Glaube und die Kraft herleiten, hier wieder einmal eine wirkliche Heimat errichten zu können. Und dieser romantische Glaube, der allein geschaffen hat, was schon da Ist, und sich zutraut, noch viel Grösseres zu schaffen, ist für uns bedeutend wichtiger als verliehene Rechte; er ist unsere einstige Eigenkraft. Und warum lernen Sie eigentlich hebräisch? Wirklich nur, um sich verständigen zu können, wirklich nur aus einem äusseren Zwang, der übrigens Ueider) kaum existiert? Oder nicht vielleicht doch deshalb, weil Sic wissen, dass Voik und Sprache organisch zusammengehören, dass ein Volk sich nicht irgendeine Sprache beliebig zulegen kann; eder andm: dass es zwischen Volk, Spr ach* und Boden Zusammenhänge gibt, die aus Tiefen kommen, in die eine rational-aufklärerische Gedankenwelt nicht einzudringen vermag, und dass mu* au* dem Zusammenhang dieser Dreiheit eine Gemeinschaft erwachsen kann, die das Recht hat, von Heimat hu sprechen. Aber das ist ein „romantischer" und zugleich ein zionistischer Gedanke. , Pas. Wort vom jüdischeu y<)l\ klingt wenig ange- 11 Tristan Leander, ,,/irkenntmiaäc dum Ex-A**imilan~ IHxkwtiim iibrr Grundlrntjcn der zfoafatinchcn I1ü\- um hmndc» anzuregen. Wir vhtö ff entliehen heute (RedJ nehm In Ihre Ohren. Sie meinen, daw es ein .dummer /iufftU" war, der uns in Deutschland widerfuhr, und dass eu <-beiipo {jut hätte gegen die Rothaarigen gehen können. Aber \- n!i den Zufall nnbetrifft, ho \pt er g»rmu so dumm oder klug wie alle diese ..Zufälle'. uns denen sich das geschichtliche Go?ch*hen zusammen«tzt. Immerhin sollte es auch Ihnen auf gefallen sein, dass der gleiche Zufall uns seit etwa zwei Tausend Jahren begegnet, während dir Rothaarigen bisher wenigstens davon verschont geblieben sind. Dieser Zufall hat vielleicht also doch seinen Grund, und er wird wohl darin liegen, dass wir ein Volk nind. dos« ein Volk nber zwischen rtlien Völkern, solange nicht der Wolf beim Lamme weidet, fo dummen Zufällen ausgesetzt zu «ein schrjnt. Aber wenn wir nun zu diesem Volk-Sein Ja sagen und die Folgerung drtroun riehen, dann haben Sie die Furcht, die alte Assimi- If.nten-Furcht, dass wir die Verbindung mit der Menschheit verlieren und hinter Mauern verkümmern kannten. Für diese Aufklärung scheint es mir am bezeichnendsten, wenn Sic von der hebräischen Literatur sprechen und ihr Werke wünschen, «n denen „ausser der Sprache kein Wort jüdisch ist"; nur so nämlich, glauben Sie, kann unsere Literatur ein Bestandteil der Weltliteratur sein. Und zur Verbreitung dieser Erkenntnis — so meinen Sie erheiternderweise — bedarf es der E*-A»*imiiant«n, die unter anderem durch t bertragung der WeHJtteratur ins Hebräische dazu mithelfen werden, uns das Oaluth-Erlebnis uberwinden zu laeeen. Sie irren, es bedarf daeu keiner Ba-Aeeimllanteti, es gibt oebon tenujr neue Assimilanten, die auf Hebräisch dasselbe glauben; und was die Übersetzungen anbetrifft, so werden Sie sich scharf daran halten müssen, well bald nichts mehr zum übersetzen übrig sein wird. Aber obwohl Ihre Meinung auch von einem Teil der neuen hebräischen Literatur geteilt Wird, ist sie trotzdem grundfalsch. Sie ist noch nicht einmal richtig, soweit sie sich nur auf den Stoff bezieht. Lassen c;r ,11*. T ,»ib U».l»mH{. Ai~ TU.»- »r^...l.._........„ .,_;;«.„,„.„.„;i<, „coCt, uib liavii Aiuvnniuintll n„/»o(v,nv,,.i fcchon deshalb entspricht, well sie Ihrem Wesen nach das subjektive Gefühlsleben des Individuums zum Gegenstand hat. Aber die erzählende Dichtung — wi« wollen £ic hier eigentlich Stoff und Form voneinander trennen? Tolstoj schildert russisches Leben, Ba 1 z a c französisches, und Hauptmanns Menschen sind deutsch. Das allgemein-Menschliche, das Sie suchen, und das natürlich das Wesentliche jeder wirklichen Dichtung ausmacht, kann »ich nicht aus sich selbst darstellen; es bedarf eines Körpers, durch den es scheint, und dieser Schein ist nur echt, wenn auch der Körper echt ist, aus dem er dringt. Der Dichter hat keinen Stoff, wenn nicht die Welt Meines Erlebens, und stellt er 4c dar, dann gibt es eben tichlesische oder russische oder jüdische Menschen. Warum soll eigentlich gerade der hebräische Dichter in den Wolken schweben können? Auch er Ist an den fttpjfr .feines Erlebens gebunden, und der wird für ihn in der Kegel ein jüd f sc he r sein. Wenn mir ein' hebräischer Dichter von heute die deutsche Inflation oder ungarisches Landleben oder die englische society schildert, so glaube ich ihm schon von vornherein kein Wort. Wenn *r aber uns das ostjüdische Milieu schildert (aus dem 'fast »lic kommen, die heute hebräisch schreiben), braucht zwar seine Dichtung noch nicht gut zu sein — er muss nämlich ausserdem auch noch dichten können —, aber die Voraussetzung innt;?r Echtheit ist wenigstens gegeben, Und nehmen Sie eine künftige Generation hebräischer Dichter, die jetst vielleicht Im Lande erwächst -*-Vffehc Art von Treben soll eigentiieh ihr Gegenstand sefn, wenn nicht jüdisches, Wolter sollter. Fi nnder*?? nehmen? Aber vveü d ... .so ist, brauchen Sie no»«h keine Sorge darum zu haben, dass eme Literatur dieser Art sich der Weltkultur nicht einreihen könnte. Am Stoffe wird es nicht scheitern: das dargcftciltc lieben mag nur einen Winkel umfassen; es hängt an der Darstellung, ihn zur Welt :u erweHeea. Und Welt heisst hier nicht Weite, en heisst Tiefe. Ja, unsere Literatur wird sich der Wcltkultur sogar nur dann und umm besser einreihen können, wenn sie wirklich jüdisch und i'wco jüdischer sie ist; dann nämlich, tmnn da» AUgcmeinintlhtn mm* der einma-lijrrn Bestmderheit enefalutt, die da» Ineinander von jiidiachetn Leben und jüdischem Geint der Kultur der Menschheit hinzuzufügen vermag. Ein Volk, tagen Sie, ist Immer nur ein Bestandteil der Menschheit. Das ist ganz richtig, aber zuerst muss es einmrd ein Volk sein, ehe es ein Bestandteil sein kann. Das gilt auf kulturellem wie auf politischem Gebiet. Und auch für Sic wird es keine andere Verbindung zur Menschheit geben als die durch Ihr Volk. Heute sind Sie ein Ex-Assimil.int, d. h. ein Negativum, das in dem Niemandsland zwischen zwei Welten steht. Sie werden sich dort auf die Dauer nicht halten können. Sie werden sich wieder gaaz turückrevidieren oder den Enischluss fassen müssen, doch eines Tapes den schweren Schritt nach vorn zu tun. Ihr ergebner .Tan Kroker KLEINER BRIEF AN DEN ,,EXWttS.MIUNTEN" Unter ihren Bekenntnissen findet sich eines, das dringend Veranlassung zu einigen Bemerkungen gibt. Um gan« klar tu nein, beginne ich mit den Geständnissen eines ZIonisten. Ich bin seit dem Gymnasium Zionist, seit 36 Jahren, ich war vor meiner Obersiedlung dreimal In Palastina, haba bereits in Deutschland hebräisch gelernt, gesprochen und die palästinensischen Zeltungen gelesen, meine Kinder waren in einem hebräischen Kindargarten und in einer jüdischen Schule, die hebraisiert und auf Palästina gerichtet war, ich bin tat Jtacbuw reeipiert, in der Arbeit und In der Gesellschaft — aber die Bücher, die ich aus. Deutsehland mitbrachte: Goethe, Schiller, Keller, Fontane (nach 20 Jahren Wanderungen in der Mark Brandenburg) u.a. nehmen noch heute den ihnen gebührenden Platz in meiner Bibliothek ein. Ich lese sie öffentlich, nicht h«i m!rvh, TiuiTitf wi£u«r und gebe nie Fncinün Kindern, die untereinander hebräisch und mit den Eltern teils deutsch und teils hebräisch (sprechen. Es besteht keine Notwendigkeit, diese Bücher, rr.i »it meinen, heimlich zu lesen, und wenn, in Palästina etwa solche Forderungen gestellt würden, müssten wir sie energisch zurückweisen. Wir find zwar nicht, wie unsere Assimilanten in Deutschland es unnachahmlich instinktlos ausdrücken, „ein unlösbarer Teil des deutschen Volkes" (die Geschichte hat das Gegenteil bewiesen), aber die deutsche Kultur, wie wir sie auf deutschen Schulen und Hochschulen und in eigenem Bemühen erlernten, erarbeiteten, und, wie sie sich in uns geformt hat. ist ein unlöslicher Teil von uns selbst Daher können wir auch nicht darauf versichten, immer wieder zu diesen Werten zu greifen. Wir haben nichts suszuscha 11en. sondern nur zu ergänzen, und darum steht in meinem Bücherschrank in einem anderen Fach Bialik, |'A#i»on, Jöhuda Haie vi, Tälnvad und Tcnach; aber, wie sehr wir auch in heissem Bemühen Immer besser mit wachsender Kenntnis der Sprache und des Gutes unserer Vergangenheit die Schönheit dieser Werte begreifen, das Allerletzte, 4ms in allen Schöpfungen ungesagt zwischen den Zeilen ist, die Assoziationen, der Klang des Vergangenen im Klingen der Gegenwart, v/erden wir doch nur in den Werken der deutschen Sprache empfinden. Es muss der sprachkundigeren nächsten Generation vorbehalten bleiben, zu anderen Ergebnissen tu kommen, Dr. Albert Baer (Haifa) MS ENDE DES HAUSES MENDELSSOHN Völlig unerwartet kam die Nachricht von der Zahlungseinstellung des Bankhauses Mendelssohn in Amsterdam anlässlich des plöUHchen Todes seines Chefs Dr. Fritz Mannhei m e r. Denn die Kraft dieser Firma wurde ausserordentlich hoch geschätzt und Dr. Mannheimer* Ruf als eines versierten Finanziers ersten Ranges schien ge rade in den letzten Monaten durch seine entscheidende Rolle bei der Konsolidierungsanleihe Frankreichs unbestritten. Freilich, das eigentliche, altehrwürdige Stammhaus Mendelssohn in Berlin hatte ja bereits kurz vorher, und zwar unter den ehrenvollsten Begleiterscheinungen seine Pforten geschlossen. Mau erzählt, die deutsche Regierung hätte damate den Fortbestand des 1805 vom Sohne Moses Mendelssohns gegründeten Geschäftes in den Händen der Familie gestattet, falls der Name geändert würde. Das hätten aber die Inhaber abgelehnt, und die Liquidation vorgezogen. Sie haben damit mehr Stolz geseigt. als der alte Abraham Mendelssohn, der seinem berühmten Sohn, dem jugendlichen Komponisten Felix hart zusetzte, er solle sich nur B a r t h o 1 d y nennen. Die Stellung des Berliner Hauses war ganz einzigartig. Man tritt keiner anderen Bankfirma zu nahe, wenn man ihr eine Sonderklasse einräumt. Sie hat vor allem im nationalen und internationalen Staatskredit eine entscheidende Rolle gespielt, so namentlich als Finanzier des zaristischen Russland; in der Anleihewirtschaft des Reichs und Preussens wurde seit langen Jahren nichts ohne Mendelssohns Rat unternommen. Naturgemäss bedeutete der Ausgang des Weltkrieges gerade für ein solches Unternehmen einen besonderen Schicksulsschlag und die Furcht vor Inflation und schwerster Beschränkung im geschlagenen Deutschland veranlasste den damals sensationellen Er.Uchluss. im neuwinne Die Opposition von der Jägerstrasse hat freilich Mann« heimer nicht vergessen; denn als jetzt die Partner aus Deutschland in das Amsterdamer Privatkontor kamen, da soll Mannheimer ihnen gewissermaßen den Stuhl vor die Tür gesetzt haben. Vielleicht ist das jetzt ihr Glück. Eigenartig war die Stellung des Hauses Mendelssohn zur Judenfrage. Sehr verdacht wurde ihm früher die Finanzierung des antisemitischen Russland, Es wäre aber unbillig, wenn man den seit Generationen getauften Namenträgern eine unwürdig« Haltung in der Judenfrage vorgeworfen hätte. Sie waren für charitative Dinge immer zu sprechen und haben auch für die Wissenschaft des Judentums zu Ehren ihre» Stammvaters Mcutes Mendelssohn respektable Mittel zur Verfügung gestellt. Versuche freilich, Mannheimer für den Aufbau Palästinas zu interessieren, wurden von ihm nicht ermutigt. Er war das Bild eines jener Assimilationsjuden, die mit einer grossen intellektuellen Begabung ihrem Volke doch nicht nützen. E. K, Eine faschistische Versamdung in Eaglaiid G, W. London, 10. August. Von itaserem Korreapondtrnten In der letzten Zeit wird über Antisemitismus in England viel geschrieben und gesprochen. Dass er stiimmungsmassig im Wachsen ist, ist anzunehmen, gerade weil dauernd von Juden gesprochen wird und die Menschen auf dieses Problem gestossen werden. Über den Umfang selbst ist schwer genaue« zu sagen, tralen Holland eine Schwesterfirma unter der Leitung eines! Dass der Faschistenführer Moslcy im Hochsommer ein© hämo novissimus ins Leben su rufen, j Versammlung vor 25.000 Menschen »grösstenteils Anhänger; Dieser neue Mann bildete In jeder Richtung den krassesten ['zusammenbringen kann, mag beunruhigend erscheinen. Aber Gegensatz den hochkonservativen, traditionsgebundenen! man darf nicht vergessen, dass London a Millionen Etnwoh- Berliner Patriziern, die voller Stolz auf ihre mehr al* hundert-1 ner ha:. Das Ergebnis einer K o m m u n a i w a h 1 in Nordährige Geschichte pochten und mit Kultur und Geistesleben der} London zeugt auch nicht von faschistischen Erfolgen Dort Reichshauptstadt auch innerlich innig verbunden waren. Pr.jk&ndidierten ein Labourmann, ein Konservativer und ein Fa- Fritz Mannheimer war demgegenüber ein derber Drauf-!schlst. Der Faschist ist der Parlamentakandidat des Bezirks ganger mit unbestreitbar grossen GeschaftsinsÜnkten, unbe-lund hat seit Monaten fieberhaft gearbeitet; er wird von einem -lastet von allzuvielen Hemmungen, mit der Lust des aelf-made-1der Lokalblätter «dem einzigen faschistenfreundlichen Blatt man an ostentativem Luxus. Er hatte die Aufmerksamkeit | Englands) eifrig unterstutzt, Das Ergebnis der Wahl war der Fachwelt auf sich gelenkt, als er während des Krieges diel2300 Stimmen für dio Kandidaten der alten Parteien zu- Interessen der Reichsbank in Holland zu vertreten hatte. Esjsaramen, 145 Stimmen für die Faschisten. Gewiss JP««« mag für die vorsichtigen Berliner Partner nicht immer leichtj die gegenwärtige Unpopularität der faschistischen l-anaer gewesen sein, die HusaranrUte Maunaeimers mitzumachen. muV ss ging nicht um die Judenfrage allein. Aber eine Aber schliesslich brachten sie ja „per Saldo" gewaltige Ge-Jakute antisemitische Gefahr besteht im Augenblick n*cni.