Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 22 (11.8.1939)
- Date
- 1939-08-11
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr. 22. U.Vtlhim SAISON-AUSVERKAUF IN JERUSALEM Von Alfred Muri Über Nacht br Kommt Die vertrauten Lmlonrelhi kaum mehr im Kinzt ln« n Spiitsommersonn<\ «in«J r." rllc Jaffnulrasso n, (leren lrn";; wahrnimmt »in MftaJ vcrandi-rt. r;Jn neues Geflieht, den der Vnxmnt >r <U*r blendenden Wilde PrltonU Soften, Nchreiende Klebry.atel verkünden der heiligen 8t»dt profane .Sensationen. MochproKeiritige Preisruhstriehe märchenhaft billige .Strickwolle Kriejr den Preisen von jjostrrn. M'chiruh! Kaie!! Ausvorhnuf!!! »f» Der morgendlich* Briefk«,Htcn quillt über von der Fülle einladender Drucksachen. Hunte Zettel, Preislisten, ganze SfcitunKflblattcr mit verfuhrdbrh kleinen Preisen. Der Sommer Int fionr;t «Ine still«' Zeit in Jerusalem, und zv/iurhrn Schcwuoth und J5ukk»th w, bisher nllcin und einzige Unterbrochung Tiseha b'Aw. ISr; letzten Jahre hnben den Saison- Ausverkauf hlerhcrjfebr/tchl und damit ein „nationale» Krcfgnis" geschaffen. Da falten;;ozlnle Unterm-blede, und nl!c Schattierungen der einstigen (Inluth folgen Keachlnssen der unwiderstehlichen. Lockung: ,.Bta zu 50% unter Prel:;!" |H Es wird heutf wirklich alle« geboten, was verwöhnte Europäer vor nicht allzu Innrer Zeit noch in Jerusalem entwehrten. Seihst die Freudentage billiger Seidenrp.t« > fehlen nicht, auch nicht die Serienweise für Damenklclder. Wa* Wunder, das« einträchtig die* Wienerin neben der Kurdin, der Rreslaucrin, der Buehnrin, Griechin und der türkischen Jüdin aeitig nun allen Schechunoth dem 'Zentrum Jerusalems zustreben. Wer zuerst kommt, hat noch die voile Auswahl, iletlt auf den Gesichtern dieser tüchtigen Hauswirtinnen. 'I. Waa die Jerusalcmer Verkäuferin in dieser leistet, s/erden Ihr wenige Kolleginnen In anderen litndern nachmachen. Sie beherrscht Ihr Gebiet vorzüglich, weis« genau, welche Handschuhe die Damn aus KapKtudt gewohnt ist und welches Unterzeug Araber bevorzugen (und Englander gekrankt ablehnen würden). Und tiie antwortet ohne Besinnen in Jader lebenden Sprache, die ihr Ohr trifft. Mit freundlicher Geduld ergänzt »lo dl* wackeren hebräischen Sprachshsätse frisch eingewanderter Deutscher. Die arabische Frage oiner Kurdin wird nrnbtach beantwortet; diese Frau, unkundig tie» Lesens, hat sieh morgen» von ihrem JOJahrlgcn Sohn, der die Schule besucht, die Preislisten vorlesen laaaen. Jetzt beherrscht wie. mit der ziilu?i Odttchtnlskrnft dea Analphabeten, daa gesamte Ausverkaufsprogramm. Sie geht mit System vom Tisch zu Tisih, von Laprer zu Lager. Celegentiicfi verbeswert sie sogardie Anheben der Verkäuferin, weK'h© langsam naehläast, unter der urnusamen. unerbittlichen fn« tenaltät dleaea Forschens. Endlich —- nicht ohne Feilschen — Ssteht sie einen Beaen. eln<? Basttasche und * SÜnnlttffel. Zuumn für 93 Mlls. über die 7iipe der Verkäuferin zuckt e« wie W< inen — fast eine Stunde Arbeit um ryJrh kl/ig- Iff-hen Kr^ebtii». Aber;>iv hat keine Zeit, Empfindungen nachzuhangen: „Fräulein, wo gibt'» das Service für »7 Müs? So. gehen Sie mal her, und nun noch Wischlappen, ur.d ein flieh und 'ne Kuchenform und eine Jneke für meinen Jungen und zwei Dutzend Teller, creme - weias ist doch »o ordinär."" Da.*! gleicht, dann wieder etwa« ans. Und die kleinen Kinde» gehen ununterbrochen verloren ir den tiefen Schluchten der Ladentische. Während die Mutier den geblümten Spielanzu# prüft, ist Micha spurlos verschwunden. Er.it als Mutier mal „anhalten" will (Ausverknufswar« wird auch in .Ternaalem nicht umgetauHcht). entdeckt nie den Verlust: Angstvolle» Geheul: „Immale, Jmmitl"" natürlich aus der Splclvvnrennbtrilung — verrät seinen Verbleib, und dann kann der wunderschöne, billige neue Anf.ug erstanden werden. Die nächsten Schritte geht Micha roch brav an der Hand bis Mutti vom nächsten Stück gänzlich tfrfcmlt «tehen bleibt , nd schon Ist Micha wieder verloren. Vor den Ladentüren aufgereiht parken leere Kinderwagen. Angenehme Kunden sind die englischen Beamten und Kohlaten und ihre blonden Frauen. ,Are you sure?" „Yea Madam, zweifellos bekommen Sie diese Einsätze zu den Tee-;läsern auch fn Aberdeen, wenn Sie wieder zurückfahren." (•brigens zieht der jüdische Ausverkauf eine bemerkenswerte Zahl von Arabern und auch Araberinnen magisch an. Da ist alles so billig, da»» man die politische Spannung ruhig ...m*4 er ff» 4—h tf«r fräste ini'a sia.i an -int ... m | LEICA - CONTAX - OCOSIONtN 1 ANKAUF - VERKAUF - TAUSCH ff •o Photo-Arbeiten, Speziolabteilung . . ■ M für leko-illr^OitN-E^wkfcliMig. 9Üh8b%Mtr (früher KÄle) n§MK mi CIIAltiri. tCKt SCMAettAfTtM m. ff ff Wirkinfsn, Möbel, Arniquitütm; MarVwi-Fün *5t*rif, Ki^m'V, «lte Kaviere, TepjHct», Ce»* .Schmuck tjaiSjea- Kälten Anccbnir »uc)i van lutmärt* Awlcfien-ftoom Aron KOHN und IUIAISKY MAlfA t Herslstr,!♦ maJ vergessen darf. Man tat erat sicher, mit wem maw es au tun hat wenn hie am Packtisch um neutrales Einschlajfpupier bitten. Sie kaufen auf Französisch, auf Englisch, oft Ist mich ihr Hebräisch garnicht schlecht. Aber sie fürchten «ich, in der Altstadt, in Hak m oder Katamon mit hebräisch bedrucktem Einkaufspuck zu erscheinen. Mühe genug wird ea ihnen bereiten, das Tozereth-Haarez-Symbol auf den jüdischen Waron sehlemdtfat r.u beseitigen. Zwei sehr schwarzhaarige Herren fallen aia rasch entsehloascne Käufer auf. Ihr Englisch ist stark gefärbt. Untereinander murmeln sio einen fremdartigen Dialekt. Bengali, erklart eine brünett« Verkäuferin. Sie Ist von Aden und musü es wissen. Also Inder, vermutlich Armee-Lieferanten. WarenkunJig, gerisae.».. ununterbrochen haiblaut rechnend, wdhen sie bald auf diesen, bald auf jenen Artikel. „One doxen of thia - one doten of that — how much ia It? Uive tne five!" Im Handumdreheft. haben sie etliche Kisten voll buntestem Allerlei: Herrenhemden, Tinte, Unteraeug, Aachenbtcher. Topf Untersätze und noch viel mehr erstanden. Sicht* lieh tufrieden gehen sie von dannen. Abend» sind die Verkäuferinnen dann recht erschöpft Sie müssen aber noch die Tische wieder friach ordnen und die Regale einrichten für den nächsten Tag. Auch dl« Hausfrauen sind ermüdet Daa hindert aber keinen, am nächsten Tag wieder auf dem Posten zu sein. Die Arbeit tat lebhaft, sie bringt Erfolg und macht Freude. Und sie bringt auch wieder Geld In die Kaaaen. Der Kaufmann zahlt seine Miete, und der Hausbesitzer kauft ein, der Piaater rollt, und der Ausverkauf fühlt sich bereits heimisch in Jerusalem. Malalti-JiibÜäums-AuHühruBö MARTIN WO*T: „VOJf MODU tlfct KUSCH" Die vritirlschc Üühne .,Mit<.t*'\ elf Jahr», bestehend. \%t öa-, jüngste der Ire', reprii^nlativcn palu?!inensixchen ThfAcer. Aber mit der AufTiihrung »einer fünfzigsten Neueinstudierung schlagt „Mataf*" den Rekord: nicht nur soweit es die Zahl der Aufführungen hetrifrt 'zweitausend Vorstellungen vor U Millionen p^lilsUnenEi.schen Zuschauern), sondern vor allem auch, soweit e.« die Herkunft und den Inhalt dieser 50 Stücke betrifft, Während im Geaamt-Keportoirounserer dramatischen Bühncr. bia heute nicht mehr ala zwei hir* drei .Stücke pal.'iaünensischer Autoren rangieren, «ind bei „Matat^", von zwei oder drei — tibrigcr.a wenig geglückten Aufführungen «hgCÄehon, sämtliche Manuskripts pa^» loatincnsisches Erxeugnia un«l auf die palästinensischen Probleme bezüglich Biirgormeäater Roh ach betonte in »einer (Ilückwunftchanaprf.rhe mit He-ht. wie bedeutungsvoll der Bestand eines Kunatinstituta, das den Humor pflegt, gerade in dieser Zeit sei. Der Verfaaaer Martin Rost (Übrigen* ein deutscher Oleh>, dessen „Chalukijade" schon s. Zt. dem „Matat*4* einen starken Erfolg brachte, hat ein historisches Thema aufgegriffen, deasen Anweniibarkeit auf unae.re heutige Situation ohne weiteres einleuchtet: Schon einmal kehrten die Juden aus der Diaspora unter dem Schutz einer ausländischen Macht nach Erez Israel zurück, um ..ihre nationale Heimstätte" wieder zu errichten. Nur hlesa der damalige Mandat » nicht „(?ro«»-Britanien", andern „Persien", und daa Edikt, das die) damalige Einwanderung einleitete, war nicht die Balfour- Dekiaraüon, sönderi? m'u\ Erima de« Königs -.„"üyrus aus dem Jahre r>3€ vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, dessen Wortlaut bia auf den heutigen Tag, also 247» Jahre lang erhalten blieb, wie nachzulesen ist im Buch Esra. Boat zeigt uns nicht nur eine „Offenbachiadk'" mit histo- Tiachem Hintergrund Er treibt die Persiflage bis xum äusaeraten, indem er zwei Redakteure einer Tel Avlver Tages« seitung, die den schönen Titel „Davaret*" (Kombination von „Davar" und „Haaretz") führt, ir. heutiger Kü^dum? In die.. Zeit Earaa und Nechcmjas nach Jerusalem versetzt, wo ihnen von ihren erstaunten GlaubensbrUdern zwar schliesslich ihr Judentum tuerkannt wird, wo man aber zunächst die „babyionischen Jeckes" als etwas minderwertig betrachtet und Sie auf ihren Geistcasustand untersucht Wegen illegaler Einwanderung werden sie schliesslich vor den Mandata-Gerichtahof gestellt (eine köstliche Szene). Zwar verurteilt man sie nicht sur Ausweisung, da sie aber angeben, „mit Hilfe dea' Tnach" hierher veraetat worden zu sein, so beginnt eine in* tenaive Suche nach diesem — damals Immerhin noch ^mysteriösen" well noch nicht redigierten — Tnach, den man f«C eine Person, und zwar für den Leiter umfangreicher Illegalen- Transporte hält Erwähnt sei nur noch, daaa der persische Ministerpräsident, der trotz der Zauberkunatatikke seine« Ministers keinen Schlaf finden kann, in seinem Zimmer unterm Regenschrm Goldfische aus einem Baasin angelt und daas kein Freund des Matstc versäumen sollte, eich dies» Vorstellung anzusehen, die In der Regle von Jfoailc herauskam, mit den bezauberndsten Märchen-Dekorationen, die der Maler Luft glas Je fü.- eine paUäJtin«nsis*he Aufführung schuf* mit den scharf pointierten, witzigen Chansons von Altar* mann, die von La*ri ie»,waJMntvoll vertont und tos» Bella Pinkelst ein ebenso am Klavier InUrprettert wurden, mit der schwungvollen und hochbegabten Darstellung dea ganzen Kollektivs, daa hier ein Kollektiv-Lob entgegen nehmen wolle. Manfred Qei*. J>ASCOu ELECTRIC LIMITED f TKL-AVIV flt, flnuenbori;, P-cV« Vsehlaih Henja,n.h>. 'i\ I. 3043 JERVSAIiKM laffa Bd., ctpp. Cini>m» „Eion" Tel. 8400. - HAIFA 43. Kinfitway. Tel. 1131 DAS FOlMEN DE ELEKTRONAUS 1IICHI AUSWAHL IN ALLIN ELEKTR0-6E6EISTÜDEI NAKI-HAUALIL Chovwvvl Zlon 79 Ecke Hagalil 2« Tel. 4065 WltCNIIII, »Xtbltfi Kunstatopferei, chem Reinigung, öardinenspsnnen, IlfXTtlSCeti NmtMANtMi. Beste fachinlnnlachc Arbeit KLEINE ANZEIGEN Ptfo-Kt-RorntN »oo Itokamsatan und Urkuiul.'t» ftlh^r An. IMort uUnM unt» hiülg. Di* Ori«in*l- Vi'iUT.ile« V,iinrien sofort mite«- nmnmon w«»rtl<-n. Thoto Breu««. Haifa, Heehahuitr. / Tel, HABEN SIE SCHON Ihre Glüekwunaeh-Anietge für dit Rosch Haschana- Nummer der „Jüd. Welt- Runuschau ' bestellt * Anseigen-Schluss: 28. AtGl ST 1939 Der Ford lO P. S. 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