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Jüdische Weltrundschau · 1939-08-11 · 22 (11.8.1939) · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
22 (11.8.1939)
Date
1939-08-11
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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PALÄSTINA BLATT Bomben im Radio-Sendehaus KINE JÜDIN UND EIN ARIBfcR GETÖTET Ein« furchtbare Untat ereignete »Ich am 2. August in der Radiostation Jfrusalcm. Am Nachmittag explodierten in dem n^ueri Senderaum in der Melisnndestrassc drei Zettbomben. Zwei leitende Kräfte de» Radio, und »war eine .1 ü d i n und ein christliche.- Araber, wurden schwer verletzt und sind kurt darauf gestorben. Die Opfer sind Frau Mae Weis- o n b e .• k und der Araber Adeeb M a n s o u r. Frau Weissen berg, eine 2ftjahrige Frau von grossem Charme, stammte au« Süd-Afrika und war mit einem deutschen .luden verheiratet; -ie lei'.ete die englische Kinderstunde im Jerusalemer Radio. Die Explosion ereignete »ich iu einer Zeit, als die arabische Kinderstunde beginnen sollte und 25 arabisch« Kinder im Senderaum ver»ammelt waren. Die Kinder wurden ■ofor* bei der ersten Explosion in Sicherheit gebracht, dagegen wurde Frau Weissenberg, die im Nebenraum war, verletzt. Der arabische Ingenieur Mansour half Frau Weissenberg wegbringen und kehrte dann zurück, um weitere Hilfe zu leisten. Bei dieser Gelegenheit wurde er durch die dritte Explosion selbst so schwer verletzt, das« Ihm beide Beine amputiert werden nussten. Er starb kurz dr-auf. Im Scndchauwur*« durch die Explosionen grosser f? haden angerichtet. Die Radiosendungen mussfcen vorübergehend unterbrochen werden und wurden dann von der Hauptstation In Ramallah weitergeführt. Ausserdem wurde im Postgebaude provisorisch ein Senderaum eingerichtet. über die Urheber d<rs Verbrechens und Ober das Ergebnis der Untersuchungen ist bisher nichts bekannt geworden. Ks ist an sich unverständlich, das* es m«gli<,:h war, in ein Amtsgtbhude drei Bomben einzuschmufrfTeln, drnn Jedes amtliche Gebäude Im Lande wird streng bewacht, und jeder, der auch nur das Postamt oder ein anderes Am» betritt, wird untersucht und abgetastet. Mangels jedes Anhaltspunkte» wäre es vorschnell, Vermutungen über die Urheberschaft aufzusprechen. Ganz Palästina ist einig in der Verurteilung dieser grauenhaften Tut und voll aufrichtigen Mitgefühls für die Opfer und Ihre Angehörigen. Es ist eine bezeichnende Tatsache, das» die beiden Todesopfer den beiden in Palästina zusammen lebenden Völkern zugehören — ein Symbol dafür, wie «ehr unter den heutigen von politischer Hysterie aufgepeitschten Verhaltnissen beid> Völker Zi! leiden haben. Wer Immer die Tiitcr sein mögen, sie haben jedenfalls wesentlich beigetragen zur Verbreitung der Überzeugung, dass auf solche Weise nur eine völlige Zerstörung alles mit so grosser Mühe in Palästina Aufgebsuten erreicht werden kann. Unwillkürlich wirft man die Frage Auf. welche destruktiven Elemente an dieser Zerstörung interessiert sein mögen. I>ret Jüdische technische Angestellte des palästinensischen Radios wurden Im Zusammenhang mit der Bombmexplosfon verhaftet und verhört. Zwei davon wurden wieder entlassen. DME WOCHE In Haifa wurde ein Bombenattentat auf den Pavillon auf dem Krickettplatz versucht. Die Bombe, die wegen eines Defektes nicht explodierte, wurde während eines Wettkämpfer; gefunden, bei dem zahlreiche Zusehauer in dem Pavillon versammelt waren. Unter den Zuschauern befanden sich Polizeioffizierc und britische Beamte mit ihren Damen. Die Bombe hatte ein Gewicht von 40 Pfund. Ein Araber entdeckte ein Landmine auf dem Wege nach Kfar Menachem bei Kastine und teilte es der Polizei mit. Ab inzwischen das jüdische Auto der Kolonie wie gewöhnlich 'ahnungslos den Weg entlang gefahren kam, warnte der Araber das Fahrzeug und rettete auf diese Weise die jüdischen Fahrer. Bald darauf kamen militärische Sachverständige aus Jaffa und machten die Mine unschädlich. In einem Haus in der Lillenblum-Straase in Te#.-Aviv ereignete sich am Schabbat (5. August) spät abends eine Explosion, durch die grosses Aufsehen hervorgerufen wurde. Die Fensterscheiben war'??) zertrümmert, und es stellte sich heraus, dass die Explosion in einem von einem jungen Mann bewohnten Zimmer erfolgt war. Der Bewohner des Zimmers ist schwer verletzt und hat ein Auge verloren, sofort wurde das Haus von Polizei umstellt und eine gründliche Untersuchung vorgenommen. In dem Zimmer wurden Explosivstoffe und, wie es heisst, auch „zwei verdachtige Flaschen" gefunden. Der Verletzte erlag später seinen Wunden. Ein Araber wiirdo auf dem Wege von Ein Kerem nach Jerusalem von Arahe-.' otgeschlagen. Zwei* mit dem Getöteten zusammen fuhreMe Araber werden vermisst. In Haifa wurden iwci Araber, ein Vater und »ein Sohn, im Marktvl *rtel erschossen. In den letzten ^'ochen haben mehrere Fcuerüberfalle auf jüdische Omnibusse, in Haifa stattgefunden. Menschen leben sind nicht zu beklagen. Bei einem dieser Zwischenfälle wurde ein als Tourist im Lande befindlicher amerikanischer Rabbi leicht verwundet. Bei einem ü b e r f e 11 auf ein arabisches Dorf seitens srabischer Terroristen wurde ein arabisches Mädchen durch Dolchstiche verletzt. Die Angreifer hatten Geld gefordert ftber nicht erhalten. Auch aus einer Reihe von anderen ara bischen Dörfern werden Überfälle und Diebstähle arabischer Terroristen gemeldet. Ein Araber wurde in einem Dorf In der Nähe von Akko von Terroristen erschossen. In der Nähe von Sde Jaakow in der Haifa-Bay explodierte eine Landmine unter einem Lastwagen, wodurch zwei Brü der, Rüben und Zwi Friedmann aus Kfar Chassidim schwer verwundet und ein dritter Passagier leicht verletzt wurde. Bei einem Zusammenstos s des Militärs mit arabischen Terroristen bei Hebron wurden 9 Araber getötet, einer verwundet und gefangen und weitere 8 Araber verhaftet. Das Jerusalemer Militärgericht verurteilte »wei Araber, die als „Vollstrecker der Todesurteile" des Terroristengericht» bezeichnet wurden, zum Tode. Die beiden Männer waren früher aus einem anderen Grunde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, und nachher meldeten sich die Verwandten von zwei ermordeten Arabern und teilten mit. dass die beiden Verurteilten auch Mörder waren. Daraufhin wurde ein neuer Prozess angestrengt, im Verlauf dessen das Todesurteil ausgesprochen wurde. 3$ Juden aus jüdischen Kolonien wurden von den Militärbehörden in Sarafand zu drei Monaten bis zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Diese Verhafteten befanden sich unter den 150 Arretierten, die im Zusammenhang mit den Mordtaten bei Petach Tikwah und Rechowoth festgesetzt worden waren. Vier britische Polizisten sind in Jerusalem wegen schlechten Benehmens und Disziplinlosigkeit zu 14 »«zw. 10 Tagen Arrest verurteilt worden. In Jerusalem wurden in dem Laden des Generalvertreter? vnn Tmnftrial Chemical Industrie.) (dem grösaten englischen Chemie-Konzern) Explosivstoffe entwendet. Die Wand war von aussen angebohrt worden und der Dieb- Mahl wurde erst nach geraumer Zelt entdeckt. Die revisionistische Tageszeitung „H a rn a s c h k 1 f" In Tel Aviv wurde für einen Monat verboten. Eine Anzahl arabischer Autobuslinien, deren Verkehr lange Zeit von den Militärbehörden verboten war, sind wieder gestattet worden. Der internationale Telefon verkehr von Palästina mit den Nachbarländern Libanon, Syrien, Irak und Ägypten, der seit August 1938 verboten worden war. Ist nunmehr wieder gestattet worden. Generalleutnant Wavcll ist in Kairo angekommen, um .sein neues Amt als Oberkommandierender der britischen Landstreitkräfte im mittleren Oösten anzutreten. General Wavcll war 1937 als Nachfolger von General Dill Oberkommandierender in Palästina. Der High Commlssloner Sir Harold M a cMichael besuchte den Beer» heba- Distrikt auf einer zweitägigen Reise. High Commissioner Sir Harold Mae Michael wird Mitte August sich für 6 8 Wochen nach England begeben. In seiner Abwesenheit wird der neue Chefsekretär J. S. Macnheraon als Leiter der Regierung fungieren. Zugleich mit dem High Commissioner begibt sich der ägyptische Ministerpräsident Mohammed Machmud nach England; er fährt am 10. August ab. Auch der Gouverneur des Jerusalemer Distrikts Keith- Roach begibt »ich auf einen dreimonatigen Urlaub nach London. Ebenso treten eine Reihe von anderen mittleren Beamten In diesen Tagen einen längeren Urlaub nach England an. Der Jerusalemer Stadtrat beschloss. nach einer Sommerpause von einem Monat, die am 7. August beginnt, seine Sitzungen wieder regelmässig aufzunehmen. Das Flüchtlingsschiff „Colorado", das seit dem 2S. f. in Haifa mit 378 Passagieren lag, durfte seine richtende jetzt ausschiffen, die zunächst in die Quarantänestation gebracht wurden. Das endgültige Schicksal der Passaglere ist noch unbekannt. Die Jewish Agency und die Tel-Aviver Stadtverwaltung 'sahen beschlossen, £ 18.000 für die P I a n i e r u n g der Sandüünen am Nordufer des Jarkon auszugeben. Durch dieses Projekt sollen 1000 Arbeiter drei Monate hindurch beschäftigt werden. Auf dem Boden der kürzlich neugegründeten Siedlung Beth A f f a , die Jetzt den Namen N e g b a trägt, ergaben Bohrungen ein reichliches Wasservorkommen mit 100 cbm pro .Stunde j Bei einer Gedächtnisfeier für die in Jaaroth K armen hei Haifa vor einem Jahr getöteten jungen Juden wurden einige Reden gthaltan, worin der EntachJus» ausgesprochen wurde, da*» an dieser jet?,r. noch entlegenen Stelle in naher Zukunft eine grosse jüdische Siedlung entstehen soll. Ein Redner wies dar uf hin, dass die Angreifer von damals Inzwischen die Todesstrafe erlitten haben, Für die Opfer des Überfalls wurde ein Gedächtnisstein errichtet. Bei einem Empfang f ir den »ephardischen Oberrabbiner IT siel in Nathanya. waren auch vier arabische Scheiks anwesend. Einer von diesen hielt eine Begrüssungttredc, in der er sagte, dass die Araber beten, der Friede möge hergestellt werden. Rabbi Usiel antwortete in arabischer Spruche, er werde sein Äusserstea tun, damit die friedlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern wiederhergestellt werden. In Tel-Aviv fand ein Bankett zu Ehren des 70. Geburtstages von Heinrich Loewe statt. Ansprachen hielten r-rofessor Julius Moses <früher Mannheim), der Bürgermeister von Tel Aviv Rokach. der Vertreter des Schriftstellererbanded Fkhmann, der Schriftsteller Jakob Rabinowicz und viele ander«- «1»* Verdienste Professor Loewes um ien Zionismus in Vergangenheit und Gegenwart hervorhoben. Für den Küfer Hajlschuw wird vom Verbrauch de» in Palästina erzeugten Speiseöls von jetzt an eine Abgabe er- TR55B5 "O *D n K Kl NIC „ARIHIKKI'NCi" BEI ITA LI EN ISCHEN V NTKRN KHM UNO EN Die palästinensischen Zeitungen meldeten, das« der IM4 tcr der Tel Aviver Filiale der italienischen Schlffsgesellschaft Adriatica", Arthur H ochilorf f, entlassen wurde, weil dl« Gesellschaft arisiert wird (Zahlreichen deutschen Juden ist Hoehdorfr noch aus seiner Tätigkeit in Berlin bekannt, WO e* im Palästina-Amt und später In einem führenden Reis«« büro tätig war). Der italienische Generalkonsul in Jerusalem veröffentlicht daraufhin ein Dementi, worin erklärt wird, dass die Entlassung Moehdorffs eine rein administrative Angelegenheit sei und nichts mit Rasaenfragen zu tun habe. Es handele sieh um eine Differenz wegen des) Gehalts. Der Generalkonsul fügt hinzu, dass von den 34 Angestellten der Adriatica 13 Juden sind. Kein jüdischer Leitet, oder Anomtellter s«| bl*h*r von den itallenittchr.n Konsulaten oder den Ualienhchen Unternehvnv.nnrn in Ptttil.Ain* ntlnwicn worden. Es Ist Interessant, das» in einer solchen Angelegenheit der italienische Generalkonsul selbst das Wort ergreift. Der Inhalt seiner Zuschrift wird gewiss auf jüdischer Seil«? Genugtuung hervorrufen, wenn auch die entrüstete ZurUcklsung der Verdächtigung einer au rassischen Gründen verfolgenden Arisierung in Anbetracht der allgemein bekannten' Tatsachen der heutigen (in Italien zwar sehr unpopulären, aber doch von oben her erzwungenen) Haltung etwas rorvderb«r anmutet. vv ...««t«4 er Ist 4mth 4mr bette A ifii'3 aian Min .., ILLEGALE VOK CiKKICIIT | Drei Illegale Einwanderer au;i Deutschland und zwar Else Sochuczewer, Erich Fri«dhelrn und Andreas Friedmann, alh aus Berlin, hatten sich vor dem Friedensrichter Shcctrit wegen illegalen Betretens de« I^andes zu verant- •orten. Die Angeklagten waren von Arabern «Inge!,ufert worden, die sie am 1'!. Juli im Wuadi Hubin gefunden h'.ttcn* Der Verteidiger entwarf ein Bild d*r Irrfahrten der Ii':■ huldigten seit ihrem Verlassen Deutschlands. Sic waren auf ein nach Schanghai bestimmte« Schiff geladen worden, wi:rdeit aber in Port Said an Land gesetzt und von der Poli/'l in einem Boot aufs Meer gebracht, von v.o sie, die Küste Palästinas in der Nähe von Nebi Rubin erreichten. Die Angeklagten wurden zu dreimonatlicher GarMitie de« Wohl Verhaltens verurteilt. Der Richter erklärte, mit Rücksicht auf dargestellten Verhältnisse und die Kenntnis der Ding« Deutschland könne er die Abschiebung der drei Illegalen nach Deutschland nicht empfehlen, Der Vertreter der Anklage empfahl, den drei Arabern, die die Angeklagten gerettet haben, die Reise" osten zu ersetzen, was auch g'.'.'chan* Persönliche*. Hert.hold Mann*»*, eine in Berliner Hartdels. und WirUchaftskrelsen früher allgemein bekannte Persönlichkeit, feierte am 2. August in *''<d Aviv .rfrir'-n 65« Geburtstag, Der Jubilar ist ein M .«vrbelsptel .da'ür, wie em deutscher Jude sich auch in vorgeschrittenem After in Erez Israel einzuordnen vermag. In den mehr als ' Jähren, üie er in Palästina lebt, hat er sein reiches Wissen und seine starke Aktivität in den Dienst der Allgemeinheit KCEteÜt« Neben «einer Tätigkeit für den Ken.n Hajesso«] arbeitet er jetzt, unermüdlich und aufopferungsvoll in den Reihen dei .Kofer Hajischuv", wo er auch als fetter der Schiedsgericht«- abteilung für deutsche Einwanderer tätig Ist.; WENN IN HAIFA Wohnen Sie im SAV0Y HOTEL Modern eingerichtet. Massige Preis« dar H. O. O. für Einwonderergut in Lift« und Kitten HAUSMANN TRANSPORT CO. International« Spediteur« Mmtta. telefrl«.Me«M fei. 11177 fsl-Awiv, MacMttth •«niamm»»r. 44 fei. StSI?. O. J l /Q GOLD-LOMBARD Tel-Aviv, AltfNBY RD, 80" MUIHUNO, An und Verttouf von Juwelen, Gold- und Silberworne REELLE BEDIENUNG

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