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Jüdische Weltrundschau · 1939-07-28 · 20 (28.7.1939) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
20 (28.7.1939)
Date
1939-07-28
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Bette 10 *- JÜDISCHE WELT-KCTy&SCHAU Nr. » 2S.VH.ltt8 Zwei Seiten Hilfsbereitschaft und F remdr nf elndsohaf t Die vlelgelescne englische Zeitschrift „Picture Pont" 'London) hat vor einiger Z«*it die Bilder von zwei verlassenen FIllchtlltiBskindcrn nus der Tachechoslovakei veröffentlicht, für die um Schutz gebeten wurde. Am nächsten Tag kamen bereits, ho teilt die Zeitschrift mit, 11 Briefe von Männern und Frauen, die eines oder beides dieser Kinder in ihr Hnus aufnehmen wölken. Am Tag darauf trafen 1" «olchcr Briefe ein und in den nächsten Tagen kamen dauernd noch weitere Zuschriften. Von all den vielen Tausenden von Briefen, so schreibt die „Picture Post"., die bei der Redaktion seit dem Beginn de;« Erscheinens der Zeitschrift vor 9 Monaten eingetroffen sind, waren keine so rührend, wie dle.se Angebote von Hilfe für zwei den Schreibern ganz unbekannte aber hilfsbedürftige Kinder, Die Angebote werden jetzt von einem unabhängigen Komitee geprüft und ein* davon wird angenommen werden. Die anderen Briefsehrelber werden, «so teilt die Zeitschrift mit, nur fall* *ic es wilmehen, mit anderen FJiichthngskindcrn in Verbindung gebracht werden. Die Zeitschrift veröffentlicht au« den au» verschiedenen meust kleineren Orten Englands eingetroffenen Briefen Auszüge -- eine Veröffentlichung, die ein wahrhaft ergreifende» Bild unverbog.*ner Menschlichkeit gibt. Die Sache fmt freilich auch eins ander» Seite. Zwei Briefe, die cingelarfjl sind und gleichfalls von der Zeitschrift abgedruckt werden, wenden sich in ziemlich riidem Ton nicht nur gegen diese Aktion, sondern überhaupt gegen das Einströmen von Flüchtlingen nach England. In einem Brief aus Manchester heilst es, man soll sich zunächst um die evjenen Bedürftigen kümmern, und der Schreiber fügt hinzu, dass in Manchester Juden die Cafts und Tanzsälc, Überfluten und anmaßend auftreten in schreiendem Kontrast zu der Lage der britischen Arbeitslosen. Ein anderer Briefschreiber klagt ganz ähnlich darüber, dass die jüdischen Flüchtlinge Engländer aus ihrer Beschäftigung verdrängen und wo man hingeht. Höh«* man sie ..und ihre nbstossend»« Mnnierlosigkeit". Der Schreiber fügt hinzu, von Tagt zu Tag find« er mehr Menschen, dlo sich gleich ihm gegen das jüdische Element wehren. Die Zeitschrift erklärt in einer Nachbemerkung, dass die Stellungnahme zu dieser Sache eine persönliche Gewissensfrage für jed*n Einzelnen sei, d.is« aber die Behauptung der Verdrängung von Engländern aus ihrer Beschäftigung u n "richtig ist, da der Innenminister Sir Samuel Hoare im Februar erklärte, diiss II 000 Immigranten in England für Ja 000 britische Arbeiter, die sonst keine Beschäftigung gefunden hatten, Arbeit geschaffen haben. Nach Angaben der -Sachverständigen hat sich diese Zahl der Menschen, die durch die Flüchtlinge Arbeit gefunden haben, inzwischen noch atark erhöht. MacDonald vor der Mandatskommission x Die o n g 1 i s c h cn Z e i t u n g e n bringen Ausschnitte aus der Debatte in der Mandatskommission in Genf, denen tu entnehmen ist, dass sich der britische Ko.onienmlnister gegenüber den Mitgliedern der Kommission in einer schwierigen Lage befand. Der nachfolgende Dialog gibt darüber "-einigen Aufschlug»: | Das norwegische Mitglied der Kommission, Frl. D r n n - iv i g richtete an den britischen Kolonienminister die. folgende Frage: l Versprachen Sie nicht den Juden ein Jüdischen Nationalem in Palast in»? MacDontit<i: i lewiss. Danmvig: Beabsichtigen Sie, dieses Versprechen zu halten? MacDonald: Ja, mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften. Dannwig: Und dennoch schlagen Sie vor, dass die Juden (n Palästina eine dauernde Minderheit bleiben und das Verhältnis von einem Drittel der Bevölkerung des künftigen arabischen Staates nicht uberschreiten sollen. i MacDonald.' Die jüdische Minderheit wird aber eine Minderheit eigener Ordnung .sein. Danmcig: Ich bin weder Jüdin noch Diplomatin, und ich möchte bemerken, dass Ihre Antworten eine Beleidigung metner Intelligenz sind. Wenn Sie den einfachen Mann auf der Strasse fragen, was mit dem Versprechen eines Jüdischen Nationalheims gemeint sei, würde seine Antwort lauten: So etwas wie ein jüdischer Staat. Keine juristische Spiegelfechterei kann eine solche klare Meinung mit Ihrem Vorschlag verbinden, dass die Juden eine dauernd« Minderheit in einem arabischen Staate bilden sollen. Kurz gesagt: das Weissbuch ist unvereinbar mit dem Mandat. Baron von Anuhcck: Solange die Juden glauben werden, Jas. die britische Einwanderungspolitik der moralischen Gültigkeit bar sei und der Legalität entbehrt, werden sie fortfahren, illegale Einwanderung zu versuche;-. MacDonald: Wir bestreiten, dass jeder Jude In der Welt ein Recht hat, nach Palästina zurückzukehren. Spater sagte MacDonald noch: Jüdische Einwanderung in Palästina fortzusetzen würde eine Politik der Gewalt nach »Ich ziehen, Orts (Belgien): Wir haben den Eindruck, dass ihre Politik eine Auslieferung an die Gewalt bedeutet. Frl. Dannwig: Wie viele Truppen haben Sie heute in Palästina? MacDonald: lM.000. Dann\ciif Wie hoch schätzen Sie die arabischen Terrorbanden ein? MacDonald: Auf 2.000 bis 3.000 Mann. I>o»ntci<y. Wollen Sie behaupten, dass das britische Empire mit einer Truppenstarke von 18.000 nicht sehr bald mit 3,000 Terroristen fertigwerden könnte, falls es wirklich entschlossen wäre, den Terror auszulöschen? Es ist nicht bekannt, ob MacDonald eine Antwort auf diese Frage gerumien hui. Kurznachrichten aus aller Welt Wie erinnerlich, hat die rumänische Regierung Gor» Cm» viele hunderte Diplome jüdischer Arzte, die Ihre Stu dien in Italien beendet hatten, annulliert. Das oberste Kassationsgericht in Bukarest hat soeben diesen Annullierung» beachluss aufgehoben und die italienischen Diplome für gültig erklärt. Damit haben etwa .WO jüdische Arzte das Recht auf Ausübung der Praxis wieder erlangt. Sämtliche Italienischen Zeltungen veröffentlichten am 14. Juli, dem ersten Jahrestag der Einführung der It a k ,i e n g e s c t z e in Italien, in festlichem Tone gehaltene Leitartikel, in denen die Methodik und die Gründlichkeit, mit denen die Eliminierung der Juden durchgeführt wurde, gerühmt wird. Gemäss einer neuen Verfügung des Unterrichtsministers werden Jetzt Jüdische Studenten an den italienischen Universitäten und Hochschulen gesondert geprüft. Den Juden wurde eine Sondersteuer auferlegt, au« deren Erträgnis die Im Entstehen begriffene jüdische Hochschule In Rom erhalten werden soll. Ausser den von der jüdischen Gemeinde erhaltenen Elementarschulen dürfen jüdische Kinder In Rom noch vier staatliche Elementarschulen besuchen. Durch einen Erlass des italienischen Ministeriums des ern wird den halbstaatlichen Unternehmen und Verwaltungen auH«er der Beschäftigung jüdischer Arbeitskräfte auch verboten, Lieferungen an Juden zu vergeben. Die amerikanischen Zionisten haben t*n Protesttelegramm gegen die Einstellung der Immigri^ «n an den Printe Minister Chambcrlain gesandt. Das Telegramm ist auch von Dr. Cyrus Adler, führendem nichtzionistischen Mitglied der Jewlsh Agency, unterschrieben. In einer Erklärung des arabischen Zentrums fn London heisst es. die Suspendierung der jüdischen Einwanderung In Palästina sei als eine „schöne Geste" seitens Englands gegenüber den Arabern zu begrüssen. Es sei die tiefe Überzeugung der Araber, dass England am besten täte, die jüdische Einwanderung sofort und endgültig einzustellen. Jeder Illegale Einwanderer sollte deportiert, alle jene, die «ich mit der Hereinbringung dieser Einwanderer befassen, sollten streng bestraft werden. Der Jerusalemer Korrespondent des londoner „Daily Herald" meldet, die Palästina-Regierung plane die Herauf* führung der illegal nach Palästina gekommenen Flüchtlinge aus dem I^ande und ihre Internierung In eigens für sie errichteten Konzentrationslagern in anderen britist: en Territorien, unter ihnen vermutlich Oypern. Bei der Nachwahl für das Mandat des verstorbenen fJUdl- »eheni Ministers Sir Philipp Sassoon wurde der konservative Kandidat gewählt, der die Unterstützung der Regierung und der Schwester des Verstorbenen hatte. John Philby, der bekannte Araberfreund, der in dieser Wahl namens elnei von ihm gebildeten britischen Volkspartei kandidierte, craiel' nur 576 Stimmen und verlor daher seine Kaution. In New York verstarb Im 7». Lebensjahr der hervortagende Ökonomist und Professor an der Columbia-Univeraität Edwin Sei i gm an. Seine Werke über Wirtschaft«-, Steuer- und Finanzfragen wurden in viele Sprachen übersetzt. Er war Präsident der Gesellschaft für Ethische Kultui und Mitglied mehrerer ausländischer Akademien. Die 800 Fussballschledsrlchter Ungarns sind auf Grund einer Regierungsverordnung aufgefordert worden, ihre arische Abstammung und nationale Unbescholtenheit nachzuweisen. 300 Schiedsrichter hätten, so teilt das Absndblatt „Az Est" mit, diesen Nachweis nicht erbracht, wodurch {■•ie automatisch aus ihren Ämtern geschieden seien. Wie die ITA meldet, hat die Gestapo In Deutschland die ■ Erlaubnis erteilt, dass eine zionistische Delegation aus Deutschland am Zionistenkongress in Genf teilnimmt. Die „Luxemburger Freiheit", ein von den Nazis gefördertes rassistisches-antisemitisehes Blatt, wurde von den Luxemburger Behörden beschlagnahmt. In den Strassen Beiruts wurden Broschüren, betitelt stimmen au« den Gräbern Palästinas" feilgeboten. In diesen Heften wird das Oberste Arabische Komitee angegriffen. Anhänger dieses Komitees kauften schncil grosse Mengen der Broschüren auf, um sie aus dem Umlauf zu ziehen. Das Zbonszyn-Lager Der JTA wird von autoritativer Seite mitgeteilt, dass das Flüchtlingslager in Zbonszyn, wo die aus Deutschland verjagten polnischen J* Jen untergebracht sind, ■-allmählich liquidiert und dass den Flüchtlingen gestattet werden wird, sich in verschiedene Teile des Innern Polens zu begehen. Die polnische Regierung habe ihre Zustimmung zur Liquidierung des Lagers bereits gegeben; die Dureluührung der Liquidation sei nur noch eine Frage der Zeit. Wie es heisst, worden bereits 40 bis 50 Flüchtlinge täglich aus Zbonszyn nach verschiedenen Gegenden des Landes gebracht. Von den GOOO Ausgetriebenen, di-j im Oktober 1938 im Zbonszyn- Lager ankamen, gibt es dort noch etwa 3500. Bekanntlieh erlitt 1t das Lager in letzter Zeit wieder Zuzug. Man schätzt, dass das Lager innerhalb von 3 bis 4 Monaten endgültig geräumt sein wird. In dem rumänischen Badeort Carmen Silva, unweit dos Hafens Con stanz», wird in kurzem ein Hafen eröffnet werden, in welchem mehere hundert Flüchtlinge Unterkunft finden werden. Das Heim wird auf einem Grundstück errichtet, auf welchem bis vor einem Jahr die antisemitische „Eiserne Garde" ihre Sommerlager zu veranstalten pflegte. In Belgien wurde in der letzten Zeit eine rigorose Politik gegen die illegal ins Land strömenden Ausländer eingeleitet. Der Innenminister erklärte, dass Belgien bis an die Grenze seiner Möglichkeit Flüchtlinge aufgenommen habe von nun an aber der illegalen Einwanderung einen Damm entgegensetzen müsse. Flüchtlinge, die jetzt ins Land au kommen versuchen, werden ins Herkunftsland abgeschoben werden. Von dem neuen Dekret sind, wie es heisst. nu hrere tausend Personen bedroht, die sieh bereits in Belgien befinden. Die Behörden versichern, «!shs die Regierung bei der Durchführung Ihrer neuen Politik human verfahren werde. Bomben gegen Juden in Beinith In die Synagoge in Beirut Ii wurde eine Bombe geworfen, wodurch sechs Juden verwundet wurden, davon mehrere schwer. Man nimmt an, dass da* Attentat von der nationalistischen moslemischen Jugendorganisation vollführt worden ist, die seit der Ankunft verschiedener palästinensischer Araber besonders antijüdisch eingestellt ist. Man nimmt auch an, dass durch neue Cieldzuflüsse seitens ausländischer Mächte die Propagandatätigkeit des im Libanon im F.xil befindlichen Obersten Arabischen Rates wieder zugenommen hat. Zum zweiten Mal wurde in einer ägyptischen Synagoge eine Bombe gefunden, die nicht explodierte, u. zw. in M a n - sur». Dabin lag ein Papier, worin die ägyptischen Juden gewarnt werden, nicht den Juden in Palästina zu helfen. Eine gleichartige Bombe war zwei Wochen früher in Kairo gefunden worden. DAS GEHEIMNIS DER „DORA" In einem Teil der holländischen Presse erschienen kürzlich einigermassen sensationell aufgemachte Berichte über geheimnisvolle Vorbereitungen zur Abfahrt eines Emigrantenschiffes aus dem Hafen von Amsterdam. In einem der Berichte wurde sogar im einzelnen beschrieben, wie wenig das Schiff für eine Seereise geeignet sei. Bald ab«r erfuhr man, dass dar Inspekteur für die Schiffahrt dies« Gerüchte für stark übertrieben erklärte. En handelt sich um ein Schiff von 1600 Tonnen. Es hat einen griechischen Kapitän und fährt unter der Flagge von Panama. Auf Ersuchen des Flüchtlingskomitees wurde das Schiff in der Nacht der Abfahrt, nachdem es vorher noch mit dem erforderlichen Rettungsmaterial versehen worden war. von den Hafenbehörden einer Prüfung unterzogen und genehmigt. Es befinden sich drei Ärzte an Bord und für die Hygiene an Bord sollen ausreichende Massregeln getroffen sein. Es hatten sich etwa 300 Flüchtlinge aus verschiedenen lagern in Holland tur Teilnahme an dieser Reise freiwillig gemeldet. Ober das Ziel der Seereise wurde völliges Stillschweigen bewahrt, wie es heisst. weil die Regierung des Bestimmungslandes diese Bedingung für die Zulassung der Flüchtlinge gestellt habe. Wie Ihr Berichterstatter von zusiäiuliyer SteJIe erfuhr, sind die Sehiitspapiere für Siam ausgestellt:. Die ..Dora'4 fuhr von Amsterdam zunächst nach Antwerpen, wo noch eine grössere Anzahl jüdischer Flüchtlinge an Bord gingen, sodass die Gesamtzahl der Passagiere etwa 400 bis 500 betragen dürfte. Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Reede von VH&slingen. wo noch Proviant aufgenommen wurde, verliess die „Dora" die Küstengewässer, um die Flüchtlinge ihrer neuen Hfirnat *uzuführe«. H. L. Persönlichen. Wie uns mitgeteilt wird, ist in Wiea Frau Chajeh Lea R o s e n t h a 1 gestorben. Sie erfreute sich grosser Beliebtheit als Helferin von Armen und Bedrängten. Die Verstorbene war die Mutter des jüdischen Journalisten Jakob. Rosenthai, jetzt in Tel Aviv. Aus dem „Protektorat" Die Exekutive der tschechischen „Partei der Nationalen Einheit", die ermächtigt ist, Gesetze für die Regierung zu entwerfen, hat soeben den Bcschluss gefasst. die Kacha-Regierung zu ersuchen, ein Judengesetz zu erlassen, welches die Eliminierung der Juden aus dem gesamten öffentlichen Leben in Mähren-Böhmen zum Ziele haben soll. Insbesondere sollen Juden aus allen stadtischen Posten sofort entfernt werden. In der Resolution heisst es u.a.: Das Dekret des Reichsprotektors Baron von Neurath übei Zwangsregistrierung bzw. Beschlagnahme jüdischen Vermögens gibt eine Definition, wer als Jude zu betrachten ist Die Partei der Nationalen Einheit jedoch wünscht, dass nicht allein die materielle, sondern dass auch die politische Position der Juden im Protektorat eine endgültige Regelung findet. In einer Anzahl Gemeinden verwalten Nichtarier immer noch Bürgermeisterämter; nach den heute bestehenden Gesetzen haben die Behörden nicht die Möglichkeit, diese Leute auf legalem Wege zu entfernen. Die Partei der Nationalen Einheit fordert deshalb die Regierung auf, sobald wie möglich las Judengesetz zu verkünden, durch welches die notwendigen politischen Beschränkungen für Nichtarier in einer Weine eingeführt werden, dass ihnen das aktive und passive Wahlrecht, sowie die Teilnahme an öffentlichen Körperhaften, Stadtverwaltungen. Wirtschaftsorganisationen usw. legrenzt bzw. verwehrt werden. „Ceske* Slovo" teilt mit, dass die tschechische Regierung läss dieser Aufforderung in Kürze ein auf den Nürnberger Gesetzen von 1935 basierendes Judengesetz erlassen wird. Die tschechische Regierun sei durch das Dekret des Reichsprotektors, welches den Begriff „Jude" und „jüdischer Besitz" definiert, gezwungen worden, das Nürnberger System mit kleinen Modifizierungen zu übernehmen. Die im Protektorat erscheinenden deutschen Zeitungen fordern ebenfalls die sofortige Verkündigung des Judengesetzes als Beweis dafür, dass die „Tschechen loyal gegenüber Deutschland sind'. Die anti jüdische Aktion im Protektorat, die bisher »n Mähren mit grossem Aufwand vor sich ging, hat'nun mit der gleichen Vehemenz auf Böhmen übergegriffen. Eine Reihe Stadtverwaltungen haben die in Deutschland geschaffenen Ghetto-Institutionen mit übernommen. Die Polizeibehörde in Pilsen hat verfügt, dass Juden öffentliche Bäder nicht besuchen und keine eigenen Bäder eröffnen dürfen. Die Stadtverwaltung selbst werde Badeplätze für Nichtarier einrichten und sie als solche kenntlich machen. Nichtbefolgung zieht Geldstrafen bis 5000 Kronen und Gefängnis bis au 1« Tagen nach sich. Begründet wird diese Verfügung mit „Wahrung der öffentlichen Ordnung". Auch die Stadtverwaltungen in MährUch-Ostrau. Brünn u.a. haben Verordnungen über Verbot an Juden, öffentliche Bäder zu besuchen, erlassen, Die slovakiache Regierung hat eine neue Art „Arisierung" angeordnet, wonach die Juden in „zuverlässige" und .unzuverlässige" Elemente eingeteilt werden. Die „zuverlässigen' dürfen ihre Geschäfte und Lizenzen derweil noch behalten, die „absolut nicht zuverlässigen" müssen ihre Geschäfte und Lizenzen innerhalb drei Monaten an Arier ubergeben. Diese Verordnung öffnet der Willkür und der Erpressung Tür und Tor, Der Getreide handel in der Slovakei wird In der Weise „arisierf, da«* ein Regierungsdekret vorschreibt, das Betriebskapital ftlier Getreidefirmen müsse zu 51. Prozent in arischen Hunden sein, die jüdischen Direktoren müs.» n ausscheiden. Natürlich bedeutet diese Verordnung, dass das jüdische Kapital zum grössten Teil an Arier verschenkt wird. stiiörrfc>WitxE ji insCiirs ERZEli;N!S # Die Zeitschrift ...Vcuc Literatur' veröffentlicht, xie der Londoner „Daily Telegraph'1 kürzlich berichtete, einen Artikel des deutschen Publizisten Will Vesper, der sieh gegen die häufige Anführung von Schottenwitzen in deutschen Zeitungec wendet, weil er sie als eine jüdische Beleidigung einer ger* tnanischrn Raas* betrachtet. Diese Witze sind gewöhnlich, wie es in dem Artikel heisst, der jüdischen Presse Londons entnommen. Die Schotten seien die gesündeste, aaaiundigste und am meisten germartische Rasse der britischen Inseln. Nur sie bieten die Möglichkeit einer besondere« englisch-nationalen Entwicklung. Man sollte deshalb von der Zitierung schottischer Witze Abstand nehmen, Sie kommen von Juden,

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