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Jüdische Weltrundschau · 1939-07-28 · 20 (28.7.1939) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
20 (28.7.1939)
Date
1939-07-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE WELT-RUNfDSCHAU Nr. 20 28. Vn. 193t Bekenntnisse eines Ex-Assimilanten Von Tristan Leander (T#!«.*vtv; Mein« erste Begegnung mit drin Zionismus w«r im (iym- •ißtium ein Mitschüler, der u .rt erzählte, das« er die Absicht habe, einmal nach Palästina zu gehen, als einfacher Landarbeiter, aus Idealismus* Wir verstanden nicht, wie ein ntelligenter Bursche so etwas ernsthaft vorhaben könne und tirers« ■hütte'» ihn mit dem kollegialen Hohn, den man mif jener Altersstufe ausgiebig übrig hi:t. Kr Ist denn auch später wirklich in Frankreich Journalist geworden. Mein© zweite .Begegnung war ein Zuaarnmcnstoss mit eintrn zionistischen ^tudenten,' der mich; im pucll fordert«. A!: jjriri?ipicllcr Due)?gcgncr rntwortete Ich Ihm mit einem Klasslkerzitc';, ebenso wi« deutsch-völkischen Herausforderern. Es ärgerte mich, das* einer «I» Jude jeden nationalen Unfug nuchmachcn musste. (Wu das Duell betrifft, bin ic!i Übrigens heute noch der gleichen Ansicht). Dann fuhr ich einmal mit,Verwandten auf eine Ägyptenreise, und im Anschlusa daran"blieben uns zwei Tage für Jerusalem, wo es so Interessante Dinge wie die Omarmoschee md die Grabenkirehc r.u sehen gab. Richtig, ^da war auch .joeh die Klagemuucr. An ihrem Fuss fragtv ich mich ernstlich, ob Ich mit diesen Leuten, frommen alten -Gläubigen und fanatischen jungen Kolonisten, ausser der Formsache meiner konfessionellen Zugehörigkeit irgend etwa» gemein habe. Ich kam damals zu einer verneinenden Antwort. Erst Vieh? Jahre später erfuhr ich. . dass tnejnc Frage wörtlich in Herzls „Altneuland" steht, dort wo der Dichter »Ich selbst als Friedrich Löwenberg zutrat mit dem Lande «einer Vorfn'.iron zusammentreffen lüsst. „Wir zufällig nicht Getauften" Was wusfiten wir mitteleuropäischen Assimilanten, wir ~,nchr oder minder zufällig nicht Getauften, o.tia der Kf tegorie, Sie bekanntlich erat bei ihrem Begräbnis merken, dass sie Juden sind, w:.s wussten wir von Palästina? Wir fanden es ichr schon und löblich, dass man ein paar arme Juden, weit hinten aus Polen oder wo es sonst noch Judenverfolgungen geben sollte, irgendwohin brachte, wo sie in Ruhe und Freiheit leben konnten. Der Ostjude war schliesslich auch ein Mensch. Ab und zu sagte einer von uns, er wi.v.^o hier in Wien noch genug Juden, mit deren Verfrachtung nach Paläliistina er sehr einverstanden wäre». Wenn auf Zionismus die Hede kam, zitierte man das Wort von dem Juden, der mit dem Gtl.. eine« zweiten Juden einen dritten Juden nach Palästina schicken will, Die wem; on Zionisten, diu man kannte, waren zumeist Leute, die nie an eine eigene Alljah dachten, sondern sich nur zur Betätigung die einzige politische 'Partei'- ausgesucht hatten, bei der sie nleht zufolge ihr er' .Geburt in der Karriere gehemmt waren. Und dann kam die Katastrophe. Bei den deutschen Juden kam sie langsam- und suk« {esFive, hei anderen (ich bin Österreicher, vielmehr, ich war KS) kam sie über Nacht. Am Abeides 12. März ttKl8 hörten wir im Rundfunk den Einmarsch ncr deutschen Reichswehr. An diesem Abend wusstc ich. » hss meine Existenz in der Heimat beendet sei. Nicht allen war das sofort klar: manche von uns dachten nur, dt ". sie jetzt ein«* Köehin Uber 45 Jahren suchen müssten. t Drei Monate später wurden die Wiener Juden von einander huss iie.- j lr' nach ihrem Besitz an Affidavits, Permits, Zerlifiut;n, und echten und falschen Vi»«:; bewertet. Einschliesslich der Getauften; darunter mehr als einer, den Vh mein Lebtag für einen echten Arier {'ehalten hatte. Wohin? Die nici: ti n von uns hatten keine W;' ' Man ging dorthin, wo man zafäll'~ legal oder anderswie, hinkonnte. Wer die Wahl hatte, ging gewöhnlich nicht nach Palästina; denn wenn einer mehrere Einreisen hatte, war er schon sehr tüeh- :iger Geschäftsmann, und für den sind anderwo die Auiik hten besser. Heute habe ich langjährige gute Freunde und nahe Verwandte in Chikago, Sidney, Shanghei, Kalkutta und Buenos Airc«; von so prosaischen und nahegelegenen Dingen wie London und Bukarest nicht zu reden. Und ich sitze in Tel Aviv und lerne Hebräisch. Vor einem Jahr kannte ich noch keinen Buchstaben. (Das vergessen die Fanatiker oft, die es in einem ostjüdischen Oh cd er gelernt haben, und uns „Jeckes" vorwerfen, dr.ss es mit der Sprache nicht so rasch geht). I Ab und zu bekomme ich einen Brief (aus den oben genannten Orten), ob ich denn wirklich kein arideres Land ge- .'um'cn habe, und wie man denn nur ausgerechnet ~ Und ich muss jedem dasselbe antworten. Ich war eiii guter Österreicher, Alle meine vier Großeltern waren Österreicher mosaischer Konfession, wie man damals .sagte. Weitere Sippenforschung habe ich nicht betrieben. Aber ich kann nicht über Nacht ein ebenso guter Australier, Chinese oder Argentinier werden, laicht einmal Amerikaner, obwohl <*ts in dem nationalen „Schmelzkesscl" noch »m leichtesten sein dürfte. l*berall bleibt man ja doch, zumindest in dieser Generation, der zugereiste Jude, der fremde Emigrant. Und ich rauche eine Heimat. Ein kleines) Stück Land, über das man schimpft und das man 2U\t," Vmi eine Gemeinschaft vor. Menschen, mit denen man etwas gemein hat. sei es auch nur die Antipathie gegen die. Ute nicht dazu gehör«n. So wie wir in Österreich gelegentlich über die Preussen das Afaul zerrissen. F-$ muss ja nicht gleich (esehosM-n Werden. (RiehtUnit über das künftige IdcalverhältnhV zu den Äiabera), Eme Kelmat das Ist «twas, auf das-mau ab und zu XU »frofe sein'kann, und wo es Probleme gibt,• politische und kulturelle, bei denen man gleichberechtigt mittun und mitrnufen kann «bis man erst einmal genug Hebräisch können wird). Muffte tn mi kommen — In Itoutarhiand? Ich bin ja nicht überzeugt davon, das* es in Deutsehland unbedingt so kommen mumte. Eher glaube ich, daas da«, was una vertrieben hat, ein dummer, dummer Zufall wnr. Ebensogut wie gegen uns hätte es gegen die Rothaarigen oder die Radfahrer gehen können, mit der gleichen Resonanz beim Pöbel. Ich giaube auch nicht daran, das» es tibernü und bei allen Völkern einmal »o kommen mum leb wünsche allen Juden In der Galuth vom ganzen Herzen, das« es Ihnen erapart bleiben möge. Wir haben in Grossdeutachland genug mitgemacht für alle. Der Antisemitismus ist immer nur ein dummen Sehlagwort, seine Giösse kennzeichnend für den Grad der Verrohung eines Volkes. Nicht wegen unserer Fehler verfolgt man uns, auch nicht wegen unserer guten Eigenschaften: nur wegen der Dummheit der anderen, denen irgend ein Demagoge «in bequemes und plumpes Schlagwort hinwirft. Ob ca besser werden wird, wenn das Subslrat zu dem Schlagwort fehlt? Ob es keine Nazis mehr neben wird, wenn keine Juden mehr dort leben werden, die an allem schuld sind? Ich weiss es nicht. Aber wir müssen nicht immer die Schuldige:', sein. Das nächste Mal soll es wirklich regen die Rothaarigen gehen. Da ich jetzt sicher und endgültig kein Deutscher mehr bin, kann ich es bekennen, dass ich den mystisch-romantischen Nationsbcgriff, wie rr heute in Deutschland floriert (.■seit drei Generationen schon), für Unfug und Humbug naite. Nation ist ein* Summe von Individuen, die durch 'rgend etwas zusnmm igehnlten werden, durch Sprache. Geschichte oder erhaltene Prügel. Uns hat zufällig die Religion zusammerigchnltcn. Zu fragen, heute noch, ob wir eine Nation oder eine Religion sind, ist nur ein Ik;,:iiT.sfanaUker imstande, der allzu lange bei deutschen Professoren in die Lehre ge- Kangen ist. Das ist Hegelschc Dialektik, und was daraus folgt. Bei Licht besehen, ist gar kein Unterschied. Wir konnten uns langsam abgewöhnen, In jedem Satz dreimal vom Jüdischen Volk" zu sprechen. Erstens ist es gar nicht wichtig, und - zweitens wirkt es auf den Nichtzionisten nur abstossend. Ich meine ganz dasselbe, wenn ich statt dessen einfach sage: Die Juden. Mein geheimer Wunsch int es nämlich seit jeher, ein«« Planeten zu iTriden, dessen Bewohner sich Tischt nach Nationen einteilen. Mein Bedarf an solcher Einteilung ist durch da.s, was ich im heutigen Deutschland mitgemacht habe, vollauf gedeckt. Nur solange ich diesen Planeten noch nicht gefunden habe, bleibe ich lieber dort, wo man mich wenigsten« nicht wegen falscher Nationalität hinauswerfen kann. Kein Zurück Einmal wird es ja s:i Deutschland auch anders werden. Wenn dann n :l\ Juden dort sind, weiter sie weiter existieren können. Zurückkehren? — ich spüre einstweilen keine Lust dazu. Keiner von uns, und wenn das künftige Deutschlund noch so liberal sein wird, wird je wieder las gute Gewissen der Selbstverständlichkeit haben, mit dem wir früher uns für gute Deutsche (Österreicher, Tschechen, Ungarn usw.) nicht nur erklärten, sondern ehrlich hielten. Keiner von uns, eine Handvoll Politiker vielleicht ausgenommen, und ein paar Opportunisten, deren Heimut dort ist, wo das Geschäft gut geht, wird J« wieder als Gleicher unter die Leute treten wollen, die ihn einmal als Andersrassigen hinausgeworfen haben. Rinigc werden es verbuchen, und sie werden eia Kratzen Im Hals dabei nicht los werden können. Viele werden zu Besuch kommen, die Gräber ihrer Eltern sehen, und dann wieder zurück nach Palästina. Dp« Vf'mftjgr. TV-utsrhlanrf wird den Juden nur mehr all geschätzten Sommergast kennen. An das deutsche Volk bindet mich heute nichts mehr An die deutsche Spruche »*>hr viel. « Nicht nur, weil ich sie zufällig in der Reihenfolge ab erst« erlernt habe. Aber ich habe geliebt und gekannt, besser all die meisten „Arier", und habe jahrelar.g deutsche Literatur studiert und deutsche Gedichte geschrieben. Das letztere ist gwiss nur mein persönliches Pech. Aber andere haben nie Gedichte geschri<ben, und es geht ihnen gerade so. Wenn ich Je Kinder hab«, werden sie als Muttersprach« Ivrilh lernen, u d daneben Englisch, vielleicht noch französisch. Kj hlli.imutenfalb werden sie die Jugendwerke ihrei Vaters nicht lesen können. Aber ab und zu, wenn si« nicht zu Hause sind, in der Schule oder beim Rendezvous' mit Ihren Freundinnen, werde ich mich verstohlen in einen Winkel schleichen und heimlich wieder ein wenig Goethe oder Karl Krau») lesen. Alle lieben Volksgenossen aber, die das nicht verstehen, weil sie nie tiberzeugte rhrliche Polen oder Russen waren, weil ihnen die Sprache der Galuthvölker immer nur ein Umgangsmittel mit diesen war, bitte ich. uns schon dabei zu lassen. Es handelt ch ja nur um uns eine, letzte Generation. I Wir Kx-A»Mimllant«a... Sind Wir minderwertig, Weii \.ir nicht aus fianirrirrideni Idealismus nach Ercz Israel kamen, sondern erst auf Gruna eines anderweitigen Hinauawurfs? Sind wir Schmarotzer, die sich in das fertige Haus setzen (soweit es schon fertig ist), das andere zuvor im Seh weisse ihres Angesichts gebaut haben? Eindringlinge, die man nur deshalb nicht hinauswerfen kann, weil auch hier dl* nationale These gilt, derzufolge möglichst viele von denen hier leben sollen, die von der These zt * gleichen Nation gerechnet werden? Ich dächte, auch wir hätten. .'Tier unsere Aufgabe. Nicht bloss die, immer ein Jude m: * zu sein, zwecks künftiger Mehrheitsfragen. Wir Mitteleuropäer, Ex-Assimilanten, und Zionisten nur durum, -'eil man sich nicht zweimal im gleichen Leben assimilieren kann, wir haben hier eine gam bestimmte Aufgabe. Ein Volk ist immer nur ein Bestandteil der Menschheit Nationale Kultur wächst nicht hinter chinesischen Mauern Man hat immer zu schauen und zu lernen, ohne Minderwertigkeitsgefühl, wiea die anderen machen. Besonders dann, wenn man die letzten zweitausend Jahre eigentlich kein rechtes Volk war. Unsere künftige jlh Isehe Kultur wird und muss ein Bestandteil der Weltkultur sein. Sie muss das Gälutherlcbnti überwinden. Wir müssen, nicht nur körperlich, endgültig un< für immer aus dem Ghetto heraus; sonst hat der ganze Zu> nismus seinen Sinn verfehlt. Mich ärgert es jedesmal, wenn ich lese (ich kann es noel nicht nachprüfen», dass der und jener ein grosser Dichter sei. der das Schicksal der Ostjuden erschütternd dargestellt habe. Mir erscheint es viel wichtiger, dass auf hebräisch Liebeslieder geschrieben werden, an denen (ausser der Sprache) kein Wort jüdisch ist. Wenn ich je genug hebräisch kann, werde ich versuchen, Homer und Li-Tai-Pe zu übersetzen (aus der deutschen Übertragung natürlich). Unser Volk muss endlich das Galutherlebnis (nicht vergessen, daa kann ein Volk wenig wie ein Einzelner), aber beginnen, e» zu überwinden. Und dazu braucht es uns Ex*Europäcr und Ex-Assimilantcn, Und so hat unser Schicksal und unsere Vertreibung vielleicht doch noch einen Sinn. Der Weg zum Glauben Von H a n u T r n m e r (Tel-Aviv) Das neue Buch des Jerusalemer Schriftstellers Schalom Ben-Chorin*) ist mehr als ein blosser „Versuch über die jüdische Glaubenslage der Geyenwart", wie er es im Untertitel nennt, es Ist recht eigentlich der gesamte Aufriss unserer allgemeinen, überzeitlichen jüdischen Glaubensfrage und darüber hinausgehend auch eine Wegweisung für diese Gegenwart, wieder zum Glauben und in den Glauben zurückzufinden. Die allgemeine Flucht vor Gott in unseren Tagen veranlasst Ben-Chorin zu der dringlichen Forderung nach einem neuen , More nebuchim ', der dieser 2eit irn besonderen hte Richtschnur, als „Marschroute", wie er sich «usdrüelft. dienen kann. Der Mensch und also vor allem der jüdische Mensch soll heute, „da es nun einmal — durch unsere Schuld — dahin gekommen ist, dass Israel und du« Gesetz nicht mehr ein.-» sind", wieder neu, ganz unmittelbar vor das Wort Gottes gi stellt werden, damit er es wieder i.ls Anspruch an sich selbst erfahr*. Klar ist sich Ben-Chorin bewusst, dasü das nicht wie in einem mythischen Zeitalter etwa »infach durch das Kiiebsiis, den Eingriff der Gottheit in das Dasein za crr< ichen ist. Der r.cusdtllchc. Mensch und das ist der neue Weg den wie Ben-Chorin dankbar hervorhebt, j „Martin Buher. Franz Rosenzwei'tf und Max Brod in ihren j religiösen Bekenntnisbüchern" gewiesen haben — kann nur j durch ein „neues Denken", wie Rosen*weig es genannt hat. j durch ein dv>ukerisches. geistiges Erfassen des Glaubensvor- I ganges und der Glaubensnotwendigkeit dazu gebracht werden, j Der Anspruch, der Ruf au den Menschen ist da, ..niedergelegt j ii. üer heiligen Schrift, dem Wort Gottes, das somit die Offenbarung kat exoehen und Aufgang und Ziel jeder jüdischen Theologie ist und sein muss"; Gott ha? also ein Anliegen an den Mensehen. er spricht zu Ahn» — nur der Mensch antwortet nicht, er ist t»*ib und stumm und blind und tagt nieb^t *> Behalt):>i Hvit-Chfirin, Jenseits von Orthodoxie und Liberalismus, Verbuch "her die jüdische Glaubeijslftge der Gegenwart. 11»?;),' Verlag'Joachim Goldstern & Ca, Tcl Aviv * einmal „nein 1 zu dem von ihm Geforderten, er gibt »ich den Anschein, als sei das Wort überhaupt nicht vorhanden, als sei er überhaupt nicht angeredet. Aber - vielleicht ist der heutige Mensch von sich aus gai nicht schüdig, vielleicht ist er tatsächlich so taub, das» er einfach nicht hören 'kann, vielleicht ist das Gotteswort uh zwingende Gewalt wirklich noch nie zu ihm gelangt, - und ist das n.cht eigentlich im letzten Grunde die tragische Situation des heutigen Menschen? An dieser Stelle hilft sien nun Ben-Choiin, wohl in Anlehnung an Franz Rosenzweig durch Einführung eines neuen und in der Tat reizvollen Begriffes, indem er den Menschen, dessen „sinaitische Potenz vertchüttet ist',, als „präsinaitisch" i .sprachlos" nennt ihn Franz Rocenzweig) bezeichnet. Durch diese grumtsätzUh« Unterscheidung zwischen dem Manschen, der die Offenbarung überhaupt noch nicht erfahren hat und dem, der gewisserliiajsen unter ihr (.sie bejahend oder ablehnend, denn wahre, echte Ablehnung muss aus einer Erfahrung stammen) lebt, gewinnt Ben-Chorin den freien Ausblick auf das, was noch zu tun ist. So glücklieh dieser Gedanke, die religiöse Lage des Mensehen in unserer Zeit als prüsinaitisch zu bezeichnen, an sich a ch ist. haftet ihm doch manches Gefahrvolle an. Der Einzelne vor Gott, wie ihn Ben-Chorin in bedenklicher Nähe z« Kierkegaard vt-r«-»eht. >*t nämlich seinem Wesen nach, zumindest im Zusammenhang mit der Gottesoffenbarung, ein unjüdischer Begriff. Letzten Endes ist nieht der Einzelne dai Ziel der jüdischen' Lehre, sondern das Volk ab Träger des Gesetzes, %'s Vollzieher des göttlichen Willens. Und andererseits ist es der gleiche Fehler, den der Liberalismus, die rationale Theologie, stets begangen hat, wenn man den Weg zu Gott lediglich oder vorwiegend durch begriffliche Klärung freizumachen sucht. Doch diese Andeutungen smtl unerhebliche Einwendungen gegenüber einem Buche, das eine Fülle wichtigster Erkenntnisse vor uns ausbreitet in einem Ernst, der aufrüttelnd, erehütiernd wirken muss. Herausgegeben wurde dieses auch rein äusserMch «ehr ansprechende Werk von dem aus Berlin her bekannten Verjag Joachim Goldstein & Co. der damit nach seiner Übersiedlung nach Palästina in einen neuen Abschnitt seiner Tätigkeit tritt. 5

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