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Jüdische Weltrundschau · 1939-07-21 · 19 (21.7.1939) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
19 (21.7.1939)
Date
1939-07-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seil« $ JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAt? Nr. 19, 21. VH. 1939 Ausstellung Im Mm cum Tel Aviv v r b a Die diesjährige Au.Nhtr.'lung K il n n t1 e r " Palästina* b<>t nichts, was neu, einmalig, umstürzend oder auch nur 'las Neue versprechend wnr, nichts was die Tragik unserer Zeit Verriete; und doeh dürfen wir ohne Hochmut sagen, da*'» die Zahl der ernst zu nehmenden Künstler Pnlä.TtinuH im Verhältnis zu Starke und zum Umfang des jüdischen Sektors im Lande relativ «ehr gros» ist. Dien ist umso mehr zu bewundern, ah die Resonanz der bildenden Künste hier viel schwacher i«t, als die der Musik die.««? g'mmvn Ausstellungen meist nur in Tel-Av •Hhdisvhv KnnsiaiissteUuna in Paris sind, und weil es eine schwere Hemmung für die hm den; Künsten Interessierten bedeutet, doss sie für den ihnen meist j Allein zur freien Verfügung .stellenden Tag, den Schnbhath, j die Eintritts--karten pHton vorher kaufen mü'::;cn. Man .sagt, die Landschaft Palästinas »ei schwer in ihren natürliche'n Farben wiederzugeben, diese gelben Töne am Mitlug, diese rosa und violetten Tinten am Abend, ho zauberhaft «ie auch aussehen, wirkten auf der Leinwand sentimental und KÜssIieh. Dan hat für unser hochentwickeltes künstlerisches Empfinden gewiss st-ine Richtigkeit; ober in diesem Sinne Hins» die LiiMdschaft jede« Lande« umgestaltet werden. „Wer Kunst will, mu.-ifs immer in Wettbewerb mit der Natur treten", hat Leonardo da Vinci gesagt. Wie der Künstler freilieh «einen Gegenstand umgestaltet, da«< hiingt von einer Fülle persönlicher und gesellschaftlicher Erlegungen ab, die gewinn für den Beschauer nicht initiier leicht zu erkennen sind. Sehen wir auf dieser Au::. •'.cllurijj f;a Mureuni in Tel-Aviv da;» Stiandbild von K u I v i :i n iy und nohi.-.ci dazu die übrigen Landpchnften vom Meer, rnifer, die er In besonderen Ausstellungen In die prächtige, lebensvolle Pa Iiisj n ,t- Ve rk a u f sa u s»tel lur.g zum Besten des Keren Kajemeth LcjistaeJ, die kürzlich mit großem Beifall und Erfolg im Palmarium de» Jardin d'Aeclimatation zu Pari« stattfand, hatte Rahel Wi e c h n iA 7. c r - B r n ste l n auch eine Kunstabteilung eingebaut. Es sollten nur einige Proben aufgereiht werden, um die Schau- und Kauflust auch von dieser Seite her anzuregen, •iber d'Jrch Frau Wischnitzers Umsicht und Geschmack stieg die schnell!mp: r, Vierte, ganz ,*;nspruehslos auftretende Zuhört weil | -;unnic:?;5t<;I!ang ßlelehsam unversehens zu einem höchst inxu Rehen ' ioressanten Querschnitt der in Pari» wirkenden jüdischen «bei Kat:: Li Tel-Aviv, in der „Art-Galery" in Jerusalem) zeigte., so Vörden wir nichts von den Tönen finden, die wir dort in <!.r Y/h I.Hchkcit zu sehen gewohnt sind. Bei Kulviansky!:;:'. e r Strand rosa sein, der Himu'.el gelb und die Menschen. <.'ie Strand, Meer und Himmel milchender verbinden, n'.ehiJs als eine Ordnung: wilder grüm-r und roter Farbflco'.t \ Wir hcfjrelfen, wie pehöh drin Trebe n dem Auge eines Malers noch erseheinen kann, - selbst dieses Leben noch, und bemerken mit einigem Erstaunen, wie weit ab die.ie Kunst von der Wirklichkeit, nicht der Erscheinungen, wohl aber dessen, w:r: heule unsere Existenz aur.unn.cht, geraten ist. Demgegenüber i t Molcadys Malerei ~- wir referierten über ihn vor eir.lpen Wochen hier -■• auch auf den stillen Figurenbildern die;-•• Au«:;■*<:-Hung wieder nichts nbt Abwendung vom Leben. Naher der Wirklichkeit i«t ein Mainwie Litwtt.owsk.y, dessen brennend rota Toundrrehaft etwas von der Brutalität der Berge um Jerusalem hat..vielleicht aber auch der unserer Zeit. Malern wie Jakob Stein h a r d t wiederum ist die Natur weniger ein Gegenstand, ihre eigenen Empfindungen auszudrucken, sie wollen vielmehr näher an der Natur bleiben, so etwa in dem Bildi ..Schwere Wolke über der Altstadt"; doch haben Gemälde, wie jdo ehr Refc* rent im Atelier des Künstlers sah, Gürten insbesondere, und eir Fraucnportrait wohl noch grössere malerische Qualitäten, rds die hier ausgestellten Werke. Dio grösste Mehtersehafc I aber erreicht Steinhardt bekanutlMi in r einen Ilok'.ichnilten; eine kleine Ausstellung im „Universitär Bookshop" in Jerusalem In achte die wichtigsten Beispiele dieser seiner Kunst, darunter die Abzüge von den Originalholzstöcken jener grosjen Wam'hekJeidnngen. die sich in der Halle des palästinensischen Pavillons in New York befinden, Arbeiten, in denen es Steinhardt gelungen ist, für eine «o dekorative und literarisch«! Aufgabe, wie die Darstellung der . Entwicklung der Kunst der Vervielfältigung bei den Juden vom Schreiber der Zeit der Propheten, der in den Stein schlügt bis zum modernen Linotypearbeiter, eine geradezu vorbildliche künstlerische Lösung zu finden. Zurück zur Ausstellung im Museum Tcl-Aviv, und *u einer Schülerin Steinhardts Chan nah Weiler, in deren; regenschweror Lmulrehaft eine Fidle von grünen und grauen j Farbtönen erse htim-n. die zu entdecken wohl nur das Aug« eines Malers fähig v.l. Dieser Künstlerin wiederum ent gege'ngeseU'.t die schweren melancholischen Landschaften von Obndjahu, fast abstrakte Ordnungen von braunen und giuuen FarbfIlleben; ihm ist das Land wohl nur Trager seiner eigenen Empfindungen. Dann nicht sehr farbige, abec irr» Autdruck starke Jerusalemer Landschaften von G r e t e Krakauer. Gewiss, die Landschaften überwiegen, und oas ist natürlich in diesem für uns neuen Lande, das in Wahrheit so ganz anders aussieht als in unseren Kinderträumen. Unter den Portrait« sei genannt das einer Dame von Nuron 5 1 m a . Erstaunlich, wie ein hellblauer Fleck auf der Brust dieser Koiv.uosit.ion ihren Rhythmus und der Dargestellten Ihren Charakter gibt. Zwei Plsstiker lallen auf: Gertrud Cluim und M e y e r M I e h a e 1; dieser geht vom ruhenden Körper au», gestaltet die rnumfüllende Substanz, jene von der Bewegung; die Oberfläche Ihrer Portrait köpfe selbst ist erregt. Zu bedauern übrigens, dass nicht Ihr schöner Entwurf eines Schreitenden für den palästinensischen Pavillon der Ausstellung in New York angenommen wurde. Ausserhalb dieser grossen Ausstellung ist zur Zeit nicht viel zu sehen. Die Künstler wissen nicht, wohin mit ihren Werken, wo sollen sie ausstellen? Oft hängen sie ihr« Bilder in Cafes, in der Hoffnung, unter den Besuchern finde sich ein Kaufer. Darunter wiederum ernste und gediegene Arbeiten, so etwa in Jerusalem die Aquarelle von Margarete 6 i e b e n s c h e i n. Glücklich die Künstler, die noch eine Lehrtätigkeit an einer Schule haben! Gewiss ist diese Not der Künstler ein internationales Problem, ein Problem der bildenden Kunst schlechthin, doch Wäre nicht der „Verband der Künstler in Erei-Lsrael" bo mittellos, könnte schon etwas geholfen werden. Frit\ Schiff (Jerusalem). Wie un« der „Neue Bezahl" Jerusalem 'Kunst» und Gewerbeschule) mitteilt, hat bei dem PitisiiusKthitibett für ein Kürvrdcr.'iiiaft auf. M?rt darf sagen, dass jede Einzelheil ihren QuäJiiätrvVOtt und ihren persönlichen Stempel trug; es war nur hcd:i\i?v)',ch, dran die wohigelungene Veranstaltung nach ein paar Tagan wieder versehwand. Eben darum sei ihr Eindruck fc-jt^ohallcn. Dia b",t..n Nr-zncn der jiilli-.chcn Pariser Künstlerkolonie \.'.,> eu vo! treten. Chagall mit einer vorzüglichen Porträt* Zeichnung Nahuni Sokolow* (1022) nun der Sammlung N. Naidiüich. Eugen Spiro mit einer kleinen Kollektion: einer ungemein zarten, Sn sorgsam vertriebenen Farben gehaltenen Strandlnndse.hn.ft aus der Normandle und mehreren Bildnissen, von denen da« des Grand Rabbin von Paris, Julius Weilt, .'sogleich einen Käufer fand. Viktor Tischler mit zwei delikaten Malereien in der Senderart seines naturnahen, aber eigentümlich transparenten Kolorits, das seinen Bildern einen fo feinen magischen Klang gibt: Schlotts Fontainebleau und eine Kirche in Arles, die nach der Überlieferung einst eine Synagoge gewesen sein jroii. Viel Beachtung fand Gert W o 11 h e 1 m mit einer phantasiereichen Komposition, eile er den „Traum Herzls" nennt: eine Vision des im VorderiU'.inde des Bildwerks Schlafenden —• von dem Realismus des Bettes, neben dem sogar der begleitende Nachttisch nicht fohlf, wird »Icr Blick des Beschauers emporgezogen zu einer hochgetürmten Märchenstadt, deren schimmernde Formen sich mit den aus dem Äther auftauchenden Umrissen von Michelau jve loa Moses Überschneiden. Ihr strebt auch mit anderen Gestalten die durch den Luftraum schneidende Figur eines jüdischen Arbeiters zu. Es ist nicht leicht, bei solchen Erfindungen sich vor dem Abgleiten in» allzu Gegenständliche, Literarische, zu bewahren, aber das Publikum liebt symbolhafte Darstellungen dieser Art. In der russischen Gruppe steht hinter Chagall eine ganze Reihe von sehr beachtenswerten Talenten. Zu den hervorragendsten gehörte der frühverstorbene S. Ryback, von dessen Hand man hier einen Markt im ostjüdischen Städtchen sah. von geistreich abkürzender Vortrugsmanier. Sie haben alle ihre eigene Prägung, nuen dann, wenn nur gnügen blätterten die Besucher in der Mappe mit den .-scharfen treffenden Porträtzeichnungen von Wladimir Segalowitsch, unter denen dis Köpfe von Arthur Buppin. Lord Mclchett, Norman Be-ntwäch, David Yellän, Alfred Klee, Albert Einstein, Emil Ludwig, im Augenblick festgenagelt, oder die Habimah-Blättcr, die Typen von Zionistischen Kongressen in die Augen fallen. Ein junger Künstler, den man noch nicht kannte, taucht auf: S. Raciiumowski, er ist sonst meist als Graveur und Medailleur tätig - Rachumovski? Ja, wirk-' lieh, es ist ein Sohn jenes unsagbar kunstreichen Schmuckkünstlers in Odessa, der einst die berühmten „Tiere des Saitaphernes" schuf, mit der ein betrügerischer Händler die Direktion des Louvre hineinlegte! Aus Ungarn kommt Richard Erlös, eine überaus amüsante Begabung, die sich bisher öffentlich kaum blicken Hess. Er fertigt prickelnde kleine Säehelchcn, die ihm selbst offenbar ebensoviel Spass machen wie dem Betrachter: Figurchen, Menschengesichter. Cafehaus-Szenen, „Promenaden amoureuses" und dergleichen Spielereien mit grauen, gelben, grünlichen Aquarelltupfen, in eine pikante romantische KostümicrUng gesteckt — man spürt alt«? Budapester Stimmungen. Drei einsilbige Numeri fallen auffi Flock, B e n n, Kohl. Sie geben Figürliches und Landschaftliches, Beweine Intimer Naturcrscbauung und angeborenen Malerismua. Weit über sie hinweg freilich hebt sich Max Band, der aus Litauen stammende Künstler, der sich in Paris einen Platx in den vordersten Reihen erobert hat. Von ihm sah man in diesem Kreis eine französische Stadtlandschaft mit wunderbar abgetönten Farben der Häuserfronten, der Dächer und Giebel, der von grauen und blassvioletten Werten durchzogenen Luft- und Wolkenschicht, die keiner besser zu spiegeln weiss als Band, Wie S. Raehumowski ist auch Maxa Nord au, die sich mit einem Blick auf Jerusalem versucht, Trägerin eines bekannten Familiennamens; die imponierende Gestalt Max Nordaus taucht vor uns auf, des einstigen leidenschaftlichen Zionismen und temperamentvollen Schriftstellers. Zwei italienische Juden haben sich der Schar zugesellt, eben erst durch die faschistische Brutalität nach Parts getrieben: Carlo Levi, der durch zwei ausserordentliche Stilleben sein grosses Können erweist und Corrado Cagli, der noch vor ganz kurzer Zeit in Italien staatliche Aufträge zu dekorativen Malereien zur anerkennenden Bewunderung der offiziellen Stellen durchführte — plötzlich war er dann dazu „nicht mehr geeignet-. Auch etwas Piastik fand sich ein. eine mit bildnerischem Feingefühl in grossen Flächen au:> dem Holzblock geschnittene Halbfigur der Rowina von Channa Orloff und ein paar getriebene Metalirelief» Ich habe mit bestimmter Absicht den Inhalt der Auaeins ihrer Werke, das halb zufällig zur Stelle war, für sie [ Stellung, die wir Rahe! Wischnitzer dankten, fast katalog- .spricht. So sind für Menkes ein weibliches Porträt von ] massig aufgeführt, um wieder einmal den Überraschenden intensivem Aasdruck und ein in starken Farben prangendes j Reichtum an schöpferischen Kräften jüdischer Herkunft an« Blumenstück, für Mane Katz das Bildchen eines Gelchr- [ zudeuten, der sich in Paria eingefunden hat. Sie nehmen alle ten, für Jacques Chapiro ein frei hingesetztes Frauenbild, für Rahe! Szalit das Aquarell eines orientalischen Reiters r;le'.:h von erschöpfender Charakteristik. Nina Brodsky, die ausger-elehncte, in allen Kapiteln und allen Techniken dekorativer Künste sattelfeste Kiewer Malerin, hatte eine farbige Kopie der grossartigen Esra- (oder Moses-) Gestalt von den Fresken zu Dura-Europos gesandt, die wiederum sofort 'nach Eröffnung verkauft wurde. Mit besonderem Veran der hinreissenden Lebendigkeit der von innen her bewegten Kunstarbeit der unvergleichlichen Stadt Anteil, stehen mitten in der breit dahinflutenden Strömung der französisthen Malerkämpfe und Spannungen, und schliesen sich doch gern und aufrichtig zu einem jüdischen Kreise zusammen. Ihr Judentum aber betonen sie nicht so sehr durch eine einseitige Bindung an jüdische Motive, sondern dadurch, dass sie — tüchtige Arbeit leisten! JbTcix Osbom „HIOB" AUF OER IOHHE Aus Paris wird uns ge;:chiubcn: Josef Roths Erzählung vom atmen Mann „Hiob". dem das Unglück wie ein Schatten folgt, wurde in einer G cd ä c h t n i -s f e i e r für den verstorbenen Dichter im Theater Pigalle quasi als Theuterstück dargeboten Die Transformation, immer ein misslitrhe-v Experiment, wurde von einem Anonymus behutsam durvh- Kongressabzeichen für den 21, Zionistenkongreüs der Lehrer! geführt; jedoch die lebendige Folge von B:Ufern aus tie'm für Metallarbeilen in dieser Schule, David Gumbvl. eleu ersten Leben eines einfachen * jüdischen Mannes hätte wohl auch die Preis bekommen. Den zweiten und dritten Prell bekamen nachsichtige" Billigung Roths gefunden Die dranialisvlu*' Schüler des Neuen Bezalel, Chaim ZubU usid Emanuel Grau. , Plastik macht die Schuld dieses „Hiob" deutlicher, der in der WICHTIGE ERWERBUNG DES MUSEUMS TEL-ÄViV „liitcndc JtuktV von Moritz liottlub. Kürzlich kam das Museum in Tel-Aviv in den Besitz von Moritz Gottliebs .Betende Juden", eines der besten Werke des 1856 geborenen und bereits 1879, kaum 23 Jahre alt, gestorbenen Künstlers. Das Bild kam vor zwanzig Jakren aus einem polnischen Nachlass nach Berlin und von dort in den Besitz eines holländischen SuinmUder es jetzt dem Museum in Tel-Aviv schenkte. Das Werk ist die erste l'ioniertal einer wirklichen jüdischen Kunst, in der sich judisches Wesen und jüdisches Schicksal, von einem Juden gestaltet, in gewaltiger Weise ausdrückt. Erst zehn Jahre nr.ch dem Entstehen dieses Bildes hat Josef hnuix »ein berühmtes Bild „Ein Sohn des alten Volkes" geschaffen. Moritz Gottlieb, der aus Galizien stammte, kam schon mit 13 Jahren an die Lemberger Kunstschule und mit 16 Jahren auf die Wiener Akademie. In München trat er zum ersten Male mit einem Bild , Shylock und Jessica" an die Öffentlichkeit. Der Erfolg war so gross, dass der Verlag Bruckmann ihm einen Auftrag für die Illustrierung des „Nathan d«iv Weise'4 gab. Das jetzt vom Tel-Aviver Museum erworbene Bild, das betende Juden am Jom Kippur darstellt, ist künstlerisch vollendet und erfüllt von einer mystischen Glut. Die stolieu, leidverkiarten Gestalten der Juden' mit ihrer starken Innerlichkeit stellen — entgegen allen Verzerrungen und allen Versüsslichungen - die Idee des der Ewigkeit anheimgegebenen Volkes In erschütternder Weise dar. Geschäftigkeit der Abreise den kleinen, kranken Sohn über« sieht und ihn wegstellt wie einen unnutzen Hausrat, den man nicht mitnimmt. Nicht genug geliebt! ist der nicht zu überhörende Unterton. Mendel Singer ist in sein Unglück verhebt, gleichsam bis über die Ohren, so dass er die Stimm» Gottes nicht hört. Hier wird ein Doppeizug des komplexen Roth'schen Wesens sichtbar, von dem die einleitenden Worte Steftw ZxcthjH (gelesen von Leo Asktnasi) sprachen: jüdische Starrheit und russisches Schuldgefühl. Das dritte Element Roths, üas österreichische, schwingt hier nur in dee Musikalität d.r Sprache. Huijo Haas, einer der feinsten Schauspieler des Prager tschechischen NationaUheaters. spielte zum erstenmal deutsch in der Emigration. Sein Mtndel Singer besitzt die äussere Schlichtheit, die graue deckende Farbe für den inneren Tumult von Geduld und Ungeduld, Schwäche und Härte, Weisheit und Närrischkeit. Die Heimkehr des verlorenen Menuchim »Leo Aaktmisi> in das Fest des Seder-Abends wurde zu einer wahren Feier, deren dichterische Schönheit in jeder Form unvergänglich ist. Der bekannte Theatermann Faul Gurdon hat mit seiner improvisierten Emigranten-Truppe «besonders mit Sidonie Lonn, Max Fischer, Hans Rein*:* und Trude Buni) einen verdienten Erfolg. //. -V. Bei einer Kun tauktion In L u l e r n wurden 12S Gemälde und Plastiken, die aus deutsehen Sammlungen und Museen ausgeschieden worden waren, versteigert. Et* handelt sieh um Kunstwerke der Art, die in Deutschland ab „entartete" Kunst bezeichnet wurde. Diese Werke werden jetzt von Deutschland dazu benutzt, um i^ ctAcii rinzubi ihijm. I r.Ur den ausgeschiedenen Kunstwerken befinden t>ich einig« sehi bedeutende Werk,,. Das Hauptstück der Auktion war ein Selbstporträt von Vu» Go<jh, das für 175.000 Sfr nach Amerika verkauft wurde, ferner Werke von Gauguin und Picasso, von deutschen Malern Corinth. Dix Klee, Paula Modersohn (deren Selbstbildnis für 2 HuO Sfr. verkauft wurde), Kokoschka usw. Von iudtsch* n Meistern war Lu birniunn mit zwei Bildern vertreten, die für 11.000 und .**-200 Sfr. verkauft wurden. Ferner Chuyuti mit zwei Bildern . Winter" und .Der Kubbiner", die vom Bat>«!er Kunstmuseum für 1.100 Sfr. bezw, l '.OO Sfr. gekuuft-wurdcu

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