Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 19 (21.7.1939)
- Date
- 1939-07-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gelte 2 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Kr. 19, 81. VH WSt Vor dem Zionistcnkongress Deutsche „Wissenschaft' vom Judentum ME MMCHEIIEH TAMM DES REICHMMTITVTCS *M «4CNF0MCMIIM OER JSSEWRME- Ratseatu «ad Gast* Wir erhalten folgende fc'iH< ilnn^f>ii: Die Vorbereitungen wtn 21. Zionlstenkongraas, der bekanntlich für den l«, August wirh <3en'f einberufen worden Int, nähern sich in allen Zentren der *K>»iJstischen Bewegung ihrem Ahsrhlus*. Da* Ergebnis der Schefcelaktlon, nach der sieh die Ztinammefisetzung und Beschickung de» Kongresses bentimmt, hat in der gegenwärtigen zweijährigen Al,f <,<?r «• Münchener Tagung des Reichsinstitute» tur Kongressperiode trotz «Ken materiellen und sonstigen Schwiej Krfor.sr hung der Jiidenfrng« hielt Profe*«or Walter Frhnk. rigkelten, denen grosse Gruppen de« Judithen Volke« in die-j der Präsident de« Institute», einen öffentlicher Vortrag in der »er Zeit ausgesetzt waren. insgesamt eine erhebliche St ei ge -: Universität Uber da« Thema „Walther Rathenau und r u il g gebracht. Die Gesamtzahl der Scbekalim, die von Juden J a i « blonde Ranne". Ks wurde mitgeteilt, daa« der VoriVÄ'ÄSJT.ff-n: iEtLS^|r^Tw.i,;,l,T *rz *r"ch«,n«" .l«hr,n. 8o w„r,len. um «Inl«, \AnA,t h,r«u.*u,r«if.n, |„! **'en «""•• "««n B^.u,u„, .„,„ mntmm <.„„ b..t«h«. nige lünder herau*zugr< den Vereinigten «tasten etwa «0000 Scbekalim, In Palästina ungefähr 80 000, in Kongresspolen und Ungarn 20 000, Österreich 15 000, in Südafrika J2 000, in Altrumänien «000, in Transsylvanien 5000 und in Jugoslavien etwa 4000 ftchekallm mehr all in der letzten Kongressperiode verbreitet Auf Grund dieser Zahlen wird die Ansah! der Delegierten des 21, Kongresses SSO nicht unerheblich ubersteigen. Der 21. Zionietenkongress wird damit der Zahl »einer Delegierten nach einer der grössten in der Geschieht« der zionistischen Bewegung sein. Bereits in den letzten Jahren hat Mich angesichts der sich zuspitzenden jüdischen Situation in der Welt ein« Tendenz gezeigt, die Vorntihme von Abstimmungen zur Ermittlung der Delegierten durch Einheitslisten aller in Betracht kommenden Parteien und Gruppierungen überflüssig zu machen. In dienern Jahr macht sich diese Tendenz in noch stärkerem Masse bemerkbar. Die vorläufige Tagesordnung des Kongresses, die ...... bereits veröffentlicht wurde, sieht vor, das* in der Eröffnuncssitzung am 10. August abends Dr. Weif mann eine Rede halten wird. Es folgt ein Vorträg Uber die Lage, der Juden In de» Welt. Der Name des Referenten ist noch nicht mitgeteilt worden. Am 17. August beginnen dann die Arbeitesitzungen mit der Wahl des Kongresaprasidiums. Ks folgt ein Referat übet* die zionistische Haltung zur neuen britischen Palästina-Politik. Weiter ist vorgesehen, da«» die Generaldebatte, die sich an dieses Referat anschliesst, bis 20. August dauern wird, wobei noch ein Schabbat duzwischen fällt. Vom 21.~-2S. Augost finden keine Plenarsitzungen, sondern nur KommissionssitKiingen statt. Am 37. und 28. August werde1!! die Kommiasionsberichl« vorgelegt und die Beschlüsse gefasst werden, einschliesslich der Wahl der neuen Exekutive. Der Council der Jewiah Agen.cy wird vor» Dr. Weidmann «m 30. August eröffnet und soii,an: 31. August abends enden. Die technischen Vo r be r e i t. u ng« u für den Kon- »ress, die in diesem Jahre durch die späte Festsetzung des Kongressortes und -Datums sehr erschwert worden waren, "schreiten unter Führung des I-eiters des Kongressbüros, Dr. Ernst Mechncr aus Tel-Aviv, befriedigend vorwärts, In der Völkerbundstadt entsteht in der Gegend des Ausflusses der Rhone nus dem Genfersee nllmählich ein ganzes Kongres» viertel. Der Kon&ross selbst findet in dem der Stadt gehörenden Grand Theatre statt, du» für zirka 1400 Teilnehmer Platz bietet. Die Er ö f f n u n g«s i_t z u n g wird eventuell in einen grösseren Raum in der Nähe, de« Theatergeoäiiues verlegt wenden;wenn mit einem ■tw'i«:Wl^,rs''--gr«!S»«ttl Andrang zu rechnen sein wird. Für die Unterkunft der Kongreßteilnehmer sorgt ein Quartiernmt, das bereit ist. Zimmerreservierungen für Kongieääieünehmcr vorzunehmen. Mit der Bestellung, die beim Kongressbüro in Genf (10, Ruc Jean PetitoO sowie beim Polestine Sc, Kgypt Lloyd anzumelden ist, mu»s ein 'Ansah-; lungsbetrug überwiesen werden, der bei der Hotelrcchnung in Ab/ug gebracht wird. Für * Fahrkarten der Schweizerischen Verkehrsunternehmungeu einschliesslich der Poatautolinie«, die bereits im Auslande, also nicht erst in der Schweiz, gelöst werden, wird eine 30vi ige Preiser mit ssigung gewährt. Für die Gewinnung des Kongressabzeichen* war In diesem Jahre ein engerer Preis Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 24 Teilnehmer aus Palästina mit V«S Entwürfen beteiligt haben. Die Jury hat mit Befriedigung festgestellt, dass das Niveau der Entwürfe, sowohl vom künstlerischen Gesichtspunkt aus, als auch von dem der praktischen Verwert barkeit, erfreulich hoch war. Den 1. Preis erhielt für «einen Entwurf, der durch eine ausgestreckte Schwurhand die Treue zur zionistischen Idee symbolisiert, der Lehrer an der Metallk lasse der Kunstgewerbeschule „Bezalel-Hechadasch", D. H Gumbel. Gastkarten werden vom Kongressbüro in drei Kategorien, je nach Lage des Platzes, ausgegeben. In der ersten Kategorie kosten die Permanenakarten, die den Besuch sämtlicher öffentlicher Sitzungen des Kongresse» gestatten. Sfr. 100, die nur für die Eröffnungssitzung gültigen Karten Sfr. «5. In der 2. Kategorie stellen sich die entsprechenden Preise auf Sfr. «0 hsw. SO, m der 3. Katerori« auf Sfr. SS bzw. 20. Be .Stellungen sind ausschliesslich an das Kongressbüro mi richten, die Besteller von Perinuneiiükarten haben den Vorzug vor solchen lediglich Jür die Eröffnungssitzung. (Konto d*s Kongressbüro« bei der Soeiete des Banques Sulsses Geneve oder Postscheckkonto IKongresisbüro). Nach Mitteilung des Kongressbüros In Genf brauchen lediglich die folgenden Gruppen von Kongressteihiehmern Einreise-Visa i n die Schweiz — die von den zuständigen Schweizer Konsulaten gegen Vorweis der Kongresü-I^egitlmationskarte kostenlos erteilt werden...... wahrend alle übrigen Kongroasteilnehmer kein Visum brauchen, nulürlich aber im Besiu eines gültigen Passes sein müssen: 1. Die Staatsangehörigen von Bulgarien, Griechenland, Jugoslawien, Polen, Rumänien, Ru»sland. Spanien. Türkei; 2. Inhaber österreichischer und tschechoslowakischer Passe; X Staatenlose und Emigranten» t. B, Inhaber von Interlinsarf weisen; 4. Juden deutscher Staatsangehörigkeit." die einen deutschen Pass besitzen, bedürfen einer besonderen „Zusicherung der Aufenthaltserlaubnis in der Schweu" durch aas für »i« zuständige Schweizer Konsulat. In jedem Falle muss die Rückkehr in Aas Ausreiscland oder die Eitmnse in ein anderes Land gesichert sein. Die Kongress-Legitimitionskarte i.*t zurzeit noch nicht verfügbar; über ihre Ausgabe erfolgt noch eine Mitteilung. Zur Weiterreise von Genf nach Frankreich, wenn auch nur m einem Ausflug in die französische Umgebung von Genf, bedarf es rechtzeitiger Besorgung eines französischen Visums durch das zuständige französische Konsulat des Ausreiseiandes, da du französisch! Gentralkonsulät in Genf ilimiisi Vi^a nicht erteiltdeutunge« der ..Frankfurter Zeitung" hervor, daas in def Debatte wenigstens %vr*ncht ward*, diese Korrektur den nationalsozialistischen Weltbildes vorzubringen; unter anderem murd* daraaf hingewieaen, «mm der George-Krefn „eine fast maghKbe AMiehungakraft auf die jüdische Intelligenz ausgeübt habe" und dsasa „George sich anscheinend nicht dagegen gesträubt habe". Gcft*- «No hsUliällaflie KkHse Ein besonders interessanter Abschnitt dieser Tagung scheint die Erörterung der Beziehung »wischen christlicher Kirch« und Judentum gewesen zu sein. Der Referent war ein gewisser Ministerialrat Roth vom „Reichsministerium für die kirchlichen Angelegenheiten'', der, wie es heiaat, sugleich „Verbindungen zwischen diesem Minlatertwm und dem fUtehaiastttut zur Erforschung der ist. Er sprach über das VerlMÜUia der k a t h o - h*chen Kirche zun: Judentum. Die katholische Kirch«, da« war der Grundton de« Vortrag«, könne nie einen ent- •cheidandan Kaniaf gagen da« Judentum führen, da sie für alle Menschen ohne Unterschied der Zeiten und der Rassen «In und dieeeläe Glaubens- und Sittenlehre bereit halte, für die das Alte Testament eine unmittelbare Quelle sei. Der Jesuitenorden »ei In den ersten Jahrzehnten seines Bestehen« bis zum Erlaas der antljüdischen Aufnahmebestimmungen im Jahr« 1S93 judenfreundlich gew—en. Wo In 4er Kirch« AnUsendtismas hervorgetreten sei. sei er stets konfessionell, nie rassisch bestimmt. - Die favfAoHarb« JftrrA« kämmt «••>• mal* mntu#miti*ch im fünn* de* Natiotmi*tKmii»mma werden, wenn sie nicht ihre eigene Substanz angreifen wolle. Dt* im nationalsocialisttschen Parteiprogramm proklamierte Freiheit der Bekenntnisseaber finde ihre Creme am flnttlichkeitsgefühl der germanischen Rasse. Hieraus die Folgerunge» zu ziehen, sei Sache der Staatsführung. Der Sinn dieser Ausführungen kann wohl nur dahin verstanden werden, das« der Nationalsosialismus, der ja selbst eine (P*eu<k>)Religlo9i ist, den absoluten Vorrang vor dem Chrixtentutit beansprucht. Es ist interessant, dass ein« solche Darlegung gerade von einem Mitglied eines „Ministeriums für frircsjjicn«; Angelegenheiten herkommt. Nachdem dann (der bereits in der letzten Nummer der „J.W.RV* erwähnte) Professor Grunaky ein Referat über die Beziehungen zwischen dem Talmud und der Morallehre des katholldaas es ,4ie erttc miitHmtaotimli*timhe Biographie über einen JudtH" sei. Walter Frank zeigte an einer Reihe von Beispielen Walther Rathenaus schwankendes Verhältnis zur blonden Rasse und kam zu dem Ergebnis, dass „schliesslich im Wesen Rathenaus nichts mehr Übrigblieb, als dieser Zwiespalt selbst". Erwähnenswert ist Franks Aussprach, ..lUtnenau« Tod unter d«n Kugeln von zwei deutschen Offbderen «ei das gewes«*, was sein ganzes 1-ebea nicht war: ehrlich," Die Figur Rathen««« ist gewiSM auch von jüdischem Standpunkt problematisch, sber es ist eine tragische Ironie, wenn als Nachspiel zur abgeschlossenen Assimilation sepocM« der deutschen Juden nunmehr die Haltung derjenigen, die «ich — unter allmählicher Innung vom Judentum — vollständig dem Deutschtum hingeben wollten und ihr« positiv« Kraft« ausschliesslich in den Dienst des Deutschtums — und nicht etwa des Judentums — stellten, gerade von deutscher Helte verhöhnt i nd verdächtigt wird. Bin besonderes Beispiel dieser Art bot «in Vortrag VM Professor Höf ler (München) über „Friedrich Gundolf und das Judentum in der Uteraturwis^iuwhaft' Höfler wie* darauf hin, das« Gundolf die Amb**ion tu U«, als echter Deutscher zu gelten und z. B. auch „seinen jüdischen Kas*egeno»*en Heinrich Heine schonungslos als den weltgeschichtlichen Exponenten der Zersetzung chsrAk^erifiert habe". Warum, so fragte Höfler, habe sich die jüdisch-liberale Welt diese vernichtende Kritik eines Juden an einem Juden - sie steht in Gundolfs Buch über Stefan George — gefallen lassen, während aie die gleiche Kritik an einem Arier gewiss nicht hingenommen hätte? Die jüdische Welt habe es Gundolf nicht verübelt, so lautete die Antwort,, weil sie gehofft habe, damit selbst von jedem Vorwurf der Zersetzung gerechtfertigt zu sein und nun um so eher dem deutschen Geiste zugerechnet werden zu dürfen — ein Vorgang besonders gefährlicher Tarnung. Im weiteren Verlauf seines Referates hat Professor Höflcr seine These, dass das deutsche Wesen in Wahrheit Gundolf ■ «chen Theologen Alfons von Liguori gehslten hatte, sucht« fremd geblieben sei. damit begründet, dass er auf Gundolfs Aufteilung der Nation in einen kleinen Kreut Auserwäblter auf der einen Seite und die grosse Mas.'5c auf der anderen Seite hinwies. Die.se Einstellung Gundolfs ist, wie jeder weiss, keineswegs ein« „jüdische", sondern stammt vo« seinem Meister Stefan George, der kein Jude war. Dieser Zusammenhang ist offenbar In 4er Debatte Uber 4aa Referat Professor. Höflers auch hervorgehoben worden, aber, der Bericht der „Frankfurter Zeitung" bemerkt dazu, dass die Frage, wie weit die Haltung Gundolfs aus seiner Zugehörigkeit zum George- Kreis zu erklären sei, „offenbar austei-haib den Arbeit*ber««cn«s dieser Sitzung lag" — mit anderen Worten, dass jede Tatsache, die unbequem ist und in die nationalsozialistische sogenannte ..Wissenschaft" nicht hineinnasst, einfach ignoriert eder beiseite geschoben wird. Immerhin geht aus den Ander Präsident des Institutes Walter Frank in seinem Schlusswort die offenbar scharf antichristliche Tendenz der Debatte zu mildern, indem er darauf htawies, „dass gross« Perioden echt germanischer Geschichte mit dem Christentum verbunden seien." Er fasse. &a sagt« er« MAulich sei« Julius Streicher, die Persdnllchlieit Christi als gegen das Judentum gerichtet auf.** Auch ohne diese Berufung wäre «a ziemlich klar, dass Julius Streicher «er Vater dieser sogenannten Wissenschaft ist. Damit Ist sie und ihr ganses Institut genügend charakterisiert. * Zum Schluäs der Tagung hielt .noch . Ministerialrat Dr. Ziegler vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda einen Vortrag „Das Weltjudentum in der neuen Zeit" und Dr. Hoberg ein Referat „Dm? geistigen Grundhigen des Antisemitismus im modernen Frankreich*'. VOR DEM (ÄÜNSPAN-PROZESS NATIONAI>»OZIA!JSTISCHi: Pl!OI\Ui.\M>A Wie der französischen „Aus; Kcoutes" zu entnehmen Ist, ist der bekannte Professor G r i m m aus Essen, der alle ausländische Prozease des Nationalsozialismus führt iz. B. den sogenannten „Kairoer Judenproaeas" und den Mordprozess Frankfurter in Chur), von der Nazi-Regierung mit den Vorarbeiten zu dem bevorstehenden Grünspan-Prozess in Paris betraut. Professor Grimm, so heisst es, sei jetzt häufig in Paris und habe dort vor einigen Wochen eine Versammlung aller Nazi-Journalisten im „Braunen Haus" in Paris abgehalten. Auch die Nazi- und G«stapoagenten wurden dazu gebeten. Präsklent der Versammlung sei der deutsche Botschafter selbst gewesen, teilgenommen habe der Spezialist für antisemitische Hetzschriften. Diewerge. Man sprach nur Über den Grünspan-Proseas, von dem man annimmt, dass er Im Oktober stattfinden wird. Den deutschen Journalisten wird reichliches Maturial zur Verfügung gestellt Man hofft, "den Proaess mit growvangeiegter antisemitischer Propaganda verbinden zu können. U. a. soll eine Liste der französischen Journalisten, die Juden sind, aufgestellt werden. Eine besondere Rassenforschung wird für Madama Genevieve Tabouis Vorgesehen (freilich hat man in Frankreich sich inzwischen für eine andere IJste von Journalisten zu interessieren begonnen, nämlich die on Deutschland bestochenen, die unter franzoatscher Tarnung i. a. antisemitisches Gift ausstreuen. A. d. R ). Der in diesem Artikel des französischen Blattes erwähnte Diewerge ist ein junger Nazi-Journalist, der sich offenbar auf derartige Angelegenhelten spezialisiert hat. Er hat eine Broschüre über den Kairoer Judenproxess und über den Prozeas Frankfurter herausgegeben. (Im Kairoer Prozess wurde bekanntlich die Aktivlegitimalioti eines jüdischen Klägers verneint, der den Nationalsozialismus wegen Beleidigung des Judentums angeklagt hatte, weil durch die Beleidigung eines j Weise ermöglicht haben, wie es noch nie in der Weltgeschichte der Fall war, aber dies wird nicht von Juden, sondern von der nationalsozialistischen Propaganda mit einer unerreichten Meisterschaft ausgenutzt. Herr Diewerge stützt seine antijüdische Behauptung durch einen Hinweis auf die Vorgänge vom Herbst 1938, aber damit hat er Pech gehabt, denn gerade damals sind der ganzen Welt die Augen aufgegangen über den Charakter der nationalsozialistischen Entrüstung über angebliche „Lügen über deutsche Truppenkorfzentrationen" etc.. genau so wie jetzt die naive, noch an Wahrheit glaubende Welt überrascht ist, aus dem Munde des nationalsozialistischen Führers selbst zu hören, dass er den Befehl für die Teilnahme deutscher Truppen am spanischen Krieg gege^ ben hat zu einer Zeit, wo nationalsozialistische Zeitungen (einschliesslich soicher Leute wie Herr Diewerge > mit grösster Entrüstung die wahrheitsgemässen Berichte über deutsch« Intet vintion in Spanien als .Jüdische Lügen" brandmarktettV Der Nationalsozialismus hat ja singst vor der ganzen Weit seine Weltanschauung selbst-definiert, dass Recht kein Recht und Wahrheit keine Wahrheit ist, sondern alles nur Mittel zur Erreichung eines bestimmten Zweckes im (angeblichen) Interesse des deutschen Volkes (wie der Nationalsozialismus sich dieses Interesse vorstellt?. Angesichtf solcher Tatsachen, ist es geradezu grotesk, wenn Herr Diewerge sagte. In den Propagandamitteln der Ausländ«* sei „jüdische Zersetzung und jüdischer Haas gegen alles Deut-: sehe" wirksam. Dies ist die raffiniertaste Method« der Propaganda, einfach alles, was die Wahrheit sagt uad nicht die nationalsosialiatiscbe Propaganda akzeptiert, als .jüdisch" zu bezeichnen, und damit in den Augen der anderen Völker, herabzusetzen. Bei vielen Gelegenheiten scheint das sogar gelungen zu sein, aber glücklicherweise ist man jetzt in de« meisten Landern dahintergekommen und utait sich nickt mehl von der luttionabosialiatischen Wertskala, in der ^jüdiscJi* eine Diskreditierung bedeutet, verwirren. i --.--------- 1? Koilektivums ein Idividuum nicht betroffen sei». Dieser Die-, . werge. der den Titel „Reiehsredner" führt, sprach — laut' In London treffen erschütternd« Schilderungen «eP Zeitungsmeldungen - kürzlich in Königsberg über das Thema!Lag« der aus Deutschland ausgetmbenen poiniacuen Wlu denn mar. in der Welt über Ado»f Hi?!*r und seine iJuden in „Niemandsland" zwischen der deutschen und Politik". Diese Rede — eine von laysenden - über die uns I cer polnischen Grenze eis» Unter den Ausgetrieben«» beflrui«-« ein Berieht zufällig vorliegt, ist ein schönes Betspiel der Versich zahlreiche Frauen und Kinder. Oft kommt es vor, drehung. Der Redner erklärte, dass in unserem Zeitalter ,,Fu»i(i Bild und Funk als Machtmittel in jüdischen Händen die Völker der Erde in einer Weise falsch unterrichte, wie es zu einer Zeit, als diese Möglichkeiten der Nachrichtenübermittlung noch nicht vorhanden waren, nicht denkbar gewesen wäre". Diese Nachrichtenübermittlung, so sagte Frauen, ein kleines Kind auf dem Arm, auf offenem Feld« vor Erschöpfung zusammenbrechen. Viel« kleine Kinder irren auf der Suche nach ihren Eltern In „Niemandsland " herum. Die Ausgetriebenen, mehrere Hundert an der Zahl, ver-. bringen die Nächte unter freiem Himmel auf Feldern un4 in Wäldern. In unterrichteten Kreisen Londons wird erklärt, isif,, «Masfiv*« t «•* — — ~ — '---- —------- . , -'J- „habe kein Interes*e an der Wahrheit". Richtig ist in diesen j den Unglücklichen könne fürs erste nur dadurch **"0"*?* Worten mrt dass die modernen Information*- und Propagandaj werden, das« für sie in Polen vorubergehena', bis zu Uir«r mittel tatsächlich die Herrschaft d«r Lüg% in «in«riWeiterwanderung, Lager errichtet werden.