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Jüdische Weltrundschau · 1939-07-21 · 19 (21.7.1939) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
19 (21.7.1939)
Date
1939-07-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I* *!••»» Neben der Politik England wird #/Jew comcious#/ /Von MHscrem Berichterstatterß C.W.London, Anfang Juli 1939 Der jüdische Flüchtling au» Deutschland, der in ein Ihm fremdes Land kommt, ist leicht geneigt, misstrauisch land, fa«chi»ti!»<:he Provokationen fn den jüdischen Distrikten Londons, antiHomitiache Regierung in Rumänien, .fudennot in Polen, Judenge»et«e in Ungarn, Mussolini nach Zeichen zu suchen, die ihm andeuten, dass das antisemitisch. Boykottp ane der Juden in Nc» deutsche Geschehen sich auch dort wiederholen wird, i York oder Südafrika, jud.sche Refugees ubmill. Kelugee- Diese Einstellung ist erklärlich, wenn man den furcht-! kongresw fcinre.sesperr^ in S idamenk» Diskussionen barer Druck berücksichtigt, der in den letzten Jahren : früher, oh mehr jUu.sohe Arzte nach Ivmjlnnd herein- Hüf jedem Juden in Deutschland lastete. Aber diese: K«'»»««n werden sollen Debatten un«.l Anfragen im iar Neigung führt oft zu Trugschlüssen. Der Refu-ee In 1 ,ame"t u,ul mcM zu,etxt tagtäglich Berichte von Übei England wird stutzig, wenn er plötzlich an einem Holzsaun ein Hakenkreuz sieht, 'antisemitische Kiebzettel entdeckt, oder wenn er gar an einem der Platze, wo jeder Mensch Reden halten darf, eine wüste Schimpfrede auf die Juden hört. Verständlich, wenn er sich sagt: Hier (fühl es ateo auch schon hm. D«*r Rcfugee kann natürlich nicht so schnell die Besonderheiten des Landen kennen, in das er zu dauerndem oder ::u vorübergehendem Aufenthalt gekommen ist. Kr weiss' nichts von den Kräften, die einer parallelen Entwicklung entgegenstehen, er weiss nicht« oder doch nur wenig von der Mentalität des Landes. In England gibt es in der Tat viele der Erscheinungen, die in Deutschland zum Nazismus führten, äusserlich wird von den Faschisten vieles nachgemacht, oft wörtlich nachgeäfft. Aber in England gibt es Kräfte, die es in Deutschland nicht gab, die den Kampf der Faschisten ungeheuer erschweren. In Englaad gibt es eine alte demokratische Tradition, In England gibt es eine kirehe als lebendige Kraft — um nur zwei wichtige Erscheinungen zu nennen. Man kann heute getrost sagen, dass im Augenblick — trotz Hakenkreuzer. an Zäunen und Strassenrednern auf Kistea —, eine akute faschistiaeh-antisemitische Gefahr nicht besteht. Unvorhersehbare Ereignisse können das ändern. Aber unter den gegebenen Umständen ist die faschistische Gefahr nicht akut. In Deutschland liebäugelten die einflussreichen konservativen Kräfte stets mit Faschismus und Antisemitismus*. In England sind die Konservativen genau so erbitterte Gegner des Faschismus Und Antisemitismus wie die Liberalen und Sozialisten. Aber das heisst nicht, dass die jüdische Frage »ür England nicht existiert. Bis vor kurzem gab es in der Tai kaum so etwas wie eine jüdische Frage als paliti- »che* Problem. Es gab natürlich Antisemitismus, aber doch im wesentlichen (jeaelhchßftlichen Antisemitismus. Es gab Menschen, die die Juden nicht mochten, Klubs, fällen oder Kämpfen in Palästina, wenn er an eine7 Laterne \ Engländer: es gibt ein jüd Er las tagtäglich von Juden, und nun begann Plötzlich spürte jeder i a c h e;? P r o b 1 c m. r sie zu bemerken. Er sah und horte Rcfugcea im Buh. vielleicht wohnte einer in seiner Strasse. Kr würde im Rundfunk von Lord Balduin aufgefordert, für die Refugees zu sammeln, und er hörte vielleicht einen St fassen redner darüber schimpfen: „Warum nicht für unsere Arbeitslohn sammeln?" Kr las Her« to^the -Editor" ^in seiner Zeidungen. Natürlich war die Reaktion je nach Temperament und politischer Grundhaltung verschieden. Der eine spürte nur passive Sympathien, der andere half in Einzelfällen, der dritte glaubte, jetzt, müsse mau erst recht die Tore Palästinas öffnen, der vierte meinte, man müsse Englands Tradition als Asyl für Flüchtlinge hoöh- I halten, der fünfte fürchtete Massencinwanderung von Refugees und wollte, die Tore schliessen, der sechste wollte die Juden irgendwo im Ritinire ansiedeln» der siebente sagte, man müss den Juden irgendwo Land geben, der achte sagte, Hitler hat ganz recht. Aber aüe spürten ^;4t.4!» y^lfs%it : IMe Juden In Point %'on KM** AverlMih kunadiftelir* TagebiMh III. low f<»«chiiii Prin/t IH> Münchner TacuitK zur „Urfor«.. hun; der Ju- «Irnfrugr": Rathenan und Otindolf PropHKitdd i vor dem C»riin»|»ai»-l*ro/t l^r Anfritf der netien ,.K''ieh'*v«•r^•!|^^•^l|«^:,« Kuhlgerr Tage In Pulu*»Uli Her <i**ni>raMrrili vom IK. Juli KlingtaiiH^lellungen In Tel-A\h und Paris „lllob" mit der Bühne n*w. int völlig undurchsichtig, sie ist zurzeit ungeklärt. Täglich bringen die Zeitungen in allen Teilen d Lande« Briefe au;i dein Leserkreis mit den wideni^r^r^eadHten Ansichten und Vorsirhlägen. Bezeichnend'ist das iOrgcbni.s i in.-i Rundfrage Uber Palästina, die «.las ..tnstitul für öffentlich.' .Vfeiuung" über das Weissbuch veranstaltete. l>i'';;<^ Institut versucht nach einer besonderen Methode, die Öfrentltehe Meinung über verschiedene aktuelle Fraijen zu erforschen; und, soweitman Ih»uHeilen!:ann, seheinen die Ergebnisse ziemlich genau zu sein. Die 'limdfrnae über das Welssi'.ueh ergab nun, d»ss 32'/ der Befragten «teh iivr HielSungnatifne 'enthielten, dv,r v/citere höchste Prozentsatz der Enthaltungen, der bisher zu verzeichuen war (4~><r. waren einverstanden, XV, lehnten ab). Die aligemeine nazifeindliche Stimmung ersehwert den Faschisten, die die Unsicherheit Mir antisemitischen Propaganda benutzen wollen, ihren Kampf auHserordentlieh (nazifeindliche Antisemiten wie Reed sind Ausnahmeerscheinungen \ Nach wie vor gehört es nicht zum guten Ton, sich aliySVüiisemit su bekennen, da ein Antisetnit von vornher# im Verdacht steht, Nasi-Agent su teln. Aber die Tatsache, dass pIAtxlivh die Judenfrage als p o I i 11 s c h e Frage empfunden wird, dass vor allern plötzlich, dass es Juden gab und dass hier ein Problem S Palästina und das Kefugeeproblem diese 'Frage -'S« - einer zu lösen sei. England ist sich dunkel der Judenfrage j englischen gemacht haben, enthält Gefahrenrnomente, beu mjtt geworden, ist „Jew-conscious" geworden. Man \ die nicht übersehen werden dürfen. Die Erkenntnis der kann jetzt über die Judenfrage sprechen, ohne als Narr j Judenfrage in positi' -konstruktive Bahnen zu leiten. Ist ocler Sonderling angesehen zu werden. Aber die Haltung s Aufgabe des englischen Judentums. Appell an England GENERALSTREIK GE3EN OIE EINSTELLUNG DER EINWANDERUNG Di» Kundgebung bwkomrnt ihren besonderen Charakter durch einen halbtägigen jüdischen GcneraUtreik, der-Dienstag von 2 Uhr n-'it-hmluag» hin 12 Uhr Mitternacht vor sieh jttng. Das oberste Organ der piilasUnt:nais.;h*M» Jut'enheit, der W?ta<l Li-ttmi, hat «int; vollständig* Arb«iü»ruh« ir> SUdt und Dorf ungeordnet. S<irntHeiie Belrie.be. O- .ittiiirte, offt-ntHche \.oka\v usw. schlie»««« und der Verkehr wir» »b 3 Uhr volbitandsg eingestelU. Nur die l«b«n>:nGtwtmdigen Betriebe un 1 zwar «{«ktrinch« Werke, Wa»»ierwtrk«, Unmittelbar vor der Palästina-Debatte im britischen Unterhaus, die am Donnerstag stattfindet, wandte steh die ,Judenh«lt l'alistin»», dl« in di«««r Sache achiUldie keine Juden aufnahmen usw. Aber entsprechend dem j tragerin den ganze« jüdischen Volkes ist, noehmal» mit einer englischen Charakter wurde darüber nicht theoretisiert, I Hndi uek*voUeit Kundgebung uu das britUch« Volle Der '(Arierparagraphen und dergleichen - dafür hat auch der| jis<;huw apptUiert an England und in»neftonrier« an die Verenglische Auf Sentit kein Verständnis. Es gab hin undj t(eter tl<5(t t!nsji8Vhen Volkes im UnUruau». für die furch t- .Wieder Zeiten, wo der Versuch gemacht wurde, die jüdij ntm, Situation der Juden Vcmtandm« zu haben und nicht sehe Frage politisch auszuwerten; zu Anfang des Jahrj xuy.uia«fi«n, daas das jüdische Volk für vogelfrei erklärt und hunderts, als jüdische M.isseneinwanderung aus Russland zur Verzweiflung getrieben wird, zu verschärften Einwanderungsbestimmungen führte;! kurz nach dem Kriege, als gewisse Gruppen versuchten, Antisemitismus und Antibotschewismus auf einen Nenner zu bringen und zu diesem Zweck sich der berüchtigten „Protokole der Weisen von Zion" bedienten. Al>er diese Versuche blieben im Keime stecken. Es gab keine das Volk aufwühlenden Bewegungen wie die Stöcker-Bewegung in Deutschland, Luegers Kampf in Wien oder die Dreyfuss- Agitation in Frankreich. Antisemiten, die einen politischer» Antisemitismus anfachen wollten, wurden stets als Sonderlinge betrachtet und von niemanden ganz ernst; Hanitat*lte»fct und Hatv-ndienat werden vom Streik nicht begenommen. Es gehörte in allen Schichten nicht zum gu-1 rub*t. teu Tun, über die Judenfrage zu sprechen. Man konnte) Zugleich mit dieser Anordnung veruffenUieht der Waad eine tomantisch-religiöse Sympathie für die Juden als' t.«umi eine^ Appell, worin ea heimt, 41« Ankündigung dt-a das Volk der Bibel empfinden oder man konnte jedem Kol-nialmirsStcr' um-r die El«*t*»ung der Kinwsndvrung Verkehr mit Juden aus dem Wege gehen, man konnte j ab Oktober »ei der Höhepunkt der Politik des Vertrauens- Sich aufrichtig für die Idee begeistern, die Juden nach \ bruehea, die der KolcdulroinbUer gegenüber dem jüdischen Palästina zurückzuführen i nicht um sie loszuwerden,? Volk und dem jüdischen N,tUomtineim betreibt. Wird d«^ »ond -rti um die Bibel zu erfülleif) — alier als politisches \ br»U*che Volk, welches u> viel menschUche.t Mitgefühl für Problem wurde die Judenfrag«-' nicht anerkannt, Die \ Fhkhtiinge aus der Nazi-Hölle gezeigt hat, wirklieh w grosse Mehrheit des Volkes wusste wenig von den Juden \ summen, da*» dl* Tore Palästina* vor den Tausenden von unuxä interessierte sich noch weniger für sie. 13«-h«ldlgen Mensehen, die hier Zuflucht »ucheß, ge»ehloit*en Auch als dt» nnter»ihkku.R.j? und Verfeigung Jr | w*r-4«»?-• W«h P^Htik tnitmachen. slisi el»e ätamo?»*- Deutschland begann, änderte sich da» zunächst noch > scfli-' KWta*fe in Pnläiiiina herbeiführen muss, indem sie nicht. Man war entrüstet, sah im Hitlerismus einen das Land von dem Zustrom jüdischen Kapitals absehlie***? •Rückfall in die Barbarei, besuchte vielleicht sogar eineiWl^ es d«n Absichten des Mufti und seiner Bande« nach¬ Protest Versammlung - und kümmerte sich dann nicht. i fc'-btn, welch* im Laufedie»er blutigen Jahre- -durch die Verweiter darum. Akr in den leisten zwei Jahren htgunn I teidlguxigakraft des Jlschuv/ und durch die loyalen AoAir^n- Sit h das zu ändern. Tagtäglich berichteten die Zettunfi-ifgen der britischen eicherh«it.5ikräft« im Zaxtm gehalten .gen über jüdische Dinge.' Judenverfolgungen in Deutsch->i«- * D«r JUehuw so fahrt die Krkbi.ung des Waad Leuroi fort « itv«t mit Befriedigung die mutigen Worte d*r '.Paria-, \%\ ntaniiutiiedcr während d«r 1 ft t •/ \ 13 n Pal ä-s t in»« bebatte im Unterhaun j?«;hort. die »o viel menjuhhehest Verständnis für diu ittdUie.h«H Sorgen und für die tie^rnrrsehaft g«gen das WeE»«*sueh gezeigt h jben. In dieser Stunde der Not w«nd«t sieh der JinehtfA* noehmals iv?> d«;t b-r t - ti che Volk,mit d<«m Anjitjl, <Mt\« gros«se r:ondtsehe Kraft sut bev/eist'u ur.d ein Knd« /.i.i mitehcn der Bedrängnis des JüdiMche-tt Volk««, das von Hass und Verfolgung verzehrt ruieh, ftirttunic und; Krh'isung in seinem Heimatlund strebt. 55um 8chiu»:> wird ausgesprochen, <I»m« der ./isehuw sich niemals mit dem W^hsbueh abfinden wird und auch vor der neuen Strafe nicht xuriieksehreeken wird. •. ZwuWti-U Mi .üjeh 'die S in d r v e r w'a I tu ri g Tw'I A v I w uU'i die Leitung d-<s grössten HULououwn jüdi^t.'heri. CJemeinv.'e..en3 in Palastiim, eine Prokhtmation erlassen, worin "-'Aiin Streik Hufgerufen wird und erklärt wird, das» keinerlei Ver- »ammlunj(en und Demonstrationen stattfinden werden, sondern dass in Tel-Aviv die Kundgebung einfach durch tii* völlige Ruhe wirk«n soll. 'Dcmgermiss wurde nrgeordrjet, das;* alh: ICinwoJmer Tel-Aviv's ab H Uhr nachmltta^a bin Mitternacht in den Hiiiisern t u bleiben nahen. l>t« Hlrasxen werd«rrt von Mitgliedern der BOrgergarde tMiach« mar Kzrachi) i>ut ouilhert. Auch die A g i d a t h J i 4 r o e 1 hi*t aich 1er Kundgebung mit einem Auttuf angeschlossen, ebenso haben die Ober 1 a b b i n er von **{.dä»tlri;i einen Appell an da» brillsehe Volk veröffentlicht. Auch in England selbst sieht man der PidiUiina-De« bau* am Donnerstag mit Spannung entgegen. Mehrere eng- - - ■ ' r>it. iu- « t m« Im Wei.-isbu.-h verkft^det<» Politik tth ein JuU aecompti"' zu betrachten wbiti'l der Völkerbund'irat sein« SÜustirnmung gegeben hat. wa» bei der heutigen Sachlage eine blossk- Formalität ist. Our p-th-tischA Referent der Jewl.*h Agency. Müsch* jkhertok. h-u ütth im Flugzeug nach London begeben um mit. Pftriamentak täijwR Fahiuag zu nehmen- 't'ber den Verlauf d*» (ktttr-AUitnfiks in ^lÜUUna Vgl. ÄH-i:^ 3. ' „ " li;Hhe Zeitungen haben dazu Stellung genommen.

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