Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 18 (14.7.1939)
- Date
- 1939-07-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4u uKMi FOTO ] PALÄSTINA BLATT Der Weg des deutschen Oleh TAGUNG OER MOGOÄ IN TILAVIV Der zukünftige Geschichtsschreiber wird mit besonderem Interesse die Frage untersuchen, weiche .terlitehen Ersehnnunven In de jüdischen Emigration aus Mitteleuropa in dlc- •er Zeit dominierten. Wir wissen, wie schwer da« Schicksal der, Auswanderers überhaupt ht, welche seelischen Verhecrunge< es anzurichten vermag, wenn unvorbereitete Menschen In den Strudel der Emigration hineingezogen werden. Di« deutsch-jüdisch« Alijah in Palästina Hellt «inen wichtigen Faktor in diesem Zusammenhang dar. Das ist sowohl zahlenmässig der Fall, umfasst sie doch heute bereits mindestens «0.000 Menschen, wie auch qualitativ: denn diese Gruppe der Emigration lebt unter Voraussetzungen, «He von den äusseren Lebensbedingungen aller anderen Teile oer jüdischen Auswanderung aus Deutschland abweichen. Auch hier gibt es ein Problem der Anglelchung, aber dieses Ist die Frage der Eingliederung in ein jüdisches Milieu, das gewiss andersartig ist als die jüdische Tradition, die wir selbst mitbringen, dennoch aber in seinen tieferen seelischen Grundlagen uns nicht fremd ist Hier bedeutet auch soziale Umschichtung der Elnwanderermaase auch nicht in dem Grade wie in anderen Ländern einen sozialen Abxttcth sind doch die Wertungen für die sozial« Bedeutung des Einzelnen in Palästina nicht in dem Grade gefestigt wie anderswo. .Aus all diesen Faktoren ergibt sich die besondere Situation des Einwanderers in diesem Lande: Er gewinnt weit schneller «en Anschluss an die Wirklichkeit des Lebens als In anderen •Teilen der Welt, sofern es ihm gelingt, ins H e b r üi s c h e hineinzukommen. Auf der anderen Seite empfindet der aus Deutschland kommende Jude den Zustand des jüdischen Lebens in Palästina in vieler Hinsicht als problematisch und ■teht vor der Aufgabe, selbst an der Gestaltung des Löbens mitzuwirken. Vor diesen» Hintergrund spielt sich die Arbeit der Organisationen ab, die .«ich die deutsche Alijah im Lande selbst geschaffen hat. Die Hltachduth O I e j G e r m a - e.ia we OleJ Au,Stria ist die bedeutendste unter ihnen, stellt sie Uoeh das hauptsächlichste gesellschaftliche Mittel dar, durch das sich die Olim aus Deutschland und Österreich den Weg im Lande gemeinsam bahnen. Die HOGOA ist heute ein umfassendes t&zkiip<Mtiache# Instrument, das in engem Kontakt mit der „Deutschen Abteilungder Jewish Ageney steht. Zugleich aber ist diese Organisation ein Instrument de kulturellen und gc s e, 11 s e h a f 11 i c h e n Erziehung und stellt in gewissem Sinne eine Fortsetzung der Zionistischen Organisation in Deutschland dar, ist es doch derselbe Menschenkreis, der hier wie dort die Arbeit trägt un»1 bei aller Verschiedenheit der^ Ansichten durch daa Erlebnis der gemeinsamen zionistischen Erziehung zusammengehalten wird. Im Mittelpunkt der Tagung der HOGOA, die in Tel- Aviv am 7. und 8. Juli stattfand, und von den Delegierten vo ■ 24 Ortsgruppen aus dem ganzen Land neben einer Anzahl von Gästen besucht war, stand das Problem, ob sich die Hitachduth Olej Germania we Glej Auatria In Zukunft auch an den Wahlen den zentralen und regionalen SelbstverwaitunyskörpersckafteH des Jischuw beteiligen soll. Es gibt hierfür bereits Präzedenzfälle, da sich die HOGOA früher an den Wahlen zum Stadtrat von Tel-Aviv sowie zur Kehillah Jerusalem beteiligt hat. Das Problem besitzt jetzt In. Hinblick auf die herannahenden Wahlen zur Assefat IIaniwcharlm, die ihrerseits den Waad Leumi wählt. ktuelle Bedeutung. Die Diskussion wird innerhalb der HOGOA bereits seit längerer Zeit geführt und fand bei der jetzigen Tagung ihren Abschlug.?. Den Standpunkt des Präsidiums, das sich mit überwältigender Mehrheit für Wahlhcteüigung entschieden hatte, vertrat in einem Referat Dr. H. Foerder. In der Diskussion kamen die Argumente der? Gegner den Vorschlages zu vielfachem Ausdruck, die insbe- \ fcondere gegen die Einführung eines „lundsmannst haftlichcn j Prinzips" auf politischem Gebiete polemisierten. Von den l Anhängern des Vorschlages wurde demgegenüber die Notj wendigkeit hervorgehoben, auf diese Weise die deutsche Ah-} jah enger mit den lebenswichtigen Aufgaben des Jischuw tu ( verbinden und dadurch ihr* Eingliederung in die Gesamtheit! I.erbeizuführen. Mit einer Mehrheit von über 7 5"; der. abgegebenen Stimmen wurde schlies slich die nachfolgend* I Resolution angenommen: > . Die Lanu««tagung der Hitachduth öiej Germania we ' Olej Austria betrachtet als da* Ziel ihrer Arbeit die Kmj gliederuug aller Oh: - aus den mmeleuropauiehen Ländern; In^las gesellschaftliche, kulturelle, wirtschaftliche und! fftmitache Leben des Jischuw. Ihre Erziehung zum ziöttii •tischen und staatsbürgtrischen Verantwortungsbewußtj »ein. Sie will diese grosse und ständig wachsende Ein- : wanderungsgruppe mit d«m Lebe» des Jischuw verbinden j und nimmt aktiven Anteil an der Formung des In Bildung j h*»rift*tn+n Yo!k«k'>rr*«r>i. Ihr Ziel erreicht die HOGOA durch Ausnutzung der gegebenen sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Möglichkeiten. Zu den politischen Möglichkeiten rechnet die HOGOA auch ihre Beteiligung an den W « l\ - len zu den zentralen und regionalen Selbstverwaltung*- körperschaften des Jischuw. Durch diesen Heschluss soll das Recht eines Mitgliedes der HOGOA, für seine parle!-, politische Gruppe zu stimmen oder zu kandidieren, nicht beeinträchtigt werden." Den Tätigkeitsbericht ührr die Arbeit der HOGOA erstattete der Generalsekretär Dr. M. Kreut ibrr g e r, wobei er auf einen umfassenden, ah Broschüre gedruckt vorliegenden Bericht Bezug nehmen konnte. In dem Heferat, wie nn der sich daran anschliessenden Diskussion und den Beschlüssen der Tagung, kam die dringende Sorge drr HOGOA im das Schicksal der F I ü c h t I l n g n a I i jah zum Ausdruck, deren materielle und gesellschaftliche Einordnung nicht nur für die Kreise der deutschen Alijah selbst, sondern für die Gesamtheit des Jischuw und die zentralen Institutionen von höchster Bedeutung ist. Zugleich wurde wiederholt nut dir Rolle hingewiesen, die die Einwanderung aus Deutsch* land für Palästina und HOGOA für die Gesamtheit der deut.M li-judischen Emigration in der Welt besitzt. Sie empfindet sich als das Zentrum dieser Emigration und daraus ergibt sich die Pflicht, zu ihr von Palästina aus zu sprechen. Den politischen Fragen waren zwei Referate gewidmet. Ober die Lage der Judenheit der Golah, Inbesondere der westlichen Länder, «praeh Kurt Blumen fehl in einem gross ungelegten, reich mit Material fundiertem Kefcrnt. in dem er insbesondere seine Erfahrungen auf Reis«-n der letzten Zeit schilderte. Blumenfeld stellte die tiefgehende Krise dieser Judenheiten dar und legte dar, das« nur durch eine Erneuerung der schöpferischen Kräfte des Volkes die tiefe Krise überwunden werden könne. — Über die aktuellen politischen Probleme des Landes sprach der Chefredakteur des „Dawar", Berl K a t z n elso n, der sich mit starker Leidenschaft gegen jüdisch** Terrormethoden wandte. Er beschäftigte sich weiterhin mit der Frage der Führung des Jischuw tnd den Methoden den politischen Kampfes g«gen das Weissbuch. Die Versammlung selbst bestätigte die kürzlich vom Präsidium" der HGGÖA angenommene Resolution % e g e n d n T e r r o r. Die Tagung schlosss mit der Wahl eines neuen Priik i i i ii ra s, an dessen Spitze wiederum Kurt B I u m c n f e 1 d steht. Das Ergebnis der Verhandlungen dürfte ohne Zweifei in einer starken Aktivierung der organimitort- .sehen und politischen Kräfte' der HCX.JOA und damit der deutschen Alijah als ganzen liegen. Der führende Kreis der HOGOA ist «ntKChlossen, alle Kräfte dafür einzusetzen, um da, komplizierte Problem der Eingliederung der Flüchtling*- alijah In den Jischuw zu losen, und er will zugleich sein Augenmerk auf die politische und gesellschaftliche Erfassung der deutschen Alijah richten in der Überzeugung, «las» die Repräsentanz dieses Kreises nicht nur eine Notwendigkeit auf zahlreichen Gebieten der praktischen Arbeit ist, sondern auch der Gesamtheit des Jischuw nützen wird. oe. Die HOGOA zur Lage Die im voratehenden Bericht erwähnte Resolution des Präsidiums der HOGOA. die von der Landestagung bestätigt vurde, ist vor einigen Tagen von einer Dete-gation des Präsidium« der HOGOA dem Waad Leumi überreicht worden. Bei dieser Gelegenheit fand eine Aussprache über die politisch« Situation *ti Lande statt, bei der die Delegation den Standpunkt der HOGOA vertrat. Diese Aussprache soü fortgesetzt werden. Der Delegation gehörten an die Herren; Felix R»m nbliith, Dr. FoerW r, Dr. Xu*»lmum, Dr. Kr'ufi,(iij<r, Ht nno Cohn, und Ing,'Mahrer. Di« Resolution hßt folgenden Wortlaut : „Die Hitachduth OlejGermanla we Olej Austria wendet sich an ihre Mitglieder und darüber hinaus an all« Kreise des Jischuw» mit dem Ruf, sich äh.iplmurt eitwuordnen in die Front zum ■ntschiedenen Kampf gegen die Politik des Weiwibuchew, das die Fortsetzung dar Alijah lähmt und die weitere Ansiedlung vereiteln will. Dieser Kampf ist die Sache des gesamten jüdisch«« Volkes. Zu seiner Führung ist die Jetciak Aaenry berufen. D*r Jischuw vnter Führung des Waad Ltuml »teht in der nationalen Front »uf dem vordersten Posten. Wir fordern von der Fuhrung ein klares Programm, das dem Kampf des Jischuw seinen Rahmen und Inhalt gibt, H'ir u-ttrnen unsere Mitglieder und den ganze» Jischuw sor aus der begreif liehen Erregung der Stunde heraus erfolgten Terrorakten, den Einflüsterungen der Terroristen die den außenpolitischen Not »Und benutzt*«, um innerpoltlische Wirkungen zu erzielen, Wir »# rurUM* n T>i;o>i»mu* a«i* Schürfst*'. Die Ermordung unschuldiger Menschen l*t ein« U^L-V.fl»,! eignet, uns in jenen Kreisen zu M'hadvn. mit deren Unlerj Stützung wir unseren Kampf führen. Der Terror nach aussen | führ» unmittelbar zum Torroi innerhalb der jüdischen Ce« j meinschaft und untergräbt ihre Fundamente. | Zusammen mit dem politischen Kampf gilt es, die pro* \tiuktive Arbeit verstärkt fortzusetzen, denn unser Ziel wird | ii. der Hauptsache durch konstruktive, schöpferische Lei.si.unj gen und Taten erreicht. Di« Tätigkeit des Jbchuv/ ist Insj besondere zu richten auf VerleiHinuna, Fortsetzung von AHMtH! und AminHuwj. Wir müssen uns fernhalten von allen sc hei n- | bar radikalen, in Wirklichkeit aber illusionären Planen, dl« | die Verwirrung nur vergrössern. Die Widerstandskraft!<!rs Jischuw zu schwächen drohen und in Wirklichkeit amleinn Zielen dienen Es gilt der Leitung, welche diesen Weg! mit Kraft und Besonnenheit führt, mit Disziplin und Eni-, schlossenhell zu folgen." Die Haltung der Agyda Die .New York T i m r *" "vom 2«. Juni veröffentlicht eine Erklärung des Führers der Agudalh Ji/»r«e| in Palästina Rabbi M o r e?! B 1 a ii. Die Zoiliuig nagt, das» tlr.\bM Blau unsefähr c i n V i e r tel der j ii d i n c h e n U c v 6 I - i< e r u n g Palantina«? vertritt, weil nicht nur dl« extreme Orthodoxie hinter ihm steht, sondern Keine politische Meinung auch von zahlreichen der alt eingossonen jüdischen Einwohner Palästinas geteilt wird, besonelerrt Katifleuten und den «Ken KoloniHten. Rabbi Blau erklärt sich gegen du;: Weissbuch ii|j<| hiebt die einzige Losung in „Nschtbwhcrrschung durch gemidhMm« Herrschaft", Rabbi Blau iat «c»r * -fc>* lUxikott uruhiHfhrr Arh'it u.ul arabischer l'müuktr-"und über-' haupt gegen alle Methoden, die eine eiserne Mauer /.v/irrheri Juden und Arabern aufrichten. Die Weltorganisation Agu» dath Jiarattl sei gegen all« Demonatralionen, welche die- Beziehungen zur britischen Mamlatarmacht unnötig ernchweren," \or alk-m gegen alle Gewalttaten und «t-ge-n HteucrvcrWeigerung. Nur auf d i e « e r B n a i ». uu fahr», er fort, werde die Agudath Jisrnel mit anderen jüdischen Gruppen hei der Uekümpfung de« VWi^buchi*« yu!«amnu'n.4irbeit«m. H K MS KONSTHI KTI\ FS l'ftfH.ft\>1M Di« Vereinigung ,,A c h d u t h H » n m" veröffentlicht ein« Erklärung, worin der Kurnpf gegen du* WHsHbuch als ein« neue Epeahe de-r zioni'itifchcn Entwicidun;/ gekennzeichnet wird. Wir brauchen, so «tagt der Aufruf jetzt einey, l n v k e Führung, und wenn wir eine neu»' l^itung wählen, dürfen wir nicht auf die Kritik an den Fehlern der Vergangenheit verzichten. Wir kritisieren insbesondere den Mangel einer k o n s» t r u k t i v e n T ii t i g k e i t auf dem Gehiot« der Politik und die aus dem Wünsch ihr Verwischung alier Gegc-nMatz* entstandene Neigung, jeder klaren Entscheidung auszuweichen. Wir lehnen jede demagogische Kritik ab, di« vor der gegebenen Wirklichkeit die Augen versehli*.fi*t. Tat« sachen entstellt und nur Verwirrung in die IJewegimg bringt. Die yionUtischi; Bewegung in ums ein hlf.re» l'rogrnmm für eine Vcrfasjiung Palastinuii aufstellen, die auch in Zukunft die Einwanderung sichert. Dabei müssen all»? Vorschlag« einer f 6 d crativ« n L u h u n g und in einer Obergangszelt auch die Vorschlage einer Kantonislerung in Betracht gezogen werden. Zum Hchlus« heisst es: Wir fordern c»ii« Leitung, die nicht davor zurückschreckt, mit den ».churfsten Mitlein den Terror sowohl in der Ausiücnpolitik als ftuch innerhalb des jüdischen Uigerti zu u n t e-r d r u c k c n Vert rauensspediteur d.r N. O. O. für Einwond«f«fgut in iiHi und Kitten HAUSMANN TRANSPORT CO. Inttrnof ional« Spediteur« T»l, T«l*A«tv( No<h!«tk i*n,a«r.imtr. 44!•». >tSI rO.1. 2?70 WENN IN HAIFA Wohnen Hie ira SAV0Y HOTEL Modern eingerichtet- M^»t« Pf$M B 11 A S Z Prüfungen, X II ANS 1KAI H R«nt.»bilil»t»- / Btteherre.iMtr btrechnungt n./ 1 U, AVIV \Ht Pen iehuda Rd. Telephon 5101