Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 18 (14.7.1939)
- Date
- 1939-07-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Nr. 18, 14. VII. 1939 BÜCHERSEITE der J.W.R. Englisch-jüdische Bücher HIHTOUY Oi TllB JIAVr,. Von Paul Cnodiiimi. Londo- Dent Ärfiofi,', 5 . ii. JIM IIISTOHV OF IHK A KL. Von Whellcr Rohiiuon, Duck* worlh. London. 5 sh. TUE MI UM HUT WAV WITII TUV, JE WH. Von Peter MurJo-.v. London, Alien & Unwin, In der heutigen / it ist das Bedürfnis nach piner kurz gefusfäten Geschichte der Juden «icwlss '-m-h in rngllHcli sprechenden Ländern grösser ah je zuvor. Denn die Aktualität der Judenfrag« hat die Aufmeilc::imkclt von Juden und NiehlJuden mit diesen Volk gelenkt, das man roch vor .venfgcii Jahren nicht »Im Volk anerkennen wollte. Eh ist daher überaus*» begTtissen, dass Paul Güodm u i?.. vielen unserer Leser "nlß ein führender en'cli'ichen Zionist und Biograph von Mosen Montcfiorc bekannt, .".eine 1909 zum erster» Mal erschienene kurze Geschichte der Juden jetzt in einer völlig umgearbeiteten neuen Auflage erseheinen lässt (Paul <}oodn.un* Hteio,,i of thr. Jcio,, London. J. M. I>nt K- Sonn Ltd.. 5 nh.). Der Autor wagt «ich un die schwierige Auljjabe, auf etwa 2C0 kleine Selten die gesamte Geschichte uet; Jüdischen Volke« von den Patriarchen bis zur Londoner Palästina-Konferenz von 193» darzustellen. Es ist klan das« eine solche Arbeit nicht mehr sein kann als ein Abriss, bei dem das wichtigste die übersichtliche Zusammenstellung der Fakten ist. Obwohl die einzelnen Geschichtsepochen und ihre Probleme natürlich nicht in aller Breite um! Tiefe behandelt werben können (denn jede;! Kapitel würde ein eigenes Buch verlangen), merkt man doch das umfassende Wissen des Autors, der hier ein volkstümliche* Buch geschaffen hat. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die neu hinzugekommenen Ittzten Kapitel, die die Periode de;; Weltkriege» und der Nachkriegszeit betreffen. Auch hier Ist kaum mehr als eine gedrängte Aufzählung möglich, und selbstverständlich stehen Im Vordergrund da« ungeahnte Anwachsen des Antisemitismus nebst dem Ende der Emanzipation in Mittoleuropa sowie auf der anderen Seite die Entstehung de* Jüdischen Kationniheimoit in Palästina. Unsere Leser dürfte «ie Würdigung interessieren, die der Autor rückschauend dem deuts e h c n .T u d o n t ii m widmet. ..Die deutschen Juden haben", so schreibt er, „die jüdisch« Wissenschaft geschaffen und kultiviert, die ihr Licht, über dio ganze jüdhxhe Diaspora verbreitet hat. Das wohlgeordnete jüdische Leben in Deutschland setzte ein Beispiel für die jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt. Jetzt nachdem die deutsche Judenheit Ins Exil und in die Gefangenschaft geraten ist, sollte man ihr zum Guten anrechnen, jüdische» Auswanderer, dio Jahrzehntelang ms O Lciuopa nach den freien L&ndern des Westens nur-cwf.tidert sind, bei ihrer Durchwandening durch Deutschlund Trost und Hilfe bei ihren jüdischen Stammesgenossen in Deutschland mit ihrem nie versagenden Sinn Jüdischer Brüderlichkeit gefunden haben. Die höchst«? Anerkennung nber, die die Nachwelt den deutschen Juden in Ihres« Todeskampf sollen wird, wird die Anerkennung der;crn.ehmon und gläubigen Tapferkeit -- vergleichbar nur mit den spanischen Juden der grossen Austreibung von 1492 — sein, womit sie dir< bitteren Erniedrigungen, die sie. »u Untermensehen machen wollten, standhaft ertragen haben." Der Autor spricht auch dio Hoffnung aus, dass die deutschen Juden, die Jetzt In neue überseeische Lander wandern, die Vorboten einer blühenden jüdischen Zukunft sein werden. Das Kapitel über das Jüdisch» Nationalheim gibt eine kurz gefasste Geschichte der zionistischen Entwicklung. Vielleicht wäre <;* wünschenswert gewesen, wenn der Autor bei der Erörterung des jüdisch-arabischen Verhältnisses und des damit zusammenhängenden grundlegenden politischen Problems nicht von 1918 gleich bis zur Konferenz von 1939 Störungen wüte; Dokumento wlo das Weissbuch von 1922 und ein Hin* weis auf die damit zusammenhängenden Wandlungen der englischen Politik hätten zur Klärung beigetragen. Ein Satz auf Seite 238 betreffend den Peel-Bericht könnte bei einem unkundigen Leser den Eindruck erwecken, als ob eine Teilung Palästinas vollzogen wäre, jedoch nicht zu einem jüdischen Staat geführt hat, während in Wirklichkeit der Teilungsplan de« Peel-Berichtes ja gärnicht praktische Politik geworden ist. Auch sonst wird, wlo es nicht anders möglich Ist, der kriti.sche Leser da oder dort gewisse Meinungsverschiedenheiten empfinden; so z. B, scheint es uns unnötig, Heine, der sicherlich ein grosser Dichter war, als den „grünsten Lyriker deutscher Zunge" m bezeichnen. Die Problematik der Emansipationsepoche und ihrer Wirkung könnte man auch in j;' manchen .PunktcYi anders beurteilen. Das Buch bietet also auch DIsUusainnsKtnff, nber unabhängig davon Ist es zweifellos eine verdienstliche Leistung und man kann nur hoffen, dass es zur Orientierung weiter Kreise Ober den Gang de« jüdischen Volkes durch dio Welt und die Zeit viel beitragen wird. * Eine Geschichte dos jüdischen Altertums, gesehrieben Im wesentlichen nach bibelkritischen Gesichtspunkten, liefert Wheeler Robinson, Lektor für Bibelkritik an der Universität Oxford (The History of Israel. Tts Facta and Factors, Duckworth, London, S sh.). Die Geschieht« Israel* Ist Volksgeschieht« und zugleich Gelstesgeschlchte. Natiuliehe Gegebenheiten, wie die Beschaffenheit des Landes, seine whrtschaftüehen und militärischen Möglichkeiten, sein Klima usw., wirken zusammen mit der geistigen Eigenart des Volkes, die sich in seinen politischen und religiösen Äusserungen zeigt, so wie beim Elnzelnu-nsehen Geist und Seele zusammenwirken, um icn Menschen zu schaffen. Das Bedürfnis nach genauer Erkenntnis der jüdischen Religio» veranlagst christliche Gelehrte, Christentums und dami der ganzen abendländischen Zivilisation anerkennen, zur Beschäftigung mit der Geschichte eines Volkes, das ohne seine Religions-Sehöpfung als Volk ebenso mbtdt uu iul wäre, wie andere kleine orientalische Völker. Wir luden, die manches anders sehen als christliche Theologen, können trotzdem mit Interesse und mit Ergrüfenheit eine Darstellung wie die vorliegende lesen, die den Stoff mit einer; »virkliehen snnmn Begeisterung s««ulU't. jjs jst iiier nicht! am Plaues sich in die Diskussion von Einzelheiten einzulassen, * icim viele der Kiautlheiten sind wissenschaftlich und theolo- I lisch umstritten. Aber das ernste, nicht immer gauz leicht ge-1 ichriebene Buch als ganzes wird zweifellos jedem Leser «inen I Eindruck von der Grusle und der Gewalt der jüdischen Enti Von Weininger bis Bergner l n11) m Ben ■ Chor ■ Die jüdische Autorin Adriennc Thomas gehört unbestritten zu den erfolgreichen Unterhaltungsschriftstellern. Ein Buch, dar freilich noch vor 1 9?,n erschien, machte sie in «Her Welt bekannt. Es war die erschütternde Liebesgeachichte einer jungen Jüdin aus dem Elsas» J)v Kathrin uird Holdat". Dieses Buch, da;: die Höhe echter Dichtung erreicht, bleibe Adrienne Thomas unvergessen. Nun legt sie »inen neuen Hornau vor ..V o n Johanna x u J u n e." <Amsterdam 1»S». Verlag Ailert de Lange, 365 8.) Wieder ist es die Liebesgc schichte einer halbwüchsigen Jüdin. Johanna Deutsch luisst sie und geht versponnen in ihre Träume von Liebe, Erfolg und Reichtum durch die Strassen des Wiener Judenviertels, der Lcopoldstadt. Wir schreiben 1012. Johanna ist dreizehn Jahre r«lt. aber nie ist schon eine ganze Frau, die hoben kann und geliebt werden will. In Ermanglung eines wirklichen Liebhaber« erdichtet sie. sich einen, woraus die merkwürdigsten und unglaubhaftesten Komplikationen entstehen. Komplikationen, die um eine Nuance zu romanhaft sind, um in einem guten Roman stehen zu dürfen. Zumal in einem Hehlüssetronutn. Denn das Ist „Von Johanna bis Jane'. und der einzige Reiz dieses, zwar virtuos gemachten Buches liegt darin. Solche Schlüsselromane sollte mar. aber besser tichlümutlU» hi otnanr nennen. Worin besteht das Sensationelle solcher Romane? Nun einfach darin, dass der Leser durchs Schlüsselloch In die privaten Seclenräume berühmter Zeitgenossen gucken darf. Das ist nicht jedermanns Geschmack. Adrienne Thomas' neuester Roman gehört leider zu dieser Kategorie, die immer noch, vor allem im weiblichen Lesepublikum, auf Erfolg rechnen darf. Es ist schade um das Buch, denn es stehen so nebenher eine Menge Gescheitheiten darin (vielleicht sogar zu viele), das kleinbürgerliche fromm jüdische Milieu der Leopoldstadt ist mit Liebe und grosser Lokal- und Seelenkenntnis gezeichnet, und nicht minder Jenes andere Wien, das Tonfilm und Operette mit Beschlag belegt haben, das niemals ganz wirklich gewesene Wien der „Schönen blauen Donau" und des „Fiakerliedcs", de» „Heurigen" und des Kaiser Franz Joseph. Die glücklichste Gestalt des ganzen Buches Ist der Repiüsentant dieser versunkenen, weinfröhlichen Kaiserstadt, der kleine Leutnant Florian. Freilich ist auch dieser FJor^m ein wenig mythisiert und sc hablonisierL Und doch steckt in ihm mehr Lehen als in den Hauptpersonen, die totgeschlagen von ihren Urbildern das Dasein billiger und retouchierter Photographien führen. Da ist vor «Hern die p^eudo-tragischc Gestalt des Wiener jüdischen Hauslehrers Joseph Htadlcr zu nennen. Mit 22 Jahren veröffentlicht er sein aufsehenerregende» Buch, das «in« Philosophie des Judenhasser, und der Weiberfeindschaft gibt. Als Dreiundzwanzlgjähriger auf der Höhe des Ruhms crschicsst er sich Man muss kein Detektiv sein, um Otto H'ci-> Hinycr hinter der Maske Stadlers zu erkennen. Aber einen heillos verkitschten Weininger. Aus diesem Repräsentanten einer ausweglosen Tragik, des tiefsten jüdischen Sclbsthasses, von dem ihn auch die Flucht in die Taufe nicht retten konnte, wurde eine blutleere, im Tiefsten uninteressante Nebenfigur tiner belanglosen Mädchengecchichte. Alles andere hat der geniale Autor von „Geschlecht und Charakter" und „Die letzten Dinge" eher verdient, als ein Schattendasein im Hades einer drittklassigen Strandlektüre. Es sollte ein« Ar'. Naturschulzgesetz für die Literatur geben! Was auf Stadler-Wetninger zutrifft, trifft auch auf di« Hauptheldin des Buche.1: zu. die Gymnasiastin Johanna, au* der die weltberühmte Schauspielerin Jane wird. Sie Ist nicht Elisabeth Beniner, aber sie soll es sein. Adrienne Thomaa Thomas schreibt einen Bergner-Steckbrief. Die Daten stimmen, Geburtsort, Haarfarbe, Lleblingsrollcn. die spätere Emigration selbst ist erwähnt. Und diese schlechte Passphoto* graphie nun wird in die Nähe Otto Weiningers und des K.u.K* Leutnants gerückt und erzeugt (wienerisch gesprochen) einen „Wirbel", an den man nicht so recht glaubt. Am Rande tauchen, oft nur genannt, mit echten und falschen Namen Max Reinhardt auf und Arthur Schnitzler, Sigmund Freud und de.1 Komponist ScI.önbcrg. der Schauspieler Sor.nenthai und andere Berühmtheiten der Vorkriegszeit. Aber alle diese Namen und Decknamen, so klingend .sie sein mögen, können dem Buche nicht über den Mangel an innerer Bedeutung hinweghelfen, der ihm anhaftet, trot» aller Kunst der Milieuschilderung. Ein neues Esther-Drama in London Das „International Thcatrc" in London ist eine Art „Freie Bühne", die Stücke experimentellen Charakters an zwei Sonntag-Abenden gür Aufführung bringt, in mustergültigen Aufführungen, sowohl was Regie und Ausstattung wie die Besetzung anlangt. Es ist viel Idealismus auch arrivierter Kräfte dabei, die für wochenlang?. Proben nichts bezahlt be kommen.., auf die Chance hin, dass vielleicht eines von zehn Stücken von einem Scricn-Theater übernommen wird und dann monatelang, oder gar jahrelang geht. Skandal in Asstyrten" hatte einen guten Publikums- und Presse-Erfolg, ob efn Manager sich entschliessen wird, für den Herbst ein Theater zu mieten, steht noch dahin. Unter dem Titel wird niemand ein Esther-Drama vermuten. Der Autor, oder richtiger die Autoren — denn hinter dem Pseudonym Axel Kjellström verbergen sich der Dramatiker Walter Hasen clever und der Theaterdirektor Robert Klein — behandeln das Thema als Komödie. Das Stück nimmt eine gewisse Shav/sche Haltung ein, aber die Übergänge von politischer Satire zum Seelendrama, das doch Grillparzer irgendwie fortsetzt, gelingt nicht immer. Im ersten Akt überredet der Kanzler Human den König Ahasverus, ein Emblem einzuführen, das jedermann zu grüssen hat. Der Konflikt zwischen Mordechai und Haman entsteht dadurch, dass der Jude die Anbetung eine Bildes verweigert, worin Haman, selbst ein Fremder, der dieses Landes Politik macht, eine besondere Aufsässigkeit erblickt. Er ist aber nicht, wie in der Bibel, ein Judenfeind von vornherein; das politisch-faschistische Prinzip, das er vertritt, macht ihn zu ihrem Gegner. Um den Preis des Bilderdienstes würdet er Mordechai und die Juden, die dieser betreut, straflos lassen. Er Hngt dem widerstrebenden König durch Lügen und Ubertreibungen den Vernichtungsbefehi ab. Dichterisch der schönste ist der dritte Akt: Mordechai geht die Königin Esther um Hilfe an. die in ihrem Falle besonders erschwert ist, dass sie Ihrem Gemahl hat versprechen müssen, sieh nie - wie Vasthi - in Staatsgeschäfte zu mengen. Den Einwand, dass sie sich als As.syrerin und nicht mehr als Jüdin fühle, weiss Mordechai bald zu entkräften, aber sie ist eine Liebende und Mutter, die durch das Bekenntnis ihrer Zugehörigkeit zu dem verurteilten Volke den Sinn ihres Daseins aufs Spiel setzt. Königin Esther lässt sich ins Gefängnis zu den ihren abführen, aber der König bringt Haman in die grösste Verlegenheit, indem er ihm erzählt, was er in seinem Privatleben und in dem Schicksal der Dynastie durch seine Massnahmen angerichtet habe. Er droht mit Abdankung, aber es kommt zu einem glücklichen Ende, dar sogar Haman den Galgen erspart: Mordechai, den der Kö* nifi zum Richter über seines K*n*les Schicksal macht, be« gnügt sich mit dessen Verbannung auf eine einsame Ins«;'. Unter der Regie des bekannten Shakespeare-Spielers John Gklffud, des Hamlets der diesjährigen Kopenhagener Festspiele, gab es eine sorgfältige, stilsichere Aufführung mit Hawkins (König), Suliivan (Haman) und Milien, der ein wunderbarer Mordechai nn Sprache und Haltung war. Die Königin Esther kreierte Sybille Binder, vielleicht um einige Grade zu schwer, aber sie rührte an das latent Dichterische, das in Hasenclever steckt, ja sie erschloss geradezu, was ihm in der Zusammenarbeit mit einem anderen irgendwie unbeabsichtigt aus der Feder geflossen ist, und das ist das Grösste, was man der Interpretation eines Darstellers nachsagen kann. Lutz Weltmann (London). Penguin-Bücher mber Detttohland In der Reihe der P e u g u i n - B ü c h c r, jener Sammlung billiger englischer Bücher "zum Preise von 6d~3i Piaster), erschien jetzt eine englische t*bersel~ung des Buches von Konrad He i d c n „Ein Mann gegen Europa". Das Buch ist eine überaus lebendige Darstellung der Verhältnisse jn Deutschland, die sich um die zentrale Figur von Hitler gruppieren, und der Vorgänge bis zum Jahre 1939. Es ist mit journalistischem Schwung geschrieben und ist eine Warnung an Europa, vor allem ar. alle diejenigen, die noch nicht die Grösse der von Deutschland drohenden Gefahr begreifen. Den gleichen Sinn haben auch zwei andere Bücher, nämjich ein Sammelbuch ..Gcnna.iy tchat Hext?", in welchem 7 Autoren ihre Meinung über Nazi-Deutschlands politischer» Pläne darlegen. Besonders Instruktiv und fundiert ist eine Studie von Dr. F. ßorkenau, die unter dem Titel ,.T><« neu- Ger man Etupist" gleichfalls ak; Penguin-Special erschienen »st. In diesem Buch werden die Methoden der deutscht« Expansion und die vorbereitende Arbeit Deutschlands in den verschiedenen zur Unterwerfung ausersehenen Nachbarstaaten und anderen Expansiotisscbteten eingehend geschildert. Zuu tO. Geburt::tage von Marcus Ehrenpreis ist seine iitO* schüre „DL; Krise de.-; Judentums" deutsch erschienen. Wicklung des Altertums einflössen und kann damit auch vielen Juden, die sonst <iM«Y/r Quellen haben, die Liebe zum Judentum und das Verständnis jüdischer Entwicklung fördern. Das Überdauern Israels, so sagt der Autor, ist das überraschendste Zeugnis für die Bedeutung des ps.NvhiSC4.en Faktors in der Geschichte. Es Ist der grossartige Beweis. d&&* der Glaube Herr werden kann über alles äussere Geschehen, und durch neue Sinngebung neue Tatsachen schaffen kann. Ein Buch, das mehr in die moderne jüdische Problematik einführt, stammt von Peter Marlow (The Shortest Way with the Jews, London, George Allen & Un\yin Ltd , *> sh.K aufgestört durch die moderne Form des Antisemitismus und die Unordnung, die er in das staatliche, gesellschaftliche und geistige Leben bringt. Er ist ein Gegner des Antisemitismus und möchte die Juden vor dessen Folgen bewahren, Insofern muss man die gute Gesinnung des Buches anerkennen. Auf der anderen Seite i . der Kenner der Judenfrage etwas befremdet darüber, dass ein solches Buch mehr nach —.sehr sympathischen — Gcfühlsmomenten hingeworfen als mit ge-1 nauer Kenntnis der Dinge unterbaut wird. Leider ist die Judenfrage komplizierter als sie dem Verfasser dieses Buchas erscheint. Daher ist auch sein Lösungsvorschlag aiizu primitiv. Er lässt sich in einer kurzen Formel dahin zusammenfassen: Der best« Weg, die Judenfrage xu beseitigen ist der, di« Juden i zu beseitigen. Daher empfiehlt er ~- unter Ablehnung d«c Zionismus — schleunigste und vollständige Assimilation det Juden in ihren jetzigen Wohn lande rr.. Damit, so mein», er, wäre dem Antbemittsmus jeder Boden entzogen. Wie abe» ist dies zu erreichen? Man mu*s die Juden mehrere Generationen in Ruhelassen. Daher plädiert Marlow mit Ester und Leidenschaft für Toleranz. Wer denk», da nicht an Herzl» Worte: .AVenn man uns in Ruhe Ucsse... Aber ich glaube, man wird uns nicht in Ruhe lassen". In dieser sktpu: vhen Bemerkung steckt eine tiefe Erkennirm. die mehr von der Judentrugödie enthält, als Hark>w trotz semer guten Ge.\Innung das» gerade in einigen derjenigen Länder, wo die A*slmih:uon am radikalsten war. wie Italien und Ungarn «über .lach , Deutschland», der Antisemitismus am stärksten hervorgebrochen ist und sogar sei*, mehreren Generationen getauft« und völlig assimilierte Jud*n wieder in das ihnen fremd gewordene Judentum hineinpresst, eine groteske Tragödie unserer Zeit. Auf der anderen Seite ist offenbar der latent« JSelbs'.erhallungs- und Lebenstrieb des jüdischer» Volhc ein« •jKmtlve Kraft Aber man kann einem solchen Buch secen« über* üas'zugleich eil? Appell ist, gar nicht Im einzelnen argu» mentieren. Trots allen Meinungsverschiedenheiten biv:öt zu sagen, dass eine Fülle von treffenden Bemerkungen und guten Beobachtungen darin stecken.