Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 18 (14.7.1939)
- Date
- 1939-07-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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IfeHe? JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Nr. 18, 14. VtL 1K» bei näherer Prüfung als. falsch. Auf die Dauer würden* die Nh« hteifr solcher Handlungsweise di« momentanen Vorteile weit übc*treff«n. DIE STERBENDE DANZICER GEMEINDE Der .Totanalist ,H»j!if" ElndniHcc Stadt, die jetzt im ei zahlt u. «.: Dir Ff. Vital veröffentlicht Im Warst haucr von einem Besuch in D a n z. i g, der Mittelpunkt des WeltinleresseH steht, Kr Zerstörung der bis vor wenigen Jahren I)n#t eigentliche /Irl—rnglsnd zur Umkehr auf dem Jetzt eingeschlagenen Weg «ii «Hinnen — kann dwreh Terror de* «fWhtiw Illental* erreicht werden. Enghml ist vor dem arabischen Terror aurüt kgf wichen, m hoher Blüte gestandenen jüdischen Gemeinde des Frei gewiss: aber ntrhl dem Mufti und «einen Hunden zuliebe „tantes ixinzig geht in einem weit »eh helleren Tempo Sondern um in den umliegenden arabischen Staat«» j vor „icM Rjfl Zerstörung der jüdischen KU mein Schaft in «ine Fropagandnquelle ru verstopfen, die in der jetzigen . neulft.-Mand. Im zweiten Jahr nach der Verfolgung sind von Internationalen Keine gefährliche Dimensionen aiminehfru|1(T j j (m ,h,(](.u!w>um 2000 übriggeblieben. Vor einem Jahre wen schien. Hierin liegt die Erklärung dafür, da»* Engj Htellte der Denker Senat nn die Jüdische Gemeinde die Innd diese Konzession an dtc Araber in ein« m Gleitpunkt j Porcfr-rungr. da** binnen einem Jahre »He Juden auswandern gemacht hat. als die Hunden in Palastina zum grössten Teil schon vernichtet waren und das palästinensische Aruberturn schon vor seiner politischen Niederlage zu stehen Milien. Jüdischer Terror in Palästina wurde England so wenig zum Aufgeben «einer Politik zwingen, wie es arabischer Terror getan haile, wenn nicht ring« um Palästina eine arabische Staatenwelt bestünde, die man durch die üüraersien Konzessionen zu befriedigen suchte. Ks steht hier nicht zur Debatte, ob die. englisch'; Oietitpolilik gut oder sehlecht ist. Wir sind überzeugt, da«* England die Balfour-Deklaration und das Mandat loyal durchführen und dennoch die Freundschaft der nrt.bischcn Staaten für sich gewinnen und bewahren, könnt«. Aber England Ist hier, wie in so vielen anderen Fällen, den Weg de« geringsten Widerstandes gegangen und hat um eines leichten Erfolge* willen die zionistisch* Sache zu opfern verbucht. Die.«c Opferung wird nicht gelingen, aber wir müssen England« Motive begreifen, um einsehen zu können, dass die Terrormethode in unserem Falle nicht im geringsten jentv praktischen Resultate tirz-le.lv» kann, die »ich vielleicht dieser oder jener davon erhofft. 4t) Wir betrachten uns nach wie vor als die Verbündeten Englands irn Vorderen Orient, auch wenn die Kurzsichtigkeit oder der Hochmut englischer Beamter den Werl dieses Bündnisse» noch nicht, versteht. Nicht diese Beamten »ollen um unsere Politik vorschreiben. Wir haben uns entschieden, unsere Palästina-Politik so zu führen, dass da« jüdische Palästina eines Tages einen geachteten und würdigen Platz im Rahmen des Brititischen Empire einnehmen kann. Vir wolfoii die Erhaltung dle*e« Empire, «Im »Ich in LebenwRefahr befindet. - und wir können daher auch nicht vorübergehend und auch nicht im kleinsten Masslabe bei unserer politischen Auseinandersetzung mit der englischen Regierung Methoden anwenden, die rdt dieser unserer grundsätzlichen Haltung gegenüber dem Empire unvereinbar sind. 4) Gewaltanwendung hat Im politischen Kampf nur dann einen praktischen Sinn, wenn sie nach kunser Zeit nur Erreichung eines bestimmten Zieles fuhren kann. Ein solches deutlich erkennbare« Ziel, das wir durch Gewalt erreichen konnten, gibt es zur Zeit nicht. Wir sahen schon, das« die Terror-Methode nicht geeignet ist, Englands Palästina-Politik xu verandern, weil die Analogie mit dem Falle der Araber nicht zutrifft. Es gibt kein« jüdischen Staaten um Palastina. denen man in einer Notlage rasch eine Konzession machen wili. Aber auch innerhalb Palitatina* selbst hat die Gewaltanwendung kein eigentlich tireiftnu'tin Ziel vor Mth. Niemand glaubt, das* wir au! diesem Wege die Reglerungsgewalt im Lnnde ergreifen oder auch nur den bestehenden Regierungenpparat ernstlich lahmlegen konnten. Dazu kommt aber noch eine andere praktische Erwägung, die für uns von ausschlaggebender Bedeutung sein sollte. Jede Störung der öffentlichen Ordnung, des Verkehrs, der Sicherheit in Palästina bedroht in erster Linie das jüdische Palästina. Wenn es zutrifft, daas gewisse Bombenattentate und Morde, die in den letzten Wochen gemeldet wurden, von Ju<Um verübt worden sind, so ist festzustellen, das* dadurch Wertvolles jüdisches Leben und Eigentum bedroht und vernichtet worden ist. Die Araber handelten ohne Rücksicht j auf ethische Gesichtspunkte und gänzlich ohne Rücksicht j auf wirtschaftliche Folgen. Ihre grösstenteils vom Ausl.uul ausgerüsteten und bezahlten Banden waren völlig uninteressiert an dem von ihnen ungerichteten wirtschaftlichen Schaden, Es ist ja bekannt, das» sie mehr arabisches als jüdisches Leben und Eigentum vernichtet haben, aber die arabische Wirtschaft ist auch weniger entwickelt und weniger empfindlich al» d-io jüdische. Die jüdische Wirtschaft leidet schwer unter jeder Störung von Sicherheit und Verkehr, Unser Stolz war es: In den drei Jahren der Unruhen unsere Position behauptet, ja sogar ausgebaut zu haben. Sollen wir sie jetzt selbst mutwillig zerstören? Sollen wir zusehen, wie Unreife und Unvernunft unter der Maske des Patriotismus unsere Wirtschaft und polltische Zukunft ruiniert? Es sind jüdische Polizisten verwundet, ja sogar ermordet worden, die elektrischen Anlagen und das Postamt der rein jüdischen Stadt Tel-Aviv wurden beschädigt; Terror in Jerusalem gab den Militärbehörden Veranlassung, jüdische Kino«. Kaffees und Restaurants zu schliefen, und die Vorgänge in Tel-Aviv und Haifa führten dazu, dass dort tagelang der ganse. Verkehr lahmgelegt wurde. Was hat man erreicht? Kann ein denkender Mensch glauben, durch solche Schädigung des jüdischen Pakistina üngUnd von «einer jetzigen Politik abbringen zu können? Nein, dieser jüdische Terror richtet sich in erster Linie gegen uns selbst. Es ist hoho Zeit, dass die gesamte jüdische Öffentlichkeit dies erkennt und das» sie unter entschlossener Führung diesem Zustande ein Ende macht. Wir sehen jetzt erfreulicherweise Anzeichen dafür, dass nach einer kurzen Zeit der Unsicherheit die Führer des Jischuw die richtige Stellungnahme gefunden und ihr Wort in die Wagschäle geworfen haben. Es muss aber gelingen, den g a tr. t c n J i s c h ü w zu einer einheitlichen und unzweideutigen Stellung zu bringen. Die Führer des Jischuw müssen jetzt Mut beweisen, bürgerlichen Mut, jenen Mut, den ein grosser Staatsmann der Vergangenheit als „Zivilcourage' bezeichnet hat. jic Forderung wurde zu 90% erfüllt. Nach Wegnahme und Zerstörung der grossen Synagoge und Nied «rbrennung der kleineren Synagogen verblieb den Danzlger Juden ein Sportsaal, der jetrt notdürftig als Andacht'stntte eingerichtet wurde. Die verbliebenen 2ÖCM Juden stehen alle unter der Aufsicht der Gestapo, die darüber wacht, lIckh die Abwanderung so schnell wie möglich vor ulrh;;eht. Vb*r 65 Jahre alte Juden dürfen etwas Jünger bleiben, aber auch sie müssen an Abwanderung denifen, da laut Anordnung des Senats der jüdische Friedhof Danzlgs nicht länger als noch 10 Jahre existieren darf; Npfitcr wird ein jüdisches Begräbnis In Danzig nicht mehr möglich sein. Von den jetzt noch in Dnnzig lebenden 2000 luden lehon 1000 von Unterstützungen; die restlichen Juden leben von dem Ei los aus dem Verkauf ihrer Wohnungseinrichtung. Nur etwa 1*0 ..Glückliche', die Im Export von Hob. Höring. Getreide n.~w, tätig sind, haben noch hiebt den Befehl zur Auswanderung erhalten, da die Danziger Wirtschaft sie jeut noch nicht entbehren kann Der Danzlger Rabbiner Dr. Weise hielt am letzten Samstag seine letzte Predigt vor seiner Auswanderung. Am 2, Juli eröffnete die Dnnzlger Jüdische Gemeinde eine Mfttelstandsküehe, in der die erwerbslos gewordenen Mittclstandsnngehörigen unentgeltlich verköstigt werden. Die Archiv*» der D a n z i g e r Jüdischen Gemeinde und der übrigen judischen Gemeinden des Freistaates, die bereits untergegangen oder Im Untergehen begriffen sind, wurden nach Warschau überführt und der judaistiseiien Bibliothek einverleibt. Prof. M«ir Balaban befasst sieh jetzt mit der Registrierung des hiitdrisch wertvollen Materials. Das bei der Warschauer Jüdischen Gemeinde bestehend« Berson-MuMum erhielt zahlreiche künstlerf.'ch und historisch wertvoll« religiöse Utensilien aus verschiedenen liquidierten Gemeinden Danzig» und Pommerelleni. m ben der negntiven Aufgabe des Augenblicks: das Weissbtich zurückzuweisen -- und neben der positiven Aufgabe des Augenblicks: unsere Stellung zu behaupten und auszubauen — für die Führung des Jischuw und der sfontetiachen Bewegung noch eine dritte Aufgabe besteht: die Lösimg der Palästina-Frage In einem uns günstigen Sinne vorzubereiten. Wie wird diese Lösung aussehen? Die Majorität der Bewegung hat neit Jahren nicht wahr haben wollen, dass politische Zielsetzung für die Bewegung selbst und für unsere auswärtige Politik notwendig Ist. Sie war immer notwendig, aber bisher galt noch die Balfour-Deklaration und das Mandat. Diese Dokumente konnten zeitweise die Zielsetzung nach aussen als überflüssig erscheinen lassen. Jetzt tber hat England sich von diesen Dokumenten losgesagt, wenn nicht de jure, so doch de facto. In dieser neuen Situation mttaaen wir ganz gewls« nach Innen und naeh auaaen Klarheit darüber srhaffen, was wir wollen und wofür wir kämpfen. Wie sl«llen wir uns die Lösung der Palästinafrage nach allen Erfahrungen dieser Jahre vor? Was ist unser Ziel und wie wollen wir es erreichen? Manche Kreise des Jischuw sind jetzt wieder auf der Suche nach der Zauberformel, die uns die „Verständigung mit den Arabern" ermöglichen soll. Dies wäre gewiss die erwünschteste Lösung des Problems, nur vermag niemand zu sagen, auf welcher Basis die Verständigung erfolgen soll. Unsere taktische Situation gegenüber den Arabern ist heute, nach dem Weis?buch, weit u n g ü n s t i g e r al» früher. Der Paritätsgedanke, tan sich ein frommer Selbstbetrug und keine Losung), war für die Araber auch in der Vergangenheit nicht attraktiv. Jetit, nachdem England ihnen eine Zweidrittelmajorität versprochen hat, kann er sie gewiss nicht locken. Diese Verständigung konnte und kann erst dann erfolgen, wenn wir in Palästina »o stark geworden sind, dass die Araber sich mit der Tatsache eines jüdischen Palästina abfinden müssen. Wir hofften, unter dem Schutze der Mandatarmacht so stark werden zu können. Diese Politik war nicht kurzsichtig und verfehlt, wie heute wieder behauptet wird; es war die einzige, die wir nach der Balfour-Deklaratiun treiben konnten und auch nicht ganz ohne Erfolg betrieben haben. Denn schliesslich ist unsere Position in Palistina das Resultat einer „praktischen" Arbeit, die 16 Jahre lang unter dem Schutz Englands vor sich ging, auf den wir auch in Zukunft angewiesen konzentrieren und vorkehren, das,* d'eses jüdische Palästina «in Maximum an wirtschaftlicher und politischer Energie* darstellt. Eine halbe Million Juden in Palästina kann trota des Weis&buchts ein« sehr grosse Kraft sein, wenn diese Juden eme geschlossene politische Einheit unter fester Führung bilden und wenn «1ihr« wirtschaftliche Position so stark machen, dass jeder Angriff von aussen an ihr zerbricht Wie aber kommen wir aus dieser Situation wieder zu einer Erweiterung de« politischen Rahmens, des Spielraums unserer Aktivität? Ich sehe nur e i n e n Weg und das ist Errichtung eine« JudensUate« auf einem Teilgebiet Wefttpalifttlna*. Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, d.iss heut«' 900.000 Araber in Palästina leben, die dort ihren Plata haben und beanspruchen können. Wir müssen daher versuchen, auf dem uns zunächst erreichbaren Gebiet Palästinas ao rasch wie möglich zur Selbständigkeit stu ge> ku'.gen. Nur dadurch wird es uns möglich sein, aus der Sackgasse herauszukommen und dem jüdischen Palästina jenen wirtschaftlichen und politischen Auftrieb zu geben, der in verhältnismässig kurzer Zeit zu einer bedeutenden Verstärkung unserer Position in wirtschaftlicher und militärischer Beziehung führen kann. Der Judenstaat von 2 Millionen Einwohnern auf einem Teilgebiet West-Palästinas sollte daa nächste Ziel der zionistischen Politik sein. Ist dies erreicht, so ist eine Kraftquelle geschaffen, die imstande igt, alle jene Möglichkeiten der Kolonisation auszunutzen, die ia Weet-PaiS- »tina wie in Trunajordanien noch bestehen. Das ist unser Weg, das muss die Richtlinie unserer Leitung wein. Aber diesmal wird keine Peel-Komnüssina kommen, um uns, zusammen mit einer Teilung des Landes, auch einen Judenstaat vorzuschlagen. Wir selbst werden diesmal die Stunde tu wählen haben, in der daa Land westlich des Jordans geteilt und ein Judensraat errichtet wird. Das ist die Stunde, auf die sich der Jischuw vorbereiten muss. Für diese Stunde soll sich unäere Jugend üben. Ein schwieriges, vielleicht ein gefährliches Unternehsein werden Nicht nur der heutige; mcn aber weit eher mög^h, als die „Verständigung mit Illusionen - es gibt auch auf der j dm Arabern« oder <Uc Beseitigung des Weissbuche« Rcvisionlsmim lebt von „Linken" Illusionen. Hier scheiden sich wieder einmal die' T," /'t^'.•„ t-.;^ X7^^^..^-„4...^' _ , _ . . Wege, und wenn ich Martin Bubers Ausführungen (s. jduixh Tc?",r' . JJ? Voraussetzungen sind gegeben und den Artikel „Pseudo-Simsonismus" in Nr. is der „JWR"> über i we"n Wlr die ™htige Stunde wählen, so kann das Unteren Tcrrorfsmua durchaus zustimme, so kann ich seine Aufi nehmen gelingen — uns zur Ehre und unter dem Beifassung über die Möglichkeit der jüdisch-arabischen Verstän-) lall unserer Freunde in der ganzen Welt. Das ist dt« digung heute so wenig teilen, wie in früheren Jahren. Wir; „Tat", die man verstehen und würdigen wird, hätten die Araber „an unserer Arbeit und ihren Früchten j Aber diese« Unternehmen wlr^ nur gelingcu, wenn der einstlich beteiligen" sollen? Ach, sie haben von diesen Friichjji8chuw stark und einig :»t Diese Einigung herbeizuführen, das Verständnis für das politische III. PLAN UNO AKTION Die Stunde wird noch kommen, in der unsere Jugend #u zeigen haben wird, dass sie wirklichen Mut besitzt. Ea ist wohl noch zu früh, von dieser Stunde zu sprechen, aber man soll sich darüber klar «ein, das« ten reichlich genossen und das hat uns garnichts geholfen, es hat ihre politischen Ansprüche nur gesteigert. Und wer kann glauben, dass die ..Verständigung", die aus guten Gründen, früher nicht möglich war, heute gelingen wird! Wir müssen ietzt den Versuch unternehmen, frei von Illusionen jeder Art, in einer höchst schwierigen aussenpoüti?vchen Situation unsere Zielsetzung und Taktik so zu formulieren, wie sie unserem zionistischen Wollen und den politischen Möglichkeiten entspricht Dabei müssen wir manche unsicheren Faktoren in Rechnung stellen, aber wir suchen einen Weg nicht Zauberformeln. Das Endziel des Zionismus braucht nicht aufs neue formuliert zu werden Wir wollen ein Palästina, In dem das wirtschaftlich mögliche Maximum jüdischer Siedler so schnell wie möglich zur Ansled'ung und zur politischen Selbstbestimmung gelangt. Wir schätzen, dass in West-Palästin* in absehbarer Zeit noch bis zu Ii Millionen Juden angesiedelt werden können. Weiche Möglichkeiten dabei im Negew bestehen können wir heute noch nuht ubersehen Wir haben niemals auf die Ausiediung in Transjordanien verzichtet, wo sicherlich 2 3 Millionen Menschen leben können, und sind enUehlos.se», unsere Kolonisation dorthin aus aubreiten, sobald unsere Kräfte und die politischen Umstände j dies gestatten. Aber dieses Programm muas schritt weis« verwirklicht werden und die Methoden der Verwirklichung müssen sich den politischen Zeitumständen anpassen Nach Erteilung der Balfour-Deklaration und Bestätigung des Mandats war ein politischer Rahmen gegeben, d*n wir nunmehr in schnellerem Tempo und mit grösseren Mitteln als früher ausfüllen konnten. Leider wurde dieser politische Rahmen im Laufe der Jahre eager und enger. Der praktischen Arbeit gelang ei nicht, ihn so rasch auszufüllen, dass seine Verengung dadurch verhindert wurde, ja die Bedeatuntf dieses politischen Rahmens selbst wurde bei uns unterschätzt, weil alles Denken und alle Anstrengung nur der praktischen Arbeit galt Nun ist der politische Rahmen so eingeengt worden, dass er schon auf da» bereits vorhandene, jüdische Palästina zu drucken beginnt. Was können wir in dieser Luge tun? Zunächst und vor allem: innerhalb des H'hon existierenden jüdischen Palästina unsere Kräfte so Piogramm zu wecken, das hier vertreten wird, das ist die Aufgabe unserer Führung. Lafst ab von dem zwecklosen Gerede über den „aktiven Widerstand"! Geht über zur Arbeit des Tages! Wir haben Jtoch höchstens wenige Jahre vor uns, die wir auks aussetzte nützen müssen, um unseren Besitzstand i'u vergrössem, die Grenzen unsere« künftigen Staates) zu erweitern, unsere Zahl und Kraft zu vermehren. Nützen wir diese Zeit! Es gibt noch grosse Möglichkeiten selbst unter dem Weissbuch und trotz des Weissbuche« für Landkauf, Immigration, Kapital-Investition — kurz, zur Stärkung und Vermehrung des Jischuw. Nützen wir diese Möglichkeiten bis zum Äussersten? Verharren wir gegenüber England in Ruhe und Würde. Erklären wir unseren feierlichen Protest gegen Englands das Mandat verletzende Absicht und machen wir diese Absicht mit Hilfe aller unserer Freund« durch unser Werk zuschanden. Das ist die Aufgabe der nächsten Stunde, der nächsten Tage und Monate. Aber das ist nicht genug. Wir haben laut und deutlich unser Programm aufs neue zu verkünden Wir haben zugleich unsere Taktik urtd P o l i t i k für die nächsten Jahre zu bestimme«, die Schritte zu berechnen, die wir machen können, den Zeitpunkt zu begreifen, in dem wir uns von der jetzigen Stufe der Entwicklung auf die nächsthöhere zu schwingen vermögen! Dafür muss das Volk und die Öffentlichkeit erzogen und geschult werden, und darum sprechen wir es schon heute aus, dass nach unserem Willen in wenigen Jahren in Palästina ein Judenstaat errichtet werden soll auf dem Gebiete West- Palästinas, das wir durch unsere Arbeit und durch unsere Verteidigung zunächst zu fasset! und zu halten vermögen. So sollte unsere Zielsetzung und so sollte unser poli* üsehes Programm für die näclisten Jahre lauten.