Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 18 (14.7.1939)
- Date
- 1939-07-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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rAMSIM AUSGABE JUDISCHE 0*d*)cHon. V«rl*f «nd Aa*«!ff«n-VeMr*ltant: Jisrus»!*» JOB «et; }\<n .T.-inifU-Mfr, ToIrpLon ü'iT i. »..- CtetchtfftnteU« fBr Europa (mir «iJ)Mlltli>ii um] A Ii c n ii t w? it | j A n ti Ii!,;,i * für K i» r <» p * nM »Bi'Tlk»): 10. r:i» <hi C™i»sfiM. P»«l H-, »i^^hkf^tt*!!.-; iJikvrh i«r»»t »tr. 'IVI-'i'i>"n Sl<»-'. •- RecUktlo&McWoM: r.S.ü M»nU« 5 flir nachm. Für um < -rinnet«- Muri i*Vri|<t<> wir<l k-lrt* K»'ri»ru.tf iihcrnon.t.K-r,. .lr.<|..r Fin«i>n«J»ir»s Mcr Afifr»c<- (<*• ein ln!<Hnt\tl<i •f»l,.r Arttwort«.-J»'in beUufugm. Z.mHtrKOT. t. <J. H«xUktl.m xtenit-n ntcht <a Lir(tt'lp. r*onv-n, »undt-rn *n <Sir< ({otUktii», JerusaK'iu I' OH. «H'J rrbfipn. PfimviTf ■■i * & » &s - -i * u* <K A* XiS MrgM| 1 Nr. U —!>lnf*lii«mm#r ^J' RUNDSCHAU 4i:nr$ALfi M rs-n ra Revur du Monde juif / llcltdommluire paius, ii. 'JnTlo!5o Kr*?h#Ait «laaal w»«-fc«ntlii-l». . AMJ«lg#ita»nt|»m# fttr •!!# t.»n<t<*t: ^«.hiiy^lM-h JtriiMltm r, O. 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In der Tat fanden in Palästina eindrucksvolle öffentliche Kundgebungen des Protestes statt und die Exekutive der Jewish Agency veröffentlichte eine Erklärung, die den Wortbruch der Regierung heftig kritisierte und den Willen des jüdischen Volkes zum Ausdruck brachte, die Einwanderung nach Palästina und das Wachsen des Nationalen Heims unter keinen Umständen zum Stillstand kommen zu lassen. (' Seitdem aber ist nichts von dem geschehen, was nach den Ankündigungen der Presse erwartet, wurde. Worauf beruht das? Ist es Schwäche und Feigheit? Oder ist es kluge Politik? Es ist nichts von alledem — es ist das unvermeidliche Resultat der Umstände, unter » «denen wir in Palästina leben: ' „Die Macht der VerhiiltnW Int es, die den eifrig d fuchtelnden Am 4m Agitator» tat» Wattier ftchttge» wmä 4m Ruf rar „Tai'* eehofo» verhallen läsftt. Was kann und was soll man denn tun? Man kann und soll unsere prinzipielle Gegnerscha f t gegen die Politik des Weissbuches erklären und immer wieder in JReden. Proklamationen und Resolutionen zum Ausdruck bringen. Das soll geschehen, Ist geschehen und — zweifeln wir nicht daran! — wird weiter geschehen.;; Man kann ferner den amtlichen und gesellschaftlichen Verkehr zwischen den jüdischen Institutionen und der palästinensischen Regierung zum Zeichen unseres Protestes noch mehr einschränken und noch kühler gestalten als dies in den letzten Jahren sowieso tahon der Fall war. Wir werden also an offiziellen Festlichkeiten nicht teilnehmen und die Jewish Agency wird auf den ehrenvollen Platr?>Ir. 21, den sie in der Rangliste der Regierung bei Empfängen einnimmt, gänzlich verzichten. f Was kann und soll man sonst tun, um neben unserem Protest auch unseren Widerstund gegen die neue Politik zum Ausdruck zu bringen — jenen k t i v e n Wider- 11 a n d", von dem in gewissen Erklärungen und Pressemeldungen soviel die Rede war? *r „Aktiver Widerstand" —? Man kann nichts von alledem tun, woran nicht nur unverantwortliche, sondern auch sehr verantwortliche Personen und Körperschafton des Jischuw offenbar zunächst dachten, als sie nach Erscheinen des vWeissbuches jene Debatten führten, die das jüdische Publikum in den Glauben versetzten, das Weissbuch werde durch weithin sichtbare und hörbare „Aktionen" \— ns>n-cooperation, Obstruktion, civil disobedience *) Steuerverweigerung und ähnliches beantwortet werden. Zunächst: Man kann keinen „aktiven Widerstand" gegen Massnahmen organisieren, die angedroht, aber deren Ausführung auf 5 oder 10 Jahre verschoben ist. Wir sind (so hoffe ich) alle entschlossen, uns nicht einen palästinensischen Staat aufzwingen zu lassen, in welchem eine arabische Majorität tatsächlich regiert. Aber dieser Staat ist nicht da und wird voraussichtlich nie 'sein — trotz Malcolm MacDonald und trotz aller Agenten im Near East. Solange er aber nicht vorhanden, sondern nur papierenes Projekt ist, kann man ihm nicht mit „aktivem Widerstand" begegnen. Mit einem Stück Papier kann «ian verschiedenes tun— aber man kann nicht mit ihm Krieg führen. Ferner: Steuern kann mar. nur verweigern, wenn man welche zu zahlen hat — und Paläxtina hat keine direkte Einkommensteuer. Der grosste Teil der Regierungseinnahmen stammt aus indirekten SU-uern und diese wieder aus Transaktionen, an deren Fortdauer die jüdische Bevölkerung stark interessiert ist. Weiter: Es ergab sich sehr rasch, dass jene aus anderen Ländern und Verhältnissen übernommenen Schlag• Worte wie „non-cooperation" usw. auf unser Land und unseren Fall nicht anwendbar sind. Was eine im eigenen Lande ansässige Millionenbevölkerung (z.B. -:: Bürgerlicher Ungehorsam, Indien) tun kann, um der Regierung Schwierigkeiten zu machen, eignet sich nicht für ein Volk, das mit Hilfe dieser Regierung erat in sein Land zu gelangen sucht. Man muss zwar im Interesse der jüdischen Einwanderung und Kolonisation gewisse positive Massnahmen ergreifen, die der proklamierten Regierungspolitik zuwiderlaufen, aber man kann nicht im eigentlichen Sinne ,,aktiven Widerstand" leisten gegen die von der Regierung erlassenen oder geplanten Verordnungen die unsere Einwanderung und den Landkauf einschränken sollen. Unser Widerstand — wenn er keine Phrase, sondern etwas Reales sein soll - - muss als Gegenpart etwas haben, was auf uns eindringt und dem wir „widerstehen" — dem wir uns entgegenstemmen, um es aufzuhalten oder zu zerbrechen. Einer eindringenden feindlichen Streitmacht kann man „widerstehen". Was dringt auf uns ein? Zu wenig Zertifikate! Soli man also die Zertifikate zurückweisen, die die Regierung uns geben will und so die kleine Einwanderung verhindern, wei! wir eine grössere haben wollen? Widerstand gegen Immigration? Das wäre „non-cooperation" —- es wäre noch nicht einmal fiaktiver Widerstand" — aber hat es einen Sinn? Es sei bemerkt, das« diere Frage nichts mit der i 11 cralenlmmigrationzu tun hat. Diese igt in erster Linie das Ergebnis der Notlage von tausenden jüdischer Flüchtlinge. Sie wäre vielleicht geringer an T'mang, wenn nie Regierung anstelle des Weissbuches das Mandat befolgen würde (vielleicht auch nicht). Seitdem die Regierung den Rechtsboden des Mandats verlassen hat, lehnen wir die Unterscheidung in „legile" und „illegale" Einwanderung ab. Für uns gibt es nur jüdische Einwanderung schlechthin, und wir versuchen, sie möglichst gross zu gestalten. Ob es dabei zu Konflikten und Zusammenstössen mit der Regierung kommen wird, hängt in erster Linie von dem Verhalten der Regierung selbst ab. Es scheint, dass die Regierung neuerdings diesen Konflikten auszuweichen sucht, weil in dieser Sache nicht nur das formale, sondern vor allem das moralische Recht auf unserer Seite ist. Die öffentliche Meinung, besonders auch in England, empfindet Unbehagen bei der Vorstellung, das» Juden gewaltsam an der Landung in Palästina gehindert werden. Aber diese Sache, so grosse Bedeutung sie in der Praxis hat, berührt nicht unsere grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Regierung. Was wir von dieser verlangen, ist „restitutio in integrum", Wiederherstellung der Rechtsbasis des Mandats und damit das wirtschaftlich mögliehe Maximum einer auch von der Regierung als legal anerkannten Einwanderung. . Besteht Aussicht, diese Forderung dadurch durchzusetzen, dass wir gegen die jetzige Immigrationspoütik der Regierung „aktiven Widerstand" leisten, al«o die un.'i' angebotenen Zertifikate zurückweisen oder durch andere Massnahmen die Einwanderung auf Grund dieser Zertifikate verhindern? Das ist völlig unglaubhaft. Diese Regierung hat ja kein Interesse an der jüdischen Einwanderung, sie benutzt ja sogar die nicht aufhaltbare sogenannte illegale Eiuwan Jerung, um die Quote der legalen möglichst zu reduzieren. Akzeptieren wir aber di" uns angebo^nen Zertifikate — was bedeutet dann „aktiver Widerstand" gegen die Immigrationspolitik der Regierung? Im Grunde nichts als eine jener undurchdachten Redensarten, mit denen man ein ungeduldiges und empörtes Publikum zu beruhigen sucht, in Wahrheit aber nur irre führt. Ähnlich steht es mit dem Kampf gegen die geplante! Bodenpolitik der Regierung, Wir werden Boden kaufen, wo wir können, so schnell wir können, soviel wir können. Sollte die Regierung uns dabei Schwierigkeiten machen, so werden wir versuchen, diese Seh wieligkeitcn zu umgehen, die Massnahmen der Regierung anzufechten und mit allen erdenklichen Mitteln dennoch Boden zu kaufen. Aber wie leistet man „aktiven Widerstand' gegen \ eine Verordnung, die den Bodenkauf in gewissen Beziri ken erschwert oder ganz verbieten will? Doch wohl! nicht dadurch, dass man die Verordnung sabotiert, in-1 dem man garnicht kauft? j Das wurde die Regierung sehr kalt Jessen, nur die j arabischen Verkäufer würden.darüber trauern. All Ui*s klingt ein wenig absurd, aber das ist die Folge davon, wenn mau gegen Absurditäten polemisiß' I rv%* fcOM ,7m Zum IM), Jahrestag der fraii/ö ,is4 In n Revolution Hie sterbende llamiger iirmeinde 30.000 FliiehtltiiK»kl»<ler nach I S V " NorrilNfh« und jtidUclie Kinder Kin Tagebuch: Prag. Mar* IM» Neue JwleaverordBiini; U!>-üi-,:h!i::;i tteratibte« jÜ«M*rlw* Vermögen im „Protektorat" Hegel — ein AntiM-mit '.* Berichte ans Palästina und anderen I.ändern Bucherselte der „•!. W. \**t usw. rvn muss. Im Falle der Immigration wir Im Falb.« des Kodenkaufs ergibt sieh, dass man durch die V;>rkündung des „aktiven Widerstands" keinen Aktionsplan, sondern nur Konfusion des Denkens zum Ausdruck gebracht hat. Wir können der Regierung auf dem von ihr selbst gewählten Kampfterrain nicht mit der scharfen Waffe eines „aktiven Widerstandes" begegnen, dfjr diwn Namen ernstlich verdient, weit man eine imaginät-e Konstitution, einen nicht vorhandenen Staat nidit durch Satn>- tage oder Gewaltakte bekämpfen kann, und weil solche Taten oder civil disobedience und non-eooperatinn den Umfang der von der Regierung als legal bezeichneten Immigration und des Landkaufs nicht zu ver grössern vermögen. II. ILLUSIONEN UNO UNTATEN Aber latent eine Indirekte Beelnflasgung der* ftcgierungßpmhik durch die Methöde des „fiktiven Widerstandes" möglich? Kann man nicht, ähnlich wie di* Araber es taten, die Regierung durch unaufhörliche Störung, Lahmlegung ihres Apparates, Verweigerung der Steuern und physische Gewalttaten zur Änderung ihrer Politik zwingen? Es ist kein Zweifel, dass dir- Erfolge, die die Araber mit dieser Methode bei dieser englischen. Regierung erzielt haben, eine solche Fragesti-llung nah« legen musr, Es ist einer der schwersten Vorwürfe, den wir gegen die englische Regierung zu erheben haben, dass sie einer jüdischen Bevölkerung, die während dreier Jahre der Unruhen die grösste Selbst beherrsch u ng geübt hat, eine solche Fragestellung geradezu aufgedrängt hat. Es ist beklagenswert, aber keineswegs verwunderlich, dass mindestens ein kleiner Teil des Jischuw angesichts des Weiaabuches und nach der Lektüre der Mac- Donald-Reden die Nerven verloren hat und hier und da die Erbitterung über den Verstand triumphiert. Es ist aber gerade in solchen Momenten die Auf* gäbe der politiachen F ü h r u n g, die irregeleiteten Empfindungen des Volkes wieder in die richtige Bahn zurückzulenken und vor aller Öffentlichkeit eine klar umrissen« 'olttik zu führen und zu vertreton, die vor der kritischen Vernunft bestehen kann. Unnere Politik in der jetzigen Lage mnm wenn wir nicht politischen . Selbstmord . begehen wollen —- dureh die folgenden Grundsätze bestimmt Hein. Unftfr historUehes Recht, iueh Palästina zunicKzUKimrett. ' würde «Jen als unzureichend erwuteen und von d«?r alvi- Jbierien M<-n-;chhtit nicht amsrk'innt werden, wtfrm wir nicht, zugleich durch ,den Charakter unserer Leistung in pjiijutina diesem hi%»oriM?h'--« K*ehr#Ui<«! «Ine« sachlichen Inhalt g«b«n. dtr unserem en 0~wbs<;n und dem Gewi«»on der zivüUk«rttm Menschheit K'-nhg« tut Wir kommer. nach Palästina ala Kotoruitator*« und als Träger nmuchlietu-r Gesittung. H'ir woth n dort nicht ein HHnberkwr errichten, »ondvrn elwn u^iemrn Htaat, an don wir aelb*t als Bürger die^a Stalte» die höchsten Anforderung«« itclltm. Der Staat im letzten Kwlea das, waa »eine Bürger aus ihm machen, und er wird *o sein, wie »iie Juden sind, duj Ihn errichten. Darum, um di*»e* künftigen Staate» willen, dem wir uru selbst bauen, dürfen wir uu* nicht in Wilde verwandeln, in trlbesmen oder in Buschmänner, die äua dem Hinterhalt morden Wir sind nach Päiaüüina gekommen, um warnte Seelen zu retten, nicht um «i'e zu zerstören. Wir nind mW:.him%m, una.. zu w*hr«n, wenn man um» angreift, zu kämpfen, wo es um un*tsr* nationale Freiheit geht, nicht aber friedlich« Araber oder engluehe Polizisten and Hoida'tn xu löten» «he nur ihre Pflicht erfüllen. H*lb*t wenn terroristische Einsenkte nach dem Beispiel der Araber zeitweU« eine« g^wUsen Kindruck auf die öffentliche Meinung in England und der Welt zu untren Gunsten machen könnten — aelbat dann müftjiten wir «otehen Terror verwerfen» weil er in unvereinbarem Gegenaaiz zu der wahren, Hecht-' fertigung un**rea Werkes vor der Menschheit und tu unserer eigenen »itttichen Forderung an de« künftigen Judcn^tÄat steht. Aber aogar da« „praktuche" Argument, r&jiilicb . das» man vielleicht im Augenblick 4% und dort durch Gewalt* «jtie einen gewUsen Eindruck machen kann, «rweist sich