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Jüdische Weltrundschau · 1939-07-07 · 17 (7.7.1939) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
17 (7.7.1939)
Date
1939-07-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Nr. 17, 7.V1L193P Ärzte in Australien \ Von unserem Ecrirhlt rslnUr r. Sydney, J2. .Tun!. Dirgünstige Grundein? tellung, mit der man in austndi «eben Kreisen die jüdische Einwanderung betrachtet, zeigt Meh nn dem neuen A r /, t c g o i; c t z , das im Staate New ßouth Walen kurz vor der Verabschiedung durch die gesetzgebenden Körper besteht. Aus allgemeinen Bcn-r^gr nnden und mit Rüeluicht auf die fatsaehc, das« als Folge der Krlrgsgeaclzgebung h> New South Wales deutsche und osfer relchlsche Studenten an der Sydneyer Universität nicht Modi «in studieren konnten, hat »bis Ministerium ein nnum Ärzte Roset« eingebracht. Nach diesem können jährlich 8 auslün dische Spezialisten registriert werden. Ausserdem erhalt «ine iinl) c nrcnztc Anzahl ausländischer Ärzte dir: Recht. in L n imI o r t o n zu Arbeiten, in denen gegenwärtig Arzte nicht vorhanden «Ind. Ferner erhält das Medieal Potml das Recht. ausländische Ärzte r.u registrieren, <lie nn winru nschatt liehen Instituten Lehr- und P'orfichungsauf trüge erhalten. Das Ministerium ist beeindruckt worden durch Anträge hoch qualifizierter jüdischer Ärzte aus Mitteleuropa. Mr. Match, ein früherer MiniHter, der in der Debatte wiederholt das Wort ergriff, aagt. in einer öffentlichen Ki kliu -ung u. a.: „Niemand, der weiss,' wni diene Monsehen durchgemacht aaben, kann verfehlen, ihnen .Sympathie entgegen zu bringen. Aber itb;;cFelien von der Sympathie besteht ein guter Grund, warum die ouahfizierten Männer unter ihnen willkommen geheimen werden r.olltcn, und xw»u* aas öffentlichem Intere' fie. 'Ich rage unu mvunden, tla.su je eher diese Ärzte angelassen werden, l«gß| hier ihren Beruf auszuüben, je eher werden diejenigen davon profitieren, die an Krankheiten leiden, deren Heilung gerade Spezialität einiger dieser Jmmigrantcn-Ärztc;;irul. Ich könnte die Namen von Refugee- Doktoren nennen, die jahrelang unter berühmten Spezialisten in Wien gearbeitet haben. Einige der Arzte, die «egonwärt ig gezwungen »ind, in den Strassen .Sydney:; .spazieren tu liehen, haben Behnndlungismetheiden erfunden, die anerkannt sind und jetzt überall in der Welt gebraucht und Angewandt werden. Einige waren Leiter von Krankenhäusern, wildere haben Kollegen unterrichtet, die von alln Teilen der Welt, auch aus Australien kamen; nie könnten, wenn sie wollten, Ihre .Schilder in der Macqunrle Street tdas Ist die Strn«.«*-, in der alle Spezialisten Sydneys ihre Praxis haben..... d. V.) nnsehlagcn, ohne auf die Registrierung zu warten. Man würde sie dann Quacksalber nennen, aber sie würden bekannt werden. Aber das ist nicht ihre Art Sie rund .so eng mit tlor Bot üfsethik verbunden wie ihre australischen Kollegen, und .sie lehnen einen Reginn der Tätigkeit vor der Registrierung ab." ■ Bis jetzt .sind in New South Waler, etwa 40 j ü d i s c h c Arzt p eingewandert, deren »Schicksal hoffesHiieh in Kurze efh'd Wcnthfnc: r.um Guten nehmen wird. '„Manchester Guardian'* berichtet;- das.s die a u sl r a 1 i - «f eh e. Regie, r u n g einen Sehritc getan hat, um die mehr als 100,000 Gesuche, von Flüchtlingen um Visen beschleunigt «u behandeln. Bishermussten alle Gesuche zwecks Entscheidung nach Canberra w< itergeleitet werden. Jetzt hat die australische R."ierung den stellvertretenden' Sekretär im Innenministerium Garrctt, nach London entsandt, um die Gesuche an Ort. und Stelle zu prüfen; die Entsehci!ung wird allerding!; in Canberra getroffen. Nach einer Mitteilung des australischen Innenministerium» sind w ü hrni d de r I et z t e n 12 M o n a t e .1H6.5 F 1 U cht« II n g p nach Australien 'zugelassen worden. Diese Ziffer bedeutet, da.s.s nur jeder Bewerber aufgenommen wurde. Viele der Eingewanderten hätten Kapital mitgebracht und Industrien begründet, die australischen Arbeitern Arbeit geben Die widerrechtliche Enteignung Französische!» («ericht entscheidet zugunsten 1 der Kniigianlen Das Tribunal de Commerce, de hi Seine tPariser Handelsbericht) hat .weben ein Urteil gefällt, das für jene Emigranten BU-i Deutschland, Österreich und der ehemaligen Tsctu" slovokei, deren. Geschäfte von den Naxis es c i g «et w u r d c n, von Bedeutung ist. Das Gericht hat nämlich entschieden, «lass die Guthaben und Forderungen, die solehe „nasisierten" oder ..arksierten" Firmen in Frankreich besitzen, den emigrierten früheren I tvh?. lern, und nicht den von den Nazi» einige »i c t » t c n Z w a n g ,'iv c r w a 11 e r n.;:uslehcn. Damit Ist für Frankreich «in Praysulonzfall gejsehi'.ffen worden, der es den Kro'.is mimlcNteiUi erschweren dürfte, auch den auslündi sehen Bei-itu txpropriie/ter Emigranten in ihre Hände zu bringen. Der Fall, in wiehern da.'; Pariser; Handeksgcricht tu < scheiden natte, lug folsendermassen: Die Firma „Uoha" Jfarta (SiulotenlamD hatte für eine Wüschelieferung eine französische Firina einen Betrag von ca. ÜO.pOO Francs au bekommen. Noch bevor die Zahlung fällig war, wurde das Sudeteiigeblet von Deutschland annektiert und der Inhaber <kv Fa. „Koha", Lovie, uuuste nus Harta flüehlen. Er gab sich nach London und reklamierte von dort au;- die ihm bei der französischen Finna zustehende Schuld. Inzwischen hatten die Nazis sich der Fa. „Rohr." eroä tigt und einen „Kommissar" namenr. Walter eingesetzt, der »einerseits die Außenstände bei der fransösi.vchcn Firma reliltanu-ru. Ais diese nicht darauf einging, drohte Walter mit Kluge und Gerichtsvollzieher vud mobilisierte die Handelskammer. Auch eine deutsehe Bank trat auf und erklärte «sieh als berechtigt, die Schuld einzukassieren, da ihr die i'orderuug von Walter radiert v.'ortitn stt. Die fr*iU£Ö,>U\-uc Firma gab jedoch nicht nach und licsn sich von den Gläubigern. uUinlich von der F;i. „Rohät** in Mr.vta ».md von ihrem rechtmässigen Kigentinner Lovie. vor dem Tribunal de Commerce in Pari, verklagen. In dein Prostesserklärte? ich. die französische F»::-.ki im vomhinein bereit, ihre Schuld an Lovie zu bezahlen, fallda;- Gericht diesen als Empfangsberechtigten anerkenne; «h volle Jedoch nieht für die Prozession?-- kosten aufkommen, tV cnicht ihre Aufgabe tei,;.uu findig ZU machen, an wen sie bezahlen iuib:;rc. Bei der Vet haiullung 3tr.nd der Anwalt der fr;:r.2c.:tsclK» Firma auf Seilen ücs Kliqrciv Lovic, tla es der Firma darum tu tun war, d;.:: Gehl "> die Hunde des wirklichen Besitzers gelangen zu Lissen.. Da'; Gerieht est schied nach kurzer V'eriiandlungsdaue.', Uuss die Schuldsumme Lovic zustehe. Die Klage Walters v/urd,^ kosiertpfliehtlgr abgewiesen, sodass dieser die gesamten Prozesskosten tu tragen hat. NUMERUS CLAUSUS IN DEN UNGARISCHEN MITTELSCHULEN Von untrerm Rrrirfilcrsfatlcr. R iid n p o s t, Knde Juni Einige Tngc vor Beginn der neum Einschreihungen erhielten die Direktoren der staatlichen Mittelschulen fGymnasien und Realschulen) vom Kultusminister die vertrauliehe Infunktion, in die zu eröffnenden ersten Klassen nur 6 Proz. .Juden aufzunehmen, d. h. je 3 unter die Normalzahl von 40 •Schülern. Nur für die von Juden dichtbevölkerte Provinz- M.-idt M I s ii o I r wurde der Prozentsatz auf 12r,; erhöht, in \i u d a p o t aber wurden 4 Gymnasien dazu auserwählt, ditns in ihnen f og, ,Ju<i( nkhr xt r," eingerichtet werden. In diese so gebildeten Judenkh»s*cn würden - so hört man - bloss Kinder jüdischer Konfimiion aufgenommen. Die Ausvvirkngen dieser Verfügungen dürfte kaum von entscheidender FJedeutung für die jüdische Schuljugend sein. Die in der Regierungspresse veröffentlichten statistischen Daten, wonach in der Hauptstadt 2«'; sämtlielu-r Mittelschüler faller Kategorien!» Judipn waren, und da»» von Juden jedes dritte Kind, ein Gymnasium besuchte, von Christen nur jedes 25., sind teils einseitig, teils überholt; seit Jahren nimmt der jüdische Schulbesuch schon wegen des rapiden Geb rtenrückgangs, standig ab, In den beiden jüdischen Gymnasien, In denen die Fester Jsr. Gemeinde eben zugunsten ihrer neu- .uerrichti nden Bürgerschule die ersten Parallelklassen sehliesien wollte, mussten allerdings zwei erste Klassen mit je 50 'Schülern eröffnet werden. Die autonomen christlich-konfessionellen, ebenso wie die Privatschulen haben, ihrer alten Tradition treu, jüdische Zöglinge in gewohnter Wei.sc aufgenom- Dieser Tage er.'.ehien an den Häuserfronten der Hauptstadt das von Bürgermeister Dr. L, Body unterfertigte Plak»tf das die jüdischen bzw. die ab; Juden zu betrachtenden Wähler, die sich für die Zukunft ihr Wahlrecht sichern wollen, uiffordert, bis Z\. Januar 15*40 .-jchriftiich oder mündlich um die J!f titt'iti'jtoif/ ihrer Wahiii< /< chtiijUMij anzusuchen. Dieselben haben dokumentarisch nachzuweisen, d.;.-.s sie und ihre Eltern, evtl. Großeltern, nicht nur in Ungarn vor 1«72 geboren sind, .sondern seither auch ständig im Lande wohnten. Was eine neuerliche Mobilisierung von hunderttausende!! schwer zu beschaffender Schriftstücke- und Zeugnisse bedeutet, Eugen v. Ilorthtt, ein Bruder des Reichsverwesers, hat in Verbindung mit dem jüngsten Derbysieg eines jüdischen Stallhe.sitzcrs Mendel, der mannigfachen Bemerkungen und Kritiken ausgesetzt war, einen Zeitungsartikel veröffentlicht, worin es u. a. helsst: ..Das Judengesetz ist beschlossen, wird ausgeführt tun!, wer sieh weiter mit demselben beschäftigen wolle, — so langweilig es auch sei —, möge es in der politischen Rubrik tun. Auf dem Turf ist dar? Pferd die ifauptsaehe, der Besitzer tritt in den Hintergrund. Wir beurteilen die Stalibcsitzer nur nach einem. Gesichtspunkt: ob" >ie anständige Mensehen sind oder nicht" das Mai*: Parlament , Das politische Leben hat mit der feierlichen Eröffnung ie s n c u c n A b g e o r d » e t c n h. a u s e ü üeinen Anfang genommen. Als erste Demonstration erschienen die 49 neuge '.viihlten Abgeordneten de raliv in ihren Parteiuuiformen und t'Iriinhemden; auch'der Altcr^prä.udent, der 83-jährige Pfeilkreuzler, St.Mao#«ri/-Kos.su beendete «eine Begrüssung:>rede mit dem „deutschen Gruss". Wie erinnerlich, wurde die erste Sitzung des jetzt aufgelösten Abgeordnetenhauses .seinerzeit von dem jiuiixchcn Aiterspiäsidenten Paul S a n d o r geleitet. Im jetzigen Regierungsprogrnmm ist von einer Judenfrage keine Rede mehr; nur der Kührer der Pfeiikreuzler fordert in «einem Blatte ,.das dritte Judengesetz." Ins jetzige Abgeordnetenhaus zieht bekanntlich nur ein einziger Jude. Dr. Ernst B r ö d y, mit dem Programm der freisinnigen Bürgerpartei ein; dem Oberhause gehören nebst dem „Vertreter der israelitischen Konfession". Ohcrrabbiner Dr. Immanuel Low, noch einige Juden: Eugen V i d a, Julius v. Goldberg er, 1. Lang und Josef V f x j! an, die denn auch In die verschiedenen Ausschüsse ■ählt wurden. Int wiederangegliederten Oberland und K a r r a t h o - ruKsien, deren gesetzliche Inkorporation die erste Aufgab« ihn neuen Parlaments bilden soll, wird seit Monaten eine Revision alier Gewerbescheine und Handelsllzenzen durchgeführt, damit - - wie Minister Jitros* sich uusdrückte. — „nur solche Personen in den Besitz dieser Gewerbsame gelangen, die in den letzten 20 Jahren nicht gegen den ' ngarischen Staat und die nationale Idee gesündigt haben." Auf Grund von Vorschlägen lokaler Ausschüsse. die dem Geist der Zeit nur wenig Wi 'erstand leisten konnten, wurde bisher an 2.000 jüdischen Bewerbern dl« Erneuerung Ihrer Gewerbe verweigert. Der ungarische Rcglerungskommissar für das Pressew e s e n und Präsident der Pressekammer Dr. Vit^z Kolosvary- Borcsa hat an sämtliche Redaktionen die Aufforderung gerichtet, die Bestimmungen des J ud e. n g e £ e t z e s auf» strengste einzuhalten. Als letzte Frist zur Durchführung der die Presse betreffenden Bestimmungen des Gesetzes wurde der 1. September d, J. gesteht. Nach diesem Tage können Journalisten, die nicht Mitglieder der Pressekammer sind, nicht mehr ständige Mitarbeiter periodischer oder nichtperiodischer Presseerzeugnissc sein. G EN ICH ALVERSAMMLIJXOEN Ende Juni schliefen gewohnheitsmässig die jüdbehen Institutionen und Vereinigungen in Unga.-n Ihr Geschäftsjahr. Die Pest er Charta Kadischa hielt unter Vorsitz ihres greifen Präsidenten Hofrat M. Krämer und Generalsekretärs Dr. H. Enrirri ihre 150. Generalversammlung. Die Feier dieses seltenen Jubiläums wurde mit Rücksicht auf die beutigen Zeiten verschoben. •- Bei der Jahresversammlung der Ufiff. J*r. lAlrratttruenelUrhaft hielt der Rektor de» Rabbinerseminars, Prof. Michael Guf/m«»m, die Gedenkrtd« über seinen Vorgänger, Wiiheim Bachert dessen 2". Todestag sich dieses Jahr jährt. Der Vorsitzende, Bankdirektor Adolf Wevtheimer, teilte mit, dass es ihm gelungen sei. durch private Initiative und. durch Unterstützung der Ung. Akademie der Wissenschaften den IV. abschliessenden Band der il/onn« menda Hunn. Judtüca unter Dach und Fach zu bringen. Der monumentale Grnssoktavband von 580 Seiten wurd? von dem (nichtjüdischen) l'niv« rsitätsprofessor?r&nt KöVntx zusammengestellt und enthält an 300 Urkunden, Geschäftsakten, Schuld, und Löscheintragungen ins städtische Satzbuch und Nach lasse verzei eh n is der mittelalterlichen Judcnsicdluntf Presr.hurti vom H IG. Jahrhundert, deren Topographie «oici* hie» mit festgestellt wird. Zum .Mitpräsidenten de Gesellschaft wurde Grossrabbincr Dr. Simon tlcv-mi gewählt — Der XUuj. '"Jiidischr Mu:<e:omtre, ( in. dessen Vorsitz Adolf Werf-, hfimer zurückgelegt hatte, widmete seine Generalversammlung* oer Frage seiner Rekonstruktion und Reorganisation, unV der wichtigen Landcsinstitutiön des Jüdiseheu Museums neue Lebenskräfte zuzuführen. Auch die P r o -Pal ä s t i n a - V e r e i n i g u n g für Un-, gar-i legte dieser Tage ihren Jahresrechenschafisberlcht ßb. .........„ .....^. Nach den EiöJ'fnungsworten des greisen Universitätsprofessors rechtsradikalen Parteien korpo- Julius Donath leitete Dr. Kahan .Vis*«»-di* Vcrsammlungi-die^ mit interesse die Referate der verschiedenen Ausschüsse entgegennahm, von denen besonders der Keren Hajessod, dank der unermüdlichen und erfolgreichen hiesigen Tätigkeit dejs Jerusalemer Delegierten Dr. Siegfried K<tn»icit~ und seiner Gattin, Frau Dr. G. Gi(iu*. in den letzten zwei Monaten das Vierfache der vorjährigen Jahreseinnahmen aufzuweisen hatte. Im Anschlu&s daran schilderte der Vorsitzende de:* ZionLstl- eben Organisation, Dr. Julius Mihlax;uif Grund seiner jüngsten palästinensischen Erfahrungen.-—die er tugs darauf einem hier noch nie gesehenen grossem Publikum öffentlich vortrug.— die Tätigkeit und Bedeutung der beiden Nationalfonds sowie der Hebräischen Universität. Zum Schluss wurde an Stelle des in Palästina weilenden Dr. Franz Patai, Dr. Kernel Körösi, Extraordinarius für Physiologie, zura Vorsitzenden gewählt. Derselbe leitet auch die .Soziale Bewegung4* der Pester, Isr, Gemeinde und dürfte also voraussichtlich dies« beiden Lager einander näher bringen. A. F. DER INECEW FUR DIE JUDEN 7X1 DEN BÜCHERN VON* C. S. JARVIS In de:- Juni-Nummer der englischer? ZciUchrift „Nntiotutl Jvti if tritt. Major J n r v i s. der 14 Jahre Gouverneur im Sinaigebiet war, neuerlich dafür ein, dass Süd-Palästina <dcr ,„Negtw ) den Juden zur Kolonisation überlassen wird. Jarvis, der diese Forderung bereits mehrfach in täglichen Zeltungen ur.d Zeitschriften vertreten hat, behauptet, 'dass der Jsi?gew in der Römerzeit mehrere hunderttausend Bewohner hatte und heute praktisch so gut wie unbewohnt ist. Man sollte der jüdischen Initiative hier eine Chance eröffnen. Natürlich ist es kein reiches und und fruchtbarer: Land, sondern klimatisch und geographisch sehr ungünstig, abc-r c» hat trotz seiner HiUe ein gesünderes Klima ab die Senkungen von Tiberh;-: und Jericho, und angesichts der Landnot habe mau keine Wahl. Bei harter und opferwilliger' Arbeit könnten Menschen, die Heine andere Wahl haben, mit der Zeit aus diesem Land etwas machen. Für Juden wäre wegen der Nähe Palästinas und Eu i-opas diese1 Gebiet gewiss attraktiver als etwa Guayana. Aber mit Recht kann mr-» cltend lhr.ehtn, dass dieser Ausläuft r PaUtsiinnr. erst in dem Moment herangezogen werden sollte, wo tatsächlich in Palästina selbst kein Plats mehr ist. Major Jarvis hat übrigens eine Reihe von interessanten Büchern . übe? den Sinai und den Ncscw veröffentlicht, die den Verzug: haben, dass sie nicht trockene Beschreibungen sind, sondern in überaus 'u;bi»ti,uger' Wi'aäv' uic Kr»vbr>«ssc des Autor::- in der Wüste und während des Krieges schildern, in dem Buch, ,. T h r e c D c c v t » (Verlag John Murray. Lonau, da;' alle die eben erwähnten Vorzüge bedut wird auch r „arabische Aufstand" unttr LMrecnee dargestcUc, wobei rviu i-inip.c nufrchluwreiche Schilderungen ven der Haltung r Araber gibt Danach war der Kumpfwer; der arabischen Truppen sehr gering und Jarvis, der sieh dabei au* Lawrence Hüir-t, betont, Ac?- die Araber des Hedscba gnr keine .tion.Ucn; sondern nur lokale Interessen hatten. Sicwollten die türkische Oberherrschaft lo.:i sein, im übrigen aber waren völlig unz\\\ vrläfcsir- Nur durch fortwährende Gotdzai'«- lungen konnte man die Araber bei der Sumge lialten. Auf Grund seiner 18-jahrigen Kenntnis , der Araber beschreibt Jarvis den gewaltigen Unterschied zwisehe» den echten bcduini&chen Arabern der Halbinsel und den verweichlichten Einwohnern» des Fruehiiandts, \H"äöß<fcrs Syriens und Palästinas. Das letztere Gebiet könne gar nicht rechtmässig als .,arabisch'1 bezeichnet werden. Wenn der Araber des Hedschos — sc sehreibt Jarvin — überhaupt, eine Vorstellung von arabischei Selbständigkeit hatte, so dachte er sich das in der Weise, dass er die reichen Städte Damaskus, Jerusalem. Beiruth etc. beherrschen werde. Der syrische und palästinensische Araber der nach dem Kriege so viel vom arabischen Nationalismiii» redete, hat aber im Krieg praktisch überhaupt nichts für die arabische Unabhängigkeit gsrtan. Jarviü vertritt die Mei- '; nung, dass es ungt reclu sei zu behaupten. England hab« .seine Verpflichtungen gegenüber den Arabern nicht erfüllt. Gemessen an dem, was die Araber in der Kriegszeit für die Sache der Alliierten geleistet haben, erhielten sie einen ganz gewaltigen Lohn. Es ist überaus interessant, eine solche Dar- :iu liung gerüde in dem Buch eines unbeeinflussten englischen Sachkenners zu lesen, Im Cegensai:; zu der pro-arabischen Voreingenommenheit, die man häufig bei anderen Beamten des eagUsch-r.vcbischen Diensten findet. f DU» Dichterin Klne La.sk«r-Scliiit?r. wrztii -tvie<f«t in Jerusalem weilt, las in dem .stilvollen Saal der Schuvi.tn- Bibliothek aur; ihren Gedichten und .Prosadichtungen. Die ganze tiefe Schönheit ihrer Verse wird erst nacherlebbar. wenn die Dichterin selbst in ihrer unnachahmlichen Weise sie spricht. Spricht? Fast möchte man sagen singt. Wer schon öfters die Freude hatte, die Lasker-Schuler tun Vortragspulte zu erleben, der weiss, da?s sie nicht improvisiert. Sic hat einen ihr ganz eigenen .Ritus4 der Interpretation ihrer u-ruü«u Feüü "üMSüC^Sdct. drr von F??n~ är dir An und Weise erinnert, in der *im Sprechgesang) die jüdische Bibel vorgetragen wird. Und so ergibt sieh eine unlösbar* Einheit von Dichtung und Vortrag, d;; von der dankbaren, zahlreichen Gemeinde der Dichterin in Jerusalem mit B*£?i :;icrung «ufgcnommeir wurde — Es sei nicht unerwähnt sehiüsen, das»a di? Dichterin neben den ernst-biblischen Dichtungen ihrer hebräischen BaHr-dtn und orientalischen Ge rehichten auch Humorvollem aus ihrer Elberfelder Heimat v—- trug, das uns für eine kurze Sprnne Zeit die Schwtrt de« Augenblickö vergessen liess Auch dafür sei der Dicbt«rin von' Herssn gedankt, Selxiioui Hen-U^-eta. m Buchcrscite der „J,\V.R.M inu»t* diesmal ue^en li»uiiimatige! zurüekblHhea.

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