Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 15 (23.6.1939)
- Date
- 1939-06-23
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 10 JODrsCHF WKT^T-RtTNDSCWAÜ Nr. 15, 23.VtlM9 Um das böhmische Judeogeselz Helten wohl ist ein Gc;<etz ho schwierig und mit sohhrm SSwfttig y.ustandegekommen, wie das bevorstehende Judenpesctz für «He ehemalige Tschechoslovakei, das jetzige „Protektorat" Böhmen und Mähren. Seit Wochen wird darüber berichtet, dass dieses Gesetz in Vorbereitung ixt und der tschechisch« Mini'(erprÜMident General Elia« hat bereits mehrmals der öffentlichkeit gegenüber Erklärungen abgegeben, dass der Zweck dos Judengosetzen die Einschrankung des jüdischen "Einflusses .nein werde. Trotz diesen nach aussen Rerichteten Erklärungen scheint «ich im Innern» ein heftiger Konflikt abzuspielen. Der „Rcichaprotcktof" N e u r a t h ist mit den Entwürfen des tschechiaehen Kabinett« nicht zufrieden, und ein Entwurf nach dem anderen wird zurückgeschickt mit «lein Auftrag, da» Gehetz zu verschärfen. Deutschland wunKch! eine möglichst genaue A n g I'' i h u n g an die N il r »i b e r g e r G e .setz e. vor allem die Vernichtung der .luden in der Wirtschaft, schon darum, weil man da» jüdische Vermögen und die jüdischen Wirtschnftspotdtioiicn In deutsch* mische Hände überleiten will, Die Tschechen aber weigern «Ich offenbar, diesen deutschen Wünschen nachzugeben. Em ist nicht Hchwer, sich vorzustellen, welcher erbitterte Hast i m k i' ii e » tschechische n Volk gegen die deutschen Unterdrücker besteht, und wahrscheinlich werden selbst viele tschechische Antisemiten einen von cen Deutschen aufgezwungenen Antisemitismus ablehnen. Freilich IhI es nicht Mchwcr vorherzusehen, wer in dienern Kampf obsiegen wird. Wenn die tschechische Schein- ,Autonomie" nicht nach dem AV'un;»( ii des Nationalsozialismus funktioniert, so wird eben von Berlin aus diktiert werden. Vorläufig halten sich aber die ......Tschechen wacker. Fast jede Woche v/ird das Erscheinen des „Judengesctzes" in Aussicht gestellt, aber im letzten Moment, doch wieder •r.rschoben. Die tschechische „Autonomie" besteht, auch darin, dass der ..Reiehsprotektoi" Neurath vorschreibt, wer die Mitglieder der Kommission zur Vorbereitung eines bestimmten Gesetzentwurfes sein sollen. Inzwischen kommen eine ganze Reihe von Meldungen über die verschärfte Spannung in Böhmen und niemand weiss, was der nächste Tag bringen wird. Hand in Hand damit erfährt man manches über die Art und Weise, wie die Nazis auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslovakei mit j ü d I s c hen Heiligtümern umspringen. In mehr und mehr Orten wird das HezepL des deutschen 10. November angewandt, In manchen Nachrichten ist schwer zu durchschauen, ob tatsächlich irgend- . welche Tschechen sich dazu hergegeben haben, den Vandallsmus mitzumachen, oder ob einfach deutsche Befehle vorliegen. So wird z. B, gemeldet, dass in der tschechischen Stadt Parduh i t •/. der aus dem Jahre 1642 .stammende alte jüdische Friedhof in einen öffentlichen Park verwandelt wurde. Die Meldungen über Zwangsverkaufe von jüdischen Firmen halten auch :tn, dabei sind die Käufer meist reiehsdeutsche Arier. Verwandelte Jugend aus Deutschland DER WEG DER CHEWRATH NOAR / VON MANFRED STURMANN i Kin/ellieiten aus dem „Protektorat44 Aus Prag wird berichtet, dass die Verarmung unter der jüdischen Bevölkerung von Tag zu Tag wächst. Gegenwärtig sind etwa «000 Juden — unter ihnen 2500 Flüchtlinge aus dem Sudetengebiet und 1500 aus Deutschland-Österreich — auf die U n t e r s t ü t z u n g seitens jüdischer Fürsorgeorganisationen angewiesen. In den nächstes) Tagen sollen mehrere Ausspci.sungen eröffnet werden, um bedürftige Juden, die der Unterstützung durch die allgemeinen Wohlfahrtsorganisationen nicht teilhaftig sind, mit einer aus Supne:r Gemii.se und .J$tf}L bestehenden Mahlzeit täglich zu versorgen. In einem ..Tschechischer Antisemitismus." betitelten Artikel bemüht sich die f,Namdni Ibditiku" den Nachwels zu erbringen, dass der Antisemitisimns im Lande der Tschechen keine fremde Erscheinung sei, sondern eine nationale tschechische Bewegung. Das Blatt erinnert daran, das* Prag im Mittelalter der Schauplatz .schwerer Judenpogrome gewesen sei. In der neueren Zeit hätten Masaryk und später auch Benes den Antisemitismus unterdrückt. Heute jedoch .seien die Bremsen entfernt und der tschechische. Antisemitismus könne nun. mit deutscher Hilfe, ungehindert fortfahren, ..gute Arbeit zu tun" Won wem so ein Artikel inspiriert ist, ist leicht zu dureh- »ehHuen. — A. d. H.>. . I Aus Prag wird gemeldet; Während eines Trauergottes-J dienstes, der in Mährhich-Ostrau im Hause des jüdischen Einwohners Krieger für dessen vor kurzem in Palästina verstorbenen Sohn abgehalten wurde, drang die Gestapo in die Wohnung Kriegers ein und verhaftete sämtliche Anwesenden. Unter den Verhafteten befindet sich der Präsident der Jüdischen Gemeinde Mährisch-Ostrau. Direktor Eisner, und ändert) prominente Mitglieder der Gemeinde. Den Wahlen in das Präsidium der J ü d i sehen Gemeinde Brünn wohnte ein von der Gestapo entsandter Agent bei. Die Wahl Dr. Sonnenfelds zun» Präsidenten der Gemeinde, musste, um Gültigkeit zu erlangen, von der Gestapo bestätigt 'werden. DJo Prager Abteilung der Gestapo hat an die Feuerwehten im gesamten „Protektorat" einen Kunderlass gerichtet. Danach dürfen die Feuerwehren Brände, die in Synagogen oder Häusern, in denen Büros jüdischer Institutionen untergebracht sind, nicht löschen; sie Süthen sich darauf su beschränken, den Brand KU lokalisieren. Die Synagoge in M ä h r I s c h - Os l r a u ist in Brand gesteckt worden. Die Feuerwehr begnügte sich damit, die angrenzenden Gebäude vor Einern übergreifen der Flammen zu schützen. In Zahr eh an der Oder t Mähren i drangen SS-Leute avn späten Abend, ausgerüstet mit Petroleum-Kannen, in die Synagoge ein, begossen die Bänke und di«* Bundeslade mit Petroleum, besudelten und zerrissen die Thorarollen und warfeit .schliesslich, nachdem sie die Synagoge wieder verlassen hatten, eine brennende Fackel in den R.'ium. Das Gebäude stand sofort in hellen Klammen. Auch in Oderfurt, unweit Muhriseh-Ostrau, steckten SS-Leute die Synagoge in Brand. Aus Prag wird gemeldet: 1 »je Gestapo hat in B ö h m i s c Ii- Budweis das Gebäude der Judischen Gemeinde und die Synagoge versiegelt, sämtliche jüdischen Organisationen aufgelegt und ihre Lokale geschlossen und die Mitglieder der lokalen Bne Brith-Loge verhaftet und ins Gefängnis gesetzt. Den Juden wurde in Budweis die Benutzung des Sehwimmbade; verboten. Im Städtchen Steimanjezd, Bezirk Rokycan, explodierte In dein Laden des jüdischen Kaufmanns Josef Österreicher eitle BontW. Oesierreieher und seine Fi au wurde» schwer verletzt, die beiden Kinder Österreichers erlitten weniger In die*en Taaen wurde, in Jerusalem ein* Aufteilung der Jugend-Ali jah eröffnet, die zeigt, wrlv.hr,* gruxiltigc Werk diese Organization in den letzten fünf Jahren vollbracht hat. Kwe Vorstellung von dieser tief in d/is Leben den Volke* eingreifenden Aktion, einer Art ver Murinti, Vorangehen und Vmuvtndlung der Jugend zur Arbeit für da* Volk, gibt die Schilderung unteren Mitarbeiten», der gerade von einer Rundreise durch Paläntlna, bei der er dir Jugendnlij/th-Gruppen besucht hat, r.ui ürkyckommrn int. (RedJ Was im Jahre H*34 ein zighafter Versuch war, ist heute, im Jahre WAb, rIh ein grosser Erfolg zu verbuchen: Jugend- 111 j a h Damals kamen die ersten Kinder aui den Landern der Golah nach Erez Israel, um umgeformt und eingewurzelt zu werden Man hatte noch keine Erfahrungen, man ging einfach ans Werk und lernte - heute haben sich au« jenen Anfängen pädagogische Methoden und Erfahrungen ergeben, die den Jugendalijah-Gruppen zugute gekommen aind, welche zu späterer Zeit, nach Palästin» gebracht wurden. Im April IM» hatten rund 1500 Mitglieder der Jugend*lijah Ihre zweijährige Ausbildungszeit beendet. 75 Prozent von ihnen sind auf dem Lande geblieben und arbeiten zum Teil in selbstgeM-httffenen Kibbuzim. Es gibt Gruppen, die so, wie sie nach Erez Tsrael kamen, auch nach ihrer Ausbildungszeit zusammengeblieben sind. Über 3000 Jugendliche au» Deutschland, Österreich und der Tncheehosiowakel befinden sich noch!n der AusbiSd ii n g. Sie sind auf die grössten und besten Siedlungspunkte verteilt. Diese 3000 Jungen und Mädchen haben den Kibbuzim und Kwuzoth, in welchen sie leben, schon ein gewisses Merkmal gegeben. Überall: im Scharon und Im Emek Chefer, im Gaiii, im Emek Jesreel und im Emek Hajarden sehen wir die neuen schönen Häuser, in welchen die jungen Menschen leben und lernen. Wir kommen in irgendeinen Kibbuz grosse ren Umfang« und sehen sie sofort: In den Werkstätten, in den Küchen, in den Kinderhäusern, draussen in den Pardessim und auf den Feldern. Sie arbeiten mit den Chawerim und Chaweroth des Kibbuz zusammen — jeder dort, wo er gc braucht wird, oder wohin ihn eine besondere fachliche Be «jabung hingelenkt hat Sie lernen nicht nur die Arbeit als solche von den Menschen des Landes, sondern auch die Arbeit als den Sinn ihres neuen Lebens: denn Sprache und Arbeit sind die Grundpfeiler, auf denen dieser beispiellose menschliche Umformungsprozess beruht. Die geistige Ausbildung und die menschliche Betreuung der „Chewrath Noar", wie die Gruppen im Lande genannt werdtn, sind In die Hände besonderer Erzieher (Madrichim) gelegt. Unter ihrer Leitung beginnt sich die Gruppe zu hebrahieren. Die Hälfie des Tages gehört dem Lernen. Selbstverständlich steht das Hebräische im Mittelpunkt des Lehrprogramm«, es ist gleichsam seine pulsierende Kraft. Anfangs wird nur Hebräisch gelernt, Ist hierin eine gewisse Kenntnisstufe erreicht, so kommen die anderen Fächer hinzu: Geschichte, Palästinakunde, Naturwissenschaften. Der Unterricht vollzieht sich auf eine freiere Art als wir ihn von dem üblichen Sehulbetrieb her gewohnt sind. Die Stunden haben mehr die Form von Heimabenden, in Rede und Gegenrede wird der Stoff auf eine ungemein lebendige Art vermittelt, eine Art, die diesen 'Fünfzehn- bis Siebzehnjährigen angemessen ist; denn Jugendalijah muss, wenn sie richtig verstanden ist, eine Lebensschuie sein, nhei' von Wissen und Leben. Darum sind auch die Madrichim keine trockenen Pädagogen, deren tägliche Aufgabe mit der Erteilung der Lehrstunden erfüllt ist: fast überall sind sie Chawerim (Hier Chaweroth der betreffenden Kibbuzim, sie sind also Lehrer und Arbeiter, sie unterrichten am Nachmittag und arbeiten am Vormittag wie jeder andere Chawer und wie jedes Mitglied der Chewrath Noar irgendwo im Meschek (Wirtschaft). Oft sind diese Madrichim die besten Menschen, die der Kibbuz nur aufzuweisen hat, zuweilen solche, die schon über zwei Jahrzehnte in Palästina sind und zu den besten Typen des Landes gehören. So lehren sie nicht nur durch Wissen, sie lehren auch durch Beispiel, sie sind die personifizierte Einheit von Geist und Tat. Bessere Lehrer kann es für die Chewrath Noar nicht geben! Der Verfasser, der während der letzten Monate Gelegenheit hatte, einen grossen Teil der Chewrath Noar draussen aut dem Land« zu besuchen, konnte hierbei die verschiedenen Phasen der Riuordnunit dieser Gruppen beobachten. Was in zwei Jahren, einer relativ kurzen Zeit, an menschlicher Umformungsmöghehkeit. erreicht werden kann, ist erstaunlich. , Da sind solche Gruppen, die erst vor wenigen Wochen oder Monaten ins Land gekommen nind. Man sieht es Ihren Menschen an, wie sie noch mit der neuen Umgebur< ringen müssen: sie leben, ausserhalb ihres Kreises, unter völlig hebralsierten Menschen und sind eben dabei, über die ersten Sprachschwierjgkeitcn hinwegzukommen, Die körperliche Arbeit, die Art der Ernährung, das Leben in der Gemeinschaft schlechthin ist Ihnen ungewohnt. Die Gruppen als solche sind noch kein Ganze« geworden, die Menschen müssen sich erst zusammenfinden, sich kennenlernen, sich angleichen. Trota diesen Schwierigkeiten ist bei Ihnen ausnahmslos der Will« zu «püren.sie zu überwinden. Man sieht, wie sich die Menschen beim Arbeiten und Lernen In ihren neuen Aufgaben« kreis hineinknien, wie sie in ihn hineinwachsen. Nach dem ersten Jahr hat sich das Bild völlig verändert: Die Gruppe ist nahezu hebralsiert, die Menschen stehen ihrer Umwelt sicher und bewusst gegenüber. Die täglich« Arbeit ist Selbstverständlichkeit geworden, das Land hat sieh ihnen aufgeschlossen, sie wissen, das« sie zu ihm gehören. Auch äusserlich hat sich eine merkliche Veränderung vollzogen: sonnengebräunt und kräftig sind die jungen Menschen geworden; wenn sie zur Arbeit gehen, unterscheidet man ai« kaum noch von, den jungen Chawerim und Chaweroth den Kibbuz. Die Gruppen sind enger geschlossen, eine natürlich« und erprobte Kameradschaft verbindet die Einzelnen. Doch wie vermag das letzte Jahr noch zu verwandeln und zu fördern! Gruppen, die im Sommer 1M7 ins Land kamen, sind völlig hebraisiert. Sie reden - auch in privaten Gesprächen untereinander — kein Wort Deutsch mehr, Si« haben sich für bestimmte Zweige der Arbeit entschieden tind sind auf ihrem Gebiet oft schon selbständige und für den Me,schek wichtige Mitarbeiter geworden. Sieht man sie irgendwo in der Werkstätte, im Chadar Ochel (Speisesaal) bei den gemeinsamen Mahlzeiten, draussen den Traktor führen oder bei einer abendlichen Sicha (Ausspracheabend), »o kann man nur schmunzelnd feststellen, dass sie richtige ,,Kibbuzniks" geworden sind - wie die Menschen auf dem Lande von den Städtern zuweilen scherzhaft genannt werden. Jetzt sind sie gerüstet, ihre eigenen Wege zu gehen. Das Land hat sie gleichsam im Feuer erhärtet, sie sind umgeformt und widerstandsfähig geworden. Jn wenigen Wochen werden si« als geschlossene Gruppen irgendwo im Norden einen neubesetzten Punkt besiedeln helfen, oder zusammen mit „Noar Oved" (Kinder der jüdischen Arbeiter Palästinas^ Jn einem jungen Kibbuz arbeiten, vielleicht auch in einer grossen Kwuzah noch ein Jahr auf Hachscharah bleiben, falls sich ihnen im Augenblick keine selbständige Arbeitsmöglichfc«H bietet. Und dann sehen wir diesen Menschen auf ihrem eigene n Buden, wie sie, oft unter deii Schwiei igsteit Verhältnissen, sich durchzukämpfen suchen, Ist ihr Kibbuz noch in den Anfängen, so müssen sie auf Aussenarbeit gehen, auf den Chausseen arbeiten, oder in einer benachbarten Moschawah, wo es etwas für sie zu tun gibt. Der junge Meschek wächst, ein neues Stück Boden wird besetzt, das erst« Vieh trifft ein, das erste feste Haus wird, gebaut. Aus der Lerngemeinschaft ist die Lebensgemeinschaft geworden. Das ist Jugendalijah am Ziel! Über elf hu ndert junge Menschen sind bisher an dieses Ziel gelangt. Sie sind heute die Mitverantwortlichen am Aufbau Erez Israels. Jene, die noch ausgebildet werden, folgen ihnen nach. So werden aus Stadtkindern junge Bauern, so führt man Kinder der Golah dem alt-neuen Boden der Väter entgegen. * Das Zentralbüro der Jugendalijah (London, 20, Southampton Street Wr.C. D hat soeben mit der Herausgabe eines Informationsblattes in deutscher Sprache „Hanoar Haoleh" begonnen, das von Uri Lichtwitz (früher Prag) redigiert wird. Das Blatt enthält eine Fülle von Informationen über die verschiedenen Aktionen der Jugendalijah. und was das Wichtigste ist, zahlreiche eigene Äusserungen der Jugendlichen selbst, sowohl solcher, die schon im Lande sind, als auch derer, die in den verschiedenen Ländern — England, Holland, Deutschland. Tschechoslovakei — auf Hachseharah sind. Aus diesen Blättern empfängt man einen Eindruck von der gewaltigen Umwandlung, die die Jugend dieser Generation durchmacht. Die Jugendalijah mit ihrer eigenen weitverzweigten Organisation hat sich zu einem der htigsten Instrumente der Neugestaltung des jüdischen Lebens und der Rettung aus der Katastrophe erwiesen. Die« Äeigt sich auch In diesen Beriehiern. Marcus Ehrenpreis 70 Jahre Von H. Ritter (Stockholm.». schwere Verletzungen, Am 27. Juni begeht Prof. M. Ehrenpreis seinen 70. Geburtstag. Meine zionistische Arbeit begann vor .«•"• Jahren"! Mit diesen Worten empfängt Schwedens Oberrabbiner, Prof. M. Ehrenpreis, ihren Korrespondenten, der ihn um ein Heb>irt*tan-Jtften^w für die „J.W.R." gebeten hat, „Wir gründeten in meiner Vaterstadt Lemberg den ersten „zionistischen." Verein (damals national-jüdisch genannt» 10 Jahre vor dem Baseler Kongress. Im Jahre l&UQ erscheint die erste Propagandasehrift „Der Kuntsehiek" und 1S*<2 ist Ehrenpreis Mitherausgeber „Der Zukunft" in polnischer Sprache. Aut der Partei-Konferenz im Jahre 1893 in Lemberg hält Ehrenpreis das Kulturreferat und 18t»6 ist er Mitarbeiter eines jüdischen Volkskalenders, den das Exekutivkomitee der zionistischen Partei in Galizieit herausgibt. Im Jahre erscheint unter Ehrenpreis, Leo Motzkin. Willi Bambus und Fabius Schach „Jung Israel". Am 5, Mär/, lernt Ehrenpreis auf der Vorkonferenz von Basel Herzl kennen. Ehrenpreis vertagt den hebräischen Text für die Einladung des I. Zionistenkongresses in Basel, dessen ständiger Kultur-Referent er bis zum Haager Kongreß iyu.> blieb Ehrenpreis erfolgreiches, umfassendes, grosses literarisches Wirken i>t in der ganzen Welt anerkannt und g^sehäm. Von seinen in deutscher, holländischer, französischer und en^li eher Sprache erschienenen Werken seien die hauptsächlichsten kurz angeführt: ,,Die Juden" Ut»2u>, Neuhebräische Lyrik (zus. mit R. Josephson», ..Israels Jetztzeit und Zukunft" <zu*. mit E. Klein ltC'D, ..Predigt*»" ti&ii>;- „Zwische« ' Orient und Okzident ili*2T*. „Meine Begegnung mit Maimonides'* (lH2S)i deren vierter Teil „Die Her/I Monographie" In Kürze abgeschlossen sein wird, und noch viele andere. Dazu die unüber- .sehbare Menge von zionistischen Aufsätzen. Seine Tätigkeit als Rabbiner 'er studierte u. a. auch In Berlin) begann Ehrenpreis in Kroatien im Jahre law. Von 1 VNMi 1itl4 war er Oberrabbiner in Sofia und kam im Jahre 1^14 nach Stockholm, wo er im Jahre li*»5 nach Einholung der Gutachten der dr*i Universitäten (Lund, Stockholm und Upsala) die seltene Auszeichnung de» Professoren-Titels vom König erhielt. Seine hunderte religionswiasenschaftliche« Vorträge über Judentum und Christentum, die er im ganzen Lande halt, haben das grösste Interesse für jüdische Fragen , hervorgerufen. (Ein einfacher Pelthändler im nördlichsten Lappland sagte dem Schreiber dieser Zeilen vor "iniger Zeit: „loh war noch nie in Stockholm, das einzige, was mich dort interessieren würde, wäre, die Bekanntschaft mit Ehrenpreül i machen!"> Zu Ehrenpreis* glücklichsten Erkbnissen in letzter Zelt thören seine mehrfachen Palästina-Reisen und sein groames rtebuis waren »eine Gastvorlesungen an der Hebräischen Universität 1*35, deren Gründung einer der Verwirklichungen icr vielen zionistischen Träume war. Deshalb sieht er — * allem zum Trotz auch den» Ems» der Jetztzeit mit Zuversicht i voller Hoffnung für da* Wohl Erez Israels entgegen* Die schwedisch-jüdischen Vereiniguiägen hüben au Ehrenpreis' Geburtstag einen Aufruf ergehen lassen, durch Beiträg* einen „Marcus Ehrenpreis-Waid** in Palästina .'.u gründen Rev. M. L. Perlzweig, Mitglied der Exekutive des judi» scheu Weltkongresse« und Vorsitzender der britischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses, trat eim? Reist nach JugOlen und Rumänien an, um mit Vertretern der Kcgicrufidas igen Besprechungen über die Lage der Jud?n in diesen beiden Igrosse dreiteilige Werk, „Die Erbauer Israels" iim^WM), 'Ländern, sowie über das Problem der Flüchtlinge zu haben.