Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 15 (23.6.1939)
- Date
- 1939-06-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ftttt* 4 JÜDISCH* WpXT-HUNDSCH AU Nr. 15, 23.VI.1Ü39 aktuellsten Frage seiner Politik mm Kampfe gegen England gezwungen. Diese Situation ist genau m aus;'*rnrdentlich wir alle», was unser Volfcrechicksnl betrifft. Und nurfierordentHch ■- nicht herkömmlich — mÜHHen auch die Mittel und Woge unserer, Kampfes sein. Die Umweit. mtiHS d;uu gebracht, werden, unsere I#age und ihre Konsequenzen zu v emt e h o n. Nichts wäre gefahrvoller für uns in dieser Stunde, ttW dem Minarrrtständnht der liberalen Welt ausgehet *t zu. Hein, Die Situation in Palästina i»l überaus reich an Paradoxen. Gerade in den letzten Wochen haben die arabischen Terroristen ihre Tätigkeit verstärkt. Es gab eine Reihe von erbitterten Kämpfen, bei denen viele Araber gefallen wind, auch englische Soldaten wurden getötet. Der arabische Terror fordert fast täglich mehrere Opfer Juden, Araber und Englander Fast täglich liefern englische Heeresabteitungen den Ambern regelrechte Schlachten, und fast täglich hören wir von Todesurteilen, die gegen Ar:it>er wegen Waffenbesitz oder wegen aktiver Aufruhraktc ausgesprochen und voilaogen werden. Dies alles geschieht in derselben Zeit, wo die Juden das Gefühl haben, dnss die Araber „gesiegt" haben. Offenbar hat der Mufti auf seine dauernde Verbannung aus Paliistina mit neuem Aufflammen des Aufstandes geantwortet. Auch nach dem Weissbuch hat sich zunächst an der FVintstfllunr nichts geändert: Jüdische und engliaeiic Polizisten und Militär haben Seite an Seite die öffentliche Sicherheit zu wahren. Die Juden, die auf das Weisabueh hin zu einer Non-Cooperation entschlossen sind, müssen doch mit der Staatsmacht zusammen das Laad und die jüdische Gemeinschaft beschützen. Infolge der Terrorakte kleiner jüdischer Gruppen ist die Staats macht aber auch gegen die Juden gerichtet. Es kämpfen alao heute in Palästina Araber gegen Juden und Eng linder (und gegen gemässigte Araber>, Juden gegen Ewglundcr und Araber (teilweise auch gegen Juden, siehe Sabotageakte in Tel-Aviv), Engländer gegen Araber und Juden. Wie ist ein Ausweg aus diesem Chaos au finden? Nur durch den Sieg der Vernunft, oder nach einer Katastrophe, die allgemeine totale Erschöpfung bringt und dadarch ei» ordnendes Prinzip wieder möglieh _ macht. Jeder Freund des Landes fand "der Menschheit) musm hoffen, dassdie Vernunft siegen wird. ■:■ SsjJwsi sftW mfs)Ms>TsmTCi Nachdem in den letstea Wochen wiederholt schon Stimmen gegen das Umsichgreifen jüdischeratordtaten, die deren Urheber für politische Mittel halten, im Palästina laut geworden waren, hat das grauenhafte Verbrechen in Haifa jetzt auch eine starke und eindeutige Zurückweisung von offizieller zionistischer Seite xur Folge gehabt. Die Erklärung von Ben Gurioa, die wir an anderer Stelle veröffentliche», beseitigt alle da oder dort geäusserten Zweifel, wie die offisieifen Stellen zu den jüdischen Terroraktes stehen mV gen, und man raus» mar bedauern, dass diese Erfclarung so spät kommt und dass der Waad Leumi und andere Körperschaften nicht eine aktive Gegenbewcguag gegen die Wahnsinnigen, die den jüdischen Namen schänden, organisiert haben. Die Exekutive ist natürlich ia einer schweren Position, weil sie einen beispiellosen politischen Kampf führt und dazu einer stetigen Aufputschung der judischen Gesamtheit bedarf, und nun von den sehr nervös gewordenen Menschen der Lauheit beschuldigt wirtL wenn sie wir Mässrgung in de» politischen Mitteln mahnt. Und solche Propaganda findet ünmer ein williges Ohr. Daher meinen die führenden Männer offenbar, sie raüsaten solchen Anschein vermeiden, um nicht uas Gegenteil des Beabsichtigten au erreichen, nämlich die Menschen in die Arme des Revisionismus und de» Radikalismus zu frei fcen, die durch Gewalttaten politische Erfolge zu erzielen versprechen. Dieses Zögern hat aber nun ein Ende. Nachdem i» den letzten Tagen vor allem das Arbeiterhlatt „Davor1 sich sehr entschieden dem Blutvergiesaen entgegengestellt hat (vergl. unser heutiges Palastina- Blatt), wird Ben Gurions Erklärung hoffentlkh saeh innen und nach aussen die Atnuwphare reinigen. Wie lebt man im Flüchtlingslager? Hiiehtlin^la^er Meixplas / Das „Vagubundttilagcr*" wird eine Stiitlc der Kultur und Arbeit Drei Männer stehen in einer Küche, einer wäscht in einem riesigen Holzbottich Berge von Teilern, die beiden anderen trocknen sie ab. Der Fi'.ssboden Ist schmutzig, Töpfe mit Speiseresten »tefeen in der Ecks.', ein Riesenhaufen Besteck wartet mich noch auf Reinigung. Die drei Mariner haben Holzpantoffel;>n den Fussen, die Hemdwmiel j»;nd aufgc- Urempelt — so arbeiten sie, die gewaschenen und getrockneten Teller stapeln »ich zu hohen Säulen, Sie plaudern wahrem! ihrer Arbeit. Der eine erzährt, dass er Schmerzen im Rücken habe, seif er vor einigen Wochen von einem Auto gestreift worden ist. Kr ist Ingenieur. Der zweite der Tellerwäscher betastet die schmerzende Stelle und stellt die Diagnose, dass eine Rippe einen leicht-n Spninp hat. Er int Arzt. Der dritte erläutert die Schadenersatzansprüche, die der Verletzte gegen den Autobesitzer stellen kann. Kr ist Jurist. Dtse kleine Episode hat sieh im Flüchtlingslager von M e r x p 1 a s? zugetragen, wo seit kurzer Zelt die jüdisches FntiRranten aus Deutschland und Österreich untergebracht sind. Diese Massnahme wurde von der belgischen Regierung im Einvernehmen mit dem jüdischen Hilfskomitee in Brüssel getroffe», um den Flüchtlingen das schlimmste Schicksal, die Rürkweisung nach Deutachland, zu ersparen, und sie gleichzeitig für ihr künftiges Leb an In der Übersee in Fremdsprachen und praktischen Berufen auszubilden. Es gibt Männer hier, die in hohen Positionen gestanden sind. Professoren, Doktoren, Direktoren, und einfach« Bauern und Arbeiter. Und ea tritt d?r paradoxe Fall ein, das« der Arbeiter hier der Lehrer ist und Or Professor der Sennler. Bis jetzt wurden bereits folgende Umsehulungskurte geschaffen: Landwirtschaft, Tischlerei, Automeehanik, Sehlosserei, Schneiderei. Schusterei, Anstreicher«!, Spengherei. Uhrmacher, Friseur. Photographie, Kunstgewerbe, Sehnlttseiehner und Zahntechnik. Der K im st-Professor ab* Sessnsrr Der jungst« dar Schüler ist IC, der älteste «2 Jahr«, ser ist ein gana besonderer Fall: er i und Kunstphatograph, war Professor H*caachuh* in Wien und halte bsseiU vor dem Weltkrieg einen guten Namen als Porträt ist. Viele Persönlichkeiten des altoaterreichisclum Hofes sassen ihm. er audU Kakur Franz Jotef I. and Kaiser Kart. Auen DoMfuas und rieh» Parteiführer dar Vaterländischen Front porträtiert« «r, — Grand genag. daaa er von den National—niallsten aafs scharfite verfolgt ward«. Nur der Fürsaeache einiger knarr Naaifunker cieieafaBs *•«*** hakt eines der fürchterlichen kam. Er maaste kiisrh na vi«* vei aüaitdanen Stellen unterschreiben, dnss er das Laad verlas ata und aia mehr betreten werde. Nun sitzt er bei »einen Sc Sieks aktgetn Merxplas und ritt der Hand, die sin Ehrenring des Maasburasr Leibregtatenxes schmückt, fasat er seine Arbeit an, genau so wie seine jüngeren Kollegen. Die- Jeder hat eisen Mo lersirli Eagbrf mmt mm fMämgt auf Im englischen Unterhaus teilte Landwirtseh*ftsn»uiister Jlr Reginald I>orman Smith auf eine Anfrage von Abg. lipso« mit, dnss dl« Regierung auf Grund der Kmpfshlnngen ä*i ktndwirtsehaftUchen Sub-Komiteea des Koordinteruags- Komitees für di« Flüchtlinge beschlossen habe. iSüö Flüchtlinge iuiulajatti, die bereits S:indwirtscaaftlica auagsbildet sind oder erst ausxebiklet werden sollen und später nach anderen Ländern weterwandern werden. Di« Zuktsung weiterer Flüchttinge werde erwogen. Auf ein« An fr*.■■• v^on Commander James erwiderte Kon> aialminister Malcolm MaeDonald: Di« Regierung hat die tkm>crneure einer Anzahl sehut aherrlicher (. e b»• t * •ms britischen Kolonial reiches angefragt, ob auf dieatm Bode« aar Ansiedluag von Flüchtlingen an privat« Flichtaagaaiifa- «rgamsr Uonen verpachtet oder sonstwie verfugbar a^aaaeat werden kann, vorausgesetzt natärl&ch, dass die einhcimuKke Bevölkerung dadurch fcicht geschädigt wirti Dies geschah vor einigen Monaten. Aus den inzwischen eingegt^genen Antworten geht hervor, dass eine solche Ansiedluag nur tri ia bis zwei Fällen möglich wäre. Die bei der Regierung eingetroffenen Informntioncn sind na das Kooroutievangakomite« für di« Fl&cbthnge veeitergeieitet worosn. In den an dW verschiedenen Gouverueure gerichteten Aafrü««ti habe ich die kolonialen Regierongert ersucht, rndivi Das L*ger umfässt heut« 390 Leute, bald werden es 050 sein und ein zweites Lager für weitere 100 ist bereits geplant. Jeder dieser Menschen hat seinen Ronv»a erlebt. Noefe vor kurzem waren es ehrenwerte Bürger in geordnete« Verhältinis&en, nun haben sie alle Verfolgungen, Flucht, Abschiebtmiten, Gefängnis hinter »ich. Hier erst sind »ie zu Ruhe r;akommen, hier hoffen »ie auf ihre unsichere Zukunft In einem noch ungewissen Land. Aber sie haben eine letat* Atem-' pause vor dem weiteren Lebenskampf. Das Lager von Merxp.Vs ist eine sehr bemerkenswerte Einrichtung der belgischen Regierung, und nicht erst jüngsten Datums. Es besteht seit 1905 und ist unter dem Namen .Xagtihundenlaoe)-" berühmt geworden. Nicht nur bei den Baieiern, sondern auch bei ausländischen Sachverständigen, di: sich für diese Lösung des modernen Strafvollzuges ausserordentlich interessieren. Es werden hier alle Vagabunden, Arbeitsscheue, Beswrungabedürftijrft interniert und «« einem arbeitsamen Leben verhalten Das Lager uinfaaat durchschnittlich ca. 2060 bis 3«©» Jn^^n auf «00 Hektar Land und bildet einen Staat im Staate. Alles, was hier verbraucht wird, wird selbst erzeugt. Es gibt zwei Farmen, die als Mustergutshäfe eingerichtet und geführt werden. Es gibt alle Handwerke, die in eine:.» G«au»inwc~?n, das sich selbst versorgt, gebraucht werden. Es gibt ein Spital, eine Irrenanstalt, eine Kirche, einen Friedhof, ein Schwimmbad, ein , Schlachthaus, eine Schul«, einen Grsomrter, eine Tterkarantäm- und eine kleine Feldbahn, die die einzelnen Teile verbindet. Den jüdischen Emigranten wurden in diesem seltsamen Staat Mass zwei Gebäude komplex« zugewiesen, dk> sie seihst verwaiun. Es wird streng darauf gesehen, daaa mit dt* Villahuadr» a**ät ia B*rühru*<j kommen. Jö* bilden innerhalb des ..Vagahundeastaaie«'' wieder «in «lemea »tlaatartdigea C^nsriaw«aen. Si« halten di« Gebund« sanaer, »n den Csfeaäsenst. waschen das Geschirr, bediewe« di« Wäscbereinigangsmaachin« and leiten die UmscheJuttgskurse. die natürlich ebenfalls volrkunisnen unabhängig sind von den Kneugungsstäetan der VagabuntUu. Aus dkser daelle Bewerbungen von Flüchtliugä» um Aufnahm; wohlj «harfea. aber unbedingt notwendigen Trennung ergibt sich, wollend zu feehandeln, wo en »ich um Menschen handelt, vti« I löaigranien sich nach Belieben nur in «inem Meine* Vmkfei* ihrer beiaen Gebäude bewegen können. Weiter" Ausflüge tu die aerrnebe H«i«Vl«ii«schafi sind aar ia Gruppen gestattet, wobei streng darauf gesehen w«rd:n musa, dass man mit den R«««vrungsaeanwfiigen kein Wort \veehnrlt. Die l'idischen LsnikurbeHer zivnen natürbch frei hinaus asit ihr Land, das si« düng«a, jäl«n und ry>tr«o«n leman. fü* machen ihre Sache so gut. dass ihnen cie kte nere Farm mit einem Vkäbeataad van ss Stach und eines« Reden von tiaigtn UaäUr auv alleüügen Beatrlhaig übsriasaen ward*. man erwarten kann, dass sie gute und nätstiche Bürger sein werden; X~aruus**ftunK sei natürika, das awse Menschen die Kinwajideraags- und soostigen Geattac de» betreffen dna Territorium» re«*>ekticrt:n Ich bin uan in u«r Lag« mitzutvikni, das« eine Anzahl kolonialer Regierungen auf unseren Appell veratär.dnisvcai reagiert habe» und dass (da 31. März d. J. mehr als 2000 Flüchtlinge in rchutzherrliehen Gebieten des britischen Kolonialreiches vorhbcrg«h«nden oder dauernden Aufenthalt •thten. Die Tagcnrinteiif'nti; Der Triff 4fr jnflinrhrn Kmi(fretnt'yu in Mcrxplas beginnt um sechs Uhr morgens. Auf der grr*sen Spielwiese zwischen Oer. beiden Hauptgebäuden versammeln .«»ie sich «\ir Mot^engymnastik. Auf der Heide liegt norh dicker Nebel, durch den ein trüber Mond niederblickt. Dann geht» in den Wasch* räum, der über 300 Leute fasat. ßnki ivnt auch jeder sein Bett gemacht und findet sich zum Frühstück in dem riesigen Speisesaal ein. Es Kaffee und lirot. Um haibacht Abnrarrwh in die einzeinen Unsseäulungskurse. Nur das ..Haus» personal** bleibt zuriiei., um die Säie au reinigen, die Öfca warnvzuhahen, das Mitugmahl vorzubereiten etc. Jede Woehw verden andere dnza bestimmt sodass jeder früher oder später zu diesen Diensten, die der Allgemciheit dienen, heraagezsgen wird. Um 12 Uhr hehren all« hungrig von der Arbeit zurück an« stürzen sieh auf "aa Mittagmahl, da.1 aus Suppe. Kaffe* aad Brot besteht. Nachmittags »ird wieder flcissig nmgesebuit, um sechs Uhr Kartoffel, Brot und Kaffee zum Nachtmahl serviert, dann gibt« Sprachkurs« (englisch, spanisch und französisch), um Uhr wird zu Bett gegangen. Alle im Lager sind mit Fcncreifc;- an der Arbeit Es ist ihre Zukunft, an der sie bauen. Wenn sie in ihr« neue Heimat kommen, wissen sie. das« sie die Sprache und ihren neaen Beruf verstehen werden. Aber sie wissen auch, daas sie einem strapazenreichen Leben entgegengehen, das von ihnen nicht nur fachlieh« Kenntnisse, sondern auch körperhebe Kraft fordern wird. Ihre erste und hegreiflichst« Forderung war daher di« nach einem kräftigeren Emmn. Da da« Komitee durch di« immer stärker werdend« Eroigratk*» vor «rfettwre finanziell«! Probleme; ESteltt ist» konnte es dieses Verlangen nur unatnrekhend befriedigeii. Doch hat sieb die Alig«m«inbcit (und nicht nur di« jüdischel der HeimaikMn angenommen, und so gibt es seit einigen Tagen neben •er obligaten Suppe und Kartoffeln täglich neue Zubuss-a und «s entfacht« vor kurzem gross* Freude, als es als w«f-> lere Verbesserung; einmal nicht mehr Konserven, : eitlem tahachtes Riadflciacb gab. das aus der eigenen Koche stammt«. Auch sonst schaffen rieh di« Umschutungskuraa aus eiganca Kräften Verbesserungen. Die Tischler wotbni. Kästch«n zur Aafbcwahrung der Wasch« und der ander«« Gagenatärale herateltea, die jeder Emigrant einfach im Koffer neben scismn Bett stehan bat: doch es mangalt an genügendem MateriaL Di« 15i«ktroi«ehniker montierten heiapieia weise die Scheinwerfer für die von d«n Tischlern hergestellt« auf der je«Vrn annatag klein« Aafrührungcn vernr.«' Dm Scheinwerfer wieder stellten di« Auto-* ihr «an ütmags^waeen rar Verfügung, de* skt «ban astsraan, uns dsa «zasabmen Teil« an studieren. Bleibt dir die Uhr stehen, wendest da dich an aan Ubnrns»ch«raiaiaiar, serreisat «in Anaug. bitft der Sebzxeidcrkur*. die Sehabi zum Sclbstrasierta kann man beton Spengler best licnr an« willst du dich ratsierca lasae«. bekommst du das »«IbatT«r» ständlieh beim Friseurs.ars gratnv nur muaat du darauf aebtea. nicht einem blutigen. Anfänger in di« Hände zu fallen. Htm deHsseJrrntssehe Vtifasaaaig Di« Eraigraaurn sind immer darauf bedacht, ihre Lag* zu verbessern. Sie haben sich ein« Verfassung gegeben, <n> ^meatratiseh ist. Jeder Srlibtfsaal. der «0 Mann uns» fässt, hat xwei seiner Kameraden als Vertrauensleute gewählt, die die Interessen der Belegschaft dem Brüsseler Konarte« gegenüber vertritt. DL« Vertrauensleute haben dkl Ressorts unter steh aufgeteilt, wie ein richtiges Ministerium:, es gibt einen Disziplinar-, eine» Cisundheits-, Bildung»-, Urjaubs-, Umschulungs-, Fürsorge-, Theater- und Sportauaeehusa, und vor allem «inen Ausschuss für die Fragen der Emigration. Eine eigen« Lagerpolizei aus sclbatgewählten Kameraden sorgt ,/ür Ruh« and Ordnung. Sekretariat, Poat, Krankenpfleg«, Kantine usw. hegt alles in den Händen freiwilliger und natürlich unbezahlter Lagerinsassen- So wird hier von den Opfern der Diktatur der Versuch gemacht, «im Geist der Demokratie in kleinem Masstab hociuuhnltcit. Der Sonntag gehört der Unterhshung. Die Arbeitskktidung wird abgelegt, jeder rasiert sie'- sorgfältig, meist kommt Hcsvi ch an diesem Tag. Vormittag-?ibt es ein Braus .ba«i( nnrbsaittag» wird «in FUMbalhaateh veranstaüet, das auf erstaunlich hohem Niveau steht. Abend» findet eine Vorst«tluag statt, in der dts in Meraptaa internierten Künstler. Sebriftsteiter, Virtusawa. Srtea«piel«r, Zeichner und Tänasr» stkb vereinen, am den iXbrrgen einsa TergRtsgten Abend an versebaffen. Aber au därsc Wettrn des Lachens, die über dsrses jung« V«ab gsbaav bims— nicht di« Tragik verbergen, di« In diesen Entwurzelte!; hegt, nicht die Hoffnungslosigkeit, dss> si« von Zeit zu Satt befallt, and nicht di« Sorg« um Ibra Lieben, di« noeb in D«ulsehiand sind. Doch daaa «xnkea aW daran, data es ihre eigene Zukunft ist. an der sie bauen, an der si« unermüdlich arbeiten, an«) dann ergreifen sie mit ungeübten Händen den Spaten, den Hobel oder die Ahl«, and «nahen nicht mehr, was trüb und traurig hinter Ihnen, »andern an das, was In ihrer Zukunft hegt. Pefer Fabrisiaur. Am der j^toffc» Rfi^itffprff^inTf Die judfc.ehe Gmunmatter Das Ob«rlandeag«richt Müncheti hat in einem jetzt veröffentlichten Urteil H V 1244 JS» entschieden, das» dt« Behauptung, van einer judisensa Grosamut!*r saaustamaatsv asa» jadiach versippt zu seia, „tut eüa«n Angeiioeigen deutschen Blutes eine Ehrcakränkuug bedeutet, die gleickzettg geeignet ist. ihn ia seinem Erwerb zu schädigen und an itm Fortkommen zur hindern."' Der Gekränkte künn* daher Meta Urteil dabin erwirb««, dass dksr Rek-idiz>r ein Verbot erhalt, die Bebaut* an« von der Judäsehen GriMwsantter waiiarnin aufzsssUttest" Ha bäaaw gegen den Bekttditrnr naebt inst ainar einstweiligen V«rfugang hergegangen werden.