Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 14 (16.6.1939)
- Date
- 1939-06-16
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Beile 10 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Nr. 14, 10, VI. 1939 lehr gcn.m tu srir* und ihnen gerecht zu werden. Die Regierung ist grausam gc»vr<rrt. In dem Wciss'burh heissc es: ,,Siu)i Verlauf von fünf jähren wird keine ireiirrr jütUiehe ) Einwanderung erlaubt werden, n.\ sei denn, da*< die Arnher Palästinas bereit lind, sich mit ihr abzufinden",..... Hier liegt der Bruch, die Vetlcizung de« Vcr*[>rrfhen*. das .Aufgeben der Balfour-Dcklaratioti, Hier ist das Ende der Vision, der Hoffnung und des Traumes. Solange dies nicht beantwotlct, zurückgewiesen und zurückgenommen werden wird, wird ein Schmutzfleck auf der britischen Verwaltung bleiben. Das Weissbuch stellt fest, da« die Jüdische Einwanderung wahrend der nächsten fünf Jahre in einem Masstab erfolgen wird, der, wenn ei die wirtschaftliche Fassungskraft erlaubt« die jüdische Ticvöikcrung auf ungefähr ein Drittel der Ccsamtbcvölkcrung des Landes bringen w!id. Nachher wird die arabische Majorität, doppelt so stark wie die Juden, die Herrschaft inne haben und jede ■weitere jüdische Einwanderung wird von ihrer E-iutvilligung. «las Itcisst von ihrer Duldung, abhängig f.c'n, Ist das etwas anders als die Zerslöiung der Balfour-Dcklarafion? hl das etwa» anderes als eine einseitige Kündigung eines Vertrages? F.ine Diskussion über den Begriff „wirtschaftliche Fassungskraft" ist unnötig. Er gibt die Anschauung der damaligen Regierung und ihren Wunsch, das Palästinamandat in einer wirksamen und klugen Weise durchzuführen, wieder. Als der Schöpfer diese» Bcgriffci möchte ich feststellen, das« „wirtschaftliche Fassungskraft" nicht heisst : ohne jede andere Rückikhtnahrne zu legieren. Die Mandatsrcgicrung hat immer d..s Recht gehabt, den Einstiom der Juden mit der allgemeinen Wohlfalnt Palästinns und der ehrlichen Erfüllung ihrer Verpflichtung, ein jüdisches Nationjlhcim iu. errichten, in Einklang zu bringen. Aber man hat nie daran gedacht, dass die Entscheidung über die Hohe dieser Einwanderung In die Hände von Juden oder Araber gelegt werden soll, Sie blieb, und konnte zu jeder Zeit, nur bei der ManUatarmacht bleiben. Die Mandatskon«« .inission des Volke« blindes hat da» Kccht der Manclatsmacht. die FinWanderung zu regulieren oder sie im Notfall« iu suipendietcn, stets anerkannt. Wal aber die Regierung nicht darf oder jedenfalls nicht, ohne sich schweren öffentlichen Vorwarfen auf der ganten Welt auszusetzen, Ist, die Einwanderung gänzlich zu beenden, sich «hie Hände in Unschuld zu waschen und die Tür zu schliciscn, (Hört. hört). Dazu hat sie Überhaupt kein Recht. Wir haben die Araber, nachdem sie uns im Kriege unterstützt Italien, nicht unfair behandelt. Unabhängige arabische Königreiche, wie sie früher nie in der arabischen Geschichte bekannt waren, »ind geschaffen worden, einige durch England und andere durch Frankreich. Als ich im Jahre rgsa das Dokument über die Palästina- Politik schrieb, bin ich unter anderem auch von Oberst Lawrence, dem neuesten Verfechter der arabischen Rechte der Neuzeit, beraten worden. Er hat festgestellt, dass die Regelung in der arabischen Frage fair und gerecht war. Wir haben immer wieder bcsebjossen, die durch ständige Einwanderung genährte Entwicklung sie« judischen Nationalhcims nicht zu unterbrechen. Oberst Lawrucc hielt das damals für fair. Warum tut man heute so, als ob es unfair wäre? Vor weniger als zwei fahren hat die Regierung von dem Parlament verlangt, eine völlig andere als die heutige Lösung s.nznchmen. Da* Haus hat damals die Regierung überredet, es Jucht zu einer endgültigen Annahme des Teilungsplanes zu zumgen, und innerhalb einiger Monate hat sie selbst diesen Plan ebenso •chncll wie sie ihn gefasst hat, wieder aufgegeben. Warum sollen jWr heute den noch fragwürdigeren Vorschläge«» der Regierung jtiauerr? Es wäre klüger, wenn die Regierurig erst einmal die Meiljen müssen, anhört, bevor sie einen parlamentarischen Besch Iiis* zu mren Gunsten verlangt. Fühlt sich die Regierung tu schwach, ihre .Verpflichtungen zu erfüllen, und wünscht sie eine moralische und physische Bankrotterklärung anzumelden? (Gelächter bei der Opposition). Ich glaube nicht, dass das stimmt und dass die Aufgabe, die wir vor zwanzig Jahren in Palästina Übernommen haben, unsere Kraft üljcrsteigt,- und dass nicht treues Ausharren am Ende zu einem rühmlichen Ei folg führen wmU. Jch glaube vielmehr, dass •.Willensschwäche und die Unfähigkeit, ein weites, klares und überlegtes Ziel zu verfolgen, uns in der heutigen /.fit schweren und ernsten Schaden zufügen wiid. ) Man hofft, durch den vorgeschlagenen Plan, fünf Jahre Erleichterung in 'Palästina zu erreichen. Ich bin sicher," dass die Folgen geiade umgekehrt sein werden. Das Wissen von der moralischen Schwäche der Mandatsmacht, die durch ihre langjährige Zöget uitgs publik die f=bei. unter denen wir heute Inden, zu einem grossen Teile hervorgerufen hat. isird alle gewalttätigen Elemente in Palästina noch mehr ei mutigen. Um den bittcieu Vorwurf. Flüchtlinge in dieser Zeit brutaler Verfolgung zurückzuweisen, zu "Vermeiden, sollte man vielmehr in den nächsten fünf Jahren die Einwanderungsquote ei hohen. Aber wer kann überhaupt sagen, wo wir alle in fünf Jahren von heute an stehen weiden? Europa ist mehr als zu zwei Drittel mobilisiert. ' Das Aufrüstung*Wettrennen spannt ganze Bevölkerungen in die Miliiätmaschiiierie ein. Das kann nicht fünf, nicht vier und nicht drei Jahre so weitergehen, l ange bevor diese fünf Jahre zu Kndc gehen, wird es entweder ein England geben, das gewußt hat, sein in der Baifoitr- Dcklavaiion gegebenes Wort zu halten, und das sich nicht gefürchtet hat, es?i» Si.tMf-u, öder ein England, das von weit mehr ü'hesseei- Mhcn Verpflichtungen Deficit sein wird, als die, die im Palästinamandat enthalten sind. Einige von uns glauben, das» unsere Sicherheit heute iu unserer Stärke und Kühnheit ruht. Unser Ruf, der darauf basiert, dass wir öiient liehe Veipflühiungcn neu gehaben und genau ausgefnhit haben, ist ein Schild, den das hsitische Im peritim, so sehr es auch hcuatlnct sein mag, nicht ertibehieu kann. Zu keiner Stunde ist Treue und Festigkeit nötiger als heute gewesen. Es wiid uns nicht gelingen, das Netzwerk einer Grossen Alliance gegen Augiitle herzustellen, wenn wir nicht immer wieder Brtspicle uusner Festigkeit in der F.tfüllnng uu*erer Verpflichtungen unter Scuivieiigkeitci» und gegenüber Schwierigkeiten geben. Ich w.iine die Konservative Paitei. -dutih Bindung an diesen bcklaiH-nssverteu Akt des Versagen* unser Land und all das, für das es eingestanden ist, noch eine Suite l^-iutnef zubringe*», denn es wird uns späte» sein schwei fallen, sie wieder hinaufzusteigen. Es ist mm zwanzig Jahre her, dass »nein sehr ehrenwettcr Freund (Chamberlaiu) ebe folgenden begeisterten Worte gepsiochcn tust; „Orr.- /tot,air n, die in kurier Zeit, Freude in ifiren Heuen, tri das alle Land ihres Volke'* liehen werden, haben eine greme? Venititwcnlung auf sieh genommen, Ihre Aufgabe u./mI es sein, in dem #Jk >> fV«i»f<*«4c das so lauge vcinach- IflMig/ und sehlecht regiert war, einen neuen Wohhtnnd M 'und""i"ine n?'** Kidtur üufciibe.uen", Sie sind seinem Ruf gefolgt, sie haben seine Hotiuungen erfüllt I Wie konnte es ihm sein Hetz eiuuben, ihnen diesen Todesichlag zu versetzen? (lauter Beifall bei der Opposition). SCIILUSSWORT DER REGIERUNG SlR THOMAS INSR1P ($taa!s»ckretät für die Dominions, kau servxtiv) spinnt für die Regieiung und gebtaucht im wesentlichen die von Mac'Donald benutzten Argumente. Es sei nutzlos, die --Bestimmungen der B.ilfour Deklaraiton zu analysieren- Herr Charakter der Dcklaiaiion Zweifel hege oder dass sie den Versuch mache, den Wctt eines einzigen Wortes oder baue», den sie enthieltc, zu taiiidcrn. Die Regierung erkennt die Verpflichtung, die Deklaration zu erfüllen, an. Amh vor zwanzig Jahren war sich jedeimann der jüdischen Leiden bewtrsst und Politik und Mitleid schienen gkichermassen zu verlangen, den Juden c'men Platz zu geizen, den sie in einen Mittelpunkt oder ein Heim jüdischer Bestrebungen verwandelt! könnte», um ihnci» so neue Hoffung und neuen Mut zu geben. Jedermann würde sicherlich, einschen, dass die Regierung, als sie dsese Verpflichtung übernahm, sicher nicht daran gedacht habe — und er gebrauche hier des Beweises wegen itt.itkcrc Wottc - die bestehende Bevölkerung des Landes zu vertreiben odet zu verdrängen. Diese neuen jüdischer- Einwanderer gingen in kein Iceies Land, noch sollten sie die damaligen Einwohner der Herrschaft eines, i deren Augen, ftrmden Volkes unterwerfen. Das Wort „Rechte" erscheint zweimal in dem Mandat. Er wäre als ein Engländer sehr erstaunt, wenn man ihm sagen würde, dass seine bürgetlichen Rechte und die bürgerlichen Rechte '.einer Mitbürger nicht das Recht enthielten, vor politischer Beherrschung durch ein einwanderndes fremdes Volk sicher zu sein. Man habe gesagt, dass die Regierung die „Rechte" der Juden in einen Zustand der Duldung verwandle. Er leugne die*. Jeder Jude in Palästina würde dott unter der Poüik des Weissbuchs rechtens und nicht geduldet leben. Die Regierung habe die hohen Forderungen der Araber nach Souveränität in Palästina abgelehnt. Die jüdische Bevölkerung in Palästina habe sich durch hunderttausende vor» Einwanderern vermehrt. Man werfe der Regierung vor, die Araber in eine Lage zu vc«setzen, in der sie die Errichtung der jüdischen Heimstatte verhindern können. Das sei nicht der Fall und er weise diese Behauptung zurück. In dem Mandat ist kein einziges Wort enthalten, das die Regierung zwingen könnte, die jü disehe Einwanderung ins Unendliche fortzusetzen, ebenso wenig, wie die Theorie, dass an die Errichtung eines jüdischen Staate«, gedacht »var, in dem Mandat eine Stütze fände. Es bestehe ein Kon flikl zwischen Rech! und Recht, und der Ausgleich in diesem Konflikt ist eine Aufgabe, für die da« britische Volk besonders geeignet ist. Das Ziel der Regierung Ist. der heilenden Hand der Zeit eine Wirkungsmöglichkclt zu geben. DIE ABSTIMMUNG Bei der Abstimmung erhielt das Amendement der Opposition i9i, die Regierung a8i Stimmen. Die Regierungsmehrheit betrug aUo »oo Stimmen. Bei der Abstimmung über den Antrag der Regierung erhielt diese »08 und die Opposition 17$ Stimmen. Die Regierungsmehr heil betrug also nur R9 Stimmen. Die Verkündung des Abstimmungsergebnisses wurde von der Opposition mit lautem Beifall begrüsst. IL Im Oberhaus £3. Mai IU39. Der Marquis von Dufjcrin und Ava beantragt mit den schon bekannten Argumenten, die Vorschläge der Regierung; zu genehmigen. Nichts «ei entfernter von der Wahrheit, als die ofl gehörte Behauptung, die Politik der Regierung sei ihr durch Panik und Angst, durch den arabischen Tertoiismus oder durch selbstische Erwägungen aufgezwungen worden. Die Königliche Kommission hätteseinerzeit festgestellt, dass die Gruuduisache für die Unruhen in Palästina die arabischen Befürchtungen seien, dass sie moralisch und finanziell und vor allem numerisch durch ein reicheres und klügeres Volk beherrscht werden würden. Nachdem der Marquis dann den Nachweis tu bringen versuchti dass -die--Vorschläge, der .Regler, rung im Einklang mit den Bestimmungen de« Mandates seien, erklärt er als leitendes Prinzip der neuen Politik, dass dem Anwachsen des jüdischen Nationalheimes Einhalt getan werden müsse, wenn es so gross werden würde, dass es die Regierung Seiner Majestät daran hinderte, ihre anderen Verpflichtungen unter dem Mandat durchzuführen. Das sei heute der Fall, und ans diesem Grunde hätte die Regierung ihre Einwandcrungsvo«sehIägc gemacht. LORD SNEl.L bringt da< Amendement der Opposition ein und stellt fest, dass das Mandat für England eine beinahe heilige Verpflichfung bedeute. Wie immer man auch den Buchstaben des Mandates' deuten'"' trn^e, sein Geist verlange ohne jeden Zweifel die Errichtung eines Xationalhcitncs für das jüdische Volk. Es sei zwar das schlechtes«» konzipierte Dokument, das je von einer verantwortlichen Regierung erlassen oder angenommen worden sei, aber Tatsache bleibe, dass wir es geschaffen hätten und es uns nicht aufgezwungen sei. VISCOUVE SAMUEL führte aus: Der Vemetcr der Regie nmg (Marquis of ttulfeun) hat hier erklärt, man möge alle Hoffnung aufgeben, ihn* die Regierung sich von ihrer Linse abbringen lasse; die Regierung werde ihre Politik unter allen .Umständen durchführen. Dieselheu Worte aber ha« derselbe Redner vor z Jahren gebraucht, als er die f.mpfehlusigeu der Peel Kommiss vortrug, und doch ist der Peel-Plan heute tot. Im weiteren Verlauf ler Rede weist Lord Samuel nach, dass den Arabern keine be stimmte Versprechungen bezüglich Palästinas gemacht wurden sind. Bei Krötteiung der Frage, was das „jüdische Nationalhein»'* sei, müsse betont werden, das« die grosse Mehtheit der Zkmisten nicht Judciisiuat verlangt hat. Nicht die Juden, «sondern die Peel rxomiiiission war es. die den Gedanke»», eines Judemuate* in einem Feil Palästinas wieder zum Leben erweckte, Die Regietung erklärt im Weissbuch unzweideutig, dass Palästina kein Judensiaat werden soll. Angesichts der Tatsache, das* eine Million Araber in diesem Land icU-u Sfhcint mir diese ^h!n*skd,gemng richtig zu sein. D. ist aber der einzige Punkt, in dem ich mit dem Weissbuch übei einstimme. Der »lubefriedigendste Teil des Weissbuche* *»"d die Best im iwungen ul»er /mim'gfdZicJM. Es gibt keine logische Beginn dünn für die Beendigung der Immigration nach fünf Jahren. Könnte man daiauf hinweisen, da« das jüdische Experiment ein Misset folg gewesen dann wäre e« zu \erstehen, das* die Re gierung die Einwanderung einstellt. Aber das Gegenteil is« dei Fall, Sogar da» Weissbuch spricht davon, dass das jüdische Sied lungswerk die Bewunderung der Welt verdient. Die Regierung sieh« nur zwei Aiteisiativen : Da* die Einwanderung entweder altes überschwemmt oder dass sie vollständig gedrosselt werde?» muss. l's gibt at<r noch eine andere Möglichkeit, nämlah eine iK'-sichiänktc Einwanderung zu gcsutien. was die Regierung nui für die erstes» fünf |a!ue in Aussicht nimmt. Die Regierung hat die Fiage der Immigiiiioii auf der einen Seite und die Frage der Sclhsiändijtktii auf der anderen Seite in einen Zusammenhang gebracht. Nach fünf Jahren soll die Einwanderung foitgchen. »venu die Araber zustimmen, und nach zehn Jahren soll die Selbständigkeit hergesieüi weiden, wenn die Juden zustimmen. Ms« anderen Worien, beide Seiten erhalten ein Feto in Bezug auf die Aspuatio :ten <!<?? sjidcnen Seite, An dieser Steltc der Rede macht der Unieisra.ussckiciär für Kolonien {1 ord Dutferin) die Zwischenbemerkung, dass ein judisches Veto im Weissbuch niiht vorgesehen sei und das* er einer solche» Inteipietatso» des Weissbuche» widersprechen müsse. Luid Samuel ei klau darauf: In dem Weisshuri» »M lötge^eut, dj» die Selbständigkeit nach zehn Jahiei» nicht automatHch einn tt. sondern nur wenn gewisse Bedingungen erfüllt »md. Mit diesen Be itiugungen kann nur die Siehe»uiig des Jüdischer» Nasumalheims J»C-MUU([UII1VI II WC* ».IMtHIl IM ».v.vt.. ..v.. ----•...... ---- - 9 ' , ,. . auudriU «heute zu glauben, dass die Regierung an Octti bmJcnden gemeint sein, 1>em Situ* weh habm al<o dtt /man ein Mio, den« sie haben et in der Harn! zu erklären, das* das Naiionalhclrn nicht gesichert sei. Irrt Schlusttetl seiner Rede verweist Lord Samuel darauf, dass «eine letzte Rede im Oberhaus (November my«) bei den Juden Palästinas heftige Proteste bWvorgrnifcn hat. Im fahr 1930, scheint üfjerhaupt keine Losung möglich zu sein, denn die Stimmung ist so erbittert und die Leidenschaften so aufgepeitscht, dass kein menschliche* Gehirn ist dieser schweren Situation eine annehmbare Dsuerlösnng ausdenken könnte. Wer kann voraussagen, s*as in fünf oder zehr» Jahren eintreffen mag? Die ganze Situation kann ^iinz ander* auserhen, ebenso wie ir,2o niemand die jetzige Lage in Palästina oder Europa vorau*gr«ehrn hätte. Airer für die Zwischenzeit sollten beiden Seiten bestimmte Sicherungen geäcber» werden. Auf der eine Seite sollte man die Entwicklung des rüdischen Nationalheimes triebt abdrosscln, bis vielleicht in einer ruhigeren Atmosphäre eine l.c>sung gefunden werden kann, auf der andeten Seite sollten die Araber nicht in einem Zustand der Angst belassen werden, dass sie üheisrhwcmmt und unterjocht werden. Manche Leute glauben noch an eine Teilung Palästina« in Staaten oder Kantone. Ich meinerseits bin überzeugt, dass dies undurchführbar ist. Die einzige Losung ist die einer Föderation von Pa« läsfina mit den benachbarten arabischen Staaten, Die Araber müssten dann keine Angst vor einer VcrgrfKsenmg der jüdischen Bevölkerung in Palästina westlich des Jordan* haben. Im Gegenteil sie müssten es begrrissen als ein wirtschaftlich und finanziell nützliches Glied (Innerhalb der ganzen Föderation. Beide Seiten müssten um de» Friedens willen Opfer bringen, und auf jüdischer Seite könne dieses Opfer nur in einer Beschränkung der Pinwanderung, nicht nur au* wirtschaftlichen sondern auch aus politischen Gründen, bestehen. Dir Juden würden gut daran tun, sich mit einer Einwanderung zufrieden zu steilen, die ihre Zahl auf -io% oder einen anderen zu vereinbarenden Piozcntsatz der Bevölkerung am Ende der Übergangszeit brächte. Wenn es Landreserven gäbe, dann würde dies ihre Siedlung ebenfall* sichern. Auf de« anderen Seite müssten die Araber dazu vcnmhüwt werden, ihre starre Opposition .gegen jede jüdische Einwanderung und gegen jede Entwicklung des jüdischen Nationalheimes aufzugeben. LORD RENN ELL begrüsst das Weissbuch und schlägt ein« Art Vatikanstaat, nicht grö**er als eine englische Grafschaft, mit einer Universität und jüdischen Vcrwaliungsbcamtcn vor, die da* Recht besässe, palästinensische Pässe auch an nicht in Palästina lebende Juden auszustellen, die ihrer früheren Staatsbürgerschaft beraubt worden seien. Diese Juden hätten zwar kein Recht, «ich in Palästina niederzulassen, aber der Besitz eines palästiriemischcn Passes wäre sicher für viele von ihnen von grosser Bedeutung. DER ERZ BISCHOF VON CANTERBURV stellt fest, das« es heute sinnlos sei, über den Teilungsplan zu sprechen, aber er wage es. noch heute zu behaupten, dass, wenn die Regierung »seinerzeit die Politik der Teilung energisch aufgegriffen haben würde, sie eine bessere Lösung als andere Vorschläge gewährleistet hätte. Er bewundere zwar die Geduld und Ausdauer des Staatssekretär» für die Kolonien, aber er könne die Politik des W'eissbuche» nicht billigen, die den Juden gegenüber ungercht sei. 1914 hätten 80000 Juden in Palästina gelebt und heute betrage ihre Zahl mehi als 450000. Sie seien ermutigt worden, in das Land einzuwandern und dort grosse Summen zu investieren, Sie hätten dort schone Gebäude aufgeführt und, abgesehen von industriellen und landwirtschaftlichen Verbesserungen, hätten sie ihrem Glauben an eine eigene jüdische Kultur durch die Schaffung der Universität tu Jerusalem die Krone aufgesetzt. Wer die jüdischen Siedlungen gesehen hätte, der müsse an die Erfüllung der alten Prophezeiung glauben „Die Wüste soll blühen wie die Rose"."Nunmehr sollen die Juden auf den Zustand einer ständigen Minorität herabjfedrückt scculen. ein Zustand, der ihr Los während Tätig«» Jahrhunderte gewesen sei und dem zu entrinnen sie gehofft hätten. Dieses A'olk von sechzehneinhalb Millionen" hätte geglaubt, wenigstens einen Platz auf dieser Erde zu finden, den es sein eigen hätte nennen dürfen und wo sie hätten zeigen können, sva* in ihnen sei, und wo ein Zentrum jüdischer Kultur hätte entstehen können. Was die Zionisien mehr als alles andere gewünscht hätten, sei. sich von dem Zustand der Minorität zu befreien, und nun habe man ihnen in Aussicht gestellt, dass dieser Zustand ein ewiger sein solle. Könne man unter diesen Umständen überrascht sein, dass Dr. Wcizmaon' und seine Freunde das Weissbuch beinahe als eine . Zurücknahme von Versprechungen betrachteten? Wir dürfen uns jler Tatsache nicht versrhliessen. dass der Widerstand der jüdischen Gemeinschaft gegen die Vorschläge der Regierung hartnäckig und verbittert «ein wird. F!r könne sich nicht vorstellen, wie die Zionistcr» die Juden Palästinas son Gewalttaten oder passiver Resistenz abhaben könnten. Die einzige Möglichkeit bestände darin, dass man ihnen am Ende der Ubei'-»aosjszeit bessere Aussichten macheu könne als das WeNsbirch enthielte. Wäre nicht ein nicht nur auf Palästina beschränkte* Föderalivssstem mit grossen autonomen jüdischen und arabischen Puniuzen besser ab ein Einheitsstaat mit eitser grossen arabischen Mehlheit'?- Wenn die Regierung beieit sei, diese Etage ernsthaft zu studieren, dann hielte er es für möglkhl, dass Dr. Wcizmaon und seine Freunde vielleicht überredet werden könnten, svaiwend der kommenden fünf Jahre ihr Volk von Gewalttaten und passiver, Resistenz zurück zu halten, Diese Zeil sei weniger als alle Zeilen dazu geeignet, in der sich England atictV nur den Verdacht erlauben könne. Versprechungen, in die andere ihr Vertrauen »esetzl hätten. leichtfertig zu behandeln. Noch in Irzter Minute kenne eine Lösung gefunden werden. Keine Worte konnten seinem hei*sen Wunsch Ausdruck verleihen, in Palästina mii all seinen heiligen Eriinerunj»en endlich einen Platz des Flieden* ruid nicht endloser Kample* zu sehen. Lord LYTTON legte in einer eindringlichen Rede dar, da« man die Juden nicht der Willkür der Araber für später ausliefern dürte. I.oid REX DING wies darauf hin, dass er vrliist auf jüdischer Seite an der letzten Palästina-Konferenz in London teilgenommen hat. Er und Lord Bcarsted hätten die gemässigte Richtung verrieten. Die Votschläge der Regierung seien aber eimtinunig abgelehnt worden. ,.Wmn man Einstimmigkeit von dem extremen Nationalismus der Revisionisten auf der einen Seite bis zu der gemässigten Anschauung von Lotd Bearsted und mir auf der an de km» Seite vorfindet, so ist da* wohl ein gewisser Uewei*. dass die Vorschläge der Regierung nicht mit dorn Wunsch übereinttimmten, mit dem wir zu dei Konferenz gingen. Dieser Wunsth war es. eine •I'ösung 'zu suchen, die gerecht gegenüber Juden und Ambern und würdig Gross Britannien* wäre". 'Sa<h einer aus! übt liehen Ktitik erklärt Lord Reading, das Weissbuch werde keinen Frieden und keine gerechte Lösung bringen sondern den geges» wärt igen Konflikt noch vetschärfeu. Nachdem noch verschiedetre «ndere Lords gesprochen hatten, antwortete der Staatssekretär für Indien, der Marquis et iriland, im Namen der Regierung. Er bezog sich vor allem auf den Vorschlag des Erzbischofs vc»; Canteihuty und »teilte fest, das* ein Föderativstaat keineswegs ausge- »CuJö»si:n sei. Aber -•»och ohne ein F««lerativsystem gäbe es doch Mittel, durch die man die f*«nf«/ in der Gesetzgebung und der Exekutivgewalt erreichen kösine. Jede Verfassung, die den von der Regletung verkündeten Prinzipien cRchnung trage, sei deshalb möglich- "Das ganze Palästinaproblem gleiche einem Stachelschwein. Jede Politik, die man auch befUrwone. würde sofort die heftigsten Reaktionen in allen Richtungen auslösen. Nathdern Lord Snell sein Amendement zurückgezogen hatte, ging d*s Haus ohne Debatte zur Tagesordnung über.