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Jüdische Weltrundschau · 1939-06-16 · 14 (16.6.1939) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
14 (16.6.1939)
Date
1939-06-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Nr. 14, 16.VI.193d „An allem sind Hitler und die W___t___ääIä—f Jä 9H »Unket4 AntUemitiamuu „Made in England" Juaen schmal Von c. z. K, « (,,, PIHCRACE AnofXDlXC. By D o uglas Heed. Jonathan Cape, I/)»».ion. ftp. 447. DU? Engländer h'iih! wahrlich eine seltsame Nation. Eine» Ihrer grössU'«! rdmlr ist. „häene^", die gr&»attnäg!fcl»te Übereinstimmung Im Denken und Fühlen, Benehmen und nclbttt in der Art, sich zu kleiden. Eine freiwillige und be wiesle Standardisierung, wie sie in Amerika reibst das Jaulende Band" bisher nicht hat zuwege bringen können. Aber je allgemeingültiger und unverbrüchlicher die Hegel H, umso weiter .schweifen die Ausnahmen, die sie bestätigen,!|ns entgegengesetzte Extrem ob, Die englischen „ernnks" — ein Wort, das vom „Original" bis zum ,,kompletten Narren" alle Arten und Nuancen des Sonderlings urnfasst - werden an Kxccntrizitat von den entsprechenden Elementen Keines anderen Volkes mich nur im entferntesten erreicht. Es kaijn daher kaum überraschen, dass der erste prominent«? „antifaschistische Antisemit" der erste judcnfelndiieho •Hitler-Grgncj'. der erst-?, der Hith und die Juden sozusagen in eine Art Komplizitüt gebracht hat, die sie für alles tinglück in der Welt verantwortlich macht, eip Engländer ist. Mr. Douglas Heed war nach dem Kriege vlelo Jahre Jung Korrespondent der ..Times" in Deutschland, Österreich, der Tseheehoslovakei, Ungarn und den Balktuiländem. Kr hat vor nicht langer Zeit;;i Buch' veröffentlicht: „Tnsanity Fair" (Jahrmarkt des Wahnsinn^, das ihn mit einem Schlage in die erste R^ihn der zeitgenössischen politischen Schriftsteller gebracht hat. Kein Zweifel, dass Douglas Heed ein hervorragender Journalist Ist, sowohl hinsichtlich dessen, was er zu »:»ge:i hat als der Art, in, der er es sagt, ^eine politischen Prognosen des Schicksal';, -das Österreich und die Tschechoslovakei e>cllen würde, fcind, reichlich überschwenglich, als „prophetisch" gepriesen v/orden, aber haben sicherlich ein« Logik dos politischen Denkens be- ,, wieset, dio seinen Kollegen der Internationalen Presse, mit Ausnahm* von Mine Tabouis, gemangelt hat. Mr. Rced ist ein leidenschaftlicher Gegner der''Chamberlain'sehcn Beschwichtigungspolitik. Er ist der festen Cber- »eugung, dass dar, endgültige Ziel der Politik der ncutseh- Italienischen Achse die Zerstörung des britischen Weltreichs darstellt, und dass insbesondere Hitler nicht ruhen wird, bis dieses Ziei erreicht und die Weltherrschaft an Deutschland gefallen ist. Er ist ferner, war in diesem Zusammenhang wichtig ist* in «einer innenpolitischen Überzeugung dar, v/as man bei uns einen „Linksr.ndikalen ohne Parteibindung" nennen Würde. Er hält die kleine, wirklich herrschende Schicht in England nicht mir für politisch unfruchtbar, sondern auch für «Ine plutokratische und heute bereits semi-faschistische Diktatur. Er beklagt die äussere Ohnmacht und Innere Sterilität der englischen Arbeiterpartei. Er erhebt leidenschaftliche Anklage gegen die englischen Politiker, die der Eroberung Abessyniens, dem Sieg Franco's in Spanien mit Hilfe der Italiener und Deutschen, der Eroberung Österreichs und der Tschechoslowakei nicht nur tatenlos zugesehen, sondern diesen Verbrechen gegen freie Staaten und demokratische Völker aktiv Vorschub geleistet haben. Er geisselt. mit leidenschaftlichem Zorn dio Tatsache, dass in England, „dem reichsten Lande der Welt", das grö.sste Elend herrscht, dass es dort „siurns" gibt, wie Rio in keinem anderen Lande möglieh wären. Mit einem Wort: Mr. Rced hegt Überzeugungen, die ihn In eine Front bringen müssten mit allen Verfechtern freiheitlicher, demokratischer und sozialer Ideen. Dass er In diese Front dennoch nicht hincinpasst daran sind wieder einmal die J u d e n schuld. Hinsichtlich der Juden ist" Mr.- Reed, wie so viele Antisemiten, von einer Art Nachtblindheit befallen. Sobald er ihnen begegnet, sieht er schwarz. Alle seine ausgezeichneten Fähigkeiten verlassen i'm dann oder verzerren sich auf seltsame Weise. Der scharfe Beobachter sieht entweder garniehts. oder er sieht falsch. Der unbestechliche Logiker vermag wicht mehr, Ursache und Folge auseinander zu halten. Der heißblütige Menschenfreund wird ein kalter Zyniker, der Mitleid und Hüte nach, dem Masstab der Prasentnorm zuteilen will. Und selbst seinen politischen Herzenswunsch, die Befreiung Englands vom deutschen Albdruck, will er lieber unerfüllt sehen, wenn durch seine Erfüllung der Antisemitismus in Deutschland beseitigt worden würde. In „Insanily fair" gab es von all dem nur leise Anklänge. In Reed's zweitem Buch: „Disgraee Abounding" (etwa „Schande im Vormarsch") blast es mit Fanfaren aus fast jeder Seite. Es ist — man kann es nicht anders nennen - eins« Art Besessenheit. Dabei weist dieses zweite Buch alle Vorzüge des ersten auf, wenn es diesem gegenüber auch jenen fast unvermeidlichen Abstieg bedeutet, der zu erwarten ist, wenn ein Schriftsteller sein Thema strapaziert, um eine Konjunktur aufSur.utsen. Rationisierung hcirFcht, und es in England die frühe Polizeistunde gibt und die zahlreichen Inserate für Mittel gegen den Katzenjammer. Jeder unbefangene Mensch würde sagen, die Juden r gleich den Franzosen, Spaniern, Italienern, (.«riechen) trinken nur rolangc es Ihnen schmeckt. Nacn Rztd's Ansicht sind sie massig, „weil sie denken: .Wenn ich besoffen bin, wird mein nüchterner Nachbar tüchtiger sein als ich', und überhaupt: .Warum »oll ich weiter trinken als bis zu dem Punkt, wo ich noch genau weis«, wieviel Anregung, Genstessehärfe und gute Laune ich für mein Geld bekomme?" In der Phantasie der Heed« sitzt so ein Jude vor seiner Flusche und sagt standig zu sich selbst: „Sic hat mich zehn Schilling gekostet. Ich darf trinken nur bis zu dem Augenblick, wo ich mir noch dessen bewusst bin, dass sie zehn ganze Schillinge gekostet hat." Solch einen Juden gibt es nicht. Dass über das schlechte Trinker-Gewissen die jüdische Massigkeit unter die Gründe des Antisemitismus einreiht, habe ich nicht erst bei Reed gelernt. Beim Lesen des obigen Zitats habe ich mich lebhaft jenes arischen Kollegen in. eine«.. Berliner Redaktion erinnert, der mir einmal .sa^te; „Die tiefsten Gründe des Antisemitismus kennt ihr Juden seltsamerweise nicht. Einer davon ist, dass die Juden das hh ine Hier erfunden haben. Kein echter Deutscher wäre je auf die Idee gekommen, Bier aus so kleinen Gläsern zu trinken," Wenn Mr. Rced es mit den Juden 'u tun hat, wird der scharfäugige Reporter in ihm so blind, als habe er nicht guten englischen Whisky, sondern Methylalkohol getrunken. Er kann z. B. nicht sehen, was der Nationalsozialismus den deutschen Juden getan hat: „Warum, wenn England gleichgültig ist gegen das Abschlachten unschuldiger Zivilisten (in Abessynien, China, Spanien), erfolgt ein allgemeiner Ausbruch der Entrüstung und des Mitleids, wenn Hitler einen Juden verfolgt? Er hat keine Juden hingeschlachtet. Er hat. Unten etv-as von ihrem Eigentum genommen/' Nüchternheit — ein „Lattet" ermag Ueed nicht Sobald das Stichwort „Jude" fällt, |«ehr klar zu denke«. Hier ein Beispiel: v „Benno Isruelovitehky ist einer der wenigen Juden, die ich je getroffen l «be, die ziemlich heftig trinken; neunumbictmzig von nuiukrt Juden trinken nie mehr als ein oder zwei Glas . " Das misstäUt Mr. Heed, der selbst ein ziemlich heftiger lVinker ist. Immerhin hat man relative Nüchternheit noch nie unter die menschlichen Laster gezählt. Die Juden süui ein Mittelmeervolk, und, dies Mittelmeervnlker, im Gegensatz «U den Anrainern der Nordsee, lieben zwar zu trinken, ober nicht sich zu b e trinken. Aus diesem Grunde erscheint die Vorstellung von Blaukreuz-Vereinen in Spanien. Frankreich und Italien so lächerlich, während es In Amerika eine „prohi- JMtion" gab, in Schweden das Bratt-System der Alkohol- Hitter* „gem&'tsigfer" AntisrmitUmu» Mr. Rced war während der Naziherrschaft lange in Deutschland, er hat die Eroberung Österreichs in Wien miterlebt — er gibt eine grossartige Beschreibung der entscheidenden Tage — aber von dem, was den Juden in Deutschland und Österreich geschehen ist, hat er nichts gesehen — ausser dass die unzähligen zerschlagenen Fensterscheiben nuf dem Kurfürstendamm ihm erst voll zum Bewusstsein gebracht haben, wie sehr dort die Juden die Nichtjuden „verdrängt" hatten. Es genügt ihm volkommen, dass keine offenen Pogrome stattgefunden haben; vom „stillen" Pogrom, von den in den Konzentrationslagern zu Tode Gemarterten, von dt^ unzähligen Selbstmorden weiss er nichts. Er spricht zwar von der „tierischen Brutalität der Konzentrationslager", er nieint zwar „die Seele eines Menschen, der seine eigene Grossmutter für zwei Schillingo ermordet, Ist hell und rein gegenüber der desjenigen, der seine Landsieute In ein solches Lager schickt" — aber er stellt fest, dass „diese Läger hauptsächlich Deutsche da sind, nicht für Juden." Kein Wort davon, dass abgesehen von den Tausenden von Juden, die seit lf»33 die Konventrationslager gefüllt haben, im November 1938 die gesamte männliche jüdische Bevölkerung Deutschlands, darunter Männer bis -H /fiebrig Jahren, der „tierischen Brutalität der Konzentrationslager" preisgegeben worden sind. Wenn Reed schon in Deutschland sozusagen vom Antisemitismus nichts gesehen hat, wie soll er ihn sonst irgendwo in der Weit finden? Er kommt nach Ungarn, „nothing hanponod to the Jows", den Jude« ist nicht«, geschehen, in Rumänien gibt es zwar Antisemitismus, aber seine einzigen Opfer sind die — Antisemiten, die sich gegenseitig totsehiessen, atatt endlich etwas gegen die Juden zu unternehmen. Fast wie ein Hilfeschrei klingt es: „Ob wirklich je etwas den Juden in Ungarn ""geschehen" wird, hängt einzig und allein von Deutschland ab, davon, ob Deutachland es verlangen wird." Wenn das Stichwort „Jude" fällt, kann der Wahrheit»- fanatiker Reed die Wahrheit nicht meinherausfinden. Er verleumdet die tschechoslowakischen Juden: „Die Tschechoslovakei, solange sie frei war, gab ihnen das liberalste Asyl. Ich habe bei ihnen kein Gefühl der Liebe und Dankbarkeit für die Tschechoslovakei gefunden."' Dabei war Reed während der Mobilmachungspersode in Prag, in der sich nicht nur die ausgemusterten einheimischen Juden freiwillig meldeten, sondern auch die jüdischen Emigranten aus Deutschland und tschechische Juden, die seit Jahren noch Palästina ausgewandert waren, Der Leser mag fragen, warum wir uns so ausführlich mit Mr. Reed beschäftigen. Es komme, mag er sagen, auf einen prominenten Antisemiten mehr oder weniger nicht mehr an. Nun, auf diesen kommt es rn. Denn sein Antisemitismus ist nicht nur allgemeiner Art. Reed versucht, die öffentliche Meinung in zwei Fragen zu beeinflussen, an denen wir ein ausserordentliches Interesse haben: in der Flüchtlings- I f r o g e und in der Kriegsf rag e. Und seine Propaganda eines , antifaschistischen Antisemitismus" sucht ihren Weg in Kreise Englands, die bisher dem Antisemitismus feindlich gegenüberstanden. „Warum Mitleid mil den Juden?'4 In der Fhu htliiiKsfrage erweist sich Reed als Fanatiker einer seltsamen, „negativen Gerechtigkeit". Sein Her» schlägt für die Millionen unschuldiger Menschen, vor allem unschuldiger Kinder, die in China, in Spar.ien durch Japaner, Mauren, Deutsche, Italiener und Francisten aus der Luft bombardiert und mit Maschinengewehren niedergemäht werden, mit den l obern", so ist dieser Preis zu hoch. Zehntausenden deutscher und tschechischer Flüchtlinge. Er j „Insauity abounding...!" richtet eine leidenschaftliche Anklage gegen England, dass es aus politischen Gründen die empörendsten Kricgsgrcuel ge.-f-heben Iiis st und keinen Finger zur Hilfe rührt: ..Man sagt uns. wir müssen Abessynien opfern, um Italien zu beschwichtigen: kein Mitleid mit den Abessyniern! Man sagi i ns, wir müssen die Tschechoslovakei opfern, um D'-utschland und Italien?■< beruhigen; kein Mitleid mil den Tschechen!" Jetzt beginnt man uns hegreiflich zu machen, dass wir auch da« republikanische Spanien opfern müssen: Kein Mitleid fit Jen Spaniern!" Und dann kommt die überraschende Frage: ..Warum dann Mitleid mit den Juden?': Es müsste Mr. Rced eine ausgesprochene Genugtuung bereiten, in einer Neuauflage seines Buches an dieser Stell« einzuschalten: „Mnn hat uns erklärt, wir müssen «Sie Bnlfour-Deklaration und das Jüdische Nationalheim opfern, um den Mufti uns freundlich zu stimmen: kein Mitleid mit den Juden!" Mr. Reed kann für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, der Erfinder der ..Prozentnorm der Barmherzigkeit" zu sein. Er findet, dass, wie überall, sich die Juden auch bei der Inanspruchnahme der Hilfsorganisationen „vordrängen", dass sie „Hilfsbereitschaft und Mitleid monopolisieren". Er findet, und mit Recht, dass für die Opfer in China, in Spanien, für die tschechischen und deutschen Flüchtlinge viel zu wenig getan wird. Er vermutet dahinter rein politische Gründe, man wolle diese „Roten" einfach zugrunde gehen lassen. Aber dann verbietet es ihm sein „Gerechtigkeitsgefühl", dass es den Juden besser geht. Und er bringt es fertig, mit aller Macht dagegen zu protestieren, dass man jüdische Kinder nach England bringt. Fünfzigtuusend jüdische Kinder will B a I d Win nach England bringen, schreit er auf: ..Diese Kinder werden in wenigen Jahren zu Männern und Frauen herangewachsen sein. Wenn ein Krieg kommt, werden sie nicht dienstpflichtig sein. Während dio Engländer an der Front sind, werden sie Stellungen einnehmen, Geschäfte gründen. Und wenn die Engländer zurück kommen, Werden die Juden so mächtig sein, Wie In Deutschland nach dem letzten Kriege." Kein Wort davon, dass nur ein verschwindend kleiner Teil der „50.000 jüdischen Kinder" bisher England erreicht haben, vor allem kein Wort davon, dass die grosse Mehrzahl der Flüchtlingskinder nur vorübergehend in England bleiben und auf das Empire verteilt werden soll! Kein Wort davon, dass jahrelang das englische Judentum die gesamten Kosten der Flüchtlingshilfe aus Eigenem aufgebracht hat und erst in der letzten Zeit, in der das Problem so gigantische Awmassc angenommen hat, auch nicht jüdische Hilfe akzeptiert hat. Dafür eine bewusste Irreführung der englischen öffentlichen Meinung, die aus Rceds Worten schliessen muss, di«; deutschen Juden hätten während des Weltkrieges nichts Anderes zu tun gehabt als, von jeder Dienstpflicht befreit, den Deutschen die Posten wegzuschnappen. Er gibt eine herzzerreissende Schilderung der spanischen Flüchtlingsklnder, die alle Greuel eines barbarischen Krieges mitgemacht haben» und stellt ihnen die „wohlgenährten, gutgekleideten Kinder gutsituierter eleutscher Juden" gegenüber, denen er da* Asyl in England verweigern möchte. Kein Wort darüber, dass diese „gutsituierten Juden" ihren Kindern leinen Pfennig schicken können, dass sie. wenn sie selbst auswandern, mit zehn Mark über die Grenze gehen müssen. Kein Wort vor allem über das furchtbare Leben, das jüdische Kinder heute in Deutschland führen müssen. Und ganz gewiss kein Wort darüber, dass unter denen, die den spanischen Flüchtlingen, den spanischen Kindern geholfen haben und heute noch helfen, eine grosse Anzahl von Juden sind, unbekümmert darum, ob sie damit die Reed'sche „Prozentnorm der Barmherzigkeit" überschreiten und sich in Ausübung :hrer Memehenpflicht , vordrängen". Jfasilancf, England und die Juden Man darf Mr. Reed ein wohlverdientes Kompliment nicht vorenthalten: er ist einer der begabtesten Schüler des Propagandagenies- Goebbels; vielleicht erleben--wif ihn noch - einmal als Goebbels „opposite number" in einer faschistischen englischen Regierung. Wie er die Kriegsfrage benutzt, um den Antisemitismus in England zu schüren, das wird nirgends so sachverständigen Beilall finden, wit? im Berliner Propaganda-Mi n ist crium, Reed ist davon überzeugt, dass Hitler den Krieg mit England will, dass ein Sieg über England die Krönung seines Werkes wäre. Er hat stets die Ansicht vertreten, dass dieser Krieg nur zu vermeiden sei, indem ein bis an che Grenze aufgerüstetes England mit den übrigen demokratischen Staaten einen festen Block bildet, dessen Kriegspotential grösser sei als das der Achsenmächte. Natürlich ist hierbei der entscheidende Faktor Russland: „Wenn Vermeidung des Krieges wirklich das oberste Ziel war, wie unsere Regierung uns täglich versichert, so hätte es erreicht werden können, indem wir itn Zusammengehen mit Rusj-iand eine überwältigende Macht den deutschen Kriegsdrohungen entgegenstellten. Jetzt ist es zu spät! Jetzt ist nur noch die Frage, ob Hitler Russland angreifen oder ob er mit ihm zu einer Ubereinkunft kommen wird, ehe er sich auf den Westen stürzt."' Worum ist es zu spät? „England hat sieh so eng mit dem organisierten Feklzug des internationalen Judentums gegen Deutschland verbunden, dass heute ein Zusammengehen mit Russland bedeuten würde, von Engländern cm verlangen, de sollten unter der semitischen Flagge ins Feld ziehen, um Berlin für die Juden :urkckzuetObern!" Wenn das überhaupt einen Sinn hat, so kann es nur den folgenden Sinn haben. Solange die Zusammenarbeit mit Russlaud genügte, um den Krieg wirklich zu vermeiden, war alles in Ordnung, denn dann blieb Deutschland unter Hitler Und dem Antisemitismus. Da der Krieg nicht mehr5 zu vermeiden ist, würde ein englisch-russischer Sieg mit Hitler auch den Antisemitismus in Deutschland beseitigen. Da* darf unter Keinen Umständen geschehen! Die englisch-russische Ailiance mag das britische Empire vor dem Untergang retten — aber wenn dadurch die Juden „Berlin zurüeker-

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