Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 14 (16.6.1939)
- Date
- 1939-06-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2424658-2424659-2424672--180-2424937- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
N£ 14, W.VL1Ö39 JODISCHB WELT-RUNDSCHAU, Seite 5 DIE HALTUNG DES JUDEN IN UNSERER ZEIT Haftungeinnehmen bedeutet, da.« man bestimmte Erscheinungsformen In ihrem Wesen erkannt und «ich ihnen gegenüber — hinneigend oder wegwendend ...... entschlossen hat Wie aber jedes Orientierungsvermögen des festen, unverrückbaren Poles bedarf, von dorn aus .Richtung" erst sinnvoll wird, so bindet sich auch der menschliche Geist — als ein erzogener, geleiteter, geführter — zunächst an bestimmte Anschauungen, Meinungen, Begriffe, an die er sich „hält", von denen nU3 er sich entscheidet und Partei ergreift, die ihm die Plattform für das selbständige Richtungnehmen, eigene Haltung gewähren. Inwieweit in unserer Zeit für Juden, deren geistige Einstellung noch wesentlich durch die Wcrtbetraehtung West "europaa bestimmt ist, diese Voraussetzungen einer eigenen und sodann jüdischen Haltung gegeben sind — das sei hier tum Gegenstand der Untersuchung gemacht. FIJROPAfSCIfKS DENK EX f Wir Juden Westeuropas haben, freiwillig oder zwang* massig, eine wenigstens in grossen Zügen einheitliche, gefestigte, richtunggebende Welt des Geistes verlassen: wir sind aus einem noch heute deutlich abgrcnsbnren Kulturräume ausgezogen, ohne jedoch -~• In den meisten Fällen — eine Umordnung der hergebrachten Werte vorgenommen m haben. Noch immer sind uns die Begriffe jener mittvtcuro> -r~\päi$chm---Dsnkform der Massiah auch, für alles Neuartige ... geistigen Geschehens, das uns In anderem Lebenshs reiche gegenübertritt. Gerade aus dem geschichtlichen Verständnis für den Zeilpunkt, in dem der Jude in diese „aufgeklarte" europäische Welt eintrat, erschiieast sich ein merkwürdiges Geheimnis. Es war die Zeit- Herders. Lessing;?. Goethes, die Zeit der französischen Revolution, die Zeit, die bereit schien, den Juden nicht nur ab Juden, sondern als Menschen, ja als Weltbürger zu sehen und zu werten. Ein wunderbarer Traum, der Traum von der befriedeten, gerechten, glücklichen Menschheit, bezwang für wenige Geschichtaminuten die Geister und — schloss auch die Juden ein. Doch, kaum das« der Jude zum Bewußtsein gekommen war, noch ganz benommen, aber völlig hingegeben dem Traum, erhob sich schon wieder nüchtern und drohend die Wirklichkeit Sichtbar, irdische Gegenwart war allein der Kampf, den man Punkt für Punkt um die erste und kleinste Voraussetzung des Traumes *u führen hatte: die Anerkennung der Mitmenschlichkeit des Juden. Trotzdem aber bestand der Traum, er war in der Welt, Lessing wurde gelehrt, gelesen und aufgeführt, nur eben nicht zur Gegenwärtigkeit beschworen. Ein2lg de? Ji!'Ü*>; «r «ber mit aller Schwungkraft seines Glaubenwollehs, sah immer und immer wieder lediglich dieses Ziel ynp Sftinem inneren Auge, er allein glaubte bedingungslos und mit heiliger Treue diesem Phantom menschlich-jüdischer Sehnsucht. Um dieses Zieles willen hatte er sich als Jude gern und willig cntnationalisiert, erlaubte man ihm nur „Mensch" zu sein, so wollte er ohne jede Sonderbindung teilhaben an diesem grossen Gedanken der echten elvi Utas hu* mana. So ordnete er den kargen Rest an Judentum, der ihm noch verblieb, ein und unter einer (in ihrem tiefsten Kern zwar jüdischen) Hoffnung, die in der ihn umgebenden Welt schon Glicht viel mehr als ehrfürchtige Erinnerung war, Man spürt förmlich, blättert man auch nur kurz in den Seiten der Geiger, Hirsch, Formstecher, die innere Ungeduld, mit der diese Männer ehrlich und mühsam bestrebt waren, di;is Judentum einzufügen und diese Untertan zu machen, dem allgemeinen Reich des Geistes, in dem der Jude nicht als Jude, sondern als Mensch unter Menschen seinen Platz finden sollte. Blieb da noch Raum für eine Betrachtung des Judentums, so hallo sie von der Warte jener ausser jüdischen Haltung aus zu geschehen; man sprach von dem mitteleuropäischen Geist „und dem Judentum", nicht umgekehrt. Mit dieser Welt, wobei immer die „Menschheit" das leuchtende Ziel blieb, gab es — so meint* der Jude — keine Auseinandersetzung ftls Judo mehr, denn — man glaubte sich ihr ja nicht gegenüber, sondern in sie hineingttttellt. Es ist die alte Erfahrung, wer sich selbst unlöslich und durch Liebe gebunden fühlt, wähnt zwar seine persönliche Eigenart alsbald in der Gemeinsamkeit des Erlebten und Geschaffenen versunken, aber der nicht liebende Teil lässt keine Grenzaufhebungen zu, immer von neuem richtet er die Grenze wieder auf, die dio Unmöglichkeit eines Zusammenwachsens deutlich und greifbar machen soll. So ist auch immer und immer wieder dem Juden geschehen, und es gibt ein Beispiel von echtester menschlicher Tragik dafür: Die Gestalt des Dichters Jakob Wassermann. Nur und einzig als Mensch wollte Wassermann sprechen, lediglich als der freie, ungebundene Geist mühte er sich um sein Werk, das der Menschheit als Ganzem dienen sollte, um letzten Endes immer wieder schmerzlichst zu erfahren, das* er nur ab Jude gehört worder, war. Aber, und hier geht die Tragik schon in die Ironie Uber, je mehr er als' Jude gehört wurde, desto "ängstlicher, desto brüske? verleugnete er die innerste Wahrheit seiner Seele, desto schriller kündete er sein von allem Jüdischen freies Menschentum. Immer wieder tritt die gleiche Erscheinung hervor: keiner diente"diesem Zeitalter des Liberalismus hingebungsvoller und giüuben&treuer als der Jude! Die echte, natürliche, gewordene Form des Volkes hatte sich in den künstlichen, geschaffenen Begriff der Nation, des Staatsbürgers aufgelöst --, und der Jude unterwarf sieh bedingungslos. Er vergass, oder wollte .eben einfach nicht wissen, dass das Ureigenste des Wesens, der Innerste Kern' eines Menschen nicht au,t einer mehr oder minder zufälligen Umwelt kommt lKSßder« dass hier die tiefsten Geheimnisse der Herkunft, dl* letzten Spuren des Väterwandefas erkennbar werde». Und jiöch. Wenn dieser Jude all dasverschüttete und verdorren äesa wen« er dies Ureigenste nicht gehen wollt* (und dann ichon auch nicht mehr konnte), m durfte er sieh mit einem scheinbaren Hecht auf die freisten Geister aller Nationen gerufen, die, obwohl selber tief in ihrem eigenen Volk verwurzelt, diese sein* «atnaiion«üsir-rle Haltung billigten. Al>'.'." auch Männer die «ich mit dieser Welt als Juden auseinandersetzten gab es, und wo dies geschith, offenbaren sich uns die kostbarsten und edelsten Ijfrürhte jüdischen Galutdnseins, —- weil hier von einer bewusst jüdischen Haltung aus gebrochen wurde. Nur an drei der voller.»leisten Erscheinungen unserer neuesten Geschieht* sei hfer erinnert. Voran an die überragende, wenn auch von unserer Gegenwart aus gesehen tragische Grösse Hermann Cohens, dessen mt-ssiarösche Sehnsucht zwar aus tiefster judischer Quoiie fioss, dessen Verwirklichungsvorstellung deswegen jedoch ein grundlegender Irrtum war, weil er — «In, auch er sieb schon für völlig entnationalisiert ansah -- sein Judentum „einbaute", von der menschlichen Vernunft abhängig machte und seinen Mcssianismus an dio Hoffnung auf den Fortschritt der M*fc*eahcH band, Dann aber denken wir an die heilige Gestalt dea so früh vollendeten Franz lioknzweig, den wahren Lehrer unserer Zelt, der, wie w6Ul keiner unseres Geschlechts sich entschieden und entschlossen hatte, che er als Jude und nur als Jude sein Wort kündete. Rosenzweig gitt uns als der grosse Wegweiser, der allein die Richtüngs'- und iiaic- Innigkeit unserer Menschen zu bannen imstande ist; er erst gab uns die OrienllerungsmöglichkeJt an unseren ur*ig< niU n Werten zurück und schuf damit wieder eine Wirklich!« It dt? jüdischen Seins. Und als dritter dieser Reihe steht Mmltn Buber utiivf \insr Aufrecht, bar jedwederÄwiespSitigkeit ' ohne Zugeständnisse an den Geist der Umwelt lehrte und lehrt Buber stets aus dem Bewußtsein seines jüdischen Volkstums heraus, erst von hier, von ■-diesem; fest*».: klar crksr!" »« Standpunkt aus erwächst ihm die Aufgabe des jikh-< nei, Volkesdem mcx«dänisch*n Menschhoitäsicle gegenüber. Judische Haltung, Orientierungan jüdischem Bein und V« r» Betrachtung des Wellgeschehens von jüdischem Standpunkt aus, das ist et, was wir von diesen Männern zu lernen hilm' KEINE ENTNATIONALISIERUNG Oft hört man: ja, jene mitteleuropäisch*. Welt, di< uns in den Zeiten unseres geistigen Werdens umgeben hatte, ist heute zwar auÄelnandergebrochen, «'iber umso mehr sei es Aufgabe der Juden, sich in die Front derer einzureihen, die mit verzweifeltem Mute wenigstens dio Trümmortcil* für einan Neuaufbau zu retten Sirenen. Stimmen werden laut ~- und die feinster Geister! —, die derartiges von uns als einem übernationalem (lies: entnationalisiertem) Adel" fordern, f damit durch ein« solch« unseren jüdischen Lcbensansprueh' j ausser Acht lassende Haltung „dem Menschengeschlecht ein positiver, ein überzeitlicher Wert erwachse" (Zinkmcyrr). Unsere Antwort darauf kann nlirht zweifelhaft sein! Wir antworten: wir Witten, das» uns eine grosse und verantwortungsvoll* Arbeit für das Menschengeschlecht obliegt, aber wir wissen .puglpSch. dais wir eben diese Aufgab* nur dann fruchtbar und schöpferisch *» erfüllen imstande sind, wenn wir nicht mehr das „helmatbernubte, entwurzelte Judentum1 sind, das irgendwie fremd und eben höchstens „anerkannt" zwischen den Völkern lebt. Und wir wissen vor allem, d.uis dio Möglichkeiten eines solchen Lebens zumindest für einen sehr, sehr langen Zeltraum nicht mehr gegeben sind, Weil wir davor 'aber nicht die Augen. vprsphHeiwen und weil wir doch unser Teil an der MenschhcUsnufgahW leisten wollen, gerade deshalb bauen wir unser Land und kehren zu unseren eigenen Gütern zurück. Dies« Rückkehr aber ist gnnz unsere Sache. So unserö Sache, dass nie nur gelingen kann — und das gilt für aiio Juden, das Judentum In aller Welt! — wenn »lo auch ein* gci.stige Rückkehr Ist! Erst dann, wenn wir wirkliche «cht* Banlc T'schuwnh sind, wenn die Wanderbewegung der Judenheil in unserer Zeit auch ein* Bewegung der Herzen ist, wer--- den wir für den Neuaufbau und das Endziel der Menschheit ftv\n«j b< d< uti n Nur vom UM n t nt i el'iiwri j d t Ihm ^etnn am Udhibfttd und »»ut 1. *«i 1 .n t'n e,,rll•, in «len, Gei<h<h»svMp d <i judi tlun Vollen k'nn un mo Mirmie fti f. •nuliM von alh n bnlurig'-n Pmlumm und \n ilwitungcn, h'-i fit d.n \Vfrt..,i ,t v) <1 1 -i i» l f 'fi> *m di« hidluhp. j t\im ir von nu'frn tu bt'» t hUn V» * j i,T,p n ni ] nun, fj brnt krp"t «i«ht mmr ai* Forni'! md d»1 Ja Li*urn!V hl .* , 1 » r*»»« kt "' ' i'r <h(Uum< .n d«r Vvrh von <inem i ii t t 'i - m >rf iJ F ti . nL' ** i ' "*ftt_________ iich ns< m \rdr.n mu * r "i 1 v,* i'n er tlmV 'ituh' han» d<lt auf t ir«r ih n ho l^n '/i'UUU »*n i wird ihm dU Antignung jutiuhn LuPur^iili dx Vi ut um «•« m \''k und Mine Ge ihthte auih <it \ er"t nf i rrtmntn tm dm jtidtsrhn Xj\d und dio jüdi feho Not unct'r Tagt AnU<. »rt auf das grosse Wimm und W< y,txntiu' (" die Zukunft S>iirtger» dorr. auf. der ..weis.«»"', worum es geht, warum Wir Juden gerade «11 das Furchtbare auf uns zu nehmen haben Diese Rückkehr in die jüdische Lehre, in das jüdisch* Wt'f.e?>?nm jud'ichon Tmsn mnv nkn hbcfhaupt, Voraussetzung einer 'jüdischen Haltung In unnorcr Z*tt. Ffan/t Tramer (J'el-Avivj, INNERE MISSION/..- M. Y. BEM-GÄVRiEL (JERUSALEM)] Der Zionismus, wir müssen uns in diesem beinah* entscheidenden Augenblick darüber klar werden, war den meisten unter uns eine ausschliesslich jHil»{Mcn-öfcfmom»«c«e Angelegenheit, eine Angelegenheit also, die in erster Linie von ausserjüdischen Faktoren abhängig war (obwohl wir uns dies nie eingestehen wollten), ein Zionismus, der, in seltsamer Verkennung der Tatsachen, ein landloses Volk ohne politische Erfahrungen und ohne dio Empirie selbständigen völkischen Lebens, ohne weitere innere Vorbereitungen stantsfähig machen wollt«. Der Zionismus, wie wir ihn betrieben, vergass nämlich eines: das Fundament, Man wird mir entgegnen; das Fundament Ist Palästina. Richtig: Palästina. Aber: Palästina ist ein Land wio irgendeines in der Weit, es gilt, «ms dem geographischen Begriff Palästina das spezifische!*nnd der Juden, das helast also ,.Zion" zu machen. Wir kamen iteeltech unvorbereitet in dieses Land und blieben es. Wir sind heute dort, wo wir vor zwanzig Jahren waren, auch wenn wir über «o und so viele wirtschaftliche Positionen verfügen und bei Demonstrationen so und so viele Tausend* aufmarschieren lassen können, denn wir haben nicht versucht, den Weg zu entdecken, der ums nun der nevlmhen Gallith im Ixind der //«>- freiung hinausführt, in jene Bezirke, in denen die seelischen und die geistigen Voramwetzugen der Landnahme zu suchen sind. Das heisst, konkret gesprochen: wir haben Politik betrieben, schlechte und gute, über wir haben nicht gelernt, die Folgen einer mehrtausendjährigen ftCflixetu n und phänischen Versklavung abzulegen, wir haben nicht erkannt, dass Palästina nicht die Aufgabe hat, eine Staat zu werden, wie Albanien oder Paraguay oder irgendein anderer kleiner Staatsraum, sondern ein politisches Gebilde,' mit »pe-zifischen Formen und Inhalten. Wir haben uns über die Inhalte eines künftigem Judenstaatea keine Gedanken gemacht; das Wort an und für aich wäre der faszinierende Begriff, ohne duss wir wussten, weiche Formen wir seinem Inhalt zu geben haben, sodass die Tatsache immer klarer wurde, das» wir eigentlich nichts anderes wollt««, als einen in Kuropa im Abstieg begriffenen Begriff kritiklos auf unsere Zukunft zu übertragen. Der aus unserer eigenartigen Herkunft, Aufgabe und Verpflichtung sich ergebende Zwang zur Eigen* arligkeit auch in ataatspolitkschen Bezirken und in allen Äusserungen, die in diese Bezirke zielen, war nicht vorhanden. So musste es kommen, um nur ein naheliegendes Beispiel zu nrnnen, das« die Re»kiio« auf . das Weisa-Buch jeder Eigenartigkeit bar war und daher nicht zwingend wirken konnte. Straisendemonätrationen mit oder ohn* Steine gibt es uh..; '» in der Welt, und nirgends in der Weit, die sich an derö spontane oder weniger spontane Massenäusserungc« langst schon gewöhnt hat, haben solch,« Demonstrationen und Entschlüsse politischer Körperschaft**» Einfiuss gehabt. Wenn in der Jerusalemer Jaffa-Strass* ein paar Strassenlampen eingeworfen werden und wenn sich Leute mit Polizisten berumprugeln — gut, dies ist vielleicht vom Standpunkt der Massenleidenschaft verständlich, aber weder dm britische Parlament R,oeh das WeJfcgewissen kann dadurch überzeugt werden,. dass eine Ungerechtigkeit' der Anlass dieser wüsten Szenen war. Schon darum nicht, weH man längft w*«**, dass derartige Svenen öbefsji vorkommen könne« und zwar schon hei weit geringeren Anlässen, und man weiss, dass es wohl spontane Manifestationen gibt, aber auch solche, hinter denen geschickte Agitatoren und unter Umständen sogar Provokateure stehen. Gewalt ist niemals ein Mittel der Überzeugung gewesen und durch einen, noch daziü g*gen die unrichtige Stelle unschuldige Strassenlampen und ebenso unschuldige Pohsisten — gerichteten Gew«Hausbrach kann niemals das Gewissen erweckt werden. Und überdies; di* lärmende Reaktion auf ein* Ungerechtigkeit führt in eine Sackgasse. In einem gewissen Augenblick, da der erste Rausch der protestierenden Zerstörungsa'rtlion verflögen Ist, tritt da» anea lähmend« Gefühl der DirekUonskw%keit *ln/ Die Demonstranten müssen «ich verlaufen, nicht weil die ihnen gegen« überstehende Macht es will, sondern weil die Masse plötzlich wieder in Einzelwesen zerfällt, die erkennen, dans ja gar kein Objekt vorhanden ist, gegen da» man demonstriert,' das» zerstörbare Telefonzellen keinen Zusammenhang mit der bekämpften Ungerechtigkeit haben, weil eben die Ungerechtigkeit eine seelische Funktion ist, während die real sichtbsren, also zerstörbaren Objekte der Strasse sowohl von Gerechten wie auch von Ungerechten in der genau gleichen Güte und Verwendbarkeit aufgestellt werden können. DJ* Demonstration führt in eine Nebengasse, die niemal»?.um Ziel fuhren kann. Der britisch« Polizist ist /.w*cklos getötet worden und die hundertzwanzig Juden sind zwecklos verwundet worden, weil all dies als notwendiger Posten im Budget der englluchen Regierung schon in dorn Augenblick vorgesehen war, als man das Weissbuch -bcschloss. Die Stunde der grossen Prüfung hat uns unvorbereitet gefunden, wiewohl wir lange Zelt von ihrem Herankommen wussten. Wir hüben reagiert, wie Kinder rengieron, nicht konstruktiv, sondern lärmend. Und dies ist der grosse historische Fehler, den wir in jenem' Augenblick schon begingen und der in jenem Augenblick achsn begann, da wir glaubten, wie all* Völker Hein -zu müsserj und vergossen, das« Wir Sonderaufgaben, haben, die dem Sinn unsere« spezifischen Anteil» am Weltgeschehen entsprechen. Wir hahtn über die Politik xennere Minnion vergessen. Und darum kann die Stunde des Weias-Buches die Stund* der Umkehr Hein, wenn wir endlich verstehen tarnen, die Zeichen, nicht die Zeit schlechthin, sondern die Zeichen unserer Zeit lesen m lernen, Dt-r Antisemitismus in Europa hat uns in den Tagen Bends t'Jo Augen geöffnet und hat ii« Dissimilation von den Wimvölkern vorbereitet,. Die zweite gross* Prüfung in unseren Tagen rnnm endlich die I>i«»imi!alion vom nicht-jüdischen Geist, der stärker in uns wohnt, i« wir es glauben, in die Wega leiten, Wie immer unsere Zukunft in Palästina sein wird, sie mu»» ein* jüdische sein, jüdisch, nicht aHein im Sinn der Hebrafslerung, sondern in jenem Sinn, der unter Judentum dl« Verpflichtung versteht, zu den Quellen des Judentums, nicht nur in der Politik, sondern auch im täglichen Leben, in der Art der Bereitschaft und In der Art der Reaktion auf äussere KinfiUss« 'zurück-' -zukehren. Kin englisches Parlamentsmitglied Smith, der von den Juden nicht mehr weis», als er in der Bibeiutunde hört«, muss Ueberxeugt werden, d&ss wir durchaus nicht bereit sind, all* die sich »"» di>r europäischen Entwicklungsgeschichte ergebenden Fehler im gesellschaftlichen Labert äu übernehmen und dass wir stets bereit sind, jede geschichtliche Chance, ein eiyenye»elr:Uche% Leben uns aufzubauer», ergreifen werden, Kin solcher Will* die« überzeugend zu beweisen, ist unser« Sache — Ist stärker als jedes Weiss-Buch, schon' «u-i dem Grund, weil Weisst-Bücher nur {jofitiaci^ Manifestationen simf, während #r Wille eine« Volkes, wenn er wirklich nu# den Tiefen »eines jgeschichUichen Bewussts«ins kommt, über* politisch Ut. Dies k&ntt- «ns das Welss-BM^h lehren., wenn wir noch belehrbar sind, und wen» unsere Führ*r das Gebot der vor allem Inneren Mission erkennen. Die Voraussetzung einer überparteilichen politischen Baramlung ist die Innere Sammlung das Elnzelirtdividuums. Wenn wir duia erkennen, müssen wiauch wieder die ewige Watorh^H des Wortes GAM SU LTÖVAH erkennen, und zwar auch in Bezug auf diesen, an der Ewigkeit des jüdischen Gedankens gemessen, zeitlich tt-hr hfegrenzten Entschlu«» eines britischen Ministerium« und seine« Parlaments.