Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 13 (9.6.1939)
- Date
- 1939-06-09
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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SELON^a» FOTO I PALÄSTINA-BLATT Verwirrung Von wferen §±-Mii*rb*Hcr. Tel-Aviv,€.Ju*i Wen« *w »«» *•> ******** Re*i«rung bei der Prokla- »rStrunf 4e» Weissbuch«» darin la*. Palästina eine klare tisch« Linie und damit den langersehnten Frieden »u geben, to mun» man feststellen, daa« dies« Politik genau da« G«- iranteil von dem erreicht hat, was nie vorhatte. Palästina hat fleh in den leUten drei Jahren an Spannungen und Konflikte, an Gefahren und Attentate, an Mord und Verteidigung gewohnt, aber kaum jemal« in dlc.«n drei Jahren hat die Unsicherheit und die anormale Lab«n»*eaUltung einen «ofehen Grad erreicht, wie in den noch nicht awel Wochen, die a*?t dem 17. Mal, -dem Publikatlonadatum des achleksalsachwang«. ren Dokumente«, vergangen »ind. E« ii«gt wie «in Dämon der Verwirrung de« gegenseitigen Miastrauen« über dem Land, niemand weiM, waa die nächste Stunde bringt, niemand wagt su tagen, von welcher Seite die nächsten Angriffe kommen können. Wahrend die jüdisch« Wirtschaft Im Laufe voller drei Jahre troU aller Bedrohungen Ihr« normale Arbeit aufrecht erhielt, erhält sie j«t*t schwere Schläge. Jerusalem, die Hauptstadt des Landes und Ihrer Lage wegen und der gemischten Bevölkerung halber besonder« empfindlich gegen Terrorangrtffe, Ist seit Tagen erfüllt von einer gespannten und bedrückten Atmosphäre. Die Militärbehörden, die iu- •rsf die kluge Politik verfolgten, »ich passiv zu verhalten und der Jüdischen Bevölkerung gestatteten, ihrer Empörung und Ihrem Widerstand durch Demonstrationen Luft zu machen, haben bald dazu übergehen müssen, Zwangsmassnahmen als Antwort auf Störungen der öffentlichen Sicherheit *u verhangen. Jeder Akt, der von Juden auszugehen achien, — bisher Ist die Urheberschaft noch nicht enoicaen worden — wurde mit Repressalien beantwortet, die dem jüdischen Publikum schwere Entbehrungen «uferlegen. Bomben in einem arabischen Kino: Schliessung aller Kinos In Jerusalem und 8 Uhr-Sperrstunde für Cafea und Restaurants; Schüsse auf arabische Autobusse: Stillegung mehrerer jüdischer Autobuslinien, Sabotage Im Telefonnetz: Sistierung weiterer Autobuslinien. Man könnte meinen« daas dieses Hin und Her ad Infinitum weitergehen könnte, wenn nicht auf der einen Seite in Betracht "£**og<m werden muss,--- dass die .'jüdische. Boyöt-. kerung der Hauptstadt unter diesen Zuständen schwer leidet, und das« andererseits die Regierung In einem bestimmten Stadium su mchwerer lastenden Repressalien greifen könnte wodurch gewaltige Komplikationen entstehen würden jüdischer Terror? In der allgemein herrschenden Verwirrung sticht eine neuartige und grausige Tatsache hervor: man wagt es heute nicht mehr. Zu leugnen, das* es von Juden verübte Terrorakte geben könne. Geschah in früheren Perioden der Unruhen hier und da ein Akt, bei dem man auf jüdische Tutor «ehliesson müsste, so regte sich tiefer Zweifel daran, ob Juden überhaupt?.u diesem Mittel greifen würden, zugleich seh los« sich die überwältigende Majorität des Jiachuw in einer gewaltigen Welle de» Abscheus und der Verdammung gegen den Terror von jüdischer Seite zusammen. Heute droht die Situation ande.s «tu werden. Zwar kann man immer noch mit Sicherheit behaupten, dass der Kern und die Mehrheit des Jiachuw mit diesen Akten, die Schuldige und Unschuldige gugteich der Vernichtung preisgeben, nicht» zu tun haben will, zugleich aber gibt es so etwa» wie eine ablehnende Haltung, die dennoch diese Akte zu verstehen meint. Charakteristisch dafür sind Pressc-uusserungen, in denen bei allem Abscheu vor Terrorakten der Beweis geführt wird, dass die eigentlich Schuldige für das vergossene Blut die englische Regierung mit ihrer Wcissbuch-Polilik sei. die zu einer derartigen Verzweiflung und Empörung geführt habe, das« alle .Schranken niederbrechen. Man kann auch im Publikum oft genug da- " Meinung hören, daas ja schliesslich nur der Terror den Arabern ihre Erfolge gebracht hätte und dass in dieser Situation vielleicht kein anderer Weg offen bliebe, ab der, den die Juden drei Jahre abgelehnt hatten. Diese Diskussion und diese Argumentierung beweisen zugleich mit der immer schwieriger werdenden Situution In Jerusalem, welch« fürchterlichen Folgen die englische Politik im Lande gehabt bat. Sie »4igt jedoch auch, das* im jüdischen Lager es an der Klarheit und Einheitlichkeit fehlt, die Im heutigen Moment unerläßlich iat und das« es dringend ~nötwenaijjrwfrd.rein vernünftiges und du-re-hiühr hif t» Aktionsprogramm zu finden, und es mit alier Macht durchzusetzen, wenn die Flut der Verwirrung nicht «lies überschwemmen soll. nisteii nie Kreise an, die seit langem mit der Politik der Lei* tung (auf diesem oder jenem Gebiet) nicht einverstanden waren und jetzt die Gelegenheit zu einem Generalangriff benutzten. Es entsteht einfach *in innerjüdisr-hgr Kampf um die Macht. Es ist typisch für die Situation. das« /.um Beispiel das rechtsstehende Blatt „Ifahoker" ungefähr ebenso scharf gegen die KxekuMre schreibt wie gegen England Es wird im Publikum der Eindruck erweckt, als ob sehr bald alles ander.-* und be.«M'r wurde, wenn nur ander« Männer an di« Spitts« tr&tfn, Die Bemühungen, eine solche Änderung r.u erreichen, konzentrieren *'eh in letzter Zeit um die Bildung eines sogenannten ..Rettungskornlto««*', das von verschiedenen Seiten m\t Nanhdruek gefordert wird. Die Exekutive hat zu Beginn diese Forderungen abgelehnt, ist jedoch nach und nach dazu übergegangen, den Forderungen Gehör zu schenken, und es wurde vor einigen Tagen bereits das Gerücht verbreitet, dann die Bildung eine* solchen Notausfchusses aelunptr. sei. Als zentrale Figur dieses Komitee« wurde Pinchaa Ruten r r g, der Präsident der palästinensischen Elektrizitätsgesellschaft, genannt. Er hat jedoch im letzten Moment mitgeteilt, dass die Interessen der Gesellschaft, die er vertritt, sein« Teilnahm« nicht ge statten, und damit sind die Verhandlungen wieder auf eSnen toten Punkt gelangt Es liegt vielleicht ein richtiger Gedanke darin, in einem solchen Moment die Basis der Verantwortung zu verbreitern, damit Beschlüsse der Exekutive, oder überhaupt der leitenden Organe, durchgreifende Autorität erhalten. Gibt es doch nichts Gefährlicheres als die gegenwärtige Situation, wo radl kale Elemente auf eigene Faust vorgehen, der gesamte Jlschuw dann für die Folgen aufzukommen hat und letzten Endes niemand weiss, welch« Richtung eigentlich die offizielle zionistische Politi: einzuschlagen gewillt Ist. Zugleich liegt eine gewisse Selbsttäuschung darin, zu glauben. da*H die Heranziehung neuer Menschen genügt, um die Verwirrung '/su beheben und die Situation hoffnungsvoller zu gestalten. Man rnusa einmal einsehen, dasa die Situation im Moment ausserordentlich kompliziert ist und dass man ihr nur mit Vernunft, TR55R5TJTJT1 und Entüd 'suenfieit *ftts;?g*!itrcl<?n ■fe.ftn»! Kämpfe Es ist in Palästina ein öffentliche« Geheimnis, da« seit langern ein Kampf gegen die bestehende Exekutive geführt wird. Mit der Publikation des VVeissbuches iat dieser Kampr zu einem heftigen Ausbruch gekommen, Di.? erste Antwort der Revisionisten auf das Dokument waren die Rufe „Nieder mit Weizmann" und sehr bald »chio»»eu sich -'vu FUv I Arabische Ctc^enapkler Die Situation für die Engländer wäre denn etwas leichter, wenn sie gegenüber der Unruhe und der Empörung der Juden wenigstens darauf hinweisen könnten, dass die Araber die Weis.'.buchpolitik annehmen und auf seiner C^rund- Jage mit ihnen zusammenarbeiten wollen. De facto haben jedoch der Mufti und seine Anhänger das Weissbuch in Rausnh und Bogen abgelehnt und bestehen auf ihren urj>prünglich»n Forderungen: .'sofortige Einstellung der Immigration, Verbot des Bodenkaufes und Errichtung eines unabhängigen arabischen Staates." Hand in Hand mit diesen Beschlüssen gehör, augenscheinliche Verbuche, den arabischen Terror wieder zu beleben, und Gerüchte gehen um von neuem Waffens.chmuggel und von neuen Aufstandsplanen. Dass die Muftifraktion derartige Absichten hat, scheint ausser Zweifel, es Ist auch wahrscheinlich, dass sie dabei die Unterstützung ausländischer Mächte findet. Umso wichtiger Iat für die Englander das A u f treten einer g e m ä s «igt e n a r u - bischen Fraktion. In der letzten Woche fand in Jerusalem ein« Konferenz, der Gemässigten unter dem Vorftitz von Rhageb Bey Nashashibi statt, die das Wetesbuch als Verbundlungabaais annahm und eine Delegation zum High Com« missione.- entsandte, um Ihm Vorschläge und Forderungen au unterbreiten. Diese Vorr»e.hliige zielen samtlich darauf ab, das Leben im Lande wieder zu normalisieren und es i.H offensichtlich, dasa man von der Regierung wirtschaftliche Hilfe für die durch die Unruhen pauperisierten Masüen erhofft und damit mehr und mehr Anhänger auf Helten der Gemässigten zu sieben bemüht ist. AI» Gegengabe bk-Ut die Nashashibi-Gruppe der Regierung ihre Mithilfe bei der Bekämpfung de« Terrors an, W«nn man bedenkt, wie diese aeib« Gruppe der Opposition von den Engländern noch vor wenigen Monaten bei der Konferenz in London gering geschätzt wurde, wie man sie dort zwang, völlig hinter der Mufti-Gruppe xuruekzutreten, so läsat sich ermessen, welch gro*«er Umschwung .}^^l4^§n^ln^trt^^»t_. D[e ETigländer verzweifeln anscheinend daran, den Mufti zu einem Kompromiß zu bewege« — die Order, die dem Mufti die Rückkehr nach Palästina verbietet, Ist ein interessju.te» Symptom dafür - und »i« suchen sich jetzt auf andere Kräfte im ar»bi»r.-hen Lager zu stützen. Kräfte, die sich bisher gegenüber dem gewaltigen EinfluAs de» Mufti und der von seinen lauten angewandter* ) Terrormethoden nicht haben behaupten können, Diese Oppo-! silionsgruppe ist heute die einzige im Lande, die mir, den Engj iändern enge Kooperation awatrebt Der Mufti auf der e;n«n \ Seile, die Juden auf der anderen lehnen eine Zu.vimmenj Klarheit Urt Not Die Publikation dos Weissbuches hat somit Palästina In die gross te Verwirrung gestüi-«!, die es uhrner durchzumachen hatte. Es ist für die Juden lebenswichtig. In dieser Verwirrung für sich eine klare Linie der Politik und Aktion zu entwickeln. Bisher Ist nur eint* deutlich, du:c-i die Juden du* Welaabuch bckOmplen wollen. Es wurde kpuler — gleich nach den ersten Demonstrationen ein Progrit i,in de,; Waad Lcuml aufgestellt, in dem weitere Grundsätze für den Kampf skizziert wurden. K« scheint jedoch, dass über di» Durchführung dieses Programme* keine rechte Klarheit herrscht, und da von der Leitung bisher nicht eindeutig festgelegt wurde, waa zu tun und was zu lusnen Ist. sind wir Zeugen von JSinzebikt/onen geworden, die vermutlich nur von wenigen gebilligt, von manchen toleriert, von vielen abf;< lehnt werden. Kir. wirk-jfum-r Kampf, der zum 'degreieltcM Ende fuhrt, ist unter diesen Bedingungen «chwer zu führen. En muss daher sofort ein in allen Einzelheiten klares Programm geschaffen und dmui «eine Durchfuhrung mit uller Autorlt ii t ausgestattet wpnl"n. Neue FluchÜingslandung Diese Woche n\nd zwei Schiffe mit illegalen Immigranten von den Behörden angehalten worden, und zwar der „Atrattd" mir 4«V» r rüentimgen an liord, und ein paar Tage Wpäier"" did „Ueselmit »30 Paasagieren, Beide Schiffe segelten unt«r der Flagg« von Primim«. Die Beuiffe wurden .'mich Haifa gebracht und die Passagiere wurden gelandet und nacil DcMnfizicrung und fotografischer Aufnahme etc. entlassen und bei Angehörigen oder sonstigen Judenfurnülen untergebracht. Viel« Bürger von Half« meldeten sich zur freiwilligen Beherbergung der Flüchtlinge für die ersten Tage. Ks handelt sich um Einwanderer aus Polen, Rumänien, Deutschland. Österreich und T.nchet huyJovakei. Die 7mU\ der Kingewandertcn wird von der rnonntlieheln Zertifikaf;<-S<:hedule abgezogen werden. Knpitun und Mannschaften werden gerichtlich angeklagt werden, die .Schiffe «ollen nach dem letzten Geseu b e » «.-1» 1 a g n a h m i werden. Uns Schiff •„Ärtemiaia", dum tun ZU.' Marz wegen Landung lllegulfir Immigranten beschlagnahmt wurde, soll am 20. Juni versteigert «verden. , D«a beistehende SSollahküminen mit Syrien ist bis zum 3i, August, verlängert worden. Pas Zollabkommen war am 1.3. abgelaufen und wurde sr.uer*t bis zum 31. 5. verlungert. Verhandluugen in Beyrouth üh«r eine Änderung 'führten bishcl zu keinem Krgf?bnis und in der jetzigen Bekanntmachung wlr4 bemerkt, doxa die Verlängerung auf drei Monate diu Möglichkeit für weitere Verhandlungen geben so!! Vertrauensspediteur dm, M. O. 6. für Elr»w«nd«r«fQut in LfM» und Kitfan HAUSMANN TRANSPORT CO. International« Spadi taur« HmHm. »«4«lrt«.M««M f«t.A»|v> ftt **mmbf UL l§77 Tal. Mit UNS!R fiMP v*rpflicKt«t unt tu dmn höcK»l«n L«iiitungtn in •legont«r Dom«r»b«)l(Uidur»g, t% DAVID * LTD. Ht-Avr/ SS AJMta«« ilgtfSAilü mtdf Hmm f «hat««) WENN IN HAIFA Wohnen Sie im SAVOY HOTEL Modern eingerichtet. 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