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Jüdische Weltrundschau · 1939-06-09 · 13 (9.6.1939) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
13 (9.6.1939)
Date
1939-06-09
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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MU 10 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Nr. 13, 0. VL im die Errichtung des NiitionaJhclms, wie es In der Einleitung zum Mandat festgelegt Ist. sicherstellen, d. h. Rem Am clern Grundsatz:, dass die Juden ihr nationales Heim in ihrer alten Heimat wiedererriehten. Das „NationalhHrn" Ist keine Erfindung der Balfour-Dcklarntton, sondern entspricht einer uralten Idee, die nur von neuem bestätigt wurde: die Juden kehren nur in ihr Land zurück und hauen in ihm wieder auf, wna ihnen einst Kohorte. Das *«t die ausdrück- U-;he Formulierung und die klare Absicht, dm Mandat». Und weil dem ho ist, int die Rückkehr der Juden nach Palästina durch nicht« h•; nzt aiifi.ier, das« die Mnndntsrcgierung dafür zu sorgen hat, dass die Einwanderung die Übrigen Kinwohner des Ijin es nicht beeinträchtigt. Der gleiche Paragraph, welcher der Regierung die Erleichterung der jüdischen Einwanderung auferlegt, spricht daher von dem „Schul* der Recht«» und der Stellung der übrigen T c»I e 1 der Bevölkerung". , * Der Schatz der wehtjüdisebea Bevölkerung Die Verfasser den Mandat» und der Balfour-Deklsration Wm-sten. das* Palästina kein völlig leere» lAnd Int, und sie übernahmen die Sorge für den Schutt der bürgerlichen und religiösen Rechte aller Gemeinschaften im I>ande. i Auf der londoner Konferenz verbuchte der Vertreter der Regierung zwar darzulegen, dünn den Verfassern der BaJfour-Deklnration die Existenz der Araber im Lande Uberhaupt nicht bekannt gewesen .sei, da«« sie die Deklaration auf der Grundlage eines faktischen Irrtum« abgegeben hätten, und das», nachdem »ich der Irrtum herausgestellt habe, die Deklaration ihre Gültigkeit verloren habe: der gleiche Vertreter tnusste jedoch noch auf derselben Konferenz zugeben, daf?« dl«? jüdischen Führer bewiesen hätten, datis diese Behauptung unhaltbar sei. weil die Britische Regierung, die die Deklaration abgegeben hat, einen detaillierten Bericht über die Zusammensetzung der Bevölkerung dos Landes vor sich gehabt habe. Die Verfasser der Balfour-Dcklarntion, und nach ihnen die des Mandat«, wussten damals sehr wohl, das« die Araber die Mehrheit im Lande bildeten — und dennoch übernahmen »ie er., die Errichtung de» Nationalhclma d es j ü d i m c h e n V o I k e h zu fordern. Sie konnten da3 nur auf der Basis zweier Voraussetzungen tun:!l 1) dass, obwohl das I^'tnd nicht uubesiedelt war. freier Raum rilr eine jüdische Einwanderung und die Möglichkeit der Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk vorhanden war; , 2) daä.<wdas jüdische Volk Palästina nicht fremd, das« es mit ihm vielmehr durch historische Verknüpfheit verbunden und gezwungen ist, ins Land zurückzukehren und dort sein Nationulheim wiederzucrriehlen.;• Diö Bulfoui -Deklarat ion begann iiiit einer tjHymp»tliic- 'crkläntny »S*. M. Kegitrrunn für die jüdisch-'Jimixliwhcu .....Bestrebungen". Das Mandat stellte in seiner Einleitung fest 'dass in dieser Deklaration sowohl die historische Verbundenheit dos jüdischen Volkes mit Palästina wie- .auch dk 'Grundlagen (grounds) für die Wiedererrichtung des Nationalheims in diesem Lande anerkannt worden sind, Biese — zwar r.jch intes G r und!ag c n können, da sie z u s ü t. % 1 i c h s?u der historischen VerknüpftheJt sind., nur als Grundlagen verstanden werden, die die 'Juden zwingen, sieh in ihrem Lande zu konzentrieren, d. h. die Bedrängnis der Juden und Ihr Wille, als freie» Volk in der eigenen Heimat zu leben. A Eine* ist über jeden Zweifel erhaben; die Rnlfour- Peklaration und das Mandat meinen nicht dir Juden Palästina*, sondern das jüdische Volk In der Welt, und das jüdische Nationalhelm Ist nicht für die Juden holt Palästinas gedacht, sondern für die Juden, die ins Land einwandern müftftcn und können. Das Mandat iasst jüdische Einwanderung nicht allein xu, sondern verpflichtet die Mandatsreglf rutiK. diese dadurch xu erleichtern, das* sie solche politisch« n, ad m i n i s t r a t i v e n u n d wirtschaftlichen II e d I n < u n g e n schafft, die die KrrichtunK des Jüdischen Nationalheims sichern, d.h. mit anderen Worten, jüdische Einwanderung und jüdische AndiedlunK. Mit Recht sagt das Weissbuch, dass an keiner Stelle im Mandat von einer Refcrciizunn des Ausmaße* der jüdischen Einwanderung gesprochen wird — und deshalb ist es unmöglich, irgendwelche willkürliche polltische, künstliche Schranken der Einwanderung mit dm BeatJmmungen dm Mandates tu begründen. Auf Antrag der englischen Regierung beschloss der Völkerbundsrat im Jahre »930. dast „die jüdische Einwanderung entsprechend der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Land«» zugelassen werden solle". Im Schreiben des Ministerpräsidenten an Dr, Weidmann vom Jahre 1931 wird lerner klar festgestellt, dass die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit da* einzige Kriterium bei Festlegung des Umfang« der Ein Wanderung darstelle. Die Verfasser des Weissbuches können selbstverständlich jene Dokumente nicht übersehen, wenn sie auch aus irgendeinem Grunde den Besehluss des Volke r blfndsratcs der Mandatskommission zuschreiben. Aber die Interpretationskunst der Vertasser des Weissbuches kennt keine Grenzen: nachdem sie selbst die Dokumente bezeichnen, die zur Regelung der jüdischen Einwanderung nach der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes verpflichten, fahren sie fort: „Aber S. M. Regierung versteht weder das Weissbuch von 11)22 noch den Brief vom Jahre 193t so, als gehe aus ihm hervor, dass das Mandat sie verpflichte, die jüdische Einwanderung nach Palästina für alle Ewigkeit und untär allen Umständen, dem Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes entsprechend zu erleichtern." Wieder haben wir vor uns die List mit dem Begriffe ,.fttr alle Ewigkeit", den wir im Abschnitt über die Verfassung gefunden haben. Die List kehrt noch ein «weites Mal wieder. „Ehr-nsowenig findet sie (die Regierung) weder im Mandat noch in der später veröffentlichten Erklärung auch nur die Spur einer Bestätigung für die Ansicht, dass die Grün» dung des Jüdischen Nutionlheims in Palästina nur verwirklicht werden kann, wenn eine unaufhörliche jüdische Einwanderung zugelassen wird." Gibt denn nicht das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit die Antwort auf die Krage nach dem „Unaufhörlich"? Glauben die Verfasser des Weissbuches wirklich, dass da» Mandat unaufhörlich und für alle Zeiten in ihren Händen blefben wird? Haben sie doch selbst gesagt, dass das Mandat einmal zu Ende gehen wird und die Verpflichtung für den Träger des Mandats besteht ja nur solange, wie das Mandat besteht. Aber auch die Verfasser des Weissbuches wissen, dass die? nicht ihr Hauptargumcnt ist, und so treten sie ganz allmählich in die politisch* KrMutmmg rin, dir der tirnrm Politik -.unrnndi> Ii* i/f. „Obwohl es nicht schwer ist zu behaupten, dass die grosse Zahl der jüdischen Einwanderer, denen man die Einwanderung nach Palästina gestattet hat, bisher wirtschaftlich absorbiert worden ist. hat doch die Befürchtung der Araber, dass der Einwandererstrom unaufhörlich andauern wird, bis die jüdische Bevölkerung in eine .Situation gelangt ist, die ihr d I e Herrschaft über die Ar «her ermöglicht, Folgen gehabt, die für Juden und Araber in gleicher Weise sehr ernst sind." „Die Furcht der Araber" Derartige Ausführungen vernahm man such bei der Londoner Konferenz. Als aber die Regierung gefragt wurde: „Und wie steht es mit der Furcht der Juden, von den Arabern beherrscht zu werden?", gab man keine Antwort, obwohl nach dem Zeugnis des Weissbuches die Diskussion „umfassend, frei und offenherzig" war. Auch das Weissbuch gibt aut diese Frage keine Antwort Worin zeigt sich eigentlich die „Furcht der Araber"? Etwa in ihrer Flucht aus dem Lande? Nein! In der Periode, in der die Einwanderung nach dem Grundsatz der Aufnahmefähigkeit des Lande* reguliert wurde, ist die Zahl der Araber im Lande nicht kleiner, sondern grösser geworden, ja In ein«m Masse grösser geworden, das in keinem anderen arabischen Lande seinesgleichen hat. Aber nicht nur das: Araber aus den Nachbarländern, die sich der „Selbständigkeit" erfreuen und in denen es nicht die „Gefahr" eines jüdischen Nationalheims gibt, haben ihre unabhängigen Länder verlassen und sieh in Palästina niedergelassen. Worin zeigt sich also die Furcht? Das Weissbuch, gibt diesmal eine Antwort auf die Frage: „Tn den beklagenswerten Ereignissen der letzten 3 Jahre" — d. h. also im Terror und in den Gewaltakten gegen Aruber, Juden und Engländer, die im I^ande von irgendwein orgfAiiisiert worden sind. Das Weissbuch, ver?jteht sich, weiss „die Methoden, die von den arabischen Terroristen gegen ihre urabiachen VolksrfcwiHsr-n, wie gegen die Juden zugleich angewandt wurden, rückhaltslos ru verurteilen'. Man muss den Verfassern des Wo issbuch es r.um Lobe anrechnen, dass sie zum mindesten In diesem Punkte die gnnze Wahrheit gesagt haben, dass nämlich der Terror sich nicht nur gegen Juden gerichtet hat, sondern auch und vor allem „gegen ihre eigenen arabischen Volksgenossen". Warum aber haben die Verfasser des Wciss- ■3, die doch ohne Zweifel kluge Leute sind, sich nicht selbst gefragt: Wozu bedurfte es eines Terrors gegen Araber, wenn der Terror der Ausdruck der Furcht vor Juden ist*.' Auf Grund wc.?cn stellte man fest, dass „diese Furcht die Unruhen hervorruft?" Warum wurde der Bürgermeister von Hebron ermordet, einer Staut, in der es fast keine Juden K'ibt, wenn doch der Anlass zu den Unruhen die Furcht vor Juden ist? Warum wurden andere arabische Führer — in Jaffa, in Nablus. Dschenin und Tulkerem und in Dutzenden von arabischen Dörfern — hingemordet, obwohl es dort über-' iiaupt keine Juden gibt? Wäre es nicht richtiger gewesen, die Wu.-ael des Terrors in der Existenz einer Bande zu suchen, die das Land, Juden wie Araber zugleich7 gegen denI Willen der Bevölkerung beherrschen will und sich rur Erreichung dieses Zieles der Mittel des Terrors bedient? Kennt S. M. Regierung nicht die Kräfte von aussen. Kräfte auaScihail, Palästinas und der ganzen arabischen Welt, die dem englischen Imperium nicht weniger feindlich sind als dem jüdischen Volk und die hinter den langandauernden Unruhen im Lande stehen? „Die Unruhen — klagt das Weissbuch —- haben die Ent Wicklung des Landes in hohem Masse zurückgeworfen, die Sicherheit von Leben und Eigentum ins Wanken gebracht und eine Verbitterung zwischen Arabern und Juden ge> schaffen, die unter Bürgern ein und desselben Landes besonders schmerz!ich Ist" Wie seltsam aber ist die Schlussfolgerung. die aus diesen Tat suchen gezogen wird. Sie besteht nicht, wie man annehmen sollte, in der Ausrottung des Terrors und in der Unterstützung der ruhigen, friedliebenden, den Gesetzen treuen Bevölkerung, die die Entwicklung des Landes zu fördern und die Sicherheit von Leben und Eigentum zu stärken imstande ist, sondern in einer Prämie für die Verbrecher; in der Erdrosselung der jüdischen Einwanderung. v Nach der „Regelung" der Einwanderung kommt die Bodenfrage an die Reihe. Das Kapitel über den Boden ist besonders kurz und umfasst nur 2 Paragraphen. Aber dieses kurze Kapitel ist aus dem ganzen Weissbuch dasjenige, das das meiste Gift enthält. Das Kapitel über die Einwanderung «st ein Dolch stoss in den Rücken de» jüdischen V o I ke s, aber wenigstens werden die Juden Palästinas nicht betroffen, jedenfalls nicht als Juden und Angehörige ihres Volkes, sondern als Bürger des Lindes, — so wie die Abessynier, die Griechen, die Armenier und Angehörige anderer Völker, die im Lande leben. Das kurze Kapitel über die Landfrage jedoch beraubt nicht nur das einzige Volk ohne Boden, das es in der Weit gibt, seines Rechtes, sich im „Nationalheim" anzusiedeln, es verdammt auch die Juden Palästinas zu einer Position von fler bürgerlichen Gleichberechtigung beraubten Untertanen und brandmarkt sie als Aussätzige, vor denen man die arabischen Bürger des Landes schützen, die man in bestimmte Bezirke oder in einen bestimmten Bezirk einsperren und deren Bewegungsfreiheit man auch in diesem Bezirk ausserhalb der Städte beschränken muss. Wie das im einzelnen geschehen soll, — darüber sagt das Weissbuch nichts. Ab«r aus den Gesprächen in London ist die Tendenz der Regierung wohl bekannt, und im Weissbuch erhält der High Commissioner „Generalvollmacht, Bodentransaktionen zu verbieten und zu regulieren. Diese Vollmachten sollen mit dem Tage der Veröffentlichung dieser Erklärung über die Politik in Kraft treten, und der High Commissioner »oll sie während der £/«m;cs t'i>cr<;a>^;s-!»eriade behalten". In «loa Londoner Verhandlungen hat uns die Regierung wiesen lassen, dass sie für Bodentransaktionen drei Kategorien von Bezirken im Lande festzulegen gedenkt: die eine soll der jüdischen Kolonisation überhaupt verschlossen bleiben, in der zweiten soll die Bodenübortragung auf Juden im Einklang mit den Vorschlägen der Königlichen Kommission und der Woodhead-Kotnmission begrenzt sein; in der dritten schliesslich soll die Boden Übertraining frei sein. Das Märchen von der Depossedieruig Das Märchen von der Depossedicrung der Araber vernahm man tum ersten Male vor der Shaw-Kommission nach den Unruhen!M». Er wurde spater von britischen Bachven.tön<hgcn untersucht und völlig; zerstört. Schon vor der Königlichen Kommission haben die Vertreter der Jewish Agcney ausgeführt, dass die Juden nicht nach Palästina f tkommen sind, um die Lage der Araber zu verbessern, sondern um ihr eigenes Nationalhoim dort zu errichten. Die Ansiedlting der Juden sei kein Mittel zu einem äusseren £iel, sondern Selbstzweck: Lösung der Judenfrage und Wiederverwurzelung de» jüdischen Volkes in seiner alten Heimat. Aber der Charakter der jüdischen Einwanderung und Kolonrsstion und das Wesen des jüdischen schöpferischen Werkes hätten dnzu geführt, dass dos ganze Land und alle seine Einwohner die Früchte dieser Einwanderung und dieser Kolonisation geniessen. Die Königliche Kommission hat diese Behauptung geprüft und ist zu dem Schluss gelangt, dass die jüdische Kolonisation den Bewohnern dea Landes in ihrer Ge s s m t h e i t zum Regen geworden ist und nur «ur Erhöhung des I^ebensstandards der Araber beigetragen hat. (Vgl. Kap. 5, f 42. des Peel-Berichtes». Wenn die Königliche Kommission dennoch. Tür den Fall, das« ihr Vorschlag auf Teilung des Landes und nuf Errichtung zweier selbständiger Staaten nicht angenommen werden sollte, eine Beschränkung der Jüdischen Einwanderung und Ansiedlung vorgeschlagen hat. so geschah das aus politischen Gründen. Auf dem Gebiete der Einwanderung leugnet das Weissbuch nicht, das« politische Erwägungen, nicht wirtschaftliche Gründe S. M. Regierung zu dem Schluss geführt haben, dass die Einwanderung r,unäch»t beschränkt und später eingestellt werden soll. Man muss die Verfasser des Weissbuches dafür loben, dass sie sich wenigstens auf diesem Gebiete nicht hinter lügenhaften wirtschaftlichen Auaflüchten versteckt, sondern die Karten aufgedeckt haben: man müsse sich dem arabischen Terror unterwerfen und die jüdische Einwanderung einstellen. Man kann aber nicht umhin, sich darüber /u wundern, warum die Verfasser des Weissbuches den gleichen Mut nicht auch im Kapitc] über die Bodenfrage bewiesen haben. Der Vorschlag eines territorialen Ghettos für die jüdischen Bürger Palästinas und der „Verbote und Regulierungen" bei der Übertragung von Boden auf Juden wird sozusagen mit der Sorge S. M. Regierung für die Vermehrung der arabiuehen Bevölkerung und mit dem Willen begründet, den gegenwärtigen Lebensstandard der arabischen Landarbeiter zu wahren, Ist denn aber der Lebensstandard der arabischen Landarbeiter in West-Palästina niedriger als in Trans Jordanien, wo doch schon seit Jahren das Verbot der Übertragung von Boden auf Juden besteht? Ist denn der .Lebenstandard der Araber Palästinas niedriger als der der Araber in den Ländern Jemen, Irak oder Ägypten, die doch S. M. Regierung zu der Entscheidung über das Schicksal Palästinas zugezogen hat? Gibt es nicht in den Ländern des arabischen Vorderen Orients weite Flächen, die für alle heute lebenden arabischen Vöiker und ihre Kinder in reichstem Masse ausreichen würden? Kann nicht das unabhängige Irak das Doppelte und das Vierfache der Araber Palästinas aufnehmen? Kann S. M. Regierung jene geraden, humanen Worte der Permanenten Mandatskommission verleugnen, dass „man daran denken müsse, dass das kollektive Leid der Araber und der Juden nicht miteinander verglichen werden kann; stünden doch den ersteren weite Flächen im Nahen Osten Offen, die einstmals der Wohnsitz einer grossen Bevölkerung und die Heimat einer glänzenden Kultur gewesen sind, während sich gleichzeitig die Welt immer mehr der Ansiedlung der letzteren verschliesse." Doppehe Buchführung für Juden und Araber Wenn S. M. Regierung bei Abwägung der Palästinafrag« den ganzen Vorderen Orient, von Irak bis Jemen, politisch ins Gewicht fallen iässt — dann wäre es nur gerecht, wenn sie alle jene Länder auch dann in Rechnung zieht, wenn das Schicksal der noch ungeborenen Araber Palästinas erwogen wird. Im Irak gibt es, wie bekannt, gewaltige, fast unbegrenzte Möglichkeiten für eine weitere Besiedlung, und man kann gar nicht daran zweifeln, dass das Lebensinteresse Iraks die Erweiterung seiner arabischen Bevölkerung erheischt, damit mit ihm nicht das geschieht, was dem Sandschak Alexandrette in Syrien zugestossen ist. Aber diese Möglichkeiten und Sorgen scheinen die Gedanken des britischen Bundesgenossen Iraks überhaupt nicht tu beschäftigen. Die arabischen Nachbarstaaten existieren offensichtlich nur dann, wenn die Notwendigkeit besteht, dem Druck der Terrorbanden noch ein politisches Gewicht tu verleihen. Die Führung des arabischen Terrors und die Autoren des Weissbuches gentessen die Vorteile zweier Weltin: Will man die Juden unter Druck nehmen, gibt es eine geeinte arabische Welt Geht es aber um die Abwägung der Siedlungsmöglichkeiten, — dann wird einzig und allein Palästina in Betracht gezogen. Das jüdische Volk betrachtet Palästina als eine besonder« Einheit und es kann nicht zugeben, — und auch die Geschichte der Menschheit gibt nicht?:u —. dass dieses auserwählte Land nur ein Anhängsel der arabischen Iiinder sein soll. Der jüdische Anspruch stützt sich auf die freien Möglichkeiten innerhalb der Grenzen Palästinas, der Grenzen i'n historischeen Palästina, auf das* sich — nach dem glänzenden Zeugnis der Königlichen Kommission — die Balfour Deklaration bezogen hat (vergl. den Bericht der Königlichen Kommission, Kapitel 2. Paragraph «2. Abschnitts, Seite 38). Aber selbst in den Grenzen West-Palästinas, das dem britischen Mandat unterstellt ist, gibt es freie Bodenflächen, die ein Vielfaches der heutigen landwirtschaftlichen Bevölkerung aufnehmen kommen. Man braucht sich hiernicht einmal n»f das Zeugnis jüdischer Sachverständiger •erlassen, obwohl im Augenblick es nur die Juden sind, sich auf die Erforschung der Fassungskraft des Land«« spezialisiert und ihre Fähigkeit bewiesen haben, die wüsten Flächen des Landes wieder fruchtbar zu machen. Aber die Juden sind eine interessierte Partei, — und das Vorrecht, sowohl Partei wie Richter wie Vollstrecker zu sein, gebührt allein S. M. Regierung und der britiijchen Beamtenschaft im Lande. Dagegen kann S. M. Regierung über das Zeugnis der Delegation der palästinensischen Araber auf der Londoner Konferenz in der Bodenfrage nicht hinwegsehen. Diese Delegation kam gewiss nicht nach London, um „zionistische Propaganda" zu treiben oder um die Mandats-Bestimmungen *u htfertisen, die eine geschlossene jüdische Kolonisation auf dem Lande fordere. Die Delegation hat vor der Regierung ausgeführt. - und ihre Ausführungen wurden in der „Times" om II.'S. 1939 veröffentlicht dass die landwirtschaftliche bebaubare Bodenfläche Palästinas nur 1.7&0.000 acres oder 7.0O0.0O0 Dunam gross ist. Die Fläche Wesi-Palästinas umfasst bekanntlich 36.000.000 Dunam. Aus den Worten der arabischen Delegation gebt also hervor, d*ss 19 000.00« &unam Ambern nicht eesttc<teff und nicht lxbant »m4 nmf

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