Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 13 (9.6.1939)
- Date
- 1939-06-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Hr. 13, 9. VL 1939 BÜCHERSEITE der J.W.R. Eine Wol f fsohu-Bio^niphie \ Geistige Hintergründe der Zeit DAVID WOLFFHOHN, HBRZLS NACHFOLGER. Von Emil Bernhard Cohn. Mit einem Vorwort von Jaeobus i, Kann. Querido-Vcrlng Amsterdam IMfl. David Wolffsohn, der Nachfolger Theodor Hcrzls als President der Zionistischen Organisation, ist im Bewusstsein der heutigen zionistischen Generation zweifellos etwas in den Hintergrund getreten. Ist es doch für die jungen Menschen von heute überhaupt schwer, sich in die Vorkriegszeit tu Veraetzen, wo der Zionismus noch ein ganz unrealer Traum war. Ks ist daher tu begrüssen, dass Emil Bernhard Cohn diesem Manne eine ausführliche und liebevolle Biographie gewidmet hat. David Wolffsohn, aus Litauen stammend, kam in Jungen Jahren nach Deutschland, arbeitete sich tu Wohlstand hinauf lind wurde ein reicher Holzhändler in Köln. Er hatte immer Starke» Interesse für die nationalen Kolonisationsversuche in Paläst Inn, die damals von den Chowcwe Zlon betrieben wurden. Sein entscheidendes Erlebnis wurde dann die Begegnung mit Theodor Herz!, dessen Buch „Der Judenstaat" Wolffsohn in grösstcr Erregung gelesen und sofort bejaht hatte. Seit dem Moment dieser Begegnung war Wolffsohn Hcrzls ergebenster und unbedingtester Freund, ein wirklicher Gefolgsmann und Helfer. Dennoch wussten tu Hcrzls Lebzeiten nur wenige, dass dieser Mann auch selbständige Führerqualitäten besitzt. Nach Hcrzls frühem Tod schien es allen selbstverständlich, dass Max Nordau Führer de» Zionismus werden «oll. Nordau aber lehnte ab und bezeichnete selbst Wolffsohn als den richtigen Mann, dem er auch seine Unterstützung anbietet. Wolftiolm übernahm die zionistische Bewegung in einem recht kritischen Moment, unterhöhlt durch den Uganda- Konflikt, niederschmettert durch Hcrzls Tod, paralysiert durch den Mangel aller pollt'.:; hen Aussichten. Es ist zweifellos eine gewaltige Leistung, das* Wolffsohn in dieser Zeit die Organisation mit eisernem Willen zusammenhielt. Wie Immer in solchen Füllen war es unvermeidlich, das» die ungerechte Men;je ihn fühlen liess, das» er weniger war als sein RKVOLVTtOSH AND DICTATORRHIPH. By Hans Kohr». Havard University Press, Cambridge, Mass. 1939. primitiven jüdischen Stüm erweckt. Mehrere Aufsatze den Buches besass, wieder zum Leben der russischen ftevo- Das heutige politische und geistige Geschehen in der lution und dem Nationalitätenproblem der Sowjets gewidmet, Welt lässt sich nicht mehr als eine Reihe isolierter Konj ein spezieller Aufsatz, behandelt die Gegenüberstellung der flikte betrachten, sondern ist in einem in der Weltgeschichte j kommunistischen und faschistischen Diktatur, wobei Kohn tu bisher ungekannten Austnass ein einheitlie.hen und zuxnmmcn* hangenden Geschehen. Die gedankliche Bewältigung dieser neuen Situation, die in den demokratischen Ländern besonders durch den Münchner Pakt vorn HO. September 19a« blitzartig ins Rcwusstscin trat, steht erst in ihrem Anfang. Da aber niemand abseits stehen kann, jeder sozusagen in einer Front steht in dem Kampfe, der den Charakter der Zivilisation vielleicht für Jahrhundertc bestimmen wird, tut nichts so not wis eine Uberschau der Zusammenhänge und Erkenntnis des Wesens dieser Auseinandersetzung. Bei diesen Bemühungen kann das neue Buch von Hans Kohn eine grosse Hilfe leisten, obwohl es keine einheitliche Darstellung oder Deutung der Epoche ist, sondern eine Sammlung von Aufsätzen, die im Laufe von acht Jahren entstanden sind. Da-«. Thema des Buches ist infolgedessen sowohl zeitlich als auch räumlich weit gespannt. Es betrachtet die Revolution unserer Zeit als Ausiiiufer des Kampfes um die Ideen der französischen Revolution, ja geradezu als die entscheidende grosse Gegenrevolution, und vergleicht den Zeitraum von der Ankunft Lenins in Russland 1917 bis zum Einmarsch Hitlers in Wien und Francos in Barcelona mit den 26 Jahren 1789 1815. Demgemäss steht am Anfang ein Aufsatz über Napoleon, der die Ideen der französischen Revolution über Europa trug und damit die Saat ausstreute, aus der sich im 19. Jahrhundert der National tum u* entwickelte, der nach seiner Geburt aus dem Liberalismus heute in der Form des Faschismus eingetreten ist. Der Nationalismus, treibende Kraft der Revolution des 20. Jahrhunderts, hat aber weit zurückreichende gclstesgesehichtliche Wurzeln. Sein eigentlicher Vorgänger. DerBiogr.ipl» Cohn weiss die menschU:l: n charakterlichen Qualitäten Wolffsohn» in dieser psychologisch «o schwierigen Situation ins rechte Licht;.u rücken. In der zionistischen Geschichte ist die Ära WoIfTsohn unutriiien. Viele waren datcat.s der Meinung, das« die unvermeidliche) po- ,. Mische Stagnation aufgewogen werden sollte durch eine umso stärkere kulturelle, erzieherische und praktiseh-koloni.satorischo Arbeit und warfen Wolffsohn Überschätzung des Organisatorischen auf Kosten des Gelvtigen vor. Die nationale Bewegung, so meinten sie. raü:sc gespeist worden aus den schöpferischen Regungen der Volksseele jenseits von Politik und Organisation. Das ist ein echter Konflikt, und für beide Auffassungen Hlsst sicii vieles sagen. Es mag Emil Bernhard Cohn zugute gehalten werden, dass er als rückhaltloser Bewunderer des Mannes, dessen Leben er schreibt, diese Konflikte — mildo gesagt — etwa-; einseitig darstellt. Wolffsohns menschliche Grösse und Liebenswürdigkeit, so ine Klugheit und Tatkraft, die heute sicherlich allgemein anerkannt werden, hätten nicht durch HerabsetEiing zahlreicher Personen unterstrichen worden müssen, die wir nicht minder schätzen und lieben und deren Persönlichkeit sowie zionistische Leistung gewiss nicht gering zu bewerten ist. Diene Kessentiment- Gcladenhcit des Ruches vermindert leider Keinen Wert, noch mehr als die häufig etwas aufgebauschte theatralische Dramatisierung von Belanglosigkeiten und Banalitäten, was schliesslich mir eine Cesehnincksfrago ist. Anrh viele der ehemaligen Gegner Wolffsohns, die 1911 und 1913 auf der andorn Seite standen, beurteilen manche der damaligen Kämpfe heute in etwas anderem Licht und haben, zum Teil auf Grund eigener Erfahrungen, heute mehr Verständnis als damals für gewisse innerzionistisohe Schwierigkeiten Wolffsohns. Es handelt sich hier um eine objektive jüdische Problematik, die einer tieferen Erfassung bedarf, als ihr liier zuteil wird. Zweifellos war Wolffsohn ein ganzer Mann und grosser Zionlst, ein hinreissender Redner und ein Kämpfer von leidenschaftlicher Hingabe an die Idee. Die Art und Weise aber, wio Emil Bernhard Cohn die Geschichte jener Zeil schreibt, mus.t, wie der Autor wohl selbst erwartet, Widerspruch wecken. ach. A. d. Redaktion: Wie uns der in Jerusalem wohnende Justizrat Dr. M. J. Boden heimer (ein enger Mitarbeiter WolffAutns in Köln) mitteilt, sind eine ganze Anzahl von Angaben in E. B. Cohns Buch, bei denen Bodenheimer erwähnt ist, in dieser Form unrichtig. Eine neue Schrift von Prof. Gultowitsch-Tartu Es ist in jüdischen Kreisen xu wenig bekannt, dass es der Lanö.esunivcrsität Estlands in Tartu iDorpat) seit 1933 einen ordentlichen Lehrstuhl für Wissenschaft vom Judentum gibt, als dessen Inhaber liuar Gulkowitsch (vordem Universitätsprofcssor in Leipzig) seither eine fruchtbare Tätigkeit als Forscher und Lehrer entfaltet. Gulkowitsch kommt von der Sprachwissenschaft her und hat die begriffs geschichtliche Methode erfolgreich vertieft mit der er aus der Spruchen!Wicklung wichtige Rückschlüsse auf die Geist' geschiehte zu ziehen lehrt. Derjenige Begriff, an dem er seine Melhode gleichsam erhärtete. Ist derjenige des von, den er von den ältesten biblischen Quellen bis in die spätjüdische Literatur zu verfolgen und. in seinem Bedeutungswandel tu analysieren unternahm. Gleichsam als Ncbencrgcbnis dieser ungemein gründlichen Forschet 'arbeit sind drei Studien über dt» Chussntismus entstanden. Die eiste behandelt „Die Grundgedanken des Chassldismn;: als Quelle seines Schicksal*" und ist vor Jahresfrist ais Heft ö der ..Veröffentlichungen dos Seminars für Wissenschaft vom Judentum an der Universität Tartu" erschienen. Eine zweite, kürxlieh. fertiggestellte zeichnet „Das kulturhistorische Bild des CluvssidiÄ'mus" (Heft 7 der gleichen Rothe), und eine weiten! Arbeit unter dem Titel „Der Chassidlsmus als ein kulturphilosophisches Problem" ist im Druck. Melhadoiogisch sind du-.se Themen freilich nicht schürf gegeneinander ahgegrenet. Die anzuzeigende,"'' lt>4 Seiten starke Schrift gliedert sich in fünf Hauptabschnitte: 1. Das kulturelle Problem des Cliassidimus, 2. Der ChasstdUmus im Urteil der Geschichte, 3. Metaphysik und Geschichte in der chasÄldischen Lehrt, 4. Di« Stellung des Chassidismus in der und | Ursprung ist, wio Hans Kohn darlegt, in der jüdischen Idee des Messianismus zu suchen. Folgerichtig stellt er an den Anfang eine Abhandlung über Messianismus, in der die Gesehichtskonzcption des jüdischen Volkes und die enge Verbindung zwischen Religion und Geschichte dargestellt wird, die die Idee der Erlösung in zweifachem Sinne hat entstehen lassen, nämlich als nationale Befreiung des jüdischen Volke.'! und als die Erlösung der Menschheit, beide Tendenzen eng verknüpft im jüdischen Schrifttum und in der jüdischen Liturgie. Der ..nationale" Messianismus, der sich durrh die Jahrhunderte bei den Juden erhalten hat und zuweilen durch pseudomessianisehe Erscheinungen (Saobatai 55wi> Jus jüdische Leben zutiefst aufwühlte, endete zunächst mit dem Eindringen der Aufklärung; dennoch — so führt Hans Kol in aus — ist die Hoffnung der zweitausend Jahre lebend Ii; goblieb«n und hat eine säkularisierte Form im Zioninumsi angenommen, der den Glauben des national-politischen Messianismus mit der europäischen Doktrin des Nationalismus kombiniert. Der unireraalistiftchß Messianismus dagegen, enthalten schon in Jesaia's Vision von der Wallfahrt aller Völker zum Berge Zion und fortgesetzt in der Lehre vom Reich Gottes und gipfelnd in der deutero-jesaja n»sehen Rotschaft vom leidenden Gottesknecht, fand seinen Widerhall bei vielen Völkern der Welt, in der christlichen Lehre und in zahlreichen Sektenbildungen im Laufe der Jahrhunderte. Schon in diesem ersten Aufsatz formuliert Kohn seine gesehichts-philosophische Deutung unserer Zeit. Die zwei Hauptströmungen unserer Zeit: auf der einen Seite die Sehnsucht nach allgemeinem Frieden und Gerechtigkeit, auf der anderen Seite der enge, auf Weltherrschaft ausgehende Nationalismus, spiegeln den zweifachen Charakter des Messianismus. Das prophetische Judentum und das frühe Christentum gaben der Welt die Vision des Friedens und allgemeiner Brüderlichkeit, für immer eine Mahnung für das menschliche Gewissen. Der pseudo-ntessianische ,,Führer" unserer Zeit dagegen hat den stammhaften und fanatischen Charakter, den der Messianismus zuweilen bei den dem Ergebnis kommt, dass der kommunistische. Diktator logisch in einer schlechteren Situation ist als der /fisraisfisra«; denn in dem Faschismus, der die Idee der Humanität prinzipiell ablehnt, stimmen Ziel und Mittel Uberein, wahrend der Kommunismus wenigstens theoretisch die Humanität als sein Endziel festhält und daher vor <icm Problem steht, wie weit die von ihm angewandten diktatorischen Miiel auch dieses Ziel in Frage stellen müssen. Aus dem weiteren Inhalt seien nur erwähnt die Aufsätze „Die geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus", worin die Verbindung des preussischen Erbes Bismarcks mit der romantischen Mystik des Volksgedankcns aufgezeigt wird., „Individuum und Staat", worin besonders deutlich die Abwendung vom Uberalismus geschildert wird, ein praktisch überholter aber in seinem historisch-sozialen Gehalt aktueller Aufsatz über den Bürgerkrieg in Spanien, und schliesslich in dem Abschnitt über den Nahen Osten: „Die türkische Revolution", „Der Aufstand in der Wüste" (die arabische nationale Bewegung) und „Zionismus". Der Aufsatz über Zionismus gibt eine vorbildlich objektive Darstellung der zionistischen Entwicklung,' der gewaltigen kolonisatorischen Erfolge der Juden und der,! wie der Autor sich ausdrückt, „einzigartigen" Problematik Palästinas, deren tragische Verwicklung sich immer mehr zuspitzt infolge der Katastrophe der Juden in Mitteleuropa und des schnellen Erwachens der arabischen Massen zum nationalen Bcwusstsein. Der Zionismus, so führt der Autor, aus, hat eine neue schöpferische Phase des jüdischen Nationalismus hervorgebracht, er hat dem zerstreuten jüdischen Volk seine erste Organisation — wenn auch nur in einer unvollkommenen Form gegeben, er hat das jüdische Geistesleben ausserordentlich befruchtet und bedeutet für Hunderttausende die Hoffnung auf Erlösung von Unterdrückung und Elend zu einem glücklichen und freien Leben. Trotzdem meint der Autor, dr.ss auch das jüdische Problem in der heutigen Zeit kein isolierten Problem ist. In einer. Welt, wo die Grundlagen der jüdisch-christlichen Ethik In Frage gestellt sind, in einer Welt des Rassenwahns und des militanten Nationalismus wäre keine Hoffnung für die Lösung der Judenfrage. Daher kann auch die Hoffnung Israels nicht von der Hoffnung der ganzen Menschheit losgelöst werden;! sowie überhaupt in der heutigen Welt für kein Volk und für kein Einzelproblem eine abgesonderte Lösung möglieh ist. So wird dieses weltumspannende Buch, dessen Thema keineswegs ein „jüdisches" ist, am Anfang und am Schlug« charakteristischerweise eingerahmt durch zwei Artikel jüdischen Inhalts. Als Anhang finden wir dann einen Aufsat« „Die totalitäre Krise", die des Autors eigene Meinung zu den aktuellen Problemen der Zeit nach München ausführlich darlegt. Unmittelbar vor dem Erscheinen des Buches konnte noch ein kurzes Nachwort dem Untergang der Tschechoslowakei gewidmet werden. Eine Bibliographie neu erschienener Bücher mit kurzen Besprechungen ist angefügt. Ein Charakteristikum des Buches von Hans Kohn sind die Mottos, die er — wie schon in früheren Büchern — jedem einzelnen Kapitel vorangestellt und die aus dem ganzen Umkreis der Weltliteratur überaus treffend gewählt »ind. Auch dem ganzen Buch sind 3 Mottos vorausgestellt, bezeichnenderweise alle drei von Deutschen stammend, nämlich Goethes Wort: „Humanität sei unser ewiges Ziel", ein Wort von Kant, und ein musikalisches Thema, nämlich Beethovens Motiv „Seid umschlungen Millionen". Dies zeigt deutlich die Tendenz dieses kämpferischen Buches, das uns zum Bcwusstsein bringt, dass heute mehr als jemals in den letzten 150 Jahren, die jetzt genau seit der französischen Revolution vergangen sind, gekämpft werden muss, wenn wir die Errungenschaften dies*!- 150 Jahre nicht verlieren wollen. W. Geschichte, Erkenntnis Die Sprache des Chaasidimus als Quelle zur. wirtschaftlichen, geistigen und sozialen Sphäre aus gesehen, eine-» Wesens. Daraus geht schon hervor, dass Vor allem schildert Straus die Einflüsse der wirtschaftlichen es dem Verfasser nicht allein tun den kulturgeschichtlichen Aspekt zu tun ist, auf den der Titel der Arbeit den Haupttor legt. Aber es verringert den Wert der für jeden gebildeten Leser verständlichen Studie keineswegs, dass nicht trockene Faehgelehrsamkeit Prof. Gulkowitsch die Feder geführt hat .sondern manch» durchaus persönlich-subjektive Auffassungen verfochten werden (etwa in den Gedankengangen über Sozialismus und Religion \ über die fraglos Argumente pro und contra gegeneinander gestellt werden können. Was diese Schrift des Dorpater Gelehrten auszeichnet, ist vor allem die ungewöhnlich gründliche Kenntnis selbst entlegener chassidlseher Quellen, überdies der ganzen einschlägigen Speziallite ratur und ihre fruchtbare Konfrontierung mit dem allgemein geisteswissensehaf tischen Schrifttum. Diese Dorpater Studien sind zweifellos wertvolle Beiträge für Kenntnis und Verständnis de.s chassidisehen Geistesguus, mögen sie auch noch nicht das letzte Wort darüber darstellen. G. Birnbaum (Warschau», Die Judengemeinde Regensburg Und der Leiter de* deutschen Institute» für Judenfra^c Die „Jewish Publication Society of America" (Philadelphia) gibt eine Serie von Büchern über bedeutende jüdische Gemeinden der Welt heraus. Es ist zu hoffen, dass möglichst viel von dem Material, das von Deutschland verloren ru gehen dreht, in diese historischen Studien hinübergerettet wird. Als ritte Arbeit dieser Art ist zu würdigen der eben erschienene Bund über Regensburg und Augsburg, dessen Verfasser. R a - phael Straus, den historisch interessierten Juden Deutschlands wohlbekannt ist. Vor einigen Jahren erschien schon Raphael Straus' Monographie über Regensburg in deuther Sprache. Die Geschichte dieser Gemeinde ist nicht nur von lokalem Interesse, sondern gibt ein Spiegelbild der Lage der Juden im Mittelalter überhaupt, von der rechtlichen, Schwankungen auf das Judenschicksal. Interessant ist eine Notiz, die der Verfasser diesem Band vorausschickt. Er erklärt, dass er in seinem Werke keine Notiz genommen hat von einem Buch „Antisemitismus im späten Mittelalter" von Wilhelm Grau (München 1934), ein Buch, das vollständig auf Strausens Arbeit „Die Judengemeinde Regensburg im ausgehenden Mittelalter" aufgebaut ist. Grau s Buch, so erklärt Straus, ist wissenwhaftlk'h völlig wertlos. Es .sei aber die Entstehungsgeschichte des Buches erzählt: „Im Herbst 1932 kam der Student Wilhelm Grau zu Straus und stellte sich vor als ein Doktorand, der eine Arbeit über die Entwicklung des Antisemitismus im Mittelalter an der Hand der Geschichte von Regensburg sehreiben wollte. Er erbat hierfür Zutritt zu dem Quellenmaterial, das Straus gesammelt hatte; ohne darüber befragt zu sein, erklärte er, er sei Demokrat und wolle sich nach seinem Examen dem liberalen Journalismus widmen. Der Umschwung des Jahres 1933 hat auch diesen jungen Mann — wie viele ältere Personen — umgeworfen und in die politische Arena gebracht." — Soweit die Bemerkung von Straus. Dieser Wilhelm Grau ist heute der Leiter des sogenannten „Instituts :ur Erforschung der Judenfrag*?' im Rahmen des „Reiichtinstituts für die Geschichte des neuen Deutschland" in München. Unter der Leitung diesen Herrn Grau wird jetzt der Versuch gemacht, die ganze jüdische Gest hichte im antisemitischen Sinne umzudeuten und hierfür n seinem Münchener Institut Material zu sammeln und auf Tagungen, die alljährlich stattfinden, die Wissenschaft und alle anderen Wahrheiten im Sinne des Instituts zu entstellen. In London spielte man ein Maskenspiel „Welt im Zwielicht" von Mulka Locker, aus dem Jiddischen in» Englische übersetzt von Josef Leftwich, in dem in einer Reiheallegorischer Szenen da* Schicksal der Juden von beute dargestellt wird.