Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 13 (9.6.1939)
- Date
- 1939-06-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2424658-2424659-2424671--163-2424919- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 0, f. VT, im lODtSCffK WELT-RUNDSCHAU feitt i Franz Kalha I Zum Tode Sasel Roths/ v#* schmiom nr».<h<>rim Am 3. Juni 1939 jährt« sich der Todestag Frans Kafkns «um fünfzehnten Male. Zu Ehren d»i Dichter« «ei es ver sucht, eine Anekdote r.u deuten, die sich im Nachlnssband dei Cesamtaufifabe „Beschreibung eine« Kampfes" unter dem Titel „Gib* auf!" findet Ciib» anf! Es war sehr früh am Morgen, dicStraaten rrin und leer, ich ging zum Bahnhof. Als Ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich tnuestc mich «ehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung liefia mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut am, glücklicherweise war ein Schufnnann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn, atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: „Von mir willst du den Weg erfahren?" „Ja", sagte Ich, „da »eh iha selbst nicht finden kann". „Gib» auf, giba auf", sagte er und wandte sich mit einem grossen Schwünge ab, so wie Leute, die mit ihren Sachen aliein sein wollen. Eine alltäglich« Geschichte, wenn auch die Gestalt des Schutzmanns von einem eigentümlich awltterhaften Licht umschwebt ist, wenn auch seine Antwort nicht ganz nach den Dienstvorschriften europaischer Polizeistationen ausgefallen sein mag. Eine ganz alltägliche Geschichte, gefügt aus einfachen und banalen Worten, in einem Tonfall, der ein stilistisches Meisterwerk darstellt. Die Hast des Suchen«, die Dringlichkeit der Frage ist gegeben durch eine lange, durch Beistriche mehr aneinandergeheftete als abgesetzte Phrase, wahrend die kurz«, «taccato hingeworfene Antwort de» Schutsmanns Würde, Inkompetenz und Unerbittlichkeit der Amtsperson vollkommen erfasse. Und dennoch Ist der Tonfall. In dem die tiefere Existenz, in dem di« Tragik der Geschichte offenbar wird. Hier] strebt eine zweite, profunde Realität zur Gestalt. Ist es die Realiät des Traumes? Wir kennen die Traumangat vor dem Zuspätkommen, wir kennen den grossen Traumwächter, der den Weg versperrt, den Aufgang verweigert, die hilfeschreiend erhobene Hand zurückschlügt. Auch stilistisch ist das Wesen des Trauma in der kleinen Erzählung vom Schutzmann dargestellt; das Assoziative. Immaterielle, die rasche Folge der Traumgesicht« findet Im beschleunigten Vcrgleiten der Sätze ihren sprach-exakten Ausdruck. Der Wächter hingegen, so leicht und lächelnd er auch hingesetzt sein mag, - -~- amk.ren Selte d<.,mn ,ct51f0fl Werk über gibt ema Angstvision ersten Ranges ab, deren schnarrend« w____ ^, ,____,._„._u «*.\uut »vfir.i« m. Joseph Roth Ist in Pari* gestorben, erst 4"» Jahre alt. : dieser Weif. Es erinnerte mich immer an Chagall. Legende In Schwabendorf im HcMen-Xassauischen ist er als Halbjudo : und Niggun durchklang sie wehmutlg-lels, J'.ünde und Leldenvon einer christlichen Mutler. geboren, nber er stammte | schaff lauerten unicr ihrer frommen lfiill.« und die realistisch aus Brody In Ostgalizien. In den kleinen jüdischj gesehenen Dinge wurden immer wieder in d-x* Licht einer polnischen Nestern an der russischen Grenze spielen! traumhaften Uberwirklichkeit getaurht. In seiner Essay- He meisten seiner Romane. Auch noch rln grosser Teil seines Sammlung .Juden auf Wanderschaft" (1927» zeigt er echte» letzten Buches, das ein Grnbgesang auf dm nun gänzlich zerstreute Osterreich mar. Dieser Roman ..Die Kapuzinergruft \ eine Art Fortsetzung seines berühmten „Rndetzkymnrseh" *chl»e*st. mit den Worten der Österreichischen Hymne: „Gott erhalte ..." Ein Jahr vor dem Kriege trat Joseph Roth nl* aktiver Offizier In die alte österreichisch-ungarische Armee ein, in der er bis zti ihrem Zusammenbruch diente. l!»2t begann er als Journalist für die „Frankfurter Zeitung" zu schreiben. Und nun folgen!n kurzen Abstanden «eine erzahlenden Bücher, die Ihn berühmt gemacht haben. Sechzehn Romane, drei Band« Reportagen und Essays und etwa ein halbes?>m?en<t rrftsserer Novellen umfasst das Werk dieses geborenen krzählrri», dem es gegeben war. in einer *< heinbnr kunstlosen, ab«r von innen her wundersam erleuchteten Sprache zu erzählen, wirklich zu erzählen und nicht zu reflektieren, und Menschen aus Wort in schaffen, di© allen unvergessen bleiben werden, die ihnen in den zutiefst musikalischen Büchern dieses Dichters begegnet sind. Joseph Roth ar Jude und Katholik. Gewiss eine seltsame Mischung. Nach Kriegsende nahm er die Taufe, aber tr hört© nicht auf, sieh immer wieder zum jüdischen Volk zu bekennen. Mit grosser Liebe und einer Zartheit der Zeichnung, die keinem Anderen wie ihm gelang, schuf er in seinen Romanen „Mob". „T.trabas" und „Daa falsche Gewicht" das Bildnis de* einfachen schlicht-frommen Ostjuden, der Gott, so nahe Ist. dam er sogar mit Ihm hadern dar/. Typen wie nie uns Perez und Mendale schenkte, zeichnete Roth, aber seine Blickrichtung war eine andere, und so entstand ein ganz neues, anderes Bild Mftgefühl mit dem Schicksal des Ostjudentums «die Westjuden waren damals noch nicht auf der Wanderschaft). Roths Liebe zu den schlichten Juden des ostlichen Ghetto« verband sich mit einer Art Jüdischen Selbsthas« und mit christlicher Frömmigkeit und ehrfürchtiger Ergebenheit gegenüber der Römischen Kirche, Ich erinnere mich eines merkwürdigen Ostcrartikels, den Roth vor zwei Jahren in der „Pariser Tageszeitung" veröffentlichte. Es war ein Kommentar zur Pesaach-Hnggndah und zum Auferstehungsknpitel der Evangelien. Aufzug aus Mlsrajirn und Auferstehung rhristl wurden In seinem Denkbild eine unlösbare Einheit. So stehen auch in seinem merkwürdig.apokalyptischen Rucho „Der Antichrist" (das leider schon deutlich die Hpuren beginnender geintiger Umnachtung trägt) die sei hfliinddreiasig verborgenen Gerechten, die „Larned-Wufnlk;." des chasaidischeu Volksglaubens neben den Heilige« der Kirche, Jude und Katholik, Deutscher und Österreicher, Monarchist und Revolutionär - ein „Mensch mit seinem Widerspruch" und ein Dichter von hohen Grad? n war Joseph Roth. In den bitteren Jahren einer doppelten clmlgrnlion, die ihn von RcrMn zunäehwt muh Wien und nach dem Fall Österreichs nach Paria führte, kämpft« er unausgesetzt mit Pathos und Ironie In unzähligen Artikeln in der Presse der Emigration gegen Nazismus und Faschismus, den „Antichrist", Selbst wo er zuweilen ins Aberwitzig« umschlug, hatte sein« zornhebende Spruche noch unvergleichliche < lewnit, In der der grosse Schlag eines wachen Herzens nach/zitterte. Nochmals: Freud und Moses . . . „„„ Man kann die Ergebnisse der pjyohoonnlylb.h^n Forw JnLn^mHi Se» ^kennen und dennoch den Versuchen, die P».ycho- * analyse auf andere Gebiete anzuwenden, kritisch »egonüberstehen. Man wird es deshalb dem Kritiker B e n - C h o r l n nicht verübeln können, wenn dieser („J.W.R." Nr. 8) in Freud «inen der genialsten Erforscher der menschlichen Seele" und zuschnappende Kürze «ehr wohl das sein kann, was di« Traumpsychologie einen Tagrest nennt, »in Überbleibsel, eine nicht zu Ende verwundene Erfahrung au« dem Bereich de« AH tag*. Aber Ist dieser Schutzmann nur ein Tagrest? I»t «r nicht schrecklich drohend und abweisend Uber di« Befugnis seines Amtes hinaus? Tritt «r nicht aus jener Region vor un« hin, in d«r der Vater de« „Urteils", di« Herrschaft de« „Schlosses", das Tribunal des „Prot«*«««- r«gt«rcn? Izt In ihm nicht «twas mitgestaltet, das über unser« Existenz In Ts« «*d Traum sein Urteil spricht, «twas Gleichnishaftes und Bedeutendes, das steh der rationalen Deutung entsteht? Liegt in der Antwort der Amtsperson, in dem grossen Schwung, mit dem sie sich abwendet, nicht die Aussichtslosigkeit menschlichen Daseins überhaupt beschlossen? Ist jenes „G!ba auf, */!bs auf" nicht aller Weisheit letzter Schiuss? Auch dieser Deutung vermag die stilistische Probe aufs Exempel standzuhalten. Wie lange braucht der Mensch im engen Raum der Parabel, um sich selbst darzustellen, seine Eile, «eine Ausweglosigkeit, seine Angst; wie kurz und bündig, wie grauenhaft klar die Antwort, die er vernehmen mus«. Der Schutzmann hat bloss zwei Worte nötig, um sich zu erklären: „Gib« auf!", und dass er sie wiederholt, Ist nichts als ein Zugeständnis an die beschränkte Auffassungsfähigkeit des Ratheischenden, während dieser, hilflos und fliegenden Atems stammelnd, gezwungen ist, sich auf die restliche Gesamtheit der Erzählung auszubreiten. Doch was besagt dieses .Gib» auf!'"? Was erkennt der Batsuchende aus ihm? Dieser Schutzmann stellt sich dem Menschen nicht. Die Antwort der Amtsperson entspricht genau dem Bruch, der sich vor den SchluÄskapiteia der grossen Romane „Der Pröz«3s", „Das Schloss", „Amerika" auftut und diese zu Fragmenten stempelt. Es wäre freilich falsch anzunehmen, die spezifische Tragik dieser Anekdote entstehe aus der Abweisung, die dem Suchenden durch di« Amtsperson widerfährt.- Sie hebt mit dem Augenblick an, da der Mann den Weg verfehlte, und noch früher, da er sich auf ihn machte. ,J£inmal dem Fehl' läuten «s*r Xachtgtoi ke gefolgt — <•« ist niemals gutzumachen", wie es in der Erzählung „Der Landarzt" heia*. Im erst** Schritt »*gt die Verfehlung, und noch ror Ihm. Einer wach: auf und wird verhaftet, ein zweiter sieht sich in ein Ungeziefer verwandelt und sie wissen nicht, was sie verbrochen haben und wer an ihnen so Ungeheures geschehen kuue. Dieser gerät unter die Zahn« einer teuflisch konstruierten Maschine, jener in ein dunki«» Dorf, in dtm er nie zuhause sein wird, obwohl er dies wünscht und an seinem Wunsch verbrennen wird, einen dritten sendet der leiblich« Vater in den Flu«». Es »ind »eltsame Ostalten die Helden aus Kafkas armer und heiliger Hand. Ohne eigentlichen Beruf, bald Beamte, wie es der Dichter selbst gewesen war, bald unmündig, wessen er sich zu allen Zeiten seine* Lebens selber zieh, •inmai auch ein Landverrnesaer, also einer, der an das Erdreich nicht die natürliche Bindung de* Säen» und Ernteit» sah, sondern den zweitrangigen Eezug des intellektuellen Messens und Abschauens, und seibat dieser Beruf wird bloss von | »einem Träger behauptet, und wir wissen nicht, ob er ihn bloss vorgibt oder auch in Wirklichkeit versteht, Sie leben j r /li-WA IlVtt.iAn.r, ihm C«,.^., Mose« ablehnend kritisch beurteilt. Freud selbst würde ea lebhaft begTÜssen, sich mit Kritiken auseinanderzusetzen, dlo einen positiven Beitrag zu einem Gedankengut liefern würden. Doch kann man von Ben-Chorin nicht sagen, dnss dieser zum phychoanalytischen Aufbau dieses Werkes ernsthaft Stelluii genommen hat. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, das« seine Verehrung für Freud, wie das o oft der Fall ist, seht ambivalenter Natur ist und gerade dort aufhört, wo sielt der Kritiker auf »einem eigensten Gebiet« angegriffen fühlt. Es fallt auf, das» «r von Freud erklart, da«s dieser auf Sc-it« 23 „ver gl« st", was'er auf Seite 2.4 schreibt. Wir kennen di« psychoanalytische Bedeutung des „Vergessens", und es ist daher bemerkenswert, da«s in Wirklichkeit nicht bei Freud, sondern bei dem Kritiker ein „Vergessen" vorliegt. Ben Chorin vergisst nämlich In seinem Zitat aus dem Freudschen Buche ein Wörtchen zu zitieren, idas aber genügt, eine völlig veränderte Sinngebung zu er- ' zielen. Freud sagt auf Seite 25. dass ..die Mitteilung" aller Weitaren Schlüsse aus der Einsicht, dass Moses ein Ägypter war, besser unterbleiben". Das Wort Mitteilung, hat aber der Kritiker zu zitieren vergessen. Vergessen hat er aber auch, dass Freud auf Seite 29 ausdrücklich betont: „Ungeachtet dieser Bedenken, die heute so schwer wiegen wie damals, Ist aus dem Widerstreit meiner Gefühle der Wunsch hervorgegangen, auf jene erste „Mitteilung" diese Fortsetzung folgen zu lassen." Der Kritiker versucht Freuds „Beweise", dass Mose» ein Ägypter ist. zu widerlegen. Der ägyptische Name von Moses sei für sein Ägypterturn ebensowenig beweiskräftig wie Sigmund Freuds Vorname für die Volkszugehörigkeit. Er ..vergisst" Freuds Mitteilung zu erwähnen, dass „Namensänderungen und Ausgleichungen unter neueren Bedingungen nicht ausgeschlossen sind" und übergeht weiter die Bemerkung, das« für alt« und frühe Zeiten ein solcher Schiuss noch weit zuverlässiger sein und eigentlich zwingend erscheinen müsste". Aber es ist gar nicht richtig, daas Freud „Beweise" bringen wollt«, sondern Hinweise für eine Kcnstruktion, die auf Grund von Freuds wissenschaftlichen Untersuchungen über lie Psychologie des Einzelindividuums und die Massenpsychologie, vorn psychoanalytischen Standpunkte aus eine besondere Bedeutung hat. „Diese Kritik wird uns nicht schwer treffen", s«gt Freud, „da sie in unserm eigenen Urteil einen Widerhall lindet. Wir wissen selbst, unser Aufbau hat «eine schwachen Stellen Aber er hat auch seine starken Seiten". Aber der Kritiker begnügt sich damit, einige vermeintlich schwache Stellen herauszugreifen und tadelt Freud, dass dieser »ich auf ein Gebiet begeben habe, das ihm „terra' incögnita" bleiben musste." Wir unsererseits haben au» dieser Kritik den Eindruck gewonnen, dass Ben Chor in die psychoanalytischen Forschungen Freuds nicht weniger trotz seiner Verehrung der Person r terra incognita" geblieben sind. Ganz besonders überrascht diir Behauptung, das* Freud vorwiegend sein Wilsen „au* den analytischen Befunden unserer Kinder" nimmt, „die die Nncht meist schlafend verbringen'■-ünd nicht wie der vorzeitliche' Hirt© wachend." Unscrn "Kindern, die Freud analysierte, sei aber der Sternenhimmel nicht vertraut, v/eshalb auch Freud für die Entstehung der Mythen in der damaligen Zeit dnu Verständnis abgehen mibsate. Wir wissen nicht, inwieweit Ren Chorin von den nichtannlytischen Forschern für dan Ver.Uändnia der Mythrncnlstehung fordert, das.'» ihr Unterjutchurig<»mnterlal am Feuer wachend zubringe; aber das« Freuds NeurO!?enlchrc auf Grund seiner Studien vorwiegend an Erwachsenenanalysen und nicht Kinderannlysen entstanden ist, sollte eigentlich auch dem flüchtigen Kenner Freuds bekannt sein. Wiederum Mit einer Bemerkung Freuds wollen wir schlichen: , Die guten Ix-ute, die so schrieben, können nicht viel von mir gewusnt haben; aber ich er- «Mrte, Wörth diese Arbeit über Moses durch eine Übersetzung unter meinen neuen Volksgenossen bekannt wird, werde Ich auch bei einer Anzahl von anderen genug von den Sympathien einbüßen, df« nie mir bis Jetzt entgegenbringen." /),-. Walter Hoppe (Tel-Aviv! Religiöse Hackdiarah in Holland Dio religiös© landwirtschaftliche Hachscharah (Berufsvorbereitung) ist vollkommen auf kibbuzischer (kollektiv-wirtschaftlicher) Basis fundiert, was durch die traditionell« Lebensführung der Chawerim bedingt Ist. Der religiöse Chalua ist nicht in der Lage, Beköstigung vom Bauern anzunehmen, da er streng kascher lebt, was Ihm nur durch den Kibbuz ermöglicht wird. Ausserdem braucht er zu den Gebeten d%j# Minjan, was wiederum das Gemeinschaftsleben voraussetzt. Die vorhergehende Hachscharah in einem solchen Kibbuz erleichtert den Chawerim später d u Einleben in Palästina wesentlich. Der noch junge „Bachad-Hachscharahkibbuz ■■' bei Ueverwijk (Bachad . religiöser Jugendbund), ein« halbe Autobusstundo nordwestlich von Amsterdam, wurde gegründet, als man für die Chawerim, die Italien verlaa.icn mtissten, eine neue Unterkunft suchte. Holland hat si h bereit erklärt. Ine Anzahl von 20 ausländischen Ciiawer'.m und Chawcroth aufzunehmen. Bereits nach zwei Monaten zeigt© es sieh, das» der Kibbuz auf Grund der vielen angebotenen Bauern- und "~är!nerstcl}en .vergrössert werden konnte, und man bekam von der Regierung die Erlaubnis, weitere 10 Chawerim unterzubringen. Wir haben nicht weniger als fünf Chaiuzlm in unserem Kibby?.. Die technische und finanziell« Administration hat die hiesige Vereinigung „Dat Waarttz" übernommen, die den Kibbuz nach mustgültigen Prinzipien verwaltet, Die holländischem Juden Juden spendeten Haushaitsgegcnntände und i Inventur aller Art. Die Chawerim gehen sämtlich zu- Bauern und Gärtnern auf Almenarbeit. Die Arbeitszeit beträgt durchschnittlich 10- 11 Stunden am Tage, und die Arbeit ist ziemlich anstrengend. Die Ausbildung iat e;»tkla**lg. Es beliehen auch Schiurim in Iwrit, Palä»tinakunde, Tcnach, zionistische Geschichte und aktuell» Debatten über verschiedene Themen. Im Mittelpunkt de» Gemeinschaftslebens »teilt der Schabbßt. Er ist vollkommen dem Lernen gewidmet. Nach dem gemeinaamfm Gebet am Morgen wird nur noch hebräisch gesprochen. Die meisten Chäwanm haben auch noch Sonntags frei und benutzen diesen Tag zu Ausflügen in die Umgebung. VHaim bin Jonef Ahnen geipth>t. hat das Grtinderlebnis des jüdischen Menschen in der Verbannung 'gestaltet: Fremd der Erd«. fern d-?r reichten- Bahn seines Leben«, gerUsen aua dem Zusammeni hang mit dem Schdpfc-r , \ Und ditfser? Die Gewalt, die der Schutzmann vertritt? ment, sie lieben nicht, dkse i Helden, ihr Gang int die Flucht 1 Hat Kafka nichts anderes über »ie auszusagen gewusst, als und ihre Leidenschaft erschöpft sich im Spiel ihrer Finger | -ja*s sie nicht sei und nur im Bruch, im Fragment sich irt -der Ltist ihrer Augen. Sie sind Einsame, und wenn sie keinen Tyrannen zum Vater haben, dann sind nie Waisen, ausgesetzt irgendwo am Rand einer Landstrasse und zu Beginn dieser Bücher. Und waa wäre auch für eine Gemeinschaft, der t,U: sich eingliedern wollten! Dumpfe Dörfler, dürftige Häusler und brutnle Lakaien in der Umgebung des ^ichloases", gtUe Advokaten, verschrobene Abenteurer im „Prozess", einzig in .Amerika** die beiden lichteren und milderen Frauen Therese und di« Oherköehin, und überall die Amtspersonen, die Schutzleute, die Sendboten der Verzweiflung: In diese Welt zu geraten, Ut allein schon Schuld. Franz Kafka, zurüokgebußdea an seine Kindheit und als ein wirklicher Dichter mit der Weisheit und dem Leid seiner offenbare, akhts. als das endgültige „Gib* auf, gibs auf", der Amtsperson;.? Es findet sich in seinem Werk Gewähr dafür, das« auch dl« jenseitige, die obere Gewalt in ihrer Art nach dem Menschen verlangt, ihn von sich wüssen lassen müchte, ihn anfordete 1£* gibt in seinen Erzählungen einen Kaiser von China, der nach dem entferntesten, ihm völlig unbekannten Untertanen «inen Boten sendet und der »tirbt, während — oder wen -- der Sendling s*ir» Ziel nicht erreicht. BHbst im Verhaftungsbefehl de» „Prozesses" birgt sich doch immerhin der Wunach der oberen Sphäre, des Menschen, und »ei es auch durch dieses anrüchige Mittel, tetihaft zu werden. Von diesem erhöhten Standort aus betrachtet, .sind auch die Beamten, salbst der Schutzmann der kleinen Anekdote, zwar fluchwürdige und fehlgeschlagene, doch immerhin Versuch« aus der Höhe, mit dem Menschen ins Einverständnis zu gelangen. Das einzige, was da« Nicht», das bei Kafka di*« obere, göttliche Sphäre darstellt, ahnen lasst, Ist, dass es. wäre es d«r Mensch, der nach Ihm sehnte. f£r aber, d«r Mensch, besitz« keinerlei Macht, nie zu sich herabzuzwingen, durah Aufruhr nicht und nacht durch den Verzicht, durch gut« Taten nicht und nicht durch die «und«, de? er »ich unterzieht Kafkas Weltansicht ist nicht ath«i*U«ch. sie hat im Gegenteil don Gotti»*dt«rust so unendlich überhört, da«s gerade noch das Äusserst* an Ahnung und Glauben sie vom Atheismus trennt. Franz Kafkas Werk als Ganze* int kein© Lehre, sondern Wült, du Weit, in die die jüngere jüdiach© Generation ge- 410.J.Ten Ut. Es könnt© »ein, diw man von dieaer Generation und dem Alltag, der ihr aufgetragen ist, ausgehend, Tragik vollkommen neu erf«u>st, nicht mehr als die schön« Eigenschaft de* griechischtm oder ©ine* anderen Theaters, sondern als daa Auss«rste, Menschen auf Grund ihres nackten Seins aufgebürdet w©rdm kann, llein> Politzer