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Jüdische Weltrundschau · 1939-06-09 · 13 (9.6.1939) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
13 (9.6.1939)
Date
1939-06-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13, 9. VL 193* JÜDISCH« WELT RUNDSCHAU IfelU 3 Notizen der Woche JERl SAI EM, «. «UM Wieder AmBwehrnnf f einfacher Juden Die aus Deutschland kommende Nachricht, dass wieder mehrere Tausend polnischer Juden den Befehl erhalten haben, Deutschland sofort zu verlassen, erinnert an die unseligen Vorkommnisse vom Herbst vorigen Jahre*, wo die beispiellosen Ausschreitungen gegen die Juden mit der Austreibung der [Klinischen Juden am 28. Oktober begannen. Es ist häufig geschildert worden, mit welcher Unmenschlichkeit dabei vorgegangen wurde. Die Menschen wurden aus den Betten geholt und fristlos, häufig ohne die notwendigsten Utensilien, einfach abgeschoben, wobei man keine Rücksicht auf Kranke und Gebrechliche nahm. Die Vertriebenen rnussten dann auf einem schmalen Landstreifen an der deutsch-poinischen Grenze unter furchtbaren Verhältnissen kampieren. Diese Grausamkeiten, in Form und Sinn einem normalen Menschenverstand ganz unverständlich, waren der Anlass au der Wahnsinnstat des jungen Grünspan in Paris, der, selbst zu einer von den Verschleppungen betroffenen Familie polnischer Juden gehörig, durch das Krachiessen eines harmlosen deutschen Legationssekrctärs in Paris Kache zu nehmen wähnte. Ks folgten dann die Pogrome vom 10. November 1938, verbunden mit Verbrennung von Synagogen, Zerstörung der jüdischen Geschäfte, Massenverhaftungen usw.. schliesslich die wirtschaftliche Vernichtung der deutsehen Juden durch die Milliarden* Abgabe und durch das Verbot jeglicher wie immer gearteter Erwerbstätigkeit innerhalb der deutschen Volkswirtschaft. Einen furchtbaren Leidensweg hat das deutsche Judentum durchzumachen gehabt in jenen zwei oder drei Wochen, die nun schon mehr als ein halbes Jahr zurückliegen. Wie schnell das Gesicht der Politik »ich wandelt, wird einem bewusst, wenn man bedenkt, dass kurz zuvor noch gerade polnische Staatsbürger in Deutschland besonders zuvorkommend behandelt wurden. In den aufgeregten Tagen der September-Krise, vor Chamberlains Kapitulation in München, konnte man oft die Bemerkung hören, dass keine Juden sich in Deutschland so sicher fühlen können wie die polnischen; damals sekundierte Polen der deutschen Politik, beteiligte sich an der Hetze gegen die Tschechoslowakei und sicherte «ich auf diese Weise seinen Anteil an der. Beute — ein Vorgehen, angesichts dessen viele sich schon damals fragten, ob die moralische Belastung durch die Teilnahme an diesem Zerstörungsakt sich für Polen lohnen könne, das doch wissen musste, welche Folgen die Zerstörung der Tschechoslowakei auch für andere Länder — einschliesslich Polen — halnm musste. Die Entwicklung schreitet schnell, und heute ist wahrscheinlich die polnische Staatsbürgerschaft keine gute Empfehlung mehr in Deutschland. Umso mehr müssen wir besorgt Bein um das Los der polnischen Juden, von denen viele »eit Jahrzehnten ihre Existenz in Deutschland haben. Sie müssen auswandern. Während im Rate der Völker .und in den Spalten der grossen Zeitungen alle möglichen lAuswanderungs- und Siedlungsprojekte beraten werden, vollziehen sich Tatsachen, die politisch und menschlich in gleicher Weise beunruhigend sind und für die man Jceine Abhilfe findet. „J«</ensfaafs"-Disfctissfonefi 1 Wie sehr sich die Zeiten geändert haben und welche Bolle die Judenfrage heute spielt, empfindet man ange- Äiclits der Selbstverständlichkeit, mit der heute Worte wie'„Judenstaat"' in der Weltpresse benützt werden — ein Begriff, der vor 25 Jahren in keiner offiziellen und haibofJ'iziellen Verlautbarung oder Äusserung hätte auftauchen können und noch vor zehn Jahren ausserhalb eines bestimmten jüdischen Kreises ungebräuchlich war. Bei der letzten Palästina-Debatte im englischen Unterhaus haben eine Anzahl von Abgeordneten, zu denen auch der aus der englischen Orientpolitik bekannte Sir Arnold Wilson (in Hitler-Deutsehland gait er eine Zeitlang als Deutschenfreund) gehörte, einen Zusatzantrag eingebracht, in dem es heisst: „Das Haus bedauert die Umstände, die einen solchen Kurs unvermeidlich gemacht haben und begrüsat die Beseitigung einer Ursache von Reibungen mit unseren moslemischen Verbündeten, Fordert aber die^ Regierung auf, im Einvernehmen mit anderen Regierung?!» die Bildung eines jüdischen Staates in Guayana und den benachbarten unbewohnten Gebietert zu betreiben, falls sich dies als durchführbar erweist; Üies bietet die einzige Lösung des jüdischen Problems angesichts der in Betracht kommenden Ziffern und des um sich greifenden Antisemitismus". Ein Judenstaat als Einzige Lösung! Noch vor wenigen Jahren, während liitler schon wütete, haben die demokratischen Regierungen oder sonstige offizielle Stellen niemals die Bildung eines ».Judenstaates" in Betracht gezogen, sondern •ich immer auf die Förderung einer Einzeleinwanderung in verschiedene andere Länder beschränkt. Erst seit der Konferenz von Evian, die die Unmöglichkeit der Fort' Setzung dieses Systems schlagend erwiesen hat, scheint sich ein Umschwung vorbereitet zu haben; an Stelle der Einwanderungsländer, die sich nach und nach verschliessen. sucht man jetzt „unbewohnte Gebiete", wo | die Juden nicht isolierte Einzelne m einem £ro««en Wirt-! Schaftskörper sind, sondern ein jüdisches Gemeinwesen | von den ersten Anfängen an aufbauen sollen. Die mei-! sten mensch liehen Gemeinschaften in der Weit haben \ eine.Geschichte von mehreren Jahrhunderten hinter steh! und haben alle möglichen Stadien der Volkswirtschaft j von den primitiven Formen bis zu dem heutigen komj plizierten Organismus durchgemacht. Dies ganz von neuem zu beginnen und sozusagen in einer kurzen Frist alle diese Stadien nachzuholen, ist viel schwie- \ riger als es sieh anhört. Die Errichtung einer j Volkswirtschaft, die, wenn diese Projekt« überhaupt [ EMIGRATIONSNOT IN POLEN Tcm »n.wn» pntnlm-h'*n Korrnponämten Warschau, Fnu> Mal. Für die polnischen Juden brdrut^t <IU? noiu» Wendung in der «ustrlisehen Prtli*.it Inapolitik nicht nur einen nationalen Schmer«/, der aich in heftigen Protesten Luft macht; die Hestürzung ist um so grösser, nls dimit eine 'Hoffnung von ZchnUu.icrulcn auf Vergrüü.serung der Auswnntleningsmoglichltritcn zusammenzubrechen droht. Was die* für die polnische Judcnheit bedeutet tat aus den Berichten und Beratungen der unlängst in Warschau nbgehriltwncn Konferenz der „Z e n t r ä 1 e n J ü d i * <: h e n R m i g r ä t i o n s g e s c 1! s e h a f t In Pole n" '..Jens" -~ eine Sohwestergeaellaehaft des „Hins" in USA) zu ersehen. Mit der fteschriinkung der Pjiüistinn-Aiijnh in den letzten drei Jahren, i*t mich die Judennuswunderung aus Polen ii'tn'i imispt, trotz Klcnd, Bedrängnis und Exzessen, erheblich gesunken. Im Vergleich mit den Jahren 191.1 H>WJ hat sich die Jüdische Emigration in den letzten zwei Jahren fiiat um die Hälfte ver* mindert. Im Jahre J9.'i5 wanderten nämlich nach Palästina au» Polen 24 7.*8 Juden nus. Im Jahre -•- lOfion, im Jahre 1037 — 2«r.4 und im Jahre 19.18 — 2514. Auf 102 043 Kmigranfen. die im Jahre H).17 Polen überhaupt verlie fen, machen die Juden HM5«, auf 129 110 im Jahre MOS — 02.18 aus. Au» den Territorien des heutigen Polen wanderten vor dorn Weltkriege jährlich ca. 50 000 Ju*lon au». Im Jahre. U»25 nahm Pa'astina all«in 30 000 polnische Juden auf. Diese minimalen EmigrationsmögUchkcitcn für die polnischen Juden heutzutage — bei der grössten Emigrationanot - .lind also tragisch genupf. Haben doch viele Immlgra« tion.'dündpr — insbesondere in Südamerika — geradezu In den letzten Jahren nicht nur infolge der Aufnahme zahlreicher jüdischer Auswanderer aus Deutschland, aber zum grössten Teil gleichsam als Antwort auf Kvian und auf daa Drängen polnischer Faktoren, ihre Tore für polnische Juden noch mehr geschlossen. So haben Brasilien. Uruguay, Argentinien, Peru, Chile, Paraguay, Equador, Kolumbia, Mexico und zuletzt auch Bolivien und Kuba die Immigrationusvorschriften für polnisch« Juden dermasstm verschärft, das* manche dieser Länder überhaupt nicht mehr in Betracht kommen, manch« nur für eine kleine Zahl von Verwandten. Stark reduziert wurde dadurch die Auswanderung nach Argentinien, das jahrelang verhältnismässig viele Auswanderer aus Polen aufnahm (im Jahre wanderten dorthin nur 243.1, im Jahre :H»38 — 2175 polnische Juden aus) und nach Brasilien, das noch im Jahre ltf;i# — 1060, im Jahre 1»3« — Ö42, dagegen im Jahre 1M7 — ni'c'ht mehr als 270, im Jahre VMn nur noch 3«)7 polnische Juden hereinliess. Dagegen haben sich die Emigrationsaussichten mich USA. Kanada und Aimralien in den letzten Jahren verhältnismässig gebessert. Während die polnische Jahresquotc der Vereintsten Staaten (6524) in den früheren Jahren kaum 10- 20 Prozent gedeckt war, und zwar infolge der allzu vor- »ichtlgcn Praxi* der Amerikanischen Konsulate, werden Jetzt die Jahreskontingi'nte vom amerikanischen Konsulat vollständig ausgenutzt und sind schon für mehrere Jahre voraus b#- belegt. Allerdings können davon die in P««ien lebenden Juden nur etwa die Hälfte ausnutzen, die *vc(to Hälfte entfällt für für die in Polon geborenen und ausserh/ilb Polens wohnenden Juden. Die Auswanderung polnischer Juden nach.. I'HA hat :dch somit In den letzten vier Jahren fast vervierfacht Ul>.V> —?:V», 1!»?.* — 2.". 10), Australien ermöglicht letztens die Einreibe wohlhabenderen jüdischen Handwerkern, Kleinf'ibrik'inten und freien Berufen mit 2m australischen Pfunden. Die polnische Regierung erteilt durch Vermittlung des „Jeas" dieten Kandidaten Erlaubnisse auf Devisenausfuhr und auf diene VV'eiso konnten schon im Jahre 1938 727 polnische Jinl-n nun war» dern (im Jahre lt)3.> waren ü.h kruirn 37>. Nach Kanada Kennen nur qualifizierte jüdische Landwirte mit 1000 Dollar pro Familie auswandern. Die polnische Keglerung hat dafür ein Devisenkontingent für 50 Familien jährlich ewllllgt, also wanderten schon im Jahre 1037 nach Kanada 211, im Jahr« IT.3S — isr, Juden aus. Alle diese Zahlen zusar.vrrVengcr.ommcn decken aber ni* .m klein..ten Aiumass das Emigrationsbedürfiii* der polni* sciion Judcnheit. die auch ohne politischen und natlonallstl- .•eben Druck aus rein wirtschaftlichen (Jründen In ZehntauHcnden jährlich zur Auswanderung gezwungen Ist. Die erwähnte Konferenz, die du* gt'&ami« Emignitionsprobleni aus praktischen (iesiehtspunklen HachgcmäHs behandelte* konnte nur In Teilfragen /.u Ergebnissen gelangen. . Westeuropa-Konferenz der polnischen Juden Arn 21. Mai fand unter Vorsitz von J. M. Mach -er In London eine westeuropäische Hilfskonferenz statt, die vom United Appeal for Jews in Poiand und vom V/eltverband der polnischen Juden im Auslande einberufen war. Anwesend wan n Delegierte aus England, Frankreich, Belgien, Holland, der Schweiz, Deutschland, dem Protektorat Böhmen-Mahren, der Karpathf nukralne und de« Warschauer Zentralkomitee*. Beschlossen wurde die Bildung eine» Koordiriationszentrume in I, o n d o n , die Voreinstellung der S o r g e für d I f> Kinder, insbesondere ihre Ausbildung und die Ermoglichung ihrer Emigration vor allern nach Palästina, die Zusammenarbeit mit den Hilfskomitees für die Juden aus Deutschland. Entsendung von Delegationen zu verschiedenen Hilfsorganisationen, ein Appell an die polnische Regierung zur Herbeiführung einer Revision der Ausführurigabestäriimungen de» Ausbürgerung?.Gesetzes und einer Erleichterung der l^gaU<- sierung der Pässe der polnischen Juden im Auslande, Scblieaelieh wurde ein Protest gegen das Weianbuch zum Ausdruck gebracht. einen Sinn haben sollen, in kurzer Zeit grosse Maasen aufnimmt, erfordert einen technischen, organisatorischen und finanziellen Apparat, desHCngieichen es bisher in der Welt noch nicht gegeben hat. Trotzdem schreckt man davor nicht zurück, sogar in England, wo doch Menschen mit grosster kolonisatorischer und wirtschaftlicher Erfahrung sitzen, die die Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens begreifen müssen. England hat Untersuchungskommissionen nach mehreren Ländern ausgeschickt, man hört, dass ausser Guayana auch noch andere (z. B. San Domingo) ihre Arbeiten abgeschlossen haben, aber im Vordergrund der Diskussion steht noch immer Guayana, obwohl die Möglichkeiten dort sehr fragwürdig sind. Kürzlich hat die „Times" sogar bereits das Projekt aufgegeben, soweit Juden in Krage kommen, und statt dessen eine Ansiedhing von Menschen aus den übervölkerten westindischen Inseln in Guayana angeregt — eine Sache, die für Guayana wichtig sein mag, aber bestimmt nicht die Judenfrage löst. Die Schwierigkeit besteht darin, daa« England die Frage immer rein technisch betrachten und keinerlei politische Probleme damit verbinden will, weder was die Auswanderungsländer noch was die Einwanderungsländer betrifft. Dies ist eine VogelHtrauss-Politik. Die Judenfrage ist ein politisches Problem ersten Hanges geworden, ein aussenpolitische« ebenso wie ein wanderungs- und wirtschaftspolitisches. Neue Käuine in der Welt können nicht dort erschlossen werden, wo die Naturbedingungen seit Jahrhunderten und gar Jahrtausenden jede menschliehe Arbeit unmöglich machen und die darum leer geblieben sin(J, Bondern nur au? Gebieten, die zwar vernachlässigt zurückgeblieben und daher untertevStkerf sind, aber ihrer Natur nach, wie auch die Geschichte beweist, bevölkerbar. Ein solche« Gebiet ist der Vordere Orient, der im Interesse der Araber und der Juden gemeinsam entwickelt werden könnte, wenn man das Problem nur erst einmal als politisches begreift und mit echten politischen Mitteln zu lösen versucht, nicht durch ein immerwährendes Zurückweichen und Ausweichen. Ist erst die Notwendigkeit einer jüdischen Massensiedlung akzeptiert worden, dann muss die Durchführung so erfolgen, dass eine Aussicht auf Erfolg besteht m\d nicht durch Plakatierung von Experimenten, an die Im Grunde des Herzens doch niemand richtig glaubt. Vo« Londan mamh Die Mandatskommission des Völkerbundes j tritt am 8. Juni in Genf zusammen, die Palästina-Frage j soll etwa am 12. auf die Tagesordnung gelangen. Inzwi- I sehen hat ein lebhafter Meinungsaustausch über Paläj stina eingesetzt, besonders in England. Die Kegierung; hat zwaf* im Parlament ihr.Programm durchgesetzt, wo- : ran niemand zweifelte, denn eine englische Regierung | mit einer so grossen Mehrheit im Parlament kann jede j von ihr gewünschte Politik durchsetzen, aber es wird 1 allgemein auch in England zugegeben, dais die I*age der Regierung nicht so günstig ist wie maa gemeint hatte. 1 Ist es doch ein höchst seltener Fall, dass bei einer Sache, he* der die Regierungspartei ihre Einpeitscher in Hewegung yelzt und eine dreimalige Mahnung an alle Parteimitglieder ausgehen lässt, eine so kleine Mehrheit findet. Gegen die Uegieruugspoiitik ist nicht nur die führende Oppositionspartei (Arbeiterpartei) aufgetreten, die in ihrer einige Tage nachher abgehaltenen Parteikonferenz in Southport eine scharfe Resolution gegen da« Weissbuch angenommen und offenes Tor in Paliistina für jüdische Einwanderung gefordert hat, sondern führende Mitglieder der Konservativen Partei, darunter zwei so prominente Konservative wie Amery und Churchill, die beide früher <sIm Kolonialminister für die Verwaltung Palästinas verantwortlich waren. Man muss dabei bedenken, dass die jetzt so entschieden für das Nationalheini eintretende Labour-Party im Jahre HM», st!s sie selbst in der Regierung sass, einen schweren Sehlag gefcen das Nationalheirn geführt hat, nämlich durch da« sogenannte PasslieUl-WeisHbueh, worin der damalige Ko« lonialsekrelär L»'>rd'; "#assfieJd (Hidney Webb) das Nationalheim zu „kristallisieren" versuchte, d. h. Keine weitere Entwicklung radikal besehranken wollte. Damals war es der junge Malcolm MacDonald (der jetzige Kolonialrninister und Verfasser des Weissbuches von MKJÖ), der der Hache des jüdischen Nationalheims gegen Lord Passfield zum Siege verhalf und dessen Weissbuch zu Fall brachte. Die Labour-Party in Opposition verhält .sich anders als die regierende. Aber auch Churchill und Amery haben als Kolonialminister Äusserungen getan, die von jüdischer Seite scharf angegriffen wurden, so Churchills Weissbuch von VSi% oder 4rn^"r>'H l^'de 1926 in Jerusalem, wortn er von einer jüdischen Minderheit in Palästina sprach. Wenn diese Persönlichkeiten jetzt mit einer besonderen Heftigkeit für das Nationalheim eintreten ~ Churchills Rede war zweifellos die eindrucksvollste der ganzen Debatte — dann ist dies ein Beweis, dass die Dinge heute mit anderen Augen angesehen werden als früher, und zwar infolge der internationalen Situation, die so manche Begriffe geändert hat. Die Politik der Regierung hat auch zahlreiche moralische und geistige Faktoren gegen sich, repräsentativ dafür ist wohl die scharte Rede des Erzbischofs von Canterbury im Oberhaus; und auch I»rd Samuel, der vor einem halben Jahr wegen seines Vorschlags, die jüdisch« Bevölkerung im i^aufe der nächsten zehn Jahre auf 40 Prozent anwachsen zu lassen, d. h. jährlich 2.V--3Q 000 einwandern zu lassen, von jüdischer Seite heftig angegriffen wurde, hat »ich jetzt mit alier Klarheit gegen das neu« Weissbueh der Regierung ausgesprochen. Angesichts dieser grossen Opposition sucht man bereits nach einem anderen Ausweg. Niemand zweifelt, heute daran, dasa der Ausweg nur m einer Föderation, wahrscheinlich verbunden mit irgendeiner Form der Teilung oder Ivan- Ionisierung Palästinas, liegen kann. Vielleicht gibt die Mandatskommission einen Anhaltspunkt in dieser Richtung, damit es gelingt, die Kräfte des Friedens auf ein gemeinsames Ziel zu vereinigen.

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