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Jüdische Weltrundschau · 1939-06-09 · 13 (9.6.1939) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
13 (9.6.1939)
Date
1939-06-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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S«*C 2 JODISCHE WELT-RUNDSCHAU --——, n ■ ■ i, . „fi.i -r- Nr. 13, 9. VL 103* Kampf, in don da» Judentum heute verwickelt Ist, in der immerwährenden Vcrlcumdunffskampagne, der ca ausgeätzt ist. und anpesieht» dor Verzerrungen, die vom jUdinehcn Wesen und jüdischem Wollen bei jeder Gelegenheit in die Volker tfetntKen werden, genügt es nicht mehr, dass wir un:; darauf l»esr hränken, in Einzelfragen unser Recht zu verteidigen. Wir mÜK.;en gewärtig sein, d uss ein Teil der Juden Urthal «ich absondert und seine eigenen Wege geht; wir Bind kein totalitäres' Gebilde und wir haben nieht die Macht, dissentierende Juden, die keineswegs immer als minderwertig abgetan werden können, sondern häufig bei der Umwelt Respekt gemessen, auf eine einheitliche Linie zu zwhvtcn. Umso mehr mups die jüdische Führung durch ihr Programm und ihre Haltung überzeugend für da« eigene Vo 1 k und f ü r d i e Welt wirken. Seit Jahren ist es das Unglück unserer Situation, dass wir un» weitgehend durch die Rücksichtnahme auf die Extremisten im eigenen Lager bestimmen lausen, wodurch man allmählich ganz gegen die eigene Überzeugung ins Schlepptau dieser Extremisten geraten kann. Em ist. nach unserer Mei nung sehr wichtig, die jüdischen und nichtjüdischen Äusserungen der letzten Wochen im rechten Lieht und In ihrem ungeschminkten Sinn zu sehen. Ebenso vi« die einzelnen Fragen der Weltpolitik heute nicht mehr voneinander zu trennen sind, so sind auch die einzelnen Gebiete der jüdischen Politik heute eng miteinander verbunden. Paliistina und die Diaspora sind in dieser Hin sieht eine Einheit Wir Juden brauchen Freunde in der Welt, wir müssen es darauf anlegen, Freunde zu ge Winnen, und nicht in falschem Heroismus stolz darauf sein, zu kämpfen und bekämpft zu werden. Dass die Politik des Weissbuches bekämpft werden muss, darüber sind sich alle Juden einig. Es handelt sich aber darum, die Form des Kampfes und auch die Formulierung des Kampfzieles so zu halten, dass sie mit dem Gefühl der Mehrheit der grossen Öffentlichkeit in Einklang gebracht werden kann, mit den Prinzipien, für die heute der Teil der Welt, der mit uns überhaupt noch Beziehungen aufrechterhält, kftmpft, und für die auch wir zu kämpfen gewillt sind. Weitere Äusserungen EIN KANTOMSIERUNGS VORSCHLAG APPELL DER DEUTSCHEN JUDEN Die Re i c h s v o r t r e t u n g der Juden In Deutschland hat den nachstehenden Brief an die Jewlsh Agency zu Händen von Dr. Welzmann gerichtet: „Als Oesamtvertretung der Juden In Deutschland fühlen wir uns verpflichtet, dem Gefühl Ausdruck zu verlcihen.das In diesen Tagen unser« Menschen bewegt. Mit tiefer Bestürzung haben die Juden In Deutschland von dem Pnlastina-Weissbuch der Mandats-Regierung Kenntnis erhalten. Sic empfinden, dass sein« Verwirklichung die Abkehr von der Ii a I f o u r - Deklaration und eine Aufhebung des anerkannten Recht* auf da» jüdische Natlonalheim bedeuten würde. In einer Zeit, in der die Erhaltung und Vermehrung der 'Auswanderungämugllehlceiten fiir die Juden vieler Länder eine Lebensnotwendigkeit Ist, will das Weissbuch die Einwanderung in das Jüdische Nationalheim hemmen. Der Gedanke einer künftigen Einwanderungssperre muss ihnen allen unfassbar und untragbar erscheinen. Besonders tief empfinden dies die Juden in Deutschland, aus deren Mitte so zahlreiche Menschen in den lotsten Jahren In Erez Israel eine neue Heimat aufgebaut haben und unter denen noch viele sind, für die 'der Gedanke des Weges nach Palästina die Hoffnung bedeutet. Indem wir uns xum Mittler dieser Empfindtingen machen, fühlen wir uns Ihnen im Glauben tu\ den unveräusserlichen Anspruch auf das jüdische Katlonalheim und in dem Willen, an ihm unverbrüchlich festzuhalten, verbunden. Die Rciehsvcrtrctung der Juden in Deutschland Dr. Baeek In den englischen Zeitungen und Zeltschriften Vierden ständig eine ganze Reihe von Zuschriften zum Palästina-Problem veröffentlicht. Es tat dabei festzustellen, dasn auch hier die Anschauungen oft diametral entgegengesetzt sind, so wie bei Juden und Arabern «clbst Charakteristisch für die Versehiedcnartigkelt der Gesichtspunkte ist es z.B., wenn in derselben Nummer der ..Times" eine Zuschrift von Mr. Jame« Malcolm <dem früheren f?ekretiir von P.alfour, der seinerzeit auch einen Vorschlag für einen gegenüber dem Peel-Pinn verbesserten Tcilungsplan gemacht hat) veröffentlicht ist, worin dieser darauf hinweist, das« zur Zeit der Balfour-Deklaratiori die führenden englischen Staatsmänner geradezu zur Bedingung gestellt haben, dass ein grosser Zustrom von Juden stattfinden müsse, während auf der anderen Seit« Golonel Newcombe (der Verfasser mehrerer Bücher über Ägypten und andere Teile des neuen Orients) daran erinnert, du« er 1915-19 ab Mitglied des sogenannten Arabischen Büro« In Kairo die Versprechungen England« an die Araber zu jener Zelt miterlebt hat und da#* diese einen Judenstaat in Palästina ausschliessen. Newcombe behauptet, dass die mit England verbündeten Araber Im Dezember 1»17, als sie von der Balfour-Deklaration erfuhren, nicht weiter kämpfen wollten, und man deswegen Hogarth zu König Hussein sandte, der ihm versichern sollte, dass die projektierte jüdische Siedlung mit der Freiheit und Unabhängigkeit der arbischen Länder vereinbar sei, Hussein habe erklärt, unter dieser Bedingung würden die Araber die Juden in ihrem Haus aufnehmen. Man habe, so schreibt Newcombe, sich ein geredet, das Nationalheim werde nur kulturell und geistig zu verstehen «ein, dann aber habe Dr. Weizmann es gedeutet, dass Palästina so jüdisch sein »oll wie England englisch. Zum, Schluss schlägt Newcombe vor, England solle Pähl stina im Interesse der Lahdesbevölkerung regieren und durch eine garantierte Anleihe den Wohlstand wiederherstellen Durch die Bildung einer arabischen Föderation werde auch die Möglichkeit einer Mitarbeit der Juden gegeben werden und je schneller sich diese zur Mitarbeit cntschliessen, umso besser. Die interessanteste Zuschrift i.st die von E. Vdlkows ky, Tel-Aviv, der den Vorschlag macht, Palästina .In 10 Kantone einzuteilen, davon 4 jüdische, 4 arabische und gemischte. Die 4 jüdischen Kantone wären: Emek Jesrecl, Scharon, Galiläa und ein Teil Judaas mit Rechowot als Zentrum. Die 4 arabischen Kantone wären Nablus, Hebron, Akko und Jaffa. Die gemischten Kantone, in denen auch britische Interessen vorhanden sind, wären Haifa und Jerusalem. Jeder Kanton soll in Bezug auf Einwanderung und Siedlungsfragen Autonomie besitzen und die 4 jüdischen Kantone sollen zusammen eine gemeinsame gesetzgebende Kör. perschaft haben. Ein palästinensisches Parlament so»! S Delegierte aus jedem Kanton haben, von denen immer 2 der Mehrheit und 1 der Minderheit des Kantons angehören soll, während in den beiden gemischten Kantonen die Vertretung aus 1 Juden, 1 Araber und 1 Engländer besteht Präsident des Parlaments soll ein vom Völkerbund ernannter englischer High Commlsslo" ner sein„ Auf diese Weise wäre Beherrschung der einen Seite durch die andere Seite unmöglich. England würde die Obcrfsicht behalten und eine permanente Kontrolle seiner strategischen und wirtschaftlichen Interessen sowie der Heiligen Sutten. Wir glauben, dass dieser Kantonisierungsvorschlag, der unseres Wissens auch in anderen jüdischen Kreisen Unterstützung findet und auch auf englischer Seite Interesse erregt hat, die grösstc Aufmerksamkeit verdient. Macdooald über die Terrorakte „Kein Beweis, da»» die Juden sie billigen" Beim Wiederzusammentritt des englischen Unterhauses nach den Pfingntferien wurden eine Reihe von Fragen über Palästina gestellt. Kolonialminister MacDonnld gab Auskunft Uber die Terrorakte, die in den letzten zwei Wochen in Palästina von Arabern und Juden verübt worden sind. Was die Juden betrifft, so sagte er, es gäbe swar eine jüdische Opposition gegen die Regierungspolitik, es sei aber nicht erwiesen, dass die jüdisch« Öffentlichkeit als ganses eine Politik der Gewalt und Zerstörung billige. Was die Araber betrifft, so seien sie geteilt. Ein Teil lehnt dos Weissbuch ab, der andere Teil nimmt es an. Aus Furcht vor dem inneren Terror können gewisse arabische Kreise ihren Wunsch zur Zusammenarbeit nicht wahrheftsgemäss sunt Ausdruck bringen. Der arabische Terror auf der einen Seite und die Überflutung durch illegale Immigranten auf der anderen Seite schüren die Flammen , fortwährender Gewaltakte. Auf eine weitere Frage erklärte der Kolonialminister, dass die Regierung keine Möglichkeit habe, Einflus* auf die Mufti-Gruppe auszuüben. Er stellte in Abrede, dass die Regierung mit dieser Gruppe verhandelt habe. Niemand habe Im übrigen erwartet, dass der Terror sofort' aufhören werde. Die Regierung sei aber in zunehmendem Masse Herr der Lage DIE ILLEGALE KINWANDKKU.NO Eine ganze Anzahl von Fragen betraf die illegale Einwanderung. Macdonald schätzt sie auf mehr als 1000 im Mai. DerLabour -Abgeordente Nocl-Baker, der während, der Debatte am 24. Mai ausführlich gegen die Regicrungspolitik gesprochen hat, fragte, wohin man die jüdischen Flüchtlinge abschieben, wolle, die aus Deutschland und Italien' als illegale Finwanderer nach Palästina zu kommen versuchten. MacDonald antwortete, dass man die illegalen Einwanderer abzuschieben suche, soweit dies möglich sei, und diejenigen, die man nicht zurückschicken kann, würden von der Immigratlonsquotc abgezogen werden. Der Kolonialminister betonte, dass eine grosse Anzahl diener illc~. palen Immigranten nicht Flüchtlinge am Dentsr hland und Zentraleuropa sind. Ferner sagte der Kolonialminister, daita die verantwortlichen Veranstalter dieser illegalen Immigration' sich darüber völlig im klaren seien, dass Immigranten ohne* flic notwendigen Reisepapicre nicht gelandet werden können. Schliesslich gab der Kolonialminister noch die Erklärung ab, dass er mit dem High Copimissioner wegen Festsetzung der Immigrationsfiuote, einschliesslich der für Flüchtling? im? * Welssbuch In Aussicht genommenen 25 000, in Verhandlung* steht. Die Regierung habe nicht die Absicht, die , Aufnahme dieser Flüchtlinge zu verzögern. Dr. Otto Hlraeh Die Kundgebung der Vertretung der Juden in Deutschland wird gewiss von allen ausgewanderten d e ut - sehen Juden unterstützt werden. Die deutsehe Judenhelt als Ganzes erlebt jetzt eine der grossten geschichtlichen Tragödien. Nicht nur werden Zehntausend*» von Menschen Ins Ungewisse gejagt, sondern Familien- und Freundaehattsbandc werden zersprengt, eng verbundene Menschen auf Tausende Kilometer uuseinandergerisstn. Das Zentrum und die in jüdischer Hinsicht gesichertste Gruppe Ist die in Palästina, die hier mit allen anderen Juden zusammen ein neues Gemeinwesen nufbauen will, das imstande wäre, noch viele Taugende von deutschen' Juden. Verwandte und Freunde, aufzunehmen» Dieser produktiven Hilfe- In einer verzweifelten Situation setzt die englische Politik einen Riegel entgegen. Die Reich&vertrctung. die das Auswanderungsbedürfnis und di * Bedrängnis der Juden hqnnt, darf gewi»s erwarten, dass ihr Appell nicht tingehört verhallt. Die Kundgebung, unter- Belehnet von zwei „NiehUkmisten*\ spricht nicht Im Namen einer Partei, sondern einer Gesamtheit, DIE ABGEORDNETENWAHLEN IN UNGARN Von unserem ichterstattcr. Kleine Nachrichten Der Präsident von Cuba ordnete an, dass der vor II ab Ana angelangte Dampfer St.-Louis der Hamburg-Amerika Linie mit 015 Flüchtlingen aus Deutschland nicht zur Landung in Otrta zugelassen werde. Reuter berichtet, dass! zwei 'jüdische Flüchtlinge nach der Verweigerung der Landung j einen Seih.«mordversuch gemacht haben. Es drohte der Rück- | tnansport und» Deutschland. Später gelang es. die Flüchtlinge j in.St. Domingo zu landen. Die näheren Bedingungen sind noch nicht bekannt. In London starb Sir Philip Siusoon, der in der Regierung Charoberlaln die Stellung «'es Kommissars für öffentliche Arbeiten innehatte. Sir Philip gehört einer berühmten «ephardtschon jüdheheu Familie an. Seine Mutter ist eine geborene Rothschild. Er war während des Krieges Privatsekretär von Feldmarschall lUig ui-d wurde nach dem Kriege Unterstaats&- urelar für Luftfahrt von i<j24 bis j*29 und 1331 bis 5SJ7. 1937 wurde er «ui seinen jetzigen Mlnisterposten befördert Sir Philip war eine der führenden jüdischen Figuren in englischen üeseilschaftsiuelssn, nahm jedoch an jüdischen Angelegenheiten so gut wie gar nicht teil. Budapest, Anfang Juni. Die erste allgemeine geheime Abstimmung in Ungarn brachte keine grössere Überraschung, aber eine grosse Wandlung. Di« von der Regierung geleitete „Partei den Ungarischen Lebens" errang sowohl In den Einzelwie in den Listenwahlbezirkcn einen überwältigenden Sieg, Indem von insgesamt 260 Mandaten, (das ncuangogliederte Oberland wählte zur Zeit noch nicht) nicht weniger als 180 ihr zufielen. Vollständig verschwunden sind aus dem Parlament die sog. „Dissidenten", jene Gruppe von Abgeordneten meist persönlichen Gewichtes und politischen Vergangenheit, die seinerzeit den diktatorischen Allüren des Ministerpräsidenten Imr6dy den Rücken kehrten; wie überhaupt dem neuen Reichstag neue Gesichter das Gepräge geben werden: laut einer Statistik ziehen 140 150 Abgeordnete j«m erstenmal ins herrliche ParlamentSgebäude am Donaustrand efn. Dezimiert wurden auch alle übrigen Oppositionsparteien, so die Partei der Kleinlandteilte, deren Führer, Tibor v. Eckhardt, nur mit Mühe in einer Listenwahl durchdrang, so die Christliche Volkspartci des Grafen Johann Zieh y. trotzde-n sie ihre Listen mit der Regierung koppelte. Die freisinnige UUrgerftartei sowie die Sozialdemokraten erhielten bloss in der Hauptstadt je 5—5 Mandate, unter ersteren der einsige Jude de» Abgeordnetenhauses Dr. Ernst B r ö d V. Mit desto grösserer Vehemenz zogen die rechtsradikalen Parteien, vor allem die der Pfellkreuzler ins ungarische Parlament ein, was nach der vorhergegangenen parlamentarischen „Schonzeit" und der mit allen Mitteln der .Aufklärung erfolgten Wahlpropaganda nicht Wunder nehmen darf, in mindestens ISO Wahlbezirken hatten sie Kandidaten aufgestellt, von denen bisher mehr als 40 gewählt erscheinen, einige befinden sich noch in der Stichwahl. Auch hier handelt es sich meist um bisher im öffentlichen Leben unbekannte Grössen; charakteristisch Ist jedoch, dass ihr Führer Koloman Hubay an drei Stellen gewählt wurde und dass von der Zeitung „Uj Magyarsäg" die seit einer Zeit als Regierungsblatt fungiert und eben heute den programmatischen Leitartikel des Ministerpräsidenten enthält, vier ihrer Redakteure ins Parlament entsenden konnte. Das Resultat, der mächügu Vutbrttcfr vier Rechtsradikales, bt desto beachtenswerter, als eben Graf Telekl noch in den letzten Tagen sich schürf und offen gegen jene Propaganda gewendet hatte, „die mit Geldern arbeite, an die ein Ungar niemals rühren dürfe." Wie der ,jPestcr Lloyd'" in einer Analyse der auf die rechtsradikalen Parteien entfallenden Stimmen nachweist, sind Ihnen sowohl das ländliche, wie das Urbane Proletariat in grossen Massen tugestromt. als Zeichen einer unbefriedigten materiellen und sozialen Lage. Oder wie Innenminister Franz Keletztes-Fischer ankvssiieh der Übernahme seines Mandats in Pees betonte: „Die gleichen Massen, die auf Seiten des Linksradikalismus standen, sind jetzt zur extrtmrechten Richtung übergegangen. Zwischen rechts und links gibt es im Radikalismus keinen Unterschied". Die Schicksalsfrage des Parlaments, — auch des Juden-, tum« — bleibt, wie sich die vielen Neulinge der Regierungspartei dem Ansturm von rechts gegenüber verhalten werden. Die noch immer an 150 000 Wähler zählende Judenhelc des Landes hat bei den jetzigen Wahlen kaum mehr eine Rolle gespielt. Nachdem die Bestimmungen des neuen Judcngesetües, ebenso die Unmöglichkeit der rechtzeitigen Beschaffung der Abstammungsdokumente einem Teil der jüdischen Bevölkerung das Wahlrecht entzogen halte, fielen andere Zehntausende von Wäldern noch dem amtlichen Legitimationsverfahren aum Opfer, (s. Bericht in No. 10 der (,J.W,R-*>, das besonders in den von Juden dichtbevölkerten Bezirken von Budapest einen machtigen Apparat vot*. Beamten mobisierte, seiner Aufgabe dennoch nur xum Teil Genug« leisten konnte. Unpünktlichkeiten in der hebraisierten Namensschreibung, die in den von Rabbinern und Nicht-Fachleuten vor 80-100 Jahren geführten Matrikclbüchern naturgemäß vorkommen, ungenaue, ungenügende dokumentarische Belegung sonst klarer Daten genügten, um sichtlich berechtigten Bewerbern die Abstimmung unmöglich zu machen. Da.s „Bkiiff der ungarische» Juden" ruft daher zur Fortsetzung des „Kampfes ums Papier" auf. der wiedergewählt« Führer der liberalen Opposition, Dr. Karl Rassay aber hat diese Beschwerden sofort in den Sitzungen der hauptstädtischen Verwaltungsbehörden xur Rede gebracht und für di« Zukunft Abhilfe gefordert. Polens Haltung zum Weissbuch (Von unserem Warschauer Korrespondenten> In offiziösen polnischen Kreisen wird die Stellung def polnischen Regierung zum Weissbuch folgendermaßen formuliert: Das Wetssbuch ist nicht als endgültige Entscheidung über den Judenstaat in Palästina anzusehen. Wenn man das gegenwärtige Tempo der Ereignisse in Acht nimmt, kann man als wahrscheinlich annehmen, dass der auf Jahre vorgesehene Plan schon nach einigen Monaten werde fallengelassen werden. Der letzte Schritt Englands entspringt nur einer gegebenen Konjunktur. Das Weissbuch noll uic arabisch-moslemische Welt für England gewinnen und diese Weit * in ihrem Widerstände gegen die Mächte der Achse stärken. Dieser englische Versuch wird aber seinen Sinn im Augenblick verlieren, da der politische Kampf mit Berlin und Rom beendet sein werde. Infolgedessen hat es Polen unterlassen, offiziell gegen das Weissbuch Stellung su nehmen, obawar dieses lebenswichtige Interessen Polens berührt. Die gegenwärtige Politik Englands wird als vorübergehend, diktiert von taktischen Notwendigkeiten, angesehen, die nach fünf Jahren wahrteheinlich schon der Geschichte angeboren werden.

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